[Buchgedanken] Maria Grund: „Krakenkind“ (Berling & Pedersen 4)

In den letzten Tagen habe ich auch „Krakenkind“ von Maria Grund gelesen. Das Buch ist 2026 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Bläckfisken“ bei Polaris, Stockholm. Das Buch ist als Thriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Sabine Thiele verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Småland, Spätsommer 1996: Die Abendsonne taucht den kleinen schwedischen Ort Augu in goldenes Licht. Doch die Idylle trügt, denn in der Dunkelheit der Nacht geschieht ein brutales Verbrechen. Eigentlich wollte die junge Polizistin Sanna nach Gotland ziehen und dort ein neues Leben beginnen, doch dieser Fall hält sie davon ab, ihre Koffer zu packen. Anhaltspunkte gibt es wenige, die Ermittlungen kommen nur schleppend voran, aber bei näherem Hinsehen bekommt das friedliche Bild der Gemeinde tiefe Risse. Die Bewohner von Augu hüten dunkle Geheimnisse, und noch bevor Sanna das Geflecht aus Lügen entwirren kann, gibt es weitere Opfer. Das Grauen hat gerade erst begonnen …

„Krakenkind“ ist der vierte Band der Buchreihe um Sanna Berling und Eir Pedersen – und fungiert als Prequel zu den anderen drei Bänden, indem der Roman tief in Sannas Vergangenheit eintaucht, bevor diese Eir überhaupt kennengelernt hat. So ist es auch unschädlich, dass ich noch keinen Roman der Reihe gelesen habe – das Buch lässt sich gut als Einstieg in die Serie nutzen. Allerdings fällt mir die Genrezuordnung nicht leicht. Durch die doch präsente Ermittlungs- und Polizeiarbeit ließe sich das Buch auch gut als Kriminalroman einordnen, ich habe es aufgrund der stark atmosphärischen Spannung aber bei der – auch auf dem Cover aufgedruckten – Kategorisierung als Thriller belassen.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und wartet mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, lebt aber vor allem durch die angesprochene Atmosphäre, wirklicher Thrill stellt sich eher selten ein. Dabei wird die Geschichte aus unzähligen Perspektiven erzählt – und bindet viele wichtige Themen ein. Insgesamt erstreckt sich die Handlung über knapp zwei Wochen im Jahr 1996 – irritierenderweise wird als Prolog ein Ereignis vorangestellt, das erst nach Abschluss der Handlung stattfindet. Allerdings kann das Ende durchaus überzeugend, auch wenn die Person des Haupttäters jetzt keine große Überraschung darstellte.

Das Setting kann auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in den kleinen Ort Augu ins Jahr 1996, eine Zeit, in der die Digitalisierung noch in den Babyschuhen steckte, kaum niemand Handys besaß und Polizeiarbeit noch stärker im Kontakt mit Menschen stattfand. Häusliche Gewalt, Fluchtbewegungen, Entwurzelung, sexueller Missbrauch, Armut, Depressionen und tödliche Krankheiten ziehen sich durchs Buch und sorgen für eine düstere, teils beklemmende Atmosphäre, die so typisch und dennoch immer wieder so brillant in skandinavischen Thrillern eingesetzt wird.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Sanna brillieren hier vor allem wichtige Nebencharaktere wie Rebecka, Mira und Borghild – irritierend ist lediglich, dass quasi alle männlichen Figuren durchweg negativ charakterisiert werden. Maria Grunds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und ist genre- und reihentypisch ansehnlich. Abgerundet wird die Handlung mit Hilfsangeboten, die im Anhang abgedruckt sind und Betroffene unterstützen sollen – stark!

Mein Fazit? „Krakenkind“ ist ein atmosphärisch starker Thriller, der mit seinem Setting und tollen Charakteren brilliert, in der Handlung aber noch etwas mehr Spannung hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

Hochspannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Poyais. Ein Land, das es nie gab“ von Uli Aechtner (Emons Verlag) thematisiert dabei einen der größten, historischen Betrugsfälle der Geschichte, während Ken Jaworowski mit „What About the Bodies“ (Pendragon Verlag) einen teils düsteren, aber schwarzhumorigen Kriminalroman veröffentlicht hat. Beide Romane garantieren also gleichermaßen Hochspannung – auch wenn sie jeweils ganz unterschiedliche Genrevarianten bedienen. Ich freue mich!

