[Buchgedanken] Eva Floris: „Vulkanherzsommer“

Vor kurzem habe ich „Vulkanherzsommer“ von Eva Floris gelesen. Das Buch ist 2024 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Schicksalsroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Duft von Zitronen, wilde Kaktusfeigen und mittendrin der alles überragende Ätna. Kaum ist Lena auf Sizilien gelandet, zieht die Insel sie wieder in ihren Bann. Mit gemischten Gefühlen begegnet sie der neuen Familie ihres verstorbenen Vaters, einem berühmten Vulkanologen. Ihre Halbschwester ist fest entschlossen, sie besser kennenzulernen. Aber Lena fällt es schwer, die überschwängliche Anna an sich heranzulassen. Zu schmerzlich sind die Erinnerungen an die Tragödie, die damals auf der Insel geschah. Ablenkung findet sie in den Begegnungen mit dem Künstler Gabriele, der aus Vulkangestein einzigartige Skulpturen erschafft.

„Vulkanherzsommer“ von Eva Floris lässt sich kaum einen Genre zuordnen – und diese Zerrissenheit spiegelt auch etwas das Cover wider. So zeigt das Buch Ansätze eines Liebesromans, wird auf Verkaufsportalen teils aber auch als Gegenwartsliteratur oder Familienroman/Familiensaga eingeordnet. Da ein gemeinsamer Schicksalsschlag der Ausgangspunkt für die gesamte Handlung ist, habe ich schlussendlich das Buch als Schicksalsroman eingeordnet, da mir die Verarbeitung des Erlebten hier fast wichtiger erscheint als die zart anklingende Lovestory.

Die Handlung ist abwechslungsreich und durchaus spannend, teils aber auch mit kleineren Längen versehen. Dabei überzeugt vor allem auch das halbwegs offen gehaltene Ende, auch wenn man das Buch durchaus noch ein Kapitel früher hätte abschließen können – so hat sich zum Ende hin der Fokus doch noch einmal stärker in Richtung Liebesroman verschoben. Gewünscht hätte ich mir zudem noch einige Komplikationen mehr, etwas stärkere Stolperschritte – in fast allen Handlungssträngen.

Das Setting kann naturgemäß überzeugen. So entführt die Autorin die Leser:innen nach Sizilien – und lässt die Liebe zur Region auf jeder Buchseite durchklingen. Dabei hätten die – vorhandenen – Beschreibungen fast noch stärker ins Extreme gehen können, um die Region für die Leser:innen noch greifbarer, spürbarer und erlebbarer zu machen. Auch sonst mischt Eva Flores hier bunt die Themen – allein durch die Leidenschaften der Protagonist:innen werden unter anderem Kunst, Naturkosmetik und Vulkanologie gut aufbereitet und in den Roman eingeflochten. Abgerundet wird das Setting durch typisch sizilianische Rezepte im Anhang des Buches.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Anna (der heimliche Star des Romans, von dem ich gern am Ende noch mehr gelesen hätte) und Lenas Mutter sowie Maria, während Gabriele etwas blass verbleibt und nicht immer nachvollziehbar handelt. Der Schreibstil von Eva Flores lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag wartet mit einer hochwertigen Prägung auf Cover und Buchrücken auf, das Covermotiv ist ästhetisch toll, aber kein Eyecatcher und lässt kaum Rückschlüsse auf das Genre des Buches zu. Zudem wird es leider drastisch zum Buchrücken hin unterbrochen, der dann zusammen mit der Coverrückseite eher schlicht und eintönig daherkommt.

Mein Fazit? „Vulkanherzsommer“ ist ein durchaus abwechslungsreicher Roman, der mit einem tollen Setting und starken Nebencharakteren punktet, aber durchaus auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Von großen Gefühlen und großen Geschichten | Lovelybooks-Buchpost

In der letzten Zeit erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Vulkanherzsommer“ von Eva Floris (S. Fischer Verlag GmbH, S. Fischer Verlage) ist dabei „ein Roman über die Suche nach sich selbst und das Ankommen“ – große Gefühle sind hier garantiert. „Theseus und der Entotaurus“ von Lorenza Cingoli und Martina Forti mit Illustrationen von Gonzalo Kenny (Egmont BÄNG!, Egmont Verlagsgesellschaften mbH) erzählt hingegen in der Übersetzung von Michelle Luis Markau eine der großen Geschichten der griechischen Mythologie neu – mit den allseits bekannten und beliebten Disney-Charakteren aus Entenhausen. Wenn das mal kein vielversprechendes Duo ist!

