Heute möchte ich Euch zwei Neuzugänge präsentieren, die mich in den letzten Tagen und Wochen aus der Bloggerjury der Bastei Lübbe AG erreicht haben. Sowohl „Ungeheuer lieb“ von Sonja Kaiblinger mit Illustrationen von Anton Riedel (Der Anton) aus dem Baumhaus Verlag als auch „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ von Nadine Schojer, das in Kürze bei Lübbe erscheint, begründen dabei jeweils eine Buchreihe, auch wenn die einzelnen Werke unterschiedlicher nicht sein könnten, handelt es sich doch um ein illustriertes Kinderbuch für Leser:innen ab acht Jahren und einen historischen Roman, der uns in die Nachkriegszeit entführt. Ich bin jedenfalls auf beide bereits sehr gespannt und bedanke mich an dieser Stelle bei den Verlagen für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare.
Zuletzt habe ich auch „Der Stich“ von Thilo Winter gelesen. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Wissenschaftsthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.
Quito Mantezza kann es nicht fassen, als ihm das Stipendium am College in Key West, Florida, fristlos gestrichen wird. Jemand scheint verhindern zu wollen, dass sich der Biologiestudent gegen Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Moskitos einsetzt. Er klagt gegen die Kündigung und muss miterleben, wie sein Anwalt im Gerichtssaal tot zusammenbricht. Als Augenblicke später auch die Richterin ohnmächtig wird, bricht Panik im Justizgebäude aus. Während die Behörden noch rätseln, was die Ursache für die Todesfälle ist, gelingt es Quito herauszufinden, was wirklich hinter der rätselhaften Seuche steckt: der Stich einer bislang unbekannten Mückenart …
„Der Stich“ ist nach „Der Riss“ der zweite Roman des unter Pseudonym veröffentlichenden Wissenschaftsjournalisten Thilo Winter – es handelt sich hierbei jeweils um unabhängig voneinander zu lesende Einzelbände, so habe ich ja auch nur „Der Stich“ gelesen. Dabei lässt sich das Buch relativ deutlich dem Genre Wissenschaftsthriller zuordnen, als Alternativen wären – wie auf dem Cover vorgenommen – die generelle Einordnung als Thriller oder auch die Eingruppierung als Umweltthriller oder Politthriller denkbar, wird in dem Buch doch auch Korruption bis in höhere Entscheidungsträgerebenen behandelt.
Apropos Handlung: Diese ist durchaus spannend und abwechslungsreich, partiell jedoch auch etwas vorhersehbar, insgesamt allerdings wirklich gelungen, sodass das Buch sich durchaus zum Pageturner entwickelt. Thilo Winter zieht hierbei alle (und fast zu viele) Register, fügt dem Thriller ungewöhnliche Helden, eine Lovestory, Kämpfe mit Alligatoren und Haien und das Thema illegale Migration hinzu – um nur einige der weiterhin aufgeworfenen Problemkreise anzusprechen. Ein oder zwei weniger hätten hier sicherlich nicht geschadet und für ein noch gradlinigeres Storytelling gesorgt.
Das Setting ist natürlich überwältigend. So entführt der Autor den Leser auf die Florida Keys, eine Anhäufung von Koralleninseln vor der Südspitze Floridas, ein wahres Naturparadies, dem zuweilen zu wenig Beachtung geschenkt wird. Hierbei baut Thilo Winter wichtige und aktuelle Themen wie den Klimawandel und den Schutz von Meeresschildkröten gut um das zentrale Thema der Gefahren von Genmanipulation herum und sorgt so für ein Buch, das die Umwelt und Natur feiert, dabei aber im Wesentlichen nicht belehrend daherkommt.
Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren insbesondere Inéz und Roberto, aber auch Betty Torok vermag zu glänzen, während lediglich Ferris als einer der Antagonisten etwas blass verbleibt. Thilo Winters Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung kann ebenfalls überzeugen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide. Der Buchumschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, das Titelmotiv sehr einprägsam und typografisch toll dargestellt. Auch Buchrücken und Coverrückseite können hier mithalten, sodass insgesamt ein rundum gelungenes Gesamtprodukt entsteht.
Mein Fazit? „Der Stich“ ist ein hochspannender Wissenschaftsthriller, der wichtige Themen anspricht aber vielleicht auf den ein oder anderen Nebenhandlungsstrang hätte verzichten können. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.