Welche Form von spannungsgeladenen Romanen bevorzugt Ihr?

[Buchgedanken] Yngra Wieland: „Die weiße Dame“ (Salome Liebeskind 1)

In den letzten Tagen habe ich auch „Die weiße Dame“ von Yngra Wieland gelesen. Das Buch ist 2026 in der Edition M, Amazon Media EU S.à r.l. (Amazon Publishing) erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Psychotherapeutin Salome Liebeskind kommt sich vor wie eine Figur in einem Schachspiel: Da ist die schwierige Beziehung zu ihren Eltern in Israel, ihre verlorene Liebe – und jetzt auch noch ein Tötungsdelikt. Denn in Salomes Gemeinschaftspraxis wurde ihre Kollegin Eva brutal ermordet. War es eine Beziehungstat? War einer der Patienten der Täter? Der ermittelnde Hauptkommissar Julian Christ hält Salome für verdächtig, und sie beginnt selbst nachzuforschen. Dabei entdeckt sie, dass Eva keineswegs so korrekt war, wie es den Anschein machte. Als auch der Pfarrer und der Bürgermeister des Münchner Vorortes ermordet werden, zieht sich für Salome die Schlinge zu. Sie muss ihr ganzes psychologisches Können einsetzen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Diese scheint so undurchdringlich wie die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele …

„Die weiße Dame“ ist der Auftaktband in die Buchreihe um die Psychotherapeutin Salome Liebeskind und mein erster Roman aus der Feder von Yngra Wieland, die ich bereits aus dem Burgenwelt Verlag kenne. Das Buch lässt sich dabei klar als Kriminalroman einordnen – was auch die Platzierung im Label „Edition M“ bereits andeutet, handelt es sich doch um das Verlagsimprint von Amazon Publishing für deutschsprachige Krimis und Thriller. Atypisch wird der Fall dabei parallel von den Protagonist:innen bearbeitet, eine wirkliche Zusammenarbeit findet eigentlich nicht statt.

Dabei ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch anfangs mit kleineren Längen versehen. Interessant ist hierbei die Mischung des Kriminalfalls mit psychologischen Ansätzen, ist Salome doch praktizierende Psychotherapeutin und versucht, hinter die Fassade der Menschen zu blicken – als Anhängerin Jungs, die ihre Katze nach dem bekannten Psychiater benannt hat. Vor allem das Ende vermag vorliegend zu überzeugen, kommt es doch – obwohl es ein Reihenauftakt ist – ohne Cliffhanger aus, sodass das Buch gut als Standalone zu lesen ist.

Das Setting ist gelungen, aber auch etwas austauschbar, entführt die Autorin doch die Leser:innen in einen Münchener Vorort – Stammtisch, Kirche und politisches Geklüngel inklusive. Abgesehen von den typisch bayrischen Gerichten in der Wirtschaft fehlt es jedoch etwas an Lokalkolorit – ein bisschen Dialekt hätte hier gerade bei den Stammtischgesprächen nicht geschadet und für ein noch runderes Leseerlebnis gesorgt. Auch hätte ich mich gefreut, noch tiefer in psychologische Thematiken einzusteigen.

Die einzelnen Figuren sind durchaus vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der Kürze des Buches durchaus in den Folgebänden die Komplexität der Charaktere noch ausgebaut werden kann. Bislang überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Benno, Ciggy, aber auch Julian kann glänzen, während Salome nicht immer nachvollziehbar handelt. Yngra Wielands Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Das Covermotiv wird teils zum Buchrücken hin unterbrochen, der sich dann aber zur Coverrückseite hin fortsetzt. Abgesehen davon ist das Covermotiv eher einfach gehalten, kein Eyecatcher und genreatypisch, zeigt aber durchaus Anklänge zur Handlung. Abzuwarten bleibt zudem, ob es gelingt, mit den Covern der Folgebände einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert zu erzeugen.

