[Buchgedanken] Julia Fischer: „Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ (Salon 1)

In der letzten Zeit habe ich „Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ von Julia Fischer gelesen, den Auftakt zu der Salon-Reihe. Das Buch ist 2022 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

1956. Die junge Leni aus dem ländlichen Hebertshausen kann ihr Glück kaum fassen: Die Anstellung bei dem vornehmen Friseur Keller in München ist der erste Schritt zur Verwirklichung ihres großen Traums – ein eigener Salon in der Stadt. Unterdessen hadert ihr Bruder Hans mit seinem Medizinstudium. Seine Leidenschaft gilt der Jazzmusik – und Lenis Freundin Charlotte, die in einer unglücklichen Ehe gefangen ist. Während sie alle darauf hoffen, ihr Glück zu finden, stellt ein Schicksalsschlag ihre Zuversicht auf eine harte Probe …

„Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ ist der Auftakt zu einer Familiensaga um Marlene Landmann, die im Bayern der 50er Jahre von einem eigenen Friseursalon träumt. Dabei kann der Roman – trotz eines doch sehr heftigen Endes – durchaus als Standalone gelesen werden, werden doch relevante Handlungsstränge aufgelöst – jedoch bleibt noch mehr als genug für die Folgebände übrig.

Die Handlung an und für sich ist generell spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar, wobei es der Autorin doch gelingt, mit einigen unerwarteten Wendungen den Leser zu überraschen. Gekonnt flechtet Julia Fischer zudem einige schwere Themen in den Roman mit ein, so werden über die familiären und menschlichen Schicksale hinaus auch Fragen der Beutekunst, Kollektivschuld und Frauenrechte erörtert.

Das Setting ist trotz der Großstadt bayrisch-idyllisch. So verschlägt der Roman den Leser nicht nur nach München, sondern nach Herbertshausen, Murnau und Garmisch, in eine Welt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Kirchgang, Jazzclub und Oktoberfest. Dank des flüssig zu lesenden Schreibstils der Autorin springt dabei das Kopfkino sofort an und sorgt für Bilder, die alten Heimatfilmen zur Ehre gereicht hätten.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Leni vor allem Schorsch, Herr Keller und Charlotte, wobei in Folgebänden noch genug Raum bliebe, die einzelnen Charaktere konsequent weiterzuentwickeln.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchumschlag ist auf dem Titel und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist ansehnlich und toll integriert, etwas mehr Detailliebe hätte aber den Bezug zur Handlung verstärken können, hat der Salon Keller doch drei Schaufenster.

Mein Fazit? „Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ ist ein gelungener Einstieg in die Salon-Reihe, der vor allem dank seinem tollen Setting uund einer abwechslungsreichen Handlung glänzt, aber auch noch Luft für die Folgebände lässt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Diana Gabaldon: „Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ (Outlander 9)

Vor einiger Zeit habe ich „Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ von Diana Gabaldon gelesen, den neunten Teil der weltberühmten Highland-Saga bzw. Outlander-Reihe. Das Buch ist 2021 im Knaur Verlag, Droemer Knaur GmbH & Co. KG, erschienen, die Originalausgabe wurde 2021 unter dem Titel „Go Tell the Bees That I Am Gone“ bei Delacorte Press, New York, veröffentlicht. Das Buch ist als historischer Roman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Barbara Schnell verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

1779 steht für Claire Randall und Jamie Fraser mehr auf dem Spiel als jemals zuvor: Zwar sind sie überglücklich über Briannas Heimkehr – doch niemand weiß, ob die Gefahr, die ihre Tochter mit Mann und Kindern zur Flucht aus dem 20. Jahrhundert gezwungen hat, wirklich gebannt ist. Wie können Claire und Jamie ihrer Familie inmitten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Schutz bieten? Währenddessen hadert der junge William Ransom noch immer mit seiner wahren Abstammung. Und Lord John Grey muss sowohl einen Weg zur Versöhnung finden, als auch neuen Gefahren entgegentreten – im Namen seines Sohnes, und in seinem eigenen …

„Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ setzt die Reihe um Claire und Jamie Fraser nahtlos fort. Und auch wenn man etwas braucht, um wieder hereinzukommen – schließlich liegen viel zu viele Jahre zwischen den Veröffentlichungen der einzelnen Bände -, ist es doch wie nach Hause zu kommen, trifft man doch alle altbekannten und geliebten Charaktere wieder und fühlt sich sofort gut aufgehoben – wie zu erwarten absolutes Jahreshighlightpotential.

