[Buchgedanken] Oskar Källner: „Der Anfang“ (Erben des Imperiums 1)

Vor kurzem habe ich auch „Der Anfang“ von Oskar Källner gelesen. Das illustrierte Jugendbuch ist in dieser Ausgabe 2026 im Imprint Atrium Kinderbuch, Atrium Verlag AG erschienen, eine erste deutschsprachige Ausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Angriff der Krao“ (ebenfalls Atrium), die Originalfassung wurde 2020 unter dem Titel „Imperiets Arvingar, Bortförda“ bei Rabén & Sjögren veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de. Für die Illustrationen zeichnet Karl Johnsson verantwortlich, die Übersetzung aus dem Schwedischen stammt von Maike Dörries.

Als Elias und Alice im Wald nach ihrer verschwundenen Mutter suchen, begegnen sie einer merkwürdigen Kreatur, die sich als Brock vorstellt und sie auf ein Raumschiff bringt. Brock ist ein alter Freund ihrer Mutter und braucht Hilfe, denn diese wurde von einer gefährlichen Spezies, den Krao, entführt. Elias und Alice verstehen die Welt nicht mehr. Was hat ihre Mutter mit all diesen Außerirdischen zu tun? Für die beiden beginnt nicht nur das Abenteuer ihres Lebens, sondern sie erfahren auch ein Geheimnis, das alles verändert, was sie jemals über ihre Familie gedacht haben…

„Der Anfang“ ist der erste Band der vierbändigen Reihe „Erben des Imperiums“. Empfohlen wird die Reihe für Leser:innen ab zehn Jahren, balanciert daher auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch. Im Hinblick auf das Alter der Protagonist:innen (Alice ist ja etwa 12, Elias etwas jünger) und aufgrund der teils doch düsteren Handlung würde ich das Buch aber eher als Jugendbuch sehen und die Altersempfehlung von 10 Jahren wirklich als absolute Untergrenze annehmen – selbstständige Leser:innen sollten sich hier vielleicht auch eher dem Alter von Alice annähern.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, aber nicht unbedingt gewaltfrei. Durch die Mischung aus Comic- und Textelementen wird dies auch visualisiert, was die Geschichte toll ergänzt, gleichsam aber nochmal nicht zwingend für sehr junge Leser:innen geeignet ist. Insgesamt entwickelt sich die Handlung aber durchaus zum atemberaubenden Pageturner, lediglich das sehr offene Ende und das aus meiner Sicht unnötige erste Kapitel – oder der Prolog – trüben hier etwas das Bild.

Apropos Bild: Die Illustrationen von Karl Johnsson sind zwar – wie angesprochen – zuweilen sehr düster, fangen damit aber die Atmosphäre des Buches toll ein und sorgen für einen echten Mehrwert in der Geschichte, auch wenn Text und Bild noch stärker hätten verzahnt werden können, um über die Comicelemente die Geschichte integral weiterzuerzählen, anstatt diese nur zu illustrieren. Nichtsdestotrotz sind die Illustrationen dennoch ein absolutes Highlight und tragen zum tollen Gesamteindruck des Buches bei.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Buches noch etwas schematisch dargestellt, hier kann aber in den Folgebänden deren Komplexität jeweils noch ausgebaut werden. Bislang überzeugen vor allem Syndra und Alice, während Elias noch etwas blass verbleibt. Oskar Källners Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und im Zusammenspiel mit den Illustrationen das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit schön gestalteten, teils farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin klar abgegrenzt, ist dennoch toll anzusehen, der Umschlag insgesamt aber doch etwas eintönig – ein Konzept, das sich aber mit jeweils anderen Grundfarben auch in den Folgebänden fortsetzt, sodass schon ein einheitlicher Gesamteindruck der Reihe entsteht.

Mein Fazit? „Der Anfang“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Jugendroman, der mit Spannung und tollen Illustrationen glänzt, dabei aber auch etwas düster daherkommt und aufgrund des offenen Endes eher nicht als Standalone lesbar ist. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter von zehn Jahren geeignet, empfohlen eher ab einem Lesealter von 12 Jahren.

