Digitaler Bücherfrühling – eine Zwischenbilanz

Bevor ich nachher noch der allabendlichen Lesung zum Thema „Love and Magic are everywhere“ lausche, möchte ich Euch ein kurzes Zwischenfazit zum digitalen Bücherfrühling geben, der derzeit auf HeldenstückeLIVE stattfindet – vielen Dank an die Agentur Literaturtest und die Verlagsgruppe Oetinger für die Bereitstellung eines Festivalpasses auf der Plattform.

Bislang habe ich fünf Veranstaltungen besucht, drei stehen für mich noch aus. Neben vier Lesungen aus der oben bereits erwähnten Romantasy-Lesereihe von Marah Woolf, Nica Stevens, Mila Summers und Jennifer Benkau lauschte ich auch Swantje Oppermann, die als Buchpremiere ihr neuestes Buch „Fieber! Alles. Außer. Kontrolle.“ vorstellte, ein dystopischer Jugend-/Umweltthriller, der nächste Woche erscheinen wird.

Neben den gelesenen Passagen plauderten die Autorinnen auch ausführlich mit den Gästen, erzählten über ihre Schreibroutinen, Bücher – und alles andere. Ein definitives Highlight war – neben Jennifer Benkau, die ich bislang noch nicht kannte, und die einen supersympathischen Eindruck machte – definitiv Marahs Katze, die sich in den Stream geschlichen hat. So süß!

Auch die Technik hielt besser, als befürchtet. Es gab während des Streams kaum Aussetzer, der Chat funktionierte ebenfalls gut und spielte den Autorinnen die Fragen der Leser pünktlich zu, sodass man durchaus gut interagieren konnte – sicherlich nicht das letzte Mal, dass ich eine Veranstaltung dort besucht habe.

Nachher geht es für mich direkt weiter mit Stefanie Hasse, die aus ihrer „Magic Tales“-Reihe liest, bevor dann am Wochenende mit Rose Snow und Nina MacKay die „Love and Magic are everywhere“-Lesereihe ihren krönenden Abschluss findet. Ich kann vor allem die Lesung von Nina kaum erwarten.

[Buchgedanken] Margit Ruile: „Der Zwillingscode“

In der letzten Zeit habe ich „Der Zwillingscode“ von Margit Ruile gelesen. Das Buch ist 2021 in der Loewe Verlag GmbH erschienen und als dystopisches Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Vincent ist siebzehn und eine Doppel-C-Seele. Sein Sozialpunktestand ist so niedrig, dass an ein Studium nicht zu denken ist. Stattdessen repariert er heimlich die mechanischen Haustiere der Firma Copypet. Eines Tages bringt eine alte Frau eine Katze zur Reparatur. Und die führt Vincent geradewegs in die Simulation – eine virtuelle Welt, in der alle unsere Gegenstände ihr digitales Leben führen. Verborgen in dieser Zwillingswelt aber liegt ein Code. Vincent muss ihn finden, denn davon hängt die Zukunft der Menschheit ab.

„Der Zwillingscode“ ist eine technikbasierte Dystopie und spielt im München einer nicht allzu fernen Zukunft. Thematisch dreht sich der Roman um die gesellschaftlich relevanten Fragen von Überwachung, künstlicher Intelligenz und der Kategorisierung der Menschen nach Sozialpunkten.

Dabei vermag der Roman vor allem dank eines tollen Settings zu überzeugen. Margit Ruile beschreibt das futuristische München anschaulich, führt den Leser an bekannte Plätze, lässt diese aber in neuem Licht erstrahlen. Gleiches gilt für den durchaus gelungenen Weltenbau, der mit einem ausgeklügelten Sozialpunktesystem daherkommt, das das komplette Leben beherrscht.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, teils aber vorhersehbar und nicht immer ganz logisch. So gerät der Kampf gegen die KI – die sich ebenfalls nicht zwingend logisch verhält – fast zu einfach, zu reibungslos. Hier wird aus meiner Sicht einiges an Potential verschenkt, aber man muss auch berücksichtigen, dass der Roman als Jugendbuch an ein durchaus junges Publikum ab 14 gerichtet ist.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen gut angelegt, besonders gefallen haben mir hier Quirin, Delia und Zarah, während Vincent für mich etwas abfällt.

Margit Ruiles Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen, ist – sicherlich auch ihrer Ausbildung bedingt – sehr bildhaft, aber teils etwas zu technisch. Hier hätte durchaus etwas mehr Emotion dem Flair des Buches gut getan.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Großen und Ganzen. Der Buchsatz ist gelungen, dem Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht sonderlich schmälern. Das Cover ist wunderschön, hochwertig geprägt, farblich aufregend und ein wahrer Eyecatcher, mit tollen Klappen. Farbige Coverinnenseiten hätten den tollen Gesamteindruck hier aber noch abrunden und das Buch noch wertiger machen können.

Mein Fazit? „Der Zwillingscode“ ist eine im Wesentlichen gelungene Dystopie mit einem tollen Setting und einer spannenden Prämisse. Leichte Schwächen in der Handlung vermögen dem Lesevergnügen keinen Abbruch zu tun. Bedenkenlos zu empfehlen für Liebhaber des Genres – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14.