Mein Fazit? „Die weiße Dame“ ist ein gelungener Auftaktband, der durch die spannende und interessante Mischung aus Krimi und Psychologie brilliert, bei den Charakteren aber auch noch Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Spannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich zwei Fortsetzungen von Krimireihen für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Branderbe“ ist hierbei schon der dritte, im Selfpublishing veröffentliche, Band um das Frankfurter Duo Sebastian Buck und Maike Lange von Lou Sandberg („Mainblüte“ kenne ich bereits), während „Der Tod wischt mit“ (Wilhelm Heyne Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) die Reihe um Tilly Blich von Andreas Suchanek als zweiter Band fortsetzt. Ich bin schon ganz gespannt darauf zu erfahren, wie sich die Charaktere in Lous Buch weiterentwickelt haben – und freue mich schon darauf, mit Tilly – Inhaberin einer Reinigungsfirma – eine mal ganz andere Ermittlerin kennenzulernen.

Was mögt Ihr an Krimis?

[Buchgedanken] Manuela Schörghofer: „Schatten über dem Kloster“ (Isabella Falk 1)

Vor kurzem habe ich auch „Schatten über dem Kloster“ von Manuela Schörghofer gelesen. Das Buch ist 2025 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als historischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Allgäu 1376: In den rußgeschwärzten Ruinen des Klosters Weißenfels wird die Leiche des Bürgermeisters entdeckt – doch schnell stellt sich heraus, dass er bereits vor dem verheerenden Brand ermordet wurde. Der zuständige Richter von Füssen erkrankt, und kurz vor seinem Tod setzt er seine Frau Isabella Falk als Erbin ein unter der Bedingung, den Mord an seinem Freund aufzuklären. Gemeinsam mit dem charismatischen Gerichtsschreiber Leonhard folgt Isabella einer Fährte aus Verrat und dunklen Machenschaften – und gerät dabei selbst in tödliche Gefahr.

„Schatten über dem Kloster“ ist mein fünftes Buch von Manuela Schörghofer – und der erste Band der neuen Reihe um Isabella Falk, die Witwe des Stadtrichters. Dabei wird das Buch auf dem Cover als historischer Roman bezeichnet, gleichzeitig aber als historischer Krimi beworben. Insbesondere im Hinblick darauf, dass das Buch hier eine Reihe um Isabella begründen soll, kann ich mir vorstellen, dass die nächsten Bände noch stärker in Richtung Krimi driften, vor allem, wenn aus Isabella, Leo und Magnus ein noch stärker zusammengeschweißtes Trio wird.

Die Handlung ist hierbei spannend und abwechslungsreich und wird aus vielen verschiedenen (fast zu vielen) Perspektiven erzählt. Etwas krimiuntypisch werden hier die Täter schon früh sowohl den Leser:innen als auch den Protagonist:innen präsentiert, aber auch die Suche nach Beweisen sorgt für ausreichend Spannung. Leider wird am Ende als Cliffhanger noch ein Ausblick auf den nächsten Band präsentiert, auf den man gut hätte verzichten können, um das Ende runder zu gestalten. So oder so bleiben aus dem Buch ohnehin noch genug Handlungsstränge für den Folgeband offen.

Vor allem das Setting kann naturgemäß wieder überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Füssen des 14. Jahrhunderts, ins ausgehende Mittelalter zwischen ersten städtischen Bestrebungen um mehr Unabhängigkeit und der weiterhin, gerade im Alltag dominanten, Kirche. Dabei mischt Manuela Schörghofer Themen wie die Rolle der Frau und sogar ein zartes, angedeutetes Love Triangle in die Krimihandlung mit ein zu einem interessanten Gesamtpaket, das auch wieder dank einer wirklich tollen Recherche punkten kann, auch wenn zugunsten der Lesbarkeit sicherlich auf das ein oder andere historische oder lokale Detail verzichtet wurde – wie zum Beispiel den sicherlich breiten Dialekt im Allgäu.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere (wichtige) Nebencharaktere wie Bruder Gregorius, Odine, Dietbrand Högl und – aus dem Trio – am ehesten Magnus, während Isabella noch etwas wankelmütig ist und nicht immer nachvollziehbar handelt, im nächsten Band aber noch stärker geprägt werden kann. Manuela Schörghofers Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Geschichte wird eine Dramatis Personae und ein Glossar vorangestellt, bei der Karte hätte ich mir etwas mehr Detailtiefe und Bezug zur Handlung gewünscht. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin krass unterbrochen und lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen, ist dafür aber wirklich ansehnlich und ein schöner Eyecatcher – es bleibt abzuwarten, ob es mit den Folgebänden harmonisiert und sich ein einheitliches Reihenlayout mit Wiedererkennungswert einstellt.

