[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ (Das vergessene Museum 1)

Bevor ich mit den Messeberichten fortsetze, möchte ich Euch heute erst einmal das Buch vorstellen, das ich während der Messe beendet habe. „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist der neue Roman von Andreas Suchanek. Das Buch ist 2025 in der dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG erschienen und als Urban Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Liam hat es nicht leicht. Aufgewachsen in eher ärmlichen Verhältnissen, hält er sich in London als Fahrradkurier über Wasser. Als er ein Paket zu einem Privatmuseum liefert, wird er dort Zeuge eines Überfalls. Er kann nichts mehr für den sterbenden Kurator tun, doch dieser überträgt ihm ein Symbol aus schwarzer Tinte auf seine Haut – und macht ihn somit zum neuen Siegelwahrer des Museums. Liam wird in die Welt eines international agierenden Museumsnetzwerks katapultiert, welches magische Artefakte sicher verwahrt – denn mit diesen lassen sich gefährliche Kräfte kanalisieren. Doch die Museen werden von einem gefährlichen Gegner bedroht und schnell wird klar: Liams eigene Vergangenheit ist eng mit den Geschehnissen verknüpft.

„Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist der Auftaktband der neuen Urban-Fantasy-Reihe von Andreas Suchanek und mein erstes Buch des Autors. Vom Verlag wird es für Fans von Ben Aaronovitch beworben, was sicherlich noch zu große Fußstapfen sind – aber wer weiß: kleinere Parallelen sind zumindest da. Das Buch ist dabei als klassische Urban Fantasy einzuordnen, zeigt darüber hinaus aber auch kleinere Elemente eines Detektivromans – und ist aufgrund der Zeitsprünge und Artefakte zuweilen sogar ganz leicht historisch angehaucht.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und wartet durchaus mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei gelingt es dem Autor, insbesondere zu Beginn den Leser direkt in die Handlung zu ziehen, nicht zuletzt durch die humorvollen Szenen. Leider endet der Roman mit einem relativ starken Cliffhanger, der es fast nicht ermöglicht, das Buch als Standalone zu lesen und auch das Magiekonzept überzeugt noch nicht völlig- hier können aber die nächsten Bände noch nachliefern.

Denn das Setting ist sonst wirklich brillant. So entführt der Autor die Leser:innen nach London, Berlin und Paris, erschafft gut getarnte Museen und nimmt den Leser durch die Artefakte auch mit auf eine Reise durch Kunst, Mythologie und Wissenschaft – hier hätte ich mir fast noch mehr Nerdwissen gewünscht. Dabei klingen am Rande durchaus auch mal gesellschaftlich relevante Themen und Probleme an – der Fokus liegt aber klar auf der phantastischen Quest der Held:innen.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Shakespeare, Ava und Harry, während Liam nicht immer nachvollziehbar handelt und Julia noch zu geheimnisvoll verbleibt. Andreas Suchaneks Schreibstil ist humorvoll und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, die Kapitelüberschriften nur milde spoilernd. Der Buchumschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist genretypisch und kein klassischer Eyecatcher, die Farbgebung des Buches insgesamt jedoch sehr gelungen und ansehnlich. Schön ist zudem, dass auch Coverrückseite und Buchrücken mit kleinen Details aufwarten, die Anspielungen auf die Handlung enthalten.

Mein Fazit? „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist ein Auftaktband, der Lust auf mehr macht und die Leser:innen in eine wirklich tolle Welt entführt, leider jedoch mit einem Cliffhanger endet. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Eine Reise durch Europa | Doppelte Buchpost

Bevor ich morgen wieder eine Rezension für Euch habe, möchte ich Euch heute zwei tolle Neuzugänge vorstellen. „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ von Andreas Suchanek (dtv Verlag) erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de, „Liebesrausch“ von Charlotte von Feyerabend (Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG) als Rezensionsexemplar nach Rezensionsangebot durch die Autorin – vielen Dank jeweils dafür. Beide Bücher nehmen die Leser:innen dabei mit auf eine Reise durch die europäischen Hauptstädte, entführt Andreas Suchaneks Urban-Fantasy-Roman die Leser:innen doch – wie der Titel verrät – nach London, während man in „Liebesrausch“ in das wilde Leben im Paris der 30er-Jahre eintaucht. Da ich beide Städte liebe, kann das nur toll werden!

