Kalt, kälter, Kluftinger | Vorweihnachtliche doppelte Buchpost

Heute, am zweiten Weihnachtstag, möchte ich Euch die beiden Bücher zeigen, die mich kurz vor Weihnachten über Verlosungen auf Facebook und Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank an die Glücksfee und den Ullstein Verlag sowie die S. Fischer Verlage. „Eiszeit für Beck“ von Tom Voss ist nach „Hundstage für Beck“ der zweite Teil der Krimi-Reihe um Ermittler Nick Beck und „Morgen, Klufti, wird’s was geben“ das Weihnachtsbuch um den berühmten Kommissar Kluftinger von Volker Klüpfel und Michael Kobr. Ich bin schon ganz auf die gänzlich verschiedenen Ermittler gespannt.

Habt Ihr Lieblingsfiguren aus Regionalkrimis? Welche Reihe könnt Ihr besonders empfehlen?

[Buchgedanken] Ralph Knobelsdorf: „Des Kummers Nacht: Von der Heydens erster Fall“ (Heyden 1)

Bevor ich Euch in der nächsten Woche meine Messeausbeute zeige, möchte ich noch einige Rezensionen präsentieren. Den Anfang macht dabei „Des Kummers Nacht: Von der Heydens erster Fall“ von Ralph Knobelsdorf, das ich während der FBM gelesen habe und das 2021 im Lübbe Verlag, Bastei Lübbe AG erschienen ist. Das Buch ist als historischer Kriminalroman einzuordnen – vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Berlin, 1855: Wilhelm von der Heyden steht kurz vor dem Abschluss seines Studiums, als er Zeuge einer Explosion wird. Die Fenster der gegenüberliegenden Wohnung sind zerstört, eine Frau hängt leblos im Zaun. Um ihr zu helfen, eilt er an den Unglücksort – und gerät selbst in Verdacht. Der Wachtmeister hat sein Urteil schon gefällt, der Chef der Kriminalpolizei ist jedoch von Wilhelms Beobachtungsgabe begeistert und stellt ihn ein. Talentierte neue Mitarbeiter werden in der noch jungen preußischen Ermittlungsbehörde dringend benötigt. Doch Fingerspitzengefühl ist gefragt, denn bald schon führen die Ermittlungen Wilhelm und seine Kollegen in die höchsten Kreise …

„Des Kummers Nacht“ ist ein bemerkenswerter Auftakt in eine hoffentlich mehrbändige Reihe um die Berliner Kriminalpolizei Mitte des 19. Jahrhunderts, der gekonnt Fakt und Fiktion vermischt und den Leser auf eine spannende Reise mitnimmt, die dafür sorgt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Dabei brilliert der Roman zum einen durch sein tolles Setting, das den Leser ins historische Berlin entführt und besonderen Wert auf Authentizität legt, wobei Abweichungen zur Historie im Nachwort des Autors angesprochen und erklärt werden, zum anderen durch eine überwiegend sehr gut Lesbarkeit, die – mit ein, zwei Ausnahmen – auf allzu fachliche und unendliche Ausführungen verzichtet.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und wartet immer mal wieder auch mit unerwarteten Wendungen auf. Leider werden nicht alle relevanten Handlungsstränge aufgelöst – und das Ende kommt mir auch etwas plötzlich und unspektakulär daher, hier hätte durchaus der ein oder andere Twist, die ein oder andere Spannungsspitze noch für einen runderen Abschluss sorgen können.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen neben Wilhelm insbesondere Anna und Vorweg, während Johann etwas blass bleibt. Insgesamt bleibt noch einiges auch hinsichtlich der Charaktere im Dunklen, sodass ich mir Vorgeschichten wünschen würde, gern auch des Opfers.

