Magie liegt in der Luft | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich zwei fantastische Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Die Weltenerschaffer“ von John Hendrix (Knesebeck Verlag) ist hierbei eine Graphic Novel über die Freundschaft von C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien, während „Das tödliche Artefakt: Der Siegelwahrer von London“ von Andreas Suchanek aus dem dtv Verlag dessen Urban-Fantasy-Reihe um magische Museen und Artefaktmagie fortsetzt. So oder so ist klar: in beiden Büchern liegt Magie in der Luft – ich freue mich!

Habt Ihr „Herr der Ringe“ oder die „Narnia“-Reihe gelesen?

[Buchgedanken] Martin Schäuble: „Warum du schweigst“

In der letzten Zeit habe ich auch „Warum du schweigst“ von Martin Schäuble gelesen. Das Buch ist 2024 in der Fischer Sauerländer GmbH erschienen und als Jugendroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Lena liebt Fußball. Und den neuen Trainer Charly findet sie super: endlich einer, der was draufhat, endlich mal spannende Trainingseinheiten, endlich die Möglichkeit, sportlich etwas zu erreichen. Und er macht Lena zu seiner neuen Kapitänin! Aber er hält auch ihre Hand, als die Mannschaft in der Pizzeria ihren ersten Sieg feiert. Viel zu lange. Lena ist das unangenehm, aber sie traut sich nicht, die Hand wegzuziehen. Und vielleicht ist das ja auch alles ganz normal?

„Warum du schweigst“ ist mein erstes Buch von Martin Schäuble, der sich in seinen Werken schon mehrfach gesellschaftlich brisanten Themen gewidmet hat. Dabei ist der Roman klar als Jugendbuch einzuordnen, auch eine Einordnung als Schicksalsroman wäre möglich. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 14 Jahren, eine meines Erachtens zutreffende Einschätzung, da auch bestimmte Szenen ausgeblendet werden (sonst hätten auch die Content-Warnungen deutlich erhöht werden müssen).

Die Handlung ist eindringlich, bedrückend und wühlt auf – und sorgt gleichsam für Wut, Frust und Unverständnis über eine Welt, in der systematisch Jugendliche zu Betroffenen werden. Leider geht die Handlung im zweiten Teil für mich etwas schnell und endet zu früh, ich hätte mir hier noch eine gerechte juristische Aufarbeitung gewünscht – und gern auch einen stärkeren Fokus auf die Therapiesitzungen, die ebenfalls komplett ausgeblendet worden sind.

Das Setting bleibt dabei bewusst austauschbar, um zu verdeutlichen, dass das Phänomen allumfassend im Leistungssport (und in anderen gesellschaftlichen Bereichen) auftaucht, ist vage und vermittelt das Flair einer typisch deutschen Klein- bzw. mittelgroßen Stadt. Durch die Nutzung mehrerer Perspektiven erweitert Martin Schäuble den Themenkreis um weitere, jugendtypische Probleme, die aber vor dem Hintergrund von Lenas Erlebnissen nur eine absolute Nebenrolle spielen.

Als Figuren können hier neben Tim vor allem Finn und Noah glänzen, aber auch Fatima überzeugt auf ganzer Linie. Sich mit Lena zu identifizieren fällt anfangs leicht aber irgendwann schwer – vermutlich ist es als Nichtbetroffener schlichtweg schwierig nachzuvollziehen, weshalb sie nicht schon vorher agiert hat, obwohl sie das grenzüberschreitende Verhalten von Charly schon früh reflektiert und in seiner Intention erkannt hat – und sich erst viel zu spät irgendwelche Hilfe holt. Martin Schäubles Schreibstil ist dabei altersgerecht, leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist solide, auch wenn man die Chatnachrichten innovativer hätte setzen können. Das Titelmotiv wird auf dem Buchrücken erneut aufgegriffen und passt gut zur Handlung, generell ist der Buchumschlag relativ eintönig und kein Eyecatcher, das Hardcover insgesamt sehr schlicht. Abgerundet wird die Geschichte (wichtig!) durch die dieses Mal vorangestellte Benennung von Hilfsangeboten für Betroffene.

