[Buchgedanken] Martin Rost: „Der unsterbliche Zando“

Vor kurzem habe ich auch „Der unsterbliche Zando“ von Martin Rost gelesen. Das Buch ist 2025 in der ars vivendi verlag GmbH & Co. KG erschienen und als Gegenwartsliteratur einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eigentlich sollte Fritz Fello, 23, in naher Zukunft die seit Generationen bestehende Familienbrauerei Hercules übernehmen, doch sein Vater hat mit einem Mal andere Pläne – und wirft ihn aus dem Geschäft. Aber damit nicht genug: Es folgen weitere Fehlschläge, und Fritz taumelt von einer Sackgasse zur nächsten, bis er schließlich auf den erfolgreichen Maik Zando trifft, einen alten Freund aus der Schulzeit, der gerade dabei ist, sich auf eine ominöse Reise nach Australien vorzubereiten. Auch Fritz hält nichts mehr in seiner Heimat, und er überlegt, Maik ans andere Ende der Welt zu begleiten. Doch je näher er seinem alten Freund rückt, desto mehr weisen die Umstände darauf hin, sein Vater und Maik könnten unter einer Decke stecken …

„Der unsterbliche Zando“ ist der Debütroman von Martin Rost – und überzeugt vor allem durch seine durchaus poetische Sprache. Dabei lässt sich der Roman nicht ganz einfach einem Genre zuordnen. Als Familiendrama beworben, würde ich das Buch eher als Gegenwartsliteratur einordnen, fehlt es doch für mich an dem für ein Familiendrama/eine Familiensaga notwendigen, generationenumspannenden Handlungsverlauf.

Denn die Handlung ist zwar durchaus kurzweilig und abwechslungsreich, teils aber auch etwas irrational und schwer fassbar, gelegentlich zeitlich kaum zu verorten durch die Vielzahl an eingestreuten Rückblenden – ein Delirium, genau wie das, in dem sich Fritz befindet. Insbesondere das Ende vermag allerdings zu überraschen, zwar sind Teile vorhersehbar, andere jedoch gänzlich unerwartet. Und auch wenn nicht alles dadurch erklärt wird, erklärt werden kann, bleibt trotzdem ein Gefühl der Vollendung für den Leser zurück. So ist es zwar nicht das Ende, das man sich erwünscht, aber das Ende, das die Geschichte verdient.

Das Setting kann ebenfalls überzeugen. So entführt der Autor die Leser:innen in eine austauschbare Stadt zwischen Brauerei, Kneipe und Kirmes, mit Kirche, Tageszeitung und einem großen Umschlagparkplatz. Ein Prototyp eines eher ländlichen, mittelgroßen Ortes, der gleichzeitig intensiv und nichtssagend verbleibt, ein Ort wie geschaffen, für Fritz‘ zerbrochenes Leben, für die zerbrochene Welt generell.

Der Kreis an handelnden Personen ist im Wesentlichen auf Fritz und Toni beschränkt, durch die Rückblenden erweitert sich dieser jedoch etwas. Durch den Hauch des Mysteriums, durch die ständige Suche nach Verbundenheit, lässt sich Fritz jedoch nur schwerlich greifen, eine Verbindung eher nur zum Fritz der Vergangenheit herstellen. Martin Rosts Schreibstil ist dabei – wie bereits erwähnt – unglaublich poetisch, leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, das Covermotiv ist sehr stilisiert und hätte durchaus etwas stärker ausgearbeitet sein können. Insgesamt ist der Buchumschlag sehr schlicht und eintönig, definitiv kein Eyecatcher. Am stärksten überzeugt hier noch die Typografie des Covers.

Mein Fazit? „Der unsterbliche Zando“ ist ein durchaus beeindruckendes Debüt, ein poetischer Roman der Gegenwartsliteratur, der mit seiner Sprache und dem Ende überzeugt, teils aber etwas zu wirr, zu schwer greifbar verbleibt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Von Dynastien im kleinen und großen | Doppelte Buchpost

Heute möchte ich Euch wieder zwei Neuzugänge zeigen, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Der unsterbliche Zando“ von Martin Rost (ars vivendi Verlag) ist dabei ein Roman über das Geheimnis einer Brauereidynastie, während „Vollmond über tausend Flüssen“ von Hu Zhouzhou (Chinabooks Verlag) ein Manhua über den letzten Kaiser der Ming-Dynastie ist. Übersetzt wurde das Buch von Eva Lüdi Kong. Ich bin schon ganz gespannt darauf, welche Geheimnisse die Bücher dabei über die jeweiligen Familien verraten – und freue mich schon darauf, von kleinen und großen Dynastien zu lesen.

