[Buchgedanken] Tanja Huthmacher: „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ (Zeit der Schwestern 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ von Tanja Huthmacher gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Es ist Sommer am Bodensee, und die Kirschen leuchten in rotem Glanz. Als Alleinerziehende hat Romy mit zwei lebhaften Kindern und ihrem Job als Caterin eigentlich genug um die Ohren. Doch sie will unbedingt an einem Backwettbewerb teilnehmen, der ein beachtliches Preisgeld und attraktive Perspektiven für ihre berufliche Zukunft verheißt. Auch wenn sie ihre geliebten Schwestern Carolin und Veronika mit Rat und Tat an ihrer Seite weiß, will Romy dieses neue Projekt allein meistern. Als eine kleine Panne eine ganze Kette an Missverständnissen nach sich zieht, wird Romy bewusst, dass sie eine weitreichende Entscheidung nicht länger aufschieben darf …

„Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ ist nach „Zeit der Schwestern – Apfelblütentage“ der zweite Roman der „Zeit der Schwestern“-Trilogie bzw. der Reihe um die Bodensee-Schwestern. Auch wenn sich weiterhin gute Argumente dafür finden, das Buch als Liebesroman einzuordnen, würde ich bei der Kategorisierung als Familiensaga verbleiben, sind die drei Teile doch durch die starken Familienbande untereinander geprägt. Zudem setzen die Folgebände – trotz der Fokussierung auf eine andere Hauptperson – die Geschichten der anderen Familienmitglieder nahtlos fort. Dabei kann man den Roman durchaus als Standalone lesen, aufgrund der nahtlosen Anknüpfung an den ersten Band würde ich aber dessen Lektüre vorab empfehlen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils vorhersehbar. Um etwas Vielfalt hineinzubringen erweitert Tanja Huthmacher das – für diesen Band – charakteristische Love Triangle um eine weitere Ebene und stellt der Protagonistin kurzfristig sogar drei potentielle Partner zur Seite. Dabei gelingt es ihr, zumindest kurzzeitig die Leser:innen an dem eigentlich eingeschlagenen Weg zweifeln zu lassen. Allerdings gerät das Buch dafür außerhalb des Haupthandlungsstrangs etwas ins Schwimmen. Während der Vorgängerband hier noch durch externe Konflikte befeuert wurde, legen sich diese nunmehr und es herrscht – etwas eintönig – mehr oder weniger eitel Sonnenschein, wohin man auch blickt.

Das Setting bleibt naturgemäß gleich und somit brillant. Auch dieses Mal entführt Tanja Huthmacher – wie sollte es anders sein – die Leser:innen an den Bodensee, in die malerische Stadt Konstanz, nach Überlingen und – natürlich – aufs Wasser und auf die Mainau. Da man alle Handlungsorte kennt, gibt es wenig Überraschungen, dafür baut die Autorin durch den Filmdreh weitere Themen mit ein wie den Umgang mit Kindern am Set. Thematisch wird sicherlich der dritte Band hier am spannendsten, ist doch ein noch vertiefterer Einblick in Weinbau und Önologie zu erwarten.

Die einzelnen Figuren sind weiterhin vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei entwickeln sie sich (größtenteils) kontinuierlich weiter. Bereits im ersten Band stark, wird Rosalie endgültig zum Scene Stealer und besitzt Lieblingscharakterpotential, aber auch Romy und Marie überzeugen. Tanja Huthmachers Schreibstil lässt sich dabei weiterhin flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, ein dreiseitiger Farbschnitt rundet das hochwertige Gesamtprodukt ab. Das Cover passt sich gut in die Reihe ein, ist allerdings kein Eyecatcher und wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen.

Mein Fazit? „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ ist eine gelungene Fortsetzung der Familiensaga mit abwechslungsreicher Handlung, die in den Nebensträngen aber etwas mehr Komplikationen hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres weiterhin bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Nadine Schojer: „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ (Telefonistinnen 1)

Vor kurzem habe ich auch „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ von Nadine Schojer gelesen. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Köln, 1948. Der Wiederaufbau ist in vollem Gange. Es sind vor allem die Frauen, die für sich und ihre Familien in der zerstörten Stadt ein neues Leben aufbauen. Als Telefonistinnen sorgen Gisela, Hannelore und Julia in einer großen Versicherung für die richtigen Verbindungen zwischen innen und außen. Jede hat ihre eigene Geschichte, für jede von ihnen ist die Arbeit lebenswichtig, jede hat Geheimnisse. Auch Charlotte, die neue Kollegin, die auftritt, als gehörte ihr das Unternehmen. Während die junge Republik entsteht und in den Bars wieder getanzt wird, gehen die Frauen gemeinsam Schritt für Schritt voran in eine neue Welt, die von Umbrüchen, Sehnsüchten und Träumen geprägt ist …

„Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ ist der Auftaktband in Nadine Schojers Buchreihe über vier Telefonistinnen in der Nachkriegszeit – wobei eigentlich auch Erna, die Rezeptionistin, zu der (erweiterten) Clique gehört. Zwar handelt es sich hier bei den Protagonistinnen nicht um eine Familie im eigentlichen Sinne (vielmehr haben alle selbst Probleme mit ihrer jeweiligen „richtigen“ Familie), ich habe das Buch aufgrund der starken freundschaftlichen Bindungen untereinander in Einklang mit der Eingruppierung auf Verkaufsportalen dennoch als (historische) Familiensaga kategorisiert. Eine Zuordnung zum Genre historischer Roman wäre jedoch genauso denkbar gewesen wie im Übrigen auch die zu anderen Genres.

Die Handlung ist abwechslungsreich, läuft relativ stringent an und konzentriert sich auf den Handlungsstrang um Gisela, aber auch über Hanni erfährt man relativ viel, während Julia und Charlotte – letztere ein heimlicher Leserliebling von mir – erst im Laufe der Geschichte dazustoßen und daher ihre Handlungsstränge noch etwas stiefmütterlich ausgebaut sind. Auch das Ende überzeugt größtenteils. So endet der Roman nicht – wie befürchtet – in einem krassen Cliffhanger, sondern ist halbwegs abgeschlossen, lässt jedoch ausreichend Anknüpfungspunkte und Potentiale für die Folgebände, sodass man ihn auch – zumindest in Bezug auf Gisela – als Standalone lesen könnte.

Das Setting ist wenig überraschend, aber erwartbar gut. So entführt die Autorin die Leser:innen ins Köln der Nachkriegszeit, in eine von den Bombardierungen gezeichnete Stadt, die sich gerade erholt und von dem ersten zarten Aufschwung, von Besatzungstruppen und von der Suche nach den Heimkehrern geprägt ist. Nadine Schojer gelingt es dabei, das Flair der Zeit gut einzufangen – und über gelegentlich eingestreute Dialoge und Begriffe in Mundart auch den Charakter der Stadt und ihrer Bewohner zu verkörpern.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – aufgrund der Vielzahl an (wichtigen) Protagonist:innen muss die Entwicklung in den Folgebänden aber noch konsequent weitergehen, damit hier ein rundes Bild entsteht. Bislang überzeugen insbesondere Charlie/Charlotte (trotz des kurzen Auftritts), Hanni und Erna, während insbesondere Julia noch ausbaufähig bleibt und auch Anton und Gisela nicht immer nachvollziehbar handeln. Nadine Schojers Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anspringen und ist im Wesentlichen historisch authentisch, wenn auch der Fokus wohl eher auf der Lesbarkeit gelegen hat.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht entscheidend schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv wird zum Buchrücken hin jedoch jäh unterbrochen. Insgesamt ist der Umschlag eher eintönig und das Covermotiv m.E. nicht in Gänze stimmig. So zeigt es zwar vier Frauen, es fehlt jedoch etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ ist ein gelungener Auftakt in die Reihe, der vor allem mit seinem tollen Setting und einer abwechslungsreichen Handlung punkten kann. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Von realen und fiktiven Frauen | Doppelte Buchpost

In der letzten Zeit erreichten mich auch diese beiden Rezensionsexemplare, die jeweils starke Protagonistinnen in den Mittelpunkt rücken. „Seid nett aufeinander“ von Charlotte von Feyerabend (Droemer Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG) kam dabei im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ von Tanja Huthmacher (Lübbe Verlag, Bastei Lübbe AG) über die verlagseigene Bloggerjury – vielen Dank jeweils dafür. Während sich in Charlottes Buch alles um das aufregende Leben von Beate Uhse dreht, ist Tanjas Buch der zweite Band einer Trilogie um drei Schwestern am Bodensee. Frauenpower ist also in jedem Fall garantiert!

Welche weibliche Protagonistin hat Euch zuletzt so richtig überzeugen können?

[Buchgedanken] Tanja Huthmacher: „Zeit der Schwestern: Apfelblütentage“ (Zeit der Schwestern 1)

Vor kurzem habe ich auch „Zeit der Schwestern: Apfelblütentage“ von Tanja Huthmacher gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Vorab-Leseexemplars als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury.