Mein Fazit? „Warum du schweigst“ ist ein aufrüttelnder, berührender Roman über sexuellen Missbrauch im Leistungssport, der lediglich zum Ende hin leicht schwächelt, aber zu jeder Zeit betroffen macht. Für Leser:innen ab 14 Jahren zu empfehlen.

Starke Frauen | buchige Neuzugänge

Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass ich Euch diese beiden Neuzugänge noch gar nicht gezeigt hatte. „Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberger (Knaur Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG) kam dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, „Falling Slowly“, der erste Band der „Wyford College“-Dilogie von Isabel Kritzer (Everlove, Piper Verlag GmbH), als Leseexemplar, nachdem ich die Entstehung des Buches als Testleser bereits begleiten durfte. Beide Romane haben dabei starke weibliche Protagonistinnen – und ich freue mich schon darauf, beide noch vertiefter kennenzulernen.

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Von Wendepunkten im Großen wie im Kleinen | Doppelte Buchpost

Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem über Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Warum du schweigst“ von Martin Schäuble (FISCHER Sauerländer), das als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde zu mir kam, thematisiert dabei als Jugendroman sexuellen Missbrauch im Breitensport, während „Amurru und der Zauber des Anfangs“ von Van Deus (B-B-One Publishing), das Prequel zu „The Triangular Files“, die Leser:innen mit einem prähistorischen Thriller zu den Anfängen der Menschheit zurückführt – dieses Buch stieß als Gewinn einer Buchverlosung zu mir. In beiden Romanen kommen die Protagonist:innen dabei an Wendepunkte, die nicht nur ihr Schicksal bestimmen, sondern – im Fall von Amurru – die Zukunft der Menschheit.

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[Buchgedanken] Horst Moser: „Weil wir nichts wussten“

Vor kurzem habe ich auch „Weil wir nichts wussten“ von Horst Moser gelesen. Das Buch ist 2026 in der Edition Raetia erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Zwei Menschen, zwei Geschichten: Der Journalist Lukas berichtet aus dem Ausland von den vielen Protestwellen, die Europa erschüttern. Als er erfährt, dass es seiner Mutter nicht gut geht, kehrt Lukas in das Provinzstädtchen zurück, in dem er aufgewachsen ist.
Gleichzeitig begibt sich eine entwurzelte junge Frau auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. Bei den Protestierenden findet sie vorübergehend Unterschlupf, aber auch dort gehört sie nicht wirklich dazu. Bald stößt sie auf Wahrheiten, die lange verborgen waren …

„Weil wir nichts wussten“ ist mein erster Roman von Horst Moser. der sich bereits gar nicht so einfach einem Genre zuordnen lässt, mischt er doch familiäre Geheimnisse und Verwicklungen mit nah-dystopischen Protestbewegungen und erweitert die Geschichte so um eine politische Komponente, die für mich allerdings vernachlässigbar ist. Ich habe es daher bei der Konzentration auf die zentralen Handlungselemente und der damit verbundenen Einordnung als Familiensaga belassen, auch wenn die Kategorisierung als Gegenwartsliteratur natürlich auch nicht abwegig ist.