Vor kurzem habe ich auch „Das dunkle Versteck“ von Arnaldur Indriðason gelesen. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem Titel „Kyrrþey“ bei Forlagið veröffentlicht. Das Buch ist dabei als Kriminalroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Freyja Melsted verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.
Nach dem Tod ihres Mannes findet Halla eine Pistole in einer Garage mitten in Reykjavík. Sie bringt sie zur Polizei. Als der pensionierte Kommissar Konráð davon erfährt, erinnert er sich, dass sein Vater eine ebensolche Waffe besaß. Ein Mitarbeiter der Spurensicherung findet zudem heraus, dass aus dieser Waffe der tödliche Schuss in einem anderen ungeklärten Fall stammt. Damals wurde ein Mann namens Garðar aus heiterem Himmel erschossen. Konráð nimmt nun privat Ermittlungen auf, weil er wissen will, was sein Vater mit den Verbrechen zu tun hat. Eine Spur führt zu Gústaf, einem Arzt, der wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis sitzt. Auch Konráðs Vater war damals mit diesem Arzt in Kontakt …
„Das dunkle Versteck“ ist der fünfte Band der Reihe um den mittlerweile pensionierten Kommissar Konráð und ein klassischer isländischer Kriminalroman, auch wenn genrebedingt die Grenzen zum Thriller hier natürlich sehr fließend sind. Dabei lässt sich das Buch zwar als Standalone lesen, jedoch würde ich es empfehlen, die anderen Bände vorab zu lesen, da dann – vermutlich – ein besserer Überblick über die Handlung und Figurenentwicklung möglich gewesen wäre.
Denn so war die Handlung zwar durchaus spannend, aufgrund der multiplen Zeitebenen und diversen Handlungsstränge allerdings auch sehr komplex, an der Grenze zu verworren – nie hatte man hier das Gefühl, dass es wirklich stringend voran geht, ein klarer roter Faden fehlte mir. Nichtsdestotrotz schmiedete Indriðason hier ein Potpourri aus organisierter Kriminalität, Korruption, Kindesmissbrauch und persönlichen Rachefeldzügen, das – wenn man schlussendlich mal dahintergestiegen ist – durchaus zu begeistern weiß.
Das Setting vermag hingegen von Beginn an zu überzeugen. So entführt der Autor die Leser:innen nach Reykjavik und erschafft aufgrund der Zeitsprünge ein Porträt einer Stadt im Wandel, in der Wellblechhüttenslums der Kapitalisierung weichen müssen, in der jedoch auch weiterhin Obdachlose in kalten Winternächten auf Parkbänken erfrieren. Etwas klischeehaft hangelt sich Konráð dabei gefühlt von Schneesturm zu Schneesturm, dies tut der besonderen Atmosphäre des Romans jedoch keinen Abbruch.
In den Figuren konzentriert sich der Autor zentral auf Konráð, alle weiteren Figuren werden in der Regel nur kleinere Nebenrollen angedacht, deren Entwicklung daher durchaus etwas vernachlässigt. Konráð hingegen ist vielschichtig und dreidimensional, hat Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Dies trifft darüber hinaus noch am ehesten auf Marta zu. Arnaldur Indriðasons Schreibstil lässt sich zudem flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anspringen.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist fehlerfrei aber auch sehr konservativ. Das Covermotiv kann die düstere Atmosphäre des Romans gut auffangen, das unter dem Umschlag befindliche Buch ist zwar schlicht, wartet jedoch überraschend mit toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten auf, auf denen die Karte Islands und ein Stadtplan Reykjaviks präsentiert werden.
Mein Fazit? „Das dunkle Versteck“ ist ein Kriminalroman, der vor allem mit seinem Setting und einer starken Atmosphäre punkten kann, dessen Handlung jedoch zuweilen zu verworren daherkommt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.
Gestern startete die Leipziger Buchmesse für mich und – wie immer – ließ ich es am ersten Tag eher ruhig angehen, mit: Eva Almstädt, Anika Beer, Frauke Angel, Uschi Glas, dem LYX Verlag, Nina MacKay, Jacqueline Mayerhofer, Julia Nowak, Elythe_Art, Nirix_Art, Barbi Markovic, Tom Holert und Ki Hyang-Lee.
