[Buchgedanken] Ellin Carsta: „Das Unrecht der Väter“ (Die Falkenbach-Saga 1)

Dieses Wochenende habe ich im Rahmen einer Leserunde „Das Unrecht der Väter“, den ersten Band der Falkenbach-Saga von Ellin Carsta gelesen. Das Buch ist 2020 bei Tinte & Feder, Amazon Media EU S.à r.l. erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und lovelybooks.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Bernried am Starnberger See, 1936: Paul-Friedrich von Falkenbach und die Brüder Lehmann stehen für Erfolg. Während die Söhne der Lehmanns bereits in deren Firmen eingestiegen sind, kann sich Gustav von Falkenbach nur schwer vorstellen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, schließlich steht er kurz davor, sein Medizinstudium abzuschließen. Auch seine Schwester Wilhelmine ist dabei, ihren eigenen Weg zu finden und sich eine politische Meinung zu bilden, während die Nazis im Land und im Umfeld der Familien immer mehr an Einfluss gewinnen. Als die Tochter eines Kriegskameraden auf Gut Falkenbach auftaucht, um Fragen zum rätselhaften Tod ihres Vaters zu stellen, versuchen die drei Männer alles, um ein altes Geheimnis verborgen zu halten.

„Das Unrecht der Väter“ ist ein historischer Roman, der vor allem durch ein tolles und authentisches Setting zu überzeugen vermag. So porträtiert er die Geschicke einiger Familien vor dem Hintergrund des aufziehenden Nationalsozialismus und illustriert die Bedeutung der Familie und die Rolle der Frau zu dieser Zeit.

Die Handlung ist, wenn auch teils vorhersehbar, größtenteils spannend und fesselt den Leser an die Seiten. Dabei ist allerdings zu beachten, dass quasi keiner der relevanten Handlungsstränge im Verlauf der Geschichte aufgelöst wird, „Das Unrecht der Väter“ daher leider nicht als Standalone lesbar ist. Zudem wartet der Epilog noch mit einem, etwas unnötigen, zusätzlichen Cliffhanger auf — man hätte ihn gut als Prolog für den Folgeband verwenden können, der mehr Sinn gemacht hätte, als der etwas unsinnige Prolog dieses Bandes.

Dagegen vermögen die Charaktere durchweg zu überzeugen. Auch wenn durch die Vorstellung so vieler Charaktere diese natürlich noch nicht in allen Facetten ausgearbeitet sind, zeigen sie doch Stärken und Schwächen, haben eigene Ziele und Motive. Insbesondere Erna und Irma überzeugen, aber auch Wilhelmine bringt sich zu guter letzt noch in Stellung für eine hoffentlich wichtige Rolle im Folgeband.

Ellin Carstas Schreibstil ist unaufgeregt, sachlich und lässt sich gut und flüssig lesen. Dass man am Anfang etwas schwer ins Buch kommt, ist nicht dem Schreibstil geschuldet, sondern der Fülle an Personen, die anfangs volle Aufmerksamkeit fordert.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, wenn sich mir auch der Sinn der Zitate über den einzelnen Kapiteln nicht erschließt. Der Buchumschlag ist wunderschön und ergibt über Buchrücken und Coverrückseite ein tolles Gesamtbild.

Mein Fazit: „Das Unrecht der Väter“ ist ein im Wesentlichen gelungener Roman, der durch tolle Charaktere und ein zauberhaftes, authentisches Setting brilliert, leider aber keinerlei Handlungsstränge auflöst und daher nicht als Standalone gelesen werden kann. Für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Eva-Isabel Schmid: „Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“ (Paracelsus 1)

Vor kurzem habe ich „Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“, den ersten Band einer Dilogie über den berühmten Arzt, von Eva-Isabel Schmid gelesen. Das Buch ist 2020 in der Piper Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman zu klassifizieren. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Basel im Spätmittelalter auf dem Sprung zur Renaissance. Der junge Medizinstudent Paracelsus und sein Freund Caspar erhalten von der katholischen Kirche eine Sondergenehmigung zum Sezieren von Leichen. Zu nur einem Zweck: Sie sollen die Existenz der menschlichen Seele beweisen. Als der grausame neue Bischof die Macht erlangt, werden die beiden der Ketzerei beschuldigt. Ihre Forschung wird verboten. Während Caspar sein Leben nun der Medizin widmet, wendet sich der ehrgeizige Paracelsus dem Okkultismus zu. Die zwei Freunde finden sich gefangen in einem Netz aus Inquisition, politischen Intrigen und einem blutigen Bürgerkrieg.

„Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“ ist ein gelungenes Debüt, ein guter Auftakt in eine Dilogie mit vielen Stärken und nur einigen Schwächen. Dabei brilliert der Roman vor allem durch ein tolles und authentisches Setting der spätmittelalterlichen Stadt Basel, das das Kopfkino sofort anlaufen lässt.