Die Handlung ist grundsätzlich abwechslungsreich und interessant, teils aber auch sehr vorhersehbar, dadurch aber nicht minder fesselnd. Sie wird wechselnd aus den personalen Erzählperspektiven der beiden Protagonist:innen erzählt, auch wenn hier eine Unwucht zugunsten des Handlungsstrangs von Lukas besteht – das hätte man durchaus in der Schwerpunktsetzung besser ausbalancieren können. Zudem ist – wie bereits oben angedeutet – der Handlungsstrang um die Protestbewegung mehr als vernachlässigbar und trägt wenig zum Fortgang der Handlung bei.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen in ein kleines Städtchen in Südtirol, in dem die Uhren langsamer laufen, Tradition stärker verankert ist und die hektische Welt vor der Stadtgrenze endet. Gleichsam führt die Reise aber auch nach Frankfurt und Wien, in ein Franziskanerkloster und – vor allem – in die Vergangenheit. Dabei taucht Horst Moser in lokale Machtstrukturen ein, beschreibt regionale Verflechtungen, die so überall auf der Welt anzutreffen sind, und zeigt so einmal mehr, dass Geld durchaus im kleinen zumindest die Welt regiert.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Lukas vor allem wichtige Nebenfiguren wie Kathrin und Elsa, während die anfangs noch namenlose zweite Protagonistin aufgrund der Kürze ihres Handlungsstrangs nicht wirklich greifbar wird. Horst Mosers Schreibstil lässt sich dabei trotz teils sehr komplexer Sätze noch leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Umschlag ist mit Klappen versehen, das unter dem Umschlag befindliche Hardcover sehr schlicht. Das Covermotiv wird nahtlos zum Buchrücken hin fortgesetzt, irritierenderweise von dort zur Coverrückseite hin aber stark abgegrenzt. Insgesamt ist der Umschlag eher eintönig und das Covermotiv kein klassischer Eyecatcher, zeigt aber immerhin Anklänge zur Handlung.

Mein Fazit? „Weil wir nichts wussten“ ist eine tolle Familiensaga, die durch das Setting und starke Charaktere punktet, aber auch leichte Probleme in der Schwerpunktsetzung hat und unnötig die Handlung durch eine weitere Ebene überfrachtet. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Geheimnisse im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich über Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Weil wir nichts wussten“ von Horst Moser (Edition Raetia) erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde, während „Der Über-Dandy: Hanns Heinz Ewers tanzt Italo Disco“ von Sebastian Brück (Omnino Verlag) als Gewinn einer Buchverlosung zu mir kam. Beide Bücher handeln hierbei von Geheimnissen – seien es machtvolle Geheimnisse aus der familiären Vergangenheit oder das plötzliche Auftauchen eines geheimnisvollen Doppelgängers von Deutschlands erstem Popliteraten. Ich bin schon ganz gespannt darauf, in die verwinkelten Geschichten einzutauchen.

Welches Buch habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] Astrid Göpfrich: „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ (Little Miss Frankenstein 1)

In den letzten Tagen habe ich auch noch „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ von Astrid Göpfrich gelesen. Das Buch ist 2026 im Magellan Verlag, Magellan GmbH & Co. KG erschienen und als illustrierte Jugendfantasy einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Laura Borio verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Urururenkelin von Dr. Frankenstein lebt Nelly in einem alten Gruselschloss, in dem immer wieder seltsame Dinge passieren. Das ist aber auch schon das Spannendste an ihrem Leben. Denn ihre Eltern sind totale Langweiler und das absolut Letzte, was sie wollen, ist eine weitere Erfinderin in der Familie! Natürlich hält das Nelly nicht davon ab, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen – manchmal auch zum Leidwesen ihrer beiden besten Freunde. Der zweifelhaften Genialität ihres berühmten Vorfahren kommt sie gefährlich nahe, als sie bei einem Gewitter ein totes Alpaka wieder zum Leben erweckt. Doch damit nicht genug: das Alpaka kann auch noch sprechen! Und es quasselt ohne Unterlass, trinkt am liebsten Kokos-Limetten-Cocktails, ist nervtötend tollpatschig und stellt das Leben der Familie Frankenstein gehörig auf den Kopf!

„Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ ist mein erstes Buch von Astrid Göpfrich und der Auftaktband in die gleichnamige neue, fantastische Jugendbuchreihe für Leser:innen ab 10 Jahren, balanciert also genau auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch. teils auch aufzufindende Leseempfehlungen ab acht Jahren würde ich hier dann doch als zu früh erachten. In dem Buch wird der Mythos Frankenstein dabei jugendgerecht – quasi durch ein Sequel – aufgearbeitet und so einer neuen Generation zugänglich gemacht, sicherlich einer der größten Pluspunkte des Buches.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und – vor allem – humorvoll, entstehen durch Montserrat und Nellys Erfindungen doch viele Situationen, die von der Komik leben – teils könnte man sogar denken, dass hier parodistische Elemente vorhanden sind. Dabei werden – altersgerecht – auch jugendtypische Themen und Probleme angesprochen wie Ausgrenzung, fast Mobbing, eine Abkapselung von der Erwartungshaltung der Eltern und damit verbunden Einsamkeit – hier hätte ich mir durchaus noch einen stärkeren Fokus gewünscht, die Herausforderungen, vor denen Nelly im zwischenmenschlichen Bereich steht sind doch eher zu Lasten der Komik heruntergefallen – aber vielleicht können hier die Folgebände ja noch nachsteuern.