Die Buchgestaltung übrzeugt im großen und ganzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, wenn auch kleinere Fehler durchgerutscht sind – und ein größerer, wenn auf den wunderschön-farbigen Coverinnenseiten die Geburtsjahre der Geschwister mit 1835 (Wilhelm), 1833 (Max), 1838 (Anna) und 1812? (Ernst) angegeben werden, was unter Berücksichtigung der Geburt der Mutter 1799 unwahrscheinlich erscheint – oder zumindest weiterer Erklärung bedarf (frühere Frau?). Das Cover ist unscheinbar, aber detailverliebt und hochwrtig geprägt, der Buchschnitt farbig.

Mein Fazit? „Des Kummers Nacht: Von der Heydens erster Fall“ ist ein gutes Debüt für eine hoffentlich fortgesetzte historische Krimireihe, das vor allem mit einem tollen Setting und interessanten Charakteren punktet, aber noch kleinere Schwächen in der Handlung aufweist, die Folgebände aber korrigieren können. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren, für historisch-interessierte vielleicht auch knapp früher.

Unbekanntes an bekannten Orten | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich zwei tolle Romane des Lübbe Verlags, Bastei Lübbe AG als Rezensionsexemplare über die Bloggerjury – vielen Dank dafür an dieser Stelle. Die Gemeinsamkeit von „Atelier Rosen – Die Frauen aus der Marktgasse“ von Marie Lamballe und „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ von Kim Rabe ist dabei das in Deutschland angesiedelte Setting – etwas, das viel zu selten vorkommt. So spielt Marie Lamballes historischer Roman in Kassel, währen Kim Rabes Urban Fantasy Krimi den Leser nach Berlin verschlägt – ich kann es kaum erwarten. Welches sind Eure liesten Bücher, die in Deutschland spielen? Kennt Ihr vielleicht einen der Romane?

[Buchgedanken] Ingo Bott: „Pirlo – Gegen alle Regeln“ (Pirlo 1)

In der letzten Zeit habe ich „Pirlo – Gegen alle Regeln“, den ersten Fall für Strafverteidiger Pirlo, von Ingo Bott gelesen. Das Buch ist 2021 bei FISCHER Scherz, S. Fischer Verlag GmbH erschienen, und dem Genre Justizkrimi zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über eine Leserunde bei Lovelybooks.de

Pirlo ist charismatisch, chaotisch – und unter Druck. Erst ist der Job weg. Dann handelt sich der Khatib-Clan Ärger ein: ausgerechnet seine eigenen Brüder. Jetzt soll Pirlo ihre Schulden begleichen. Den Preis dafür bezahlen, dass er sich von der Familie losgesagt hat. Dazu muss er den einen Fall, der ihm noch bleibt, gewinnen. Die Anklage wirft seiner Mandantin vor, ihren Mann umgebracht zu haben. Die Medien berichten pausenlos. Für alle, außer Pirlo und die junge Anwältin Sophie Mahler, scheint die Verurteilung sicher. Pirlo steht mit dem Rücken zur Wand: Er braucht einen Freispruch. Unbedingt. Dafür muss er Wege gehen, die er nie gehen wollte.

„Pirlo – Gegen alle Regeln“ ist ein gelungener Auftakt in eine neue Reihe an Justizkrimis um das Verteidiger-Duo Pirlo/Mahler. Dabei balanciert der Autor gut zwischen den Ermittlungen und den Szenen im Gericht, wobei letztere zudem nicht zu trocken sondern lebhaft, gleichzeitig aber auch halbwegs authentisch sind – etwas anderes hätte ich beim beruflichen Hintergrund des Autors allerdings auch nicht erwartet.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, teils aber etwas konstruiert und übertrieben. Dabei laufen die beiden Handlungsstränge zwischen dem Fall und den Clankonflikten größtenteils parallel ohne große Berührungspunkte, sodass man gut auf die Clan-Storyline hätte verzichten können, die austauschbar einfach Pirlo Möglichkeiten zur Geesetzesübertretung gibt. Zudem hätte man sich auch den moderaten Cliffhanger am Ende sparen können, da er zum einen unnötig ist, zum anderen aber auch etwas verpufft, wenn man bereits die Leseprobe für Band zwei an die Geschichte anhängt.

