Doppelte Buchpost, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte

In der letzten Zeit erreichten mich wieder einige Bücher, von denen ich Euch heute die ersten beiden zeigen möchte; zwei Bücher, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist zum einen „Geteilte Träume“ von Ulla Mothes, eine Familiengeschichte zur Zeit der deutschen Trennung, und zum anderen der Fantasybestseller „Midnight Chronicles: Blutmagie“ von Bianca Iosivoni und Laura Kneidl. Vielen Dank einerseits an die Bastei Lübbe AG für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars zu „Geteilte Träume“ über die Bloggerjury und andererseits an die Buchhandlung Graff für die Signieraktion zu „Midnight Chronicles“.

Kennt Ihr die Bücher schon? Welcher Roman ist zuletzt bei Euch eingezogen?

[Buchgedanken] Sabine Weiß: „Krone der Welt“

In der letzten Zeit habe ich den Roman „Krone der Welt“ von Sabine Weiß gelesen. Das Buch ist 2020 in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Vincent will als Architekt prächtige Stadthäuser bauen. Ruben sehnt sich nach Abenteuern auf hoher See. Betje ist eine begnadete Köchin. Zusammen sind die Geschwister in Amsterdam gestrandet, einem Ort der märchenhaften Möglichkeiten. Doch es ist auch die Zeit der großen Auseinandersetzungen. Katholiken und Calvinisten streiten um den rechten Glauben, Engländer und Spanier um den Einfluss auf das Land am Meer, Kaufleute um die wirtschaftliche Macht. Können sich die Geschwister in dieser schwierigen Situation behaupten?

„Krone der Welt“ beschreibt von 1588 bis 1617 die Geschicke der Familie Aardzoon über zwei Generationen vor dem Hintergrund der Geschichte der Niederlande im Kampf um die Unabhängigkeit – eine viel zu selten beleuchtete historische Epoche.

Dabei ist die Handlung größtenteils interessant und abwechslungsreich, wenn auch durch den Prolog einige Ereignisse und Entwicklungen bereits vorweggenommen werden, was die Spannung etwas mindert. Gleichsam gelingt es der Autorin jedoch, die vielen Handlungsstränge (auch wenn ein oder zwei weniger auch ausgereicht und für eine stringentere Handlung gesorgt hätten) zum Ende hin zusammenzuführen und sinnvoll aufzulösen.

Das Setting ist dabei sehr gut gelungen, die Autorin beschreibt das historische Amsterdam aus der Sicht eines kundigen Architekten bildhaft und anschaulich. Insgesamt vermittelt das Buch dabei den Eindruck einer sehr gewissenhaften Recherche, wofür auch die Literaturhinweise am Ende des Romans sprechen.

Die Figuren sind größtenteils gut angelegt, wenn auch Lazarus aus meiner Sicht hier als Antagonist etwas abfällt. Besonders gut gefallen haben mir in der Komplexität Aletta van Fleet, Nathan und Wim Aardzoon.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist wunderschön und hochwertig geprägt, die ausklappbaren Coverinnenseiten liebevoll – allerdings gleich – gestaltet. Hier hätte man durchaus die Karte der Niederlande und die Karte von Amsterdam trennen können – und so auch eine detailliertere und beschriftete Karte der Stadt abdrucken können.

Mein Fazit: „Krone der Welt“ ist ein im Wesentlichen überzeugender historischer Roman, der vor allem durch sein tolles Setting, die historische Authentizität und die interessante Handlung punkten kann, allerdings durch die vielen Handlungsstränge fast zu ambitioniert ist. Für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Dirk Rossmann: „Der neunte Arm des Oktopus“

In der letzten Zeit habe ich „Der neunte Arm des Oktopus“ von Dirk Rossmann gelesen. Das Buch ist 2020 in der Bastei Lübbe AG erscheinen und dem Genre Politthriller zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Der Klimawandel – eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes steht uns bevor. Das Fiasko scheint unaufhaltsam. Bis die drei Supermächte China, Russland und die USA einen radikalen Weg einschlagen. Die Maßnahmen der Allianz greifen gravierend in das Leben der Menschen ein, und nicht jeder will diese neue Wirklichkeit kampflos akzeptieren. Alle Mittel sind den Gegnern recht, um ihre ökonomischen und machtpolitischen Interessen zu verteidigen. Die Situation spitzt sich dramatisch zu, und plötzlich liegt das Schicksal der Erde in den Händen eines schüchternen Kochs und einer unscheinbaren Geheimagentin.