Das Setting hingegen und – vor allem – die Illustrationen von Laura Borio können hier jedoch wieder auf ganzer Linie glänzen. So werden insbesondere die Erfindungen toll bebildert und können so noch besser vor dem geistigen Auge abgerufen werden – in den Kapiteln hätten es aber gern noch ein paar Illustrationen mehr sein können. Insgesamt ist die Reise auf das Schloss der Familie Frankenstein sowie in die nicht näher bezeichnete, idyllische Ortschaft ein toller Ausflug, den die meisten Leser:innen sicherlich gern im Folgeband noch einmal wiederholen wollen würden – auch, da noch so vieles ungeklärt verbleibt.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Buches noch etwas einseitig angelegt, aber hier kann über die Folgebände auch sicherlich noch nachgelegt werden. Am meisten überzeugt bislang noch Montserrat, die über etwas verquere, komische Charakterzüge ein doch eher dreidimensionales Profil erhalten hat, während Nelly zwar einfallsreich ist, aber noch nicht wirklich greifbar wird. Astrid Göpfrichs Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung brilliert. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz setzt Bild und Text innovativ zu einem tollen Gesamtprodukt. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit wunderschön gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite sind jeweils toll anzusehen und bieten Anklänge zur Handlung, lediglich die durch den Farbwechsel krassen Brüche zum Buchrücken hätte man vermeiden können. Abzuwarten bleibt zudem, ob mit den Folgebänden hier ein einheitlicher Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert geschaffen werden kann.

Mein Fazit? „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ ist ein gelungener und innovativer Auftakt in die Fantasy-Buchreihe für Leser:innen ab 10 Jahren, der mit Humor und tollen Illustrationen punkten kann, in den Folgebänden aber gern noch etwas mehr in die Tiefe gehen darf. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Michael Wildenhain: „Das Ende vom Lied“

In der letzten Zeit habe ich auch „Das Ende vom Lied“ von Michael Wildenhain gelesen. Der Roman ist 2026 bei Klett-Cotta, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH erschienen und der Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mit 13 Jahren ist der Junge in diesem Alter: Das Leben hängt schief in den Angeln, der Alltag gerät zum Schwelbrand, die erste Liebe überwältigt ihn und lässt die Tage beben. 1969 steht die Zeit in Westberlin vielerorts noch still, und doch ändert sich für den Jungen alles. Weil der Vater eine neue Stelle antritt, muss auch der Sohn in die Belziger Straße ziehen, in eine Atmosphäre der Wut gegen die ganze Welt. Hier droht die von den Traumata des Krieges geprägte Familie – der versehrte Vater, die gezeichnete Mutter – zu zerfallen; dort lockt die Wirklichkeit der Straße, brutal und zärtlich, derb und schön, die den Jungen in eine Entscheidung von beträchtlicher Tragweite treibt. Was zählt: die Nähe zu Körschi, Bandenchef und bester Boxer der Belziger. Und Alina, die Angebetete, die Körschi als sein Eigentum betrachtet und von der der Junge dennoch nicht lassen kann. Manchmal, das erfährt er, musst du etwas riskieren, selten sogar das Leben.