Mögt Ihr die griechische Mythologie?

[Buchgedanken] Katharina Oswald: „Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ (Lindenhof 1)

Vor kurzem habe ich „Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ von Katharina Oswald gelesen. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich das Autorinnenduo Andrea Bottlinger und Claudia Hornung. Das Buch ist 2023 bei FISCHER Taschenbuch, S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Hohenlohe 1953: Nach dem Tod des Vaters kommen Marianne, ihre Mutter und ihre kleinen Schwestern kaum über die Runden. Die alte Schreinerei, einst Stolz der Familie, verfällt. Doch Marianne will sich dem Schicksal nicht ergeben. Zu sehr liebt sie den Duft der Werkstatt, die sanfte Wärme des Holzes unter ihren Fingern. Sie will wieder aufbauen, etwas ganz Neues wagen. Nur wer traut ihr das als Frau in diesen Zeiten zu? Marianne muss um ihren Traum kämpfen. Doch dann verliebt sie sich ausgerechnet in den traumatisierten Kriegsheimkehrer Alexandre…

„Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ ist eine Familiensaga, die – im ersten Band – den Zeitraum zwischen 1953 bis 1957 bzw. in Alexandres Fall den Zeitraum zwischen 1951 und 1957 abdeckt. Dabei konzentriert sich die Handlung im Wesentlichen auf die Geschicke der Familie Wagner um Marianne und Henni, streut aber auch dunkle Themen wie Kriegstraumata und toxische Beziehungen mit ein, wie man auch den der Geschichte nachgestellten Content Notes entnehmen kann.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, teils aber vorhersehbar. Gerade der Einstieg wird dem Leser hier jedoch leichtgemacht, werden doch trotz des Genres nur einige, wenige Handlungsstränge parallel angelegt, sodass relativ stringent erzählt werden kann und man sofort im Lesefluss ist. Ebenfalls positiv zu erwähnen ist das runde und gelungene Ende, das weder in einem großen Cliffhanger mündet, noch wesentliche Handlungsstränge unabgeschlossen lässt, lediglich fast zu klischeehaft happy ist.

Das Setting kann ebenfalls überzeugen. So entführt die Autorin den Leser nach Baden-Württemberg, in die Region Hohenlohe und nach Schwäbisch Hall, sowie nach Nürnberg – in ein Deutschland der 50er Jahre zwischen Wiederaufbau, Kriegsentschädigung und Besatzung. Dabei ist der Schreibstil der Autorin leicht und flüssig lesbar, authentisch und zeitgemäß und lässt so das Kopfkino sofort anlaufen.

Trotz der wenigen Handlungsstränge spielen im Verlauf des Buches doch immer mehr Charaktere eine wichtige Rolle, sodass diese, auch aufgrund der Kürze des Buches, nicht alle im Detail angelegt werden können. Ich hoffe daher, einigen in den Folgebänden erneut zu begegnen, nachdem diese konsequent weiterentwickelt wurden. Bislang überzeugten Henni, Ludwig und Ruth, während Marianne doch etwas blass verblieb bzw. nicht immer nachvollziehbar handelte.

Die Buchgestaltung ist sehr gut. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf Cover und Coverrückseite hochwertig geprägt sowie mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist idyllisch und nett anzusehen, auf die abgebildete Person hätte man jedoch verzichten können, da sie die Gesamtkomposition doch etwas stört.

Mein Fazit? „Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ ist ein guter Beginn in die Familiensaga um die Familie Wagner, der vor allem durch sein tolles Setting brilliert, teils aber auch etwas vorhersehbar ist. für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

Von Frauen mit Visionen | Doppelte Buchpost

Und auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Die nächste Depperte“ von Susanne Kristek (Gmeiner-Verlag) ist dabei ein schwarzhumoriges Buch über den steinigen Weg zur Autorin, „Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ vom Autorinnenduo Katharina Oswald (FISCHER Taschenbuch, S. Fischer Verlage) der Beginn einer neuen Familiensaga über Frauen, die ihren Platz im Nachkriegsdeutschland der 50er-Jahre behaupten.