In welche Stadt könnt Ihr – literarisch oder echt – immer wieder reisen?

[Buchgedanken] Katherine Black: „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ (May Morrigan 1)

Vor kurzem habe ich auch „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ von Katherine Black gelesen, die Übersetzung stammt von Dr. Dietmar Schmidt. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Kriminalroman einzuordnen, die Originalausgabe wurde im Jahr 2023 unter dem Titel „A Most Unusual Demise“ bei Bloodhound Books veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

May Morrigan, Bibliothekarin a. D., trägt bevorzugt Perlenkette und Pastell, ihr Herzensort ist ihre imposante Buchhandlung. Die alte Dame lebt in einem englischen Landidyll vor den Toren Londons, gemeinsam mit ihren beiden Dackeln und ihrem alten Studienfreund Fletcher. Ein beschauliches Leben – wäre da nicht Mays Hang, unliebsame Menschen aus dem Verkehr zu ziehen. Wer die Gemeinschaft stört, wird kurzerhand eliminiert. Als ein junges Mädchen aus dem Dorf verschwindet, ist ihr krimineller Ehrgeiz geweckt: Endlich scheint May einen würdigen Gegner gefunden zu haben. Wer steckt hinter der Entführung? Gab es weitere Fälle? Und kann sie den Täter noch vor der Polizei zur Strecke bringen ..?

„May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ ist der erste Teil der im Original derzeit zweibändigen Buchreihe um die pensionierte Bibliothekarin May, der auch 2021 für den Yeovil Literary Prize in der Kategorie „Roman“ nominiert wurde. Dabei lässt sich das Buch – wie auch auf dem Cover angegeben – dem Genre „Kriminalroman“ zuordnen, die eigentlich sehr übliche Eingruppierung als „Cosy Crime“, wenn man an Landhaus, England und pensionierte Laienermittlerinnen denkt, scheidet hier sehr offensichtlich aus.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und sogar actiongeladen, auch wenn bei den „Gewaltszenen“ teils ausgeblendet wird. Auch schafft Katherine Black es, gelegentlich die Leser:innen durch unerwartete Wendungen in die Irre zu führen, die letztliche Auflösung der Verbrechen überrascht jedoch nicht. Zudem irritiert der Versuch des Buches, Sympathien für May zu wecken – hier hätte man doch eine klarere moralische und auch rechtliche Einordnung ihrer Taten vorfinden müssen – ich hoffe, dass dies spätestens im Folgeband nachgeholt wird und auch sie die Konsequenzen davon zu spüren bekommt.

Das Setting ist natürlich sehr gelungen, entführt die Autorin doch die Leser:innen vor die Tore von London in ein kleinstädtisches, ländliches Idyll mit Buchhandlung, Metzger und Gemeindeveranstaltungen. Dabei mischt Katherine Black diverse Themen wie Langeweile im Alter und Queerfeindlichkeit mit der Krimihandlung zu einem spannenden Konglomerat, das gleichzeitig auch als etwas überzeichnetes Porträt von Großbritannien dienen kann.

Die einzelnen Figuren sind dabei größtenteils vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Nebencharaktere wie Danny Fox, Suzy und Chloe, während May teils – offensichtlich – nicht nachvollziehbar handelt. Katherine Blacks Schreibstil lässt sich hierbei flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist mit farbigen – allerdings eintönigen – Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist durchaus ansprechend und passt zur Handlung, die Farbgebung wird auf der sonst eher unspektakulären Coverrückseite und dem Buchrücken wieder aufgegriffen. Abzuwarten bleibt, ob mit einem etwaigen Folgeband hier ein einheitlicher Reihengesamteindruck entstehen kann oder das Cover dafür doch zu individuell gestaltet ist.