Es ist Frühling am Bodensee, und ein großes Fest unter blühenden Apfelbäumen steht bevor: Anlässlich des 70. Geburtstags ihrer Mutter Lotte haben sich auch ihre Töchter Carolin, Romy und Veronika unter den Gästen eingefunden. Für die Naturfotografin Carolin, die nach dem Biologiestudium nach Neuseeland ausgewandert ist, liegt der letzte Besuch Jahre zurück. Nun freut sie sich auf ihre Schwestern und sieht erwartungsvoll zwei Wochen Heimatfeeling entgegen. Doch dann wirbelt eine überraschende Entdeckung das Familienleben durcheinander. Und als eine unerwartete Begegnung ihr bisheriges Leben infrage stellt, trifft Carolin eine folgenreiche Entscheidung …

„Zeit der Schwestern: Apfelblütenträume“ ist der erste Band der Trilogie um die drei Schwestern Caro, Romy und Veri – in jedem Band steht eine der drei im Mittelpunkt. Dabei lässt sich das Buch bzw. die Trilogie als solche gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, zeigt es doch Aspekte eines Liebesromans oder auch der Gegenwartsliteratur. Aufgrund der handlungstreibenden familiären Bezüge habe ich das Buch jedoch als Familiensaga eingeordnet, auch wenn hier etwas der starke generationenübergreifende Aspekt fehlt.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich, teils jedoch auch vorhersehbar – und lässt viele, viele Konflikte für die Folgebände offen (richtigerweise, da sie sich nicht um Caro drehen, sondern um ihre Schwestern). Insgesamt wird hier ein Potpourri an familiären Themen gemischt, nahezu jegliche denkbare Krise wird hier aufgefahren – auf die ein oder andere Problematik hätte man dabei durchaus auch verzichten können.

Das Setting ist auf ganzer Linie gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen an den Bodensee und auf die Insel Mainau – eine Besichtigung des Schmetterlingshauses inklusive, die Begeisterung für die Region springt einen hier förmlich an. Dabei mischt Tanja Huthmacher gut zwischen Tradition und Moderne und bindet über die Hobbys und Berufe der Protagonist:innen niederschwellig Themen wie Fotografie, Önologie und Kulinarik mit ein.

Die einzelnen Figuren sind – größtenteils – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nebencharaktere wie Georg und Rosalie, während gerade Veri noch etwas blass verbleibt, dies aber ja spätestens in ihrem eigenen Band noch ändern kann. Tanja Huthmachers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Aussagen zur Buchgestaltung sind nur eingeschränkt möglich, da mir ein Vorab-Leseexemplar vorliegt, das natürlich noch einige Fehler enthält und auch in der Ausstattung nicht mit der (deutlich hochwertigeren) Endversion übereinstimmt. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass das Cover durchaus nett anzusehen ist und sich harmonisch auf dem Buchrücken fortsetzt, insgesamt aber etwas zu lieblich und unauffällig wirkt, um als Eyecatcher zu dienen. Abgerundet wird das Buch übrigens durch eine kleine aber feine Sammlung an Rezepten, die in der Handlung eine Rolle spielen.

Mein Fazit? „Zeit der Schwestern: Apfelblütenträume“ ist ein gelungener Start in die Familiensaga, der vor allem durch sein Setting und tolle Themen punktet, aber auch noch Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Eva Floris: „Vulkanherzsommer“

Vor kurzem habe ich „Vulkanherzsommer“ von Eva Floris gelesen. Das Buch ist 2024 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Schicksalsroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Duft von Zitronen, wilde Kaktusfeigen und mittendrin der alles überragende Ätna. Kaum ist Lena auf Sizilien gelandet, zieht die Insel sie wieder in ihren Bann. Mit gemischten Gefühlen begegnet sie der neuen Familie ihres verstorbenen Vaters, einem berühmten Vulkanologen. Ihre Halbschwester ist fest entschlossen, sie besser kennenzulernen. Aber Lena fällt es schwer, die überschwängliche Anna an sich heranzulassen. Zu schmerzlich sind die Erinnerungen an die Tragödie, die damals auf der Insel geschah. Ablenkung findet sie in den Begegnungen mit dem Künstler Gabriele, der aus Vulkangestein einzigartige Skulpturen erschafft.

„Vulkanherzsommer“ von Eva Floris lässt sich kaum einen Genre zuordnen – und diese Zerrissenheit spiegelt auch etwas das Cover wider. So zeigt das Buch Ansätze eines Liebesromans, wird auf Verkaufsportalen teils aber auch als Gegenwartsliteratur oder Familienroman/Familiensaga eingeordnet. Da ein gemeinsamer Schicksalsschlag der Ausgangspunkt für die gesamte Handlung ist, habe ich schlussendlich das Buch als Schicksalsroman eingeordnet, da mir die Verarbeitung des Erlebten hier fast wichtiger erscheint als die zart anklingende Lovestory.

