[Buchgedanken] Astrid Göpfrich: „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ (Little Miss Frankenstein 1)

In den letzten Tagen habe ich auch noch „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ von Astrid Göpfrich gelesen. Das Buch ist 2026 im Magellan Verlag, Magellan GmbH & Co. KG erschienen und als illustrierte Jugendfantasy einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Laura Borio verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Urururenkelin von Dr. Frankenstein lebt Nelly in einem alten Gruselschloss, in dem immer wieder seltsame Dinge passieren. Das ist aber auch schon das Spannendste an ihrem Leben. Denn ihre Eltern sind totale Langweiler und das absolut Letzte, was sie wollen, ist eine weitere Erfinderin in der Familie! Natürlich hält das Nelly nicht davon ab, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen – manchmal auch zum Leidwesen ihrer beiden besten Freunde. Der zweifelhaften Genialität ihres berühmten Vorfahren kommt sie gefährlich nahe, als sie bei einem Gewitter ein totes Alpaka wieder zum Leben erweckt. Doch damit nicht genug: das Alpaka kann auch noch sprechen! Und es quasselt ohne Unterlass, trinkt am liebsten Kokos-Limetten-Cocktails, ist nervtötend tollpatschig und stellt das Leben der Familie Frankenstein gehörig auf den Kopf!

„Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ ist mein erstes Buch von Astrid Göpfrich und der Auftaktband in die gleichnamige neue, fantastische Jugendbuchreihe für Leser:innen ab 10 Jahren, balanciert also genau auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch. teils auch aufzufindende Leseempfehlungen ab acht Jahren würde ich hier dann doch als zu früh erachten. In dem Buch wird der Mythos Frankenstein dabei jugendgerecht – quasi durch ein Sequel – aufgearbeitet und so einer neuen Generation zugänglich gemacht, sicherlich einer der größten Pluspunkte des Buches.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und – vor allem – humorvoll, entstehen durch Montserrat und Nellys Erfindungen doch viele Situationen, die von der Komik leben – teils könnte man sogar denken, dass hier parodistische Elemente vorhanden sind. Dabei werden – altersgerecht – auch jugendtypische Themen und Probleme angesprochen wie Ausgrenzung, fast Mobbing, eine Abkapselung von der Erwartungshaltung der Eltern und damit verbunden Einsamkeit – hier hätte ich mir durchaus noch einen stärkeren Fokus gewünscht, die Herausforderungen, vor denen Nelly im zwischenmenschlichen Bereich steht sind doch eher zu Lasten der Komik heruntergefallen – aber vielleicht können hier die Folgebände ja noch nachsteuern.

Das Setting hingegen und – vor allem – die Illustrationen von Laura Borio können hier jedoch wieder auf ganzer Linie glänzen. So werden insbesondere die Erfindungen toll bebildert und können so noch besser vor dem geistigen Auge abgerufen werden – in den Kapiteln hätten es aber gern noch ein paar Illustrationen mehr sein können. Insgesamt ist die Reise auf das Schloss der Familie Frankenstein sowie in die nicht näher bezeichnete, idyllische Ortschaft ein toller Ausflug, den die meisten Leser:innen sicherlich gern im Folgeband noch einmal wiederholen wollen würden – auch, da noch so vieles ungeklärt verbleibt.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Buches noch etwas einseitig angelegt, aber hier kann über die Folgebände auch sicherlich noch nachgelegt werden. Am meisten überzeugt bislang noch Montserrat, die über etwas verquere, komische Charakterzüge ein doch eher dreidimensionales Profil erhalten hat, während Nelly zwar einfallsreich ist, aber noch nicht wirklich greifbar wird. Astrid Göpfrichs Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung brilliert. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz setzt Bild und Text innovativ zu einem tollen Gesamtprodukt. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit wunderschön gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite sind jeweils toll anzusehen und bieten Anklänge zur Handlung, lediglich die durch den Farbwechsel krassen Brüche zum Buchrücken hätte man vermeiden können. Abzuwarten bleibt zudem, ob mit den Folgebänden hier ein einheitlicher Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert geschaffen werden kann.

