Farbschnitt-Alarm | Doppelte Buchpost

Bevor es in der zweiten Wochenhälfte mit den Rezensionen weitergeht, möchte ich Euch kurz zwei Bücher mit Farbschnitten zeigen, die vor kurzem bei mir eingezogen sind: „Still missing you“ von Valentina Fast (dtv Verlag) als selbstgekauftes Buch von der Bücherbüchse und „Faust“ von Gustaf Skördeman (Bastei Lübbe) als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury. Sehen sie nicht toll aus?

Mögt Ihr Farbschnitte bei Büchern?

[Buchgedanken] Mascha Vassena: „Mord in Montagnola“ (Tessin 1)

Vor kurzem habe ich „Mord in Montagnola“ von Mascha Vassena gelesen. Das Buch ist 2022 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kaum kehrt Moira, Übersetzerin und frisch getrennt, nach Jahren in das Tessiner Dörfchen Montagnola zurück, wird ein Toter in einer Nevèra, einem der dort typischen historischen Eiskeller, gefunden. An den polizeilichen Ermittlungen beteiligt ist auch Moiras Jugendliebe Luca Cavadini, inzwischen leitender Rechtsmediziner des Kantons, der sie bald als Dolmetscherin um Hilfe bittet. Die Befragungen in der Dorfgemeinschaft gestalten sich schwierig, doch bald wird klar, dass es im beschaulichen Tessin nicht gar so friedlich zugeht, wie es zunächst den Anschein hat.

„Mord in Montagnola“ ist ein in Tessin handelnder Regionalkrimi mit viel Lokalkolorit, der an der Grenze zu Cosy-Crime balanciert, erfüllt er doch einige der gängigen Genremerkmale wie eine fachfremde Ermittlerin. Insgesamt ist er aber, zumindest für meinen Geschmack, nicht cosy genug, sondern teils rasant, teils doch gewaltsam, sodass ich bei der Einstufung als (klassischer) Regionalkrimi verblieben bin.

Die Handlung ist dabei kurzweilig, abwechslungsreich und mit einigen, unerwarteten Wendungen versehen, die zum Ende hin allerdings teils auch etwas abstrus werden. Dabei bleibt die Liebesgeschichte erfrischend im Hintergrund und lässt den Fokus auf der Lösung des Falles, der gänzlich abgeschlossen wird, sodass das Buch auch als Standalone lesbar ist. Andererseits bleiben jedoch auch genügend weitere Ansatzpunkte, um die Figuren weiterzuentwickeln und eine mögliche Reihe – was ich sehr befürworten würde – zu begründen.

Das Setting ist naturgemäß traumhaft, entführt es den Leser doch in die italienischsprachige Schweiz, nach Lugarno und nach Montagnola, ein kleines Dörfchen in der malerischen Alpenregion. Zwischen Osteria und Nevèra, zwischen Strandpromenade und bergigen Serpentinen lernt der Leser die Region kennen und lieben, insbesondere auch durch Moiras Vater, einen der absoluten Sympathieträger des Romans.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben dem oben bereits erwähnten Ambrogio überzeugen hier vor allem Chiara und – in einer kleinen Nebenrolle – Luna (von der ich gern in einem nächsten Band mehr lesen würde), während Luca etwas blass bleibt.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen, aber nicht näher gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv schön anzusehen, allerdings fehlt mir etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Mord in Montagnola“ ist ein gelungener, erfrischender Regionalkrimi mit tollem Setting und einer kurzweiligen, spannenden Handlung, die lediglich zum Ende hin etwas abfällt. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Julia Fischer: „Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ (Salon 1)

In der letzten Zeit habe ich „Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ von Julia Fischer gelesen, den Auftakt zu der Salon-Reihe. Das Buch ist 2022 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

1956. Die junge Leni aus dem ländlichen Hebertshausen kann ihr Glück kaum fassen: Die Anstellung bei dem vornehmen Friseur Keller in München ist der erste Schritt zur Verwirklichung ihres großen Traums – ein eigener Salon in der Stadt. Unterdessen hadert ihr Bruder Hans mit seinem Medizinstudium. Seine Leidenschaft gilt der Jazzmusik – und Lenis Freundin Charlotte, die in einer unglücklichen Ehe gefangen ist. Während sie alle darauf hoffen, ihr Glück zu finden, stellt ein Schicksalsschlag ihre Zuversicht auf eine harte Probe …

„Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ ist der Auftakt zu einer Familiensaga um Marlene Landmann, die im Bayern der 50er Jahre von einem eigenen Friseursalon träumt. Dabei kann der Roman – trotz eines doch sehr heftigen Endes – durchaus als Standalone gelesen werden, werden doch relevante Handlungsstränge aufgelöst – jedoch bleibt noch mehr als genug für die Folgebände übrig.

