[Buchgedanken] Joanna Glen: „Weil es nicht anders sein kann“

In der letzten Zeit habe ich auch „Weil es nicht anders sein kann“ von Joanna Glen gelesen. Das Buch ist 2025 im Arche Literatur Verlag, einem Imprint der Atrium Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2024 unter dem Titel „Maybe, Perhaps, Possibly“ bei Borough Press veröffentlicht. Der Roman ist als Gegenwartsliteratur einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Eva Kemper verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Sol und Addie fühlen sich in der Natur wohler als unter Menschen. Doch als die beiden sich auf der windgepeitschten Insel Rokesby vor der Küste Englands zum ersten Mal begegnen, scheint mitten im Sturm alles stillzustehen. Sofort spüren sie, dass sie füreinander geschaffen sind, und wagen eine zaghafte Annäherung. Doch sie haben nicht mit der Wucht gerechnet, mit der die Vergangenheit über sie hereinbricht, und müssen hart dafür kämpfen, zusammen sein zu können – nicht nur gegen äußere Umstände, sondern manchmal auch gegen sich selbst. Woran sie sich festhalten, ist der Pakt, den sie schließen: Sie wollen wie zwei Papageientaucher sein. Denn auch wenn die Vögel einen großen Teil des Jahres getrennt von ihrem Partner leben, bleiben sie einander treu und finden doch immer wieder zueinander.

„Weil es nicht anders sein kann“ ist mein erster Roman von Joanna Glen, von Eva Kemper übersetzte Titel habe ich aber schon öfters gelesen. Das Buch ist dabei relativ deutlich als Gegenwartsliteratur einzuordnen, auch wenn natürlich (wie auch auf Verkaufsplattformen durchaus vorgenommen) eine Einordnung als Liebesroman denkbar erscheint. Dennoch ist aus meiner Sicht die Liebesgeschichte zwar Zentrum der Handlung, aber sie geht deutlich darüber hinaus, ist das Buch doch auch ein Entwicklungsroman für beide Protagonist:innen, in gewissem Sinne sogar Coming of Age.

Die Handlung wird aus zwei personalen Erzählperspektiven der Protagonist:innen erzählt – und ist durch die teilweise Gleichzeitigkeit der Ereignisse dabei gelegentlich etwas entschleunigt. Insgesamt ist sie sehr poetisch, sehr zart, sehr ereignislos, was aber nicht wirklich stört, sind die Protagonist:innen hier doch vielmehr durch innere Stolpersteine am Fortkommen gehindert, als dass ihnen das Leben Steine in den Weg legt. Lediglich das Ende vermag hierbei nicht in Gänze zu überzeugen.

Das Setting ist traumhaft. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Rokesby und Ora, sondern auch nach Mallorca, nach Tromso, in die Broads und nach Fair Isle. Dabei erkundet man mit den Figuren zusammen die Orte, spürt der Natur nach, lernt Tier- und Pflanzenwelt kennen und erlebt die Verbundenheit mit den Schauplätzen. Joanna Glen mischt in die zarte Liebesgeschichte – zwischen den Protagonist:innen untereinander und mit der Natur – auch Themen wie Glauben, Mobbing, Sozialphobie und Unsicherheiten mit ein und erzeugt so ein tolles, spannendes Gesamtkonstrukt.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen neben Addie, die als Hauptcharaker brilliert, auch (wichtige) Nebencharaktere wie Tiffany, Barry und Barbara, während Sol nicht immer nachvollziehbar handelt, und ich zu ihm auch kaum eine Bindung aufbauen konnte, ganz im Gegensatz zu Addie. Joanna Glens Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Hardcover ist eher schmucklos und ohne jedwede Sonderausstattung. Das Covermotiv setzt sich jedoch nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und erzeugt so ein tolles und einheitliches Gesamtbild, das auch farblich überzeugt, aber gleichzeitig auch etwas austauschbar verbleibt und stärkere Bezüge zur Handlung vermissen lässt.

Mein Fazit? „Weil es nicht anders sein kann“ ist ein unglaublich poetischer Roman, der mit einem tollen Setting und einer brillanten Protagonistin punktet, gleichzeitig aber auch leichtere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Große Gefühle für Jung und Alt | Lovelybooks-Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. „Weil es nicht anders sein kann“ ist der neue Roman von Joanna Glen (Arche Verlag), der von Eva Kemper ins Deutsche übersetzt wurde. Bei „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ handelt es sich um den Auftakt in eine Jugendbuchreihe von Sabrina Qunaj für den cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH. Beide Romane stellen dabei große Gefühle und Naturverbundenheit in den Mittelpunkt – auch wenn sie jeweils unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Ich bin daher schon sehr gespannt – und freue mich darauf, nach einem historischen Roman und einem Liebesroman von Sabrina auch endlich ein Jugendbuch zu lesen.

Welche Liebesgeschichte hat Euch zuletzt beeindruckt?

