[Buchgedanken] Joy Styx: „Skinborn – Heiße Küsse, scharfe Krallen“

Vor kurzem habe ich „Skinborn – Heiße Küsse, scharfe Krallen“ von Joy Styx gelesen. Das Buch ist 2021 im Feuertanz Verlag, einem Label des VA-Verlags erschienen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Skinborn – Hautgeburt. Nur eine von vielen Bezeichnungen, die ich mir anhören muss. Die beschreiben, wer ich bin. Oder besser: was ich bin. Mein Name ist Lynn, ich bin sechzehn Jahre alt und Expertin im Nicht-dazugehören, Zwischen-den-Stühlen-sitzen und allgemeinem Außenseitertum. Dazu vielleicht noch ein wenig frühreif, aber es wäre nett, wenn ihr das gegenüber meinen Pflegeeltern nicht erwähnt, sonst gibt’s nur wieder Ärger. Wie arg es um mich wirklich bestellt ist, erfahre ich allerdings erst, nachdem ich eines Morgens mitten im Wald aufwache. Ohne einen Fetzen Stoff am Leib und mit ebensowenig Ahnung, wie ich da hingekommen bin. Doch die Suche nach meiner Herkunft geht weit darüber hinaus, den Weg aus dem Wald zu finden. Was ich dabei erfahre, stellt mein ohnehin nicht geradliniges Leben endgültig auf den Kopf – und zwar mit Anlauf und Doppelsalto. Beziehungsweise mit Fell und Fangzähnen. Und dass in dem ganzen Chaos mein heimlicher Schwarm kräftig mitmischt, macht die Sache zwar ausgesprochen reizvoll, aber nicht unbedingt einfacher. Begonnen hat die Geschichte allerdings schon vorher und ohne meine Beteiligung, mit einer scheinbar harmlosen, wenn auch nicht jugendfreien Begegnung am Straßenrand, auf dem Weg von L.A. nach Las Vegas …

„Skinborn – Heiße Küsse, scharfe Krallen“ ist eigentlich eine Sammlung von drei Kurzromanen, so werden die ersten 120 Seiten aus der Sicht von Doug, die nächsten 130 aus der Sicht von Lynn und die letzten Seiten aus der Sicht von Chenny erzählt. Und während Teil 2 & 3 noch nahtlos ineinander übergehen, liegen zwischen den ersten beiden Teilen etwa 16 Jahre, sodass der Bruch doch schon sehr heftig ist – hier hätte man mindestens 2 (und eher 3) Romane draus machen sollen.

Auch die Genrezuordnung fiel mir nicht einfach. Während das Buch als „Werwolf-Romance“ auf dem Cover beworben, und vom Autor als Paranormal Romance betitelt wird, ist dies nicht so ganz korrekt. Während der zweite Teil – und in dem Zusammenang auch der dritte – vielleicht noch gerade so als Paranormal Romance bzw. Romantasy durchgehen würden (auch wenn hier der Erotikanteil ebenfalls schon zu ausgeprägt ist), geht es doch um ein Mädchen, was paranormale Fähigkeiten entwickelt und sich verliebt, ist der erste Teil schlichtweg dem Genre „Erotik“ – bzw. wenn man es bilden möchte „Paranormal Erotic“ zuzurechnen. Die Handlung ist – und bleibt – wichtig, der Autor gleitet nicht ins Pornografische ab, aber die Sexszenen sind doch so zahlreich und dominant, dass sich eine andere Einschätzung schlicht verbietet (was auch die vom Verlag empfohlene Leseempfehlung ab 18 zeigt, ist Romance doch eher so ab 15, 16, 17 Jahren eingeordnet).

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, lediglich der große Zeitsprung stört etwas. Da jedoch auch Lynn – mit der man sich gut identifizieren kann – gerade erst ihre paranormalen Fähigkeiten entdeckt, lernt man mit ihr zusammen die Welt kennen, bzw. neu kennen – die Geschichte spielt ja in der realen Welt. Dabei hätte hier im Sinne eines noch besseren Weltenbaus vielleicht noch stärker auf die Entwicklung der unterschiedlichen Stämme eingegangen werden können, aber vielleicht geschieht dies ja in den potentiellen Folgebänden.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. Abgelegene Diner und Motels, Naturparks und idyllischer Kleinstadtflair auf der einen Seite, Los Angeles und amerikanische Sandstrände auf der anderen – der Autor führt den Leser auf eine Reise quer durch die USA, zeigt die Facetten des spannenden Landes auf. Auch die Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Hierbei überzeugt vor allem Lynn mit ihrer Ich-Perspektive, während auch Nebencharaktere wie Bob oder Sue glänzen können.

Die Buchgestaltung ist insgesamt solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet. Die Covergestaltung ist jedoch durchwachsen. Während Buchrücken und Coverrückseite noch gelungen sind – sieht man mal davon ab, dass die Coverrückseite so von Text überfrachtet ist – können weder die Covergestaltung, noch der doch eher schlechte Druck überzeugen. So ist der Autorenname kaum lesbar, der Titel geht ebenfalls unter. Und auch das Covermotiv an und für sich ist etwas nichtssagend – hier ist viel Potential verschenkt worden.