Dabei ist bereits die Genrezuordnung umstritten – vereint das Buch doch nicht nur Elemente eines historischen Romans mit denen einer Familiensaga, sondern hat auch fantastische Elemente, die einige sogar deklaratorisch in den Sci-Fi-Bereich schieben würden. Für mich bleiben die Outlander-Bücher jedoch historische Romane, habe ich durch sie doch viel über die schottische Geschichte und die Geschicht der Medizin gelernt.

Die Handlung, die Diana Gabaldon perfekt aus einer Ich- und mehreren personalen Erzählperspektiven erzählt, ist spannend, abwechslungsreich und komplex. Nach und nach werden die einzelnen Handlungsstränge zusammengeführt und teilweise aufgelöst, auch wenn relevante Handlungsteile offen bleiben – und das Buch in diesem Zusammenhang mit einem Cliffhanger endet, was umso tragischer ist, wenn man den erst in ferner Zukunft erwartbaren Erscheinungstermin des nächsten Bandes berücksichtigt.

Das Setting ist – wie in der Reihe üblich – erwartbar perfekt, wenn auch dieses Mal rein auf die amerikanischen Kolonien beschränkt. So nimmt die Autorin den Leser mit auf eine Reise in ein Amerika zur Zeit des Unabhängigkeitskriegs, in eine Welt voller Unruhen, wechselnder Loyalitäten und Ungewissheiten. Dabei lässt sich Diana Gabaldons Schreibstil leicht und flüssig lesen, ist authentisch und trotz der Informationsdichte nie langatmig.

Einzige Konstante in diesen aufwühlenden Zeiten ist der unglaubliche Cast an Protagonisten, die in der Bandbreite wirklich toll entwickelt und gestaltet sind und alle über Stärken und Schwächen verfügen. In diesem Teil überzeugen neben meinen Favoriten der gesamten Reihe (Claire, Brianna und Lord John Grey) auch wichtige Nebencharaktere wie Jenny Fraser, Rachel Hunter, Frances und Harold „Hal“ Grey.

Die Buchgestaltung ist ein wahrer Traum. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Geschichte sind eine Karte voran- und ausführliche Anmerkungen hintangestellt. Der Buchumschlag ist hochwertig geprägt, wunderschön anzusehen und mit Klappen versehen. Das unter dem Umschlag befindliche Buch ist ebenfalls edel gestaltet und kann mit wunderschönen Coverinnenseiten aufwarten, die den Familienstammbaum zeigen.

Mein Fazit? „Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen“ ist die absolut überzeugende Fortsetzung einer der besten Buchreihen aller Zeiten und ein definitives Jahreshighlight. So brilliert das Buch mit einem spannenden Setting, unglaublichen Charakteren und einer interessanten Handlung und ist daher bedenkenlos zu empfehlen (wie alle Teile der Reihe).

[Buchgedanken] Marie Lamballe: „Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“(Atelier Rosen 1)

In den letzten Tagen habe ich „Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“, den Auftakt der neuen Familiensaga von Marie Lamballe gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kassel, 1830. Die zwanzigjährige Elise Rosen betreibt zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter ein kleines Putzmacher-Atelier. Ihre Hutkreationen sind weithin gefragt und öffnen ihnen Türen in höchste gesellschaftliche Kreise. So macht Elise eines Tages die Bekanntschaft der jungen Sybilla von Schönhoff, mit der sie schon bald eine innige Freundschaft verbindet. Als sich deren Verlobter unsterblich in Elise verliebt, gerät diese in einen schweren Konflikt, der sie auf die Spur eines lang gehüteten Geheimnisses führt …

„Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“ vereint viele Aspekte, die eine gute Familiensaga ausmachen – und ist daher ein vielversprechender Auftakt, der Potential für eine tolle Reihe bietet. Dabei wird der Leser in das Deutschland der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geführt, in ein Land voller Kleinstaaterei, Unruhen und Intrigen; ein Land, das sich erst vor kurzem dem Würgegriff Napoleons entzogen hatte.

