Vor kurzem habe ich auch „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ von Mirjam Raymond gelesen. Das Buch ist 2025 in der Fischer Sauerländer GmbH erschienen und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Maja Bohn verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der zwölfjährige Johnny hat eine große Klappe und steckt ständig in der Klemme. Als Amin, ein Junge aus seiner Klasse, plötzlich verschwindet, wittert Johnny seine Chance: Er will beweisen, dass er der würdige Anführer seiner Schulhofbande ist. Großspurig verspricht er, den Fall zu lösen. Doch dann findet er Amins Tagebuch und schnell wird klar, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Amin lebt in einer Unterkunft für Geflüchtete. Und er schwebt in großer Gefahr. Johnny nimmt all seinen Mut zusammen und macht sich auf die Suche nach Amin.
„Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist der Debütroman von Mirjam Raymond, der unter anderem durch ein Stipendium der Akademie für Kindermedien gefördert wurde. Empfohlen wird der Roman für Leser:innen ab 10 Jahren, aufgrund des Alters des Protagonisten (12 Jahre) ist dies vermutlich gerade die Grenze. Generell balanciert der Roman auf dem schmalen Grat zwischen Kinder- und Jugendbuch, da ich ihn aber eher für Leser:innen ab 11, 12 Jahren empfehlen würde, habe ich ihn schlussendlich als Jugendbuch eingeordnet.
Die Handlung ist grundsätzlich altersgerecht und mischt dabei jugendtypische Probleme wie Freundschaft und familiäre und schulische Konflikte mit großen gesellschaftlichen Themen wie Migration und Ausländerfeindlichkeit. Dabei gelingt es Mirjam Raymond, die Themen jugendgerecht aufzuarbeiten. Zudem brilliert der Roman in dem abgedruckten Tagebuch von Amin, das nicht nur mit persischen Textpassagen aufwartet, sondern auch mit wundervollen Illustrationen von Maja Bohn, die die Handlung perfekt abrunden.
Das Setting ist gelungen. So entführt Mirjam Raymond die Leser:innen in eine süddeutsche Großstadt, nimmt sie mit auf eine Zugreise nach Düsseldorf und gedanklich in die Kriege und Krisen der Welt. Dabei erkundet man die Welt aus Sicht von Johnny, der im Roman als Ich-Erzähler fungiert und – etwas irritierend – teils die Leser direkt anspricht und in reißerischen Zeitungsschlagzeilen denkt.
Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ava, Sympathieträgerin und heimlicher Star des Romans, und Niko, während Johnny, selbst für sein Alter, teils nicht nachvollziehbar handelt, immerhin zum Ende hin aber einige seiner Handlungen reflektiert. Mirjam Raymonds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils sogar fast zu jugendlich.
Die Buchgestaltung glänzt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist wirklich überzeugend mit den eingestreuten Tagebucheinträgen und Illustrationen. Der Buchumschlag wartet mit schön gestalteten Coverinnenseiten auf, das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken hin krass abgegrenzt. Insgesamt ist das Covermotiv durchaus gelungen und zeigt starke Ansätze zur Handlung, die Typographie des Covers überzeugt ebenfalls.
Mein Fazit? „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist ein gelungenes Debüt von Mirjam Raymond, das vor allem mit der tollen Gestaltung, den Illustrationen und einer altersgerechten Aufarbeitung des Themas Migration punktet, dabei aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab etwa 11, 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.