[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Branderbe“ (Buck und Lange 3)

Und noch eine weitere Rezension habe ich frisch von der Leipziger Buchmesse für Euch. Denn in den letzten Tagen habe ich auch „Branderbe“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing über Books on Demand (BoD) erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bei einem Wohnungsbrand im Frankfurter Nordend kommt ein alter Mann ums Leben. War es ein tragischer Unfall oder steckt mehr dahinter? Für Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und seine Kollegin Maike Lange scheint der Fall schnell klar. Sie ahnen nicht, dass ein weiterer Mensch in Lebensgefahr schwebt.

„Branderbe“ ist nach „Mainblüte“ mein zweiter, und insgesamt der dritte Roman um das Ermittelnden-Duo Maike Lange und Sebastian Buck. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen. Zwar ist das Vorwissen aus dem Vorgängerband sicherlich hilfreich, zentrale Wendepunkte in den Leben der Ermittler:innen werden aber von der Autorin auch in diesem Band wieder ausgeführt, um deren Handeln nachvollziehbarer zu gestalten. Und auch die Genrezuordnung verbleibt relativ klar, wird das Buch doch auf dem Cover – zutreffend – bereits als Kriminalroman gelabelt.

Die Handlung ist durchaus kurzweilig und spannend, wenn auch atypisch, sind doch alle Täter bereits relativ früh bekannt. Apropos alle Täter: Irritierend ist auch, dass der eigentliche Kriminalfall relativ schnell von einem viel größeren, spannenderen und brenzligeren Fall überlagert wird, der die Handlung dominiert und viel mehr Raum einnimmt. Dabei werden auch in diesem Roman wieder eine Bandbreite an gesellschaftlichen Themen angerissen, im Gegensatz zu Band zwei fehlt es hier aber leider an der Auflistung entsprechender Hilfsangebote für Betroffene. Auch über Content Notes hätte man wieder nachdenken können.

Das Setting bleibt unverändert. So entführt die Autorin die Leser:innen erneut nach Frankfurt, auch wenn dieses Mal durchaus andere Seiten der Stadt gezeigt werden und – wie oben bereits angerissen – andere Themen besprochen werden, geht es doch dieses Mal um Mietwucher, Demenz, häusliche Gewalt und Pflege. Dabei kommen die Ermittelnden fast etwas zu kurz, ihre im Vorband noch präsenteren eigenen Lebenskrisen und -Probleme treten dieses Mal gänzlich in den Hintergrund – zumindest bis zum Epilog, der einen milden, aber durchaus interessanten Cliffhanger präsentiert.

So entwickeln sich auch die Figuren – zumindest bei den Ermittler:innen – nur bedingt weiter, am ehesten kann hier dieses Mal Maike überzeugen, sodass das Buch insgesamt einmal mehr im Nebencast glänzt, der mit Alma und Dr. Bruckner zwei durchaus tolle Charaktere vorzuweisen hat. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich – erneut – leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, ist zwar kein Eyecatcher, aber durchaus genretypisch und bildet mit den Covern der vorherigen Bände ein einheitliches Erscheinungsbild für die komplette Reihe.

Mein Fazit? „Branderbe“ ist eine gelungene Fortsetzung, die als Standalone funktioniert und wichtige Themen anspricht, dabei aber atypisch zu einem anderen Fall switcht und die Ermittler:innen etwas vernachlässigt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

Spannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich zwei Fortsetzungen von Krimireihen für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Branderbe“ ist hierbei schon der dritte, im Selfpublishing veröffentliche, Band um das Frankfurter Duo Sebastian Buck und Maike Lange von Lou Sandberg („Mainblüte“ kenne ich bereits), während „Der Tod wischt mit“ (Wilhelm Heyne Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) die Reihe um Tilly Blich von Andreas Suchanek als zweiter Band fortsetzt. Ich bin schon ganz gespannt darauf zu erfahren, wie sich die Charaktere in Lous Buch weiterentwickelt haben – und freue mich schon darauf, mit Tilly – Inhaberin einer Reinigungsfirma – eine mal ganz andere Ermittlerin kennenzulernen.

Was mögt Ihr an Krimis?