„Das Ende vom Lied“ ist mein erstes Buch des hochdekorierten Autors Michael Wildenhain, der unter anderem bereits für den Deutschen Buchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war – und dessen Können durchaus an der ein oder anderen Stelle im Roman auch durchblitzt. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach kategorisieren, ist es doch zugleich Coming of Age und Gesellschaftsporträt, das auf der schmalen Grenze zwischen Gegenwartsliteratur und historischem Roman balanciert, wobei ich das Buch schlussendlich der Gegenwartsliteratur zugesprochen habe.

Denn der Roman beschreibt die Geschichte des grundsätzlich namenlosen Erzählers (auch wenn die Indizien stark auf „Daniel“ hindeuten), der Ende der 1960er-Jahre im Alter von 12/13 in Westberlin aufwächst. Dabei hat die Handlung durchaus einige Längen und ist im ersten Teil relativ sprunghaft, sodass man anfangs den roten Faden vermisst, der sich erst spät einstellt – fast zu spät, um noch alle Handlungsstränge zufriedenstellend aufzulösen, sodass viele offene, ungeklärte Fragen verbleiben. Dennoch spricht der Roman, der zu großen Teilen aus der Ich-Perspektive des namenlosen Protagonisten erzählt wird, hier natürlich wichtige Themen an.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Linie. So entführt der Autor die Leser:innen in die von der DDR umschlossene Stadt, in eine atmosphärisch dichte Zeit des Umbruchs hinein voller Straßenbanden, linker Revolutionäre und weltumspannender Ereignisse wie die Mondlandung. Hierbei gelingt es Michael Wildenhain die Zeit greifbar, spürbar zu machen, auch für Generationen, die die 60er selbst nicht aktiv miterlebt haben – auch wenn einige der beschriebenen Situationen aus heutiger Sicht nicht nur bizarr anmuten, sondern schlichtweg nicht mehr vorstellbar sind.

Die einzelnen Figuren bleiben dabei teils nicht greifbar, sind im Wesentlichen dennoch vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Gefühle. Hierbei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Alina in ihrer Ambivalenz und Beef, ein ungewohnt und versteckt starker Charakter. Michael Wildenhains Schreibstil überzeugt dabei vor allem in den poetischen Passagen, während die Schachtelsätze teils etwas drüber sind. Dennoch lässt sich das Buch größtenteils flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist fehlerfrei, hätte aber gerade die poetischen Passagen etwas schöner setzen können. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen und generell eher schlicht – genau wie das unter dem Umschlag befindliche Buch. Das Covermotiv vermag zwar die Atmosphäre zu transportieren, ist aber ebenfalls kein Eyecatcher und wird – genau wie die Coverrückseite – irritierend krass zum Buchrücken hin abgegrenzt.

Mein Fazit? „Das Ende vom Lied“ ist ein atmosphärisch starker Roman der Gegenwartsliteratur, der teils mit spannenden Figuren aufwartet, in der Handlung aber Längen und ein relativ offenes Ende besitzt. Für Leser:innen, die das Gefühl der 60er-Jahre nachspüren wollen, noch zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Fabian Lenk: „Im Zeichen der Kobra: Der Raub der Totenmaske“ (Im Zeichen der Kobra 1)

Frisch von der Leipziger Buchmesse habe ich heute noch eine Buchbesprechung für Euch. Denn in den letzten Tagen habe ich auch „Im Zeichen der Kobra: Der Raub der Totenmaske“ von Fabian Lenk gelesen. Das Buch ist 2026 in der Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG erschienen und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet dabei Thilo Krapp verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ein spannender Sommer in Ägypten: Die Zwillinge Yana und Yamon (12) reisen mit ihrer Schwester Anouk, einer schlagfertigen Archäologiestudentin, und ihrem Onkel Professor Klawitter ins Tal der Könige. Dort entdecken sie eine bisher unentdeckte Grabkammer – und darin eine magische Formel, mit der sie sich in heilige Tiere verwandeln: Bastet die Katze, Horus den Falken und Anubis den Hund. Als sie beim Besuch im Ägyptischen Museum Zeugen eines Raubüberfalls werden, bei dem unter anderem Tutanchamuns Maske und eine Mumie entwendet werden, kommt es zu einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd. Und der Drahtzieher kennt das Geheimnis der magischen Formel! Wird es den drei Geschwistern gelingen, die historischen Schätze zurückzuholen?