[Buchgedanken] Astrid Göpfrich: „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ (Little Miss Frankenstein 1)

In den letzten Tagen habe ich auch noch „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ von Astrid Göpfrich gelesen. Das Buch ist 2026 im Magellan Verlag, Magellan GmbH & Co. KG erschienen und als illustrierte Jugendfantasy einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Laura Borio verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Urururenkelin von Dr. Frankenstein lebt Nelly in einem alten Gruselschloss, in dem immer wieder seltsame Dinge passieren. Das ist aber auch schon das Spannendste an ihrem Leben. Denn ihre Eltern sind totale Langweiler und das absolut Letzte, was sie wollen, ist eine weitere Erfinderin in der Familie! Natürlich hält das Nelly nicht davon ab, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen – manchmal auch zum Leidwesen ihrer beiden besten Freunde. Der zweifelhaften Genialität ihres berühmten Vorfahren kommt sie gefährlich nahe, als sie bei einem Gewitter ein totes Alpaka wieder zum Leben erweckt. Doch damit nicht genug: das Alpaka kann auch noch sprechen! Und es quasselt ohne Unterlass, trinkt am liebsten Kokos-Limetten-Cocktails, ist nervtötend tollpatschig und stellt das Leben der Familie Frankenstein gehörig auf den Kopf!

„Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ ist mein erstes Buch von Astrid Göpfrich und der Auftaktband in die gleichnamige neue, fantastische Jugendbuchreihe für Leser:innen ab 10 Jahren, balanciert also genau auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch. teils auch aufzufindende Leseempfehlungen ab acht Jahren würde ich hier dann doch als zu früh erachten. In dem Buch wird der Mythos Frankenstein dabei jugendgerecht – quasi durch ein Sequel – aufgearbeitet und so einer neuen Generation zugänglich gemacht, sicherlich einer der größten Pluspunkte des Buches.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und – vor allem – humorvoll, entstehen durch Montserrat und Nellys Erfindungen doch viele Situationen, die von der Komik leben – teils könnte man sogar denken, dass hier parodistische Elemente vorhanden sind. Dabei werden – altersgerecht – auch jugendtypische Themen und Probleme angesprochen wie Ausgrenzung, fast Mobbing, eine Abkapselung von der Erwartungshaltung der Eltern und damit verbunden Einsamkeit – hier hätte ich mir durchaus noch einen stärkeren Fokus gewünscht, die Herausforderungen, vor denen Nelly im zwischenmenschlichen Bereich steht sind doch eher zu Lasten der Komik heruntergefallen – aber vielleicht können hier die Folgebände ja noch nachsteuern.

Das Setting hingegen und – vor allem – die Illustrationen von Laura Borio können hier jedoch wieder auf ganzer Linie glänzen. So werden insbesondere die Erfindungen toll bebildert und können so noch besser vor dem geistigen Auge abgerufen werden – in den Kapiteln hätten es aber gern noch ein paar Illustrationen mehr sein können. Insgesamt ist die Reise auf das Schloss der Familie Frankenstein sowie in die nicht näher bezeichnete, idyllische Ortschaft ein toller Ausflug, den die meisten Leser:innen sicherlich gern im Folgeband noch einmal wiederholen wollen würden – auch, da noch so vieles ungeklärt verbleibt.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Buches noch etwas einseitig angelegt, aber hier kann über die Folgebände auch sicherlich noch nachgelegt werden. Am meisten überzeugt bislang noch Montserrat, die über etwas verquere, komische Charakterzüge ein doch eher dreidimensionales Profil erhalten hat, während Nelly zwar einfallsreich ist, aber noch nicht wirklich greifbar wird. Astrid Göpfrichs Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung brilliert. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz setzt Bild und Text innovativ zu einem tollen Gesamtprodukt. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit wunderschön gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite sind jeweils toll anzusehen und bieten Anklänge zur Handlung, lediglich die durch den Farbwechsel krassen Brüche zum Buchrücken hätte man vermeiden können. Abzuwarten bleibt zudem, ob mit den Folgebänden hier ein einheitlicher Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert geschaffen werden kann.