Die Handlung ist abwechslungsreich und durchaus spannend, teils aber auch mit kleineren Längen versehen. Dabei überzeugt vor allem auch das halbwegs offen gehaltene Ende, auch wenn man das Buch durchaus noch ein Kapitel früher hätte abschließen können – so hat sich zum Ende hin der Fokus doch noch einmal stärker in Richtung Liebesroman verschoben. Gewünscht hätte ich mir zudem noch einige Komplikationen mehr, etwas stärkere Stolperschritte – in fast allen Handlungssträngen.

Das Setting kann naturgemäß überzeugen. So entführt die Autorin die Leser:innen nach Sizilien – und lässt die Liebe zur Region auf jeder Buchseite durchklingen. Dabei hätten die – vorhandenen – Beschreibungen fast noch stärker ins Extreme gehen können, um die Region für die Leser:innen noch greifbarer, spürbarer und erlebbarer zu machen. Auch sonst mischt Eva Flores hier bunt die Themen – allein durch die Leidenschaften der Protagonist:innen werden unter anderem Kunst, Naturkosmetik und Vulkanologie gut aufbereitet und in den Roman eingeflochten. Abgerundet wird das Setting durch typisch sizilianische Rezepte im Anhang des Buches.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Anna (der heimliche Star des Romans, von dem ich gern am Ende noch mehr gelesen hätte) und Lenas Mutter sowie Maria, während Gabriele etwas blass verbleibt und nicht immer nachvollziehbar handelt. Der Schreibstil von Eva Flores lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag wartet mit einer hochwertigen Prägung auf Cover und Buchrücken auf, das Covermotiv ist ästhetisch toll, aber kein Eyecatcher und lässt kaum Rückschlüsse auf das Genre des Buches zu. Zudem wird es leider drastisch zum Buchrücken hin unterbrochen, der dann zusammen mit der Coverrückseite eher schlicht und eintönig daherkommt.

Mein Fazit? „Vulkanherzsommer“ ist ein durchaus abwechslungsreicher Roman, der mit einem tollen Setting und starken Nebencharakteren punktet, aber durchaus auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Beate Rösler: „Eddas Aufbruch“

Vor kurzem habe ich auch „Eddas Aufbruch“ von Beate Rösler gelesen. Das Buch ist 2024 bei Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Um der Enge ihres autoritären Elternhauses zu entkommen, geht die 19-jährige Edda als Au-pair nach Paris. In einer politisch aufgeheizten Zeit verliebt sie sich in den Studenten Marcel, der neue Fragen in ihr weckt: Auf welcher Seite standen ihre Eltern in den Jahren des Nationalsozialismus? Zurück in Frankfurt am Main konfrontiert sie ihren Vater, doch dieser hüllt sich in Schweigen. Erst als Edda alte Feldpost im Schlafzimmer ihrer Mutter entdeckt, kommt sie den Ereignissen der Vergangenheit auf die Spur. Was sie herausfindet, stellt nicht nur ihre Beziehung zu Marcel auf die Probe. Edda muss sich zudem entscheiden, wie weit sie für Gerechtigkeit gehen will … 

„Eddas Aufbruch“ ist eine sehr lose Fortsetzung des Vorgängerromans der Autorin („Helenes Versprechen“) – zumindest trifft man hier teils auf bekannte Charaktere. Dabei sind die Romane jedoch jeweils als Standalone lesbar und angedacht, die Hinweise auf die Verbindungen ergaben sich für mich überhaupt nur durch den Austausch mit der Autorin. „Eddas Aufbruch“ lässt sich zudem nicht ganz einfach einem Genre zuordnen. Auf Verkaufsportalen teils eingruppiert als „Coming of Age“ habe ich mich aufgrund der Erforschung der familiären Vergangenheit dennoch für die Kategorisierung als Familiensaga entschieden – als „historische Familiensaga“ um genau zu sein, da die Handlung zudem mehr als 50 Jahre in der Vergangenheit spielt.

Apropos Handlung: Diese ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Gleichsam ist sie auch Produkt der erzählten Zeit, dennoch hätte ich mir trotz des jugendlichen Leichtsinns von Edda durchaus einen reflektierteren Blick auf die Verbrechen und Anfänge der RAF gewünscht – oder zumindest eine historische Einordnung in einem Nachwort. Auch sind mir die Handlungsübergänge zwischen den Sinnabschnitten teils etwas drastisch. So werden hier gelegentlich Probleme aufgeworfen und sind im nächsten Abschnitt bereits gelöst – dabei ist durchaus manchmal auch der Weg das Ziel, hier hätte man noch eine rundere Geschichte und Charakterentwicklung schaffen können.

