[Buchgedanken] Vera Jürgens: „Emmas Weg“

In den letzten Tagen habe ich „Emmas Weg“ von Vera Jürgens gelesen – vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Der Roman ist 2018 im Selfpublishing erschienen und eine Mischung aus einem Entwicklungsroman und einem Liebesroman mit spirituellen Elementen.

41aK472H3oL._SX326_BO1204203200_Nachdem sie ihren Freund mit einer anderen Frau erwischt hat, trennt sich Emma von ihm und fliegt nach Indien, um sich selbst zu finden und spirituell zu wachsen. Dort lernt sie die extrovertierte Gesa sowie den Journalisten Jan kennen, zu dem sich Emma sofort hingezogen fühlt. Als auch ihr Ex-Freund auftaucht, um sie zurückzuerobern, wird alles kompliziert. Erst in einem Ashram in Patna gelingt es Emma, spirituell aufzuwachen und zum Guru aufzusteigen. Doch dann steht plötzlich Jan wieder vor ihr …

„Emmas Weg“ ist zugleich Liebesroman, Entwicklungsroman und spirituelles Buch, es ist Reiseführer und Porträt der indischen Gesellschaft. Und gerade hier liegt auch die größte Stärke des Romanes. Durch die lebensnahen Beschreibungen, durch die vielen Bilder und Personen, durch die Reisen der einzelnen Charaktere lernt  man als Leser die indische Lebensweise, Land und Leute kennen und lieben. Dabei zeigt der Roman auch die krassen Gegensätze zwischen den 5-Sterne-Luxushotels und einfachen Unterkünften, zwischen Stadt und Land auf. Er vermittelt dem Leser spirituelle Konzepte und nimmt ihn auf dem Weg zur Selbstfindung an die Hand, lässt ihn mit Emma zusammen lernen.

Ungeachtet dessen, ob man den Weg zur Erweckung akzeptiert oder nicht, enthält der Roman viele allgemeingültige Wahrheiten, sorgt dafür, dass man sich mit relevanten Themen auseinandersetzt. Dass dabei gelegentlich leicht über das Ziel herausgeschossen wird – wie zum Beispiel bei Gesas Liebe zu Joints – vermag den positiven Eindruck nur leicht zu schmälern.

Genretypisch sind Teile der Handlung natürlich vorhersehbar, der Autorin gelingt es jedoch, immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen das erwartbare Ende etwas hinauszuzögern. Vor dem Hintergrund des malerischen Settings kann man als Leser dabei über kleinere Schwächen in der Handlung, über kleinere Längen durchaus auch hinwegsehen.

Von der Buchgestaltung bin ich allerdings nicht restlos überzeugt. Lektorat und Korrektorat haben sehr ordentlich gearbeitet, die wenigen vorhandenen Fehler schmälern keinesfalls den Lesefluss. Der Buchsatz hingegen lässt etwas Kreativität, etwas Frische vermissen und setzt gerade zum Anfang und zum Ende hin kaum Akzente. Das Cover ist ein Eyecatcher und farblich ausdrucksstark, ich hätte mir aber noch eine stärkere Bindung zum Inhalt des Buches gewünscht.

Mein Fazit? „Emmas Weg“ ist ein grundsolider Liebes- und Entwicklungsroman, der mit einem tollen Setting und der ausdrucksstarken Beschreibung der kulturellen Gegensätze punkten kann. Kleinere Schwächen vermögen dabei das Lesevergnügen nicht zu schmälern. Für Liebhaber von spirituell angehauchten Entwicklungsromanen bedenkenlos zu empfehlen.

Ran an den SuB mit Ava 2018 – Jahresfazit

Bevor ich mich in den nächsten Tagen dem Januar-Thema für die SuB-Abbau-Challenge 2019 widme, möchte ich erstmal auf das vergangene Jahr zurückblicken. Alles zur Challenge im Jahr 2018 ist *hier* zu finden.

Von den 36 geplanten Büchern habe ich 28 gelesen und damit insgesamt sechs Monate komplett abgeschlossen – ein guter, aber für 2019 ausbaufähiger Wert :).

Unter den 28 Büchern waren sowohl SP-Bücher als auch Bücher von kleinen und von großen Verlagen. Es waren Bücher deutschsprachiger und internationaler Autoren, literarische Werke und Genreliteratur. Es fanden sich preisgekrönte Bücher, Einzelbände und Reihen, ein Buch eines Autorenduos und sogar eine Lyriksammlung. Alles in allem eine sehr bunte Mischung! Noch ein Fun Fact am Rande: Von den 28 gelesenen Büchern wurden sage und schreibe 25 von Frauen verfasst, lediglich drei von männlichen Autoren (Daniel Kehlmann und 2x Terry Brooks). Auch von den acht nicht gelesenen Büchern ist nur ein weiteres von einem männlichen Autoren geschrieben worden („Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel Garcia Marquez).

Zum Abschluss hier noch die Cover einiger meiner Highlights aus den 28 Werken.

[Buchgedanken] Ella Zeiss: „Wie Gräser im Wind: Tage des Sturms“ (Band 1)

Als letztes Buch des Jahres möchte ich heute „Wie Gräser im Wind: Tage des Sturms“ vorstellen. Das Buch ist von Elvira Zeißler unter dem Pseudonym Ella Zeiss im Selfpublishing veröffentlicht worden und als historischer Roman / Familiensaga einzuordnen. Mit dem Roman gewann die Autorin 2018 den Kindle Storyteller Award – vielen Dank an dieser Stelle auch an Kindle Direct Publishing / Amazon Media für die Bereitstellung eines Leseexemplars auf der Frankfurter Buchmesse.