Mein Fazit? „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ ist ein gelungener und innovativer Auftakt in die Fantasy-Buchreihe für Leser:innen ab 10 Jahren, der mit Humor und tollen Illustrationen punkten kann, in den Folgebänden aber gern noch etwas mehr in die Tiefe gehen darf. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Rüdiger Bertram: „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ (Robin the Hood 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ von Rüdiger Bertram gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, bei dem Horst Hellmeier für die Illustrationen verantwortlich ist. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Robin halb absichtlich in die Falle eines internationalen Geheimdiensts tappt, landet er mittendrin in einer surrealen Mission. Zusammen mit Agentin Mary soll er eine Stadt klauen! Genauer: eine Schneekugel mit einem Stadtmodell, in der ein tödlicher Virus versteckt ist. Und diese Kugel befindet sich den Händen der Schurkin Madame Schenial, die droht, die Menschheit zu vernichten. Eine ausweglose Situation? Nicht für die beiden cleversten Kinder, die das Action-Universum zu bieten hat!

„Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ ist der erste Band der neuen Buchreihe um den gleichnamigen Titelhelden, der mittlerweile eingedeutscht Robin Kappe heißt, und mein zweites Buch von Rüdiger Bertram nach „Nur 300 km„. Der Roman wird seitens des Verlags für Leser:innen ab 10 Jahren empfohlen und balanciert daher auf der Grenze zwischen Kinder- und Jugendbuch – aufgrund des Alters des Protagonisten (13 Jahre) habe ich den Roman jedoch eher als Jugendbuch eingeordnet.

Die Handlung ist durchaus kurzweilig, abwechslungsreich und altersgerecht, dabei aber auch leicht antiklimaktisch und eher ereignisarm. Auch sind kleinere Logikfehler vorhanden und einige etwas fragwürdige Handlungsstränge – insgesamt hätte man hier auch für die Zielgruppe etwas mehr Komplikationen einbauen können. Immerhin kann das Ende mit einigen schönen Momenten überzeugen und lässt noch Potential und ungelöste Handlungsstränge für die Folgebände offen.

Ergänzt wird der Text durch die Illustrationen von Horst Hellmeier, die sich sogar als komplette Comic-Elemente entpuppen, die die Handlung nahtlos fortführen und daher integraler Bestandteil des Buches sind. Und auch wenn diese teils etwas überzeichnet wirken, ist es doch eine wirklich gelungene und innovative Abwechslung, die für viel Spaß bei den Leser:innen sorgt und durchaus auch den markanten Humor der Geschichte mitbestimmt.

Die einzelnen Figuren sind – bei der Kürze des Buches nicht unerwartet – etwas schematisch angelegt, hier können die Folgebände aber durchaus noch liefern und die Figuren plastischer werden lassen. Am stärksten überzeugt bislang noch Mary – und Sam ist (so konfus sein Handlungsstrang auch ist) ein wirklich willkommener Sidekick. Rüdiger Bertrams Schreibstil ist dabei altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen und im Zusammenspiel mit den Illustrationen das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit in Grautönen gestalteten Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin klar abgetrennt, das Covermotiv lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen, hat aber durchaus spannende Elemente. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier zusammen mit dem Folgeband ein Wiedererkennungswert für die gesamte Buchreihe erzeugen lässt.

Mein Fazit? „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ ist ein sehr innovatives Jugendbuch mit interessanter Handlung und tollen Illustrationen, aber auch mit kleineren Schwächen und etwas ereignisarm. Für Leser:innen ab dem vom Verlag angegebenen Alter bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Anja Janotta: „Krawall im Klassenzimmer – Hitzefrei für alle!“ (Krawall im Klassenzimmer 1)

Vor kurzem habe ich auch „Krawall im Klassenzimmer – Hitzefrei für alle!“ von Anja Janotta gelesen. Das Buch ist 2025 bei Gulliver in der Verlagsgruppe Beltz erschienen und als illustriertes Kinderbuch einzuordnen – für die Illustrationen zeichnet Julia Weinmann verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kurz vor den Sommerferien, die ganze Schule schwitzt. Und Fritzi ist stinksauer: Gerade hat ihre 5d ein Turnier gegen die 5a verloren. Diese Streber können was erleben! Fritzi legt mit einem fiesen Streich los. Nils und seine Freunde aus der 5a nehmen die Herausforderung an. Bald steht die Schule kopf und keiner ist mehr vor dem nächsten Streich sicher! Beim Streiche-Wettstreit zwischen den Klassen bleibt kein Auge trocken! Witzig, rasant und mittendrin im Schulalltag.