Das Setting kann dahingegen völlig begeistern. So entführt die Autorin den Leser in die ausgehenden 60er Jahre zum Besuch des Schahs nach Berlin, in ein Paris der Studentenproteste und ein gutbürgerliches Frankfurter Elternhaus – kurz: in eine Welt im Umbruch mit krassen Gegensätzen, die hier durchaus deutlich werden. Dabei gelingt es Beate Rösler den schmalen Grat zwischen antiautoritärer Opposition und Radikalisierung greifbar zu machen – sie lässt ihre Figuren diesen nämlich regelmäßig überschreiten, sodass man ihnen teils auch kein Happy End mehr gönnt.

Diese Figuren sind somit durchaus auch komplex und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem wichtige Nebenrollen wie Ariane und Florence, während gerade Marcel etwas blass verbleibt und nicht nachvollziehbar handelt – aber vermutlich ist für viele Leser heute die damalige Radikalität nicht mehr wirklich verständlich. Beate Röslers Schreibstil hingegen lässt sich gut und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anspringen und balanciert gut zwischen historischer Authentizität und der Lesbarkeit.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls ordentlich. Das Covermotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, ist dabei durchaus auch ansehnlich, aber austauschbar beliebig. Gern hätte ich mir – wie oben angedeutet – auch ein ausführlicheres Nachwort gewünscht, das das Zeitgeschehen in den größeren historischen Kontext einordnet.

Mein Fazit? „Eddas Aufbruch“ ist eine im Wesentlichen überzeugende historische Familiensaga, die wichtige Themen und Fragen anspricht und aufwirft, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Julia Nowak: „Schatten und Licht: Ein Leben zwischen Liebe und Krieg“

Stunden vor der Leipziger Buchmesse möchte ich heute noch eine Rezension mit Euch teilen – die weiteren ausstehenden (insbesondere vom Seraph) folgen ebenfalls in Kürze. Zuletzt habe ich jedoch „Schatten und Licht: Ein Leben zwischen Liebe und Krieg“ von Julia Nowak gelesen. Der Roman ist 2024 bei Leseglück in der EK2-Publishing GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars nach Rezensionsangebot.

Um seiner Familie nach dem Großen Weltkrieg ein Auskommen zu ermöglichen, verpflichtet sich der friedliebende 18-jährige Hans widerwillig zur Armee. Kurz darauf stellt ihn das Leben auf eine harte Probe … Nach einem tragischen Schicksalsschlag findet sich Hans, am Boden zerstört, in den Wirren der 20er Jahre wieder, wenn Deutschland unaufhaltsam auf die nächste Katastrophe zusteuert. Hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Liebe, trifft Hans eine folgenschwere Entscheidung …

„Schatten und Licht: Ein Leben zwischen Liebe und Krieg“ ist der unter dem Pseudonym „Julia Nowak“ verfasste Debütroman einer baden-württembergischen Lektorin, der zu großen Teilen auf dem Leben ihres Großvaters beruht. Dabei lässt er sich gar nicht so leicht (nur) einem Genre zuordnen. So ist der Roman unzweifelhaft historisch, entführt er den Leser doch in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Gleichsam handelt es sich jedoch auch um eine Familiensaga und – durch das vorweggenommene Ende – durchaus auch um einen Schicksalsroman. Der Einfachheit halber habe ich es dennoch bei der – in meinen Augen am besten passenden – Kategorisierung als historischer Roman belassen.

Die Handlung ist durchaus spannend, auch wenn das Ende aklimaktisch vorweggenommen worden ist. Positiv ist weiterhin, dass – vom Beginn mal abgesehen – anschließend sehr stringent und ohne Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitebenen erzählt wird. Allerdings rast die Autorin hier auch durch die Zeiten, die Jahre 1920 bis 1950 in einem so kurzen Roman von unter 200 Seiten nachzuerzählen, ähnelt teils sehr einem Bericht. Vielleicht hätte man hier an einigen Stellen etwas stärker ausholen können, um die Ereignisse für den Leser greifbarer, spürbarer zu machen – und so auch eine stärkere Bindung zu den Figuren zu ermöglichen. So sind die Zeitsprünge, gerade anfangs, sehr abrupt, groß und nicht immer nachvollziehbar.

Das Setting ist durchweg gelungen. So entführt die Autorin den Leser ins Deutschland der Weimarer Republik, in die dunkle NS-Zeit und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, nimmt ihn mit ins besetzte Frankreich und die Festung Breslau – gerade aus letzterer werden hier eindringliche Bilder gezeichnet, auch wenn man hier vielleicht noch stärker die Verzweiflung und Nutzlosigkeit hätte herausarbeiten können. Und auch die innerdeutschen Schrecken werden hier nur angedeutet; SA, SS, Gestapo spielen nur unbedeutende Nebenrollen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, können jedoch aufgrund der schon angesprochenen Kürze nicht alle im Detail ausgearbeitet werden. Hierbei überzeugen vor allem noch Maries Mutter und Julius als wichtige Nebencharaktere, da sie durch ihre Stärken aber auch Schwächen rund und dreidimensional daherkommen. Julia Nowaks Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist hingegen durchaus ausbaufähig. So sind Lektorat und/oder Korrektorat hier doch vermehrt Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss leicht schmälern, und auch der Satz ist nicht fehlerfrei. Positiv zu sehen ist, dass sich das Titelmotiv auf dem Buchrücken und der Coverrückseite fortsetzt und so ein schönes Gesamtbild entsteht, das jedoch zwar durchaus Anklänge zur Handlung im Buch hat, in der Komposition aber ebenfalls nicht ganz stimmig wirkt und kein Eyecatcher ist.