Die Handlung des Romans ist im Wesentlichen spannend, wenn auch mit einigen Längen, dafür aber auch mit unerwarteten Wendungen versehen. Dabei werden die wesentlichen Handlungsstränge aufgelöst, sodass der Roman als Standalone lesbar ist, es verbleiben aber genug offene Fragen und Punkte – und auch ein kleiner Cliffhanger am Ende -, um Interesse für die Folgebände zu schüren. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass noch ein etwas stärkerer Fokus auf die historischen Ereignisse, auf die Stadtgeschichte Kassels gelegt wird.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Während Elise teils noch etwas blass, wankelmütig und naiv verbleibt, überzeugen vor allem Sybilla, die van Leuwens und Babette. Marie Lamballes Schreibstil lässt sich – trotz authentischer Beschreibungen – leicht und flüssig lesen, gegebenenfalls hätte man den Leser noch mit einem Glossar unterstützen können.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im großen und ganzen solide gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen. Der Buchumschlag ist auf dem Titel und dem Buchrücken hochwertig bedruckt, mit farbigen Coverinnenseiten und Klappen versehen. Cover und Coverrückseite sind ansprechend und hübsch gestaltet, leider unterbricht der Buchrücken die Bilder, setzt diese nicht nahtlos fort und stört daher etwas die Harmonie, wenn man den Buchumschlag insgesamt betrachtet.

Mein Fazit? „Atelier Rosen: Die Frauen aus der Marktgasse“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine neue Familiensaga, der vor allem durch sein Setting und die abwechslungsreiche Handlung glänzt, auch wenn die Protagonistin noch nicht völlig überzeugen kann. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, auch als Standalone lesbar.

Unbekanntes an bekannten Orten | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich zwei tolle Romane des Lübbe Verlags, Bastei Lübbe AG als Rezensionsexemplare über die Bloggerjury – vielen Dank dafür an dieser Stelle. Die Gemeinsamkeit von „Atelier Rosen – Die Frauen aus der Marktgasse“ von Marie Lamballe und „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ von Kim Rabe ist dabei das in Deutschland angesiedelte Setting – etwas, das viel zu selten vorkommt. So spielt Marie Lamballes historischer Roman in Kassel, währen Kim Rabes Urban Fantasy Krimi den Leser nach Berlin verschlägt – ich kann es kaum erwarten. Welches sind Eure liesten Bücher, die in Deutschland spielen? Kennt Ihr vielleicht einen der Romane?

[Buchgedanken] Hanni Münzer: „Solange es Liebe gibt“

Vor kurzem habe ich „Solange es Liebe gibt“ von Hanni Münzer beendet, mein erster Roman der Autorin. Das Buch ist 2021 bei Tinte & Feder, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht worden und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.

Bayern, 1932: Klara wächst ohne Mutter auf. Der Vater ist streng, die Brüder haben für sie nur Spott übrig. Das einsame Mädchen flüchtet in ihre eigene Welt und in die heimliche Liebe zu dem jungen Kaffee-Erben Friedrich. Um Friedrich für sich zu gewinnen, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung …

Berlin, 2010: Nach einem tragischen Schicksalsschlag findet die junge Julie lange nicht zurück ins Leben. Dann stirbt ihr Vater und sie muss in ihren bayerischen Heimatort reisen. Hier wird sie nicht nur mit ihrer herrischen Großmutter Klara konfrontiert, sondern auch mit den unbeantworteten Fragen ihrer Kindheit. Und nicht nur das: Plötzlich muss sie Verantwortung übernehmen für die Mitarbeiter der Kaffeemanufaktur, die seit Generationen im Besitz ihrer Familie ist …

„Solange es Liebe gibt“ ist ein bunter Genremix, der vom Verlag als Schicksalsroman beworben wird, im Ergebnis aber eher eine generationenübergreifende Familiensaga ist, die von Verlust, Trauer, Liebe, Schicksal und Freundschaft handelt, das Leben und historische Ereignisse am Mikrokosmos einer Familie präsentiert. Dabei gelingt es der Autorin, die verschiedenen Zeitlinien gut nebenenander her laufen zu lassen, ohne dass eine zu dominant wird.

