[Buchgedanken] Lorenza Cingoli / Martina Forti: „Theseus und der Entotaurus“

Vor kurzem habe ich auch „Theseus und der Entotaurus“ von Lorenza Cingoli und Martina Forti gelesen. Die Illustrationen stammen aus der Feder von Gonzalo Kenny, für die Übersetzung zeichnet Michelle Luis Markau verantwortlich. Das Buch ist 2024 bei Egmont BÄNG! Books, Egmont Verlagsgesellschaften mbH erschienen und als Bilderbuch für Kinder einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Vor langer, langer Zeit im antiken Griechenland: Der steinreiche König Minos lässt ein Labyrinth bauen, um Touristen auf die Insel Kreta zu locken. Doch bald geht das Gerücht um, dass ein Monster durch die Gänge des Irrgartens spukt. Kann der mutige Theseus das Geheimnis lüften?

„Theseus und der Entotaurus“ ist die Nacherzählung der klassischen griechischen Sage mit den altbekannten Figuren aus Entenhausen. Das Bilderbuch richtet sich an jüngste Leser:innen ab 4-5 Jahren (die Angaben variieren hier). Bei der hiesigen Ausgabe handelt es sich um eine Übersetzung – Michelle Luis Markau ist ja oben bereits als Verantwortliche dafür benannt. Obwohl das Buch als Übersetzung aus dem Englischen betitelt wird, ist die einzige andere Ausgabe, die ich finden kann, die italienische von 2023 mit dem Titel „Teseo e il Papertauro“, erschienen bei Giunti Editore. Dies würde als Originalausgabe auch besser zu den italienischen Autorinnen passen.

Die Handlung ist natürlich für jeden, der entfernt mit der Sage vertraut ist, durchaus vorhersehbar, aber dennoch abwechslungsreich und wird durch die tollen Illustrationen von Gonzalo Kenny nicht nur unterstützt, sondern maßgeblich ergänzt. Dabei wird die Geschichte kind- und somit altersgerecht dargestellt, die einzelnen Figuren spiegeln nicht nur optisch sondern auch in den Eigenschaften ihre bekannten Pendants aus Entenhausen wider, teils wurden nicht einmal die Namen angepasst.

Auch Gonzalo Kennys Zeichenstil lässt Kindheitserinnerungen wach werden – und baut als Easter Egg nicht nur die Bewohner von Entenhausen in die Geschichte ein, sondern lässt Minnie und Micky Maus auch einen kurzen Auftritt als Artemis und Apollo absolvieren. Dabei spiegeln die Bilder durch die Farbgebung gut die Grundstimmung des jeweiligen Abschnitts der Handlung wider und sind insgesamt das Highlight des Kinderbuches. Der Schreibstil der Autorinnen ist altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen.

Die Buchgestaltung ist solide, der Buchsatz ist gelungen, Bild und Text werden hier zu einem tollen Gesamtprodukt verwoben. Lektorat und Korrektorat sind jedoch bei der Kürze des Textes ein kapitaler Fehler durchgerutscht – das sollte normalerweise nicht passieren. Der Buchumschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt, das Covermotiv wird leider zum Buchrücken drastisch unterbrochen, auf der Coverrückseite findet sich ein anderes, detailliertes Bild. Insgesamt ist das Covermotiv durchaus ansehnlich und spiegelt einige Details der Geschichte wider, jedoch fehlt mir etwas der konkrete Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Theseus und der Entotaurus“ ist eine altersgerechte Nacherzählung der griechischen Sage, die vor allem durch tolle Zeichnungen punktet, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab fünf Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

Von großen Gefühlen und großen Geschichten | Lovelybooks-Buchpost

In der letzten Zeit erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Vulkanherzsommer“ von Eva Floris (S. Fischer Verlag GmbH, S. Fischer Verlage) ist dabei „ein Roman über die Suche nach sich selbst und das Ankommen“ – große Gefühle sind hier garantiert. „Theseus und der Entotaurus“ von Lorenza Cingoli und Martina Forti mit Illustrationen von Gonzalo Kenny (Egmont BÄNG!, Egmont Verlagsgesellschaften mbH) erzählt hingegen in der Übersetzung von Michelle Luis Markau eine der großen Geschichten der griechischen Mythologie neu – mit den allseits bekannten und beliebten Disney-Charakteren aus Entenhausen. Wenn das mal kein vielversprechendes Duo ist!

Mögt Ihr die griechische Mythologie?

