[Buchgedanken] Sabine Weiß: „Krone der Welt“

In der letzten Zeit habe ich den Roman „Krone der Welt“ von Sabine Weiß gelesen. Das Buch ist 2020 in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Vincent will als Architekt prächtige Stadthäuser bauen. Ruben sehnt sich nach Abenteuern auf hoher See. Betje ist eine begnadete Köchin. Zusammen sind die Geschwister in Amsterdam gestrandet, einem Ort der märchenhaften Möglichkeiten. Doch es ist auch die Zeit der großen Auseinandersetzungen. Katholiken und Calvinisten streiten um den rechten Glauben, Engländer und Spanier um den Einfluss auf das Land am Meer, Kaufleute um die wirtschaftliche Macht. Können sich die Geschwister in dieser schwierigen Situation behaupten?

„Krone der Welt“ beschreibt von 1588 bis 1617 die Geschicke der Familie Aardzoon über zwei Generationen vor dem Hintergrund der Geschichte der Niederlande im Kampf um die Unabhängigkeit – eine viel zu selten beleuchtete historische Epoche.

Dabei ist die Handlung größtenteils interessant und abwechslungsreich, wenn auch durch den Prolog einige Ereignisse und Entwicklungen bereits vorweggenommen werden, was die Spannung etwas mindert. Gleichsam gelingt es der Autorin jedoch, die vielen Handlungsstränge (auch wenn ein oder zwei weniger auch ausgereicht und für eine stringentere Handlung gesorgt hätten) zum Ende hin zusammenzuführen und sinnvoll aufzulösen.

Das Setting ist dabei sehr gut gelungen, die Autorin beschreibt das historische Amsterdam aus der Sicht eines kundigen Architekten bildhaft und anschaulich. Insgesamt vermittelt das Buch dabei den Eindruck einer sehr gewissenhaften Recherche, wofür auch die Literaturhinweise am Ende des Romans sprechen.

Die Figuren sind größtenteils gut angelegt, wenn auch Lazarus aus meiner Sicht hier als Antagonist etwas abfällt. Besonders gut gefallen haben mir in der Komplexität Aletta van Fleet, Nathan und Wim Aardzoon.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist wunderschön und hochwertig geprägt, die ausklappbaren Coverinnenseiten liebevoll – allerdings gleich – gestaltet. Hier hätte man durchaus die Karte der Niederlande und die Karte von Amsterdam trennen können – und so auch eine detailliertere und beschriftete Karte der Stadt abdrucken können.

Mein Fazit: „Krone der Welt“ ist ein im Wesentlichen überzeugender historischer Roman, der vor allem durch sein tolles Setting, die historische Authentizität und die interessante Handlung punkten kann, allerdings durch die vielen Handlungsstränge fast zu ambitioniert ist. Für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Dirk Rossmann: „Der neunte Arm des Oktopus“

In der letzten Zeit habe ich „Der neunte Arm des Oktopus“ von Dirk Rossmann gelesen. Das Buch ist 2020 in der Bastei Lübbe AG erscheinen und dem Genre Politthriller zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Der Klimawandel – eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes steht uns bevor. Das Fiasko scheint unaufhaltsam. Bis die drei Supermächte China, Russland und die USA einen radikalen Weg einschlagen. Die Maßnahmen der Allianz greifen gravierend in das Leben der Menschen ein, und nicht jeder will diese neue Wirklichkeit kampflos akzeptieren. Alle Mittel sind den Gegnern recht, um ihre ökonomischen und machtpolitischen Interessen zu verteidigen. Die Situation spitzt sich dramatisch zu, und plötzlich liegt das Schicksal der Erde in den Händen eines schüchternen Kochs und einer unscheinbaren Geheimagentin.