Das Setting überzeugt hingegen auf ganzer Linie: neben dem Gerichtssaal führt der Fall den Leser in die Düsseldorfer High-Society, in Hipster-Kneipen – oder auch in Staatsanwaltschaften fremder Länder. Und auch wenn sich die Ermittlungsansätze oftmals gleichen, fiebert der Leser dennoch mit Sophie und Pirlo mit, giert sensationslüstig wie die POST nach neuen Informationen, die den Verfahrensausgang beeinflussen können.

Dabei lebt der Roman auch und vor allem von Sophie als Sympathieträgerin, der zwar der Kontakt zur Wirklichkeit fehlt, die aber angenehmes Korrektiv zu PIrlo ist, der doch immer mal wieder etwas zu deutlich über die Stränge schlägt. Aber auch Nebenfiguren wie Marlene, Adams oder auch Arland vermögen zu überzeugen.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, diese hemmen den Lesefluss aber nicht erheblich, der Buchsatz ist fehlerfrei. Der Buchumschlag ist farblich eindrucksvoll und auf dem Titel, Buchrücken und Coverrückseite hochwertig geprägt. Zudem ist er mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen – lediglich das Titelbild fällt hier etwas ab, hätte durchaus mehr Liebe zum Detail vertragen.

Mein Fazit: „Pirlo – Gegen alle Regeln“ ist ein gelungener Justizkrimi, der vor allem durch Spannung, eine tolle Kanzleipartnerin und ein gelungenes Setting punktet und nur kleine Schwächen in der Handlung bietet, die bei einem Auftaktband verschmerzt werden können. Für Leser des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.

Hochspannung in allen Zeiten | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich erneut einige wundervolle Bücher, von denen ich Euch heute die ersten beiden zeigen möchte. „Des Kummers Nacht“ von Ralph Knobelsdorf ist ein historischer Kriminalroman, der im Preußen des 19. Jahrhunderts spielt und mich als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury erreichte. „Russische Botschaften“ von Yassin Musharbash ist hingegen ein hochaktueller Politthriller im Spannungsfeld zwischen Politik, Spionage und Investigativjournalismus – und erreichte mich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Vielen Dank an die Verlage Bastei Lübbe und Kiepenheuer & Witsch. Da stehen mir einige, spannende Lesestunden ins Haus!

Familien im Fokus | Doppelte Buchpost

In den nächsten Tagen werde ich Euch wieder einige Neuzugänge und Buchbesprechungen präsentieren. Den Anfang machen heute zwei Romane, die mich im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de als Rezensionsexemplare erreichten – vielen Dank dafür! Dies ist zum einen Hanni Münzers „Solange es Liebe gibt“, eine Familiensaga aus dem Tinte & Feder Verlag, und zum anderen „Hundstage für Beck“ von Tom Voss, das ich bereits *hier* besprochen habe. Wenn man die Cover betrachtet, könnten sie sowohl von den Farben als auch von der Stimmung her kaum unterschiedlicher sein – aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an :). Kennt Ihr eines der Bücher oder die Autoren bereits?

[Buchgedanken] Tom Voss: „Hundstage für Beck“ (Nick Beck 1)

In der letzten Zeit habe ich „Hundstage für Beck“ von Tom Voss gelesen, den ersten Band einer Reihe um den Ermittler Nick Beck. Der Roman ist 2021 bei FISCHER Taschenbuch, S. Fischer Verlag GmbH, veröffentlicht worden und als Kriminalroman einzugruppieren. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Bei Tom Voss handelt es sich um ein neues Pseudonym des Autors Sven Koch, der auch bereits als Pierre Lagrange Krimis für die S. Fischer Verlage veröffentlicht hat.