[Buchgedanken] Katee Robert: „Neon Gods – Hades & Persephone“ (Dark Olympus 1)

Vor kurzem habe ich „Neon Gods – Hades & Persephone“, den Auftaktband der „Dark Olympus“ Reihe von Katee Robert, gelesen. Das Buch wurde 2022 bei LYX in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel „Neon Gods (Dark Olympus Book 1)“ bei Sourcebooks Casablanca. Der Roman ist der Dark Romantasy zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Anika Klüver verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Als ihre Mutter Persephone auf einem Ball überraschend Zeus verspricht, bleibt der jungen Frau keine Wahl: Sie flieht über die Brücke des Styx in die Unterstadt, wo sie plötzlich dem geheimnisvollen Hades gegenübersteht. Seit Jahren hat ihn niemand mehr gesehen, er ist ein Mythos, ein Monster – und ihre einzige Chance, Zeus und ihrer Mutter zu entkommen. Vom ersten Augenblick an übt Hades eine Faszination auf Persephone aus, der sie sich nicht entziehen kann. Und so bietet sie ihm einen Deal an, der ihrer beider Leben für immer verändern wird …

„Neon Gods – Hades & Persephone“ ist der erste Teil der „Dark Olympus“ Reihe, die verschiedene Genre vereint. So sind die Bücher der Phantastik, ja sogar der griechischen Mythologie zuzuordnen, balancieren aber zugleich auf der Grenze zwischen New Adult und Erotik mit einem Schuss Dark Romance. Ich habe dies mal als „Dark Romantasy“ zusammengefasst, etwas, womit die Autorin im Hinblick auf den Reihentitel sicherlich leben kann.

Denn die Handlung ist – und hier liegt ein starker Fokus – einfach heiß – oder neudeutsch spicy. Dabei ist der Band in sich abgeschlossen und kann gut als Standalone gelesen werden, im nächsten Teil geht es dann mit einem weiteren Pärchen aus Olympus weiter. Zwar entsteht teils das Gefühl, dass die Rahmenhandlung hier doch etwas zugunsten der erotischen Szenen vernachlässigt wird, dies ist aber aufgrund der unglaublichen Chemie zwischen Hades & Persephone nicht schlimm, sorgen die einzelnen Aufeinandertreffen doch jeweils für ein, zuweilen auch emotionales, Feuerwerk und ein Knistern, das selbst durch die Buchseiten deutlich zu spüren ist.

Das Setting ist naturgemäß brillant. So entführt die Autorin den Leser in die Stadt Olympus, eine Art Neugestaltung des Olymps auf dem heutigen Stand der Technik – Klatschzeitschriften, Autos und moderne Sicherheitssysteme inklusive. Sie nimmt den Leser mit auf göttliche Partys von Zeus und in die Stadt des Hades – und lässt ihn letztere zusammen mit Persephone durch deren Augen entdecken und lieben lernen. Dabei ist Katee Roberts Schreibstil leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Persephone vor allem ihre Schwestern Psyche und Eurydike sowie Hermes, während Hades noch ein paar Ecken und Kanten mehr vertragen hätte. Daher bin ich umso gespannter auf den nächsten Teil der Reihe, dreht er sich doch um Psyche und ihre legendäre Beziehung zu Eros, der in diesem Teil am Rande ebenfalls bereits auftauchte.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls auf ganzer Linie überzeugend. So sind Lektorat, Korrektorat und Buchsatz solide, der Buchumschlag ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig geprägt, mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten (unter anderem einer Karte der Handlungsorte) versehen – sehr edel. Das Cover ist zwar schlicht, farblich und typografisch aber ein absoluter Traum – und somit ein toller Eyecatcher, der hoffentlich mit den anderen Bänden der Reihe einen einheitlichen Gesamteindruck ergibt.

Mein Fazit? „Neon Gods – Hades & Persephone“ ist Dark Romantasy as its finest – und brilliert mit einem tollen Setting und unglaublich gefühlvollen und heißen Szenen. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – definitiv nicht unter dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren, vielleicht auch erst ein oder zwei Jahre später.

Von Göttern und Wundern | Doppelte Buchpost aus der Bloggerjury

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare über die Bloggerjury der Bastei Lübbe AG – vielen Dank dafür! Während es den Leser in „Zirkus der Wunder“ von Elizabeth MacNeal (Eichborn Verlag) ins viktorianische England verschlägt, nimmt „Neon Gods – Hades & Persephone“ von Katee Robert (LYX Verlag) den Leser mit auf eine Reise in die griechische Mythologie. Eine hochspannende Kombination!

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?