Mein Tag begann dabei damit, dass ich gemütlich durch die Hallen schlenderte und mir beim LYX Verlag (Wahnsinn, was dort am ersten Tag bereits los ist!) die Sonderausgabe der „World“-Reihe von Anabelle Stehl kaufte. Während meines Hallenbummels traf ich dabei viele bekannte Gesichter (sprecht mich ruhig an – im Tunnelblick sehe ich Euch manchmal nicht!), unter anderem Nina MacKay und Jacqueline Mayerhofer. Im Anschluss stand dann mein erster Programmpunkt des Tages an: Eine Buchvorstellung von Eva Almstädt zu „Ostseefinsternis“ für Bastei Lübbe. Zwar habe ich noch kein Buch der Ostseekrimis gelesen, aber einen Nordseekrimi, den Eva mir dann auch bereitwillig signierte.
Danach ging es für mich erstmals in die Haupthalle der Manga Comic Convention (sie wird immer größer und beansprucht nun schon 1,5 Hallen). Dort stellte der Panini Verlag „Bier – Die Graphic Novel“ vor, ein Buch über die Geschichte des Bieres, mit spannenden und witzigen Fakten unterlegt. Die Zeit in der Halle nutzte ich auch, um in der Artist Gallery mir das in oder andere Print zur Unterstützung der Künstler:innen zu kaufen – dieses Mal von Elythe_Art und Nirix_Art.
Auch am Nachmittag schlenderte ich wieder durch die Hallen, ließ mir Bücher von Anika Beer und Frauke Angel signieren, schaute mir Isabella Benz‘ neuen Roman beim Weltenbaum Verlag an und traf mich am Nachbarstand auch mit Julia Schoch-Daub vom „Feuer und Flamme Lektorat“, die als Julia Nowak „Schatten und Licht: Ein Leben zwischen Liebe und Krieg“ veröffentlicht hat. Lokale Autor:innen und Buchmenschen halten einfach zusammen – schöne Grüße nach Wilhelmsfeld.
Meine vorletzte Veranstaltung war dann ein deutscher Superstar. Denn auf der Bühne von ARD, ZDF und 3sat stellte Uschi Glas, die vor kurzem 80 Jahre alt geworden ist (alles Gute nachträglich!), ihr Buch „Ein Schätzchen war ich nie“ vor, erzählte anekdotisch aus ihrem Leben und warf mit Weisheiten um sich – sie darf das! Auch stark: ihr wöchentliches Engagement für die Befreiung der von der Hamas verschleppten israelischen Geiseln und ihre karitative Arbeit in Deutschland in einem Verein, der Schülern ein Frühstück bietet, die hungrig in die Schule kommen. Ein absolutes Vorbild!
Den Abschluss machte dann ein Programmblock auf der gleichen Bühne. In kurzen Abständen hintereinander wurden die Preisträger, des kurz zuvor verliehenen Preises der Leipziger Buchmesse mit ihren Werken dem Publikum präsentiert: Ki Hyang-Lee in der Kategorie Übersetzung, Tom Holert in der Kategorie Sachbuch/Essay und Barbi Markovic (im Bild) in der Kategorie Belletristik.
Damit endete auch schon der Messedonnerstag für mich. Der heutige Tag steht natürlich ganz im Zeichen des Phantastikpreises Seraph, für den ich ja in diesem Jahr die Kategorie „Bestes Debüt“ als Juror mitbetreuen durfte. Ich bin schon ganz gespannt, ob es einer meiner Favoriten ganz nach oben geschafft hat!
Was waren Eure Messehighlights? Worauf freut Ihr Euch noch?
Kurz vor der Leipziger Buchmesse möchte ich Euch heute meine letzten beiden Neuzugänge vor der LBM präsentieren. „In Case We Trust“ von Tess Tjagvad und „Westwell – Bright & Dark“ von Lena Kiefer sind beide im LYX Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen. Während das Buch von Tess mein erster Roman der Autorin ist, kann ich Lenas Bücher fast gar nicht mehr zählen – daher sind hier nur einige abgebildet. Mit „Westwell – Bright & Dark“ setzt sie dabei die Reihe um Helena und Jess fort, während „In Case We Trust“ der Auftakt in die Reihe um „Gold, Bright & Partners“ ist – für mich als Jurist und New-Adult-Liebhaber natürlich ein match made in heaven. Und jetzt freue ich mich schon darauf, beide Autorinnen in Leipzig auf Ihren jeweiligen Signierstunden zu treffen.