„Der neunte Arm des Oktopus“ ist ein Thriller, der in verschiedenen Zeitebenen spielt. Ob die Zukunft im Jahr 2100 dabei utopische oder dystopische Züge hat, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf dem Weg in diese Zukunft entspinnt sich in den Jahren 2020-2025 ein politisches Geflecht, eine weltumspannende Verschwörung – und eine undenkbare Allianz.

Neben den Protagonisten des Romans treten im Buch auch illustre Politiker wie Schröder, Putin oder auch Kamala Harris auf, die der Autor bereits zur nächsten – und ersten – Präsidentin der USA ausgerufen hat. Es bleibt abzuwarten, ob sich zumindest diese Vorhersage erfüllt.

Neben einem reinen Thriller ist „Der neunte Arm des Oktopus“ dabei vor allem auch ein Plädoyer für Klimaschutz, ein Appell zum Erhalt des Lebens auf der Erde. Und auch wenn es höchst zweifelhaft erscheint, dass die hier aufgezeigten Lösungen auch nur im Ansatz umsetzbar oder pratikabel wären, so ist es doch wichtig, dass die Dringlichkeit des Themas aufgezeigt wird – und das Spannungsfeld zwischen persönlicher Freiheit und Klimaschutz, das hier vielleicht etwas zu progressiv ausgefüllt wird.

Die Handlung ist dabei größtenteils spannend, wenn auch durch die verschiedenen Zeitebenen teilweise das Ergebnis bereits vorweggenommen wird. Ohnehin bin ich der Meinung, dass das Buch konsistenter, dichter und spannender gewesen wäre, wenn auf die Zeitebene um 2100 einfach verzichtet worden wäre – und auf den nur damit in Verbindung stehenden Handlungsstrang in Indien, der wenig zur Handlung beiträgt. Durch eine stärkere Fokussierung auf die aktuelleren Ereignisse hätte auch die im Klappentext angekündigte Protagonistin, Sofia Della Bettemcour, deutlich früher in die Geschichte eingebaut werden können.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist auffällig und zieht sich als Gesamtbild über den kompletten Buchrücken. Wunderschön sind auch die farbig gestalteten Coverinnenseiten, die sich vorn und hinten allerdings gleichen. Hier hätte man etwas kreativer sein können – und das Cover insgesamt auch etwas wertiger drucken können, wenn schon auf einen Schutzumschlag verzichtet wird.

Mein Fazit: „Der neunte Arm des Oktopus“ Ist ein spannender Politthriller, der zum Nachdenken anregt und Bewusstsein für den Klimawandel schaffen will. Die interessante Handlung wird dabei durch unzählige Zeitsprünge und Nebenhandlungen etwas ausgebremst. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Doppelte Buchpost zum Wegträumen

In der letzten Zeit erreichten mich wieder zwei neue Rezensionsexemplare. Zum einen „Arabische Nächte“ von Veronika Lackerbauer, zum anderen „Die vier Gezeiten“ von Anne Prettin. Vielen Dank an Veronika (auch für die Goodies!) und an den Verlag Bastei Lübbe (und die Bloggerjury) für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare. Ich freue mich schon darauf, mich bald nach Dubai und an die See träumen zu könnnen. Sehen die Bücher nicht toll aus?

Bücherreigen zur Adventszeit 2 | Doppelte Buchpost

Und auch heute möchte ich Euch wieder zwei tolle Bücher zeigen, die mich kurz vor Weihnachten erreichten. Dabei handelt es sich um zwei Rezensionsexemplare: „Sterbewohl“ von Olivia Monti und „Krone der Welt“ von Sabine Weiß. Vielen Dank an die Autorinnen, an Bastei Lübbe und an die Bloggerjury für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare. Ich bin schon sehr gespannt darauf, ins 16. Jahrhundert und in eine dystopische Zukunftsvision einzutauchen.

