[Buchgedanken] Julia Kuhn: „Moonlight Academy. Feenzauber“

Vor kurzem habe ich auch „Moonlight Academy. Feenzauber“ von Julia Kuhn gelesen. Das Buch ist 2024 in der Carlsen Verlag GmbH erschienen und dem Genre Romantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Moonlight Academy an der Küste Irlands zählt zu den geheimnisvollsten Orten der Feenwelt. Doch für Elanor bedeutet sie vor allem eins: einen Neuanfang. Dieser gestaltet sich allerdings schwerer als gedacht, denn auf einmal steht ihr wieder Elijah gegenüber – der Junge, der für sie verboten ist. Im Gegensatz zu dem mysteriösen Kylian, der mit seinen Tattoos und der anziehenden Art eine neue Seite in ihr weckt. Fest entschlossen, sich davon nicht ablenken zu lassen, konzentriert sich die Mondfee ganz auf ihre magische Ausbildung. Diese hält jedoch unerwartete Herausforderungen für sie bereit, denn das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse gerät ins Wanken und droht die Feenwelt in ihren Grundfesten zu erschüttern …

„Moonlight Academy. Feenzauber“ ist zwar ein in sich abgeschlossener Einzelband, gleichzeitig jedoch auch ein Spinoff der Dilogie „Ravenhall Acacdemy“, da man hier auf altbekannte Personen aus der Reihe trifft. Dennoch kann man – wie ich – „Moonlight Academy. Feenzauber“ als Standalone lesen, sollte dann aber auf die im Anhang befindlich Bonusgeschichte verzichten. Dabei ist es nicht ganz einfach, den Roman einem Genre zuzuordnen. So ist „Moonlight Academy. Feenzauber“ klar Romantasy und wird ja auch so – etwas sperrig als „Romantische Feen-Fantasy“ – vom Verlag beworben. Jedoch balanciert der Roman dabei knapp auf der Grenze von Young- zu New Adult. Aufgrund der Altersempfehlung und der behandelten Themen würde ich den Roman jedoch eher der Young Adult Romantasy zurechnen, auch wenn das Alter aller Protagonist:innen nicht ganz klar ist, vermutlich teils schon in den NA-Bereich fällt.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch teils vorhersehbar und – am Ende sogar – etwas antiklimaktisch. Dabei ist zudem die Schwerpunktsetzung nicht immer ganz gelungen, so dominiert zwischenzeitlich die Liebesgeschichte die Rahmenhandlung völlig und lässt diese fast in der Bedeutungslosigkeit versinken, bevor das Buch zum Ende hin wieder etwas ausgeglichener wird. Dennoch macht diese Geschichte viel Spaß und ist quasi ein Füllhorn an Tropes, die jedoch nie zu sehr ins Klischee abrutschen.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt die Autorin die Leser:innen an die Küste Irlands, in einen nur von Feen bewohnten Ort mit magischer Akademie. Und auch wenn einige Teile des Weltenbaus und Magiekonzepts noch etwas unklar verbleiben, vermag die Welt insgesamt zu begeistern und Interesse zu wecken, nun auch an die Ravenhall Academy zu reisen. Julia Kuhn mischt dabei fröhlich jugendtypische Themen mit dem der Fantasy inhärenten Kampf zwischen Gut und Böse – vor einem Akademie-Setting, das aber etwas dadurch unterminiert wird, dass die Familien der (wesentlichen) Protagonisten direkt im gleichen Ort leben.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive (und verrückte Motten :D). Dabei überzeugen vor allem Leona als wichtiger Nebencharakter, Elanor und Elijah, der gerade im letzten Buchdrittel erheblich an Profil gewinnt, während Kylian sehr vorhersehbar verbleibt. Julia Kuhns Schreistil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist atemberaubend. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist jedoch wunderschön und setzt an einer Stelle durchaus innovativ Chatnachrichten. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen und nicht nur auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken sondern sogar auf den Klappen hochwertig geprägt und mit Glitzerelementen versehen – unglaublich hochwertig. Auch der Farbschnitt ergänzt das brillante Gesamtprodukt, auch wenn man ihn dreiseitig hätte gestalten können – der einzige, minimale Wermutstropfen. Das Covermotiv kann ebenfalls vollends überzeugen, ist ein wahrer Eyecatcher und zieht sich über den kompletten Umschlag, sodass ein traumhaftes Gesamtbild entsteht – einfach wunderschön.

