[Buchgedanken] Christine Grän / Marianne von Waldenfels: „Das Fräulein muss sterben“ (Clara Frings 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Das Fräulein muss sterben“ von dem Autorinnen-Duo Christine Grän und Marianne von Waldenfels gelesen. Der Roman ist 2024 im Droemer Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bonn, 1972: In ihrem Penthouse feiert die niederländische Journalistin Nelie Hendriks, dass Willy Brandt das Misstrauensvotum überstanden hat. Zu ihrer illustren Gästeschar gehören neben einigen Damen der Nacht vor allem Spione und Politiker. Hat einer von ihnen die Finger im Spiel, als Nelie in den Tod stürzt? Kommissarin Clara Frings darf untergeordnet ermitteln, stößt in der Männerwelt der kleinen Hauptstadt am Rhein jedoch schnell an ihre Grenzen. Clara macht Fehler und muss dafür bezahlen. Die Emanzipation der Frauen hat gerade erst begonnen, und das gesellschaftliche Leben wird bestimmt vom Paragraph 218, Studentenprotesten, RAF-Bomben und Radikalenerlass. Erst am Tag von Willy Brandts Rücktritt wird Clara endlich Antworten finden …

„Das Fräulein muss sterben“ ist der erste Band in der historischen Kriminalromanreihe um – mittlerweile – Polizeihauptkommissarin Clara Frings, die in der Bonner Republik als eine der ersten Frauen in der Kriminalpolizei ermittelt – eine Buchidee, die auch die Reihe „Die Kriminalistinnen“ bereits aufgegriffen hat. Dabei deckt der Roman den Zeitraum von April 1972 bis Oktober 1974 ab. Aufgrund der starken Fokussierung auf die politischen Ereignisse hätte man den Roman auch als (historischen) Polit- oder Spionagethriller einordnen können. Ich hab es dennoch bei der – auch auf dem Cover abgedruckten – Eingruppierung als (historischen) Kriminalroman belassen, da ein Kriminalfall den Rahmen für die Darstellung der politischen Affären bildet.

Die Handlung ist generell durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei gelingt es den Autorinnen ein hochbrisantes Gesamtkonstrukt aus politischen und gesellschaftlichen Themen in Verbindung mit der Polizeiarbeit zu stricken, das allerdings in der Schwerpunktsetzung manchmal doch etwas scheitert. Auch hat die Handlung zuweilen doch kleinere Längen – und wird zum Ende hin durch die vielen und immer größer werdenden Zeitsprünge auch etwas fragmentarisch.

Das Setting hingegen kann auf ganzer Linie überzeugen, entführen die Autorinnen doch die Leser:innen in die Bonner Republik, in eine Zeit, geprägt von RAF-Terror und dem Kalten Krieg. Und auch wenn hier teils etwas zu holzhammerartig Kritik an den damaligen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen geübt und sehr einseitig geschildert wird, ist es doch wichtig, dass mit dem Roman auch Themen wie Emanzipation und die damalige Diskriminierung queerer Beziehungen in den Fokus gerückt wird – nur so erkennt man, wie weit wir doch heute eigentlich als Gesellschaft schon sind.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei können insbesondere Elisabeth und Fritz von Eschweg als wichtige Nebencharaktere punkten, während Clara teils nicht nachvollziehbar handelt und – etwas enttäuschend – als Polizistin ihre Pflichten mehrfach gröblichst verletzt. Der Schreibstil der Autorinnen lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – auch merkt man keinen Bruch, sollten die Autorinnen hier kapitelweise vorgegangen sein.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich aber unauffällig. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, die Geschichte wird durch eine ungewöhnliche Dramatis Personae und einen Abriss der historischen Ereignisse abgerundet. Cover, Buchrücken und Coverrückseite sind sehr einheitlich aber gleichsam sehr anschaulich gestaltet – hoffentlich zieht sich das Design durch die Reihe. Auch die Typografie auf dem Cover begeistert, das Covermotiv hingegen ist eher belanglos und austauschbar, hier fehlt mir der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Das Fräulein muss sterben“ ist ein spannender Auftakt in die Reihe um Clara Frings, der vor allem mit seinem Setting und einem explosiven Gesamtpaket glänzt, dabei aber auch kleinere Schwächen und Längen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Noch mehr Geschichte | Buchpost im Doppelpack

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich jeweils als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Fernwehland“ von Kati Naumann (HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH) nimmt die Leser dabei auf die „Astoria“ mit, auf eine Reise durch die letzten Jahrzehnte der deutschen Geschichte, während „Das Fräulein muss sterben“ von Christine Grän und Marianne von Waldenfels (Droemer Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG) ein historischer Krimi ist, der zur Zeit der Bonner Republik spielt – und den Auftaktband der Reihe um die Kommissarin Clara Frings darstellt.

Welche Epoche der deutschen Geschichte würde Euch auch noch interessieren?