[Buchgedanken] Nora Bendzko: „Die Götter müssen sterben“

In der letzten Zeit habe ich „Die Götter müssen sterben“ von Nora Bendzko gelesen. Der Roman ist 2021 bei Knaur Taschenbuch im Knaur Verlag, Droemer Knaur Gmbh & Co. KG veröffentlicht worden und den Genres Dark Fantasy und Historical Fantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Troja wird fallen – und die Götter müssen sterben! So besagt es eine Prophezeiung von Artemis selbst, der mächtigen Göttin der Jagd, Herrin des Mondes und Hüterin der Frauen. Wenn die prunkvolle Stadt in Schutt und Asche liegt und das Schicksal der Götter besiegelt ist, sollen die Amazonen die Welt beherrschen. Doch Artemis segnet ausgerechnet Areto, die keine Kriegerin ist, mit ihren Kräften. Wie kann eine wie sie der Macht einer Göttin würdig sein? Aretos Erwählung spaltet die Amazonen in zwei Lager – ein Konflikt, der ihrem Volk im Trojanischen Krieg den Untergang bringen könnte.

Puh, das war ein wilder Ritt, auf den Nora Bendzko ihre Leser mitgenommen hat. „Die Götter müssen sterben“ ist im positiven Sinne unangepasst, brutal, erotisch und grenzüberschreitend. Es mischt die Genres von Dark Fantasy, Historical Fantasy und Mythic Fiction und bringt dem Leser die Welt der griechischen Götter- und Heldensagen näher – in einer Weise, auf die George R. R. Martin stolz wäre, metzelt sich die Autorin doch durch die Reihen von Freund und Feind und pflastert die Buchseiten mit Leichen von liebgewonnenen Charakteren.

Doch bevor ich genauer zur Handlung komme, möchte ich noch auf einige andere Punkte eingehen. So kann man zu Triggerwarnungen stehen, wie man will – meines Erachtens kann man, wenn man zu einem Buch des Genres Dark Fantasy greift, durchaus von den Tropes ausgehen, die hier verwendet worden sind, diese sind sicherlich in dem Genre keine Seltenheit. Nichtsdestotrotz ist die Triggerwarnung in dieser Allgemeinheit und Kürze durchaus noch angemessen, ich hätte mir aber gewünscht, dann konsequenterweise im ellenlangen Nachwort vielleicht zu den angesprochenen Themen Depression und Suizidalität Beratungs- und Kontaktstellen verlinkt zu bekommen. Auch ist es richtig und wichtig, dass Nora hier einen sehr diversen Cast an Protagonisten zusammengestellt hat und für Sichtbarkeit sorgt, die gerade in historischen Romanen aufgrund der Eindimensionalität der Geschichtssschreibung oftmals fehlt. Dennoch geht mir hier die konsequente Nutzung der sogenannten Neopronomen im Zusammenhang mit Iphito zu weit, gibt es doch noch keine allgemeine Sprachregelung dafür und mindert die Lesbarkeit.

Das Setting ist – erwartbar – brillant. Troja, Athen, Themiskyra – die Schauplätze sind spannend und gut gewählt, auch wenn ich mir teils noch anschaulichere Beschreibungen gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz gelingt es Nora Bendzko, sofort das Kopfkino zum Laufen zu bringen, sodass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Auch die Handlung fesselt den Leser, ist spannend, abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen auf.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Besonders überzeugt haben hier Penthesilea, Phileas und Melanippe, aber auch einige der Götter und Helden wie Artemis und Achilles, sodass ich mir noch viele weitere Bücher über die verflochtene Götterwelt der Autorin wünschen würde. Dabei ist Noras Schreibstil schonungslos ehrlich und brutal, aber – im Wesentlichen – flüssig und leicht zu lesen.

Die Buchgestaltung vermag ebenfalls im Großen und Ganzen zu überzeugen. So haben Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön, ein wahrer Eyecatcher und mit tollen Klappen versehen. Lediglich die farbigen Coverinnenseiten kommen hier etwas einfach daher, zudem hätte man durchaus auch auf eine etwas hochwertigere Prägung setzen können. Abschließend hätte ich mich – vor oder nach der Handlung – auch über ein Tableau der Götter- und Heldenwelt, einen Stammbaum des griechischen Olymps, sehr gefreut, hätte dieser doch, wie auch eine Karte, dem Leser prägnant und bildhaft relevante Informationen übermitteln können.

Mein Fazit? „Die Götter müssen sterben“ ist ein unglaublich dichter, athmosphärischer und spannender Dark-Fantasy-Roman, der vor allem durch eine tolle Handlung und ein brillantes, mythologisches Setting punkten kann und nur kleine Schwächen aufweist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – aufgrund der expliziten Sexszenen und der exzessiven Gewalt alledings nicht für Leser unter 17, vielleicht auch erst ab 18 Jahren.