Nordbek – der kleine Ort im Hamburger Norden hat außer Natur und Einsamkeit nicht viel zu bieten. Genau der richtige Ort für den gefallenen LKA-Ermittler Nick Beck, der sich nach einem traumatischen Einsatz in die Provinz versetzen lässt. Hier ertränkt er allabendlich seinen Frust in Alkohol. Als er eines Nachts auf einer einsamen Landstraße eine junge Frau überfährt, die nur mit einem BH bekleidet war, lässt er die Leiche in Panik verschwinden. Doch bald wird ihm klar, dass die Schäden an seinem Auto nicht darauf hindeuten, dass er die Frau wirklich überfahren hat. Sie muss schon tot auf der Straße gelegen haben. Nur was ist passiert? Kurzerhand platziert Beck die Leiche so, dass sie gefunden wird. Zusammen mit Cleo Torner vom LKA Hamburg, die ihn bei den Ermittlungen unterstützen soll, versucht Nick Beck dem Verbrechen auf die Spur zu kommen. Dabei stößt er auf menschliche Abgründe, die tiefer sind, als er sich hätte vorstellen können.

„Hundstage für Beck“ ist ein klassischer Auftakt in eine Krimireihe. Ein Ermittler versetzt an einen neuen Einsatzort, eine Tote, ländliche Idylle und viel Lokalkolorit. Was „Hundstage für Beck“ jedoch von vergleichbaren Büchern unterscheidet, ist, dass Nick Beck bereits am Anfang sämtliche Sympathien verliert. Durch seine Sucht fällt er von einer Katastrophe in die nächste, und ist vielmehr damit beschäftigt, sich selbst vor (gerechtfertigten) Konsequenzen zu retten, als eigentlich wirklich zu ermitteln, verletzt er doch unzählige Gesetze und quasi alle Regeln vernünftiger Polizeiarbeit.

Nichtsdestotrotz ist die Handlung natürlich dennoch spannend, abwechslungsreich und hält auch immer mal wieder einige unerwartete Wendungen für den Leser bereit, wenn auch Teile zumindest vorhersehbar sind. Dabei wird die Spannung vor allem dadurch ergänzt, dass man als Leser nicht nur dem Täter, sondern auch dem Protagonisten am Ende eine gerechte Strafe wünscht.

Das Setting brilliert auf ganzer Linie, dörfliche Idylle, High-Society und mafiöse Strukturen wechseln sich mit nüchternen Ermittlungsräumen und hierarchischen Polizeistrukturen ab. Abgründe des Landlebens, organisierte Kriminalität und Machtvakuen – der Autor erschafft hier eine Kulisse, die die Spannung bereits regelrecht garantiert.

Dabei wird die Geschichte aus diversen Perspektiven erzählt, um immer mehr Puzzlestücke aufzudecken. Die einzelnen Perspektiven wechseln meist kapitelweise, teils aber auch innerhalb eines Kapitels, was nicht immer zur Übersicht beiträgt. Dennoch gelingt es dem Leser gut, den einzelnen Handlungssträngen zu folgen, sich in die Figuren hineinzuspüren – auch wenn man das, insbesondere bei Nick, gar nicht so wirklich will. Etwas kurz kommt mir hierbei die Jugendclique um Fee, Morten, Marie und Rasmus, die noch so viel mehr Drama, so viel mehr Gewicht hätte haben können, sind doch gerade die Verwicklungen der Personen untereinander unglaublich spannend.

Die einzelnen Figuren sind dabei durchaus gut angelegt, insbesondere überzeugen Cleo, Marie und Morten. Nick bleibt hingegen – auch dank seiner Sucht – etwas eindimensional. Während es Tom Voss gelingt, die einzelnen Handlungsstücke rund um den Fall gut aufzulösen, bleibt dies jedoch leider gerade hinsichtlich der einzelnen Charaktere aus. So wird weder Cleos und Chris‘ Beziehung geklärt, noch Nicks Zukunft, was den Leser etwas enttäuscht zurücklässt.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist eindrucksvoll, zieht sich über den gesamten Buchumschlag und gibt die Stimmung des Buches gut wieder. Mir fehlt hier jedoch etwas der Bezug zur Geschichte, wenn man bedenkt, dass der Unfall auf der Straße im Dunklen geschehen ist – und es ist eindeutig klargestellt, dass es nur einen kleinen Blutfleck auf der Straße gab, während auf dem Cover doch eine größere Lache zu sehen ist.