Kennt jemand die Bücher bereits? In welche Zeit würdet Ihr gern einmal reisen?

Bücherreigen zur Adventszeit 1 | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich wieder ganz viele tolle Bücher, die ich Euch nach und nach hier zeigen und vorstellen möchte. Den Anfang machen heute zwei Rezensionsexemplare: „Der neunte Arm des Oktopus“ von Dirk Rossmann und „Ein neuer Morgen in Laguna Beach“ von Emily Bold. Vielen Dank an die beteiligten AutorInnen und Verlage sowie an die Bloggerjury und Lovelybooks.de für die Bereitstellung der Bücher.

Sind die Bücher nicht toll? Ich kann es kaum erwarten, sie zu lesen =).

[Buchgedanken] Luca Di Fulvio: „Es war einmal in Italien“

In den letzten Tagen habe ich „Es war einmal in Italien“ von Luca Di Fulvio gelesen. Das Buch ist 2020 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre historischer Roman zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Ein Waisenjunge, der mit seiner Kamera den Blick auf die Welt verändern will. Ein Zirkusmädchen, das für die Politik brennt. Eine Gräfin, die anderen die Freiheit schenkt. Drei Menschen, die das Schicksal im Jahr 1870 nach Rom führt, das pulsierende Herzstück Italiens auf dem Weg zum Nationalstaat. Inmitten dieser Stadt der Verheißungen kreuzen sich ihre Wege, und ihre Träume scheinen wie durch ein magisches Band miteinander verwoben. Doch das schillernde Rom stellt die drei vor ungeahnte Herausforderungen. Als eines Tages ein dramatisches Ereignis die Ewige Stadt erschüttert, drohen sie alles zu verlieren, was ihnen kostbar ist …

„Es war einmal in Italien“ ist ein sehr detailverliebtes Porträt einer jungen Nation. Dabei illustriert Luca Di Fulvio gekonnt die Gegensätze zwischen arm und reich, Macht und Ohnmacht, Liebe und Hass, und entführt den Leser in das malerische Setting der heiligen Stadt Rom im Jahr der Eroberung 1870.

Hierbei überzeugt der Roman vor allem durch brillante Charaktere. Diese sind – auch in den Nebenrollen – dreidimensional und plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Besonders überzeugt haben mich hier Nella, Albanese und Mamma Lucia, aber auch Melo und Ludovico glänzen auf ganzer Linie.

Die Handlung, die eine in Deutschland eher unterrepräsentierte Epoche beleuchtet, ist spannend, abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen auf. Dabei gelingt es dem Autor, die Balance zwischen der historischen Entwicklung und den Einzelschicksalen zu wahren und den Leser an die Seiten zu fesseln.

Luca Di Fulvios Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, anschaulich, unterhaltsam, und wirft sofort das Kopfkino an. Da man sich zudem gut mit den Protagonisten identifizieren kann, möchte man das Buch am besten gar nicht mehr aus der Hand legen und immer tiefer in der Geschichte versinken.

Die Buchgestaltung ist in allen Aspekten gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön und ein wahrer Eyecatcher. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig geprägt und wartet mit farbigen, ausklappbaren Coverinnenseiten auf.

Mein Fazit? „Es war einmal in Italien“ ist ein rundum überzeugender historischer Roman, der vor allem mit seinem tollen Setting und wunderbaren Charakteren punkten kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – und ein potentielles Jahreshighlight.

[Buchgedanken] Morgane Moncomble: „Bad At Love“

In den letzten Tagen habe ich „Bad At Love“ von Morgane Moncomble gelesen. Der Roman ist 2020 beim LYX Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre New Adult zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Als Azalées Mutter stirbt, bleibt ihr nichts anderes übrig: Sie muss nach vier Jahren zum ersten Mal in ihre Heimatstadt zurückkehren. Augenblicklich holen sie dort die schrecklichen Erinnerungen an ihre Vergangenheit ein. Doch nicht nur das: Azalée lernt auch ihren neuen Nachbarn Eden kennen. Er ist sexy und geheimnisvoll, und auch wenn sie sich geschworen hat, niemals Gefühle für einen Mann zu entwickeln, berührt er sie auf eine Weise, die ihre Welt mit jedem Tag ein bisschen mehr ins Wanken bringt …

„Bad At Love“ ist ehrlich, schockierend, brutal und unglaublich gefühlvoll. Und auch wenn ich mit der Form der (leicht spoilernden) Triggerwarnung nicht ganz glücklich bin – hätte man besser lösen können – ist sie in diesem Fall ausnahmsweise mal angebracht. Richtig und wichtig ist zudem, dass am Ende Hilfsangebote für Betroffene aufgeführt werden.