Mögt Ihr humoristische Bücher?

[Buchgedanken] Lisa Kirsch: „Querbeet ins Glück“

In der letzten Zeit habe ich „Querbeet ins Glück“ von Lisa Kirsch gelesen. Das Buch ist 2022 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Maddie hat es fast geschafft: Ihr Traumjob als Musicaldarstellerin ist zum Greifen nah. Um richtig Fuß zu fassen, darf sie sich auf keinen Fall ablenken lassen. Doch dann stolpert Maddie durch Zufall in den Gemeinschaftsgarten “Grüne Freiheit”. Auf einmal merkt sie, was ihr gefehlt hat: Sie genießt das Gefühl von frischer Erde zwischen den Fingern, freundet sich mit der wilden Lila an und bekommt Herzklopfen, wenn der unverschämt gutaussehende Mo ihr beim Johannisbeeren-Ernten hilft. Aber Maddie kann sich nicht zweiteilen und ihr wird klar: Früher oder später muss sie sich zwischen ihren Gartengefühlen und ihrem Karrieretraum entscheiden.

„Querbeet ins Glück“ ist – zumindest im Wesentlichen – ein klassischer Feel-Good-Roman und idealer Begleiter für den stressigen Alltag, um einfach mal für ein paar Stunden abzuschalten. Dabei entführt Lisa Kirsch den Leser in das schrullige, hippe Berlin zwischen Musical und Schrebergarten, zwischen bis ins kleinste Detail durchgetakteten Tagen und anarchisch-alternativen Lebensweisen.

Die Handlung ist dabei erwartbar seicht, aber nichtsdestotrotz durchaus spannend und abwechslungsreich. Schwere Themen spielen zwar schon eine Rolle, nehmen aber nie überhand, um die Wohlfühlzone nicht zu verlassen. Nur gegen Ende hin fällt die Handlung etwas ab, da das Ende durchaus problematisch ist und nur in der Lovestory die Handlungsstränge zufriedenstellend auflöst.

Die einzelnen Protagonisten sind – zumindest teils – dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen vor allem einige Nebencharaktere wie Lila und Rainer – oder auch die Tiere wie Inge und Opa – und der Fässchenkühler. Dahingegen bleibt Mo etwas blass.

Der Schreibstil von Lisa Kirsch lässt sich leicht und flüssig lesen und transportiert authentisch die Berliner Schnauze und das Lebensgefühl der Stadt, ohne allzu sehr zu übertreiben oder Lesebarrieren für Nichtberliner aufzubauen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei, hätte bei Maddies Listen aber etwas mehr Mut vetragen können. Beim Cover überzeugen vor allem die farbigen Coverinnenseiten und die schöne Coverrückseite, das Covermotiv holt mich hingegen nicht wirklich ab.

Mein Fazit: „Querbeet ins Glück“ ist ein authentischer Wohlfühlroman mit interessanten Gegensätzen, aber auch einem eher schwachen Ende. Für Liebhaber von Liebesromanen dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Tom Voss: „Eiszeit für Beck“ (Nick Beck 2)

Vor einiger Zeit habe ich „Eiszeit für Beck“ von Tom Voss gelesen, den zweiten Band der Reihe um Nick Beck und Cleo Torner nach dem Auftaktroman „Hundstage für Beck“. Das Buch ist 2021 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag (und die Glücksfee) für die Bereitstellung eines Leseexemplars im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de.

Es ist Winter in Hamburg, und entsetzliche Morde erschüttern die Stadt. Der Elbripper ist zurück, nachdem er fast zwei Jahre lang verschwunden war. Elf Opfer gehen schon auf sein Konto. Und Nick Beck hat auf der Jagd nach ihm seine Kollegin im Einsatz verloren. Daraufhin nahm er Abstand vom LKA-Dienst und ließ sich versetzen. Aber jetzt wird er reaktiviert, denn niemand kennt den Serienmörder so gut wie er. Doch irgendetwas ist anders: Die Rituale des Killers scheinen sich verändert zu haben. Hat der Elbripper seinen Modus geändert? Oder haben es Nick Beck und Cleo Torner mit einem Nachahmer zu tun? Nur eines ist klar: Der Täter ist gefährlicher als je zuvor …

„Eiszeit für Beck“ ist der zweite Band um Nick Beck und Cleo Torner, wobei letztere in diesem Roman eher eine untergeordnete Rolle spielt – gleichsam aber die Sympathieträgerin bleibt. Die Handlung setzt kurz nach dem Ende des Vorgängerbandes an und schreibt diese nahtlos weiter, weicht aber überraschenderweise von den im Epilog des ersten Bandes angedeuteten Geschehnissen stark ab und löst gleich zu Beginn das große Mysterium auf, das die Buchreihe über mehrere Bände hätte tragen können – sehr antiklimaktisch.

