Vor kurzem habe ich auch „Jungs braucht echt keiner! … und trotzdem klopft das blöde Herz“ von Patricia Schröder gelesen. Das Buch ist 2024 im KARIBU Verlag in der Edel Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendbuch für Leser:innen ab 10 Jahren einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Hannah hat von Jungs echt die Nase voll! Sie kann nicht verstehen, wieso Elias seit ihrem letzten Treffen nicht mehr durch den Schrank zu ihr gereist ist. Dabei hatte sie gerade angefangen, ihn irgendwie zu mögen. Dann eben nicht! Auch Hannahs beste Freundinnen sind keine Hilfe, denn sie denken, dass Elias nur ausgedacht ist und Hannah eigentlich nur einen Freund will. Und natürlich taucht Elias gerade dann wieder auf, als Hannah Hals über Kopf im Chaos steckt. Wie soll sie ihm nur erklären, dass er ihr ganz und gar nicht egal ist?
„Jungs braucht echt keiner! … und trotzdem klopft das blöde Herz“ ist nach „Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ der zweite und wohl abschließende Band der Reihe um Hannah, Elias und das Schrankreisen. Den Vorgänger habe ich ja noch als phantastisches Jugendbuch bezeichnet, dieses Mal habe ich es – auch auf Anregung der Autorin – bei der allgemeinen Kategorisierung als „Jugendbuch“ belassen, auch wenn dieses vom Verlag selbst als „magisch“ beworben wird – der phantastische Anteil/Twist bleibt weiterhin unleugbar. Auch finde ich es weiterhin schade, dass der Verlag auch diesen Band „für Mädchen ab 10“ empfiehlt – hier hat man die Chance vertan, die fehlende Ansprache an jugendliche Leser zu korrigieren, obwohl viele Jungen sich sicherlich gut mit Elias und dessen Schüchternheit identifizieren könnten.
Die Handlung hingegen vermag auch weiterhin zu überzeugen, bleibt abwechslungsreich und spannend, wenn auch in diesem Teil der innovative Aspekt bereits bekannt ist und daher etwas die Überraschung fehlt. Dabei setzt die Handlung relativ zeitnah nach Ende des ersten Bandes ein und spannt den Bogen nahtlos fort, bleibt altersgerecht und spricht jugendtypische Probleme an – dieses Mal vor allem Konflikte innerhalb der Freundschaft. Hierbei bleiben die Konflikte – trotz aller Tränen – weiterhin in einem Bereich, der das Feel-Good-Leseerlebnis nie erheblich schmälert, dafür sorgen auch die insbesondere durch Lilly und Karlchen eingestreuten humorvollen Szenen. Auch das Ende fügt sich organisch in die Handlung ein, ist hierbei aber fast zu kitschig rosarot.
Das Setting bleibt weiterhin etwas austauschbar, so entführt die Autorin die Leser:innen nach Hamburg, nach München und auf ein Hausboot, wobei die Städte bloße Kulisse sind und der Roman auch in allen anderen, weit auseinanderliegenden Orten hätte spielen können. Auch fehlt mir weiterhin ein schlüssiges Konzept für den magischen Twist, wenn auch einige Erklärungsansätze zumindest geliefert werden.
Die einzelnen Figuren werden konsequent weiterentwickelt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Gefühle. Hierbei brilliert Lilly als heimlicher Star des Buches, aber auch Elif und – mit kleinen Abstrichen – Elias können durchaus überzeugen, während Hannah nicht immer nachvollziehbar handelt. Patricia Schröders Schreibstil lässt sich dahingegen weiterhin leicht und flüssig lesen, ist humorvoll und altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung kann ebenfalls im Wesentlichen glänzen. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht – und über die Häufigkeit der Worte „Käfigklappenklackgeräusch“ und „Staubsaugerkabeleinziehgeräusch“ kann man phasenweise auch reden. Der Buchsatz ist fehlerfrei und setzt gerade die Kapitelanfänge wunderschön, die Chatnachrichten hätten jedoch innovativer abgebildet werden können. Der Buchumschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für Wiedererkennungswert.
Mein Fazit? „Jungs braucht echt keiner! … und trotzdem klopft das blöde Herz“ ist eine gelungene Fortsetzung des ersten Bandes, die vor allem mit der Weiterentwicklung der Charaktere und einer starken Prise Humor punktet, dabei aber weiterhin auch kleinere Schwächen besitzt. Für Leser:innen (jedes Geschlechts) ab 10 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.