Mein Fazit? „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ ist ein gelungener und innovativer Auftakt in die Fantasy-Buchreihe für Leser:innen ab 10 Jahren, der mit Humor und tollen Illustrationen punkten kann, in den Folgebänden aber gern noch etwas mehr in die Tiefe gehen darf. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Michael S.V. Preis: „Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“

Vor kurzem habe ich auch „Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“ von Michael S.V. Preis gelesen. Das Buch ist 2024 im Projekt VielSeitig Verlag (Projekt VielSeitig – Sieger GbR) erschienen und als illustrierte Jugendfantasy einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Anastassia Schitz verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die fünfzehnjährige Mira ist entsetzt: Ihre Mutter hat kurzerhand entschieden, sie auf ein abgelegenes Internat zu schicken. Zwar ist das Verhältnis zu ihrer Mutter seit Jahren angespannt, doch die strengen Regeln und das Leben abseits der Stadt passen einem Freigeist wie Mira überhaupt nicht! Wen wundert es also, dass sie von Beginn an als eigenbrötlerische Unruhestifterin wahrgenommen wird? Als sie jedoch ein geheimnisvolles Leuchten in einem verlassenen Haus entdeckt, weckt dies ihre Neugier. Was verbirgt sich hinter dem rätselhaften Licht? Einen Blick zu riskieren, kann doch sicherlich nicht schaden …

„Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“ ist – wie der Name schon unschwer vermuten lässt – der Auftaktband in die gleichnamige Buchreihe. Dabei wird das Buch als Jugendfantasy beworben, gleichzeitig aber auf einigen Portalen für Leser:innen ab neun Jahren empfohlen, was eher dem Kinderbuchbereich zuzuordnen wäre. Bezogen auf die Themen, das Alter der Protagonist:innen (um 15) und generell die Komplexität der Handlung würde ich das Buch ebenfalls eher als Jugendfantasy für die Altersgruppe 12+ einordnen.

Die Handlung ist dabei altersgerecht und jugendtypisch, durchaus spannend und abwechslungsreich. Dabei werden jugendtypische Themen wie familiäre und schulische Konflikte, Mobbing, Freundschaft und Entwurzelung in eine fantastische Handlung gepackt und mit dieser zu einem interessanten Gesamtkonstrukt verwebt. Leider endet der Band gänzlich offen, es wird quasi kein Handlungsstrang aufgelöst, sodass das Buch nicht als Standalone lesbar ist – etwas schade. Auch endet das Buch natürlich in einem Cliffhanger.

Das Setting ist grundsätzlich gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen in ein Internat mit angeschlossenem Kloster – und in eine nicht näher bezeichnete Parallelwelt, die starke Parallelen zu Narnia hat – auch an andere Buchreihen sind Anklänge vorhanden. Dabei wird die Welt toll durch die Illustrationen von Anastassia Schitz zum Leben erweckt, die die Handlung visualisieren und unterstützen – hier hätte ich mir noch mehr gewünscht. Bislang fehlt es zudem noch am Weltenbau, so liefert der erste Band keinerlei Aufschlüsse zum Magiekonzept – oder selbst zur Welt an sich.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Bandes und der Fülle der Charaktere noch etwas eindimensional, aber das wird sich hoffentlich in den nächsten Bänden noch ändern. Hierbei sind vor allem wichtige Nebencharaktere wie Elli und Eleonora spannend, während Jakob sehr einseitig verbleibt – und auch Mira noch Nachholbedarfe besitzt, aber über sehr gute Anlagen verfügt. Michael S.V. Preis‘ Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils aber fast zu einfach gehalten.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv wird auf Buchrücken und Coverrückseite nahtlos fortgesetzt, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, der Umschlag ist mit einer leichten Prägung versehen. Das Cover zeigt dabei durchaus Anklänge zur Handlung, ist genretypisch und sehr schön anzusehen. Abzuwarten bleibt, inwieweit es der Reihe gelingt, hier ein einheitliches Erscheinungsbild mit Wiedererkennungswert zu erschaffen.

Mein Fazit? „Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“ ist ein solider Auftakt in die Reihe, der vor allem mit seinen Illustrationen und seinem Setting überzeugt, leider aber zu offen endet und noch Nachholbedarfe beim Weltenbau besitzt. Für Leser:innen ab 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.