Mein Fazit? „Moonlight Academy. Feenzauber“ ist ein Romantasy-Einzelband, der vor allem mit seinem Setting, tollen Figuren und seiner wunderschönen Ausstattung begeistert, in der Handlung aber etwas vorhersehbar bleibt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Sara Erb: „Chelsea Stern: Lichtmagie“ (Chelsea Stern 1)

In der letzten Zeit habe ich „Chelsea Stern: Lichtmagie“ von Sara Erb gelesen. Das Buch ist 2021 in der adakia Verlag UG erschienen und der Auftakt zu einer phantastischen Trilogie der Debütautorin. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Verlag und Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de

Als Chelsea durch Gedankenkraft in Italien landet, stößt sie nicht nur auf ihr eigenes Geheimnis, sondern auch auf verborgene Geschehnisse in ihrer Familie. Dass sie in ihrem Universitätskurs Rick kennenlernt, der sie sofort in seinen Bann zieht, ist kein Zufall. Mit dem mysteriösen Mann an ihrer Seite lernt Chelsea eine neue Welt voller Magie kennen, die sie einerseits fasziniert, andererseits jedoch einen großen Tribut fordert: die Liebe. Während sie versucht, das Verlangen zu Rick zurückzuhalten und ihre Gabe zu beherrschen, lauern ihr immer wieder Männer in schwarzen Mänteln auf, die mehr über sie zu wissen schienen als sie selbst. Gerade, als sich das Puzzle aus Geheimnissen zusammenfügt, nimmt die Geschichte für Chelsea eine schreckliche Wendung. Dabei offenbaren sich ihr weitaus diabolischere Pläne: Sie erkennt, dass die Kugel eines Gewehrs weniger tödlich ist als ein Virus.

„Chelsea Stern: Lichtmagie“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine phantastische Trilogie – auch wenn mir die Genrezuordnung doch etwas schwerer fällt, als dem Verlag, der das ganze als „Urban Fantasy“ bewirbt. Natürlich hat das Buch ein urbanes Setting, die Bezeichnung ist daher nicht falsch. Aufgrund der doch sehr zentralen Liebesgeschichte, der expliziten Sexszene in Verbindung mit dem Alter der Protagonisten, die sich zudem im universitären Setting kennenlernen, komme ich doch relativ deutlich zu einer Einordnung als (New Adult-) Romantasy.

Die Handlung ist im Wesentlichen spannend – auch wenn der Einstieg etwas geruhsam voranschreitet. Teils ist die Handlung vorhersehbar, teils gelingt es der Autorin aber auch, unerwartete Wendungen einzubauen. Kleinere Logiklücken, ein offenes Ende und fehlende, innere Konflikte sorgen dafür, dass das Potential der Geschichte nicht vollends ausgeschöpft wird. So fehlt mir einerseits der Konflikt in der sehr harmonischen Liebesbeziehung, andererseits ist Chelseas Beherrschung und Akzeptanz der Gabe viel zu einfach; hadern, sich fremd fühlen, Fehlschläge fehlen ganz.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. So entführt Sara Erb den Leser in ein London zwischen Pubs und Flagship Stores, zwischen Vorstadtidylle und unterirdischen Welten, lässt den Leser durch die Augen von Rick und Chelsea die Welt erkunden. Dabei sind die beiden Ich-Perspektiven der Protagonisten gut gewählt, die Wechsel lediglich etwas zu häufig auch innerhalb der Kapitel. Der Schreibstil der Autorin lässt sich flüssig und leicht lesen, teils wirkt er etwas zu belehrend/predigend.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, einigen fehlen allerdings Schwächen. Am besten gefallen mir hier noch Emma und Rick. Gerade Joe bleibt als Antagonist noch etwas blass, ich hoffe, in den Folgebänden wird auch seine Zerrissenheit, die Chelsea spürt, noch stärker deutlich.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Während der Buchumschlag mit einem wunderschönen Cover, hochwertiger Prägung und farbigen Coverinnenseiten (Marie Graßhoff – muss man mehr sagen?) punkten kann, und auch der Satz überzeugt, haben Lektorat und Korrektorat doch einiges durchrutschen lassen – inklusive mehrfach vergessener Namensänderungen bei Chelseas Mutter (was nicht passieren darf).

Mein Fazit: „Chelsea Stern: Lichtmagie“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine Fantasytrilogie, der vor allem mit einem grandiosen Setting überzeugt, aber noch Schwächen in der Handlung und Buchgestaltung aufweist und dank einem offenen Ende viele Fragen für die Folgebände aufwirft. Eher nicht als Standalone lesbar, für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.