[Buchgedanken] Tanya Byrne: „Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus“

Vor kurzem habe ich „Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus“ von Tanya Byrne gelesen. Das Buch ist 2022 bei FISCHER Sauerländer veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel „Afterlove“ bei Hodder Children’s Books, einem Imprint der Hachette Children’s Group, London. Der Roman ist als Young Adult Romantasy einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Stefanie Frida Lemke verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Das Letzte, was Ash hört, ist das Zerspringen von Glas, als die Windschutzscheibe sie trifft und in eine Millionen Teile zerbricht, die wie Sterne funkeln. Ash stirbt – mitten in in ihrer eigenen Liebesgeschichte. Doch ihre Liebe zu Poppy ist viel zu groß, um so abrupt zu enden. Für Ash ist klar: Sie muss den Tod überwinden, um Poppy wiederzusehen.

„Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus“ ist ein Buch für junge Erwachsene mit einem starken Fokus auf die Liebesgeschichte, die offensiv als queer vermarktet wird, was eigentlich irrelevant sein sollte – schließlich kommt es auf die Gefühle an, egal zwischem wem. Da darüber hinaus aber auch phantastische Elemente eine, wenn auch nicht ganz so prägende, Rolle spielen, muss das Buch als Young Adult Romantasy eingeordnet werden.

Die Handlung vermag dabei nur in Teilen zu überzeugen. So stark die erste Hälfte des Buches ist, so süß und gefühlvoll die Liebesgeschichte, so ausbaufähig ist leider der phantastische Teil, der nicht immer logisch und nachvollziehbar ist. Daher fällt das Buch im zweiten Teil doch etwas ab, bleibt nichtsdestotrotz aber abwechslungsreich und altersgerecht – genau wie der einfach und flüssig zu lesende Schreibstil von Tanya Byrne. Hier war ein Jahreshighlight möglich – leider wird das Potential nicht vollständig ausgeschöpft.

Das Setting hingegen ist gelungen So entführt die Autorin den Leser – ungewöhnlich – nach Brighton, und damit gerade nicht an klassische britische Schauplätze wie London (wohin aber immerhin ein Ausflug führt) oder Schottland. Dabei bringt sie den Lesern die charmante Küstenstadt näher, die nicht nur dem Strand den Auftritt im Roman verdankt, sondern sicherlich auch dem Fakt, dass sie als Zentrum der LGBTIQ-Szene in Großbritannien gilt.

DIe einzelnen Figuren sind – zumindest teilweise – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen insbesondere Rosh, die leider in der zweiten Buchhälfte absolut gar keine Rolle mehr spielt, und Dev. Auch Poppy kann glänzen, wenn auch mit leichten Abstrichen, während Ash doch etwas blass verbleibt. Außerhalb der Liebesgeschichte wird zudem die Gefühlswelt der Protagonisten viel zu wenig beleuchtet, was schade ist.

Die Buchgestaltung zeigt ebenfalls Licht und Schatten. Während dem Lektorat und Korrektorat doch einige Kleinigkeiten durchgerutscht sind, bleibt darüber hinaus ein großes Fragezeichen. So findet sich der Prolog im späteren Verlauf der Handlung noch einmal komplett wortgleich abgedruckt wieder – entweder krasser Fehler oder gänzlich sinnlose Widerholung, jedenfalls wird hier der Lesefluss massiv unterbrochen und Verwirrung gestiftet. Der Buchsatz vermag hingegen mit insbesondere toll gesetzten Chatnachrichten wieder zu glänzen, der Buchumschlag ist mit Klappen, einer Prägung auf Cover, Buchrücken und Coverrückseite sowie einem tollen Farbschnitt in der Erstauflage hochwertig gestaltet. Das Covermotiv passt farblich toll zum restlichen Buch und ist zuckersüß, wenn auch knallpinke Haut irgendwie komisch aussieht.

Mein Fazit? „Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus“ ist ein Roman, der vor allem durch seine zuckersüße Liebesgeschichte glänzt, sein Potential aber nicht vollständig ausschöpft und leider zum Ende hin daher etwas abfällt. Für Leser des Genres dennoch zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Warda Moram: „Liber Bellorum I: Blut & Feuer“ (Liber Bellorum 1)

Vor kurzem habe ich „Liber Bellorum I: Blut & Feuer“ gelesen, den ersten Band der phantastischen „Liber Bellorum“-Trilogie von Warda Moram. Das Buch ist 2021 bei Julos in der Mankau Verlag GmbH erschienen und als High Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde zu Band III auf Lovelybooks.de.

