[Buchgedanken] Darius A. Harwardt: „Die Flamme der Rache“ (Weltenspiegel-Chronik 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Die Flamme der Rache“ von Darius A. Harwardt gelesen. Das Buch ist 2026 im Selfpublishing veröffentlicht worden und als High Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Vor vierzig Jahren errichtete Erzmagier Lazar gewaltsam das Magistrat von Elysis, um die jahrhundertelange Verfolgung von Magiern durch Adel und Kirche zu beenden und die Quelle der Magie zum Wohle aller zu erforschen. Doch das fragile Gleichgewicht des Kontinents ist bedroht. Der neue Hohepriester des benachbarten Königreiches Caldonia schürt erneut den Hass auf die Magie, die Gerüchte eines bevorstehenden Krieges verdichten sich. Revan, talentierter Absolvent des Arkaneums, ist entschlossen, das Magistrat vor seinen zahlreichen Feinden zu schützen. Gereon, Erstgeborener eines caldonischen Adelshauses, folgt hingegen nur zögerlich den Ambitionen seines Vaters. Währenddessen begibt sich die Söldnerin Shani auf eine zweifelhafte Mission. Doch die Entdeckung des Archäologen Rodrick droht, all diese Pläne zunichtezumachen.

„Die Flamme der Rache“ ist der Debütroman von Darius A. Harwardt und der Auftaktband in die „Weltenspiegel-Chronik“. Dabei lässt sich der Roman klar als High-Fantasy einordnen. Zwar fehlt es noch etwas an dem epischen Konflikt zwischen Gut und Böse, aber an der Einstufung führt schlussendlich doch kein Weg vorbei, auch wenn man einzelne Handlungsstränge isoliert für sich gesehen sicherlich auch als „Sword and Sorcery“ kategorisieren könnte. Als Auftaktband endet das Buch zudem sehr offen und schließt quasi keine Handlungsstränge ab, daher kann man das Buch eher nicht als Standalone lesen.

Generell ist die Handlung zwar spannend und abwechslungsreich, aber auch sehr fragmentarisch, tauchen doch immer neue personale Erzählperspektiven auf, die zwar lose schon im Zusammenhang stehen, aber noch nicht zusammengelaufen sind. Insgesamt wird man – gerade anfangs – mit vielen Charakteren und Orten geflutet, erst im Verlauf der Handlung stellt sich dann der Lesefluss ein. Dabei werden allein in diesem Auftaktband schon so viele Themen angeschnitten, die auch Zerrbild unserer Gesellschaft sind wie totalitäre Überwachungsstaaten, religiöser Fanatismus, Fremdenhass, Krieg und Vertreibung – um nur einige zu nennen.

Das Setting ist gelungen. Der Weltenbau glänzt hier durch einen sehr umfassenden Ansatz, auch wenn in der Kürze des Buches sicherlich noch einige Themen etwas knapp gehalten worden sind und in den Folgebänden noch ausgebaut werden müssen – gerade das Magiekonzept. Die politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen sind jedoch schon gut dargestellt, auch wenn Caldonias Situation irgendwie etwas an Game of Thrones erinnert. Durch eine Kartenflut soll die Welt hier auch visualisiert werden, die schiere Masse an vorangestellten Karten erschlägt jedoch eher. Lediglich an wenigen Stellen ist der Weltenbau etwas inkonsequent und verfällt doch wieder in Muster aus der realen Welt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der schieren Masse an Charakteren einige in den Folgebänden noch stärker ausgearbeitet werden müssen. Hierbei überzeugen von den Protagonisten insbesondere Revan und Visaya, aber auch einige Nebencharaktere wie Khalia und Erin können glänzen. Darius A. Harwardts Schreibstil lässt sich größtenteils leicht und flüssig lesen, der Autor verfällt lediglich manchmal in einen kleinen Infodump, der nicht immer an den Stellen notwendig ist.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Gleiches gilt für den Buchsatz, der ebenfalls nicht fehlerfrei ist, sich aber noch im Rahmen hält. Neben den vorangestellten Karten runden auch eine nachgestellte Dramatis Personae sowie ein umfangreiches Glossar die Geschichte ab. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein Gesamtbild entsteht – es bleibt abzuwarten, wie die anderen Teile der Reihe dazu passen. Generell ist das Covermotiv durchaus ansehnlich und genretypisch, die Coverrückseite eher eintönig und schlicht.