Mein Fazit? „Schatten und Licht: Ein Leben zwischen Liebe und Krieg“ ist ein durchaus gelungenes Debüt, das mit seinem Setting und einer interessanten und sehr persönlichen Handlung glänzt, aber etwas mehr Fülle hätte vertragen können – und eine bessere Verlagsperformance. Für Liebhaber biographisch angelehnter, historischer Romane dennoch zu empfehlen.

[Buchgedanken] Anne-Marie Garat: „Erinnerung und Lüge“

Vor kurzem habe ich auch „Erinnerung und Lüge“ von Anne-Marie Garat gelesen. Das Buch ist 2023 im GOYA Verlag, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2015 unter dem Titel „La Source“ bei Actes Sud. Das Buch ist als Familiensaga einzuordnen, für die Übersetzung zeichnen Claudia Steinitz und Barbara Heber-Schärer verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ein wundersames Herrenhaus im Herzen der Franche-Comté. Anfang der 1980er reist eine junge Wissenschaftlerin nach Ostfrankreich, vorgeblich für Studien. Mit dem Dorf Mauduit verbindet die Protagonistin auch eine verstörende Kindheitserinnerung. Eine Exkursion wird nie durchgeführt – aber die Protagonistin taucht auf anderem Wege tief in die Vergangenheit Mauduits ein, nämlich durch die Erzählungen der alten Lottie, die als letzte Bewohnerin eines verwunschenen Herrenhauses die Geschichte der Familie Ardenne hütet. Lottie gewährt der Protagonistin Kost und Logis, im Gegenzug muss die junge Frau ihrer Gastgeberin allabendlich am Kamin Gesellschaft leisten, während diese die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner*innen erzählt. Die Wissenschaftlerin wird allmählich in den Bann des Ortes gezogen und zur Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte animiert. Wiederholt kehrt sie nach Mauduit zurück, um mit Lottie den Quellen der Geschichten auf den Grund zu gehen.

„Erinnerung und Lüge“ – selten fiel mir eine Rezension so schwer. So ist der Roman das zweite, ins Deutsche übersetzte Werk der vielfach prämierten und mittlerweile leider verstorbenen französischen Schriftstellerin Anne-Marie Garat. Dabei war der Roman bereits schwerlich einem Genre zuzuordnen, hat Aspekte historischer Romane oder auch der Gegenwartsliteratur. Aufgrund der starken Konzentration auf die Schicksale mehrerer Familien über diverse Generationen, habe ich mich jedoch für die Eingruppierung als Familiensaga entschieden.

Die Handlung ist grundsätzlich interessant und abwechslungsreich, allerdings relativ antiklimaktisch und teils unlogisch und durch abstruseste Zufälle gesteuert. Sie konzentriert sich auf die Geschicke mehrerer Familien, die miteinander verknüpft sind. Dabei werden die einzelnen Handlungsstränge kaum voneinander abgegrenzt, teils ist es sogar schwierig, die einzelne Perspektive zu erkennen, sodass es fast unmöglich ist, der Handlung sinnvoll zu folgen – auch durch die teils absurd langen Mammutsätze über mehr als 20 Zeilen, die das Lesevergnügen komplett wegbrechen lassen.

Das Setting kann im Gegensatz überzeugen. So entführt die Autorin den Leser ins kleinstädtische, ländliche Frankreich zur Zeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nimmt den Leser mit auf eine Reise bis nach Alaska auf den Spuren der frühen Goldgräber. Dabei werden die weltumstürzenden historischen Ereignisse im kleinen an Einzelschicksalen illustriert und greifbar gemacht.