Bei der Handlung misslingt aber die Schwerpunktsetzung. So fehlt dem Roman das typische Auf und Ab einer Aktstruktur, die Erholung zwischen den Wendepunkten, stürzen die Protagonisten doch von einer Katastrophe in die nächste, werden von Schicksalsschlägen am laufenden Band gebeutelt, ohne, dass ihnen Momente des Glücks vergönnt werden – so können die dramatischen Ereignisse nicht ihre volle Wirkung entfalten. Einzelne Handlungselemente sind dabei zudem sehr konstruiert, nicht nachvollziehbar und sorgen für Stirnrunzeln.

Die Charaktere sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Edith und Niki, während Julie etwas blass bleibt – und Klara anfangs extrem unsmpathisch war. Gegebenenfalls hätte man durch eine Ich-Perspektive von Julie hier eine stärkere Bindung des Lesers zu ihr erreichen können.

Hanni Münzers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und sorgt dafür, dass das Kopfkino direkt anspringt – was auch nicht zuletzt an dem wunderbaren Setting liegt, sei es die Leyendecker Kaffeewelt oder der Dinzinger Weiher, die beides absolute Sehnsuchtsorte sind.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist schön anzusehen, das Titelbild zieht sich über den gesamten Umschlag und ist durch die tolle Farbgebung sehr auffällig. Allerdings fehlt mir etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit: „Solange es Liebe gibt“ ist eine Familiensaga, die durch ein tolles Setting und spannende Charaktere glänzt, aber auch Schwächen in der Handlung aufweist. Für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Familien im Fokus | Doppelte Buchpost

In den nächsten Tagen werde ich Euch wieder einige Neuzugänge und Buchbesprechungen präsentieren. Den Anfang machen heute zwei Romane, die mich im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de als Rezensionsexemplare erreichten – vielen Dank dafür! Dies ist zum einen Hanni Münzers „Solange es Liebe gibt“, eine Familiensaga aus dem Tinte & Feder Verlag, und zum anderen „Hundstage für Beck“ von Tom Voss, das ich bereits *hier* besprochen habe. Wenn man die Cover betrachtet, könnten sie sowohl von den Farben als auch von der Stimmung her kaum unterschiedlicher sein – aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an :). Kennt Ihr eines der Bücher oder die Autoren bereits?

[Buchgedanken] Mark Sullivan: „Das letzte grüne Tal“

In der letzten Zeit habe ich die historische Familiensaga „Das letzte grüne Tal“ von Mark Sullivan gelesen. Das Buch ist 2021 bei Tinte & Feder, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien ebenfalls 2021 unter dem Titel „The Last Green Valley“ bei Lake Union Publishing, Seattle. Die Übersetzung durch Peter Groth wurde durch Amazon Crossing ermöglicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die vermittelnde Agentur Buchcontact für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Ukraine, März 1944: Es ist tiefer Winter, als Adeline und Emil Martel mit ihren beiden kleinen Söhnen vor der Roten Armee fliehen müssen. Als Deutsche sind sie in ihrer Heimat nicht mehr sicher und es bleibt ihnen nichts Anderes übrig, als sich auf den beschwerlichen Weg gen Westen zu begeben. Der aber wird von den Nazis kontrolliert. Emil, der als Soldat Gräueltaten der SS miterlebte, muss weiter um die Sicherheit seiner Familie fürchten. Besonders, als Adeline einer Jüdin bei der Flucht hilft und sie alle in Gefahr bringt. Doch Emil und Adeline, geleitet von ihrem Glauben aneinander, gehen ihren Weg gemeinsam – immer weiter Richtung Westen.

„Das letzte grüne Tal“ reiht sich nahtlos in die vielen Familiensagen ein, die in den letzten Jahren über deutsche Familien zur Zeit des zweiten Weltkrieges geschrieben wurden. Und so bekannt mittlerweile auch die grundsätzliche Thematik der Vertreibung und Flucht, der Arbeitslager und Kriegsereignisse ist, so wichtig ist doch jede einzelne Geschichte – ist sie doch Zeugnis und Chronik einer Familie. So berührte es mich besonders, im Nachhinein im Internet nicht nur den Grabstein von Emil und Adeline, sondern auch die Historie der Firma und die zukünftigen Generationen zu finden. So wird Geschichte erlebbar und in der Realität verankert.