Die Handlung an und für sich ist generell spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar, wobei es der Autorin doch gelingt, mit einigen unerwarteten Wendungen den Leser zu überraschen. Gekonnt flechtet Julia Fischer zudem einige schwere Themen in den Roman mit ein, so werden über die familiären und menschlichen Schicksale hinaus auch Fragen der Beutekunst, Kollektivschuld und Frauenrechte erörtert.

Das Setting ist trotz der Großstadt bayrisch-idyllisch. So verschlägt der Roman den Leser nicht nur nach München, sondern nach Herbertshausen, Murnau und Garmisch, in eine Welt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Kirchgang, Jazzclub und Oktoberfest. Dank des flüssig zu lesenden Schreibstils der Autorin springt dabei das Kopfkino sofort an und sorgt für Bilder, die alten Heimatfilmen zur Ehre gereicht hätten.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Leni vor allem Schorsch, Herr Keller und Charlotte, wobei in Folgebänden noch genug Raum bliebe, die einzelnen Charaktere konsequent weiterzuentwickeln.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchumschlag ist auf dem Titel und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist ansehnlich und toll integriert, etwas mehr Detailliebe hätte aber den Bezug zur Handlung verstärken können, hat der Salon Keller doch drei Schaufenster.

Mein Fazit? „Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ ist ein gelungener Einstieg in die Salon-Reihe, der vor allem dank seinem tollen Setting uund einer abwechslungsreichen Handlung glänzt, aber auch noch Luft für die Folgebände lässt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Akram El-Bahay: „Fabula – Das Portal der dreizehn Reiche“ (Fabula 1)

Vor einiger Zeit habe ich „Fabula – Das Portal der dreizehn Reiche“ von Akram El-Bahay gelesen. Das Buch ist 2022 im Baumhaus Verlag, Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden und als phantastisches Kinderbuch ab 10 Jahren einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Bei einem Schulausflug in den Central Park machen die Zwillinge Will und Charlotte eine unglaubliche Entdeckung: Um einen Baum mit silbernen Blättern schwirrt ein kleines Wesen mit fast durchsichtigen Flügeln – eine Elfe, wie sich bald herausstellt. Als dann auch noch eine Furie bei ihnen zu Hause auftaucht und sich der Baum als Portal entpuppt, folgen die Geschwister der Elfe in die fantastische Welt von Fabula. Doch die Heimat der Fabelwesen ist in Gefahr. Und Charlotte und Will sind die Einzigen, die sie retten können. Denn auch in ihnen schlummern ungeahnte magische Kräfte …

„Fabula – Das Portal der dreizehn Reiche“ ist ein phantastischer Roman an der Grenze vom Kinder- hin zum Jugendbuch. So wird das Lesealter vom Verlag mit 10+ angegeben; eine Alterseinschätzung, die ich sowohl im Bezug auf die Handlung als auch auf die Sprache teile. Das Buch mischt dabei Elemente der Low Fantasy mit solchen der High Fantasy, entführt der Autor den Leser doch nach Fabula, eine Welt voller Magie, die jedoch mit der realen Welt untrennbar verknüpft ist.

DIe Handlung ist abwechslungsreich und spannend, teils aber auch vorhersehbar. Dabei kulminiert die Geschichte in einem sehr offenen Ende, das Raum für Folgebände lässt, die bislang aber zumindest noch nicht absehbar sind. Dabei ist der Schreibstil des Autors altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen.