Mein Fazit? „Die Flamme der Rache“ ist ein Auftaktband, der gerade im Weltenbau viel Potential offenbart, gleichzeitig aber sehr offen endet und somit nicht als Standalone lesbar ist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Von fremden Welten und vergangenen Zeiten | Doppelte Buchpost

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Begrabene Liebe“ ist dabei der erste Roman um Liz Bach aus der Feder von Yara Hauch (Plastyggnuss), während „Die Flamme der Rache“ als Auftaktband in die Weltenspiegel-Chronik von Darius A. Harwardt (veröffentlicht im Selfpublishing) fungiert. Beide Romane begründen daher Reihen – und nehmen die Leser:innen auf Reisen mit in die Archäologie – und in ganz fremde Welten: ich bin gespannt!

Interessiert Ihr Euch für Archäologie?

Frauen an die Macht | Lovelybooks-Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Mathilde: Königin und Mutter“ ist ein im Selfpublishing über BoD veröffentlichter Roman von Johanna Marie Jakob über Mathilde von Nordhausen, während in „Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ Charlotte von Feyerabend (Verlagsgruppe Droemer Knaur) eine alternative Historie schildert, nach der ein Zirkel von Frauen die Geschicke Deutschlands im 19. Jahrhundert steuerte, wobei sich der Roman dabei als Mischung aus „Bridgerton“ und „Kingsman“ darstellt. In jedem Fall stehen Frauen in den Mittelpunkten der Bücher – und sorgen als Macht- und Schaltzentralen für die Geschicke vieler – ich bin gespannt!

Über welche starke Frauenfigur würdet Ihr gern mehr lesen?

[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Branderbe“ (Buck und Lange 3)

Und noch eine weitere Rezension habe ich frisch von der Leipziger Buchmesse für Euch. Denn in den letzten Tagen habe ich auch „Branderbe“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing über Books on Demand (BoD) erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bei einem Wohnungsbrand im Frankfurter Nordend kommt ein alter Mann ums Leben. War es ein tragischer Unfall oder steckt mehr dahinter? Für Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und seine Kollegin Maike Lange scheint der Fall schnell klar. Sie ahnen nicht, dass ein weiterer Mensch in Lebensgefahr schwebt.

„Branderbe“ ist nach „Mainblüte“ mein zweiter, und insgesamt der dritte Roman um das Ermittelnden-Duo Maike Lange und Sebastian Buck. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen. Zwar ist das Vorwissen aus dem Vorgängerband sicherlich hilfreich, zentrale Wendepunkte in den Leben der Ermittler:innen werden aber von der Autorin auch in diesem Band wieder ausgeführt, um deren Handeln nachvollziehbarer zu gestalten. Und auch die Genrezuordnung verbleibt relativ klar, wird das Buch doch auf dem Cover – zutreffend – bereits als Kriminalroman gelabelt.

Die Handlung ist durchaus kurzweilig und spannend, wenn auch atypisch, sind doch alle Täter bereits relativ früh bekannt. Apropos alle Täter: Irritierend ist auch, dass der eigentliche Kriminalfall relativ schnell von einem viel größeren, spannenderen und brenzligeren Fall überlagert wird, der die Handlung dominiert und viel mehr Raum einnimmt. Dabei werden auch in diesem Roman wieder eine Bandbreite an gesellschaftlichen Themen angerissen, im Gegensatz zu Band zwei fehlt es hier aber leider an der Auflistung entsprechender Hilfsangebote für Betroffene. Auch über Content Notes hätte man wieder nachdenken können.

Das Setting bleibt unverändert. So entführt die Autorin die Leser:innen erneut nach Frankfurt, auch wenn dieses Mal durchaus andere Seiten der Stadt gezeigt werden und – wie oben bereits angerissen – andere Themen besprochen werden, geht es doch dieses Mal um Mietwucher, Demenz, häusliche Gewalt und Pflege. Dabei kommen die Ermittelnden fast etwas zu kurz, ihre im Vorband noch präsenteren eigenen Lebenskrisen und -Probleme treten dieses Mal gänzlich in den Hintergrund – zumindest bis zum Epilog, der einen milden, aber durchaus interessanten Cliffhanger präsentiert.