Die Handlung ist dabei – wenn auch genrebedingt durchaus vorhersehbar – spannend und abwechslungsreich, sie ist teils brutal und beschönigt nicht. So ist „Das letzte grüne Tal“ daher auch kein Buch für zwischendurch, kein Buch um abzuschalten, sondern fordert den Leser emotional und verlangt seine volle Aufmerksamkeit. Dabei sind die Ereignisse teils etwas zu pathetisch geschildert, Mark Sullivan wird jedoch nie zu belehrend.

Das Setting kann dabei auf ganzer Linie überzeugen. Egal ob das Deutschland der Nachkriegszeit, das Gefangenenlager in Poltrawa oder das besetzte Polen in den letzten Kriegswirren – um nur einige der Handlungsorte zu nennen – der Autor beschreibt anschaulich, lebensnah und erschreckend real, lässt das Kopfkino beim Leser sofort anspringen und fesselt ihn so ans Buch.

Die einzelnen Charaktere sind insgesamt – sicherlich auch aufgrund der historischen Vorbilder – plastisch und vielschichtig ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Hierbei glänzen neben Adeline insbesondere auch Nebenfiguren wie Esther, Malia oder das Ehepaar Schmidt, aber auch einige Antagonisten wie Iwanow können überzeugen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist schön, aber auch etwas austauschbar. Vorwort und Nachwort runden das Buch gut ab, allerdings hätte ich mich noch über eine Karte gefreut, die den Treck abbildet, um die Entfernungen noch greifbarer zu machen. Auch ein Stammbaum der Familie Martel hätte den Leser visuell noch besser abholen können.

Mein Fazit? „Das letzte grüne Tal“ ist eine aufwühlende historische Familiensaga, die vor allem durch ein tolles Setting und eine erschreckend anschauliche, spannende Handlung besticht. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16.

[Buchgedanken] Ulla Mothes: „Geteilte Träume“

In der letzten Zeit habe ich „Geteilte Träume“ von Ulla Mothes gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag zur Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Berlin, 1992: Erst als junge Frau erfährt Ingke, dass sie als Säugling zu DDR-Zeiten adoptiert wurde. Wer sind ihre wahren Eltern? Warum haben sie sie einst weggegeben? Und was bedeutet das für ihr Leben heute? Sie macht sich auf die Suche und stößt auf die Geschichte ihrer Herkunftsfamilie, die nach einem gescheiterten Fluchtversuch ihre Tochter verlor. Auf einmal hat die junge Frau zwei Familien, die um sie ringen: Ihre leibliche Mutter, die irgendwann von der BRD freigekauft wurde und bisher nichts über Ingkes Verbleib weiß. Und ihre vermeintlichen Eltern, bei denen sie behütet und geliebt aufgewachsen ist. Doch muss sie sich tatsächlich entscheiden?

„Geteilte Träume“ ist keine leichte Kost. Es ist vielmehr eine Familiensaga, die auch vor den dunkleren Kapiteln der deutschen Teilung nicht zurückschreckt, dabei aber nie den Fokus auf die Familie verliert. Informativ, aber nie belehrend, zeigt Ulla Mothes durch ihre Figuren anschaulich, wie nah Zerrissenheit und Verbundenheit zusammenhängen, und dass man durchaus auch differenziert zum totalitären System der DDR stehen konnte – in einer Grauzone zwischen totaler Ablehnung und fanatischer Zustimmung.

Dabei erkundet die Protagonistin Ingke die Vegangenheit ihrer Familien durch Erzählungen, durch geschickt eingestreute Rückblenden, und erlebt so die Geschichte mehrererer Generationen, während die eigentliche Handlung sich nur über etwa zwei Monate erstreckt. Und so kraftvoll und atmosphärisch die Rückblicke sind, so emotional und beklemmend die Ereignisse geschildert werden, so überzeichnet wirkt – zumindest im Vergleich – die Handlung in der Gegenwart, die von multiplen Schicksalsschlägen und Katastrophen, von jahrzehntealten Zerwürfnissen und mühsam gehüteten Geheimnissen geprägt ist, die alle mir nichts dir nichts mit einem Federstrich bereinigt werden können – etwas konstruiert.

Dahingegen überzeugt das vergangene Setting vollends und zeigt anschaulich und authentisch den damaligen Alltag, gut und verständlich recherchiert und von der Autorin in einem leicht und flüssig lesbaren Schreibstil dargestellt, sodass der Leser direkt mitgenommen wird. Dabei begeistert vor allem Marens Episode vollends und sorgt für emotionale Höhepunkte.

