[Buchgedanken] Marion Poschmann: „Die Kieferninseln“

Vor einigen Wochen habe ich Marion Poschmanns Roman „Die Kieferninseln“ gelesen. Das Buch ist 2017 im Suhrkamp Verlag, Berlin, erschienen – die mir vorliegende Ausgabe entstammt bereits der vierten Auflage. Bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2017 zählte „Die Kieferninseln“ zu den sechs Finalisten – eine Ehre, die Marion Poschmann bereits zum zweiten Mal in ihrer Karriere ereilte. Ohne es gelesen zu haben, war das Buch damals auch mein persönlicher Favorit auf den Preis – ob es die ganzen Vorschusslorbeeren verdient – dazu mehr im Verlauf der Besprechung. Auf der letzten Buchmesse in Frankfurt besuchte ich zudem eine Lesung und Buchpräsentation der Autorin.

61IMypO0aHL._SX299_BO1204203200_Gilbert Silvester, seines Zeichens Dozent und Bartforscher, steht unter Schock, nachdem er davon geträumt hat, dass seine Frau ihn betrügen würde. Spontan verlässt er sie und besteigt ein Flugzeug nach Tokio. Dort entschließt er sich, wie die alten Wandermönche und der Dichter Basho vor ihm, zu den Kieferninseln von Matsushima zu pilgern, um sich in der Betrachtung der Natur zu verlieren und seine innere Ruhe zu finden. Wäre da nicht Yosa Tamagotchi, Gilberts Reisegefährte. Denn der junge Student verfolgt ein ganz anderes Ziel. Geleitet vom „Complete Manual of Suicide“ sucht er nach dem perfekten Platz, um seinem hoffnungslosen und eintönigen Leben ein Ende zu bereiten.

„Die Kieferninseln“ ist ein sehr fragiles, zerbrechliches Werk. Die Autorin spielt mit den Vorstellungen der Leser, und lässt sie im Unklaren über das wirkliche Geschehen. Wirklichkeit und Vorstellung, Realität und Fiktion, Geist und Wahnsinn. Und so ist „Die Kieferninseln“ auch ein Werk über die krassen Unterschiede zwischen den Kulturen und Menschen, und über die Vorurteile, die man pflegt. Wenn ein Kaffeemensch in ein Teeland reist, sind die Reibungspunkte vorprogrammiert.

In das eigene Werk hat Marion Poschmann gezielt Haikus integriert – als gewollte Hommage der Reisenden an die japanischen Dichter. Die Vermischung von Prosa und Lyrik, die dadurch gewollte Entschleunigung, zählt zu den großen Pluspunkten des Buches – und hätte es auch aus meiner Sicht zu einem würdigen Gewinner des Deutschen Buchpreises gemacht.

Auch wenn die Handlung in „Die Kieferninseln“ fast unwichtig erscheint, spiegelt sie doch die großen Themen des Lebens wieder, stellt existentielle Fragen und ist fast spirituell. „Die Kieferninseln“ ist leicht und zerbrechlich, traurig und melodramatisch – und, man kann es kaum glauben, sehr humorvoll, fast schon exzentrisch und ins Komische verrückt. Marion Poschmanns sanfter und gut zu lesender Schreibstil lässt dem Leser genug Raum für eigene Vorstellungen. Ein malerisches Setting und tolle Beschreibungen der einzelnen Schauplätze in Japan lassen den Leser sich auch gedanklich nach Japan träumen.

Das Cover des Buches ist – wie das Werk an sich – zurückhaltend und lässt Raum für Interpretationen. Lektorat und Korrektorat haben gut gearbeitet, lediglich beim Buchsatz hätte ich mir etwas mehr Finesse gewünscht, so hätten die Gespräche und Nachrichten mit Gilberts Frau besser dargestellt werden können – und eine Karte der Pilgerreise hätte ebenfalls für eine gelungene Abrundung des Geschehens gesorgt.

Mein Fazit? „Die Kieferninseln“ ist ein sprachlich meisterhaftes Werk, das Prosa und Lyrik, Realität und Fiktion verschwimmen lässt. Es lebt von den Unterschieden der Kulturen und von den traumhaften Beschreibungen des malerischen Settings. Bedenkenlos zu empfehlen, wenn man Bücher außerhalb der Genreliteratur mag.

 

[FBM2017] Tag 1 – Ein entspannter Tag

Schon ist Tag eins der Buchmesse vorbei und – zumindest heute – möchte ich auch direkt noch hochmotiviert am selben Tag meine Messeeindrücke mit Bildern für Euch festhalten. Insgesamt habe ich vier Veranstaltungen besucht, und die restliche Zeit genutzt, einige der Hallen (vor allem 3.0 und 3.1) zu erkunden, mir das Pressezentrum anzusehen und nicht zu viel Kraft zu verschwenden :D.20171011_104011

Los ging es am Vormittag mit dem obligatorischen Gespräch auf dem Blauen Sofa mit dem diesjährigen Buchpreisträger. Auch wenn ich – rein nach den Buchpräsentationen und Shortlistvorstellungen – immer noch leicht enttäuscht bin, dass es nicht Marion Poschmann geworden ist, so hat sich die Veranstaltung mit Robert Menasse um sein Buch „Die Hauptstadt“ doch auch gelohnt. Ein Plädoyer für ein vereintes Europa, der erste EU-Roman aus Brüssel.

20171011_121452(1)An dieser Stelle ein großes Lob an den Beltz Verlag! An ihrem Stand haben sie in diesem Jahr eine Bloggerlounge eingerichtet, wo man sich ausruhen, sein Handy aufladen kann, und sogar von eifrigen Beltz-Mitarbeitern mit Getränken versorgt wird und mit diesen ins Gespräch kommt. Ein tolles und vorbildliches Konzept – bitte nachmachen! Dort habe ich mich dann ebenfalls etwas ausgeruht, bevor es weiter zur nächsten Veranstaltung ging.

Natürlich durfte heute auch ein Weiterbildungsworkshop nicht fehlen. Hannes Riffel, der Programmbereichsleiter Science Fiction / Fantasy von FISCHER Tor sprach für neobooks und epubli über Anschreiben an Verlage, das ideale Exposé und die 20171011_124546_001Zusammenarbeit mit Verlagslektoraten. Informativ, auch weil er selbstkritisch ebenfalls anmerkte, dass durchaus für einige Autoren und einige Werke das Selfpublishing mittlerweile wirklich der bessere Weg ist.

Nach der Mittagspause besuchte ich dann 20171011_154539(0)die Buchvorstellung von Marion Poschmann, die auch als Lyrikerin bekannt ist. In ihrem Buch „Die Kieferninseln“ mischen sich daher auch Lyrik und Prosa, europäische und asiatische Kultur, Realität und Einbildung. Das Buch klang wirklich spannend, ich werde es mit Sicherheit auch irgendwann einmal lesen.

Meine letzte Veranstaltung des Tages war ein Gespräch mit Ulrich Wickert für die ARD über sein neues Buch „Frankreich muss man lieben, um es zu verstehen“. Charmant, eloquent und mit köstlichen Anekdoten aus seinem Leben in Frankreich hatte der Autor das Publikum komplett im Griff.

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Damit endete auch bereits mein Messetag. Ich möchte die Gelegenheit aber nicht ungenutzt verstreichen lassen, Euch hier noch einige Impressionen der Messe anzuhängen. Wer genau hinschaut, erennt, dass auch Konrad und Luise mich zur Messe begleitet haben, und dort auf ihre großen Verwandten getroffen sind. Reinschauen lohnt sich! 😀