Zwei Brüder ziehen heimatlos umher: Der verwegene Kyle ist getrieben von seiner dunklen Vergangenheit, während der zurückhaltende Raven an der Impulsivität seines Bruders so manches Mal verzweifelt. Warum müssen sie stets fliehen, warum ständig lügen? Als sie ein Tabu brechen und die Grenze zum Verbotenen Land überschreiten, treten die in ihnen schlummernden magischen Kräfte zutage. Auf der hoch angesehenen Akademie von Lunaris sollen Kyle und Raven lernen, ihre Magie zu kontrollieren und zu nutzen. Doch bald schon beginnt die schöne Fassade zu bröckeln, und düstere Prophezeiungen nehmen Gestalt an …

„Liber Bellorum I: Blut & Feuer“ ist ein typischer Auftaktband in eine High-Fantasy-Trilogie mit Schwächen und Stärken. So ist das Buch nicht als Standalone lesbar, werden doch kaum relevante Handlungsstränge aufgelöst, endet das Buch doch auch sehr offen. Auch braucht man als Leser einige Zeit, in die Handlung hineinzukommen, geht diese doch relativ gemächlich los, müssen doch erst sowohl die Welt als auch die meisten relevanten Charaktere eingeführt werden.

Insgesamt ist die Handlung dennoch durchaus kurzweilig und abwechslungsreich, auch wenn die handelnden Personen teils unlogisch agieren. Dabei mischt die Autorin genretypische Tropes und Themen wie die Entdeckung eigener Magie, den Tod der Eltern, Liebe, Mchtkämpfe und das Schicksal von Welten zu einem bunten Konglomerat, das durchaus Spaß macht. Spätestens mit den Themen ist dann auch die Genrezuordnung klar, und das Buch nicht – wie teils eingeordnet – als „Sword & Sorcery“ oder „Dark Fantasy“ anzusehen, sondern als relativ klassische High Fantasy.

Der Weltenbau ist dabei durchaus gelungen, auch wenn man anfangs etwas braucht, sich in der von Warda Moram erschaffenen Welt zurechtzufinden. Tolle Unterstützung leisten hier die Karten der Welt und der Akademie auf den Coverinnenseiten sowie das Glossar der einzelnen Magietypen am Ende des Buches. Gerade das Magiekonzept benötigt jedoch, trotz der Typenerklärung, in den weiteren Bänden noch einiges an Hintergrund, um glaubhaft zu funktionieren.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Melenis und Yuri, während insbesondere Kyle noch etwas blass bleibt. Warda Morams Schreibstil ist darüber hinaus leicht und flüssig zu lesen.

Die Buchgestaltung ist exzellent. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist schön anzusehen. Der Buchumschlag ist sehr hochwertig, mit leichter Prägung auf Titel und Buchrücken versehen und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten ausgestattet. Das Covermotiv ist farblich beeindruckend und bietet einen guten Wiedererkennungswert sowie ein einheitliches Gesamtbild der Reihe mit den weiteren Teilen.

Mein Fazit? „Liber Bellorum I: Blut & Feuer“ ist ein solider Auftakt in eine phantastische Trilogie, der vor allem durch einen gelungenen Weltenbau und eine abwechslungsreiche Handlung punkten kann, allerdings auch kaum Handlungsstränge auflöst. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, allerdings nicht als Standalone lesbar – und nicht, wie vom Verlag empfohlen, ab einem Lesealter von 12, sondern eher ab 14 Jahren.

[Buchgedanken] Gustaf Skördeman: „Faust“ (Sara Nowak 2)

Vor kurzem habe ich „Faust“ von Gustaf Skördeman gelesen, den zweiten Band um Kommissarin Sara Nowak. Das Buch ist 2022 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2021 unter gleichem Titel im Bokförlaget Polaris veröffentlicht. Das Buch ist dem Genre Thriller zuzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Nachdem Sara Nowak das Netzwerk der Stasi-Mitarbeiter in Schweden auffliegen ließ und einen Bombenschlag in Deutschland verhindert hat, werden die Ereignisse von den schwedischen Geheimdiensten unter den Teppich gekehrt. Sara will sich an das Schweigegebot halten, doch dann wird ein Ex-Spion ermordet, der sie wenige Tage zuvor vergeblich um Rückruf gebeten hatte. Obwohl sie an ihrer neuen Stelle in der Kriminalpolizei bereits genug mit einer Mordserie in der Unterwelt zu tun hat, lässt ihr schlechtes Gewissen sie erneut in der Spionagewelt herumstochern. Dabei scheint sie einen Agenten namens Faust mit einer Vergangenheit in der RAF gegen sich aufzubringen …

„Faust“ setzt die Ereignisse von Geiger relativ nahtlos fort, kann aber grundsätzlich als Standalone gelesen werden, auch wenn ich dies nicht empfehlen würde. Zwar werden die relevanten Querverbindungen größtenteils erklärt, man spoilert sich aber zum einen für den Vorgängerband und nimmt sich andererseits noch viel mehr Details, die hier aufgegriffen werden.