Mein Fazit? „May Morrigans mysteriöse Morde: Eine Buchhändlerin greift durch“ ist ein gelungener Auftakt in die Krimireihe um die titelgebende May, der vor allem mit Spannung und einem tollen Setting überzeugt, gleichzeitig aber in der Hauptprotagonistin durchaus problematisch ist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

London Calling | Doppelte Buchpost

In den nächsten Tagen habe ich wieder einige Rezensionen und Buchneuzugänge für Euch. Den Anfang machen heute „Love at First Knight“ von Megan Clawson (Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH), das mich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de erreichte, und „May Morrigans mysteriöse Morde“ von Katherine Black (Lübbe in der Bastei Lübbe AG), das als Rezensionsexemplar über die verlagseigene Bloggerjury zu mir kam – vielen Dank jeweils dafür! Beide Romane entführen die Leser dabei nach bzw. in die Nähe von London und spielen mit urbritischen Themen. Ich kann es daher kaum erwarten, mit Spannung und Liebe in eines meiner absoluten Lieblingssettings zurückzukehren, denn: London is calling!

Wart Ihr schon einmal in London?

[Buchgedanken] Elif Shafak: „Am Himmel die Flüsse“

In der letzten Zeit habe ich auch „Am Himmel die Flüsse“ von Elif Shafak gelesen. Der Roman ist 2024 in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG erschienen, die Originalausgabe wurde 2024 unter dem Titel „There are Rivers in the Sky“ bei Viking, Penguin UK veröffentlicht. Das Buch ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Michaela Grabinger verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Narin ist neun, als in dem yezidischen Dorf am Tigris Planierraupen auftauchen. Ihre Heimat soll einem Dammbauprojekt der türkischen Regierung weichen. Die Großmutter, fest entschlossen, die Enkelin an einem ungestörten Ort taufen zu lassen, bereitet alles für die Reise ins heilige Lalisch-Tal vor. Kurz vor Aufbruch stößt Narin auf das Grab eines gewissen Arthur – direkt neben dem ihrer Ururgroßmutter Leila. Wer war dieser „König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere“, der Junge aus dem viktorianischen London, von den Ufern der verschmutzten Themse? Und was hat er mit Narins eigener Vertreibung zu tun?

„Am Himmel die Flüsse“ ist mein erster Roman von der weltweit gefeierten Autorin Elif Shafak – und zeigt mir beeindruckend, warum sie mit Preisen überhäuft wird. Etwas irritierend auf Verkaufsplattformen teils als Coming-of-Age eingruppiert, würde ich den Roman vielmehr der Gegenwartsliteratur zuordnen, spricht er doch – trotz der auch historischen Aspekte – wichtige gesellschaftliche Themen und Problemkreise an und zeigt Parallelen zur Vergangenheit auf – alles vor dem Hintergrund der Klimakrise und der Geschichte des Wassers.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch teils mit kleineren Längen versehen. Dabei wird die Geschichte im Wesentlichen in drei verschiedenen Handlungssträngen erzählt – den vierten, prologartigen, kann man hierbei vernachlässigen. Auch spielt die Handlung im Wesentlichen in zwei Zeitebenen, im viktorianischen England und – mehr oder weniger – in der Gegenwart 2014 bzw. 2018 und bildet nicht nur vergangene Ereignisse sondern auch wesentliche Entwicklungen der Jetztzeit ab. Elif Shafak mischt dabei gesellschaftlich wichtige Themen wie Organhandel, moderne Sklaverei, religiöse und ethnische Verfolgung und psychische Erkrankungen mit der Geschichte des Wassers und der Klimakrise zu einem gelungenen, monumentalen Gesamtkonstrukt.