Gewöhnungsbedürftig hingegen ist der Schreibstil der Autorin, der sich ohne weiteres gut lesen lässt, jedoch sehr von der Aneinanderreihung kurzer Sätze dominiert wird, was bei Kämpfen durchaus seinen Charme hat, bei Beschreibungen jedoch etwas fremd anmutet.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen. Jedoch habe ich mich selbst ertappt, gedanklich viel mehr Fokus auf den Handlungsstrang von Jacob und der Stadt zu legen, viel mehr Interesse an der Zerrissenheit Basels als an Paracelsus‘ Suche nach der unsterblichen Seele zu zeigen.

Ein weiterer Lichtblick des Romanes sind die tollen Nebencharaktere, insbesondere Jacob und Laurencz sind echte Sympathieträger und treiben die Handlung voran, aber auch Simon ist faszinierend und bietet Potential für eine tolle Rolle im zweiten Band der Dilogie. Lediglich mit Paracelsus bin ich (noch) nicht so recht warmgeworden.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag vermag allerdings nicht zu überzeugen. Während das Covermotiv noch ganz ansehnlich – wenn auch kein Eyecatcher – ist, sind Buchrücken und Coverrückseite einfarbig, wirken lieblos und ergeben keinen einheitlichen Buchumschlag, was ich bei einem Roman in dem Preissegment schon erwartet hätte – genau wie eine hochwertige Prägung auf dem Cover. Abschließend hätte man auch über eine Karte im Innenteil oder eine Auflistung der Dramatis Personae nachdenken können.

Mein Fazit? „Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“ ist ein gelungenes Debüt, das vor allem durch ein wunderbares Setting und tolle Charaktere glänzt. Trotz kleinerer Schwächen bedenkenlos für Liebhaber historischer Romane zu empfehlen – ab 16 Jahren.

[FBM2020] Tag5 – Ein gelungener Abschluss

Gestern endete auch schon bereits die Frankfurter Buchmesse 2020 – und meine letzten vier Veranstaltungen standen auf dem Plan. Okay, das ist leicht geschummelt, denn ich begann den Tag damit, ein Video einer Veranstaltung vom Samstag zu schauen, die leider parallel zu Ava Reeds Livestream lief – aber ein Interview mit Margaret Atwood ist immer ein absolutes Highlight, das ich nicht auslassen kann. Humorvoll, pointiert – und mit so viel Herz und Verstand sprach sie über die aktuelle Politik, ihr Leben und ihre Projekte. Mir ist schleierhaft, warum sie Jahr für Jahr beim Literaturnobelpreis übergangen wird. Im Anschluss startete das reguläre Programm für mich mit einem Livestream der supersympathischen französischen Autorin Morgane Moncomble für den LYX-Verlag. Ihr neuestes Buch „Bad at Love“ werde ich auch in Kürze vorstellen.

Am Nachmittag nahm Cornelia Funke, aus Malibu zugeschaltet, virtuell auf der ARD-Bühne Platz und erzählte über den neuen „Reckless“-Band, ihr Leben zur Zeit der Pandemie und über ihre sonstigen Projekte. Mit im Livestream: zwei wundervolle Hunde, die für herzerwärmende Momente sorgten. Und dann stand auch schon die letzte Veranstaltung an: Eine Lesung mit Q&A im Livestream von Valentina Fast für den One Verlag. Dabei las die Autorin aus dem ersten Band ihrer „Secret Academy“-Dilogie, die unbedingt noch bei mir einziehen muss, da die Auszüge toll klangen und die Cover einfach wunderschön sind.

Wenn ich mich nicht verzählt habe, endete die FBM damit für mich nach 21 Veranstaltungen. So schön es teilweise auch war, die Autoren und Autorinnen zumindest im Stream zu sehen, und so viel Mühe wie sich die Verlage auch gegeben haben – es ersetzt keine richtige Messe. Und so hoffe ich, 2021 Euch allen wieder persönlich begegnen zu können. Bis dahin: bleibt gesund!

[Buchgedanken] Laini Taylor: „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ (Muse 1, Strange 3)

In der letzten Zeit habe ich „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die Bloggerjury für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Der Roman ist 2020 im One Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre High-Fantasy zuzuordnen. Die Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel „Muse of Nightmares“ bei Little, Brown and Company, Hachette Book Group. Er bildet den Auftakt der „Muse of Nightmares“-Dilogie, stellt gleichzeitig aber auch eine Fortsetzung der „Strange the Dreamer“-Dilogie dar, sodass er insgesamt auch als dritter Teil dieser Reihe gelten kann.