Mein Fazit? „Hundstage für Beck“ ist ein gelungener Kriminalroman, der vor allem durch eine spannende Handlung und ein brillantes Setting überzeugt, bei der Figur des Ermittlers aber noch Luft nach oben lässt und nicht alle Handlungsstränge zufriedenstellend auflöst. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Christiane Dieckerhoff: „Verfehlt: Ein Spreewald-Krimi“ (Spreewald 2)

Vor einigen Tagen habe ich im Rahmen einer Leserunde „Verfehlt: Ein Spreewald-Krimi“ von Christiane Dieckerhoff gelesen. Das Buch ist 2021 in der Aufbau Verlag GmbH und Co. KG erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin, den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Tod auf dem Spreewaldfest. Kommissarin Klaudia Wagner und ihr Team sind auf dem Spreewaldfest darauf eingestellt, Betrunkene aus dem Verkehr zu ziehen und Streitigkeiten zu schlichten, doch dann fällt der Schützenkönig ermordet ins Hafenbecken. Während die Rettungskräfte noch damit beschäftigt sind, die Leiche zu bergen, verfehlt ein Wurfmesser den alten Schiebschick, Klaudias väterlichen Freund. Es gibt sogar eine Beschreibung des Täters: eine Gestalt in einem Gurkenkostüm. Als Klaudia Wagner mit ihrem Freund reden will, findet sie ihn mit einem Messer im Rücken lebensgefährlich verletzt. Ganz Lübbenau ist in Aufruhr. Ist das der Beginn einer Mordserie?

„Verfehlt“ ist nach „Vermisst“ der zweite Teil der Spreewald-Krimi-Reihe von Christiane Dieckerhoff um die sympathische Ermittlerin Klaudia Wagner. Trotz einiger Anspielungen auf den ersten Band ist dabei „Verfehlt“ durchaus als Standalone lesbar, ohne dass die einzelnen Figuren und Entwicklungen nicht nachvollzogen werden können, wobei ich natürlich, wenn man die Wahl hat, empfehlen würde, mit dem ersten Band einzusteigen.

Dabei überzeugt der Roman vor allem durch ein gelungenes und authentisches Setting mit viel Lokalkolorit. Als gebürtiger Brandenburger – wenn auch nicht aus dem Spreewald – fühlte ich mich sofort im Buch heimisch. Zudem verhehlt die Autorin auch die Probleme ländlicher bzw. kleinstädtischer Regionen nicht, seien es Integrationsmängel in den letzten Jahrzehnten, wenig durchlässige Gesellschaften oder auch die Diskrepanz zwischen Stadt und Land.

Auch die Handlung vermag im Großen und Ganzen zu überzeugen, wenn man auch aufgrund der Vielzahl an Figuren einen relativ schweren Einstieg in die Geschichte hat. Nach einigen Seiten wird man dann jedoch mit einer spannenden Handlung belohnt, die leider in der Mitte einige Längen hat und in einem eher unnötigen Cliffhanger endet. Abgesehen davon gelingt es der Autorin jedoch, mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung beim Leser für Spannung zu sorgen.

Christiane Dieckerhoffs Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen. Auch die Protagonisten sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem die Nebencharaktere um Demel, Meinert und Jones, während Klaudias Überfordertheit zwar durchaus nachvollziehbar ist, dennoch beim Lesen manchmal nervt.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sehr sauber gearbeitet. Das Cover vermittelt gut die Grundstimmung des Romanes, wobei sich das Titelbild über den gesamten Buchumschlag zieht und einen tollen Gesamteindruck erweckt. Lediglich die vorangestellte Dramatis Personae ist – inhaltlich – zu ausführlich und gibt dem Leser bereits Bilder der handelnden Personen vor, die er so nicht selbst entdecken kann.