„Krawall im Klassenzimmer – Hitzefrei für alle!“ ist der erste Band der neuen Reihe „Krawall im Klassenzimmer“ von Anja Janotta, die als Teil von „READy“ niederschwellig Begeisterung fürs Lesen wecken soll. Empfohlen wird das Buch vom Verlag für Leser:innen ab 10 Jahren und balanciert damit gerade auf der Grenze zwischen Kinder- und Jugendbuch. Aufgrund der doch sehr einfachen Sprache und Thematik würde ich es jedoch noch als Kinderbuch einordnen, auch, weil man das Buch meines Erachtens als aufgeweckte Leser:in vielleicht auch ein Jahr früher lesen kann.

Die Handlung ist durchaus altersgerecht und kurzweilig, lediglich kurz vor dem Finale, als das Buch durchatmet, gibt es kleinere Längen. Mehr oder weniger verfolgt man kapitelweise abwechselnd aus den Perspektiven von Fritzi und Nils die Aktionen der einzelnen Klassen – zwischengeschaltet ist jeweils (sehr gelungen) ein Social-Media-Post einer Art Schülerzeitung („Das Blaue Auge“), wodurch eine weitere Ebene geschaffen, ein objektiver Blick auf die Geschehnisse ermöglicht wird, was im besten Sinne an „Gossip Girl“ oder „Lady Whistledown“ aus „Bridgerton“ erinnert – nur halt kindgerecht.

Unterstützt wird die Handlung dabei von den tollen Illustrationen von Julia Weinmann, die vereinzelt eingestreut sind und die Geschichte toll visualisieren. Teils sind diese natürlich etwas überspitzt, um den Charakteren auch die Eigenschaften direkt mitzugeben, was vor allem auf dem Cover sehr deutlich wird, sie machen dennoch viel Spaß und wirken toll mit dem Text zusammen. Gleichsam sind auch die Streiche ab und an etwas weitgehend, etwas drastisch und gesundheitsgefährdend, was aber eher an dem Fehlverhalten des Aufsichtspersonals liegt als an den Schüler:innen, denen man hier wirklich nichts unterstellen sollte.

Die einzelnen Figuren haben durchaus eigene Ziele und Motive, sind aufgrund der Kürze des Buches und der Vielzahl der handelnden Personen aber noch etwas eindimensional, insbesondere bei den Antagonist:innen Frau Strewisch und Herr Novak. Überzeugen können hingegen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Schirin, Lila und Titus – insgesamt kann hier aber im Folgeband das Profil von allen durchaus noch geschärft werden. Anja Janottas Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, ist altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anspringen, gerade im Zusammenspiel mit den Illustrationen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht schmälern, der Buchsatz setzt Text und Bild zu einem ordentlichen Gesamtprodukt, auch wenn man die Beiträge des „Blauen Auges“ vielleicht etwas innovativer hätte abbilden können. Das Cover, der Buchumschlag generell, ist genretypisch, das Covermotiv bietet zudem Anklänge an die Handlung und ist farblich sehr auffällig. Abzuwarten bleibt, ob mit dem Folgeband ein einheitliches Erscheinungsbild der Reihe mit Wiedererkennungswert geschaffen werden kann.

Mein Fazit? „Krawall im Klassenzimmer – Hitzefrei für alle!“ ist ein vielversprechender Auftakt in die Kinderbuchreihe von Anja Janotta, der vor allem durch die kurzweilige und interessante Handlung glänzt, an kleineren Punkten aber auch noch Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen ab zehn Jahren bedenkenlos zu empfehlen, bei aufgeweckten Kindern vielleicht auch ein Jahr früher.

[Buchgedanken] Katherine Paterson: „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“

Vor kurzem habe ich auch „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ von Katherine Paterson gelesen. Das Buch ist 2025 in der NordSüd Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde ebenfalls 2025 unter dem Titel „Jella Lepman and Her Library of Dreams“ bei Handprint Books veröffentlicht. Das Buch ist als illustrierte Biografie einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak, für die Illustrationen Sally Deng verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kriegsende 1945. Deutschland liegt in Schutt und Asche. In dieses Land kehrt eine Frau zurück aus dem Exil und findet ihre Lebensaufgabe. Jella Lepman möchte am Aufbau einer besseren, friedlicheren Welt für Kinder mitwirken. Sie sammelt Tausende Kinderbücher und legt damit den Grundstein für die Internationale Jugendbuchbibliothek in München.

„Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ ist ein biografisches Sachbuch über Jella Lepman, das – passenderweise – von der Preisträgerin der Jella Lepman Medal 2018, Katherine Paterson, verfasst wurde, die auch mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis prämiert wurde. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 10 Jahren, tendentiell würde ich es eher (eigenständigen) Leser:innen ab zwölf ans Herz legen, begleitet kann man das Buch natürlich früher lesen.

Denn das Buch begleitet Jella von Kindheit an auch durch die schwierigen Zeiten des ersten und zweiten Weltkriegs, wobei der Schwerpunkt naturgemäß auf ihrem Einsatz für das amerikanische Militär nach 1945 in Deutschland liegt. Dennoch kann vor allem die erste Hälfte des Buches, die Vorgeschichte und die erste Phase in Deutschland, stärker begeistern, berührt mehr als der zweite Teil, der sich mehr um die Verwaltung der bereits geschaffenen Kinderbuchausstellung sowie die Überführung in die Internationale Jugendbibliothek dreht.

Vor allem aber kann das Buch durch die gelungene visuelle Ausstattung glänzen. Sally Dengs Illustrationen sind zwar teils sehr verwaschen, das passt aber durchaus zur Stimmung des Buches – und sie ergänzen sich wundervoll mit eingestreuten Fotografien aus der Zeit, die gleichzeitig Inspirationsquelle und Zeitzeugnis sind. So unterstützen diese nicht nur die Handlung, sondern treiben sie fast noch voran und sorgen dafür, dass man die Zeit und die Handlung noch besser greifen und nachspüren kann.

Die Buchgestaltung ist größtenteils ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind leider einige Kleinigkeitein durchgerutscht, die bei der Textmenge das Lesevergnügen doch leicht beeinträchtigen, der Buchsatz setzt dahingegen Text und Bilder zu einem tollen Gesamtkonstrukt. Der Buchumschlag ist mit farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv und die Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin krass unterbrochen, sind sonst aber wirklich toll gestaltet und zeigen nicht nur Anklänge an Jellas Leben, sondern auch an berühmte Kinderbücher – wirklich ein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ ist eine illustrierte Biografie für Leser:innen ab zwölf Jahren, die vor allem durch ihre Illustrationen und eingestreuten Fotos glänzt, in der zweiten Hälfte aber etwas verliert. Für interessierte Leser:innen und Kinderbuchliebhaber:innen daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sabrina Qunaj: „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ (Hearts & Horses 1)

Vor kurzem habe ich auch „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ von Sabrina Qunaj gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mia liebt Pferde über alles, besonders den Lusitano ihrer Mutter. Als er verkauft wird, schwört Mia, ihn eines Tages zurückzuholen. Aber als sie den Wallach tatsächlich wiedertrifft, ist er völlig verändert und lässt niemanden mehr an sich heran – mit Ausnahme eines Jungen namens Arvid. Auch Mia fühlt sich zunehmend zu Arvid hingezogen und kann die Schmetterlinge in ihrem Bauch bald nicht mehr verleugnen. Doch dann erfährt sie, dass Arvid kein gewöhnlicher Junge ist! Diese Erkenntnis verändert alles, und die märchenhafte Zeit auf dem Pferdehof droht jäh zu enden …

„Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist der erste Band der gleichnamigen Buchreihe, die – entgegen der etwas einseitigen Bewerbung durch den Verlag – hoffentlich nicht nur Mädchenherzen höher schlagen lässt. Empfohlen wird das Buch dabei ab 10, tendentiell würde ich die Altersgrenze minimal höher legen und das Buch Leser:innen ab zwölf Jahren ans Herz legen, ein Alter, das auch näher an den Protagonist:innen ist. Der Roman ist übrigens mein drittes Buch von Sabrina nach „Der Ritter der Könige“ und „Ein Gefühl wie warmer Sommerregen“ (letzteres als Ella Simon). Das Buch könnte man zudem verschiedenen Genres zuordnen – als Pferderoman, als Teen-Romance, als Rockstar-Romance etc. Der Einfachheit halber habe ich mich aufgrund des bunten Themenmixes aber für die Einordnung als Jugendbuch entschieden.

Die Handlung ist abwechslungsreich, spannend und altersgerecht. Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen, personalen Erzählperspektiven erzählt, man begleitet Mia (13) und Arvid (14), die Love Interests (das kurzzeitig aufgebaute Love Triangle mit Mark kann man hier vernachlässigen). Das Buch mischt dabei jugendtypische Themen wie erste Liebe und familiäre Konflikte mit einer klassischen Rockstar-Romance und ganz viel Pferden – Ostwind-Vibes inklusive.

