[Buchgedanken] J. Vellguth: „Zauberhaftes Aschenputtel“

In der letzten Zeit habe ich „Zauberhaftes Aschenputtel“ von J. Vellguth gelesen. Das Buch ist 2015 im Selfpublishing erschienen und als Märchenadaption einzuordnen. Es ist mein bisher drittes Buch der Autorin (ein weiteres wartet schon auf dem SuB), ihr Roman „Das Päckchen“ schaffte es sogar auf den dritten Rang meiner Lesehighlights 2017.

51q1DwVkW2L._SX326_BO1204203200_Seit frühester Kindheit träumen Anna und ihre Mutter davon, dass das Mädchen einst den Prinzen heiraten wird. Doch als ihre Mutter stirbt, und sich ihr Vater eine neue Frau mit zwei Töchtern wählt, wird Annas Leben zum Albtraum. Nur der geheimnisvolle Wald hinter dem Haus erlaubt es ihr, den Schikanen und Boshaftigkeiten der neuen Familie für einige Augenblicke zu entfliehen und neuen Lebensmut zu schöpfen. Dort trifft sie nicht nur auf Feen, sondern auch auf Leo. Obwohl der Jäger nicht standesgemäß ist, verfällt sie ihm von Treffen zu Treffen immer mehr. Bis schließlich eine Balleinladung die Familie erreicht – und Anna endlich die Möglichkeit sieht, den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen.

„Zauberhaftes Aschenputtel“ ist eine sehr klassisch gehaltene Märchenadaption, die nah am ursprünglichen Geschehen bleibt. Daher bleiben auch große Überraschungen aus – die Handlung ist und bleibt (dem Genre geschuldet) leicht vorhersehbar. Dennoch gelingt es der Autorin, den Leser an den Text zu fesseln, und ihn für einige, kostbare Momente aus der Realität in die Welt der Märchen zu entführen. Dabei vermag vor allem das Setting zu begeistern – sei es der geheimnisvolle Wald, das zauberhafte Schloss oder die malerischen Kleider.

Was mich persönlich etwas stört, sind die Perspektivwechsel und Sprünge innerhalb der Kapitel. Zwar kann ich die Intention dahinter verstehen, dennoch sorgen sie aus meiner Sicht für Unruhe und stören den Lesefluss. Trotzdem gelingt es J. Vellguth, dem Leser eine Bindung zu Anna zu vermitteln – obwohl man weiß, was geschehen wird, freut man sich und leidet mit ihr.

J. Vellguths Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, die Gefühle und Zerrissenheit der Protagonistin werden gut transportiert. Auch die Charaktere sind überzeugend entwickelt, besitzen jeweils eigene Motive, Stärken und Schwächen. Insbesondere Bernadette hat mich als Nebencharakter hier überzeugt.

Das Cover ist wunderschön, ich hätte mir lediglich gewünscht, dass das zentrale Motiv etwas größer ist, damit es noch besser zur Geltung kommt. Lektorat und Korrektorat sind – sofern durchgeführt – einige, kleinere Fehler durchgerutscht, die sich aber noch auf eine akzeptablem Niveau bewegen, sodass das Lesevergnügen nicht geschmälert wird. Der Buchsatz ist grundsätzlich gelungen, allerdings unterbrechen die vielen Sprünge das Bild und sorgen für einen unheitlichen Gesamteindruck.

Mein Fazit? „Zauberhaftes Aschenputtel“ ist eine gelungene Märchenadaption, die den Leser aus der Realität entführt. Kleinere Schwächen und fehlende Überraschungen vermögen dabei nicht, den guten Gesamteindruck zu schmälern. Für Märchenfans bedenkenlos zu empfehlen.

 

[Buchgedanken] Halo Summer: „Aschenkindel. Das wahre Märchen“

Bevor ich Euch morgen wieder tolle Neuigkeiten von mir präsentiere (als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl verweise ich mal auf die Jahreszahl 2017), möchte ich Euch heute noch ein Buch vorstellen, das ich fast in einem Zug verschlungen habe und das definitiv zu meinen Lesehighlights des Jahres gehört.