Mein Fazit? „Schatten über dem Kloster“ ist ein sehr solider Einstieg in die Reihe, der vor allem mit seinem Setting und einer tollen Recherche punktet, aber auch noch Luft nach oben für den Folgeband lässt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren..

[Buchgedanken] Fabian Navarro: „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ (Miez Marple 3)

Vor kurzem habe ich auch „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ von Fabian Navarro gelesen. Das Buch ist 2025 unter dem Label HaymonKrimi in der Haymon Verlag Ges.m.b.H. erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Katzendetektivin Miez Marple checkt im Tierhotel Bellagio ein! Und findet sich damit in der wohl luxuriösesten Unterkunft am Rand der Großstadt wieder. Eigentlich wollte sie ein paar Tage einen ruhigen Wollball schieben – aber nix da! Mit dem Tod einer Schnurrhaar-Diva kommen Geheimnisse ans Licht wie Mäuse aus ihren Löchern. Und der Mörder oder die Mörderin scheint direkt aus der Gemeinschaft der top gestylten und mit Gourmetleckereien vollgefressenen Haustiere zu kommen. Oder etwa doch aus dem tiefen, dunklen Wald nebenan?

„Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ ist der dritte Teil der Buchreihe um die flauschige Detektivin Miez Marple, deren ersten beiden Bände noch bei Goldmann erschienen sind. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist ein tierischer Kriminalroman, der durchaus in Teilen auch cosy (oder wie vom Verlag benannt cuddly) ist. Gleichsam ist er auch in bester Agatha-Christie-Manier größtenteils ein Kammerspiel, ist der Kreis der Personen und der Handlungsort doch stark begrenzt. Der Einfachheit halber habe ich es dennoch bei der groben Einordnung als Kriminalroman belassen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch zwischenzeitlich mit kleineren Längen versehen. Dabei lässt sich das Buch, das aus Miez Marples personaler Erzählperspektive erzählt wird, gut als Standalone lesen, wenn auch die Lektüre der vorherigen Bände insbesondere Miez Marples Beziehung zu einigen anderen Charakteren sicherlich noch vertieft beleuchtet hätte. Etwas schade ist auch, dass der Epilog bereits den nächsten Fall anteasert – ein klarerer Schnitt hätte hier für ein noch runderes Leseerlebnis gesorgt.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen größtenteils in eine luxuriöse Tierpension, in der – unüblich – alle möglichen Tiere zusammenleben. Dabei ist die tierische Welt gespickt mit Anspielungen an die Welt der Menschen – egal ob Sprichwörter, Fernsehprogramme oder Kryptowährungen. Und auch wenn das ganze manchmal sogar etwas zu weit geht, macht das doch einen Großteil des Charmes des Buches aus und sorgt für humorvolle Momente. Hierbei gelingt es Fabian Navarro, in den Krimi durchaus auch kleine, gesellschaftskritische bzw. gesellschaftlich relevante Themen und Aspekte unterzubringen.

Die einzelnen Figuren haben eigene Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, sind teils aber etwas eindimensional gestaltet. Hierbei überzeugen insbesondere noch wichtige Nebencharaktere wie Meredith, Florian und Gina, während Cookie und insbesondere Gabriel eher eindimensional verbleiben und Miez Marple nicht immer nachvollziehbar handelt. Fabian Navarros Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen, toll gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken leider jeweils krass unterbrochen. Generell ist die Farbgebung des Umschlags sehr ansehnlich und das Covermotiv ein Eyecatcher, das Design weicht jedoch von den früheren Bänden der Reihe ab und bricht so etwas den Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ ist ein im Wesentlichen gelungener, tierischer Kriminalroman, der vor allem mit seinem Setting und Wortwitz überzeugt, aber auch kleinere Längen und Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres – und insbesondere für Katzenfreunde – bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Tatjana Kruse: „Mumien morden mittwochs nie“