Dabei kann vor allem das Setting brillieren. So entführt Sabrina Qunaj die Leser:innen nach Norddeutschland, in eine Gegend zwischen Strand, verwaisten Leuchttürmen und Pferdehöfen. Vor allem der fiktive Showpferdehof Hansen berührt hier mit der tollen Einstellung zur Arbeit und zum Umgang mit den Pferden – wirklich schön. Und auch Arvids Rockstar-Leben wird anschaulich beschrieben, gern hätte ich mir hier noch mehr Einblicke in den Songwriting-Prozess und insbesondere abgedruckte Songtexte gewünscht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – sollten in potentiellen Folgebänden die gleichen Charaktere wieder auftreten, könnten diese hier aber noch schärfer herausgearbeitet werden. Denn bislang überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Hanna und Karo, während Mia nicht immer nachvollziehbar handelt. Sabrina Qunajs Schreibstil ist altersgerecht, lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf dem Buchrücken und der Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Insgesamt ist das Covermotiv farblich eher unauffällig und genretypisch, ich hätte mir hier noch etwas mehr Anklang an die Handlung gewünscht. Alles in allem ist es aber durchaus ansehnlich, wenn auch kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist ein toller Start in die Reihe, der vor allem durch den Themenmix und mit seiner tollen Einstellung zur Pferdearbeit punktet. Für Leser:innen – nicht nur für Mädchen – ab etwa zwölf Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Mirjam Raymond: „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“

Vor kurzem habe ich auch „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ von Mirjam Raymond gelesen. Das Buch ist 2025 in der Fischer Sauerländer GmbH erschienen und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Maja Bohn verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der zwölfjährige Johnny hat eine große Klappe und steckt ständig in der Klemme. Als Amin, ein Junge aus seiner Klasse, plötzlich verschwindet, wittert Johnny seine Chance: Er will beweisen, dass er der würdige Anführer seiner Schulhofbande ist. Großspurig verspricht er, den Fall zu lösen. Doch dann findet er Amins Tagebuch und schnell wird klar, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Amin lebt in einer Unterkunft für Geflüchtete. Und er schwebt in großer Gefahr. Johnny nimmt all seinen Mut zusammen und macht sich auf die Suche nach Amin. 

„Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist der Debütroman von Mirjam Raymond, der unter anderem durch ein Stipendium der Akademie für Kindermedien gefördert wurde. Empfohlen wird der Roman für Leser:innen ab 10 Jahren, aufgrund des Alters des Protagonisten (12 Jahre) ist dies vermutlich gerade die Grenze. Generell balanciert der Roman auf dem schmalen Grat zwischen Kinder- und Jugendbuch, da ich ihn aber eher für Leser:innen ab 11, 12 Jahren empfehlen würde, habe ich ihn schlussendlich als Jugendbuch eingeordnet.

Die Handlung ist grundsätzlich altersgerecht und mischt dabei jugendtypische Probleme wie Freundschaft und familiäre und schulische Konflikte mit großen gesellschaftlichen Themen wie Migration und Ausländerfeindlichkeit. Dabei gelingt es Mirjam Raymond, die Themen jugendgerecht aufzuarbeiten. Zudem brilliert der Roman in dem abgedruckten Tagebuch von Amin, das nicht nur mit persischen Textpassagen aufwartet, sondern auch mit wundervollen Illustrationen von Maja Bohn, die die Handlung perfekt abrunden.

Das Setting ist gelungen. So entführt Mirjam Raymond die Leser:innen in eine süddeutsche Großstadt, nimmt sie mit auf eine Zugreise nach Düsseldorf und gedanklich in die Kriege und Krisen der Welt. Dabei erkundet man die Welt aus Sicht von Johnny, der im Roman als Ich-Erzähler fungiert und – etwas irritierend – teils die Leser direkt anspricht und in reißerischen Zeitungsschlagzeilen denkt.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ava, Sympathieträgerin und heimlicher Star des Romans, und Niko, während Johnny, selbst für sein Alter, teils nicht nachvollziehbar handelt, immerhin zum Ende hin aber einige seiner Handlungen reflektiert. Mirjam Raymonds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils sogar fast zu jugendlich.