Auch wenn das Setting wunderbar, die Handlung spannend und teils überraschend ist, verblassen diese Punkte, denn das Buch lebt und fällt mit seinen Charakteren. Denn gerade bei solchen Hintergrundgeschichten ist es wichtig, dass die einzelnen Protagonisten glaubhaft sind. Und dies ist der Autorin auf ganzer Linie gelungen.

So ist Azalée stark und zerbrechlich, sarkastisch und verletzlich – ein unglaublich emotionaler Charakter, zu dem man als Leser sofort eine Bindung aufbaut, den man beschützen, lieben – und ihn die Vergangenheit vergessen lassen möchte. Aber auch Nebencharaktere wie Alec oder Alyssa überzeugen auf ganzer Linie.

Gleiches gilt für den Schreibstil der Autorin, der den Leser auf eine Reise in die Köpfe der Protagonisten mitnimmt, sie behutsam an schwierige Themen heranführt und das Kopfkino sofort anlaufen lässt. Dabei gelingt es Morgane Moncomble zudem, trotz der schwierigen Themen nie die Liebesgeschichte in den Hintergrund treten zu lassen, sodass der schwierige Balanceakt zwischen Schicksalsroman und New Adult brillant gelingt.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Der Buchsatz ist gelungen, Lektorat und Korrektorat sind nur kleine Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss nicht hemmen. Das Cover ist – wie der gesamte Buchumschlag, der mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten aufwartet – wunderschön und hochwertig geprägt. Ein wahrer Eyecatcher!

Mein Fazit? „Bad At Love“ ist ein wunderbar gefühlvoller New Adult Roman, der durch tolle Charaktere und einen unglaublich berührenden Schreibstil glänzt – ein potentielles Jahreshighlight! Für Leser, die auch mit düsteren Themen umgehen können, bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht unter 17 Jahren.

[Buchgedanken] Annegret Held: „Eine Räuberballade“

In der letzten Zeit habe ich „Eine Räuberballade“ von Annegret Held gelesen, den abschließenden Teil ihrer „Westerwald-Chronik“. Das Buch ist 2020 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Der Westerwald im ausgehenden 18. Jahrhundert: ein armer Flecken Land, wo ein jeder sein Päckchen zu tragen hat. Auch im Dörfchen Scholmerbach kämpfen die Menschen ums Überleben. Den frommen Bauern Wilhelm hat es besonders hart getroffen: die Frau seit Jahren bettlägerig, der Sohn rotzfrech und stinkfaul. Als dieser Nichtsnutz sich auch noch einer der brutalen Räuberbanden anschließt, die marodierend durch die Lande ziehen, steht ganz Scholmerbach kopf. Jeder versucht auf seine ganz eigene Weise, den Dorffrieden zu retten – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Die größte Besonderheit des Buches ist, dass die Dialoge in Mundart verfasst sind. Dies gibt dem Roman einerseits Authentizität, andererseits erschwert es auch das Lesen für Leser, die damit nicht vertraut sind – und sorgt für einen mühsamen Einstieg ins Buch, der auch durch einen unnötigen Perspektivwechsel am Anfang weiterhin verkompliziert wird.

Wenn man sich dann jedoch auf das Buch eingelassen – und mit der Mundart vertraut gemacht – hat, belohnt die Autorin einen mit einer humorvollen, spannenden Geschichte über die Bewohner Scholmerbachs. So folgt man Hannes und Gertraud, Wilhelm und Liesel durchs Leben – deren Handlungsstränge sie von Scholmerbach in die weite Welt hinaus tragen, nur um sie dann zum Schluss wieder zusammenzubringen.