Vor kurzem habe ich auch „Mumien morden mittwochs nie“ von Tatjana Kruse gelesen. Das Buch ist 2025 unter dem Label Haymonkrimi in der Haymon Verlag Ges.m.b.H. veröffentlicht worden und als humoristischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Polly kann es nicht fassen! Der wohl wichtigste Augenblick in ihrer bisherigen Karriere entpuppt sich als absolute Katastrophe. Der Museumsdirektor hat die Ausstellung mit verloren geglaubten Artefakten aus der siebten Dynastie zu einer Entertainmentveranstaltung gemacht. Und zu allem Überfluss muss Polly sich auch noch wahnwitzige Theorien zu einem angeblichen Fluch der Mumie anhören. Als allerdings ein Museumsangestellter nach dem anderen spektakulär zu Tode kommt, muss sich plötzlich auch Polly fragen, ob hier etwas Paranormales im Gange ist …

„Mumien morden mittwochs nie“ ist mein erster Roman der Autorin Tatjana Kruse, die als Markenzeichen Krimis mit Komödien verknüpft. Daher wird das Buch auf dem Cover auch konsequenterweise vom Verlag als Krimödie betitelt, in der Genrezuordnung habe ich es dennoch bei einem humoristischen Kriminalroman belassen, wobei das Buch im besten Stile an Kammerspiele von Agatha Christie erinnert – nur viel schwarzhumoriger. Zugleich bietet der Roman – als Standalone angelegt – viel Potential für Folgebände.

Denn die Handlung kann vor allem dank der abstrusen Szenen glänzen. Auch wenn es anfangs hierbei noch kleinere Längen gibt, entwickelt sich der Roman spätestens in der zweiten Hälfte zum absoluten Pageturner, ist hierbei abwechslungsreich, spannend und kurzweilig. Und auch das Ende vermag zu überraschen – lediglich auf den nachgeschobenen Epilog hätte man meines Erachtens verzichten können. Gleichsam ist die Handlung durchaus schonungslos brutal – auch wenn der Großteil der Gewalt nicht live miterlebt wird.

Auch das Setting kann brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in ein futuristisch-entworfenes Design-Museum, das an das Guggenheim-Museum in Bilbao erinnert – und trotz des kammerspielartigen Settings, bei dem das Gebäude nicht verlassen wird, daher dennoch viele verschiedenen Schauplätze bietet. Dabei gelingt es Tatjana Kruse, nicht nur den Krimi mit archäologischem und geschichtlichem Wissen zu bereichern, sondern am Rande auch Themen wie Stigmatisierung, Beutekunst, Hochstapelei und noch viele weitere in den Roman mit einzubinden.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugt neben Polly vor allem der absolute Leser:innen-Liebling Daphne, von der ich gern weitere Geschichten lesen würde, während Timothee etwas blass und eindimensional verbleibt. Tatjana Kruses Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist humorvoll und wortgewaltig.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist solide und wartet mit interessanten Kapiteleinleitungen auf. Der Umschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv wird irritierenderweise nur partiell zum Buchrücken hin unterbrochen, ist sonst farblich zwar auffällig, insgesamt aber eher eintönig und kein klassischer Eyecatcher. Allerdings kann die Typografie überzeugen.

Mein Fazit? „Mumien morden mittwochs nie“ ist ein unglaublich abstruser, schwarzhumoriger Kriminalroman, der mit seinem tollen Setting, starken Protagonist:innen und vor allem mit dem genretypischen Humor punkten kann. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Marcel Huwyler: „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ (Violetta Morgenstern 7)