Am letzten Wochenende bin ich endlich dazu gekommen, Halo Summers „Aschenkindel“ zu lesen, den Gewinner des diesjährigen „Kindle Storyteller Awards“. Das Taschenbuch ist 2016 bei CreateSpace im Selfpublishing erschienen und ist eine Neuinterpretation des Märchens „Aschenputtel“. Als Gewinnertitel des Storyteller Awards wird es zudem in Kürze bei HarperCollins im Verlagsprogramm erscheinen. Ich möchte die Gelegenheit auch noch nutzen, Amazon zu danken, die auf der diesjährigen FBM im Rahmen der Preisverleihung interessierten Pressevertretern ein Exemplar jedes Shortlist-Titels überreicht haben. Mittelfristig werde ich hier auf dem Blog demnach alle Shortlisttitel besprechen, aber – auch aus persönlichem Interesse – zu Beginn führte kein Weg an „Aschenkindel“ vorbei. (Als nächstes auf der Liste: „Finian Blue Summers“ von Emma C. Moore)

„Aschenkindel. Das wahre Märchen“ ist genau das, was der Titel verspricht. Die 17-jährige aschenkindelClaerie Farnflee lebt nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefschwestern zusammen, die sie Tag für Tag aufs Neue ausbeuten und tyrannisieren. Hinzu kommt, dass nach dem Tod ihres Vaters die Familie an Ansehen und vor allem an Vermögen verloren hat. Dennoch ist Claerie glücklich. Als ihre – nicht sonderlich begabte – gute Fee sie daher überreden will, den Ball des Kronprinzen zu besuchen, auf dem dieser sich eine Braut suchen möchte, ist Claerie nicht sonderlich begeistert, hat sie den Kronprinzen doch bereits auf seinem achten Geburtstag als trotziges, weinerliches Kind kennengelernt. Als sie dann jedoch im verbotenen Wald auf einen mysteriösen Fremden trifft, nimmt ihr Schicksal eine unerwartete Wendung.

Bereits nach den ersten Sätzen war ich fest überzeugt, dass mir das Buch gefallen würde. Ein tolles Cover, das für eine gute Grundstimmung sorgte, ein faszinierendes Genre und meine favorisierte Erzählperspektive hatten zur Folge, dass ich mich richtig auf das Buch freute. Dass es mich nahezu restlos begeistert hat, war dann selbst für mich jedoch noch eine kleine Überraschung.

Der Autorin gelingt es, dem klassischen Märchen einen komplett neuen Anstrich zu verpassen, ohne dabei die ursprüngliche Fassung aus den Augen zu verlieren. Claerie ist nicht nur sanft, genügsam und freundlich, sie ist schlagfertig, stark und unbeugsam. Sie ist auch impulsiv, abenteuerlich, treu und bescheiden. Und obwohl all dies in ihrem Charakter bereits von Anfang an veranlagt ist, entwickelt sie sich kontinuierlich während der Handlung weiter – genau wie der Kronprinz und der geheimnisvolle Fremde aus dem Verbotenen Wald. Die einzelnen Protagonisten sind dabei detailreich und vielschichtig ausgearbeitet und sorgen dafür, dass sich der Leser sofort mit ihnen identifizieren kann.

Der Schreibstil der Autorin ist leicht und flüssig, die Handlung spannend und kurzweilig. Lediglich der Zeitsprung kurz vor dem Ende hat mich leicht gestört, hat er das Buch doch so abrupt enden lassen – hier hätten ein paar mehr Kapitel, die auf das große Finale zusteuern, nicht geschadet. Die Welt, die Halo Summer hier erschaffen hat, bietet in jedem Fall viel Raum für weitere tolle Geschichten. Ich würde mich freuen, noch tiefer in die Geschichte von Amberling und dem kinyptischen Kaiserreich eintauchen zu können und freue mich schon darauf, weitere Bücher der Autorin zu lesen.

Das Cover ist wunderschön und ein toller Eyecatcher, wenn auch auf der Coverrückseite im unteren Bereich die Lesbarkeit des Klappentextes aufgrund der weißen Schriftfarbe nicht gänzlich optimal ist. Lektorat und Korrektorat haben (sofern durchgeführt) ebenfalls gut gearbeitet, lediglich beim Buchsatz sind kleinere Satzfehler vorhanden, die aber nicht gravierend sind und den Lesefluss nicht hemmen. Ich bin jedenfalls bereits jetzt auf die Umsetzung des Buches durch HarperCollins gespannt.

Mein Fazit? „Aschenkindel“ ist eine rundum gelungene Märchenadaption, die vor allem mit plastischen und dreidimensionalen Charakteren punktet. Ein tolles Beispiel dafür, dass sich in der Masse an Selfpublishing-Titeln wahre Schätze verbergen. Bitte mehr davon – und von Halo Summer!