[Buchgedanken] Alexandra Rowland: „Der Geschmack von Gold und Eisen“

Vor kurzem habe ich auch „Der Geschmack von Gold und Eisen“ von Alexandra Rowland gelesen. Der Roman ist 2024 in der Panini Verlags GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2022 unter dem Titel „A Taste of Gold and Iron“ in der Tor Publishing Group. Das Buch ist dabei dem Genre Romantasy zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Michaela Link verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kadou Mahisti, der schüchterne Prinz von Arașt, ist überfordert, als seine Schwester eine Tochter zur Welt bringt. Noch in derselben Nacht wird in eine der Gilden des Königreichs eingebrochen. Kadou muss sich mit einem mächtigen Botschafter anlegen, der zugleich der Vater der neugeborenen Prinzessin ist. Die Auseinandersetzung endet für Kadou mit einer Demütigung. Um seine Loyalität gegenüber der Königin zu beweisen, erklärt sich Kadou bereit, den Einbruch aufzuklären. Ihm zur Seite steht sein neu ernannter Leibwächter, der gutaussehende Evemer. Doch der begegnet Kadou nur mit kalter Feindseligkeit. Während die beiden einer Verschwörung auf der Spur kommen, die nicht nur das Königshaus, sondern die Stabilität des gesamten Reiches gefährdet, kommen sie sich langsam näher. Beide müssen lernen, über sich hinauszuwachsen, um ihr Zuhause zu schützen und ihrer neuen Liebe eine Chance zu geben.

„Der Geschmack von Gold und Eisen“ ist ein bunter Genremix. So könnte man das Buch ohne weiteres als queere Slow-Burn-Romance beschreiben, aufgrund des phantastischen Setting ist das Buch aber definitiv klar (queere Slow-Burn-) Romantasy. Nun ist das (phantastische) Setting aber eindeutig der High Fantasy zuzuordnen, erschafft Alexandra Rowland doch eine eigene Welt mit eigenen Ländern und Währungen und lässt zudem einen durchaus klaren Kampf zwischen Gut und Böse stattfinden, sodass man den Roman auch direkt als „High Fantasy“ hätte einordnen können. Aufgrund des starken Fokus auf die Liebesgeschichte habe ich es jedoch bei der Eingruppierung als Romantasy belassen.

Die Handlung ist durchaus unterhaltsam, teils jedoch auch vorhersehbar. Insbesondere das Ende vermag nicht richtig zu überzeugen, lässt es doch jegliche Überraschungen und unerwartete Wendungen vermissen und ist teils offen und gänzlich komplikationsarm, insbesondere der große Konflikt endet ohne jeglichen Showdown. Abgesehen davon gelingt Alexandra Rowland sonst eine gute Mischung aus Fantasy- und Liebesroman, der den Leser nicht nur bei der Beziehung zwischen den Protagonist:innen sondern auch bei der Aufdeckung der geheimnisvollen Verschwörung mitfiebern lässt.

Das Setting hingegen vermag größtenteils zu glänzen. So entführt die Autorin die Leser:innen in eine neue Welt voller Konflikte, Diplomatie und Abhängigkeiten; in ein Gefüge diverser Länder, das vom monarchistischen aber stark kapitalistischen Arașt geprägt wird, auch wenn der Weltenbau und das Magiekonzept vielleicht noch etwas ausgeprägter hätten sein können – insbesondere Karten, Glossare o.ä. hätten hier für ein runderes Gesamtbild gesorgt. Eine große Stärke des Buches liegt jedoch im (titelgebenden) Tastschmecken. So gelingt es Alexandra Rowland (und der Übersetzerin) die Geschmäcker unglaublich detailliert, bildlich und wunderschön poetisch zu beschreiben – vielleicht die besten Momente des Romans.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Tadek, Tenzin und Melek, während gerade Kadou und seine psychische Erkrankung hier durchaus noch detaillierter ausgearbeitet hätten werden können. Alexandra Rowlands Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist konservativ und einfach. Leicht irritieren die hier genutzten Neo-Pronomen. Zwar gibt es noch keine einheitliche Regelung im Deutschen, gängigere Neo-Pronomina hätten die Lesbarkeit aber sicherlich erhöht. Der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und bebilderten Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin krass unterbrochen, dort allerdings auch nochmal aufgegriffen, die Coverrückseite ist eher schlicht. Auch wird das Covermotiv aus meiner Sicht dem Roman nicht gerecht und kann mich nicht überzeugen – für mich kein wirklicher Eyecatcher.

Mein Fazit? „Der Geschmack von Gold und Eisen“ ist Romantasy, die vor allem mit einem tollen Setting und einer durchaus romantischen Liebesgeschichte überzeugt, im restlichen Teil der Handlung aber durchaus ihr Potential nicht vollends ausschöpft. Für Leser:innen des Genres, die längere Werke nicht scheuen, dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Phantastik im Doppelpack | Wundervolle Neuzugänge

Auch diese beiden Bücher zogen in der letzten Zeit bei mir neu ein. „Der Geschmack von Gold und Eisen“ von Alexandra Rowland (Panini Verlags GmbH), übersetzt von Michaela Link, erreichte mich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Godkiller“ von Hannah Kaner (Piper Verlag GmbH), übersetzt von Wolfgang Thon, lag hingegen als Geschenk in meinem Osterkörbchen – auch dafür vielen Dank! Beide Bücher entführen die Leser:innen dabei in fantastische Welten – ich bin schon ganz auf die Ausflüge in die Fantasy gespannt!

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?