Insgesamt sind die einzelnen Protagonisten vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Während Ingke aufgrund ihres Alters hier noch etwas blass bleibt, teils nicht nachvollziehbar handelt, sind es daher vor allem die Nebenfiguren, die das Buch tragen. Besonders gefallen haben mir hier Maren, Otto, Emma und Bernhard.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und nur minimale Kleinigkeiten durchrutschen lassen. Das Cover ist hochwertig geprägt und verfügt über wunderschöne ausklappbare, farbige Coverinnenseiten. Das Titelbild, das sich in den Coverinnenseiten spiegelt wird leider durch den Buchrücken unterbrochen und zieht sich somit nicht über den gesamten Umschlag. Zudem wirken die auf dem Titel abgebildeten Menschen wie Fremdkörper, deplatziert – ohne diese hätte das Cover noch besser ausgesehen.

Mein Fazit? „Geteilte Träume“ ist eine berührende und aufwühlende Familiensaga, die vor allem durch wunderbar recherchierte und beklemmend erzählte Rückblenden punktet, in der gegenwärtigen Handlung aber kleinere Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Familiensagen und Fans der deutsch-deutschen Geschichte bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Anne Prettin: „Die vier Gezeiten“

Vor kurzem habe ich „Die vier Gezeiten“ von Anne Prettin gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen und dem Genre Familiensaga zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Die Kießlings gehören zu Juist wie die Gezeiten. Als Patriarch Eduard das Bundesverdienstkreuz erhält, kommen sie alle zusammen: Eduards Frau Adda, die drei Töchter, sowie Großmutter Johanne. Doch in die Generalprobe platzt Helen aus Neuseeland, die behauptet, mit der Sippe verwandt zu sein. Und tatsächlich: Sie ist Adda wie aus dem Gesicht geschnitten. Gemeinsam gehen sie dem Rätsel ihrer Herkunft nach. Denn Adda ahnt: Der Schlüssel zur Wahrheit liegt im familieneigenen Hotel de Tiden, dort, wo vor 75 Jahren alles begann.

„Die vier Gezeiten“ ist eine packende, mitreißende Geschichte, ein Buch über die Kraft der Liebe, über Geheimnisse, Verrat und Schuld. Und es ist ein Buch über Freundschaft, über Zusammenhalt und Verzeihung – ein Epos über das Innerste einer Familie. Dabei kommt der symbolträchtigen „Vier“ eine zentrale Rolle in der Geschichte zu. Vier Generationen, vier Töchter – vier Gezeiten.

Das Buch spielt im Wesentlichen auf drei Zeitebenen: der „Gegenwart“ im Jahr 2008, der Jugend Johannes um 1934 und der Jugend Addas um 1956/57. Allerdings wird über Tagebucheinträge, die ich um Spoiler zu vermeiden nicht weiter klassifizieren möchte, „überraschenderweise“ eine vierte Zeitebene eingebaut. Durch den ständigen Wechsel zwischen den Ebenen ist die Handlung sehr sprunghaft und unstet, greift aber im Wesentlichen gut ineinander, auch wenn man sich bisweilen etwas orientieren und die Namen sortieren muss.

Insgesamt packt die Handlung den Leser durchaus und sorgt dafür, dass er mit den Figuren mitfiebert, mitlacht und -trauert. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sich Autorin und Geschichte in der Mitte des Buches etwas verlieren, bevor das Ende rasant, unerwartet plötzlich – und vor allem viel zu kurz und verdichtet daherkommt. Hier hätten einige Seiten mehr, etwas Entschleunigung durchaus gut getan – und zur Not hätten sie früher eingespart werden können.

Abgesehen davon gibt es allerdings wenig zu bemängeln. So ist die Kulisse, das Setting des idyllischen Juist über Generationen hinweg, bezaubernd, und die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen dreidimensional und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Und auch wenn einige Entwicklungen vorhersehbar sind, einige Geheimnisse sich bereits vorausahnen lassen, so überrascht die Autorin doch den Leser zusammen mit den Figuren immer mal wieder auch mit unerwarteten Wendungen. Dabei lässt sich Anne Prettins Schreibstil wunderbar und flüssig lesen, er ist gefühlvoll und humorvoll und sorgt dafür, dass beim Leser das Kopfkino sofort anspringt.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls überwiegend. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist farblich toll und leicht geprägt, das Titelbild allerdings etwas belanglos, hier hätte etwas mehr Bezug zum Inhalt aus meiner Sicht nicht geschadet.