Das Setting ist gelungen und erlaubt es dem Leser durch die sehr bildhafte Sprache, sich nach Fabula zu träumen. Hier hätte ich mir jedoch einen noch stärkeren Fokus auf die Entstehung und Verflechtung von Fabula mit der realen Welt und eine stärkere Erläuterung des Herrschafts- und Magiekonzepts von Fabula gewünscht – hier bleibt doch einiges im Dunklen.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, in der Komplexität jedoch noch ausbaubar. Hierbei überzeugen vor allem Charlotte, Hoin, Thel und Side, während Will und auch Orion eher blass bleiben – auch das könnte in einem Folgeband noch aufgefangen werden.

Die Buchgestaltung ist gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist auf Cover, Buchrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und wirklich schön anzusehen, das Titelmotiv ein absoluter Eyecatcher. Abgerundet wird der wunderschöne Gesamteindruck mit farbigen Coverinnenseiten.

Mein Fazit? „Fabula – Das Portal der dreizehn Reiche“ ist ein phantastisches Kinderbuch, das vor allem mit liebenswerten Charakteren und einer interessanten Handlung glänzt, aber auch ein sehr offenes Ende bietet, das eigentlich zwingend Folgebände verlangt. Für Leser ab 10 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

Zwei Tote sind keiner zuviel | Doppelte Buchpost

Bevor es in der nächsten Zeit mit einigen Rezensionen weitergeht, möchte ich Euch heute und morgen erstmal wieder einige Bücher zeigen, die vor kurzem bei mir eingezogen sind. Den Anfang machen heute zwei Bücher, die sich jeweils um einen Toten drehen: „Mord in Montagnola“ von Mascha Vassena (Eichborn Verlag) und „Der Tote im Netz“ von Frauke Scheunemann (Fischer SCHERZ), bereitgestellt als Rezensionsexemplare von den Verlagen im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de und über die Bloggerjury – vielen Dank dafür! Und auch wenn die Leiche zu Beginn eine Gemeinsamkeit darstellt, könnten die Handlungsorte doch nicht unterschiedlicher sein, handelt es sich doch um Regionalkrimis, die auf einer Nordseeinsel und in einem Dorf am Luganersee spielen. Ich bin gespannt, welcher mir schlussendlich besser gefällt – und ob der Ausflug nach Tessin oder der nach Usedom stärker nachhallen wird.

Wohin hat Euch Euer letzter Roman verschlagen?

Lesen für den guten Zweck | Nothilfe Ukraine

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich beschlossen, einen Euro für jedes Rezensionsexemplar zu spenden, das ich im Kalenderjahr 2022 lese und bespreche. Und wie es der Zufall will, sind dabei genau 52 Stück, eines pro Woche, zusammengekommen – vielen Dank an dieser Stelle auch an die ganzen Verlage und Agenturen, die das durch die Partnerschaften möglich machen, u.a. Literaturtest, Buchcontact, die Bloggerjury von Bastei Lübbe oder die Verlagsgruppe Droemer Knaur sowie Lovelybooks.de (bei weitem nicht abschließend).

Geplant war, eine Abstimmung zu starten, wofür das Geld verwendet wird, doch in diesen Zeiten gibt es kein drängenderes Thema als den Krieg, der im Herzen Europas tobt. Um Zeit zu sparen, und direkt den Menschen zu helfen, die ihrer Heimat beraubt sind, habe ich daher die 52 Euro bereits gestern an die Nothilfe Ukraine von „Bündnis Entwicklung hilft“ und „Aktion Deutschland hilft“ überwiesen. Vielleicht mag sich ja noch der ein oder andere Blogger anschließen, denn gemeinsam sind wir stärker! Love wins, Make Peace not war!

In diesem Sinne – bleibt gesund – und in Sicherheit!

Von Parks und Gärten | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich wieder zwei Bücher, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. „Querbeet ins Glück“ von Lisa Kirsch wurde mir von der der S. Fischer Verlag GmbH mit wundervollen Goodies über eine Leserunde auf Lovelybooks.de zur Verfügung gestellt und „Fabula – Das Portal der dreizehn Reiche“ von Akram El-Bahay vom Baumhaus Verlag in der Bastei Lübbe AG über die Bloggerjury – vielen Dank an die jeweils beteiligten Verlage für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare.

Kennt Ihr eines der Bücher bereits?