Die Handlung ist dabei – wie im Vorgänger – hochspannend und abwechslungsreich. Gustaf Skördeman webt dabei Elemente des Menschenhandels, von Clankriminalität, religiösem Fanatismus und von sexueller Gewalt in den Spionagethriller mit ein und schafft so einen hochkomplexen Roman, dessen Handlungsstränge trotzdem gut zusammenlaufen. Leider endet der Roman nach Abschluss der Kernhandlung mit einem Cliffhanger, der gänzlich unnötig ist und etwas den Charakter als Standalone zerstört.

Das Setting ist naturgemäß gelungen, entführt den Leser in ein Stockholm zwischen Clanstrukturen und High Society – unglaublich vielfältig, auch wenn einzelne Aspekte wie die rechtliche Situation am Freihafen beim ersten Lesen etwas unlogisch erscheinen. Gustaf Skördemans Schreibstil ist dabei leicht und flüssig lesbar.

DIe einzelnen Charaktere entwickeln sich im Verlauf des Romanes weiter, auch wenn die Entwicklung von Sara und Martin etwas erschreckend daherkommt. Am stärksten überzeugen mich in diesem Band hingegen Ebba, Nadja und Thörnell.

DIe Buchgestaltung ist auf ganzer Linie gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist atmosphärisch, sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert, fügt sich gut in die Reihe ein und zieht sich über den gesamten Buchumschlag, sodass ein einheitlicher Gesamteindruck entsteht, wenn auch etwas der Bezug zur Handlung fehlt. Zudem ist das Cover auf dem Titel, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt und das Buch mit farbigen Coverinnenseiten und einem farbigen Buchschnitt versehen.

Mein Fazit? „Faust“ ist eine gelungene Fortsetzung der Spionagethriller, die vor allem durch die spannende Handlung und die teils krasse Charakterentwicklung brilliert, es aber gerade mit dem Cliffhanger am Ende auch etwas übertreibt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von mindestens 16 Jahren.

[Buchgedanken] Gustaf Skördeman: „Geiger“ (Sara Nowak 1)

Vor kurzem habe ich „Geiger“ von Gustaf Skördeman gelesen, den ersten Band um Kommissarin Sara Nowak. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem gleichen Titel bei Bokförlaget Polaris veröffentlicht. Der Roman ist dabei als Thriller / Agententhriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich.

Das Festnetz-Telefon klingelt, als sie am Fenster steht und ihren Enkelkindern zum Abschied winkt. Agneta hebt den Hörer ab. „Geiger“, sagt jemand und legt auf. Agneta weiß, was das bedeutet. Sie geht zu dem Versteck, entnimmt eine Waffe mit Schalldämpfer und tritt an ihren Mann heran, der im Wohnzimmer sitzt und Musik hört. Sie setzt den Lauf an seine Schläfe – und drückt ab. Als Kommissarin Sara Nowak von diesem kaltblütigen Mord hört, ist sie alarmiert. Sie kennt die Familie seit ihrer Kindheit …

„Geiger“ ist eine Mischung aus Thriller und Schwedenkrimi, Agenten- und Spionageroman. Dabei ist „Geiger“ der Beginn einer Trilogie um die Kommissarin Sara Nowak, der zweite Band „Faust“ ist ebenfalls bereits erschienen und wird in Kürze hier auch vorgestellt, da er mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfgung gestellt worden ist.

Die Handlung in „Geiger“ ist dabei hochspannend und abwechslungsreich, eskaliert immer mehr und zieht Kreise bis in die hohe Weltpolitik, was dem ganzen etwas Glaubhaftigkeit nimmt, die Spannung aber nicht mindert. Hierbei werden neben der Spionage auch Themen wie Kindesmissbrauch, Einwanderung, familiäre Konflikte oder Prostitution behandelt, wobei der Handlungsstrang hinsichtlich der Prostitution aufgrund des in Schweden angewandten Nordischen Modells für hiesige Leser sehr ungewohnt anmutet. Leider endet das Buch für mich zudem ein, zwei Kapitel zu früh, da doch einige Punkte nicht aufgeklärt und so mutmaßlich in die Folgebände verlagert werden.

