[Buchgedanken] Hu Zhouzhuo: „Vollmond über tausend Flüssen“

In der letzten Zeit habe ich auch „Vollmond über tausend Flüssen“ von Hu Zhouzhuo gelesen. Das Buch ist 2025 bei Chinabooks veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem (transkribierten) Titel „Yue Man Qian Jiang“. Das Buch ist dabei als Manhua einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Eva Lüdi Kong verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Ming-Kaiser Chongzhen, dessen Geburtsname Zhu Youjian ist, gilt in China als eine kontroverse Figur: Als moralisch aufrechter, jedoch glücklos agierender Monarch wird ihm Mitleid zuteil. Dafür, dass er es nicht schaffte, sein Land vor dem Untergang zu retten, wird er hingegen scharf kritisiert. Vor allem erinnert man sich aber an ihn als den Kaiser, der durch seinen Freitod seinem Land einen letzten Dienst zu erweisen versuchte. Tut ihm die Nachwelt Unrecht? Vielleicht wurde Chongzhen einfach nur zur falschen Zeit und am falschen Ort geboren? Wäre er wohl ein besserer Dichter und Literat gewesen als ein Kaiser?

„Vollmond über tausend Flüssen“ ist ein Manhua, der in sieben Episoden das Leben des letzten Kaisers der Ming-Dynastie beleuchtet. Dabei wird der Ansatz gewählt, den Kaiser durch den Einfluss, den er auf das Leben der jeweils im Kapitel zentralen Personen hatte, zu beschreiben – sei es ein Eunuch, eine Hofdame, ein Graf oder ein Palastdichter, um nur einige zu nennen. Ein interessanter Ansatz, der durchaus mit traditioneller Geschichtsschreibung bricht und intime, persönliche Einblicke ermöglicht.

Sowohl Texte als auch Zeichnungen entstammen dabei der Feder von Hu Zhouzhuo und sind von einer durchgängigen, melancholischen Stimmung getragen, konzentrieren sie sich doch im Wesentlichen auf die letzten Tage der Ming-Dynastie und den Untergang des Reiches, der viele in den Tod getrieben hat, unter anderem ja auch den Kaiser. Dabei wird dieser in den einzelnen Episoden eher glorifiziert, kritische Elemente werden nur am Rande angesprochen, durch den persönlichen Blick auf das Leben des Kaisers aus den Augen seiner Untertanen jedoch eher verschwiegen.

Die Zeichnungen sind dabei durchaus emotional – und teils überraschend, ein wilder Stilmix. In den actionreichen Szenen sind die einzelnen Illustrationen jedoch etwas verwaschen und es ist gelegentlich schwer, ihnen zu folgen. Am stärksten ist das Zusammenspiel zwischen Zeichnungen und Text, wenn sich einzelne Gedichte über mehrere Seiten ziehen, und die Poesie durch die Bilder noch verstärkt wird.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind kleinere Fehler durchgerutscht, der Buchsatz setzt Text und Zeichnungen zu einem tollen Gesamtprodukt. Der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen versehen, das Buch unter dem Umschlag ebenfalls sehr anschaulich. Auch das Cover kann durchaus überzeugen, zudem lagen dem Buch vier illustrierte Postkarten bei.

Mein Fazit? „Vollmond über tausend Flüssen“ ist ein Manhua, der einen spannenden Ansatz in der Geschichtserzählung verfolgt und durch seine Poesie brilliert, der aber auch etwas einseitig ist und dem man teils schwer folgen kann. Für Leser:innen mit Interesse an der chinesischen Geschichte dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14.

Von Dynastien im kleinen und großen | Doppelte Buchpost

Heute möchte ich Euch wieder zwei Neuzugänge zeigen, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Der unsterbliche Zando“ von Martin Rost (ars vivendi Verlag) ist dabei ein Roman über das Geheimnis einer Brauereidynastie, während „Vollmond über tausend Flüssen“ von Hu Zhouzhou (Chinabooks Verlag) ein Manhua über den letzten Kaiser der Ming-Dynastie ist. Übersetzt wurde das Buch von Eva Lüdi Kong. Ich bin schon ganz gespannt darauf, welche Geheimnisse die Bücher dabei über die jeweiligen Familien verraten – und freue mich schon darauf, von kleinen und großen Dynastien zu lesen.

Über welche Familie würdet Ihr gern einmal einen Roman lesen?