Und auch das Setting kann dabei glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in das heutige und das viktorianische London und in das gegenwärtige und vergangene Mesopotamien, genauer gesagt ins irakische Ninive und in die türkischen Gebiete am Tigris – inklusive eines kurzen Ausflugs ins Königreich von Assurbanipal. Dabei zeugen die Beschreibungen der Orte von einer ausführlichen Recherche, auch wenn Arthurs Reise fast noch präsenter, fast noch detaillierter hätte dargestellt werden können, um seine Eindrücke als Leser:in noch intensiver fühlen zu können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Zaleekhah, Besma und Nen, während Arthur teils etwas blass verbleibt. Elif Shafaks Schreibstil ist hierbei unglaublich poetisch (ein Lob auch an die Übersetzung von Michaela Grabinger), lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Auch die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen kaum schmälern, der Buchsatz ist gelungen und wartet teils mit kleineren Abbildungen/Illustrationen auf. Eine Übersicht über die Reise eines Wassertropfens und umfangreiche Anmerkungen der Autorin runden die Geschichte ab – gern hätte ich mir hier auch noch eine Karte von Mesopotamien gewünscht. Das Covermotiv zieht sich gut über den kompletten Buchumschlag, der darüber hinaus auch noch mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen ist. Allerdings ist das Covermotiv insgesamt zwar farblich stark, aber etwas zu simpel, um ein richtiger Eyecatcher zu sein.

Mein Fazit? „Am Himmel die Flüsse“ ist ein poetisch und atmosphärisch starker Roman der Gegenwartsliteratur, der wichtige Themen anspricht, dabei nur minimale Längen hat und somit Elif Shafaks Platz im Literaturolymp zementiert. Für Leser:innen ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Blogtour] Ein Blick in Kings Tagebuch | Isabel Kritzer mit „London Royals. Der Kronprinz“

Heute macht die Blogtour zu „London Royals. Der Kronprinz“ von Isabel Kritzer (Impress, Carlsen Verlag GmbH) bei mir halt und ich darf Euch einen exklusiven Einblick in das streng geheime Tagebuch von Liron aka DJ KiNG geben.

Dear Diary,

fuck! Fuck! FUCK!

Wie konnte das nur passieren?
Ein Abend, und nichts ist mehr so, wie es vorher war … okay, eigentlich waren es zwei Abende. Denn gestern, endlich?, habe ich das Mädchen aus dem „Emperor“ wiedergetroffen, ich habe sie trotz der vergangenen drei Jahre sofort erkannt. Sie hat sich kaum verändert, ihre Präsenz, ihre Augen haben mich sofort wieder in ihren Bann gezogen. Wenn sie es nicht schon weiß, muss ihr jemand sagen, dass man an ihren Augen ablesen kann, was sie denkt – und fühlt. Faszinierend …
Nur das Lächeln, das damals im „Emperor“ noch ihr Gesicht zum Leuchten gebracht hatte, fehlte gestern – verständlich, bin ich doch wie ein Idiot in sie hineingelaufen. Apropos Idiot … anscheinend habe ich mich danach weiter wie einer verhalten – was ich genau gesagt habe, weiß ich nicht mehr – zu abgelenkt war ich von ihrem atemberaubenden schwarzen Kleid, in dem sie wie eine Mischung aus Filmstar und Göttin aussah – der tiefe Ausschnitt half mir nicht gerade, mich auf das Gespräch zu konzentrieren …
Jedenfalls scheine ich es versaut zu haben – sie war den ganzen Abend nicht mehr bei der Aftershow-Party. Was ein einfacher Job hätte sein sollen, eine Gefälligkeit für einen Freund, endete so in einem Desaster … die ganze Zeit suchten meine Augen den Raum nach dem einen Gesicht, dem einen Menschen ab, für den ich sofort alles stehen und liegen gelassen hätte – aber sie war nicht mehr da. Selbst Alexej warf mir zwischendurch irritierte Blicke zu – es war sicherlich eines meiner schlechtesten Sets, die ich je aufgelegt habe – aber ich war einfach nicht bei der Sache.
Wenn mich dieser Abend eines gelehrt hat, dann das, was ich insgeheim schon immer befürchtet habe: für dieses Mädchen (ich kenne nicht einmal ihren Namen!), würde ich das Versprechen, das ich meiner Mutter gegeben habe, brechen. Immer und immer wieder. Doch wie wahrscheinlich war das jetzt noch, nachdem ich sie so vor den Kopf gestoßen habe (fast wörtlich!). Wie groß war die Chance, sie wiederzusehen? Muss ich jetzt erneut drei Jahre warten???

