[Buchgedanken] Patricia Schröder: „Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ (Hannah 1)

Vor kurzem habe ich auch „Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ von Patricia Schröder gelesen. Das Buch ist 2023 im KARIBU Verlag in der Edel Verlagsgruppe GmbH erschienen und als phantastisches Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eigentlich ist die 13-jährige Hannah mit ihrem Leben ganz zufrieden: Mit ihren zwei besten Freundinnen Elif und Sophie wird es in der Schule nie langweilig, und auch ihre kleine Schwester nervt bloß ein bisschen. Wären nur die Jungs in ihrer Klasse nicht so furchtbar doof! Als dann auch noch ein fremder Junge in Hannahs Kleiderschrank auftaucht und behauptet, ihr Zimmer wäre seines, ist es mit ihrer Geduld vorbei. Wie soll Hannah Elias bloß wieder loswerden? Und will sie das überhaupt?

„Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ ist der Auftakt in eine neue Buchreihe von Patricia Schröder. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so leicht kategorisieren, ist es doch eine Mischung aus Liebesroman, Fantasy und Mystery – und das alles an der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch, wird der Roman doch ab 10 Jahren empfohlen. Leider laut Bewerbung auf Verkaufsportalen für „Mädchen ab 10“, eine Einschätzung, die ich ausdrücklich nicht teile, kann er doch genauso gut und mit gleicher Lesefreude von Jungen gelesen werden – schließlich geht das Thema „Erste Liebe“ jeden etwas an :).

Die Handlung ist kurzweilig, spannend und abwechslungsreich – und zumindest in gewissem Maße abgeschlossen, sodass das Buch durchaus als Standalone gelesen werden kann, auch wenn noch genug Fragen und Handlungsstränge offen bleiben, um Lust auf die Fortsetzung zu machen. Dabei werden altersgerechte Themen angesprochen: Erste Liebe, Mobbing, Entwurzelung und Streit zwischen und mit den Eltern – um hier nur einige zu nennen. Diese werden aber zielgruppenorientiert nicht in der Tiefe erörtert, sodass eine leichte Lektüre verbleibt und die Grundstimmung nie zu negativ wird – Feel-Good-Garantie für Leser:innen jedes Alters.

Das Setting vermag bislang jedoch noch nicht komplett zu überzeugen. So entführt die Autorin den Leser mindestens mal nach Hamburg und München, in ein Urban-Fantasy-Setting in der realen Welt. Hierbei wird jedoch der fantastische Part bislang nicht zufriedenstellend erklärt, ein schlüssiges „Magiekonzept“ ist nicht ersichtlich – dies muss und kann sich aber in den nächsten Bänden noch ändern.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, auch wenn bei einigen Charakteren durchaus noch Entwicklungspotential für die Folgebände besteht. Am stärksten überzeugen können bislang Lilly, Karlchen, Hannah und Sophie, während Hannahs Vater bisweilen nicht nachvollziehbar handelt. Patricia Schröders Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und verdient sich auch ein Lob dafür, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen. Der Buchdeckel ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken leicht geprägt und mit farbigen, allerdings eintönigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv ist sehr kleinteilig, greift die Handlung aber gut auf und illustriert diese. Abzuwarten bleibt, ob die Folgebände hier für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe sorgen können.

Mein Fazit? „Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ ist ein kurzweiliges, phantastisches Jugendbuch mit spannender Handlung, aber noch Nachholbedarf beim Magiekonzept. Für Leser ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 10 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Carolin Emrich: „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“

In der letzten Zeit habe ich Carolin Emrichs Debütroman „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“ gelesen. Das Buch ist 2017 beim Sternensand Verlag erschienen und dem Genre Fantasy zuzuordnen, wobei eine Einordnung in ein Subgenre isoliert für den Einzelband schwierig ist. Zwar legt der Roman durchaus die Ansätze für eine epische High-Fantasy-Reihe, erfüllt als Einzelband die Genre-Voraussetzungen jedoch noch nicht vollständig. Auch eine Verschiebung des Genres in Richtung Romantasy ist für die Folgebände durchaus möglich. Um verknappt auf den Punkt zu kommen: Isoliert betrachtet ist „Weg des Ordens“ aus meiner Sicht dem „Sword & Sorcery“-Genre (auch: „heroic fantasy“) zuzuordnen.