Mein Fazit? „Skinborn – Heiße Küsse, scharfe Krallen“ ist ein Paranormal-Erotic Roman, der vor allem durch eine spannende Handlung, eine tolle Protagonistin und ein gelungenes Setting überzeugt, der aber auch in (mindestens) zwei Bücher hätte aufgespalten werden sollen. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht unter dem vom Verlag empfohlenen Lesealter ab 18 Jahren.

[Buchgedanken] Heike Ribguth: „Ein Cowboy zum Küssen“

In der letzten Zeit habe ich Heike Ribguths Debütroman „Ein Cowboy zum Küssen“ gelesen. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing über Twentysix erschienen – vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Lese- und Verlosungsexemplars auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Das Gewinnspiel zum Roman startet übrigens noch in diesem Monat – also haltet die Augen offen :).

51WQNdP3udL._SX311_BO1204203200_Eigentlich wollte Nina die texanische Ranch ihres verstorbenen Großonkels so schnell wie möglich verkaufen, um spätestens in sechs Wochen mit der Kohle zurück nach Berlin zu fliegen. Kurz nach ihrer Ankunft irrt sie vollständig orientierungslos bei starkem Gewitter durch die Gegend, als sie mit ihrem Leihwagen in einen umstürzenden Baum kracht. Ausgerechnet Jack Parker, der begehrteste und heißeste Junggeselle von ganz Somerville, findet die Deutsche bewusstlos auf dem Highway und bringt sie ins Krankenhaus. Doch als sie sich bei ihm kurz darauf für die Hilfe bedanken will, entpuppt sich der charmante und hilfsbereite Cowboy als fieser Macho. Wie kann ihr arroganter Nachbar äußerlich nur so cool bleiben, während Nina bei jedem Blick in seine stechenden Augen die Fassung verliert?

„Ein Cowboy zum Küssen“ ist ein locker-leichter Roman, der vor allem dank seines fantastischen Settings brilliert. Die endlosen Weiten von Texas, abgelegene Ranches, Rodeo-Veranstaltungen mit traumhaften Pferden – der Roman ermöglicht es dem Leser, sich wegzuträumen und den Alltag für einige, kostbare Augenblicke zu vergessen.

Auch wenn mir die Perspektivwechsel teils etwas zu viel sind und die Handlung dadurch etwas unübersichtlich wird, gelingt es der Autorin doch, vor allem dank der unkonventionell-frischen, frechen und direkten Erzählsprache, den Leser an die Seiten zu fesseln. Dabei scheint in den Dialogen durchaus die Herkunft der Protagonistin – und auch der Autorin – aus Berlin und Brandenburg durch und sorgt damit für Authentizität.

Naturgemäß ist die Handlung genrebedingt etwas vorhersehbar, dennoch sorgt Heike Ribguth mit einigen, unerwarteten Wendungen immer mal wieder für Spannung. Zwischen den Protagonisten – die vielschichtig mit Stärken, Schwächen und glaubhaften Hintergrundgeschichten angelegt sind – kann man die Gefühle, Anziehung, das Knistern förmlich fühlen. Dabei balanciert das Buch haarscharf auf der Klippe zwischen Liebes- und Erotikroman, daher habe ich – wie einigen vielleicht aufgefallen ist – auch auf eine Genrezuordnung im ersten Absatz verzichtet.

Die Buchgestaltung kann leider nicht restlos überzeugen. So ist der Buchsatz grundsätzlich in Ordnung, lediglich die Kapitelbezeichnung ist etwas inkonsistent und verwirrend – so werden innerhalb von Kapiteln teils größere Abschnitte mit Überschriften eingeleitet, ebenfalls existiert am Ende ein Epilog, der vor das erste Kapitel gezogene Text hätte sinnigerweise dann als Prolog betitelt werden können. Auch in der Überarbeitung im Lektorat/Korrektorat sind zwar noch einige Fehler durchgerutscht, diese stören den Lesefluss allerdings nicht. Das Cover hingegen lässt durchaus noch Luft nach oben. Zwar gefällt es mir, dass sich das Grundbild der Landschaft auch nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fortsetzt, mit der zentral auf dem Cover postierten Frau harmoniert es jedoch nicht wirklich. So sind die Übergänge teils verwaschen und unscharf, teils wirkt es etwas deplatziert. Auch hätte ich mir etwas mehr Bezug zur Geschichte gewünscht (pinker Cowboyhut, Hund, Eingangsschild zur Ranch o.ä.).

Mein Fazit? „Ein Cowboy zum Küssen“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Liebes-/Erotikroman, der vor allem mit einem fantastischen Setting und einer frischen Erzählsprache punkten kann und den Alltag vergessen lässt. Leichtere Schwächen in der Buchgestaltung und Perspektivwahl werden durch Authentizität und große Gefühle mehr als kompensiert. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – allerdings erst ab 18 Jahren.