[Buchgedanken] Xia Da: „Bu Tian Ge – Die Ballade von den Himmelsstürmern – Band 1“ (Bu Tian Ge 1)

Vor kurzem habe ich den ersten Band von „Bu Tian Ge – Die Ballade von den Himmelsstürmern“ gelesen. Xia Da zeichnet dabei sowohl für Text als auch für die Illustrationen verantwortlich, die Übersetzung ist von Marc Hermann. Das Buch ist 2022 bei Chinabooks erschienen und als Manhua / chinesischer Manga einzuordnen, die Originalausgabe wurde 2019 in der Beijing Xiron Culture Group Co, Ltd. veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die kaiserliche Konkubine höchsten Ranges Jing gebärt unter den Strahlen der Abendsonne Zwillinge: einen Jungen und ein Mädchen. Der kleine Prinz wird mit einem zinnoberroten Muttermal auf der Stirn geboren, die kleine Prinzessin kommt mit sechs Fingern zur Welt. Glückverheissende Vorzeichen gehen mit unglückverheissenden Omen einher. Die beiden Geschwister, die im selben Mutterleib herangereift sind, treten in der Folge vollkommen unterschiedlichen Schicksalen entgegen, und sie werden dadurch von ihren nächsten Verwandten getrennt. Ein grosses Verhängnis naht drohend heran. Wird es zu einer Wiederbegegnung zwischen den beiden Geschwistern kommen, die von Geburt an voneinander getrennt waren? Und wie werden die beiden mit ihrem Schicksal ringen?

„Bu Tian Ge – Die Ballade von den Himmelsstürmern – Band 1“ ist – nach einigen Graphic Novels und früheren Mangas – mein erster Manhua, der in parallelen Handlungssträngen die Geschichte der Zwillinge Quchen und Ating erzählt. Dabei ist das Buch nicht als Standalone lesbar, da leider kaum Handlungsstränge aufgelöst werden, das Buch in einem sehr offenen Ende kulminiert.

Die Handlung generell ist spannend, aber teils auch vorhersehbar. So werden vor Kapitelbeginn einige der relevanten Geschehnisse bereits in einem Fließtext zusammengefasst, was durchaus spoilert und dessen Sinn sich mir nicht erschließt. Auch besitzt die Handlung durch das Auseinanderfallen in zwei parallel laufende Handlungsstränge einige Längen und geht, gerade in den Kapiteln 2 bis 4, relativ zäh voran.

Im Gegensatz zur Handlung brillieren die Illustrationen auf ganzer Linie. So sind Xia Das Zeichnungen unglaublich hochwertig und edel, atmosphärisch und detailreich, insgesamt wunderschön anzusehen und stellen den Text in den Schatten, tragen die Handlung deutlich besser.

Auch das Setting überzeugt im Wesentlichen. So verschlägt es den Leser in die Zeit einer fiktiven chinesischen Dynastie. Er besucht neben dem Hof mythische Orte, Dörfer und Zwischenwelten und lernt viel über chinesische Tradition, Kultur und Legenden.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind gelungen, allerdings sind die der Geschichte angehängten Informationen im Vergleich zur doch sehr kurzen Handlung etwas zu umfangreich. Der Buchumschlag und das darunter liegende Buch sind hochwertig gestaltet und dank des Covermotivs ein wahrer Eyecatcher – farbige Coverinnenseiten hätten hier das sehr edle Produkt noch abrunden können.

Mein Fazit? „Bu Tian Ge – Die Ballade von den Himmelsstürmern – Band 1“ ist ein gelungener Auftakt in die Manhua-Reihe, der vor allem dank brillanter Zeichnungen glänzt, aber auch Schwächen in der Handlung hat und kaum Handlungsstränge auflöst. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

Von Himmelsstürmern und Gipfeln der Lust | Doppelte Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich in der letzten Zeit im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank den Verlagen für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare. „Vögelwild“ von Sophie Andresky (Heyne Hardcore) und „Die Ballade von den Himmelsstürmern 1“ von Xia Da (übersetzt von Marc Hermann, erschienen bei Chinabooks) könnten dabei unterschiedlicher nicht sein, handelt es sich doch um einen erotischen Roman und einen chinesischen Manhua.

Welches Buch aus einem eher ungewöhnlichen Genre habt Ihr zuletzt gelesen?