Die Figuren zu beschreiben, ist kaum möglich, treten sie doch im Wesentlichen nur in Erzählungen auf – und haben teils nicht einmal Namen, so wie die Protagonistin des Buches. Insbesondere Anais wird hier unglaublich eindimensional dargestellt – und auch Lottie und die anderen Figuren zeichnen sich durch Egoismus und wenig Vielseitigkeit aus. Lediglich Nebenfiguren wie Marie-France und Abel vermögen hier zu überzeugen, gehören sie doch auch zu den wenigen, die direkt in Kontakt mit der Protagonistin treten. Anne-Marie Garats Schreibstil ist – wie oben bereits angedeutet – zwar poetisch und bildhaft, kommt durch die unnötig langen Sätze jedoch kaum in Geltung, ergießt sich in unzähligen Metaphern und Beschreibungen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind lediglich Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist solide – kann allerdings mangels Kapiteleinteilung auch kaum Struktur vermitteln. Der Buchumschlag ist relativ eintönig, das unter dem Umschlag befindliche Buch sehr einfach gestaltet – farbige Coverinnenseiten, Prägungen oder sonstige Veredelungen sucht man hier vergebens. Das Covermotiv ist durchaus ansehnlich, wenn auch beliebig, es wird jedoch zum Buchrücken hin radikal unterbrochen.

Mein Fazit? „Erinnerung und Lüge“ ist eine Familiensaga, die interessant beginnt, zum Ende hin aber abflacht und insgesamt durch überflüssig lange Sätze und fehlende Sinneinheiten jeden Lesefluss und jegliche Dynamik vermissen lässt. Eingeschränkt für Sprachliebhaber noch zu empfehlen.

[Buchgedanken] Marie Sand: „Wie ein Stern in mondloser Nacht“ (Heimliche Heldin 2)

Vor kurzem habe ich auch „Wie ein Stern in mondloser Nacht“ von Marie Sand gelesen. Das Buch ist 2023 als Droemer Taschenbuch im Droemer Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG veröffentlicht worden und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Immer größer wird die Schere zwischen Arm und Reich im Berlin der 50er-Jahre. Das sieht auch die Hebamme Henni Bartholdy mit wachsender Sorge. Wie kann es sein, dass im Deutschland des Wirtschaftswunders verzweifelte Mütter ihre ungewollten Babys aus Scham und schierer Not aussetzen oder gar töten? Als auch Hennis große Liebe, der Arzt Ed von Rothenburg, keine Antwort weiß, handelt sie. Kurzerhand stellt sie eine Apfelsinenkiste in den Hinterhof ihres Geburtsraumes auf. Bis tatsächlich das erste Findelkind in der Klappe liegt – und lebt!

„Wie ein Stern in mondloser Nacht“ ist der zweite Roman von Marie Sand über eine „heimliche Heldin“ der deutschen Geschichte, die so nicht in den Lehrbüchern steht. Persönlich fällt mir hier schon eine Genrezuordnung schwer – aufgrund der verschiedenen Handlungsstränge in den 50ern und den 2000ern könnte man über eine Familiensaga nachdenken, auch eine historische Romanbiografie wäre denkbar oder auch ein zeitgenössischer Roman, da die Vergangenheit noch nicht allzu weit entfernt ist. Schlussendlich habe ich mich aufgrund des Hauptschwerpunkts der Handlung in den 50er Jahren jedoch für die Eingruppierung als historischer Roman entschieden.

Die Handlung ist kurzweilig und abwechslungsreich, wenn auch teils vorhersehbar, auch durch den Prolog und die zweite, nah an der Jetztzeit spielende, Handlungsebene – auf diesen Zeitstrang hätte man meines Erachtens auch verzichten können, da er wenig zur Handlung beiträgt. Abgesehen davon ist es jedoch wichtig, dass Marie Sand dieses doch eher unterrepräsentierte Thema deutscher Geschichte mit dem Roman in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt hat – erschreckend, wie wenig sich hier über Jahrzehnte getan hatte. Auch wenn Hennis Weg sicherlich nicht der ideale war, ist ihr Mut doch zu bewundern.

Das Setting ist naturgemäß gelungen – etwas anderes würde bei historischen Romanen auch irritieren. So entführt Marie Sand den Leser ins Berlin der (im Wesentlichen) 50er Jahre, lässt den Gegensatz zwischen den Gesellschaftsschichten im Nachkriegsdeutschland deutlich werden, sodass die Beklemmung, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der handelnden Personen für den Leser durchaus spürbar wird, man mit den Charakteren leidet.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Marta und Mol, während Henni nicht immer nachvollziehbar handelt und Liv sich unfair gegenüber ihrer Mutter verhält. Marie Sands Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, trotz einer durchaus vorhandenen Authentizität, die für eine hinreichende Recherche spricht.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten (gerade am Ende) durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht allzu sehr mindern. Der Buchsatz überzeugt, nicht zuletzt auch durch den Beginn jedes größeren Sinnabschnitts auf einer ungeraden Seite. Der Buchumschlag ist mit Klappen und toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv eindringlich, wenn auch die abgebildeten Personen künstlich ins Bild gesetzt scheinen. Auch irritiert der krass abgesetzte Buchrücken, der einen starken Kontrast zum restlichen Buchdesign bildet.