51YWG8WThzL._SX327_BO1204203200_Sarai ist die Muse der Albträume. Seit sie denken kann, quält sie die Bewohner von Weep mit ihren schlimmsten Ängsten. Sie ist sich sicher, dass sie jede noch so furchtbare Grausamkeit gesehen hat. Doch damit liegt sie falsch. Unendlich falsch. Denn plötzlich findet sich Sarai selbst in einem Albtraum wieder, aus dem sie nicht aufwachen kann. Ihre Liebe, ihr Leben und das aller Bewohner von Weep stehen auf dem Spiel …

„Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ ist ein klassischer Auftaktband – und kann definitiv nicht als Standalone gelesen werden, da keine der Handlungslinien zum Ende hin wirklich aufgelöst wird, was viel Potential für den nachfolgenden Teil eröffnet, für den Leser bisweilen aber etwas unbefriedigend sein kann. Auch empfiehlt es sich – was ich nicht getan habe – vorher in jedem Fall „Strange the Dreamer“ zu lesen, da es den Anschein macht, dass Welt und Vorgeschichte vorausgesetzt werden und nur noch wenig erklärt wird. Ich würde das Buch daher auch als dritten Teil dieser Reihe sehen, und nicht als eigenständige Dilogie. Dadurch fiel es mir teils schwer, der Handlung flüssig zu folgen, dies kann dem Buch aber nicht angelastet werden.

Die Handlung insgesamt überzeugt im Wesentlichen, hat aber Längen, da relativ wenig passiert. Auch kann es bisweilen anstrengend sein, dass permanent zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin- und hergewechselt wird. Brillant hingegen ist das Setting. Die Welt, die Laini Taylor erschafft, ist fantastisch und bildgewaltig, und doch sehr fragil und ausgewogen. Erinnerungen und Träume, Götterwesen und Götterschlächter, die Autorin beschreibt anschaulich und mit einem leicht lesbaren Schreibstil und erlaubt es dem Leser so, sich nach Weep und in die Zitadelle zu träumen.

Trotz der Vielzahl an Charakteren entwickelt Laini Taylor diese gut und legt sie dreidimensional, mit eigenen Stärken, Schwächen und Motiven an. Insbesondere Minya überzeugt hier auf ganzer Linie – und erhält durch die Reise in ihre Träume eine ganz andere Tiefe. Ich bin gespannt, ob diese Entwicklung im Folgeband konsequent weitergeführt wird.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist wunderschön, ein wahrer Eyecatcher, und passt sich gut in das Gesamtbild der Reihe ein. Allerdings hätte es noch etwas hochwertiger ausgearbeitet und geprägt sein können, sodass das Buch sich insgesamt etwas edler anfühlen würde. Dabei ist allerdings zu beachten, dass im Gegenzug der Preis für ein Hardcover auch deutlich am unteren Ende angesetzt ist.

Mein Fazit? „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ ist ein vielversprechender Auftakt, der zwar Schwächen in der Handlung hat, aber durch tolle Charaktere und ein brillantes Setting punkten kann. Da er viele Fragen für den nächsten Teil offen lässt allerdings nicht als Standalone lesbar – und idealerweise nach „Strange the Dreamer“. Für Liebhaber des Phantastischen bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] A. J. Marini: „stromLos: odyssee“ (stromLos 2)