[Buchgedanken] Asa Avdic: „Hinters Licht“

In der letzten Zeit habe ich auch „Hinters Licht“ von Asa Avdic gelesen. Das Buch ist 2025 im Arche Literatur Verlag, einem Imprint der Atrium Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2023 unter dem Titel „Ett Liv Till“ im Albert Bonniers Förlag, Stockholm veröffentlicht. Das Werk ist als historischer Roman einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Stefanie Werner verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

„Assistent für spiritistisches Forschungsprojekt gesucht“. Als Ruth Doran im Frühsommer 1919 auf diese ungewöhnliche Anzeige stößt, hat sie ihren Traum von einer wissenschaftlichen Karriere bereits aufgegeben. Ihre glänzende Zukunft als Mathematikerin musste nach ihrer Heirat ein jähes Ende finden. Doch nun, als Witze mit drei Kindern, braucht sie dringend einen Job, und außerdem reizt sie die Zusammenarbeit mit dem schillernden Thomas Bradford, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Gemeinsam forschen die beiden an Möglichkeiten, Botschaften Verstorbener aus dem Jenseits zu empfangen – mit fatalen Folgen.

„Hinters Licht“ ist mein erstes Buch der Journalistin Asa Avdic – und bereits die Genrezuordnung fällt schwer. Eine Kategorisierung als Gegenwartsliteratur – wie durchaus auf Verkaufsportalen zu finden – scheidet aufgrund der doch mehr als hundert Jahre in der Vergangenheit spielenden Handlung eher aus, deckt das Buch doch im Wesentlichen die Zeitspanne von 1919 bis 1921 ab, mit kleineren Ausflügen in einen noch früheren Zeitraum ab 1903. Auch ist das Buch keine Romanbiografie, da sich die Autorin zwar realer Persönlichkeiten bedient, aber doch laut eigenen Aussagen massiv von deren bekannten Lebensgeschichten abweicht, sodass ich es schlussendlich aufgrund der Handlungszeit schlicht als historischen Roman betitelt habe, der aber ebenfalls erheblich von den künstlerischen Freiheiten Gebrauch macht.

Die Handlung wird dabei in multiplen Zeitebenen erzählt, im Wesentlichen bewegen wir uns einerseits in der „Gegenwart“ 1921, die vor allem über Tagebucheinträge dargestellt wird, sowie in den Jahren 1919 und 1920, zwischen denen munter hin- und hergesprungen wird. Dabei ist der Erzähler durchaus allwissend und spricht teils die Leser direkt an, sorgt für Hintergrundinformationen oder lässt mild spoilernd Schlimmes erahnen – eine aus meiner Sicht eher unglücklich gewählte Perspektive, hätte man doch über einen personalisierten (oder sogar einen Ich-Erzähler) eine stärkere Bindung zu Ruth aufbauen, ihre Obsession vielleicht sogar besser verstehen können.

Das Setting vermag hingegen auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt Asa Avdic die Leser:innen ins Amerika der unmittelbaren Nachkriegszeit, in ein Land zwischen Prohibition, bahnbrechenden Erfindungen und Rassentrennung, ein Land, das so widersprüchlich in sich ist/war, dass es damals sicherlich den idealen Nährboden für den Spiritismus geboten hat. Dessen Ideen und abstruse Experimente bringt die Autorin den Leser:innen dabei nah, ohne selbst allzu sehr Partei zu ergreifen im „ewigen“ Kampf zwischen Wissenschaft und Esoterik/Okkultismus. Asa Avdic mischt hierbei eine (toxische) Liebesgeschichte mit der sehr freien historischen Handlung, sodass ein unglaublich gefühlsintensives Gesamtkonstrukt entsteht.

Der Kreis an handelnden Figuren ist aufgrund der starken Konzentration auf Ruth und Thomas doch sehr beschränkt. Im Wesentlichen können hier vor allem Nebenfiguren wie Bradley und Evelyn glänzen und überzeugen, während insbesondere Ruth nicht wirklich nachvollziehbar handelt und gerade am Schluss auch etwas an Glaubhaftigkeit einbüßt, ist ihre Entwicklung doch nicht wirklich plausibel. Asa Avdics Schreibstil lässt sich hingegen leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – in diesem Metier eine wirklich spannende Erfahrung.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz beginnt die größeren Sinnabschnitte auch auf ungeraden Seiten, die Geschichte wird durch ein einordnendes Nachwort abgerundet. Der Buchumschlag punktet mit fließenden Übergängen vom Cover nicht nur zum Buchrücken sondern auch zur Coverrückseite und den Klappen, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, das Covermotiv ist jedoch belanglos und austauschbar, das Buch unter dem Umschlag schlicht.

Mein Fazit? „Hinters Licht“ ist ein ambitionierter historischer Roman, der mit einem spannenden Thema und einem tollen Setting punkten kann, deren Charaktere und Erzählweise aber nicht in Gänze überzeugen. Für Leser:innen des Genres, die Interesse an dem Thema haben, dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.