[Buchgedanken] Aly Mennuti: „Aber der Sex war gut“

Vor kurzem habe ich „Aber der Sex war gut“ von Aly Mennuti gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „Real Fake“ bei Bolinda Publishing PTY LTD veröffentlicht. Das Buch ist als Liebesroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Eva Bauche-Eppers verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Annie Shepherd ist eine der bekanntesten Autorinnen der Welt, ihre TRUST ME-Reihe verkauft sich millionenfach. Doch Annie hat auch ein sorgsam gehütetes Geheimnis, das ans Licht zu kommen droht, als ihr Freund, der preisgekrönte Literaturprofessor Joe Duke, überraschend stirbt. Um sich zu retten, muss sie sich mit ihrem größten Feind verbünden: dem Literaturagenten Henry Higgins. Der kommt ihr nicht gerade bereitwillig zu Hilfe, aber auch er hat alles zu verlieren. Und jeder weiß: Was sich neckt, das lernt sich lieben … Oder doch nicht?

„Aber der Sex war gut“ ist nicht nur Liebesroman, sondern auch ein Spiegelbild der Buchwelt und begleitet eine Autorin auf dem Weg zu ihrer literarischen Stimme, ist Ode an den innigen Kontakt zwischen Autor und Leser und prangert mahnend Probleme im Literaturbetrieb an.

Die Handlung ist dabei genrebedingt durchaus vorhersehbar, nichtsdestotrotz aber abwechslungsreich und unterhaltsam, jedoch auch etwas belanglos. Während der Start in den Roman etwas zäh ist, entwickelt sie sich gerade im letzten Drittel zum wahren Pageturner und lässt den Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen.

Die einzelnen Charaktere sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen vor allem die Nebencharaktere wie der absolute Sympathieträger Will oder Daphne, während Annie und Henry teils etwas blass und eindimensional bleiben, sich aber dennoch auch weiterentwickeln und Hoffnung für Folgebände schaffen.

Aly Mennutis Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, ist humorvoll, frech, am Anfang aber gewöhnungsbedürftig. Eingestreute Gimmicks – wie der Cameo von Hugh Grant – beleben die Bindung zum Leser und sorgen für eine bessere Identifikation zur Handlung.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im großen und ganzen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Titel und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Insgesamt bleibt das Cover aber – trotz der Farblichkeit – eher schlicht und austauschbar.

Mein Fazit? „Aber der Sex war gut“ ist ein Liebesroman für Buchliebhaber, dessen Handlung gerade in der zweiten Hälfte an Fahrt aufnimmt, insgesamt sein Potential aber nicht vollends ausschöpft. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Marie Lamballe: „Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“(Atelier Rosen 1)

In den letzten Tagen habe ich „Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“, den Auftakt der neuen Familiensaga von Marie Lamballe gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kassel, 1830. Die zwanzigjährige Elise Rosen betreibt zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter ein kleines Putzmacher-Atelier. Ihre Hutkreationen sind weithin gefragt und öffnen ihnen Türen in höchste gesellschaftliche Kreise. So macht Elise eines Tages die Bekanntschaft der jungen Sybilla von Schönhoff, mit der sie schon bald eine innige Freundschaft verbindet. Als sich deren Verlobter unsterblich in Elise verliebt, gerät diese in einen schweren Konflikt, der sie auf die Spur eines lang gehüteten Geheimnisses führt …

„Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“ vereint viele Aspekte, die eine gute Familiensaga ausmachen – und ist daher ein vielversprechender Auftakt, der Potential für eine tolle Reihe bietet. Dabei wird der Leser in das Deutschland der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geführt, in ein Land voller Kleinstaaterei, Unruhen und Intrigen; ein Land, das sich erst vor kurzem dem Würgegriff Napoleons entzogen hatte.

