[Buchgedanken] Marcel Huwyler: „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ (Violetta Morgenstern 7)

Vor kurzem habe ich auch „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ von Marcel Huwyler gelesen. Das Buch ist 2025 bei GRAFIT in der Emons Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin im Namen des Staates, hat ein neues Privatleben: Sie wohnt als Patchwork-Oma mit ihrem Kollegen Miguel Schlunegger und dessen Zwillingstöchtern zusammen. Zum Glück rettet sie ein neuer Auftrag vom Killerministerium „Tell“ aus dem Familien-Chaos. Violetta und Miguel sollen einen Archäologen eliminieren. Der hat in Ägypten einen rätselhaften Fund gemacht, der die Geschichtsschreibung verändern könnte. Doch als die beiden zur Tat schreiten wollen, kommt ihnen ein Unbekannter zuvor …

„Violetta Morgenstern und die Offenbarung“ ist mein erster Roman der bisher siebenteiligen Reihe um die pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin Violetta Morgenstern – und es wird sicherlich nicht mein letzter bleiben. Dabei lässt sich das Buch gut als Standalone lesen, die Reihe sich jedoch gar nicht so einfach kategorisieren, zeigt sie doch parodistische Ansätze, ist eine Mischung aus Agententhriller und in einem Handlungsstrang sogar fast Cosy Crime. Ich habe es der Einfachheit halber daher bei der auf dem Cover festgehaltenen generalisierten Eingruppierung als Kriminalroman belassen.

Die Handlung ist unglaublich humorvoll, spannend und kurzweilig – ein wahrer Pageturner und Jahreshighlight. Dabei gelingt es Marcel Huwyler ernste Themen und absurde Situationen und Konstellationen aneinanderzureihen, sodass man sich als Leser:in zu jeder Zeit gut unterhalten fühlt. Auch das Ende vermag zu überzeugen, wenn es auch etwas schnell und hastig kommt – ein paar mehr Seiten zum Schluss hätten der Story sicherlich nicht geschadet. So oder so verbleibt aber viel Potential für noch viele weitere Morgenstern-Geschichten – ich denke, ich spreche für alle, wenn wir uns hier noch mehr wünschen.

Denn auch das Setting brilliert. So entführt Marcel Huwyler die Leser:innen nicht nur geografisch in die Schweiz, sondern vor allem auch sprachlich und kulturell – Dialekt, kreative Wortschöpfungen und ganz viel schweizerisches Lebensgefühl inklusive. Dabei vermengt der Autor zudem gekonnt die Thriller-/Krimihandlung mit parodistischen Elementen, die auf jeder Seite einen unglaublichen Humor durchscheinen lassen. Gleichsam werden dennoch auch wichtige Themen angesprochen wie Einsamkeit im Alter, die Situation von Alleinerziehenden und die Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei glänzen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ida, Frida und Werner Gottlieb, aber auch Violetta Morgenstern brilliert in ihrer Rolle als pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin, lediglich Miguel überzeugt mich nicht vollends – aber ggf. können die anderen Bände hier das Bild abrunden. Marcel Huwylers Schreibstil ist hingegen – wie bereits angedeutet – unglaublich humorvoll und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist solide, das Buch insgesamt eher schmucklos. Das Covermotiv und die Coverrückseite werden jeweils zum Buchrücken hin krass unterbrochen, der Buchumschlag insgesamt ist farblich durchaus ansprechend aber kein Eyecatcher. Das Covermotiv bietet zumindest abstrakte Anklänge zur Buchreihe, wenn auch nicht zur konkreten Handlung des Bandes, passt sich insgesamt aber gut in das Gesamtgefüge der Reihe ein und sorgt für Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ ist ein fast perfekter, parodistischer Kriminalroman, der vor allem mit seinem unglaublichen Humor und viel Lokalkolorit überzeugen kann. Für Leser:innen des Genres – auch als Neueinstieg in die Reihe – bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Suza Summer: „Heute alles und morgen vielleicht“

In den letzten Tagen habe ich auch „Heute alles und morgen vielleicht“ von Suza Summer gelesen. Das Buch ist 2025 im Kampenwand Verlag erschienen und als Schicksalsroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

„Das Leben ist zu kurz für irgendwann“ ist das Motto der extrovertierten Camille. Bezaubernd aussehend und erfolgreich, genießt sie ihr Dasein in der Upperclass. Das einzige männliche Wesen, dem sie treu ergeben ist, heißt Charles und ist eine französische Bulldogge. Das Schicksal findet immer seinen Weg und so ahnt die selbstbewusste Immobilienmaklerin nicht, dass ihre Tage gezählt sind. Niemand kennt die Geheimnisse ihrer Patienten so gut, wie die bescheidene Krankenschwester Sanna. Doch während die junge Frau ihre Kranken einfühlsam begleitet, steckt sie selbst in einer Lebenskrise. Beide Schicksale verknüpfen sich, als Sanna das lukrative Angebot erhält, die sterbenskranke Camille und deren Mann Aiden, in ein Chalet, in den Schweizer Alpen zu begleiten. Dass Sanna auf einmal zarte Gefühle für Aiden hegt, versucht sie zu ignorieren. Doch unvermutet pocht auch sein Herz schneller, wenn er in ihre Nähe kommt.

„Heute alles und morgen vielleicht“ ist mein erster Roman der Autorin. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. Denn obwohl als Liebesgeschichte beworben, als Liebesroman teils auf Verkaufsplattformen eingruppiert, sind hier die vielen Liebesgeschichten doch eher Randwerk der Handlung, geht es doch zentral darum, wie alle Personen mit dem handlungstreibenden Schicksalsschlag umgehen. Daher würde ich das Buch sehr klassisch als Schicksalsroman einordnen.

Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Sanna erzählt, unterstützt von einer personalen Erzählperspektive von Camille. Dabei ist die Handlung durchaus abwechslungsreich und wartet mit interessanten Wendungen auf, wenn sie natürlich teils auch vorhersehbar ist – das haben Schicksalsromane ohnehin meistens an sich. Hierbei baut die Autorin in den doch sehr kurzen Roman fast zu viele Themen noch mit ein, diskutieren wir doch neben Liebe, Freundschaft und Tod auch über Mobbing, toxisches Kolleg:innenverhalten, falsche Selbstdarstellungen in Social Media, zerrüttete Familien und Adoptionen – um nur einige der Themen zu nennen.

Das Setting hingegen ist traumhaft – aber wie sollte es bei einem abgeschiedenen Chalet in den Schweizer Alpen auch anders sein? So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Aachen, sondern auch nach Albinen, ein verschlafenes Örtchen im Kanton Wallis mit lokalem Bergsteigerladen, Chor und – natürlich – breitem Dialekt für ein gewisses Lokalkolorit. Gern hätte man hier noch etwas mehr in die Tiefe gehen, noch etwas mehr den individuellen Charakter des Ortes herausstellen können.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Frida, Kaja und Alex, während Sanna teils nicht nachvollziehbar handelt und übergriffig wird. Gern hätte ich auch gesehen, dass sie sich gegen ihre Kündigung gewehrt hätte. Suza Summers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Dinge durchgerutscht, der Buchsatz hat ebenfalls irritierende Aspekte. Das Covermotiv setzt sich hingegen nahtlos auf Coverrückseite und Buchrücken fort und sorgt so für ein tolles Gesamtbild, ist auch generell gut anzusehen, wenn auch kein klassischer Eyecatcher. Auch irritiert der aufgedruckte „Sticker“, und die Coverrückseite ist leicht überfrachtet.

Mein Fazit? „Heute alles und morgen vielleicht“ ist ein durchaus ergreifender Schicksalsroman mit nur kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Margrit Cantieni: „1941. Liebe in herzlosen Zeiten“

Vor kurzem habe ich auch „1941. Liebe in herzlosen Zeiten“ von Margrit Cantieni gelesen. Das Buch ist 2023 in der Emons Verlag GmbH erschienen und als historischer Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Sommer 1941. Tausende polnische Soldaten werden auf der Flucht vor der deutschen Wehrmacht in der Schweiz interniert und von den Einheimischen als Helden gefeiert. Doch bald schon kippt die Stimmung, und die zuvor willkommenen Flüchtlinge werden zur vermeintlichen Bedrohung. So auch Marek, der im Arbeitslager auf die junge Sofia trifft. Es ist Liebe auf den ersten Blick, aber je länger der Krieg dauert, desto unerwünschter wird ihre Beziehung. Schaffen sie es, sich den Regeln der Gesellschaft zu widersetzen und ihr gemeinsames Glück zu finden?

„1941. Liebe in herzlosen Zeiten“ ist mein erstes Buch der schweizerischen Autorin Margrit Cantieni – und diese Herkunft merkt man dem Buch auch an, das schweizerische Lektorat hat hier sicherlich auch dazu beigetragen. Denn das Buch ist gespickt mit schweizerischen Begriffen, auch außerhalb von Dialogen, und ignoriert teils die gängige deutsche Rechtschreibung, was bei mir als Leser durchaus für Irritationen sorgt.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und kurzweilig, allerdings auch etwas spannungsarm – was bei einem Buch, das größtenteils zur Zeit des zweiten Weltkriegs spielt, doch etwas verwundert. Teils gravierende Zeitsprünge und ein sehr antiklimaktisches Ende sorgen für ein doch sehr angenehmes aber auch etwas eintöniges Leseerlebnis. Dabei werden neben der Liebesgeschichte jedoch spannende historische Fakten über die Schweiz zu dieser Zeit vermittelt, die gerade hier doch eher unbekannt sind.

Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin den Leser nach Graubünden zur Zeit des zweiten Weltkrieges, insbesondere in das kleine Dorf Rodels, das seit 2015 keine eigene Gemeinde mehr ist, im Buch aber deutlich größer vorkommt als die weniger als 200 Einwohner, die das Dorf wohl zu dieser Zeit hatte – die Internierten nicht mitgezählt. Dabei gelingt es der Autorin gut, die damalige Stimmung und die Spannungen innerhalb der Gesellschaft einzufangen – und atmosphärisch für den Leser greifbar zu machen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem (wichtige) Nebenfiguren wie Leonora und der Lehrer Lorenz, während gerade Marek teils nicht wirklich nachvollziehbar handelt. Margrit Cantienis Schreibstil lässt sich dabei, trotz der Authentizität, leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls solide. Lektorat und Korrektorat haben – im Wesentlichen – sauber gearbeitet, der Buchsatz ist simpel, aber fehlerfrei, auch wenn ich mir eine Karte von Graubünden zur Unterstützung noch gut hätte vorstellen können. Das Covermotiv ist etwas beliebig, aber schön anzusehen – und zieht sich toll über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht.

Mein Fazit? „1941. Liebe in herzlosen Zeiten“ ist ein unterhaltsamer historischer Liebesroman, der eher unbekannte Aspekte des zweiten Weltkrieges in den Mittelpunkt rückt, dabei teils aber etwas ereignisarm daherkommt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 14 Jahren.