Abgesehen davon ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich, teils überraschend und insgesamt stärker als die des ersten Bandes. So trifft man altbekannte Charaktere wieder, lernt aber vereinzelt auch neue Protagonisten wie Bekka kennen. Durch die Verlagerung der Handlung in die Metropole Hamburg geht dabei dem Roman etwas das Flair eines Regionalkrimis ab, das dem ersten Teil noch anhaftete. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Reihe hier entwickelt.

Das Setting ist in Konsequenz durchaus mondäner, auch wenn der Autor versucht, die Großstadt auf andere Weise zu zeigen, indem er die Handlung in die Vororte und vor allem zu Lost Places bringt. Dabei beschreibt Tom Voss, dessen Schreibstil sich gut und flüssig lesen lässt, anschaulich, hätte aber durchaus noch detaillierter sein können, um das Grauen beim Leser noch zu erhöhen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Neben Cleo überzeugen vor allem Nebencharaktere wie Lola, während Nick Beck sich zwar im Vergleich zum ersten Teil deutlich steigert, zum Schluss aber gesammelte Sympathiepunkte wieder verspielt, sodass er noch mindestens einen dritten Teil braucht, um insgesamt zu überzeugen.

Die Buchgestaltung ist im großen und ganzen ordentlich, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist relativ einfach gearbeitet, das Cover farblich auffällig und vom Motiv her eher austauschbar, sorgt aber von der Gestaltung für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe.

Mein Fazit? „Eiszeit für Beck“ setzt die Reihe um Nick Beck gelungen fort. Dabei steigert sich das Buch im Vergleich zum Vorgänger mit einer spannenden, und teils unerwarteten Handlung, löst aber zugleich einen der Kernpunkte der Reihe direkt zu Anfang antiklimaktisch auf. Für Liebhaber von Kriminalromanen bedenkenlos zu empfehlen, allerdings nicht als Standalone und nicht unter einem Lesealter von 16.

Von Parks und Gärten | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich wieder zwei Bücher, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. „Querbeet ins Glück“ von Lisa Kirsch wurde mir von der der S. Fischer Verlag GmbH mit wundervollen Goodies über eine Leserunde auf Lovelybooks.de zur Verfügung gestellt und „Fabula – Das Portal der dreizehn Reiche“ von Akram El-Bahay vom Baumhaus Verlag in der Bastei Lübbe AG über die Bloggerjury – vielen Dank an die jeweils beteiligten Verlage für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare.

Kennt Ihr eines der Bücher bereits?

[Buchgedanken] Tom Voss: „Hundstage für Beck“ (Nick Beck 1)

In der letzten Zeit habe ich „Hundstage für Beck“ von Tom Voss gelesen, den ersten Band einer Reihe um den Ermittler Nick Beck. Der Roman ist 2021 bei FISCHER Taschenbuch, S. Fischer Verlag GmbH, veröffentlicht worden und als Kriminalroman einzugruppieren. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Bei Tom Voss handelt es sich um ein neues Pseudonym des Autors Sven Koch, der auch bereits als Pierre Lagrange Krimis für die S. Fischer Verlage veröffentlicht hat.