Vor kurzem habe ich „stromLos: odyssee“, den Abschluss der stromLos-Dilogie von A. J. Marini, beendet. Das Buch ist 2016 in der Pagina Verlag GmbH erschienen und – wie auch schon der Vorgänger – als Dystopie oder Science-Fiction-/Endzeit-Thriller anzusehen. Meine Besprechung des ersten Bandes kann *hier* abgerufen werden. Vielen Dank an dieser Stelle erneut an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

~~~ Achtung! Die Besprechung kann milde Spoiler zum Vorgängerband enthalten. ~~~

515uYcDwGUL._SX353_BO1204203200_2039. Der Planet stöhnt unter unbarmherziger Hitze. Rätselhafte Krankheiten haben sich ausgebreitet, gewaltige Sterberaten dezimieren die Erdbevölkerung. Emi Boulder und Ben Bates, gegensätzlich wie Feuer und Wasser, sind in einer globalen Katastrophe gestrandet: Elektrizität funktioniert nicht mehr! Tag um Tag vergeht ohne Strom. In gnadenloser Hitze werden die Umstände immer alptraumhafter, alles bricht rasant zusammen, es geht bald ums nackte Überleben. Die Katastrophe konfrontiert Ben schonungslos mit sich selbst, zugleich wächst in ihm eine zarte und unbeholfene Liebe für Emi. Emi weiß, warum es zu dem globalen Ausfall von Elektrizität gekommen ist, und dass der Strom nicht mehr zurückkehren wird. Sie fasst einen abenteuerlichen Plan, wie sie aus dem kollabierten Großstadtmoloch entkommen können. Doch Ben hat gute Gründe, der schönen, wie geheimnisvollen Emi zu misstrauen. Trotz aller Anziehung, die diese Frau auf ihn ausübt, nagen Zweifel und Ängste an ihm. Da geschieht das Unerwartete …

„stromLos: odyssee“ knüpft direkt an die Handlung des Vorgängerbandes an und setzt diese nahtlos fort. Teils werden Erklärungen in die Geschichte eingebaut, die Handlungsstränge aus dem ersten Band zusammenfassen, sodass „odyssee“ wohl auch als Standalone gelesen werden kann – empfehlen würde ich es aber nicht.

Während die Handlung im Vorgänger noch eher Züge eines Politthrillers aufwies, wechselt Teil Zwei endgültig in das dystopische Endzeitszenario und fokussiert sich auf das reine Überleben der Protagonisten. Menschliche Urinstinkte, der Zusammenbruch jedes gesellschaftlichen Lebens und der Verfall aller Normen – „stromLos: odyssee“ bietet eine erschreckende Zukunftsvision, der es aber auch etwas an Realität fehlt – auch wenn versucht wird, eine wissenschaftliche Untermalung anzubieten, die aber nicht zuletzt durch das sehr esoterisch anmutende Ende etwas konterkariert wird.

Abgesehen davon bleibt die Handlung aber dauerhaft spannend und wird stringend vorangetrieben. Die einzelnen Charaktere entwickeln sich weiter und zeigen ganz eigene Stärken und Schwächen. Besonders gefreut habe ich mich, in diesem Band noch mehr von Gwen und Poona zu erfahren, leider tauchen andere Charaktere dafür gar nicht mehr auf.

Nicht ganz warmgeworden bin ich weiterhin mit dem kruden Mix der Erzählperspektiven. So wird sowohl aus der Ich-Perpektive von Ben, als auch personal aus der Sicht von Emi, allerdings mit auktorialen Einschüben erzählt. Eine stärkere Fokussierung auf die beiden Protagonisten und ihre Gedanken und Gefühle hätte hier eine noch intensivere Bindung zwischen dem Leser und den Charakteren ermöglicht. Gleiches gilt im Übrigen für den etwas zu beschreibenden Schreibstil des Autors – etwas mehr „Show, don’t tell“ hätte den Lesefluss noch verstärken können. Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie und ermöglicht es dem Leser, sich in die dystopische Umgebung zu versetzen.

Die Buchgestaltung zeigt sich leicht verbessert zum Vorgängerband. Zwar sind Lektorat, Korrektorat und Buchsatz weiterhin kleinere Fehler durchgerutscht, allerdings nicht in der Häufigkeit des ersten Bandes. Das Covermotiv ist ähnlich und sorgt für einen Wiedererkennungswert der Reihe, insgesamt ist der Buchumschlag allerdings unauffällig und verschenkt Potential, insbesondere auf der Coverrückseite und den Coverinnenseiten.

Mein Fazit? „stromLos: odyssee“ ist ein im Wesentlichen gelungener Abschluss der dystopischen Dilogie, der sich leicht verbessert zum ersten Band zeigt und vor allem durch das endzeitliche Setting und eine spannende Handlung punkten kann. Kleinere Schwächen in der Erzählperspektive und dem Schreibstil trüben das Lesevergnügen nur leicht. Für alle Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Kiera Cass: „Promised“ (Hollis 1)

In den letzten Tagen habe ich „Promised“ von Kiera Cass gelesen, den Auftakt zur neuen Dilogie der Autorin einer meiner absoluten Lieblingsbuchreihen („Selection“). „Promised“ ist 2020 bei FISCHER Sauerländer erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „The Betrothed“ bei HarperTeen, HarperCollins Publishers, New York, veröffentlicht. Der Roman ist am ehesten dem Genre Young-Adult Romantasy zuzuordnen.

51V6fLIOdVL._SX324_BO1204203200_Wie jedes Mädchen am Hofe hofft Hollis, dass sie diejenige ist, die König Jamesons Herz erobert. Als sie auf einem Ball stolpert und ihm buchstäblich in die Arme fällt, verliebt Jameson sich Hals über Kopf in sie. Er beginnt, ihr mit extravaganten Geschenken den Hof zu machen, und Hollis kann ihr Glück kaum fassen. Doch ist das wirklich das Happy End? Der mysteriöse Fremde Silas bringt Hollis‘ Welt ins Wanken. Silas ist kein König. Luxus und Macht kann er ihr nicht versprechen. Aber jeder Blick von ihm trifft sie mitten ins Herz. Die Augen des ganzen Volkes sind auf die zukünftige Königin gerichtet. Und niemand ahnt, welche Stürme in ihr toben, während sie lächelt.

Die Erwartungen, die ich an „Promised“ hatte, hätten kaum höher sein können. Kiera Cass zählt zu meinen absoluten Lieblingsautoren, ihr Meisterwerk „Selection“ fällt immer, wenn ich meine Lieblingsbücher benenne. Umso gespannter war ich, ob „Promised“ an die Perfektion anknüpfen kann. Und auch wenn der Roman nicht ganz an die Brillanz von „Selection“ heranreicht, erfüllt er doch alle Erwartungen und zählt bereits jetzt zu den Jahreshighlights.

Dabei kann der Roman mit einem tollen Setting punkten. Der Gegensatz zwischen der Pracht am Königshof und dem Leben auf dem Land, zwischen der Adelsschicht und den Flüchtlingen, zwischen den Kulturen und Traditionen der Länder – Kiera Cass beschreibt anschaulich und sorgt dafür, dass man sich direkt in die Geschichte hineinversetzt fühlt, dass ein Film vor dem inneren Auge des Lesers abläuft. Dass dabei der Weltenbau noch nicht in allen Details dargestellt wird, stört nicht, schließlich gibt es ja noch einen Folgeband, der hoffentlich dann die offenen Fragen klärt. Der Leser lernt mit Hollis mit, erkundet mit ihr die Welt.

Zu Hollis – aus deren Sicht die Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt wird – findet man sofort eine Bindung, auch gerade dank der Erzählperspektive. Man leidet, lacht und weint mit ihr, man spürt ihre Verwirrung und Verzweiflung, aber auch gerade ihre Kraft und Entschlossenheit, ihre Impulsivität und ihren Mut. Auch die Nebencharaktere sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, insbesondere Scarlet und Lady Eastoffe überzeugen mich völlig.

Die Handlung ist – auch genrebedingt – teils vorhersehbar, mit einigen, unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin aber auch, den Leser zu überraschen. Insgesamt wird die Spannung die ganze Zeit gehalten, das anfangs noch eher ruhige Geschehen steigert sich unaufhörlich und gipfelt in einem starken Finale. Dennoch lässt Kiera Cass den Leser nicht mit einem gewaltigen Cliffhanger zurück, sondern sorgt für einen vernünftigen Abschluss des Bandes, der trotzdem den Boden für einen gewaltigen Folgeband bietet. Ich kann es kaum erwarten – und zähle bereits jetzt die Tage bis zum Erscheinungstermin des zweiten Teils im nächsten Jahr.

Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchgehen lassen. Das Cover ist ein wahrer, glitzernder Eyecatcher mit einem brillanten, wunderschönen Titelmotiv, die Coverinnenseiten sind ebenfalls ein farblich-glitzernder Traum.

Mein Fazit? „Promised“ ist Young-Adult Romantasy in Reinform mit tollen Charakteren, einem wunderschönen Setting und einer spannenden, wenn auch teils vorhersehbaren Handlung. Bedenkenlos zu empfehlen ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14 – und ein sicheres Jahreshighlight!

[Buchgedanken] Isabel Kritzer: „America’s Next Magician“ (Next Magician 2)

Vor wenigen Tagen habe ich „America’s Next Magician“  beendet, den Abschlussband der „Next Magician“-Dilogie von Isabel Kritzer. Das Buch ist 2020 im Drachenmond Verlag erschienen und – wie der Vorgänger – eine bunte Mischung aus Dystopie, Young Adult Romantasy und fantastischem Jugendbuch. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Die Besprechung zu Band 1 kann *hier* abgerufen werden.