Mein Fazit? „Wie ein Stern in mondloser Nacht“ ist ein gelungener historischer Roman über ein wichtiges, zu oft vernachlässigtes Thema, das den modernen Handlungsstrang aber nicht gebraucht hätte. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Hannah Conrad: „Eine Dame mit Geheimnissen“ (Das Lilienpalais 4)

Vor kurzem habe ich auch „Eine Dame mit Geheimnissen“ von Hannah Conrad gelesen, dem Pseudonym des Autorenquartetts Monika Pfundmeier, Frieda Bergmann, Persephone Haasis und Laila El Omari. Das Buch ist 2023 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

München, 1827. Seit sieben Jahren arbeitet Nanette als Gouvernante bei den von Seybachs, seit sieben Jahren hütet sie ein düsteres Geheimnis. Als nach und nach ihre Schützlinge Johanna, Maximilian und Isabella – dank ihrer Hilfe – Glück und Liebe finden, sucht Nanette einen neuen Sinn in ihrem Leben. Heimlich beteiligt sie sich an der Veröffentlichung pikanter Fortsetzungsromane des Autors Anonymus, die für viel Empörung bei der biederen Münchner Gesellschaft sorgen und zugleich von einer wachsenden Leserschaft verschlungen werden. Nur der Zeitungsverleger Ferdinand von Rückl macht ihr das Leben schwer. Ständig fordert er sie heraus, die Diskussionen mit ihm sind hitzig. Gleichzeitig übt das Feuer, das Nanette in ihm lodern sieht, eine enorme Anziehungskraft auf sie aus. Ein prickelndes Spiel beginnt …

„Eine Dame mit Geheimnissen“ ist nach „Eine fast perfekt Debütantin“, „Ein Graf auf Abwegen“ und „Wirbel um die Komtess“ der abschließende Band der Reihe um das Lilienpalais und erneut als historische Familiensaga einzuordnen – auch wenn die Protagonistin offiziell kein Mitglied der Familie ist, ist sie doch unumstößlich mit den von Seybachs verbunden. Hierbei irritiert jedoch, dass das Buch nicht zeitlich nach den anderen Bänden spielt, sondern parallel zu den Vorgängern. Da deren Geschehen somit hier auch am Rande erwähnt wird, kann „Eine Dame mit Geheimnissen“ als Standalone gelesen werden, empfehlen würde ich es aber nicht.

Die Handlung ist abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen auf – leider sind Kernpunkte allerdings auch etwas vorhersehbar und Teile des Endes nicht zwingend logisch. Aufgrund des für die Reihe unüblich großen Zeitraums, den das Buch abdeckt, ist zudem die Handlung nicht so dicht wie in den Vorgängerbänden. Dennoch gelingt es Hannah Conrad natürlich wieder, den Leser zu fesseln, schließlich haben sich die Geheimnisse um Nanette ja bereits in den ersten Bänden aufgebaut, sodass man voller Erwartung den Auflösungen entgegengefiebert hat.

Das Setting ist naturgemäß brillant und aus den Vorgängerbänden bekannt. Mal wieder entführen die Autorinnen den Leser ins München des 19. Jahrhunderts, in eine pulsierende, sich gerade entwickelnde Stadt voller Bälle, Kultur und hoher Politik. Dabei mischt sich die Geschichte um Adel und Standesunterschiede dieses Mal ähnlich wie im Vorgängerband mit dem Thema Frauen in der Kunst – dieses Mal allerdings mit dem Schwerpunkt auf Literatur.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Da dieser Roman die Dauer aller anderen Romane abdeckt, ist das Charakterportfolio relativ groß – viele treten nur ganz am Rande auf. Positiv überrascht bin ich hier von Gustl, einer tollen Nebenrolle, die für Charme und Witz sorgt. Der Schreibstil von Hannah Conrad ist dabei leicht und flüssig zu lesen, zwar nur teils authentisch – aber das wird ja auch im Nachwort erneut angesprochen.

Die Buchgestaltung vermag natürlich erneut zu überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen – unter anderem mit einer tollen Karte von München. Das Cover ist schön anzusehen und fügt sich gut in die Reihe mit tollem Wiedererkennungswert ein – allerdings fehlt erneut etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Eine Dame mit Geheimissen“ ist der gelungene Abschluss der „Lilienpalais“-Reihe, der vor allem durch sein Setting und die Charaktere überzeugt, aber auch kleinere Schwächen hat und somit nicht ganz an die Brillanz der anderen Bände heranreicht. Für Leser des Genres und Liebhaber der Reihe bedenkenlos zu empfehlen.