Mein Fazit? „Die vier Gezeiten“ ist eine gelungene Familiensaga, ein Roman über kleine und große Geheimnisse, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende Handlung glänzt, in der Mitte aber kleinere Längen hat. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Rena Rosenthal: „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ (Hofgärtnerinnen 1)

In der letzten Zeit habe ich im Rahmen einer Leserunde „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“, den ersten Band der Hofgärtnerinnen-Saga von Rena Rosenthal gelesen. Das Buch ist 2021 im Penguin Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als historischer Roman beziehungsweise als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Oldenburg, 1891. Als Gärtnerin in der Natur zu arbeiten und die schönsten Blumen dieser Welt zu züchten, davon träumt Marleene schon ihr ganzes Leben. Doch ihr Wunsch scheint unerreichbar, denn eine Gärtnerlehre ist allein Männern vorbehalten. Aber Marleene gibt nicht auf: Kurzerhand schneidet sie sich die Haare ab und verkleidet sich als Junge – und bekommt eine Anstellung in der angesehenen Hofgärtnerei. Marleene ist überglücklich! Doch die anderen Arbeiter machen ihr den Einstieg alles andere als leicht, und es wird zunehmend komplizierter, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Als sie dann auch noch die beiden charmanten Söhne der Hofgärtnerei kennenlernt, werden ihre Gefühle vollends durcheinandergewirbelt. Marleene muss sich entscheiden – folgt sie ihrem Traum oder ihrem Herzen …

Mit „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ legt Rena Rosenthal einen gelungenen Auftakt in die Reihe um die Hofgärtnerinnen vor. Dabei ist der Roman nicht nur Familiensaga, sondern auch ein Spiegelbild der damaligen gesellschaftlichen Entwicklungen, porträtiert er doch, ohne allzu belehrend zu werden, den beginnenden Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und die Rolle der Frau sowie die zarte Auflehnung gegen die immer noch herrschende Unterdrückung.

Dabei begeistert der Roman vor allem durch sein tolles Setting. Das Oldenburg im jungen Kaiserreich, die Hofgärtnerei, die Reise nach Holland – Rena Rosenthal beschreibt anschaulich und zeittypisch die Handlungsorte des Romanes. Die historischen Ungenauigkeiten, auf die die Autorin im Nachwort hinweist, halten sich dabei noch im akzeptablen Rahmen.

Die Handlung ist an und für sich spannend und abwechslungsreich und bietet immer mal wieder ungewohnte Wendungen, die teils aber etwas konstruiert anmuten. Leider werden zum Ende hin aber nur ein Bruchteil der Handlungsstränge aufgelöst, was natürlich viel Potential für die Folgeteile verspricht, allerdings auch dafür sorgt, dass „Frühlingsträume“ nicht als Standalone gelesen werden kann.

Die einzelnen Figuren sind größtenteils vielschichtig angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere auch die Nebencharaktere wie Bruno, Frieda oder Rosalie, über die ich gern in den Folgebänden noch mehr erfahren wollen würde.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und der gesamte Buchumschlag ist hochwertig (auch auf den Klappen!) geprägt, wunderschön anzuschauen und mit tollen farbigen Coverinnenseiten versehen. Das traumhafte Titelbild ist ein wahrer Eyecatcher, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung abgeht, ist Marleene doch ein sehr junges Mädchen mit hellblonden Haaren. Zudem ist im Nachgang zur Geschichte der informative Part mit 25 Seiten meines Erachtens nach etwas zu lang geraten. Zumindest die Fliederfakten und -rezepte hätte man sicherlich auslagern können.

Mein Fazit? „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ ist ein gelungener Auftakt in die Buchreihe um die Hofgärtnerinnen, der vor allem durch ein wunderschönes Setting und tolle Charaktere besticht. Kleinere Schwächen in der Handlung sind dabei zu verschmerzen – ich freue mich schon sehr auf Teil 2. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.