~~~ Achtung: Die Besprechung kann milde Spoiler zum Vorgängerband enthalten! ~~~

51xlJGTXLJL._SX350_BO1204203200_25 Länder. 5 mächtige Magicians. Wer herrscht?
Ein verheißungsvoller Kuss, der über die Zukunft entscheidet.
Eine neue Macht, die für das Reich kämpft.
Ein Junge aus dem goldenen Palast, der den Kaiser stürzen will.

Die Regentschaftswahl ist entschieden, die Rebellion entfacht! Eine Serie von Attentaten auf Magicians und ein teuflischer Racheplan drohen California ins Chaos zu stürzen. Gleichzeitig versucht Josephine zu begreifen, was passierte, was Wahrheit und was Lüge ist. Statt Antworten eröffnet ihr ein Besuch bei Tekre Industries, dem bedeutendsten Nachrichtendienst, beunruhigende Geheimnisse. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, als der Kaiser sie in seinen goldenen Palast einlädt. Hightechwaffen beziehen am Himmel Stellung, Totgeglaubte leben und Magie liegt in der Luft.

„America’s Next Magician“ ist ein würdiger Abschluss der Dilogie und knüpft nahtlos und unmittelbar an die Handlung des Vorgängerbandes an. Dadurch hat man die Chance, weiterhin mit den altbekannten Charakteren mitzufiebern, lernt gleichzeitig aber auch neue Figuren kennen.

Auch wenn die Handlung nur langsam in Fahrt kommt, wird der Spannungsbogen grundsätzlich die ganze Zeit gehalten und steigert sich unaufhörlich bis hin zum großen Finale, das – auch wenn ich mir teils einen anderen Ausgang gewünscht hätte – die Erwartungen doch erfüllt. Dabei gelingt es der Autorin, den Leser immer wieder mit unerwarteten Wendungen und neuen Enthüllungen zu fesseln und zu schockieren.