Die Buchgestaltung glänzt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist wirklich überzeugend mit den eingestreuten Tagebucheinträgen und Illustrationen. Der Buchumschlag wartet mit schön gestalteten Coverinnenseiten auf, das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken hin krass abgegrenzt. Insgesamt ist das Covermotiv durchaus gelungen und zeigt starke Ansätze zur Handlung, die Typographie des Covers überzeugt ebenfalls.

Mein Fazit? „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist ein gelungenes Debüt von Mirjam Raymond, das vor allem mit der tollen Gestaltung, den Illustrationen und einer altersgerechten Aufarbeitung des Themas Migration punktet, dabei aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab etwa 11, 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Fabiola Turan: „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“

In der letzten Zeit habe ich auch „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ von Fabiola Turan gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als fantastisches Kinderbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mit allem hätte Artemis gerechnet – nur nicht damit, sich plötzlich an Bord eines fliegenden Schiffes wiederzufinden! Die Crew der Dreamcatcher besteht aus magisch begabten Kindern, die das Meer der Wünsche vor einem machthungrigen Baron beschützen. Um ihren Teil dazu beizutragen, muss Artemis die Wolkenmagie in sich erwecken und sich auf eine gefährliche Reise begeben. Dabei wird ihr mehr abverlangt als erwartet und bald droht das Abenteuer aus dem Ruder zu laufen. Haben die Kinder gemeinsam eine Chance, gegen das Böse zu bestehen und das Meer der Wünsche zu retten?

„Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ ist – sehr unüblich – ein Einzelband in diesem Genre, wobei für zukünftige Ausflüge über die Wolken durchaus noch viel Potential verbleibt. Dabei lässt sich das Buch relativ klar einem Genre zuordnen, ist ein fantastisches Kinderbuch und nicht wie auf Verkaufsportalen teils angegeben Science Fiction für Kinder. Empfohlen wird das Buch gemäß Altersangaben des Verlags (teils abweichend) für Leser:innen ab neun oder zehn Jahren, balanciert also auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch, wobei ich im Ergebnis das Werk gerade noch so als Kinderbuch einstufen würde.

Denn die Handlung mischt die fantastische Idee mit kinder- und jugendtypischen Problemen wie sozialer Abkapselung, Freundschaft, ersten zärtlichen Gefühlen und familiären Konflikten. Dabei bleibt die Handlung durchaus spannend, rasant und abwechslungsreich, ist teils natürlich auch vorhersehbar und etwas antiklimaktisch, insbesondere am Ende, das nicht komplett überzeugen kann – auch für die Zielgruppe hätte man durchaus noch etwas mehr Konfliktpotential (in der realen Welt) einbauen können.

Das Setting kann größtenteils glänzen, entführt die Autorin die Leser:innen doch nicht nur an ein Eliteferieninternat sondern auch in eine fantastische Parallelwelt voller Magie mit eigenen physikalischen Gesetzen. Dabei wird durchaus einiges zum Weltenbau und Magiekonzept erwähnt – gerade bei letzterem hätte ich mir aber noch mehr Informationen gewünscht. Auch wäre eine vorangestellte Karte des Meeres der Wünsche toll gewesen und hätte zum besseren Verständnis der fremden Welt beitragen können.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, obwohl aufgrund der Kürze die Figurenentwicklung natürlich nicht vollumfänglich ausgestaltet werden kann. Hierbei brillieren insbesondere Maxim, Oliver und Nika, während gerade Artemis teils nicht nachvollziehbar handelt, mit der neuen Situation viel zu mühelos umgeht. Fabiola Turans Schreibstil ist altersgerecht, lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist sauber. Der Umschlag ist auf dem Cover und Buchrücken leicht geprägt und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelmotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles, einheitliches Gesamtbild entsteht und ist sehr ansprechend – sowohl von der Gestaltung als auch von der Farbgebung: ein wirkliches Highlight.

Mein Fazit? „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ ist ein fantastisches Jugendbuch, das mit einer durchaus spannenden Handlung und einem tollen Setting glänzen kann, leider zum Ende hin aber minimal abbaut. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von neun oder zehn Jahren.