Das Setting begeistert durch die dargestellten Gegensätze zwischen High-Society und Rotlichtmilieu, zwischen ideologischem Fanatismus und fanatischem Ehrgeiz, zwischen Wahrheitssuche und Vergangenheitsbewältigung. Dabei ist Gustaf Skördemans Schreibstil trotz der schweren Themen leicht und flüssig lesbar.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei begeistern neben Sara vor allem Breuer und Agneta, während Saras Partner David noch sehr blass bleibt, wird für ihn doch ein großer, innerer Konflikt angelegt, der aber nichts zur Handlung beiträgt – eventuell wird ja auch darauf in einem der Folgebände noch zurückgegriffen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist atmosphärisch, das Titelmotiv zieht sich dabei über den gesamten Buchumschlag. Dabei ist das Buch mit einem farbigen Buchschnitt und einer leichten Prägung auf Titel, Buchrücken und Coverrückseite hochwertig ausgestattet und bietet zusammen mit Band zwei einen guten Gesamteindruck der Reihe mit hohem Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Geiger“ ist ein sehr gutes Romandebüt, ein hochspannender Thriller, der mit einem tollen Setting und einer abwechslungsreichen Handlung glänzen kann, dabei aber auch etwas eskaliert und minimal zu früh endet. Für Liebhaber des Genres in jedem Fall bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Jonathan Lee: „Der große Fehler“

Vor einiger Zeit habe ich „Der große Fehler“ von Jonathan Lee gelesen. Das Buch ist 2022 in der Diogenes Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2021 unter dem Titel „The Great Mistake“ bei Alfred A. Knopf, New York, veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de. Das Buch ist als Romanbiographie einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Werner Löcher-Lawrence verantwortlich.

Die Welt besteht aus Fehlern und Flickversuchen. Und manchmal aus seltsamen Missverständnissen. Andrew Green ist tot. Erschossen am helllichten Tag, an einem Freitag, den 13. Spekulationen schießen ins Kraut. Verdankt New York dem einstigen Außenseiter doch unter anderem den Central Park und die New York Public Library. Inspector McClusky nimmt die Ermittlungen auf. Was wussten die übereifrige Haushälterin, der Präsidentschaftskandidat Tilden und die brillante Bessie Davis, der halb New York zu Füßen liegt?

„Der große Fehler“ ist … ja was eigentlich? Von mir als Romanbiografie betitelt, bei Amazon unter anderem als Gegenwartsliteratur und als Polizeikrimi geführt, vereint der Roman doch mehrere Genres zu einem nicht immer wirklich überschaubaren Kuddelmuddel. So erzählt „Der große Fehler“ episodisch in Rückblenden aus dem Leben von Andrew Green, abwechselnd zur Darstellung der Emittlungen von McClusky.

Die Handlung ist daher sprunghaft und nur lose chronologisch, hilfreich wäre es gewesen, die Kapitel zumindest mit Jahreszahlen zu überschreiben. Auch ist die Schwerpunktsetzung nicht immer gelungen. So wird einzelnen Episoden und Handlungssträngen übermäßig viel Raum eingeräumt, während spannende Phasen wie das Wirken Andrew Greens vernachlässigt werden.

Setting, Sprache und Atmosphäre überzeugen hingegen. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise in das New York bzw. Amerika des 19. und (sehr frühen) 20. Jahrhunderts, in eine Zeit voller Vorurteile, Rassendiskriminierung und Klassenunterschiede, ohne diese Themen jedoch zu sehr zu politisieren und aus der heutigen Sicht zu beleuchten.

Der Schreibstil des Autors lässt sich – trotz der historischen Themen – im Wesentlichen gut und flüssig lesen, ist beschreibend, jedoch nicht störend oder ermüdend. Bei den Figuren überzeugt Mrs. Bray als Nebencharakter genau wie Samuel Tilden.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag und das Buch darunter sind verlagstypisch schlicht, das Covermotiv bietet aber immerhin mehrere Anklänge an die Handlung.

Mein Fazit? „Der große Fehler“ ist eine interessante Romanbiographie über einen amerikanishcen Visionär, die vor allem durch Setting und Sprache punktet, leider jedoch gerade die Visionen etwas vermissen lässt. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, aber definitiv nicht – wie im Blurb auf dem Buchrücken angegeben – der „beste amerikanische Roman des Jahres“.

[Buchgedanken] Marie Force: „Versuchung auf Gansett Island“ (McCarthys 24)

Vor kurzem habe ich „Versuchung auf Gansett Island“ von Marie Force gelesen, den 24. Teil der Reihe um die McCarthys bzw. Gansett Island. Das Buch ist 2022 bei Montlake Romance, Amazon Media EU S. à r. l. veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel „Temptation after Dark“ bei HTJB, Inc., Portsmouth, Rhode Island. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Das Buch ist dem Genre Romance zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Lotta Fabian verantwortlich.

