[Buchgedanken] Luca Rohleder: „Die Suche nach Gott“

In der letzten Zeit habe ich „Die Suche nach Gott“ von Luca Rohleder gelesen. Das Buch ist 2020 in der dielus edition erschienen und wurde mir als unkorrigiertes Leseexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür!

Nachdem ihre Hündin von einem LKW überfahren und ihr Internetbusiness lahmgelegt wurde, schlittert die Bloggerin Lucy in eine schwere Lebenskrise. Mithilfe der Wissenschaft macht sie sich auf eine abenteuerliche Suche nach Gott. Dabei lässt sie sich auf viele Gespräche und Liebesabenteuer mit Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen ein, mit deren Hilfe sie den physikalischen Beweis für die Existenz Gottes findet. Sie kommt dem geheimnisvollen Wirken göttlicher Spielregeln auf die Spur, und erkennt den höheren Sinn hinter allem. Und schließlich entdeckt sie am Ende ihrer Reise etwas, mit dem sie niemals gerechnet hätte …

„Die Suche nach Gott“ ist kein typischer Roman, vermischt er doch wissenschaftliche Theorien und Erkenntnisse mit einer fiktiven Handlung. Daher fällt es bereits schwer, überhaupt ein Genre festzulegen. Während das Buch online teils unter dem Label der Gegenwartsliteratur geführt wird sowie von mir bei der Vorstellung untechnisch als quantenphilosophischer Roman betitelt wurde, würde ich es nach der Lekture als Entwicklungsroman sehen, wobei aufgrund des Epiloges auch noch ein anderes Genre zur Auswahl stünde, das ich hier aber nicht erwähnen werde, um nicht zu spoilern.

Dabei balanciert das Buch die ganze Zeit auf der Grenze zwischen Wissenschaft und Esoterik, vermengt Wissen, Gefühle und Spiritualität. Und auch wenn die 10 Handlungsempfehlungen / „göttlichen“ Spielregeln – eine nette Anspielung auf die 10 Gebote – sicherlich teils ihre Berechtigung haben und auf viele Situationen anwendbar sind, ist die Allgemeingültigkeit, mit der diese propagiert werden, vielleicht etwas übertrieben. Auch finden Stimmen, die den teils durchaus diskutablen wissenschaftlichen Begründungen widersprechen, kaum Gehör – aber dies ist verschmerzbar, wenn man sich während des Lesens dauerhaft bewusst macht, dass es sich um meinen Roman und somit um Fiktion, und gerade keine wissenschaftliche Abhandlung oder ein Sachbuch, handelt.

Aussagen zum Setting, zum Spannungsbogen oder zur Handlung können vorliegend nicht getroffen werden, da – rein äußerlich – nicht viel passiert, sich das Buch auf Lucys Entwicklung, ihre Gedanken und Gefühle konzentriert. Hierbei muss man aber dem Autor zugute halten, dass das Ende sehr überraschend kam und gänzlich unerwartet war.

„Die Suche nach Gott“ ist ein bisschen wie „Sofies Welt“ für Erwachsene, bei dem an die Stelle der grundlegenden philosophischen Konzepte eine neue, wissenschaftlich angehauchte Philosophie tritt – ein Buch, das bildet und unterhält, und dabei die volle Aufmerksamkeit des Lesers fordert – mit einem ungeahnt hohen Erotikanteil.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Aussagen zum Korrektorat verbieten sich, da die Schlusskorrektur noch aussteht. Lektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist schlicht aber gelungen, der Buchrücken aus meiner Sicht etwas textlastig/überlastet.

Mein Fazit: „Die Suche nach Gott“ ist – wenn man sich darauf einlässt – ein Roman, der einem auf durchaus unterhaltsame Weise wissenschaftliche und philosophische Ansätze vermittelt, die durchaus hilfreich sein können. Für Leser, denen die Fiktion der Handlung bewusst ist, und die sich offen, aber auch krtisch, damit auseinandersetzen wollen, bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 17.