In den letzten Tagen und Wochen trudelten auch diese beiden Rezensionsexemplare bei mir ein. „Neue Heimat – 1404“ von Frauke Angel mit Illustrationen von Stephanie Brittnacher (Tulipan Verlag GmbH) erreichte mich dabei im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de, „Zeit der Schwestern: Apfelblütentage“ von Tanja Huthmacher (Lübbe) über die Bloggerjury der Bastei Lübbe AG – vielen Dank dafür. In beiden Romanen stehen dabei zwischenmenschliche Beziehungen im Mittelpunkt der Handlung: Freunde und Schwestern. Noch eines haben jedoch beide Bücher gemeinsam: Sie begründen jeweils eine Reihe. Ich bin jedenfalls schon ganz gespannt, welcher Roman hier das Fundament für tolle Fortsetzungen legt.
Vor kurzem zogen auch diese beiden, jeweils letzten Bände von Buchreihen bei mir ein. „Wie Farben im Regen“ von Alicia Zett (One Verlag in der Bastei Lübbe AG) beendet dabei die „Liebe ist“-Trilogie, während „Blackwell Palace. Feeling it all“ von Ayla Dade (Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) die „Blackwell Palace“-Trilogie abschließt. Alicias Buch kaufte ich mir dabei bei den Thalia Buchhandlungen, da dort neben der überall beiliegenden Charakterkarte auch noch ein wunderschönes Page Overlay dem Buch beigelegt wurde. Apropos wunderschön – sieht das Gesamtbild des Farbschnitts von Aylas Reihe nicht ebenfalls wahnsinnig toll aus? So fiel es mir wahnsinnig leicht, beiden Büchern in meinen Regalen ein neues Zuhause zu geben :).
In den letzten Tagen und Wochen haben sich sehr viele Rezensionen aufgestaut, die ich Euch in der nächsten Zeit präsentieren möchte. Den Anfang macht heute „Waiseninsel“ von Max Seeck. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem Titel „Loukku“ bei Tammi publishers veröffentlicht. Der Roman ist dem Genre Thriller zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Gabriele Schrey-Vasara verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.
Kommissarin Jessica Niemi gerät in eine Auseinandersetzung, wird handgreiflich und prompt von einem Passanten gefilmt. Das Video geht viral und sie wird beurlaubt. Um Abstand zu gewinnen, fährt Jessica auf die zwischen Finnland und Schweden gelegenen Åland-Inseln. Dort trifft sie auf eine Gruppe älterer Menschen, die als Kinder während des Krieges fliehen mussten und hier auf der Insel in einem Waisenhaus lebten. Nun treffen sie sich wieder. Als einer der Alten tot aufgefunden wird, beginnt Jessica zu ermitteln. Denn bereits zuvor kamen zwei Menschen auf dieselbe mysteriöse Weise ums Leben. Alle drei Opfer scheinen mit der Legende um „Das Mädchen im blauen Mantel“ im Zusammenhang zu stehen …
„Waiseninsel“ ist mein erstes Buch von Max Seeck, aber schon sein vierter Band um Kommissarin Jessica Niemi. Dabei kann das Buch zwar gut als Standalone gelesen werden, aufgrund der bewegten Vergangenheit von Jessica Niemi, ihrer Psyche und den Anspielungen auf alte Fälle empfiehlt es sich jedoch, vorher auch die anderen Teile zu lesen, da mir so sicherlich der ein oder andere interessante Moment gefehlt hat. Der Roman wird zudem als Thriller eingeordnet und beworben, was aus meiner Sicht jedoch durchaus diskutabel ist – ich finde hier fast mehr Argumente, das Buch als Kriminalroman anzusehen. Schlussendlich habe ich jedoch die Eingruppierung des Verlags übernommen.
Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und durchaus mit unerwarteten Wendungen versehen, durch die verschiedenen Zeitebenen aber auch nicht wirklich stringent erzählt. Auch passiert zuweilen recht wenig – der im Buch von einem Charakter angestellte Vergleich mit einem Kammerspiel drängt sich hier ebenfalls auf. Zudem fließen Realität, Einbildung und Traum teils zusammen und schaffen eine gespenstische, aber nicht immer leicht zu durchdringende Atmosphäre.
Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt der Autor den Leser auf die Åland-Inseln, in eine abgelegene Gegend, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Verbunden mit dem beklemmenden historischen Rückblick auf die Kriegs- bzw. frühe Nachkriegszeit, die im krassen Gegensatz zur anfangs gezeigten schnelllebigen Gesellschaft steht, in der Videoaufnahmen sofort viral gehen können, wird der Leser von einem Extrem ins andere geworfen. Dabei thematisiert Max Seeck gelungen auch schwierige Themen wie psychische Erkrankungen und Selbstmordgedanken.
Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brilliert insbesondere Jessica, aber auch wichtige Nebencharaktere wie Astrid und Armas können überzeugen. Max Seecks Schreibstil ist zudem leicht und flüssig zu lesen, sehr dynamisch und lässt das Kopfkino sofort anspringen, sodass sich das Buch insbesondere in der zweiten Hälfte zum Pageturner entwickelt.
Auch die Buchgestaltung kann glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, farbige Coverinnenseiten, eine leichte Prägung auf dem Cover und ein Farbschnitt veredeln das Gesamtprodukt. Das Covermotiv passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für hohen Wiedererkennungswert, ist jedoch etwas beliebig und wird leider zum Buchrücken hin – reihentypisch – unterbrochen.
Mein Fazit? „Waiseninsel“ ist ein starker Thriller/Kriminalroman, der vor allem dank seines Settings und einer brillanten Protagonistin glänzen kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.
Wie versprochen kurz vor Ende des Abends noch die zweite heutige Rezension. Denn vor kurzem habe ich auch „A Night of Shadows and Betrayals“ von Anne Pätzold beendet. Der Roman ist 2023 im LYX Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre Romantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.
Winnies schlimmster Alptraum ist wahr geworden: Sie hat es nicht geschafft, ihre Schwester Sasha zu beschützen. Das Einzige, was jetzt zählt, ist sie zu finden und zu retten. Doch es wird schnell klar, dass Winnie Hilfe braucht, und zwar ausgerechnet von Jo, die trotz all dem, was zwischen ihnen passiert ist, noch immer ihr Herz höherschlagen lässt. Nur gemeinsam haben sie eine Chance, herauszufinden, was mit Sasha passiert ist – wobei sie nie hätten vorhersehen können, auf welche unfassbaren Geheimnisse sie bei ihrer Suche stoßen würden …
„A Night of Shadows and Betrayals“ ist der zweite Band der „A Night of …“-Trilogie und setzt die Handlung des Vorgängers „A Night of Promises and Blood“ nahtlos fort. Dabei ist das Buch erneut als Romantasy einzuordnen, auch wenn hier eine gehörige Portion Suspense und Thrill mitschwingt. Und auch weiterhin balanciert das Buch auf der Grenze zwischen YA und NA, hat Protagonisten im typischen Alter für New Adult, vermittelt aber eher Young-Adult-Vibes und verzichtet größtenteils auf erotische Szenen.
Die Handlung ist unglaublich spannend, und rasant und kann mit unerwarteten Wendungen aufwarten. Allerdings endet der Band – noch brutaler als im ersten Teil – mit einem heftigen Cliffhanger, hier hätte man durchaus auch ein anderes, früheres oder späteres, Ende wählen können. Abgesehen davon hält „A Night of Shadows and Betrayals“ jedoch die immens hohe Qualität des Vorgängers und sorgt dafür, dass die Reihe sich weiterhin als Jahreshighlight präsentiert.
Das Setting ist – ebenfalls gleichbleibend – stark, entführt Anne Pätzold den Leser doch erneut nach New York City in das urbane Flair der Großstadt, wenn auch die Stadt in diesem Band nicht mehr die zentrale Rolle spielt wie im ersten Teil. Auch ist zugunsten der Fokussierung auf die Spannung jegliches Hintergrundthema wie die Kunst gänzlich abhanden gekommen – was etwas schade ist, nichts aber daran ändert, dass das Buch erneut ein absoluter Pageturner ist.
Die Figuren werden konstant weiterentwickelt, sind weiterhin vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Toll ist es hierbei, dass Blair in diesem Buch eine aktivere Rolle bekommt, während auch Sasha weiterhin brillieren kann und Winnie die starke Identifikationsfigur verbleibt, mit der man lacht und leidet. Anne Pätzolds Schreibstil lässt den Leser erneut durch die Seiten fliegen, lässt sich flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.
Und auch die Buchgestaltung kann wieder punkten. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist ein unglaublicher Traum, der sich gut in das Gesamtbild der Reihe einfügt und für einen einheitlichen Gesamteindruck mit Wiedererkennungswert sorgt. Und auch das unter dem Umschlag befindliche Buch ist erneut wahnsinnig toll anzusehen.
Mein Fazit? „A Night of Shadows and Betrayals“ setzt Anne Pätzolds Reihe nahtlos und brillant fort und glänzt weiterhin vor allem mit unglaublich starken Charakteren. Für Leser des Genres – wie vom Verlag vorgeschlagen – ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.