„Der neunte Arm des Oktopus“ ist ein Thriller, der in verschiedenen Zeitebenen spielt. Ob die Zukunft im Jahr 2100 dabei utopische oder dystopische Züge hat, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf dem Weg in diese Zukunft entspinnt sich in den Jahren 2020-2025 ein politisches Geflecht, eine weltumspannende Verschwörung – und eine undenkbare Allianz.

Neben den Protagonisten des Romans treten im Buch auch illustre Politiker wie Schröder, Putin oder auch Kamala Harris auf, die der Autor bereits zur nächsten – und ersten – Präsidentin der USA ausgerufen hat. Es bleibt abzuwarten, ob sich zumindest diese Vorhersage erfüllt.

Neben einem reinen Thriller ist „Der neunte Arm des Oktopus“ dabei vor allem auch ein Plädoyer für Klimaschutz, ein Appell zum Erhalt des Lebens auf der Erde. Und auch wenn es höchst zweifelhaft erscheint, dass die hier aufgezeigten Lösungen auch nur im Ansatz umsetzbar oder pratikabel wären, so ist es doch wichtig, dass die Dringlichkeit des Themas aufgezeigt wird – und das Spannungsfeld zwischen persönlicher Freiheit und Klimaschutz, das hier vielleicht etwas zu progressiv ausgefüllt wird.

Die Handlung ist dabei größtenteils spannend, wenn auch durch die verschiedenen Zeitebenen teilweise das Ergebnis bereits vorweggenommen wird. Ohnehin bin ich der Meinung, dass das Buch konsistenter, dichter und spannender gewesen wäre, wenn auf die Zeitebene um 2100 einfach verzichtet worden wäre – und auf den nur damit in Verbindung stehenden Handlungsstrang in Indien, der wenig zur Handlung beiträgt. Durch eine stärkere Fokussierung auf die aktuelleren Ereignisse hätte auch die im Klappentext angekündigte Protagonistin, Sofia Della Bettemcour, deutlich früher in die Geschichte eingebaut werden können.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist auffällig und zieht sich als Gesamtbild über den kompletten Buchrücken. Wunderschön sind auch die farbig gestalteten Coverinnenseiten, die sich vorn und hinten allerdings gleichen. Hier hätte man etwas kreativer sein können – und das Cover insgesamt auch etwas wertiger drucken können, wenn schon auf einen Schutzumschlag verzichtet wird.

Mein Fazit: „Der neunte Arm des Oktopus“ Ist ein spannender Politthriller, der zum Nachdenken anregt und Bewusstsein für den Klimawandel schaffen will. Die interessante Handlung wird dabei durch unzählige Zeitsprünge und Nebenhandlungen etwas ausgebremst. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Bücherreigen zur Adventszeit 1 | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich wieder ganz viele tolle Bücher, die ich Euch nach und nach hier zeigen und vorstellen möchte. Den Anfang machen heute zwei Rezensionsexemplare: „Der neunte Arm des Oktopus“ von Dirk Rossmann und „Ein neuer Morgen in Laguna Beach“ von Emily Bold. Vielen Dank an die beteiligten AutorInnen und Verlage sowie an die Bloggerjury und Lovelybooks.de für die Bereitstellung der Bücher.

Sind die Bücher nicht toll? Ich kann es kaum erwarten, sie zu lesen =).

[Buchgedanken] Luca Di Fulvio: „Es war einmal in Italien“

In den letzten Tagen habe ich „Es war einmal in Italien“ von Luca Di Fulvio gelesen. Das Buch ist 2020 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre historischer Roman zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Ein Waisenjunge, der mit seiner Kamera den Blick auf die Welt verändern will. Ein Zirkusmädchen, das für die Politik brennt. Eine Gräfin, die anderen die Freiheit schenkt. Drei Menschen, die das Schicksal im Jahr 1870 nach Rom führt, das pulsierende Herzstück Italiens auf dem Weg zum Nationalstaat. Inmitten dieser Stadt der Verheißungen kreuzen sich ihre Wege, und ihre Träume scheinen wie durch ein magisches Band miteinander verwoben. Doch das schillernde Rom stellt die drei vor ungeahnte Herausforderungen. Als eines Tages ein dramatisches Ereignis die Ewige Stadt erschüttert, drohen sie alles zu verlieren, was ihnen kostbar ist …