So long London,
Liron

Ich hoffe, Euch hat der kleine Einblick in das Leben des männlichen Protagonisten gefallen :). Diesen – und die anderen Blogtourbeiträge – findet Ihr übrigens auch auf Instagram (mein Account: @erik.huyoff), dort könnt Ihr auch eine tolle Buchbox zu „London Royals. Der Kronprinz“ gewinnen. Allen viel Glück dabei!

[Buchgedanken] Isabel Kritzer: „London Royals. Der Kronprinz“

In den letzten Tagen habe ich auch „London Royals. Der Kronprinz“ von Isabel Kritzer gelesen. Der Roman ist 2024 bei Impress in der Carlsen Verlag GmbH erschienen und dem Genre New Adult Romance zuzuordnen, das mir vorliegende Exemplar entstammt der Schmuckausgabe von Buchmädchen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Isabel für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars als Teil ihres Bloggerteams.

Als die Tänzerin Solace River in einem Londoner Nachtclub auf den mysteriösen DJ KiNG trifft, ahnt sie nicht, wie sehr sein Name Programm ist. Eingeengt von seinen royalen Pflichten und den damit verbundenen Erwartungen, führt der charmante Kronprinz nachts ein wildes Doppelleben, welches unter keinen Umständen auffliegen darf, wenn er seinen bereits dürftigen Ruf nicht völlig ruinieren möchte. Ausgerechnet Solace führt den bekanntesten Social-Media-Account der Stadt und könnte Kings Identität mit nur einem Post offenlegen. Als sich ihre Wege immer wieder kreuzen, wird aus anfänglicher Faszination bald mehr. Doch schafft es Solace, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und kann King sein Misstrauen überwinden? 

„London Royals. Der Kronprinz“ ist der neue Roman von Isabel Kritzer, den ich vorab testlesen und dessen Release ich im Bloggerteam von Isabel unterstützen durfte – die Rezension erfolgt natürlich unvoreingenommen und im Hinblick auf das nunmehr final vorliegende Buch. Dabei handelt es sich um einen in sich abgeschlossenen Einzelband, der allerdings durchaus Potential für weitere Teile bieten würde, und um einen Roman, der sich relativ leicht dem Genre „New Adult Romance“ zuordnen lässt, erfüllt er doch alle Genrevorgaben und bietet spannende Tropes wie „Forbidden Love“.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, teils natürlich genrebedingt vorhersehbar, aber insgesamt sehr unterhaltsam und – in einigen Szenen – sehr heiß, sodass man einfach nur so durch die Seiten fliegt, ein wahrer Pageturner. Und auch wenn der zum Schluss noch eingefügte Epilog das Ende fast etwas zu kitschig aussehen lässt (gegebenenfalls hätte man einfach nach dem letzten Kapitel aufhören können), trübt dies das Lesevergnügen doch in keiner Weise, freut man sich doch mit Sol und Liron, auch wenn ich viel lieber Poppy und Rosie noch ein Happy-End spendiert hätte.