Heute habe ich gleich zwei Rezensionen für Euch. Den Anfang macht hierbei „A Night of Promises and Blood“ von Anne Pätzold, das ich selbst gekauft und in den letzten Tagen gelesen habe. Das Buch ist 2023 bei LYX in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre Romantasy zuzuordnen.
Als Winnie mit ihrer Schwester Sasha nach New York zog, hatte sie nur ein Ziel: ihren Vater zu finden und zu erfahren, warum er vor vierzehn Jahren plötzlich aus ihrem Leben verschwand. Doch den Mut aufzubringen, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen, ist leichter gesagt als getan, zumal Winnie mehr denn je das Gefühl hat, ein Auge auf ihre jüngere Schwester haben zu müssen. Diese hat sich nämlich mit Jo angefreundet, einer jungen Frau, die vor Kurzem in die Wohnung nebenan eingezogen ist und die Winnie nicht nur wegen ihrer mysteriösen Ausstrahlung, sondern auch mit der Art, wie sie ihr Herz schneller schlagen lässt, gehörig verwirrt. Dabei ahnt Winnie nicht, dass Jo ein Geheimnis hat. Ein Geheimnis, das so unglaublich wie gefährlich ist – und das Winnie alles nehmen könnte, was ihr lieb ist …
„A Night of Promises and Blood“ ist der Auftakt zur „A Night of …“-Reihe von Anne Pätzold, die auf drei Bände angelegt ist. Dabei ist bereits die Genrezuordnung nicht ganz klar, wird das Buch doch unter anderem als „Paranormal Romance“ oder als Vampirroman angepriesen. Ich persönlich würde es jedoch eher als klassische Romantasy einordnen, die an der Grenze zwischen Young- and New Adult balanciert. So ist Winnie zwar schon 22, generell vermittelt das Buch jedoch eher YA-Vibes, die – gelinde gesagt – einfach großartig sind.
Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich – und das Buch daher ein wahrer Pageturner und ein frühes Jahreshighlight. Anne Pätzold gelingt es, komplexe Themen, brodelnde Gefühle, Hochspannung und ein fantastisches Setting zu einem dennoch leichten, fast Wohlfühl-Roman zu vermischen, der cozy Gefühle beim Leser weckt, sodass man die brillanten Charaktere direkt ins Herz schließen muss. Einziges, minimales Manko: der Cliffhanger am Ende – und die große Überraschung, die einen packt und gedanklich nicht mehr loslässt. Glücklicherweise kann ich direkt weiterlesen, mir graut es aber bereits jetzt schon vor der Wartezeit auf Band 3.
Das Setting ist ebenfalls gelungen. So entführt Anne Pätzold den Leser für das Urban-Fantasy-Setting in eine der urbansten Regionen der Erde: New York City – eine pulsierende Stadt voller Leben, Verbrechen und Kunst. Letzteres ist eine weitere, spannende Ebene des Romans – hier hätte ich mir fast noch stärkere Exkurse gewünscht, auch wenn dies sicherlich ein schmaler Grat ist, um das Buch nicht mit Fachwissen und Diskussionen dazu zu überfrachten.
Die einzelnen Figuren sind – wie bereits angedeutet – brillant, sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Natürlich überzeugen Winnie und Jo, gerade Winnie ist sehr relatable und unglaublich berührend. Restlos begeistert bin ich jedoch von Sasha und Blair – beide hochspannend, ich hoffe, noch mehr über sie zu erfahren. Und auch Anne Pätzolds Schreibstil glänzt auf ganzer Linie, ist leicht, humorvoll und emotional – und lässt das Kopfkino sofort anspringen.
Die Buchgestaltung ist ebenfalls – im Wesentlichen – gelungen. Zwar sind Lektorat und Korrektorat Kleinigkeiten durchgerutscht, diese schmälern das Lesevergnügen aber kaum. Der Buchsatz ist sehr schön, das Cover ein absoluter Eyecatcher und der Umschlag auf dem Cover und Buchrücken leicht geprägt. Farbige Coverinnenseiten und – vor allem – ein wunderschönes Buch unter dem Umschlag runden das atemberaubende Gesamtergebnis ab.
Mein Fazit? „A Night of Promises and Blood“ ist ein hochspannender Auftakt in eine Reihe, die mit starken Charakteren glänzt und das Potential hat, ein absolutes Jahreshighlight zu werden. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.