[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Mainblüte“ (Buck & Lange 2)

Vor kurzem habe ich auch „Mainblüte“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2024 im Selfpublishing über BoD (Books on Demand GmbH) veröffentlicht worden und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Licht- und Luftbad am Frankfurter Mainufer liegt die Leiche eines Kindes. Der Junge trägt ein weißes Kleid und ruht in einem Meer aus Blütenblättern. Alle Anzeichen deuten auf einen selbst gewählten Tod – und eine selbst gewählte Identität: Tyra. Aber wer ist Tyra? Sebastian Buck, Frankfurter wider Willen, und seine Kollegin Maike Lange machen sich auf die Suche nach Antworten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Tyra hat eine Schwester, die nur eines will: Rache.

„Mainblüte“ ist nach „Strohtod“ der zweite Band der Reihe um Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und Kriminaloberkommissarin Maike Lange – mittlerweile existiert mit „Branderbe“ auch ein dritter Teil. „Mainblüte“ lässt sich dabei gut als Standalone lesen, werden doch relevante Stationen der Vergangenheit von beiden Protagonist:innen erklärt und eingebunden, sodass man nicht das Gefühl hat, den ersten Teil zu vermissen. Die Genrezuordnung ist jedoch nicht ganz leicht, ich habe es der Einfachheit halber bei der Einordnung der Autorin als „Kriminalroman“ belassen.

Denn die Handlung entspricht durchaus nicht einem klassischen Krimi, liegt doch weder ein Verbrechen vor, noch muss groß ermittelt werden. Vielmehr zeigt das Buch Anklänge an einen Jugendthriller, an einen Schicksalsroman und an Gegenwartsliteratur – halt mit Polizist:innen. Insbesondere in der ersten Hälfte ist das Buch daher eher ereignisarm, aber nichtsdestotrotz sehr interessant und abwechslungsreich, auch wenn die Vielzahl an behandelnden Themen von (u.a.) Transidentität, Cybermobbing, sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener, Integrationsmängeln, Queerfeindlichkeit, Patchworkfamilien, Gewaltausbrüchen und Suizid dafür sorgt, dass man hier eher an der Oberfläche verbleibt.

Dennoch kann das Setting überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nach Frankfurt am Main, aber nicht in die schillernde Bankmetropole sondern eher in die verschiedenen Milieus zwischen Eckkneipen und verlassenen Freibädern, auch wenn hier manchmal durchaus Klischees bedient werden – auch bei der etwas zu offensiv eingesetzten Jugendsprache, die sogar per Glossar noch erklärt wird. Zudem endet das Buch leider etwas offen – die Konsequenzen der Handlungen der Figuren werden zumindest in diesem Band leider nicht mehr beleuchtet, sondern nur teils angedeutet, und auch die Perspektive wechselt sehr regelmäßig, teils auch mitten in den Kapiteln.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive und entwickeln sich – zumindest was das Ermittelnden-Duo angeht – sicherlich auch von Band zu Band weiter. In diesem Roman überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere w.ie Shirin und OB, während auch Maike glänzen kann, Buck aber noch etwas farblos verbleibt. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen. Dabei hilft es sicherlich, dass die Nachstellung der Ophelia-Szene momentan in aller Munde ist – wenn auch eher durch ein Bild im Museum Wiesbaden und nicht durch das Werk im Tate Britain.

Die Buchgestaltung ist solide. Sofern durchgeführt sind Lektorat und Korrektorat zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Die Geschichte wird mit dem bereits erwähnten Glossar und einer Liste von Hilfsangeboten für diverse Themen abgerundet (unglaublich wichtig!), aufgrund der brisanten Themen hätten sich zudem Content Notes angeboten. Das Cover bzw. der Buchumschlag generell ist farblich toll und zeigt Anklänge zur Handlung, ist insgesamt aber eher unauffällig und schlicht. Ob es gelingt, über alle Bände hinweg ein einheitliches Gesamtbild mit Wiedererkennungswert zu schaffen, bleibt zudem abzuwarten.

Mein Fazit? „Mainblüte“ ist ein ungewöhnlicher Kriminalroman, der wichtige Themen anspricht und abwechslungsreich ist, aber auch etwas an der Oberfläche verbleibt und kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht unter einem Lesealter von 16 Jahren.