Über welche Familie würdet Ihr gern einmal einen Roman lesen?

[Buchgedanken] Lars Sommer: „Die innere Führung“

Vor kurzem habe ich auch „Die innere Führung“ von Lars Sommer (Lucas Fassnacht) gelesen. Das Buch ist 2024 in der ars vivendi verlag GmbH & Co. KG erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nachdem auf der Hochzeit eines Elitesoldaten der Bundeswehr eine tödliche Bombe hochgeht, beginnt Kriminalhauptkommissar Erich Kleinrädl zu ermitteln. Während er und sein Team die Hochzeitsgäste vernehmen, stellt die Boulevardpresse ihre eigenen Vermutungen an: Hat Inka Minden, die Ex-Freundin des Bräutigams, etwas mit der Sache zu tun? Welche Rolle spielt der ehemalige Scharfschütze Jonathan von Holl, der über dem Gesetz zu stehen scheint? Das LKA beurteilt die Bombe als ein Werk von Fachleuten. Ein zweiter Anschlag erhöht den Druck auf Kleinrädl. War die Bundeswehr das eigentliche Ziel des Attentats? Die Lage wird immer unklarer. Steckt der Feind gar in den eigenen Reihen?

„Die innere Führung“ ist ein Roman von Lars Sommer, einem Pseudonym des Thriller-Autors Lucas Fassnacht. Dabei wird das Buch vom Verlag – wie der Abdruck auf dem Cover verrät – als Kriminalroman eingeordnet, eine Eingruppierung, die ich daher auch übernommen habe. Es hätten sich aber auch gute Argumente dafür gefunden, das Buch als (Polit-)Thriller zu kategorisieren, auch andere Untergenres bei Thrillern wären hier denkbar gewesen. Zudem ist der Roman derzeit als Standalone angelegt, Potential für Fortsetzungen existiert jedoch – und wird auch durch das letzte Kapitel nochmal befeuert.

Die Handlung ist durchweg spannend und abwechslungsreich, wenn auch zuletzt zumindest in Teilen auch vorhersehbar. Dabei entwickelt sich der Roman schnell von einem reinen Kriminalfall hin zu einem gesellschaftspolitisch interessanten Thriller, der an Aktualität kaum zu überbieten ist, obwohl handlungsauslösende Ereignisse doch schon drei, vier Jahre in der Vergangenheit liegen. Lediglich das Ende vermag hier nicht in Gänze zu überzeugen.

Das Setting kann hingegen glänzen, entführt der Autor die Leser:innen doch nach München und ins bayerische Umland, in ein Spannungsfeld zwischen zivilgesellschaftlichen Kriegsgegnern und Veteranen von Spezialtruppen, die in Afghanistan gedient haben. Dabei kumuliert diese Zerrissenheit in der Figur von Inka, die als Sportsoldatin zwar Angehörige des Militärs, aber selbst nie im Einsatz gewesen war. Hierbei scheut der Roman auch nicht davor zurück, das schwierige Thema der Posttraumatischen Belastungsstörungen aus Militäreinsätzen anzusprechen, verpasst aber die Chance, im gleichen Zuge in einem möglichen Nachwort zum Roman auf Hilfsangebote und Kontaktadressen hinzuweisen, damit es in der realen Welt hoffentlich nicht so eskaliert wie in Lars Sommers Geschichte.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, wenn auch aufgrund der doch Vielzahl an handelnden Personen einige noch stärker ausgearbeitet hätten werden können. Dabei überzeugen insbesondere Schlanghain, von Holl und in einer Nebenrolle Polizeipräsident Brandner, während Kleinrädl noch etwas blass verbleibt. Lars Sommer Schreibstil ist teils rasant, lässt sich hierbei aber leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich, auch wenn man zumindest die größeren Sinnabschnitte jeweils auf ungeraden Seiten hätte starten können. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv wird leider zum Buchrücken hin krass unterbrochen, letzterer und die Coverrückseite sind eher eintönig und schlicht. Das Titelmotiv schafft es hierbei zwar, eine kleine Verbindung zur Handlung herzustellen, bleibt dennoch aber austauschbar und kein wirklicher Eyecatcher.

Mein Fazit? „Die innere Führung“ ist ein spannender und abwechslungsreicher, gesellschaftlich relevanter Kriminalroman an der Grenze zum Thriller mit nur kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.