Vor kurzem habe ich auch „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ von Marcel Huwyler gelesen. Das Buch ist 2025 bei GRAFIT in der Emons Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin im Namen des Staates, hat ein neues Privatleben: Sie wohnt als Patchwork-Oma mit ihrem Kollegen Miguel Schlunegger und dessen Zwillingstöchtern zusammen. Zum Glück rettet sie ein neuer Auftrag vom Killerministerium „Tell“ aus dem Familien-Chaos. Violetta und Miguel sollen einen Archäologen eliminieren. Der hat in Ägypten einen rätselhaften Fund gemacht, der die Geschichtsschreibung verändern könnte. Doch als die beiden zur Tat schreiten wollen, kommt ihnen ein Unbekannter zuvor …

„Violetta Morgenstern und die Offenbarung“ ist mein erster Roman der bisher siebenteiligen Reihe um die pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin Violetta Morgenstern – und es wird sicherlich nicht mein letzter bleiben. Dabei lässt sich das Buch gut als Standalone lesen, die Reihe sich jedoch gar nicht so einfach kategorisieren, zeigt sie doch parodistische Ansätze, ist eine Mischung aus Agententhriller und in einem Handlungsstrang sogar fast Cosy Crime. Ich habe es der Einfachheit halber daher bei der auf dem Cover festgehaltenen generalisierten Eingruppierung als Kriminalroman belassen.

Die Handlung ist unglaublich humorvoll, spannend und kurzweilig – ein wahrer Pageturner und Jahreshighlight. Dabei gelingt es Marcel Huwyler ernste Themen und absurde Situationen und Konstellationen aneinanderzureihen, sodass man sich als Leser:in zu jeder Zeit gut unterhalten fühlt. Auch das Ende vermag zu überzeugen, wenn es auch etwas schnell und hastig kommt – ein paar mehr Seiten zum Schluss hätten der Story sicherlich nicht geschadet. So oder so verbleibt aber viel Potential für noch viele weitere Morgenstern-Geschichten – ich denke, ich spreche für alle, wenn wir uns hier noch mehr wünschen.

Denn auch das Setting brilliert. So entführt Marcel Huwyler die Leser:innen nicht nur geografisch in die Schweiz, sondern vor allem auch sprachlich und kulturell – Dialekt, kreative Wortschöpfungen und ganz viel schweizerisches Lebensgefühl inklusive. Dabei vermengt der Autor zudem gekonnt die Thriller-/Krimihandlung mit parodistischen Elementen, die auf jeder Seite einen unglaublichen Humor durchscheinen lassen. Gleichsam werden dennoch auch wichtige Themen angesprochen wie Einsamkeit im Alter, die Situation von Alleinerziehenden und die Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei glänzen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ida, Frida und Werner Gottlieb, aber auch Violetta Morgenstern brilliert in ihrer Rolle als pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin, lediglich Miguel überzeugt mich nicht vollends – aber ggf. können die anderen Bände hier das Bild abrunden. Marcel Huwylers Schreibstil ist hingegen – wie bereits angedeutet – unglaublich humorvoll und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist solide, das Buch insgesamt eher schmucklos. Das Covermotiv und die Coverrückseite werden jeweils zum Buchrücken hin krass unterbrochen, der Buchumschlag insgesamt ist farblich durchaus ansprechend aber kein Eyecatcher. Das Covermotiv bietet zumindest abstrakte Anklänge zur Buchreihe, wenn auch nicht zur konkreten Handlung des Bandes, passt sich insgesamt aber gut in das Gesamtgefüge der Reihe ein und sorgt für Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ ist ein fast perfekter, parodistischer Kriminalroman, der vor allem mit seinem unglaublichen Humor und viel Lokalkolorit überzeugen kann. Für Leser:innen des Genres – auch als Neueinstieg in die Reihe – bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Mainblüte“ (Buck & Lange 2)

Vor kurzem habe ich auch „Mainblüte“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2024 im Selfpublishing über BoD (Books on Demand GmbH) veröffentlicht worden und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Licht- und Luftbad am Frankfurter Mainufer liegt die Leiche eines Kindes. Der Junge trägt ein weißes Kleid und ruht in einem Meer aus Blütenblättern. Alle Anzeichen deuten auf einen selbst gewählten Tod – und eine selbst gewählte Identität: Tyra. Aber wer ist Tyra? Sebastian Buck, Frankfurter wider Willen, und seine Kollegin Maike Lange machen sich auf die Suche nach Antworten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Tyra hat eine Schwester, die nur eines will: Rache.