„Es war einmal in Italien“ ist ein sehr detailverliebtes Porträt einer jungen Nation. Dabei illustriert Luca Di Fulvio gekonnt die Gegensätze zwischen arm und reich, Macht und Ohnmacht, Liebe und Hass, und entführt den Leser in das malerische Setting der heiligen Stadt Rom im Jahr der Eroberung 1870.

Hierbei überzeugt der Roman vor allem durch brillante Charaktere. Diese sind – auch in den Nebenrollen – dreidimensional und plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Besonders überzeugt haben mich hier Nella, Albanese und Mamma Lucia, aber auch Melo und Ludovico glänzen auf ganzer Linie.

Die Handlung, die eine in Deutschland eher unterrepräsentierte Epoche beleuchtet, ist spannend, abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen auf. Dabei gelingt es dem Autor, die Balance zwischen der historischen Entwicklung und den Einzelschicksalen zu wahren und den Leser an die Seiten zu fesseln.

Luca Di Fulvios Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, anschaulich, unterhaltsam, und wirft sofort das Kopfkino an. Da man sich zudem gut mit den Protagonisten identifizieren kann, möchte man das Buch am besten gar nicht mehr aus der Hand legen und immer tiefer in der Geschichte versinken.

Die Buchgestaltung ist in allen Aspekten gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön und ein wahrer Eyecatcher. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig geprägt und wartet mit farbigen, ausklappbaren Coverinnenseiten auf.

Mein Fazit? „Es war einmal in Italien“ ist ein rundum überzeugender historischer Roman, der vor allem mit seinem tollen Setting und wunderbaren Charakteren punkten kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – und ein potentielles Jahreshighlight.

[Buchgedanken] Amy Harmon: „Making Faces“

In den letzten Tagen habe ich „Making Faces“ von Amy Harmon gelesen. Das Buch ist 2020 bei LYX in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Erstveröffentlichung in Deutschland erfolgte 2013 unter dem Titel „Vor uns das Leben“ bei INK. Die englischsprachige Originalausgabe wurde 2013 unter dem Titel „Making Faces“ im Selfpublishing veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Seit sie denken kann, ist Fern Taylor in Ambrose Young verliebt. Ambrose, der überall beliebt ist und so schön, dass ein unscheinbares Mädchen wie Fern niemals auch nur auf die Idee gekommen wäre, bei ihm eine Chance zu haben. Ihre Freizeit verbringt sie mit ihrem besten Freund Bailey, der an den Rollstuhl gefesselt ist, aber dennoch das Leben mit jeder Faser aufsaugen will. Eigentlich schien es ganz klar, was die Zukunft für sie bereithält. Bis zu dem Moment, als Ambrose Fern endlich »sieht«, aber so zerbrochen ist, dass sie nicht weiß, ob ihre Liebe genug sein wird …

„Making Faces“ ist … eine emotionale Urgewalt, ein Buch über Schönheit, Liebe und Trauer. Ein Buch zwischen Optimismus und Verzweiflung, ein Plädoyer für den unerschütterlichen Glauben an das Leben. Ich kann mich Colleen Hoover nur anschließen, die mit den Worten zitiert wird: „Ich liebe, liebe, liebe dieses Buch!“ – es hat mich, genau wie die Protagonisten, emotional gebrochen und zusammengekittet.

Eingebettet in das wunderschöne und idyllische Setting einer ländlichen Kleinstadt, erzählt Amy Harmon mehr als die Geschichte von Fern und Ambrose, sondern die Erlebnisse des ganzen Ortes, fängt kollektive Trauer und Freude, Stolz und Leid ein. Dabei balanciert der Roman – wenn man denn eine kritische Nadel im Heuhaufen der großen Gefühle finden will – ziemlich genau zwischen den Genres Young- und New Adult, was aber auch durch die für einen solchen Titel sehr ungewohnte Zeitspanne bedingt ist, über die sich die Geschichte erstreckt.