So entwickeln sich auch die Figuren – zumindest bei den Ermittler:innen – nur bedingt weiter, am ehesten kann hier dieses Mal Maike überzeugen, sodass das Buch insgesamt einmal mehr im Nebencast glänzt, der mit Alma und Dr. Bruckner zwei durchaus tolle Charaktere vorzuweisen hat. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich – erneut – leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, ist zwar kein Eyecatcher, aber durchaus genretypisch und bildet mit den Covern der vorherigen Bände ein einheitliches Erscheinungsbild für die komplette Reihe.

Mein Fazit? „Branderbe“ ist eine gelungene Fortsetzung, die als Standalone funktioniert und wichtige Themen anspricht, dabei aber atypisch zu einem anderen Fall switcht und die Ermittler:innen etwas vernachlässigt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Wolfram Benisch: „BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ (Benski 1)

In den letzten Tagen habe ich „BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ von Wolfram Benisch gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing (Literatur- und Medienverlag Wolfram Benisch) veröffentlicht worden und als Mysterythriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Privatdetektiv Jack Benski einen scheinbar harmlosen Undercover-Auftrag übernimmt, ahnt er nicht, dass er sich schon bald in einem Netz aus Verschwörungen, geheimen Forschungen und uralten Mythen wiederfindet. Siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhalten die Nachfahren einer deutschen Bomberbesatzung eine rätselhafte Nachricht: Ein verschlüsselter Lageplan soll sie zum Wrack des abgestürzten Bombers führen – angeblich voll beladen mit Gold und Raubgut aus den letzten Kriegstagen. Doch was sich tatsächlich an Bord befindet, sprengt jede Vorstellung. Benski wird in die Gruppe eingeschleust und lernt dort Katharina kennen – sie weiß mehr, als sie zugibt. Schon bald geraten sie ins Visier skrupelloser Verschwörer und fanatischer Altnazis. Eine tödliche Jagd beginnt – während im Schatten ein weiterer Player einen teuflischen Plan verfolgt. Kann Benski ihn stoppen, bevor es zu spät ist?

„BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ ist der Debütroman von Wolfram Benisch und der Auftakt in eine potentielle Buchreihe um Privatdetektiv Jack Benski, der irritierenderweise online teils auch unter dem Titel „BENSKI – Der letzte Flug der Hugin“ auffindbar ist. Dabei lässt sich der Roman gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. Während er auf dem Cover der mir vorliegenden Ausgabe noch als „Thriller“ bezeichnet wird, ist das Cover online bereits (wie oben ersichtlich) aktualisiert und konkretisiert das Buch als „Abenteuer-Mystery-Thriller“. Ich persönlich habe mich für die Eingruppierung als Mysterythriller entschieden, allerdings zeigt das Buch auch starke Anklänge an die Science-Fiction.

Die Handlung ist hierbei gerade anfangs sehr fragmentarisch durch unzählige Perspektiven, Handlungsstränge, ein Auseinanderfallen von Handlungsorten, was das Buch nur schleppend starten lässt. In der zweiten Hälfte zieht der Roman hier aber durchaus an und kann zum Ende hin sogar punkten, wenn man sich auch den Cliffhanger ganz am Schluss hätte sparen können. Auch kann die eingestreute Liebesgeschichte nicht wirklich überzeugen, und es sind auch kleinere Logikfehler/Logikbrüche vorhanden – alles in allem wird die Handlung der tollen Prämisse leider nicht vollständig gerecht, was auch an unergründlichen Zeitsprüngen liegt, die die Handlung plötzlich an einen anderen Punkt führen. Zugleich stocken Handlung und Lesefluss auch durch die oftmals unnötig detaillierten Benennungen von Waffensystemen und Kalibergrößen.