Der charmante Cooper James ist ein echter Traumtyp. Doch bisher konnte keine Frau sein Herz erobern. Das ändert sich in einem einzigen magischen Augenblick, als er am Pool seines Bruders Jared die umwerfende Gigi kennenlernt. Fortan weiß Cooper genau, was er will, aber dafür müsste er sein ganzes Leben umkrempeln … Gigi Gibson ist auf Gansett Island, um hier die neue Staffel ihrer TV-Erfolgsserie zu drehen. Sie ist glamourös, frech und wunderschön, doch ihr Herz ist fest unter Verschluss. Liebe? Will sie nicht! Aber gegen eine heiße Sommerromanze und Coopers wunderbare Küsse hat sie nichts einzuwenden. Gar nichts …

„Versuchung auf Gansett Island“ ist einer der unzähligen Bände der McCarthy- bzw. Gansett-Island-Reihe von Marie Force und grundsätzlich als Standalone lesbar, wenn auch natürlich unzählige Querverweise zu und Figuren aus früheren – und kommenden – Bänden eine Rolle spielen.

Dabei gelang es der Autorin jedoch größtenteils nicht, den Fokus auf der Geschichte der Protagonisten zu lassen. Durch die vielen, teils immerhin interessanten, Nebenhandlungsstränge, die sogar gegen Ende noch neu auftauchten – so wurde das Pärchen für den nächsten Band gänzlich aus dem Zusammenhang gerissen und ohne Verbindung zur Geschichte einfach mal in die Handlung integriert -, ist die Love Story der Protagonisten teils komplett in den Hintergrund gerutscht.

Zudem sind – nicht nur, aber insbesondere – die Hauptprotagonisten gnadenlos klischeehaft überzeichnet. Reich, übernatürlich schön, hilfsbereit, stark, gut im Bett – gerade Cooper, aber auch Gigi, fehlen jegliche Ecken und Kanten, die einen runden Charakter auszeichnen. Lediglich einige Nebencharaktere wie Jared und Evelyn können hier überzeugen.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin den Leser auf eine malerische Insel als Hotspot der High Society, mitten hinein in eine Welt voller Traumhochzeiten, Fernsehdrehs und Dinner Partys. Ideal zum Abschalten – daher ein perfekter Urlaubsbegleiter.

Marie Forces Schreibstil lässt sich zudem schnell und flüssig lesen. Lediglich der Einstieg fällt hier aufgrund der angesprochenen Fülle an Namen und Handlungssträngen schwer. Auch die Genrezuordnung ist nicht ganz einfach. So sind die Protagonisten für New-Adult fast zu alt oder haarscharf an der Grenze, für einen Liebesroman fehlt es an Handlung und Tiefe, sodass ich es einfach mal altersunspezifisch als Romance gekennzeichnet habe.

Die Buchgestaltung ist noch solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten. Das Cover ist farblich auffällig und strahlend, die Proportionen des abgebildeten Paares (egal, wie man zu Menschen auf dem Cover steht) im Vergleich zum Rest jedoch zu klein. Zudem ist es, mindestens mal, verwirrend, dass sich das Covermotiv nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fortsetzt, das Auto allerdings davon ausgenommen zu sein scheint und einfach abgeschnitten worden ist. Gut gedacht, aber eher suboptimal umgesetzt.

Mein Fazit? „Versuchung auf Gansett Island“ kann vor allem durch sein Setting überzeugen, lässt aber Ecken und Kanten bei den Protagonisten vermissen. Auch verliert es zugunsten diverser anderer Handlungsstränge oftmals den Fokus. Für Liebhaber der Reihe und als Urlaubsbegleiter dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Laetitia Colombani: „Das Mädchen mit dem Drachen“

Vor kurzem habe ich „Das Mädchen mit dem Drachen“ von Laetitia Colombani gelesen. Der Roman ist 2022 in der S. Fischer Verlag GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel „Le Cerf-volant“ bei Éditions Grasset & Fasquelle, Paris. Das Buch ist als Gegenwartsliteratur zu klassifizieren, für die Übersetzung zeichnet Claudia Marquardt verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Am Golf von Bengalen will Léna ihr Leben in Frankreich vergessen. Jeden Morgen beobachtet sie das indische Mädchen Lalita, das seinen Drachen fliegen lässt. Als Léna von einer Ozeanwelle fortgerissen wird, holt Lalita Hilfe bei Preeti, der furchtlosen Anführerin einer Selbstverteidigungsgruppe für junge Frauen. Léna überlebt und zusammen mit Preeti schmiedet sie einen Plan, der nicht nur Lalitas Leben grundlegend verändern wird.

„Das Mädchen mit dem Drachen“ lässt mich, auch Tage nach dem Beenden der Lektüre, noch immer etwas ratlos zurück. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen auf der Welt, ist das Buch unglaublich wichtig und wertvoll, propagiert es doch den unermüdlichen Kampf für eine friedliche Welt frei von Herkunft und Religion und – in diesem Fall – Kasten, für Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen. Und doch gelingt es dem Funken nicht, gänzlich überzuspringen, mich komplett für das Buch einzunehmen.