Das Setting ist naturgemäß traumhaft. So entführt die Autorin die Leser:innen nach London, in eine Stadt, die geprägt ist von Kunst und royaler Tradition, nimmt sie mit ins Royal Opera House und in städtische Hotspots, die danach schreien, selbst erkundet zu werden – die Liebe zu London scheint hier durch jede Seite durch. Dabei vermischt Isabel Kritzer wichtige Themen wie Selbstbestimmung, Freundschaft und – natürlich – Kunst zu einem tollen Gesamtpaket, wobei ich mir hier noch mehr zu der Zeit auf der Guildhall gewünscht hätte, gern noch mehr mit den Drama Queens die schönen Künste erkundet hätte.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben den durchaus tollen Hauptcharakteren überzeugen mich hier vor allem Poppy und Rosie – selten passiert es, dass ich mich in mehrere (Neben-)Charaktere quasi schockverliebe. Daher würde es mich unglaublich freuen, irgendwann noch mehr von ihnen zu lesen, vor allem Poppy hat einen ganz speziellen Platz in meinem Leserherzen erobert. Isabel Kritzers Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das (spicy) Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat und Korrektorat sind zwar einige (kleinere) Fehler durchgerutscht, der Buchsatz hingegen ist wirklich schön, der Einbau von Chatnachrichten mit Emojis durchaus innovativ. Das Cover ist genretypisch gestaltet, kann aber mit der Farbgebung glänzen und wirkt sehr edel, auch wenn Prägungen und/oder farbige Coverinnenseiten das bereits hochwertige Gesamtprodukt sicherlich noch abgerundet hätten. Der (dreiseitige) Farbschnitt der Exklusivausgabe greift das Thema des Buches und die Farbgebung des Covers auf und setzt diese toll um.

Mein Fazit? „London Royals. Der Kronprinz“ ist ein New Adult Pageturner, der mit einer abwechslungsreichen Handlung und einem unglaublichen Setting brilliert – und durchaus heiße Sexszenen liefert. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – allerdings erst ab dem vom Verlag vorgeschriebenen Lesealter von 16 Jahren.

Wunderschöne Rezensionsexemplare | Carlsen-Farbschnitte im Doppelpack

In den letzten Tagen erreichten mich auch diese beiden wunderschönen Bücher als Rezensionsexemplare. „London Royals. Der Kronprinz“ von Isabel Kritzer (Impress in der Carlsen Verlag GmbH) kam dabei als Teil einer Bloggerbox zu mir, „Moonlight Academy. Feenzauber“ von Julia Kuhn (ebenfalls Carlsen) im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür jeweils! Als Teil von Isabels Bloggerteam und als Testleser des Buches bin ich schon ganz auf die finale Version ihres Romans gespannt, der den Leser nach England entführt. Und auch Julias Buch geht in eine (geographisch) ähnliche Richtung, erkundet man doch mit der Protagonistin die geheime Feenwelt Irlands durch die Reise zur Moonlight Academy. Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit – sehen die beiden Romane mit ihren Farbschnitten nicht auch unglaublich toll aus?

England, Irland – oder doch ein ganz anderes Setting? Wo reist Ihr literarisch gern hin?

Schöne neue Welt | Erste Messeneuzugänge

Heute möchte ich Euch endlich die ersten Messeneuzugänge zeigen, die bei mir auf der Leipziger Buchmesse eingezogen sind: „Worlds Collide“, „Worlds Apart“ und „Worlds Beyond“ von Anabelle Stehl aus dem LYX Verlag in der Bastei Lübbe AG. In der zur Messe mit wunderschönem Farbschnitt als Sonderausgabe veröffentlichte Trilogie begleitet man als Leser junge Influencer:innen in London – einem meiner liebsten Handlungsorte. Ich kann es daher gar nicht erwarten, endlich die „Worlds“-Reihe zu lesen und freue mich bereits sehr auf die verschiedenen Geschichten.

An welche Handlungsorte könnt Ihr immer wieder (gedanklich) zurückkehren?