Und auch das Setting hat Stärken und Schwächen. So nimmt der Autor die Leser:innen mit auf eine Reise quer durch Deutschland und die Welt, begeben wir uns doch mit den Protagonist:innen nach Norwegen, Südamerika, Rumänien und Frankreich – und das waren sicherlich noch nicht alle Handlungsorte. Zugleich werden diverse populäre Mythen und Verschwörungstheorien in die Geschichte eingebaut – hier hätte man durchaus auf den ein oder anderen Schlenker verzichten können, um die Handlung etwas fokussierter zu halten und vertiefter auf die Themen eingehen zu können, ohne sie jeweils nur am Rande zu streifen.

Die einzelnen Figuren haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, die teils undurchschaubar bleiben – auch verschwinden Figuren sang- und klanglos. Am stärksten überzeugen hier noch Nebencharaktere wie Chris, Boris und Tanja, während Benski quasi dauerhaft fremdgesteuert ist und insbesondere die Liebesgeschichte in der Charakterentwicklung nicht wirklich deutlich wird. Wolfram Benischs Schreibstil lässt sich dabei im Wesentlichen flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat und Korrektorat sind – soweit durchgeführt – durchaus vermehrt Fehler durchgerutscht, und auch der Buchsatz überzeugt nicht vollends, von den milde spoilernden Kapitelüberschriften und der Einbindung von Handlungsort und -Zeit in den Fließtext mal abgesehen. Allerdings kann das Cover im Wesentlichen glänzen, setzt es sich doch nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt so für ein einheitliches Gesamtbild, das zudem auch Anklänge an die Handlung zeigt und duchaus ansehnlich ist (die leichte Abweichung vom Print zum nun online verfügbaren Cover irritiert jedoch leicht). Lediglich auf die Darstellung des Menschen hätte man hier verzichten können.

Mein Fazit? „BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ ist ein Mysterythriller mit vielversprechenden Ansätzen, der aufgrund diverser Fehler und einer teils unnötig aufgebauschten Handlung sein Potential nicht vollends ausschöpft. Für Leser:innen, die der sehr bunte Genremix nicht stört und die über so etwas hinwegsehen können, noch geeignet – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Nataša Dragnić: „Affenliebe“

Vor kurzem habe ich auch „Affenliebe“ von Nataša Dragnić gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing über tredition im Label MORE books veröffentlicht worden und der Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Maximilian Kaiser, ein 64-jähriger Berliner Literaturprofessor, eines Tages Post von einer Monika Wimmer erhält, beginnt eine obsessive, phantasiegeladene E-Mail-Korrespondenz. Ihr erstes Treffen ist stürmisch, verstörend und voller unausgesprochener Sehnsüchte und verwirrender Gespräche. Doch so leidenschaftlich alles beginnt, so abrupt und unerklärlich endet es. Auf der Suche nach Antworten reist Maximilian samt seiner katzentötenden Neugierde in die eigene Vergangenheit und begibt sich auf Spurensuche: zu seinem Vater, zu seiner Kindheit, zu den Geheimnissen seiner Mutter – und zu Monika nach Bremen, wo alles begonnen hat. Um eine Wahrheit zu entdecken, die er nie erwartet hätte.

„Affenliebe“ ist mein erster Roman von Nataša Dragnić – und mit Sicherheit das speziellste Buch, das ich bislang in diesem Jahr gelesen habe. Dabei lässt sich der Roman bereits nicht so einfach kategorisieren, wird er doch als literarischer Liebesroman beworben – und teils skurril auf Verkaufsplattformen eingruppiert. Ich habe das Buch jedoch – obwohl die Liebe ein zentrales Thema ist – der Gegenwartsliteratur zugerechnet, da mir persönlich viele Eigenschaften klassischer Liebesromane fehlen.

Die Handlung dreht sich nämlich zwar – wie bereits festgestellt – durchaus um Liebe, um Verlangen, zugleich aber auch um Obsession, Selbstaufgabe und Wahn. Denn der Professor steigert sich eskapistisch in einen Fiebertraum, der zuweilen Realität und Fiktion durchmischt und immer und immer wieder auf das übergeordnete Thema „Affe“ zurückgeht, das sich durch Generationen der Familie des Professors zieht, für die Leser:innen aber nicht immer greifbar und teils verwirrend bleibt. Dennoch kann vor allem das Ende mit einem positiven Ausblick glänzen.