Seitdem sie sich erinnern kann, lebt Tris in einem Kloster, um dort, abgeschottet von der61xycbvc9ql-_sx326_bo1204203200_ Gesellschaft, den Umgang mit ihren magischen Kräften zu lernen. Die einzige Chance, den Klostermauern zu entfliehen, ist, sich dem Orden der Wächter anzuschließen. Als Tris von diesem für die Aufgabe ausgewählt wird, das Volk der Elfen auszukundschaften, trifft sie auf den Elfen Avathandal. Als sie sich in ihn verliebt, verschwimmen die Grenzen zwischen Freund und Feind. Doch wem kann Tris wirklich trauen?

Mit „Weg des Ordens“ legt die Autorin einen gelungenen Debütroman vor, der allerdings klar als Reihe konzipiert ist. Für einen Einzelband passiert isoliert etwas wenig, und die Handlung endet in einem sehr, sehr starken Cliffhanger (ich persönlich hätte mir das Ende einfach ein paar Seiten früher gewünscht). Abgesehen davon, schafft Carolin Emrich eine zauberhafte Welt, die mit einem gelungenen Weltenbau und einem ausgewogenen Magiekonzept punktet. Gut gefallen hat mir, dass die Geschichte der Welt nicht en bloc vorangestellt wurde, sondern in die Handlung des Romans eingebaut wurde. Hier zeigt sich auch klar, wie durch Propaganda oder eine allgemeine Deutungshoheit die Meinung eines Einzelnen gesteuert und manipuliert werden kann – ein vielleicht nur unbewusstes, aber vorhandenes gesellschaftskritisches Element.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut und leicht lesen. Durch die Ich-Perspektive gelingt es zudem, den Leser nah an Tris heranzulassen. So wird die Identifikation mit der Hauptfigur unterstützt. Ohnehin sind die Protagonisten plastisch und vielschichtig angelegt, auch in den Nebenfiguren, sei es Lilly, die Freundin von Tris, oder Avathandals Schwester. Ich fand es schade, dass – trotz Tris‘ Vorsatz – sie Lilly nicht geschrieben hat, und diese, seitdem Tris das Kloster verlassen hat, keine Rolle mehr in der Handlung spielte. Ich würde mir wünschen, dass sich dies in den Folgebänden ändert – sonst wäre es unnötig gewesen, die starke Bindung zwischen den beiden Freundinnen am Anfang der Handlung aufzubauen.

Das Cover ist sehr gelungen und von der talentierten Juliane Schneeweiss entworfen worden, Lektorat und Korrektorat (Martina König) haben ebenfalls ordentlich gearbeitet, auch wenn kleinere Fehler durchgerutscht sind, die den Lesefluss und das Lesevergnügen aber nicht mindern. Auch der Buchsatz kann mit wunderschön gestalteten Kapitelanfängen punkten. Was mich hier leicht gewundert hat, ist die Benennung eines Prologes. Die Handlung dort spielt kurz vor Kapitel 1 und es wird inhaltlich nahtlos aneinander angeknüpft. Ich hätte von einem Prolog etwas anderes erwartet und hätte es als sinnvoller gefunden, dies einfach als reguläres Kapitel in die Struktur einzubauen.

Mein Fazit? „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“ ist ein gelungener Debütroman und vielversprechender Auftakt für eine phantastische Buchreihe, der für die Folgebände auch noch etwas Luft nach oben lässt. Für Liebhaber und Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen. Ich freue mich bereits jetzt auf die Folgebände. Band 2, „Weg des Krieges“, erschien übrigens vor wenigen Tagen und ist als e-Book und Taschenbuch in allen gängigen Portalen und im Buchhandel erhältlich.