Mein Fazit: „Verfehlt: Ein Spreewald-Krimi“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Regionalkrimi, der vor allem mit einem tollen Setting und einem locker-leichten Schreibstil glänzt, aber auch kleinere Schwächen in der Handlung aufweist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Olivia Monti: „Sterbewohl“

In der letzten Zeit habe ich „Sterbewohl“ von Olivia Monti gelesen – mein drittes Buch der Autorin nach „Das Haus“ und „Der Regisseur“ (veröffentlicht als Olivia Kleinknecht). Der Roman ist 2020 im Selfpublishing erschienen und – entgegen der Aufschrift „Kriminalroman“ – aus meiner Sicht als Dystopie / dystopischer Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die erneute Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie. Der Staat veranstaltet neuerdings für ältere Menschen Sterbeseminare in Luxushotels. Ihnen soll dort schmackhaft gemacht werden, Sterbewohl, eine tödliche Pille, zu schlucken, um beizeiten die Allgemeinheit zu entlasten. Nadja, Anna, Max und Fred sind über 65 und in hellem Aufruhr. Alle vier haben vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar ins komfortable Hotel Paradies auf Fehmarn erhalten. Offiziell ist das Einnehmen von Sterbewohl zwar freiwillig. Wie manche munkeln, kehrt aus den Hotels aber niemand mehr zurück.

„Sterbewohl“ ist bislang vielleicht das beste, zumindest aber kurzweiligste Buch der Autorin, das sich gut und flüssig lesen lässt. Dabei spielt das dystopische Szenario zwar in naher Zukunft, ist glücklicherweise aber noch ideologisch weit entfernt. Dennoch legt die Autorin mit der Prämisse den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und auf die Fragilität von Demokratien.

Auch wenn einige Kleinigkeiten implausibel sind, ist die Handlung im Wesentlichen spannend und dynamisch und wird durch das gleichermaßen interessante wie erschreckende Setting des Hotel Paradies atmosphärisch untermalt. Als Leser wird man direkt in die Handlung geworfen, was vermutlich der Kürze des Romans geschuldet ist – hier hätte vielleicht etwas geruhsamer aufgebaut werden können.

Die einzelnen Charaktere überzeugen ebenfalls im Wesentlichen, haben Stärken und Schwächen und eigene Ziele und Motive. Insbesondere Max hat mir hier gut gefallen.

Die Buchgestaltung ist insgesamt solide, allerdings ist beim Buchsatz noch Luft nach oben. Das Cover dahingegen ist schlicht, aber auffällig und zieht sich (mit Ausnahme des obigen roten Balkens … warum?) über den kompletten Buchumschlag, der insgesamt überzeugt – lediglich die Coverrückseite ist etwas überfachtet.

Mein Fazit? „Sterbewohl“ ist eine gelungene Dystopie, eine Ode an das geruhsame Altern. Kleinere Logiklücken schmälern dabei das Lesevergnügen kaum – für Liebhaber des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.

Bücherreigen zur Adventszeit 2 | Doppelte Buchpost

Und auch heute möchte ich Euch wieder zwei tolle Bücher zeigen, die mich kurz vor Weihnachten erreichten. Dabei handelt es sich um zwei Rezensionsexemplare: „Sterbewohl“ von Olivia Monti und „Krone der Welt“ von Sabine Weiß. Vielen Dank an die Autorinnen, an Bastei Lübbe und an die Bloggerjury für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare. Ich bin schon sehr gespannt darauf, ins 16. Jahrhundert und in eine dystopische Zukunftsvision einzutauchen.

Kennt jemand die Bücher bereits? In welche Zeit würdet Ihr gern einmal reisen?