Die Handlung ist spannend, genrebedingt aber teils auch vorhersehbar. Mit schonungsloser Brutalität und Konsequenz lässt die Autorin den Leser zusammen mit den Figuren in eine Welt des Schmerzes eintauchen, und zaubert doch auch imer das ein oder andere Lächeln zwischen die Tränen.

Dabei sind die Charaktere, mit denen man sich problemlos identifizieren kann, mit denen man leidet, lacht und weint, dreidimensional angelegt, haben alle Stärken, Schwächen – und vor allem eigene Probleme. Neben den Protagonisten Ambrose und Fern, die mir ausnahmsweise beide echt gut gefallen, überzeugen hier vor allem Rita, Joshua Taylor und Mike Sheen.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Der Buchsatz ist sauber, dem Lektorat und Korrektorat sind nur kleine Fehler durchgerutscht, sieht man mal von dem einen riesigen Fauxpas ab, auf der Coverrückseite den Titel der alten Ausgabe falsch geschrieben zu haben („Vor und das Leben“ anstelle von „Vor uns das Leben“) – das darf nicht passieren! Abgesehen davon ist der Buchumschlag wunderschön und hochwertig geprägt und bietet farbige, ausklappbare Coverinnenseiten.

Mein Fazit? „Making Faces“ ist ein in allen Facetten überzeugender Roman an der Grenze zwischen New- und Young Adult, der mit großen Gefühlen und einer sehr berührenden, intensiven Handlung punkten kann. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – und ein potentieller Kandidat für die Jahreshighlights.

[Buchgedanken] Morgane Moncomble: „Bad At Love“

In den letzten Tagen habe ich „Bad At Love“ von Morgane Moncomble gelesen. Der Roman ist 2020 beim LYX Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre New Adult zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Als Azalées Mutter stirbt, bleibt ihr nichts anderes übrig: Sie muss nach vier Jahren zum ersten Mal in ihre Heimatstadt zurückkehren. Augenblicklich holen sie dort die schrecklichen Erinnerungen an ihre Vergangenheit ein. Doch nicht nur das: Azalée lernt auch ihren neuen Nachbarn Eden kennen. Er ist sexy und geheimnisvoll, und auch wenn sie sich geschworen hat, niemals Gefühle für einen Mann zu entwickeln, berührt er sie auf eine Weise, die ihre Welt mit jedem Tag ein bisschen mehr ins Wanken bringt …

„Bad At Love“ ist ehrlich, schockierend, brutal und unglaublich gefühlvoll. Und auch wenn ich mit der Form der (leicht spoilernden) Triggerwarnung nicht ganz glücklich bin – hätte man besser lösen können – ist sie in diesem Fall ausnahmsweise mal angebracht. Richtig und wichtig ist zudem, dass am Ende Hilfsangebote für Betroffene aufgeführt werden.

Auch wenn das Setting wunderbar, die Handlung spannend und teils überraschend ist, verblassen diese Punkte, denn das Buch lebt und fällt mit seinen Charakteren. Denn gerade bei solchen Hintergrundgeschichten ist es wichtig, dass die einzelnen Protagonisten glaubhaft sind. Und dies ist der Autorin auf ganzer Linie gelungen.

So ist Azalée stark und zerbrechlich, sarkastisch und verletzlich – ein unglaublich emotionaler Charakter, zu dem man als Leser sofort eine Bindung aufbaut, den man beschützen, lieben – und ihn die Vergangenheit vergessen lassen möchte. Aber auch Nebencharaktere wie Alec oder Alyssa überzeugen auf ganzer Linie.