Das – dystopische – Setting ist erneut sehr gut vorstellbar, der Weltenbau wird weiter ausgebaut und angereichert. Auf einige technische Informationen, insbesondere zu den Waffensystemen, hätte ich allerdings verzichten können. Zwar ist Authentizität und Plausibilität auch in fantastischen Welten wichtig, aber es handelt sich schlussendlich nicht um einen Science-Fiction Roman.

Die einzelnen Charaktere – auch in den Nebenrollen – sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken, Schwächen und Ziele. In diesem Band hat mir insbesondere Yasemine sehr gut gefallen. Die Protagonisten entwickeln sich auch im Verlauf der Handlung weiter, lediglich Josis letzte Entscheidung empfinde ich persönlich als Rückschritt.

Die Buchgestaltung ist, wie zu erwarten war, brillant gelöst. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist mit wenigen Ausnahmen wunderschön. Als Kritik auf hohem Niveau könnte man vielleicht anmerken, dass die Initiale zu Kapitelbeginn teils den normalen Text etwas verdecken und man auf die Zusammenfassung von Band 1 hätte verzichten können. Abgesehen davon wird der Buchsatz durch eine Playlist, eine Karte und wundervolle Illustrationen ergänzt. Das Cover von Alexander Kopainski ist erneut ein wahrer Eyecatcher und bildet mit dem Vorgänger ein tolles Reihenbild, das für einen hohen Wiedererkennungseffekt sorgt.

Mein Fazit? „America’s Next Magician“ ist der gelungene Abschluss der „Next Magician“-Dilogie und kann vor allem durch eine spannende Handlung, tolle Charaktere und ein brillantes Setting punkten. Für Leser des Genres bedingungslos zu empfehlen – und bereits jetzt ein potentielles Jahreshighlight.

[Top Ten Thursday] Bücher, die ich kaum erwarten kann

Nach langem möchte ich Euch mal wieder einen Top-Ten-Thursday-Beitrag präsentieren und Euch dabei die Bücher vorstellen, deren Release ich gar nicht mehr erwarten kann – unter anderem von Emily Bold, Nina MacKay und Ava Reed. Zur Einfachheit halber werde ich dabei Buchreihen zusammenfassen und jeden Autor nur einmal aufnehmen. Die bisherigen Top-Ten-Thursday-Beiträge findet Ihr *hier auf der Übersichtsseite*.

  1. Ulla Scheler: „tbd“Seit Ulla 2018 angedeutet hat, sie arbeite an einem nächsten Buch, warte ich sehnsüchtig auf neuen Lesestoff von ihr, da ihre beiden bisherigen Romane jeweils absolute Jahreshighlights waren. Leider steht bislang weder ein Titel, noch ein Veröffentlichungstermin – aber einen Leser werden ihre Bücher in mir immer haben.
  2. Kiera Cass: „Promised“ (07.05.2020)“Selection“ ist eine meiner absoluten Lieblingsbuchreihen und Kiera Cass hat sich damit auch zu einem literarischen Vorbild entwickelt. Ich kann daher ihr neuestes Werk kaum erwarten – und ist das Cover nicht wunderschön?
  3. Suzanne Collins: „Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“ (19.05.2020)Ich bin mit der Panem-Trilogie mehr oder weniger aufgewachsen und sie gehört nach wie vor zu den besten Dystopien. Daher kann ich die Neuerscheinung kaum erwarten, insbesondere, da sie weitere Informationen zur Vorgeschichte bringt und daher dabei hilft, die Welt von Panem noch besser kennenzulernen.
  4. Ava Reed: „Truly“ (27.05.2020)Ich liebe Avas Jugendbücher und bin auch von ihren Fantasyromanen sehr angetan. Daher bin ich umso gespannter, wie der Ausflug in das New-Adult-Programm bei einem meiner absoluten Lieblingsverlage läuft – aus meiner Sicht kann das nur grandios werden!
  5. Halo Summer: „tbd“Seit einiger Zeit ist bekannt, dass Halo eine Fortsetzung von Aschenkindel schreibt, einer meiner absoluten Lieblingsmärchenadaptionen. Auch wenn bislang, meines Wissens nach, weder Erscheinungstermin noch Titel stehen, kann ich es kaum erwarten, endlich die versprochene Fortsetzung zu lesen.
  6. Emily Bold: „Stolen – Verwoben in Liebe“ (16.07.2020)
    Von Emily habe ich schon viele Bücher gelesen, aber vor allem die Silberschwingen-Dilogie hat mich restlos überzeugt. Daher setze ich große Hoffnung in die neue Romantasy-Reihe bei Planet! Die Cover und der limitierte farbige Buchschnitt sehen jedenfalls grandios aus.
  7. Nina MacKay: „Dornröschen und der Mettsommernachts-Traum“ (Juli 2020)Die Hipster-Märchen-Reihe von Nina MacKay gehört zu dem besten, was die humorige Fantasy in Deutschland zu bieten hat. Ich kann daher den Abschlussband kaum erwarten – und es sind sogar ganz viele Mettigel auf dem Cover! Wie toll ist das denn! =)
  8. Bianca Iosivoni: „The Last Goddess 1: A Fate Darker Than Love“ (25.10.2020)Bianca und Romantasy – das passt perfekt zusammen, wie schon „Soul Mates“ gezeigt hat. Umso gespannter bin ich auf das neueste Werk, was im Oktober ebenfalls wieder bei Ravensburger erscheint.
  9. Anna Godbersen: „Die Prinzessinnen von New York – Secrets“ (30.04.2020)Und noch ein Buch aus dem LYX-Verlag. Zwar habe ich die restlichen Teile noch nicht gelesen, sie subben aber alle schon – und auch Teil vier wird allein schon wegen der brillanten Cover bei mir einziehen. So göttlich – so glamourös.
  10. Bianca Iosivoni und Laura Kneidl: „Midnight Chronicles – Schattenblick“ (26.08.2020)Da Bianca hier nicht allein schreibt, zählt das nicht als Doppelnennung :D. Und wie könnte ich das Buch auslassen – wenn sich zwei der besten Autorinnen Deutschlands zusammentun, kann nur etwas göttliches dabei herauskommen. Ein Glücksgriff für den LYX-Verlag – und garantiert auch ein Glücksgriff für die Leser.

