[Buchgedanken] Cornelia Lohs: „Lost & Dark Places Odenwald“

Vor kurzem habe ich auch „Lost & Dark Places Odenwald“ von Cornelia Lohs gelesen. Das Buch ist 2023 in der Bruckmann Verlag GmbH erschienen und als Reiseführer einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Verlassene Gebäude und Industrieruinen findet man im ländlich geprägten Odenwald nicht viele. An Orten mit düsterer Vergangenheit, geschichtsträchtigen Höhlen, Burgen, Klosterruinen und verschwundenen Dörfern mangelt es jedoch nicht. So lag einst bei Mülben auf der Winterhauch-Hochfläche der Ort Ferdinandsdorf, von dem heute nur noch ein paar wenige Mauerreste übrig sind. Für schaurige Gefühle sorgen der Beerfelder Galgen, die Mordsteine bei Heidelberg und der Pranger in Hammelbach. Wer sich auf die Spuren eines Geisterheeres machen möchte, wandert zur Burg Rodenstein in Fränkisch-Crumbach. Und an einer Quelle in Grasellenbach soll sich das dramatische Ende des Nibelungen-Helden Siegfried zugetragen haben.

„Lost & Dark Places Odenwald“ ist ein Band der Reihe „Bruckmann Dark Tourism Guide“ und entführt den Leser an – so der Untertitel des Buches – „33 vergessene, verlassene und unheimliche Orte“ im Odenwald. Dabei habe ich das Buch als Reiseführer eingeordnet, man könnte das Buch aber sicher auch als Tourismusführer (wie der Reihentitel), sogar als Wanderführer, teils auch als Sachbuch kategorisieren (auch wenn für letzteres wohl eine Quellensammlung fehlt). So oder so macht man mit der Eingruppierung als „Reiseführer“ jedenfalls nichts falsch, sodass ich mich letztendlich hier für den sicheren Weg entschieden habe.

Das toll bebilderte Buch (die Fotos sind das wahre Highlight), führt den Leser einmal quer durch den Odenwald von Heidelberg bis nach Bürgstadt. Dabei decken die 33 Lost Places (einige sind allerdings nicht so ganz „lost“) ein breites Themenspektrum von Burg- und Klosterruinen bis hin zu Hinrichtungsstätten und Leichenfundorten ab – eine Skisprungschanze ist auch dabei. Damit ist gewährleistet, dass der geneigte Leser – selbst der Ortskundige – sicher auf den ein oder anderen, für sich neuen Ort stößt. So waren mir als Heidelberger natürlich zum Beispiel die Thingstätte, das Stephanskloster, die Schauenburg und die Strahlenburg in unmittelbarer Umgebung bekannt, von den ebenfalls in der Nähe befindlichen Mordsteinen hatte ich allerdings noch nie gehört.

Dabei werden die einzelnen Dark & Lost Places jeweils mit Koordinaten und Anfahrtsmöglichkeiten, mit Fotos, historischen Hintergründen und der aktuellen Situation vorgestellt – und teils mit Ausflugstipps in der Nähe verknüpft. So kompakt die Darstellung ist, hätte ich dennoch teils einige weitere, aktuelle Informationen erwartet – insbesondere zum Zugang, was nur teilweise eingeflochten worden ist. Auch hätte ich mir eine stärkere innere Logik in der Reihenfolge gewünscht – zumindest hat sich mir keine erschlossen, ist die Anordnung doch weder geografisch noch historisch geordnet. Zu loben ist allerdings der Einstieg mit einem generellen Überblick über Verhaltensregeln an Lost Places.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss allerdings nicht allzu stark schmälern, der Buchsatz hingegen ist gelungen. Der Buchumschlag ist auf Cover und Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild ist toll anzusehen und ein wahrer Eyecatcher, zeigt es doch eines der spannendsten Motive. Auch auf der Coverrückseite ist ein Lost Place abgebildet, insgesamt hätte man jedoch die Aufschriften besser integrieren und nicht mit schwarzen Textblöcken absetzen können.

Mein Fazit? „Lost & Dark Places Odenwald“ ist ein interessanter Reiseführer, der vor allem mit seiner Vielfalt und tollen Fotos punktet und nur kleinere Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Lost Places oder der Region bedenkenlos zu empfehlen.

Von Monster- und Adrenalinjägern | Doppelte Buchpost

Bevor es ab morgen wieder mit einigen Rezensionen weitergeht, hier noch zwei Neuzugänge, die mich über Lovelybooks.de erreicht haben. „Anton Monsterjäger – Ein Traum auf der Flucht“ von Luisa Fuchs (Magellan Verlag) kam dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde zu mir, während mich „Lost & Dark Places – Rhein-Main & Frankfurt“ von Cornelia Lohs (Bruckmann Verlag) als Gewinn einer Buchverlosung erreichte. Von Monsterjägern bis zu Abenteurersuchenden in Lost Places – hier wird ordentlich Adrenalin ausgeschüttet!