Gleiches gilt für den Schreibstil der Autorin, der den Leser auf eine Reise in die Köpfe der Protagonisten mitnimmt, sie behutsam an schwierige Themen heranführt und das Kopfkino sofort anlaufen lässt. Dabei gelingt es Morgane Moncomble zudem, trotz der schwierigen Themen nie die Liebesgeschichte in den Hintergrund treten zu lassen, sodass der schwierige Balanceakt zwischen Schicksalsroman und New Adult brillant gelingt.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Der Buchsatz ist gelungen, Lektorat und Korrektorat sind nur kleine Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss nicht hemmen. Das Cover ist – wie der gesamte Buchumschlag, der mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten aufwartet – wunderschön und hochwertig geprägt. Ein wahrer Eyecatcher!

Mein Fazit? „Bad At Love“ ist ein wunderbar gefühlvoller New Adult Roman, der durch tolle Charaktere und einen unglaublich berührenden Schreibstil glänzt – ein potentielles Jahreshighlight! Für Leser, die auch mit düsteren Themen umgehen können, bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht unter 17 Jahren.

[Buchgedanken] Annegret Held: „Eine Räuberballade“

In der letzten Zeit habe ich „Eine Räuberballade“ von Annegret Held gelesen, den abschließenden Teil ihrer „Westerwald-Chronik“. Das Buch ist 2020 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Der Westerwald im ausgehenden 18. Jahrhundert: ein armer Flecken Land, wo ein jeder sein Päckchen zu tragen hat. Auch im Dörfchen Scholmerbach kämpfen die Menschen ums Überleben. Den frommen Bauern Wilhelm hat es besonders hart getroffen: die Frau seit Jahren bettlägerig, der Sohn rotzfrech und stinkfaul. Als dieser Nichtsnutz sich auch noch einer der brutalen Räuberbanden anschließt, die marodierend durch die Lande ziehen, steht ganz Scholmerbach kopf. Jeder versucht auf seine ganz eigene Weise, den Dorffrieden zu retten – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Die größte Besonderheit des Buches ist, dass die Dialoge in Mundart verfasst sind. Dies gibt dem Roman einerseits Authentizität, andererseits erschwert es auch das Lesen für Leser, die damit nicht vertraut sind – und sorgt für einen mühsamen Einstieg ins Buch, der auch durch einen unnötigen Perspektivwechsel am Anfang weiterhin verkompliziert wird.

Wenn man sich dann jedoch auf das Buch eingelassen – und mit der Mundart vertraut gemacht – hat, belohnt die Autorin einen mit einer humorvollen, spannenden Geschichte über die Bewohner Scholmerbachs. So folgt man Hannes und Gertraud, Wilhelm und Liesel durchs Leben – deren Handlungsstränge sie von Scholmerbach in die weite Welt hinaus tragen, nur um sie dann zum Schluss wieder zusammenzubringen.

Auch das Setting vermag auf ganzer Linie zu begeistern, spürt man doch die Liebe der Autorin zum Detail, zur Geografie, Geschichte und zu den Eigenarten des Westerwaldes – insbesondere der Handlungsstrang von Gertraud überzeugt hier vollends.

Die Charaktere entwickeln sich im Verlauf der Handlung weiter, sind dreidimensional angelegt und haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive – und sind doch vor allem geprägt durch Gottvertrauen, Schicksalsergebenheit, Heimatliebe und Familienbande. Insbesondere die Zerrissenheit von Wilhelm, der Kampf zwischen Glauben und Liebe, ist der Autorin gut gelungen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, der Umschlag bzw. das Cover ist schlicht, aber edel – und farblich interessant.

Mein Fazit? „Eine Räuberballade“ ist ein gelungener, historischer Heimatroman über die Bewohner von Scholmerbach, der mit einem wunderschönen Setting und einer spannenden und witzigen Handlung punkten kann, aber aufgrund der Dialekte in Mundart teils sehr schwer zu lesen ist. Für Leser, die sich darauf einlassen können, bedenkenlos zu empfehlen.

