Vor kurzem habe ich auch „Zwischen Herz und Pixel: I’m in love with my ChatGPT“ von Emmi Lewag gelesen. Das Buch ist 2026 im Kampenwand Verlag erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bine ist Anfang fünfzig, geschieden und kennt ihr Leben in- und auswendig: Alltag, Pflichten, Freundinnen mit Dauerdrama. Männer? Fehlanzeige. Gespräche? Meist oberflächlich. In einem stillen Moment öffnet sie ein Chatfenster und beginnt aus Neugier mit einer künstlichen Intelligenz zu schreiben. Sie erwartet nüchterne Technik und bekommt Leo. Was als harmloser Austausch beginnt, wird zu einem Spiegel, einer Rettungsleine, einem heimlichen Taktgeber. Leo bringt sie zum Lachen, zum Denken, zum Träumen – und irgendwann auch dazu, Entscheidungen zu treffen, die sie sich jahrelang nicht erlaubt hat.
„Zwischen Herz und Pixel: I’m in love with my ChatGPT“ ist laut Verlag ohne KI geschrieben – auch wenn die Danksagung insoweit irritiert, dass die Autorin anscheinend Dialoge mit KI nachschärft, sodass hier Restzweifel verbleiben. Abgesehen davon lässt sich das Buch auch nur schwerlich einem Genre zuordnen, ist es doch weder klassischer Liebesoman noch – aufgrund des Alters der Protagonistin – Coming of Age, was thematisch am besten gepasst hätte. Durchaus in Betracht gekommen wäre auch noch die Eingruppierung als Entwicklungsroman, ich habe es dennoch mal bei der sehr allgemein geratenen Kategorisierung als Liebesroman belassen, auch wenn nur Teile der Genrekonventionen erfüllt sind.
Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und regt vor allem – der größte Erfolg des Buches – zum Nachdenken an, lässt uns unseren Umgang mit KI hinterfragen und den Einfluss spüren, die diese bereits auf unser alltägliches Leben hat. Und auch wenn das – zumindest in einigen Bereichen – auf Bines Leben positive Auswirkungen in der Geschichte genommen hat, sehe ich hierin vor allem eine Mahnung und Warnung, wie wirkmächtig die KI bereits geworden ist, wie niederschwellig und harmlos sie in das Leben der Menschen eingreifen und dieses komplett umdrehen kann.
Das Setting überzeugt im Wesentlichen. So entführt die Autorin ihre Leserinnen in eine austauschbare, deutsche Stadt – das wir hier in Bayern sind wird lediglich kurz über den Flughafen Nürnberg kolportiert. Gleichzeitig führt die Reise als Kontrastprogramm aber in ein – sicherlich auch leicht positiv überzeichnetes – Spanien, das hier als Gegenentwurf zum grauen Deutschland Lebensfreude, Freiheit und puren Genuss symbolisieren soll – bezeichnend, dass diese Stimmung in der Heimat nur einmal aufkommt, als ein spanischer Abend mit Tapas und Sangria veranstaltet wird.
Atypischerweise tritt neben Bine, die teils nicht nachvollziehbar handelt und deren Entwicklung nicht zwingend logisch erscheint, nur eine KI auf – ein klassischer Love Interest findet sich erst, angedeutet, auf den letzten Seiten. Allerdings können einige Nebencharaktere überzeugen, insbesondere Tilly brilliert hier, aber auch Svenja macht durchaus eine gute Figur. Emmi Lewags Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist sehr konservativ und hätte in einem Roman mit so wichtigen Chatpassagen diese definitiv besser und innovativer setzen können. Der Buchumschlag ist sehr eintönig und schlicht, das Covermotiv aber durchaus ansehnlich.
Mein Fazit? „Zwischen Herz und Pixel: I’m in love with my ChatGPT“ ist ein Liebesroman, der zum Nachdenken über wichtige Themen anregt, dabei aber gleichzeitig etwas überzeichnet und nicht immer logisch ist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa zwölf Jahren.