Auch das Setting überzeugt größtenteils. Zwar sind Berlin und Bremen als Handlungsorte (und die Wege dazwischen) mehr oder weniger austauschbar, jedoch schafft die Autorin mit der Komparatistikprofessur des Protagonisten eine faszinierende Grundlage, um immer wieder Stendhal-Zitate in den Roman einzubringen und Vergleiche zu anderen großartigen Autor:innen zu ziehen (die Porträts an den Bürowänden lassen grüßen). Gleichsam wird durch den Mail-Wechsel hier innovativ über einen längeren Zeitraum ein virtuelles Kennenlernen dargestellt – als absolutes Neuland für den analog lebenden Professor.

Aufgrund der geringen Anzahl an handelnden Charakteren – eigentlich tritt fast nur der Professor wirklich regelmäßig auf -, lässt sich sehr wenig zu den Figuren im Roman sagen. Die marginal eingestreuten Nebencharaktere wie Hamdi und Fiona können zwar überzeugen, sind aber jeweils nur Stütze für den Professor, der sich in Gegenwart und Vergangenheit verliert und irgendwie nicht so richtig greifbar für die Leser:innen verbleibt – vermutlich sind oftmals die Lebenswelten einfach zu verschieden. Nataša Dragnićs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich und verdient ein Lob für den Start der Kapitel auf ungeraden Buchseiten, hätte aber auch die Mail-Verläufe innovativer setzen können. Das Cover und die Coverrückseite werden zum Buchrücken hin stark unterbrochen, sind durchaus aber ansehnlich und ungewöhnlich, wenn auch kein klassischer Eyecatcher aufgrund der eher eintönigen Farbgebung.

Mein Fazit? „Affenliebe“ ist ein durchaus ungewöhnliches Buch, das vor allem durch seine innovative Idee und deren Umsetzung punktet, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen von Romanen der Gegenwartsliteratur bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Dorrit Bartel: „Der Äthiopier“

In den letzten Tagen habe ich auch „Der Äthiopier“ von Dorrit Bartel gelesen. Das Buch ist erstmals 2024 im Selfpublishing über epubli veröffentlicht worden, die mir vorliegende Ausgabe entstammt der Neuveröffentlichung in der RavenPort Verlag GmbH aus dem Jahr 2025. Das Buch ist dabei als biografischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle dabei auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Früh wird Adane seiner Familie in der äthiopischen Savanne entrissen und erfährt, dass er selbst nicht über sein Leben bestimmen kann. Er passt sich wechselnden Umständen an: An einer Missionsschule wird er zum Christen, als Solidaritätsstudent in der DDR zum Kommunisten. Als Politiker kehrt er nach Äthiopien zurück, doch mit dem Zusammenbruch des Sozialismus landet er im Gefängnis. Bedroht von der Todesstrafe schwört er sich, zukünftig eigene Entscheidungen zu treffen, wenn er überlebt. Wider Erwarten kommt er frei und entsagt den Ideologien. Zurück in Deutschland arbeitet er fortan mehr mit den Händen als mit dem Kopf. Seine wahre Bestimmung findet er zuletzt wieder in der Heimat. Er sorgt für die Bildung von Kindern und gibt ihnen damit und das Werkzeug zur Selbsthilfe: Den freien Willen.

„Der Äthiopier“ ist mein erstes Buch von Dorrit Bartel, das – lose – das Leben des leider bereits verstorbenen Äthiopiers Fayissa/Adane beschreibt. Dorrit Bartel füllt dabei in künstlerischer Freiheit Erinnerungslücken, eine genauere Einordnung was Wahrheit und Fiktion entspricht, erfolgt nicht, auch, da selbst Adanes Erzählungen unzuverlässig sein könnten. Empfohlen wird das Buch in den unterschiedlichen Ausgaben für Leser:innen ab 16 oder 18 Jahren, aus meiner Sicht kann man das Buch durchaus auch minimal früher lesen.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich – so wie Adanes Leben, das ihn in viele Länder, Systeme, Berufe und Gefahren gebracht hat. Und auch wenn das Buch dabei einige erzählerische Längen hat und insgesamt eher antiklimaktisch ist, macht es dennoch viel Spaß und ist informativ, lernt man doch durchaus das ein oder andere, insbesondere über die Kultur des Vielvölkerstaates Äthiopien. Leider lässt das Buch dabei manchmal eine Einordnung, ein Unrechtsbewusstsein auch bei Fehlern Adanes vermissen und zeichnet daher ein eher einseitiges Porträt.