Dies liegt vor allem an dem Schreib-/Erzählstil von Laetitia Colombani. So erzählt die Autorin die Geschichte mit einer großen Distanz, lässt den Leser nie allzu nah an die Figuren. Und auch wenn man aufgrund des großen Leids, der schweren Themen, darin einen gewissen Schutz für den Leser sehen mag, fehlt mir doch die emotionale Bindung zu den Protagonistinnen, deren Handlungen und Empfindungen man nicht im Sinne von „Show, don’t tell“ erleben darf, sondern die einem in Gänze beschrieben werden.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. Laetitia Colombani nimmt den Leser mit auf eine Reise nach Indien, lässt ihn die Küste in Tamil Nadu und die Orte fernab touristischer Hotspots erkunden. Und auch wenn einige Handlungsteile – gerade das Ende – doch eher unrealistisch sind, beschönigt Colombani nicht und zeigt auch die dunklen Seiten Indiens.

Die Handlung ist im wesentlichen spannend und abwechslungsreich, und nimmt gerade zum Ende hin etwas Fahrt auf. Dabei konzentriert sich das Buch sehr stark auf das Wesentliche und spart z.B. viele organisatorische Fragen in Zusammenhang mit den Indienaufenthalten und der Schulgründung aus – was auch etwas die Kürze des Buches erklärt. Ich hätte mir hier noch ein paar Hintergrundinformationen mehr gewünscht.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag glänzt durch die goldenen Elemente, ist darüber hinaus aber doch wie auch das unter dem Umschlag befindliche Hardcover relativ eintönig und simpel gestaltet, passt sich aber gut an die anderen Bücher der Autorin an und sorgt so zumindest für einen gewissen Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Das Mädchen mit dem Drachen“ ist ein gerade derzeit unglaublich relevantes Buch, das vor allem mit einem grandiosen Setting und einer spannenden Handlung punkten kann, aber auch mit großer Distanz zum Geschehen erzählt wird – insgesamt bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Tom Voss: „Eiszeit für Beck“ (Nick Beck 2)

Vor einiger Zeit habe ich „Eiszeit für Beck“ von Tom Voss gelesen, den zweiten Band der Reihe um Nick Beck und Cleo Torner nach dem Auftaktroman „Hundstage für Beck“. Das Buch ist 2021 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag (und die Glücksfee) für die Bereitstellung eines Leseexemplars im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de.

Es ist Winter in Hamburg, und entsetzliche Morde erschüttern die Stadt. Der Elbripper ist zurück, nachdem er fast zwei Jahre lang verschwunden war. Elf Opfer gehen schon auf sein Konto. Und Nick Beck hat auf der Jagd nach ihm seine Kollegin im Einsatz verloren. Daraufhin nahm er Abstand vom LKA-Dienst und ließ sich versetzen. Aber jetzt wird er reaktiviert, denn niemand kennt den Serienmörder so gut wie er. Doch irgendetwas ist anders: Die Rituale des Killers scheinen sich verändert zu haben. Hat der Elbripper seinen Modus geändert? Oder haben es Nick Beck und Cleo Torner mit einem Nachahmer zu tun? Nur eines ist klar: Der Täter ist gefährlicher als je zuvor …

„Eiszeit für Beck“ ist der zweite Band um Nick Beck und Cleo Torner, wobei letztere in diesem Roman eher eine untergeordnete Rolle spielt – gleichsam aber die Sympathieträgerin bleibt. Die Handlung setzt kurz nach dem Ende des Vorgängerbandes an und schreibt diese nahtlos weiter, weicht aber überraschenderweise von den im Epilog des ersten Bandes angedeuteten Geschehnissen stark ab und löst gleich zu Beginn das große Mysterium auf, das die Buchreihe über mehrere Bände hätte tragen können – sehr antiklimaktisch.

Abgesehen davon ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich, teils überraschend und insgesamt stärker als die des ersten Bandes. So trifft man altbekannte Charaktere wieder, lernt aber vereinzelt auch neue Protagonisten wie Bekka kennen. Durch die Verlagerung der Handlung in die Metropole Hamburg geht dabei dem Roman etwas das Flair eines Regionalkrimis ab, das dem ersten Teil noch anhaftete. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Reihe hier entwickelt.

Das Setting ist in Konsequenz durchaus mondäner, auch wenn der Autor versucht, die Großstadt auf andere Weise zu zeigen, indem er die Handlung in die Vororte und vor allem zu Lost Places bringt. Dabei beschreibt Tom Voss, dessen Schreibstil sich gut und flüssig lesen lässt, anschaulich, hätte aber durchaus noch detaillierter sein können, um das Grauen beim Leser noch zu erhöhen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Neben Cleo überzeugen vor allem Nebencharaktere wie Lola, während Nick Beck sich zwar im Vergleich zum ersten Teil deutlich steigert, zum Schluss aber gesammelte Sympathiepunkte wieder verspielt, sodass er noch mindestens einen dritten Teil braucht, um insgesamt zu überzeugen.