Neuheiten im Doppelpack

Bevor ich diese Woche noch zwei weitere Rezensionen hochlade, möchte ich Euch heute zwei Bücher zeigen, die mich in den letzten Tagen erreicht haben. Vielen Dank an den Lyx Verlag und den Ullstein Verlag für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare über die Bloggerjury respektive die vermittelnde Agentur Literaturtest. Sehen „Making Faces“ und „Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück“ nicht toll aus? =)

[Buchgedanken] Laini Taylor: „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ (Muse 1, Strange 3)

In der letzten Zeit habe ich „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die Bloggerjury für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Der Roman ist 2020 im One Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre High-Fantasy zuzuordnen. Die Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel „Muse of Nightmares“ bei Little, Brown and Company, Hachette Book Group. Er bildet den Auftakt der „Muse of Nightmares“-Dilogie, stellt gleichzeitig aber auch eine Fortsetzung der „Strange the Dreamer“-Dilogie dar, sodass er insgesamt auch als dritter Teil dieser Reihe gelten kann.

51YWG8WThzL._SX327_BO1204203200_Sarai ist die Muse der Albträume. Seit sie denken kann, quält sie die Bewohner von Weep mit ihren schlimmsten Ängsten. Sie ist sich sicher, dass sie jede noch so furchtbare Grausamkeit gesehen hat. Doch damit liegt sie falsch. Unendlich falsch. Denn plötzlich findet sich Sarai selbst in einem Albtraum wieder, aus dem sie nicht aufwachen kann. Ihre Liebe, ihr Leben und das aller Bewohner von Weep stehen auf dem Spiel …

„Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ ist ein klassischer Auftaktband – und kann definitiv nicht als Standalone gelesen werden, da keine der Handlungslinien zum Ende hin wirklich aufgelöst wird, was viel Potential für den nachfolgenden Teil eröffnet, für den Leser bisweilen aber etwas unbefriedigend sein kann. Auch empfiehlt es sich – was ich nicht getan habe – vorher in jedem Fall „Strange the Dreamer“ zu lesen, da es den Anschein macht, dass Welt und Vorgeschichte vorausgesetzt werden und nur noch wenig erklärt wird. Ich würde das Buch daher auch als dritten Teil dieser Reihe sehen, und nicht als eigenständige Dilogie. Dadurch fiel es mir teils schwer, der Handlung flüssig zu folgen, dies kann dem Buch aber nicht angelastet werden.

Die Handlung insgesamt überzeugt im Wesentlichen, hat aber Längen, da relativ wenig passiert. Auch kann es bisweilen anstrengend sein, dass permanent zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin- und hergewechselt wird. Brillant hingegen ist das Setting. Die Welt, die Laini Taylor erschafft, ist fantastisch und bildgewaltig, und doch sehr fragil und ausgewogen. Erinnerungen und Träume, Götterwesen und Götterschlächter, die Autorin beschreibt anschaulich und mit einem leicht lesbaren Schreibstil und erlaubt es dem Leser so, sich nach Weep und in die Zitadelle zu träumen.

Trotz der Vielzahl an Charakteren entwickelt Laini Taylor diese gut und legt sie dreidimensional, mit eigenen Stärken, Schwächen und Motiven an. Insbesondere Minya überzeugt hier auf ganzer Linie – und erhält durch die Reise in ihre Träume eine ganz andere Tiefe. Ich bin gespannt, ob diese Entwicklung im Folgeband konsequent weitergeführt wird.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist wunderschön, ein wahrer Eyecatcher, und passt sich gut in das Gesamtbild der Reihe ein. Allerdings hätte es noch etwas hochwertiger ausgearbeitet und geprägt sein können, sodass das Buch sich insgesamt etwas edler anfühlen würde. Dabei ist allerdings zu beachten, dass im Gegenzug der Preis für ein Hardcover auch deutlich am unteren Ende angesetzt ist.