Das Setting ist natürlich gelungen. So entführt uns Adanes Leben – von einem richtigen Setting kann man hier ja gar nicht sprechen – von Äthiopien über die DDR ins vereinte Deutschland, nach Moskau, in die Mongolei und immer wieder zurück nach Äthiopien, in die Savanne, die Hauptstadt und entfernte Regionen des Landes. Dabei wird insbesondere das Leben nomadischer Stämme in der Savanne genau beschrieben, gern hätte ich mir insgesamt noch mehr Informationen über die äthiopische Kultur gewünscht.

Insgesamt spricht das Buch durch die Geschichte von Adane wichtige Themen an wie Entwicklungshilfe, Unterdrückung und die Unzulänglichkeit des Sozialismus und des Kommunismus, von deren Ideen sich Adane leider Zeit seines Lebens nicht hinreichend lösen konnte. Auch erschließt sich im Nachhinein nicht, warum in den frühen 1990er Jahren der Aufenthalt in Deutschland durch eine rechtswidrige Scheinehe gesichert werden musste und nicht versucht wurde, den Aufenthalt zu legalisieren. Insgesamt hätte hier noch viel Potential für ein einordnendes Nachwort bestanden.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht unglaublich schmälern. Der Buchsatz ist ausbaufähig, mein Exemplar hat – wie angekündigt – als Mängelexemplar auch keine Seitenzahlen. Das Covermotiv ist gelungen, aber kein Eyecatcher. Insgesamt ist das Buch sehr schlicht und eintönig gestaltet, die Coverrückseite mit viel zu viel Text überfrachtet, das Verlagslogo mit dunkelblauer Schrift auf schwarzem Hintergrund kaum zu entziffern.

Mein Fazit? „Der Äthiopier“ zeichnet auf informative Weise das sehr ereignisreiche Leben von Adane nach und spricht dabei wichtige Themen an, weist dabei aber auch kleinere Schwächen auf. Für Leser:innen ab etwa 15 Jahren mit Interesse an dem Genre bedenkenlos zu empfehlen.

Von Intrigen und Verschwörungen in allen Zeiten | Doppelte Buchpost

Heute habe ich wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „BENSKI – Die Jagd nach dem Artefakt“ ist dabei ein im Selfpublishing veröffentlichter Roman von Wolfram Benisch, der Auftaktband in die Reihe um den Privatdetektiv Jack Benski, während in „Schatten über dem Kloster“ von Manuela Schörghofer (Verlagsgruppe HarperCollins) die Richtergattin Isabella Falk in einem historischen Kriminalfall ermittelt. Beide Bücher versprechen dabei Spannung – und vor allem Intrigen und Verschwörungen bis in die höchsten Machtzentralen der jeweiligen Zeit. Ich bin schon ganz gespannt!

Mögt Ihr Thriller im Stil von Dan Brown?

Tierische Neuzugänge | Doppelte Buchpost

Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Affenliebe“ ist hierbei der neue, im Selfpublishing veröffentlichte Roman von Natasa Dragnic, während „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ bereits der dritte Band der Reihe um die flauschige Ermittlerin von Fabian Navarro ist. Erschienen ist er unter dem Label Haymonkrimi in der Haymon Verlag Ges.m.b.H., nachdem die ersten beiden Teile noch im Goldmann Verlag veröffentlicht wurden. Egal ob Liebe, Lust und Leidenschaft oder doch Cosy Crime – in jedem Fall wird es mit den beiden Bänden sicherlich tierisch! Ich kann es daher kaum erwarten, in die Geschichten einzutauchen.

Mögt Ihr Romane, in denen Tiere als Protagonist:innen fungieren?