Die Buchgestaltung ist im großen und ganzen ordentlich, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist relativ einfach gearbeitet, das Cover farblich auffällig und vom Motiv her eher austauschbar, sorgt aber von der Gestaltung für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe.

Mein Fazit? „Eiszeit für Beck“ setzt die Reihe um Nick Beck gelungen fort. Dabei steigert sich das Buch im Vergleich zum Vorgänger mit einer spannenden, und teils unerwarteten Handlung, löst aber zugleich einen der Kernpunkte der Reihe direkt zu Anfang antiklimaktisch auf. Für Liebhaber von Kriminalromanen bedenkenlos zu empfehlen, allerdings nicht als Standalone und nicht unter einem Lesealter von 16.

[Buchgedanken] Diana Gabaldon: „Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ (Outlander 9)

Vor einiger Zeit habe ich „Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ von Diana Gabaldon gelesen, den neunten Teil der weltberühmten Highland-Saga bzw. Outlander-Reihe. Das Buch ist 2021 im Knaur Verlag, Droemer Knaur GmbH & Co. KG, erschienen, die Originalausgabe wurde 2021 unter dem Titel „Go Tell the Bees That I Am Gone“ bei Delacorte Press, New York, veröffentlicht. Das Buch ist als historischer Roman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Barbara Schnell verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

1779 steht für Claire Randall und Jamie Fraser mehr auf dem Spiel als jemals zuvor: Zwar sind sie überglücklich über Briannas Heimkehr – doch niemand weiß, ob die Gefahr, die ihre Tochter mit Mann und Kindern zur Flucht aus dem 20. Jahrhundert gezwungen hat, wirklich gebannt ist. Wie können Claire und Jamie ihrer Familie inmitten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Schutz bieten? Währenddessen hadert der junge William Ransom noch immer mit seiner wahren Abstammung. Und Lord John Grey muss sowohl einen Weg zur Versöhnung finden, als auch neuen Gefahren entgegentreten – im Namen seines Sohnes, und in seinem eigenen …

„Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ setzt die Reihe um Claire und Jamie Fraser nahtlos fort. Und auch wenn man etwas braucht, um wieder hereinzukommen – schließlich liegen viel zu viele Jahre zwischen den Veröffentlichungen der einzelnen Bände -, ist es doch wie nach Hause zu kommen, trifft man doch alle altbekannten und geliebten Charaktere wieder und fühlt sich sofort gut aufgehoben – wie zu erwarten absolutes Jahreshighlightpotential.

Dabei ist bereits die Genrezuordnung umstritten – vereint das Buch doch nicht nur Elemente eines historischen Romans mit denen einer Familiensaga, sondern hat auch fantastische Elemente, die einige sogar deklaratorisch in den Sci-Fi-Bereich schieben würden. Für mich bleiben die Outlander-Bücher jedoch historische Romane, habe ich durch sie doch viel über die schottische Geschichte und die Geschicht der Medizin gelernt.

Die Handlung, die Diana Gabaldon perfekt aus einer Ich- und mehreren personalen Erzählperspektiven erzählt, ist spannend, abwechslungsreich und komplex. Nach und nach werden die einzelnen Handlungsstränge zusammengeführt und teilweise aufgelöst, auch wenn relevante Handlungsteile offen bleiben – und das Buch in diesem Zusammenhang mit einem Cliffhanger endet, was umso tragischer ist, wenn man den erst in ferner Zukunft erwartbaren Erscheinungstermin des nächsten Bandes berücksichtigt.

Das Setting ist – wie in der Reihe üblich – erwartbar perfekt, wenn auch dieses Mal rein auf die amerikanischen Kolonien beschränkt. So nimmt die Autorin den Leser mit auf eine Reise in ein Amerika zur Zeit des Unabhängigkeitskriegs, in eine Welt voller Unruhen, wechselnder Loyalitäten und Ungewissheiten. Dabei lässt sich Diana Gabaldons Schreibstil leicht und flüssig lesen, ist authentisch und trotz der Informationsdichte nie langatmig.

Einzige Konstante in diesen aufwühlenden Zeiten ist der unglaubliche Cast an Protagonisten, die in der Bandbreite wirklich toll entwickelt und gestaltet sind und alle über Stärken und Schwächen verfügen. In diesem Teil überzeugen neben meinen Favoriten der gesamten Reihe (Claire, Brianna und Lord John Grey) auch wichtige Nebencharaktere wie Jenny Fraser, Rachel Hunter, Frances und Harold „Hal“ Grey.