Mein Fazit? „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ ist ein vielversprechender Auftakt, der zwar Schwächen in der Handlung hat, aber durch tolle Charaktere und ein brillantes Setting punkten kann. Da er viele Fragen für den nächsten Teil offen lässt allerdings nicht als Standalone lesbar – und idealerweise nach „Strange the Dreamer“. Für Liebhaber des Phantastischen bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Armando Lucas Correa: „Die verlorene Tochter der Sternbergs“

Vor wenigen Tagen habe ich „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ von Armando Lucas Correa beendet. Das Buch ist 2020 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2019 veröffentlicht. Der Roman ist dabei am ehesten dem Genre Familiensaga zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

51pJNsClmhL._SX313_BO1204203200_Berlin, 1939. Für die jüdische Bevölkerung wird das Leben immer schwieriger. Wer kann, bringt sich in Sicherheit. Auch Amanda Sternberg beschließt, ihre Töchter mit der MS St. Louis nach Kuba zu schicken. Am Hafen kann sie sich jedoch nicht von der kleinen Lina trennen. So vertraut sie nur die sechsjährige Viera einem allein reisenden Ehepaar an und flieht mit Lina zu Freunden nach Frankreich. Im kleinen Ort Oradour-sur-Glane finden sie eine neue Heimat. Doch es dauert nicht lange, bis die Gräueltaten der Nationalsozialisten auch diese Zuflucht erreichen …

In „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ erzählt der Autor die Geschichte der Familie Sternberg vor und während des zweiten Weltkrieges. Dank toller Beschreibungen und mittels einer eindringlichen Sprache gelingt es ihm dabei, die Gefühle der Angst und Verzweiflung, Liebe und Hass, Sehnsucht und Glück zum Leser zu transportieren und ihm die Grausamkeit und den puren Überlebenskampf vor Augen zu führen. Dabei verliert die Handlung jedoch teilweise an Kontinuität, sodass nicht immer ein roter Faden erkennbar ist. Es bleiben viele Fragen offen und ungelöst und man wird über das Schicksal vieler, episch eingeführter, Personen im Unklaren gelassen.

Dabei wird nicht verkannt, dass gerade dies auch realerweise ein Produkt der Kriegswirren ist. Von einem Moment auf den Anderen ist alles ungewiss, Menschen verschwinden, Schicksale bleiben ungeklärt und auch Jahrzehnte später ist nichts bekannt – einen Leser lässt so etwas jedoch unbefriedigt zurück. Hier hätte durchaus noch Potential für 50, vielleicht 100 zusätzliche Seiten bestanden, um weitere Handlungsstränge aufzulösen.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. Sei es die Stadt Berlin in der unmittelbaren Vorkriegszeit oder Frankreich in den Kriegswirren, der Autor erschafft atmosphärisch starke Bilder und Orte, bedrückende Szenerien, die bildhaft vor dem inneren Auge entstehen und den Leser mit den Figuren mitfühlen, mitleiden lassen. Darin liegt auch die große Stärke des Romanes. Denn das in Erinnerung rufen vergangener Schrecken, das Mitfühlen mit unvorstellbarem Leid ist ein Mahnmal, ein Weckruf, der gerade in der heutigen Zeit von allen gehört werden sollte.

Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist ansprechend gestaltet, das Motiv zieht sich auch über den Buchrücken und die Coverrückseite und ist wunderschön und atmosphärisch passend. Der Titel des Romanes ist (allerdings nur auf dem Cover und nicht auf dem Buchrücken) hochwertig geprägt, das Buch unter dem Schutzumschlag klassisch ohne weitere Verzierungen.

Mein Fazit? „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ ist ein im Wesentlichen gelungener Roman, der vor allem durch sein atmosphärisches Setting und eine sehr gefühlsstarke Sprache punkten kann. Trotz kleinerer Schwächen in der Handlung für Liebhaber des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.