„Im Zeichen der Kobra: Der Raub der Totenmaske“ ist der erste Band der gleichnamigen Buchreihe, die im Herbst 2026 mit „Im Zeichen der Kobra: Der Schatz im versunkenen Palast“ fortgesetzt wird – eine Vorschau dazu befindet sich bereits am Ende dieses Buches. Empfohlen wird das Buch – in etwa analog zum Alter der jüngeren Protagonist:innen – für Leser:innen ab 11 Jahren und balanciert daher auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch, wobei ich es eher als Jugendbuch sehen würde. Da hier mehrere Untergenres gemixt werden – Jugendfantasy, -Abenteuer, -Detektivroman – um nur einige zu nennen habe ich es bei der allgemeinen Kategorisierung als (illustriertes) Jugendbuch belassen.

Die Handlung ist hierbei kurzweilig, spannend und altersgerecht, spielen neben dem Kriminalfall doch auch leichte jugendtypische Probleme eine Rolle – etwas, das in den nächsten Bänden aber noch ausgebaut werden kann, um die Dynamik innerhalb der Geschwister noch zu verstärken. Auch erscheint die Handlung nicht immer logisch, die Ermittler“bande“ ist an Dilettantismus kaum zu überbieten. Unterstützt wird die Geschichte dabei von den gelegentlich eingestreuten und toll anzusehenden Illustrationen von Thilo Krapp.

Das Setting vermag naturgemäß zu überzeugen. So entführt der Autor uns ins Ägypten der Jetztzeit, nimmt uns mit auf eine Reise zu Ausgrabungen, nach Kairo und ins Museum. Dabei zeugt die große Sachkenntnis – nicht nur der ägyptischen Mythologie und Geschichte, sondern auch der aktuellen Verhältnisse vor Ort – von einem fundierten breiten Wissen oder einer alternativ exzellenten Recherche – ich bin mal gespannt, wie sich das über die Folgebände entwickelt, wenn dann auch andere Regionen der Welt von den Geschwistern bereist werden.

Die einzelnen Figuren sind teils noch etwas eindimensional, gerade im Bereich der Antagonisten, insgesamt bestehen hier noch Entwicklungspotentiale für die Folgebände. Am stärksten überzeugen hier bislang Yana, Anouk und Hugo, während Yamon für mich noch nicht so richtig greifbar wird. Fabian Lenks Schreibstil ist altersgerecht eher einfach gehalten und lässt sich daher leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken hin krass unterbrochen, insgesamt sind diese aber sehr ansehnlich, das Covermotiv zwar genretypisch, dennoch durchaus ein Eyecatcher und durch die ungewöhnliche Prägung haptisch einfach traumhaft. Abzuwarten bleibt, ob mit den Folgebänden hier ein Wiedererkennungswert für die gesamte Reihe geschaffen werden kann.

Mein Fazit? „Im Zeichen der Kobra: Der Raub der Totenmaske“ ist ein gelungener Auftakt in die Jugendbuchreihe mit tollem Setting und kurzweiliger Handlung, aber auch noch mit leichten Nachholbedarfen bei einzelnen Charakteren. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter von 11 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

Deutschlandreise | Doppelte Buchpost

Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Das Ende vom Lied“ von Michael Wildenhain (Klett-Cotta) entführt die Leser:innen dabei ins Westberlin der späten 60er-Jahre, während „Die weiße Dame“ von Yngra Wieland (Edition M) die Leser:innen mit nach München nimmt, um zusammen mit der Psychotherapeutin Salome Liebeskind den ersten Kriminalfall der Reihe zu lösen. Ich bin auf beide Reisen schon sehr gespannt und freue mich vor allem, von Yngra, die ich aus dem Burgenwelt Verlag kenne, mal etwas aus einem anderen Genre zu lesen.

Krimi oder Gegenwartsliteratur an der Grenze zum historischen Roman: Wonach würdet Ihr zuerst greifen?