„Mainblüte“ ist nach „Strohtod“ der zweite Band der Reihe um Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und Kriminaloberkommissarin Maike Lange – mittlerweile existiert mit „Branderbe“ auch ein dritter Teil. „Mainblüte“ lässt sich dabei gut als Standalone lesen, werden doch relevante Stationen der Vergangenheit von beiden Protagonist:innen erklärt und eingebunden, sodass man nicht das Gefühl hat, den ersten Teil zu vermissen. Die Genrezuordnung ist jedoch nicht ganz leicht, ich habe es der Einfachheit halber bei der Einordnung der Autorin als „Kriminalroman“ belassen.

Denn die Handlung entspricht durchaus nicht einem klassischen Krimi, liegt doch weder ein Verbrechen vor, noch muss groß ermittelt werden. Vielmehr zeigt das Buch Anklänge an einen Jugendthriller, an einen Schicksalsroman und an Gegenwartsliteratur – halt mit Polizist:innen. Insbesondere in der ersten Hälfte ist das Buch daher eher ereignisarm, aber nichtsdestotrotz sehr interessant und abwechslungsreich, auch wenn die Vielzahl an behandelnden Themen von (u.a.) Transidentität, Cybermobbing, sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener, Integrationsmängeln, Queerfeindlichkeit, Patchworkfamilien, Gewaltausbrüchen und Suizid dafür sorgt, dass man hier eher an der Oberfläche verbleibt.

Dennoch kann das Setting überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nach Frankfurt am Main, aber nicht in die schillernde Bankmetropole sondern eher in die verschiedenen Milieus zwischen Eckkneipen und verlassenen Freibädern, auch wenn hier manchmal durchaus Klischees bedient werden – auch bei der etwas zu offensiv eingesetzten Jugendsprache, die sogar per Glossar noch erklärt wird. Zudem endet das Buch leider etwas offen – die Konsequenzen der Handlungen der Figuren werden zumindest in diesem Band leider nicht mehr beleuchtet, sondern nur teils angedeutet, und auch die Perspektive wechselt sehr regelmäßig, teils auch mitten in den Kapiteln.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive und entwickeln sich – zumindest was das Ermittelnden-Duo angeht – sicherlich auch von Band zu Band weiter. In diesem Roman überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere w.ie Shirin und OB, während auch Maike glänzen kann, Buck aber noch etwas farblos verbleibt. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen. Dabei hilft es sicherlich, dass die Nachstellung der Ophelia-Szene momentan in aller Munde ist – wenn auch eher durch ein Bild im Museum Wiesbaden und nicht durch das Werk im Tate Britain.

Die Buchgestaltung ist solide. Sofern durchgeführt sind Lektorat und Korrektorat zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Die Geschichte wird mit dem bereits erwähnten Glossar und einer Liste von Hilfsangeboten für diverse Themen abgerundet (unglaublich wichtig!), aufgrund der brisanten Themen hätten sich zudem Content Notes angeboten. Das Cover bzw. der Buchumschlag generell ist farblich toll und zeigt Anklänge zur Handlung, ist insgesamt aber eher unauffällig und schlicht. Ob es gelingt, über alle Bände hinweg ein einheitliches Gesamtbild mit Wiedererkennungswert zu schaffen, bleibt zudem abzuwarten.

Mein Fazit? „Mainblüte“ ist ein ungewöhnlicher Kriminalroman, der wichtige Themen anspricht und abwechslungsreich ist, aber auch etwas an der Oberfläche verbleibt und kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht unter einem Lesealter von 16 Jahren.

Von Auftragskillern und mysteriösen Jungen | Doppelte Buchpost

Auch heute hab ich zwei hochspannende Krimi-Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ von Davide Morosinotto (Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH) entführt die Leser dabei nach Nürnberg auf der Suche nach Kaspar Hauser, während „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ von Marcel Huwyler (Grafit in der Emons Verlag Gmbh) bereits der siebte Band um die Auftragskillerin Violetta Morgenstern ist. Ich bin auf beide Bücher schon sehr gespannt!

Mögt Ihr es, auch mal eine Killerin als Protagonistin eines Kriminalromans zu lesen?