[Buchgedanken] Simon Bill: „Und Sie sind also der Künstler?“

Vor kurzem habe ich auch „Und Sie sind also der Künstler?“ von Simon Bill gelesen. Das Buch ist 2023 im GOYA Verlag, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2016 zuletzt unter dem Titel „Artist in Residence“ bei Sort of Books, eine frühere Version unter dem Titel „Brains“ bei CABINET II veröffentlicht. Das Buch ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Friederike Moldenhauer verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ganz schön frustrierend, wenn man sich von Vernissage zu Vernissage schleppt, selbst aber schon lange nichts mehr verkauft hat – immerhin sind die Drinks gratis. Auch sonst sieht die Situation für Simon Bills Antihelden nicht gerade rosig aus: Seine Freundin hat ihn sitzen lassen und der einzige Händler, der ihm Aufmerksamkeit schenkt, ist sein Drogendealer. Das soll sich jedoch ändern, als er an ein Arbeitsstipendium an einem neurologischen Institut kommt. Die rettende Idee: eine von Neurowissenschaften inspirierte Ausstellung! Es läuft nur leider nicht ganz so glatt, wie er sich das vorgestellt hat …

„Und Sie sind also der Künstler?“ ist ganz anders als erwartet – und lässt sich daher bereits nicht wirklich einem Genre zuordnen. Beworben als bissige Satire, fehlt mir hier sowohl der Biss als auch die Satire – am ehesten gleicht das Buch noch einer Mischung aus überzeichnetem Porträt der modernen Kunstwelt gemischt mit sachbuchhaften Ausführungen. Daher habe ich es dem Genre der Gegenwartsliteratur zugeordnet – mir gingen hier schlicht die Ideen aus.

Die Handlung ist im Grundsatz interessant, hat durch die teils echt umfangreichen, wissenschaftlichen Ausführungen aber durchaus auch Längen. Zudem fehlt fast gänzlich ein roter Faden, als Leser bekommt man nie das Gefühl, zu wissen, wo Simon Bill mit dem Buch hinmöchte, es ist viel mehr eine Momentaufnahme der Kunstszene als eine wirkliche Geschichte – schade, hier hätte man mit den Charakteren durchaus mehr machen können. Auch ist das Ende fast gänzlich offen und lässt mich als Leser durchaus unbefriedigt zurück.

Das Setting kann dahingegen im Wesentlichen überzeugen. So nimmt Simon Bill den Leser mit auf eine Reise durch die Kunstwelt – und in ein neurologisches Institut. Auch wenn die wissenschaftlichen Ausführungen – wie oben angegeben – teils zu umfangreich sind und daher den Fortgang und Lesefluss hemmen, ist die Mischung doch interessant und ermöglicht spannende Einblicke in das Zusammenwirken von Kunst und Neurowissenschaft.

Die einzelnen Figuren sind teils nur sehr schematisch angelegt, bestehen doch die Nebenfiguren für die Protagonisten fast nur aus ihren Erkrankungen – stärkere persönliche Einblicke fehlen hier leider. Am ehesten können noch Ben, Colin und Emily überzeugen, der namenlos bleibende Protagonist kann zu keiner Zeit eine richtige Verbindung zum Leser aufbauen – und das liegt nicht nur an dem exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum. Simon Bills Schreibstil lässt sich dahingegen durchaus flüssig lesen, verbleibt aber alles in allem etwas emotionslos.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, die Handlung wird mit vereinzelten Abbildungen aufgelockert und unterstützt. Das Buch unter dem Umschlag ist schlicht, das Covermotiv etwas nichtssagend, zieht sich aber immerhin gut über den Buchrücken und die Coverrückseite, sodass ein einheitliches Gesamtbild mit tollem Farbverlauf entsteht.

Mein Fazit? „Und Sie sind also der Künstler?“ ist ein grundsätzlich interessantes Porträt der Londoner Kunstwelt gemischt mit neurowissenschaftlichen Ausführungen, dem jedoch leider der rote Faden und der versprochene bissige Humor fehlt. Daher nur bedingt zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.