Von Lastenkähnen und fliegenden Schiffen | Jugendbücher im Doppelpack

Bevor es in den nächsten Tagen wieder einige Rezensionen von mir gibt, möchte ich Euch heute noch zwei Kinder-/Jugendbücher vorstellen, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Nuria“ von Sigrid Zeevaert (Tulipan Verlag) ist dabei ein von Eleanor Sommer illustriertes Buch für Leser:innen ab acht Jahren, während „Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ von Fabiola Turan (cbj Kinder- und Jugendbuchverlag) ab 10 Jahren empfohlen wird. Beide Verlage sind Teil der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH – und entführen mit den Büchern die Protagonist:innen auf ungewöhnliche Verkehrsmittel. So wird Nuria von ihrer Oma auf einen Lastenkahn mitgenommen, während Artemis sich auf der „Dreamcatcher“, einem fliegenden Schiff, wiederfindet.

Mit welchem Verkehrsmittel würdet Ihr gern einmal reisen?

[Buchgedanken] Anja Janotta: „Die coolste Klasse des Planeten“

In den nächsten Tagen habe ich wieder einige Rezensionen für Euch. Denn vor kurzem habe ich unter anderem „Die coolste Klasse des Planeten“ von Anja Janotta gelesen. Hierbei handelt es sich um ein von Ulla Mersmeyer illustriertes Kinderbuch, das 2024 bei Gulliver in der Verlagsgruppe Beltz erschienen ist. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der große Musik-Wettbewerb steht an. Schulbands aus allen deutschen Großstädten treten gegeneinander an. Als Gewinn winkt ein Auftritt im Fernsehen! Für die Robert-Mayer-Schule geht die 6c mit ihrer Gruppe „Baba Gold“ ins Rennen. In der Vorrunde feiern sie mit ihrem Sänger Idris einen ersten Erfolg! Doch die Konkurrenz ist hart und neidisch. Plötzlich verschwinden Kostüme und Gitarren sind verstimmt … Jetzt muss „Baba Gold“ ganz cool bleiben.

„Die coolste Klasse des Planeten“ ist ein Titel aus der Reihe „super lesbar“, die leicht lesbare Geschichten für ein niedriges Leseniveau anbietet. So wird das Buch laut Verlag für Leser:innen ab 11 Jahren empfohlen, befindet sich aber auf dem Leseniveau für 9-Jährige. Dadurch balanciert der Titel genau an der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch. Da man ihn meines Erachtens aber auch schon mit neun oder zehn Jahren lesen kann, habe ich ihn als (illustriertes) Kinderbuch eingruppiert.

Denn die Handlung ist auch hier noch altersgerecht. Zwar sind die Protagonist:innen elf oder zwölf Jahre alt, mit der Geschichte können sich aber durchaus auch marginal jüngere Leser:innen noch identifizieren, geht es doch um jugendtypische Probleme wie familiäre Erwartungen, Zugehörigkeitsgefühl und Peer Pressure bzw. die bereits bei Kindern auseinanderklaffende Schere zwischen arm und reich. Dabei wird der Roman im Interviewformat erzählt – etwas ungewöhnlich, aber durchaus nicht unangebracht, entstehen so doch kurze Sinnabschnitte, was die weiter leichte Lesbarkeit fördert.

Die gelegentlich eingestreuten schwarz-weiß-Illustrationen sind zwar schön anzusehen, wiederholen sich aber, sodass der Fundus eher gering ist – hier hätten ein paar Illustrationen mehr für ein noch schöneres Ergebnis gesorgt. Auch ist es etwas schade, dass die „gegnerische“ Klasse hier sehr stereotyp gezeichnet wird, insbesondere in der Figur von Pauline hätte hier eine komplexere Darstellung die ganze Geschichte abrunden und realistischer gestalten können. Alles in allem kann aber zum Beispiel das Ende dennoch überzeugen. Anja Janottas Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und im Zusammenspiel mit den Illustrationen von Ulla Mersmeyer das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz setzt Bild und Text zu einem schön anzusehenden Gesamtpaket, auf die teils spoilernden Kapitelüberschriften hätte man aber verzichten können. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin unterbrochen, ist aber durchaus ansehnlich und passt zur Geschichte. Buchrücken und Coverrückseite sind hingegen eher eintönig.

Mein Fazit? „Die coolste Klasse des Planeten“ ist ein abwechslungsreiches, illustriertes Kinderbuch, das von seiner durchaus guten Idee lebt, dabei aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab etwa 10 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.