Auch das Setting vermag auf ganzer Linie zu begeistern, spürt man doch die Liebe der Autorin zum Detail, zur Geografie, Geschichte und zu den Eigenarten des Westerwaldes – insbesondere der Handlungsstrang von Gertraud überzeugt hier vollends.

Die Charaktere entwickeln sich im Verlauf der Handlung weiter, sind dreidimensional angelegt und haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive – und sind doch vor allem geprägt durch Gottvertrauen, Schicksalsergebenheit, Heimatliebe und Familienbande. Insbesondere die Zerrissenheit von Wilhelm, der Kampf zwischen Glauben und Liebe, ist der Autorin gut gelungen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, der Umschlag bzw. das Cover ist schlicht, aber edel – und farblich interessant.

Mein Fazit? „Eine Räuberballade“ ist ein gelungener, historischer Heimatroman über die Bewohner von Scholmerbach, der mit einem wunderschönen Setting und einer spannenden und witzigen Handlung punkten kann, aber aufgrund der Dialekte in Mundart teils sehr schwer zu lesen ist. Für Leser, die sich darauf einlassen können, bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Claudia Casanova: „Albas Sommer“

In der letzten Zeit habe ich „Albas Sommer“ von Claudia Casanova gelesen. Das Buch ist 2020 beim Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2019 unter dem Titel „Historia de una flor“ bei Penguin Random House Grupo Editorial veröffentlicht . Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Spanien 1875. Alba liebt die langen Sommer im Valle de Valcabriel am Fuße der Pyrenäen. Hier kann sie ausgiebig durch die Natur streifen und sich ganz ihrer Leidenschaft widmen: dem Studium von Pflanzen. Als sie den bekannten deutschen Botaniker Heinrich Willkomm kennenlernt, der eine von Alba entdeckte Pflanze nach ihr benennt und auf der Pariser Weltausstellung präsentieren will, kann sie ihr Glück kaum fassen. Doch dann muss sie eine harte Entscheidung treffen, die ihr Leben verändern wird.

„Albas Sommer“ ist historischer Roman, Familiensaga und Entwicklungsroman in einem – und ja, irgendwie trotz des historischen Settings auch Gegenwartsliteratur, sind doch die angesprochenen Themen auch in der heutigen Zeit duchaus noch aktuell. So ist das Buch – neben allem anderen – auch eine Hommage an die mutigen Frauen der Geschichte, an Entdeckerinnen, Forscherinnen und Wissenschaftlerinnen, deren vielfältigste Leistungen oft nicht den ihnen eigentich zustehenden Ruhm erhielten.

Der Roman erzählt auf eine leichte, leise und einfühlsame Weise das Leben von Alba in kurzen Episoden. Dabei erschafft die Autorin filigrane, zerbrechliche Bilder, die trotzdem kraftvoll strahlen und den Balanceakt Albas zwischen gesellschaftlichen Konventionen und eigenem Entdeckerdrang perfekt porträtieren.

Eingebettet in ein wundervolles Setting klingt in jedem Kapitel die Liebe zur Natur durch, die Alba – und auch Heinrich – antreibt. Eine gemeinsame Leidenschaft aus der eine zarte, aber nie übertriebene oder zu präsente Liebesgeschichte erwächst, deren Ende aber leider durch das erste Kapitel schon vorweggenommen worden ist – wie auch ein weiteres, elementares Ereignis, was die Spannung etwas mindert, der Unterhaltung schlussendlich jedoch keinen Abbruch tut.

Die Buchgestaltung bezaubert hingegen auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist wunderschön und hält sich als eines der wenigen Bücher noch an alte Traditionen, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen. Auch das Cover vermag in der einfachen Natürlichkeit mit den wundervollen Abbildungen zu überzeugen.

Mein Fazit? „Albas Sommer“ ist ein leichtes, fragiles Buch über die Natur und die Liebe, eine Hommage an all die vergessenen Frauen der Wissenschaft – und kann vor allem dank eines tollen Settings und wunderschön erzeugten Bildern punkten. Bedenkenlos zu empfehlen.