Die Buchgestaltung ist ein wahrer Traum. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Geschichte sind eine Karte voran- und ausführliche Anmerkungen hintangestellt. Der Buchumschlag ist hochwertig geprägt, wunderschön anzusehen und mit Klappen versehen. Das unter dem Umschlag befindliche Buch ist ebenfalls edel gestaltet und kann mit wunderschönen Coverinnenseiten aufwarten, die den Familienstammbaum zeigen.

Mein Fazit? „Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ ist die absolut überzeugende Fortsetzung einer der besten Buchreihen aller Zeiten und ein definitives Jahreshighlight. So brilliert das Buch mit einem spannenden Setting, unglaublichen Charakteren und einer interessanten Handlung und ist daher bedenkenlos zu empfehlen (wie alle Teile der Reihe).

[Buchgedanken] Alex Pohl: „Forever, Ida – Und raus bist du“ (Forever, Ida 1)

Vor einiger Zeit habe ich „Forever, Ida – Und raus bist du“, den ersten Band der „Forever, Ida“-Trilogie von Alex Pohl, gelesen. Das Buch ist 2021 als cbt Taschenbuch im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über eine Leserunde auf Lovelybooks.de.

Neue Stadt, neue Schule, neues Glück: Adi ist froh über den Wechsel nach Sonderberg. Sie will ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Doch gleich am Tag ihrer Ankunft beobachtet sie einen Trauerzug: Ahmet, ein Junge an Adis neuer Schule, ist zu Tode gekommen. Selbstmord, sagen die einen, ein Unfall, meinen die Behörden. Adi findet sich bald im Freundeskreis von Ahmet wieder; vor allem Ben, Ahmets bester Freund, fasziniert sie. Doch Ahmets Tod lässt ihr keine Ruhe: Was ist mit Ahmet wirklich passiert?

„Forever, Ida – Und raus bist du“ lässt mich, auch einige Zeit nach der Lektüre, weiterhin etwas ratlos zurück. Eine Flut an Ich-Erzählern (mir fallen spontan mindestens 5 ein), eingestreute Gesprächsnotizen, Interviews, Therapiesitzungen und Briefe … – das ist kein Roman, sondern eher eine willkürliche Aneinanderreihung von Fragmenten, sodass gerade zu Beginn dem Buch jegliche Stringenz, jeglicher rote Faden fehlt.

So weiß man auch lange nicht, worauf das Buch eigentlich zusteuert, was Ziel der Handlung ist. Wir haben hier eine Mischung aus Thriller, Liebesroman und Schicksalsroman; ein Jugendbuch, das so viele Themen bedient, dass es auch für einen längeren Roman mehr als genug gewesen wäre. Hier bleibt lediglich die Hoffnung, dass die restlichen Bücher der Reihe die Handlung vernünftig abschließen, nachdem dieser Band – unnötigerweise und gänzlich aus der Luft gegriffen – mit einem Cliffhanger endete.

Im Rahmen der Leserunde wurde vermehrt die Meinung vertreten, dass man das Buch außerhalb einer Leserunde wohl abgebrochen hätte. Auch wenn ich nicht so weit gehen würde, muss ich doch insoweit zustimmen, dass „Forever, Ida – Und raus bist du“ eines der schwächsten Bücher seit langem ist, da auch die einzelnen Charaktere regelmäßig nicht überzeugen. Insbesondere Adi und Ben bleiben hier gänzlich blass und handeln unlogisch, während zumindest vereinzelte Nebencharaktere wie Julia (der Lichtblick im Buch) und Kris glänzen können.

Lediglich das Setting – so ungewöhnlich es auch ist – vermag ebenfalls zu überzeugen. So entführt Alex Pohl den Leser in eine deutsche Kleinstadt zwischen Baumogul und Migranten, zwischen Drogenkriminalität, Sprayern und Schulalltag, zwischen den Träumen Jugendlicher und den Erwartungen Erwachsener.

Die Buchgestaltung ist solide, aber nicht außergewöhnlich. Während Lektorat und Korrektorat gut gearbeitet haben, ist der Buchsatz durch die vielen verschiedenen Erzählformen (Handlung, Protokolle, Chatgespräche, Befragungen, Dialoge …) doch sehr inkonsistent; das Cover hochwertig geprägt und mit Klpapen versehen, vom Motiv her aber sehr eintönig und unauffällig. Gut gefallen hat mir jedoch, dass anstelle einer spoilernden Triggerwarnung zu Beginn lieber eine Sammlung von Hilfsangeboten für Betroffene am Ende des Buches eingebaut worden ist.

Mein Fazit? „Forever, Ida – Und raus bist du“ ist der Beginn einer Jugendthriller-Reihe mit vielversprechenden Ansätzen, aber fragwürdigen Erzählkonzepten und doch einigen Schwächen. Für Leser des Genres nur bedingt zu empfehlen – und nicht unter dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.