Wart Ihr schon einmal an einem Lost Place?

[Buchgedanken] J. Vellguth: „Der letzte Liebesbrief“

In der letzten Zeit habe ich „Der letzte Liebesbrief“ von J. Vellguth gelesen. Der Roman ist 2018 im Selfpublishing veröffentlicht worden und dem Genre Romance/Liebesroman zuzuordnen. Es ist bereits mein viertes Buch der Autorin, ihr Roman „Das Päckchen“ schaffte sogar den Sprung in meine Jahreshighlights 2017.

513EkPcSAaL._SX326_BO1204203200_Nell wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre Tante endlich wieder glücklich zu sehen. Als sie bei ihrem Umzug einen versteckten Liebesbrief findet, der an Bernadette gerichtet ist, wittert sie ihre Chance. Voller Elan begibt sie sich auf eine verschlungene und geheimnisvolle Reise in die Vergangenheit. Dabei trifft sie auf einen attraktiven Fotografen, der einfach viel zu gut ist, um wahr zu sein.

Sam ist Mode-Fotograf, erfolgreich, berühmt und … er hat seine Muse verloren. Erst ein berührender Liebesbrief in den Ruinen eines alten Gebäudes und das Funkeln in den Augen einer ganz besonderen jungen Frau lassen ihn hoffen, dass seine Inspiration noch nicht ganz erloschen ist. Doch je länger er Nell folgt, desto deutlicher wird, dass noch wesentlich mehr hinter ihrer Geschichte steckt, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Sind die beiden stark genug, um die Schatten ihrer Vergangenheit zu besiegen?

„Der letzte Liebesbrief“ ist Entspannung, ist Balsam für die Seele. Die Geschichte um Nell und Sam berührt und begeistert – und erlaubt dem Leser, sich wegzuträumen. Auch wenn die Handlung genrebedingt teils vorhersehbar ist, gelingt es der Autorin doch mit ihrem locker-leichten Schreibstil den Leser an die Seiten zu fesseln – Feel-Good-Garantie inklusive.

Eine der großen Stärken des Romans ist das bezaubernde Setting, das den Leser mit den Protagonisten unter anderem zu Lost Places oder in die Natur führt: J. Vellguths Auswahl athmosphärischer Orte unterstützt die Handlung perfekt – übrigens genau wie die Playlist, da jedes Kapitel mit einem gefühlollen Song überschrieben ist (Jason Mraz, Demi Lovato, James Blunt, Ed Sheeran, Owl City uvm.).

Die Charaktere des Romans, insbesondere die beiden Protagonisten und Love Interests Sam und Nell sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen und entwickeln sich im Laufe des Romans weiter. Beide tragen Probleme aus der Vergangenheit mit sich herum, die die Jagd nach den Briefen, die Schatzsuche, nicht nur zu einer Suche nach dem ominösen Verfasser, sondern auch zu einer Art Vergangenheitsbewältigung machen. Dabei nehmen die ernsteren Themen jedoch nie den Schwerpunkt der Handlung ein und lassen das Buch nicht zu einem Schicksalsroman werden.

Die Wahl mehrerer personaler Erzählperspektiven erlaubt es dem Leser, die Gedanken und Gefühle beider Protagonisten hautnah zu fühlen, mit ihnen zu leiden und zu lachen. Ich persönlich hätte allerdings auf Perspektivwechsel innerhalb eines Kapitels, innerhalb einer Szene verzichten können.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls größtenteils. Das Cover ist durch die tolle Farbkombination sehr auffällig, und die Schmetterlinge nehmen direkten Bezug auf die Handlung. Nichtsdestotrotz wäre hier mit etwas mehr Mut sicherlich noch ein stärkerer Eyecatcher möglich gewesen, wenn man zum Beispiel die Lost Places – oder Nells Narbe – in die Gestaltung miteingebunden hätte. Der Buchsatz ist fehlerfrei, lediglich die Chatverläufe hätten besser optisch dargestellt/abgegrenzt werden können. Am Korrektorat von Corinna Rindlisbacher gibt es erneut nichts auszusetzen.

Mein Fazit? „Der letzte Liebesbrief“ ist ein überzeugender Liebesroman, der perfekte Begleiter für Sommer und Urlaub dank Feel-Good-Garantie. Ein atemberaubendes Setting und ein locker-leichter, aber gefühlvoller Schreibstil sorgen für ein gelungenes Lesevergnügen – für Genreliebhaber bedenkenlos zu empfehlen.