Hier nun – soweit bekannt – die tollen Cover.

Und auf welche Bücher freut Ihr Euch noch so?

[Buchgedanken] Kenzie H. Taft: „Bis nächsten Monat, Prinzessin – Band 1“

In den letzten Tagen habe ich den ersten Band der Dilogie „Bis nächsten Monat, Prinzessin“ von Kenzie H. Taft gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Der Roman ist 2020 im Selfpublishing veröffentlicht worden und wohl am ehesten dem Genre Dark Romance zuzuordnen.

51m6C2YqaUL._SX311_BO1204203200_Johanna lernt den deutlich älteren Chris bei einer Firmenfeier kennen. Zunächst ist sie von ihm alles andere als angetan, doch mit der Zeit bauen sie eine lockere Freundschaft voll zweideutiger Scherze auf und verbringen viel Zeit miteinander. Aus der kollegialen Bekanntschaft entwickelt sich ein prickelndes, leidenschaftliches Verhältnis. Johanna verliebt sich schließlich in Chris, der in vielerlei Hinsicht sehr erfahren ist und ihr aufzeigt, wie man das Leben in vollen Zügen genießen kann. Ein- bis zweimal im Monat hat sie ihn für sich allein und lebt nur für diese Zeit mit ihm. Doch warum will Chris partout keine Beziehung mit Johanna? Als sie den Grund erfährt, warum er sie immer wieder auf den nächsten Monat vertröstet, bricht Johanna zusammen.

„Bis nächsten Monat Prinzessin – Band 1“ ist ein solider Auftakt in eine Buchreihe, der den Leser nicht kalt lässt. Aufgrund der gewählten Erzählperspektive, der Erzählung in Ich-Perspektive aus der Sicht von Johanna, ist man nah an der Protagonistin und leidet, lacht und liebt mit ihr zusammen. Dabei gelingt es der Autorin, das Gefühlschaos, den Spagat zwischen Verzweiflung und Liebe greifbar und für den Leser spürbar zu machen.

Genrebedingt wartet das Buch mit teils deftiger Sprache, expliziten Sexszenen und Abhängigkeitsverhältnissen bis hin zu vergewaltigungsähnlichen Szenen auf, insgesamt aber noch so dosiert, dass der Roman knapp an der Grenze zwischen Romance und Erotik balanciert und diese nicht einreißt. Das durch die emotionale Abhängigkeit hervorgerufene, teils irrationale Verhalten der Protagonistin wird glaubhaft und eindringlich geschildert. An diesem Punkt hätte ich mir aber durchaus auch einige Punkte gewünscht. Einer Triggerwarnung bedarf es m.E.n. nicht, aber am Ende, gern auch in der Danksagung, hätte man auf weiterführende Informationen und Hilfsangebote zu diesem Problemkreis verweisen können.

Das Setting ist schön, allerdings etwas austauschbar. Die Wohnung, die Umgebung – all das wird toll beschrieben, von der Waldwanderung bis hin zu den kleinen idyllischen Dörfern – hier hätte man durch das Einstreuen von konkreten Ortsnamen (sofern ich sie nicht überlesen habe) noch mehr Authentizität erzeugen und dem Leser ein noch klareres Bild vermitteln können.

Die Handlung ist spannend, ein wahres Auf und Ab, eine Gefühlsachterbahn, die in einem allerdings moderaten Cliffhanger kulminiert, für den sich die Autorin nicht hätte entschuldigen müssen – das geht deutlich schlimmer. Allerdings erschließt sich mir der Sinn des Prologes (noch) nicht so recht. Es kann sein, dass sich das mit Teil 2 jedoch noch ändert.