[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Mainblüte“ (Buck & Lange 2)

Vor kurzem habe ich auch „Mainblüte“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2024 im Selfpublishing über BoD (Books on Demand GmbH) veröffentlicht worden und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Licht- und Luftbad am Frankfurter Mainufer liegt die Leiche eines Kindes. Der Junge trägt ein weißes Kleid und ruht in einem Meer aus Blütenblättern. Alle Anzeichen deuten auf einen selbst gewählten Tod – und eine selbst gewählte Identität: Tyra. Aber wer ist Tyra? Sebastian Buck, Frankfurter wider Willen, und seine Kollegin Maike Lange machen sich auf die Suche nach Antworten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Tyra hat eine Schwester, die nur eines will: Rache.

„Mainblüte“ ist nach „Strohtod“ der zweite Band der Reihe um Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und Kriminaloberkommissarin Maike Lange – mittlerweile existiert mit „Branderbe“ auch ein dritter Teil. „Mainblüte“ lässt sich dabei gut als Standalone lesen, werden doch relevante Stationen der Vergangenheit von beiden Protagonist:innen erklärt und eingebunden, sodass man nicht das Gefühl hat, den ersten Teil zu vermissen. Die Genrezuordnung ist jedoch nicht ganz leicht, ich habe es der Einfachheit halber bei der Einordnung der Autorin als „Kriminalroman“ belassen.

Denn die Handlung entspricht durchaus nicht einem klassischen Krimi, liegt doch weder ein Verbrechen vor, noch muss groß ermittelt werden. Vielmehr zeigt das Buch Anklänge an einen Jugendthriller, an einen Schicksalsroman und an Gegenwartsliteratur – halt mit Polizist:innen. Insbesondere in der ersten Hälfte ist das Buch daher eher ereignisarm, aber nichtsdestotrotz sehr interessant und abwechslungsreich, auch wenn die Vielzahl an behandelnden Themen von (u.a.) Transidentität, Cybermobbing, sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener, Integrationsmängeln, Queerfeindlichkeit, Patchworkfamilien, Gewaltausbrüchen und Suizid dafür sorgt, dass man hier eher an der Oberfläche verbleibt.

Dennoch kann das Setting überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nach Frankfurt am Main, aber nicht in die schillernde Bankmetropole sondern eher in die verschiedenen Milieus zwischen Eckkneipen und verlassenen Freibädern, auch wenn hier manchmal durchaus Klischees bedient werden – auch bei der etwas zu offensiv eingesetzten Jugendsprache, die sogar per Glossar noch erklärt wird. Zudem endet das Buch leider etwas offen – die Konsequenzen der Handlungen der Figuren werden zumindest in diesem Band leider nicht mehr beleuchtet, sondern nur teils angedeutet, und auch die Perspektive wechselt sehr regelmäßig, teils auch mitten in den Kapiteln.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive und entwickeln sich – zumindest was das Ermittelnden-Duo angeht – sicherlich auch von Band zu Band weiter. In diesem Roman überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere w.ie Shirin und OB, während auch Maike glänzen kann, Buck aber noch etwas farblos verbleibt. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen. Dabei hilft es sicherlich, dass die Nachstellung der Ophelia-Szene momentan in aller Munde ist – wenn auch eher durch ein Bild im Museum Wiesbaden und nicht durch das Werk im Tate Britain.

Die Buchgestaltung ist solide. Sofern durchgeführt sind Lektorat und Korrektorat zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Die Geschichte wird mit dem bereits erwähnten Glossar und einer Liste von Hilfsangeboten für diverse Themen abgerundet (unglaublich wichtig!), aufgrund der brisanten Themen hätten sich zudem Content Notes angeboten. Das Cover bzw. der Buchumschlag generell ist farblich toll und zeigt Anklänge zur Handlung, ist insgesamt aber eher unauffällig und schlicht. Ob es gelingt, über alle Bände hinweg ein einheitliches Gesamtbild mit Wiedererkennungswert zu schaffen, bleibt zudem abzuwarten.

Mein Fazit? „Mainblüte“ ist ein ungewöhnlicher Kriminalroman, der wichtige Themen anspricht und abwechslungsreich ist, aber auch etwas an der Oberfläche verbleibt und kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht unter einem Lesealter von 16 Jahren.