Die Handlung des Romans ist im Wesentlichen spannend, wenn auch mit einigen Längen, dafür aber auch mit unerwarteten Wendungen versehen. Dabei werden die wesentlichen Handlungsstränge aufgelöst, sodass der Roman als Standalone lesbar ist, es verbleiben aber genug offene Fragen und Punkte – und auch ein kleiner Cliffhanger am Ende -, um Interesse für die Folgebände zu schüren. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass noch ein etwas stärkerer Fokus auf die historischen Ereignisse, auf die Stadtgeschichte Kassels gelegt wird.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Während Elise teils noch etwas blass, wankelmütig und naiv verbleibt, überzeugen vor allem Sybilla, die van Leuwens und Babette. Marie Lamballes Schreibstil lässt sich – trotz authentischer Beschreibungen – leicht und flüssig lesen, gegebenenfalls hätte man den Leser noch mit einem Glossar unterstützen können.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im großen und ganzen solide gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen. Der Buchumschlag ist auf dem Titel und dem Buchrücken hochwertig bedruckt, mit farbigen Coverinnenseiten und Klappen versehen. Cover und Coverrückseite sind ansprechend und hübsch gestaltet, leider unterbricht der Buchrücken die Bilder, setzt diese nicht nahtlos fort und stört daher etwas die Harmonie, wenn man den Buchumschlag insgesamt betrachtet.

Mein Fazit? „Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine neue Familiensaga, der vor allem durch sein Setting und die abwechslungsreiche Handlung glänzt, auch wenn die Protagonistin noch nicht völlig überzeugen kann. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, auch als Standalone lesbar.

[Buchgedanken] Kim Rabe: „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ (Berlin Monster 1)

In der letzten Zeit habe ich „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ von Kim Rabe gelesen, den ersten Teil der „Monster von Berlin“-Reihe. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Urban Fantasy zu klassifizieren. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Privatdetektivin Lucy hat sich auf übernatürliche Fälle spezialisiert. Und von denen gibt es so einige in Berlin, wo es von übersinnlichen Phänomenen nur so wimmelt. Denn vor dreißig Jahren ließ die Strahlung einer Bombe den Aberglauben der Menschen lebendig werden. Heute brüten Dschinns in Kreuzberger Shisha-Cafés, Feen tanzen in Friedrichshainer Clubs, und Hipster-Kobolde sind die Herren der Kneipen von Neukölln. Während Lucy eine Fee aufspüren soll, erschüttert eine Mordserie die Stadt. Hat ihr Verschwinden etwas damit zu tun? Immer tiefer taucht Lucy in den Fall ein, und bald schwebt nicht nur sie in Gefahr, sondern auch jene, die ihr am nächsten stehen …

„Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ ist Urban Fantasy, die – endlich mal – in Deutschland spielt. Kim Rabe zeigt, dass sich auch Berlin nicht vor deutlich populäreren Orten wie London, amerikanischen Städten oder Prag verstecken muss. So begeistert das Setting auf ganzer Linie, die Autorin entführt den Leser an atmosphärische Orte wie das Berghain, kleine Eckkneipen, Dönerbuden und Lost Places, nimmt ihn mit in den Kiez der Protagonisten, lässt ihn ein spezielles Lebensgefühl erleben, den Mikrokosmos eines Berliner Bezirks.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, wartet immer mal wieder mit überraschenden Wendungen und humorvollen Szenen auf. Leider bleibt der Weltenbau – bzw., da es in der realen Welt spielt, das Magiekonzept / die Einführung des Übernatürlichen – noch etwas auf der Strecke, dies kann jedoch in den Folgebänden noch ausgebaut werden. Auch wird – zumindest zum Teil – das Ende offen gelassen. So ist der Roman zwar noch als Standalone lesbar, bietet aber Platz für die Folgebände, die die offenen Enden aufgreifen können.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei gefallen mir neben Lucy vor allem kleinere Nebencharaktere wie Lore, zu der ich mir so viel mehr Infos wünschen würde. Kim Rabes Schreibstil lässt sich dabei flüssig und leicht lesen, ist angemessen humorvoll und authentisch, was die Berliner Dialekte angeht.

Die Buchgestaltung überzeugt im großen und ganzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist leicht hochwertig geprägt, mit farbigen Coverinnenseiten und Klappen versehen und farblich schön – passend zur Stimmung im Buch. Lediglich bei den abgebildeten Fabelwesen hätte ich mir etwas mehr Bezug zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ ist ein guter Auftakt in eine Urban-Fantasy-Reihe, der vor allem durch sein wunderbares Setting und eine spannende Handlung glänzt, aber noch leichten Nachholbedarf bei der Plausibilisierung des Übernatürlichen hat. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.