Nordbek – der kleine Ort im Hamburger Norden hat außer Natur und Einsamkeit nicht viel zu bieten. Genau der richtige Ort für den gefallenen LKA-Ermittler Nick Beck, der sich nach einem traumatischen Einsatz in die Provinz versetzen lässt. Hier ertränkt er allabendlich seinen Frust in Alkohol. Als er eines Nachts auf einer einsamen Landstraße eine junge Frau überfährt, die nur mit einem BH bekleidet war, lässt er die Leiche in Panik verschwinden. Doch bald wird ihm klar, dass die Schäden an seinem Auto nicht darauf hindeuten, dass er die Frau wirklich überfahren hat. Sie muss schon tot auf der Straße gelegen haben. Nur was ist passiert? Kurzerhand platziert Beck die Leiche so, dass sie gefunden wird. Zusammen mit Cleo Torner vom LKA Hamburg, die ihn bei den Ermittlungen unterstützen soll, versucht Nick Beck dem Verbrechen auf die Spur zu kommen. Dabei stößt er auf menschliche Abgründe, die tiefer sind, als er sich hätte vorstellen können.

„Hundstage für Beck“ ist ein klassischer Auftakt in eine Krimireihe. Ein Ermittler versetzt an einen neuen Einsatzort, eine Tote, ländliche Idylle und viel Lokalkolorit. Was „Hundstage für Beck“ jedoch von vergleichbaren Büchern unterscheidet, ist, dass Nick Beck bereits am Anfang sämtliche Sympathien verliert. Durch seine Sucht fällt er von einer Katastrophe in die nächste, und ist vielmehr damit beschäftigt, sich selbst vor (gerechtfertigten) Konsequenzen zu retten, als eigentlich wirklich zu ermitteln, verletzt er doch unzählige Gesetze und quasi alle Regeln vernünftiger Polizeiarbeit.

Nichtsdestotrotz ist die Handlung natürlich dennoch spannend, abwechslungsreich und hält auch immer mal wieder einige unerwartete Wendungen für den Leser bereit, wenn auch Teile zumindest vorhersehbar sind. Dabei wird die Spannung vor allem dadurch ergänzt, dass man als Leser nicht nur dem Täter, sondern auch dem Protagonisten am Ende eine gerechte Strafe wünscht.

Das Setting brilliert auf ganzer Linie, dörfliche Idylle, High-Society und mafiöse Strukturen wechseln sich mit nüchternen Ermittlungsräumen und hierarchischen Polizeistrukturen ab. Abgründe des Landlebens, organisierte Kriminalität und Machtvakuen – der Autor erschafft hier eine Kulisse, die die Spannung bereits regelrecht garantiert.

Dabei wird die Geschichte aus diversen Perspektiven erzählt, um immer mehr Puzzlestücke aufzudecken. Die einzelnen Perspektiven wechseln meist kapitelweise, teils aber auch innerhalb eines Kapitels, was nicht immer zur Übersicht beiträgt. Dennoch gelingt es dem Leser gut, den einzelnen Handlungssträngen zu folgen, sich in die Figuren hineinzuspüren – auch wenn man das, insbesondere bei Nick, gar nicht so wirklich will. Etwas kurz kommt mir hierbei die Jugendclique um Fee, Morten, Marie und Rasmus, die noch so viel mehr Drama, so viel mehr Gewicht hätte haben können, sind doch gerade die Verwicklungen der Personen untereinander unglaublich spannend.

Die einzelnen Figuren sind dabei durchaus gut angelegt, insbesondere überzeugen Cleo, Marie und Morten. Nick bleibt hingegen – auch dank seiner Sucht – etwas eindimensional. Während es Tom Voss gelingt, die einzelnen Handlungsstücke rund um den Fall gut aufzulösen, bleibt dies jedoch leider gerade hinsichtlich der einzelnen Charaktere aus. So wird weder Cleos und Chris‘ Beziehung geklärt, noch Nicks Zukunft, was den Leser etwas enttäuscht zurücklässt.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist eindrucksvoll, zieht sich über den gesamten Buchumschlag und gibt die Stimmung des Buches gut wieder. Mir fehlt hier jedoch etwas der Bezug zur Geschichte, wenn man bedenkt, dass der Unfall auf der Straße im Dunklen geschehen ist – und es ist eindeutig klargestellt, dass es nur einen kleinen Blutfleck auf der Straße gab, während auf dem Cover doch eine größere Lache zu sehen ist.

Mein Fazit? „Hundstage für Beck“ ist ein gelungener Kriminalroman, der vor allem durch eine spannende Handlung und ein brillantes Setting überzeugt, bei der Figur des Ermittlers aber noch Luft nach oben lässt und nicht alle Handlungsstränge zufriedenstellend auflöst. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.