Die Buchgestaltung ist hingegen insgesamt durchwachsen. Während das Korrektorat noch solide ist, hat das Lektorat – sofern durchgeführt – einige Schwächen, die leicht ausgemerzt hätten werden können. Auch der Buchsatz überzeugt nur teilweise. Positiv ist zu erwähnen, dass jedes Kapitel, jeder Monat, auf einer ungeraden Buchseite anfängt. Dahingegen ist durch den Verzicht auf die Silbentrennung am Zeilenende das Satzbild sehr unregelmäßig. Zudem ist auch – dafür kann die Autorin allerdings wohl eher nichts – die Druckqualität nicht sehr hoch. Das Cover ist unauffällig – hier wäre mit mehr Bezug zur Handlung noch deutlich mehr rauszuholen gewesen.

Mein Fazit? „Bis nächsten Monat Prinzessin – Band 1“ ist ein im Wesentlichen gelungener Einstieg in eine Dark-Romance-Dilogie, die den Leser schockt, aber auch mitreißt – schonungslos und brutal, aber auch sehr gefühlvoll. Für Leser des Genres – trotz Schwächen in der Buchgestaltung – bedenkenlos zu empfehlen, allerdings erst ab 18 Jahren.

[Buchgedanken] Ava Reed: „Ashes and Souls – Schwingen aus Rauch und Gold“ (Ashes 1)

In den letzten Tagen habe ich den ersten Band der „Ashes and Souls“-Dilogie von Ava Reed gelesen. „Ashes and Souls – Schwingen aus Rauch und Gold“ erschien 2019 als Hardcover in der Loewe Verlag GmbH und ist dem Genre Young-Adult Romantasy zuzuordnen.

51IniBPiJsL._SX351_BO1204203200_Eine Liebe zwischen Tod und Unsterblichkeit

Prag wird die goldene Stadt genannt, doch Mila sieht dort unendlich viel grau. Denn sie hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann den Tod vorhersehen. Menschen, die bald sterben werden, verlieren in Milas Augen jegliche Farbe. Verzweifelt versucht sie, diesen Fluch loszuwerden, und gerät dabei in den Kampf zwischen Licht und Dunkelheit. Schnell findet sie heraus, dass Himmel und Hölle ganz anders sind, als sie es sich vorgestellt hat. Für welche Seite wird Mila sich entscheiden?

„Ashes and Souls – Schwingen aus Rauch und Gold“ ist ein beeindruckender Auftakt in eine phänomenale Dilogie, angesiedelt an der Grenze vom fantastischen Jugendbuch hin zu Young-Adult Romantasy, wobei die doch präsente Liebesgeschichte für mich den Ausschlag zu letzterer Genrezuordnung gab. Erzählt in mehreren personalen Erzählperspektiven und vor dem Hintergrund eines fabelhaften Settings in der Stadt Prag schafft die Autorin ein bildgewaltiges Werk, das nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Grau in allen Schattierungen kennt.

Hierbei punktet das Buch vor allem auch dank seinen Charakteren. Dabei überzeugen nicht nur die Hauptprotagonisten, sondern auch die Nebencharaktere, sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Mila bin ich besonders von Reia und Zech – und natürlich von Mim und Pan angetan (ich meine, wer liebt sie nicht?!).

Der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten, auch wenn die Handlung teils vorhersehbar ist. Zwar endet das Buch in einem Cliffhanger, dieser ist aber erstaunlich moderat. Insgesamt sorgt er jedoch dafür, dass man Teil 1 keinesfalls als Standalone lesen kann – was man aber nach der wirklich tollen Lektüre auch nicht möchte.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich leicht und flüssig lesen – und ist bildhaft, sodass das Kopfkino sofort anspringt. Trotz der personalen Erzählperspektive gelingt es Ava zudem, zwischen dem Leser und den Protagonisten, insbesondere zu Mila, ein Band aufzubauen, man leidet, lacht und weint mit ihr, sodass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls überragend, Lektorat, Satz und Korrektorat haben sauber gearbeitet. Beim Cover hat sich Covergott Alexander Kopainski mal wieder selbst übetroffen und ein wunderschönes Titelbild gezaubert, das zudem hochwertig geprägt ist. Lediglich unter dem Schutzumschlag kommt das Buch etwas eintönig daher.

Mein Fazit? „Ashes and Souls – Schwingen aus Rauch und Gold“ ist ein wundervoller Reihenauftakt, der vor allem dank seiner tollen Charaktere und eines wunderschönen Settings punkten kann und viele Fragen für den Folgeband offenlässt. Für Genreleser bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14 Jahren. Wenn der Folgeband, der bereits auf meinem SuB liegt, das Niveau halten kann, ist der Dilogie die Aufnahme in meine Jahreshighlights wohl nicht zu nehmen.