51BVUnGWpDL._SX322_BO1204203200_In „Tage des Sturms“ begleitet man zwei deutschstämmige Familien auf ihrem Schicksalsweg durch die Gebiete der Sowjetunion. In den 30er Jahren wütet das Regime mit Enteignungen und Verhaftungen in den wohlhabenden Dörfern auf der Krim. Nachdem sich Wilhelm Scholz weigert, seinen letzten Grundbesitz an den Staat zu überschreiben, wird er mit seiner Frau und den Kindern mitten in der Nacht von Bewaffneten aus dem Haus gezerrt. Zu Baumfällarbeiten eingeteilt, kämpft die Familie inmitten von Krankheit, Kälte und Hunger ums Überleben. Samuel Pfeiffer entgeht einem ähnlichen Schicksal nur durch seine rechtzeitige Flucht. Doch als deutscher Lehrer wird er immer wieder verfolgt und denunziert. Und so beginnt für ihn und seine Familie eine Odyssee von der Krim bis nach Baku.

„Wie Gräser im Wind: Tage des Sturms“ ist ein würdiger Gewinner des Storyteller Awards und ganz anders als die Siegertitel der letzten Jahre. Der Roman beleuchtet ein bislang eher vernachlässigtes Kapitel der europäischen Geschichte und bringt dieses auf anschauliche und eindringliche Weise an den Leser. Der Roman wirkt umso authentischer und beklemmender, als dass er auf wahren Begebenheiten, auf der Familiengeschichte der Großeltern der Autorin basieren soll.

Durch die Dopplung der Geschichte, durch die Beschreibung der Erlebnisse zweier Familien (die im Folgeband dann wohl verbunden werden), ist der Roman etwas sprunghaft, handelt von vielen Personen. Auch wenn dieser Wechsel nicht immer ganz einfach fällt, wenn eine stärkere Trennung vielleicht sinnvoller gewesen wäre, gelingt es der Autorin doch, den Leser an beide Familien zu binden, ihn mit allen Protagonisten leiden und mitfühlen zu lassen. Dabei nimmt sich die Autorin zurück und lässt die Handlungen wirken, lässt die Angst, Sorge und Verzweiflung der Protagonisten durch die Zeilen auf den Leser übergreifen. Niemals belehrend nimmt Ella Zeiss den Leser an die Hand und führt ihn durch die Geschichte, hinein in die aufziehenden Gewitterwolken, die über ganz Europa hängen und ihre Schatten bereits auf die Handlung werfen.

Dabei wird die Spannung dauerhaft gehalten, lässt den Leser kaum durchatmen und die ganze Zeit Schlimmes fürchten. Auch wenn das Buch bereits sehr bildhaft gehalten ist, hätte ich mir teils noch detailliertere Beschreibungen, teils noch stärkere Bilder gewünscht, um die krassen Gegensätze noch intensiver für den Leser spürbar zu machen, um das beklemmende Setting noch realer in den Köpfen zum Leben zu erwecken.

Die Buchgestaltung ist sehr überzeugend, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet. Der ordentliche Buchsatz ist von der Storyteller-X-Award-Gewinnerin Corinna Rindlisbacher, das ausdrucksstarke Cover von der erfolgreichen Selfpublisherin Laura Newman – geballte Kompetenz!

Mein Fazit? „Wie Gräser im Wind: Tage des Sturms“ ist ein überzeugender historischer Roman, der vor allem durch seine eindringliche und ausdrucksstarke Schilderung der historischen Ereignisse überzeugt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen!

[Buchgedanken] Anna Fischer: „Herz in Reparatur“

Pünktlich zum dritten Advent habe ich heute eine neue Buchvorstellung für euch! In den letzten Tagen habe ich den Liebesroman „Herz in Reparatur“ von Anna Fischer gelesen. Die Neuauflage des Buches ist 2018 bei Montlake Romance, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien unter dem gleichen Titel 2017 im Selfpublishing. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die Autorin für die Bereitstellung eines Leseexemplares.

41rYCEGrCZL._SX337_BO1204203200_Nachdem die ehrgeizige TV-Redakteurin Emma von Carl verlassen wurde, plagt sie der Liebeskummer. Als ihr Chefredakteur dann auch noch ihr Konzept für eine Literatursendung ablehnt, und stattdessen verlangt, dass sie den ehemaligen Baseball-Star Matt MacKenzie das Einmaleins des Journalismus lehrt, gerät Emmas Leben völlig aus den Fugen. Lieber würde sie einem Affen das Sprechen beibringen wollen, als für diesen selbstverliebten Macho den Babysitter zu spielen. Doch da der Sender auf ihre Hilfe angewiesen ist, schließt sie mit Matt einen Deal: Im Gegenzug für das Journalismuscoaching bringt er Emma bei, was Männer wirklich wollen, damit sie Carls Herz zurückerobern kann.

„Herz in Reparatur“ ist ein zauberhaftes Feel-Good-Buch mit einigen unerwarteten Twists, die den Leser immer mal wieder vom, genrebedingt vorhersehbaren, Handlungsablauf abbringen. Auch wenn das (malerische) Setting in Kalifornien eher sommerlich wirkt, ist der Roman auch ein idealer Begleiter für die Weihnachtszeit. Freundschaft, Liebe und die Rückbesinnung auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind die zentralen Motive, die die Hauptfigur Emma nicht nur wiederfinden, sondern erst lernen und verinnerlichen muss.

Durch die perfekt gewählte Erzählperspektive (der Roman wird ausschließlich aus der Ich-Perspektive von Emma erzählt), gelingt es der Autorin, dass der Leser sich gut mit Emma identifizieren kann, sich mit ihr freut, mit ihr leidet – und ja, sie auch gelegentlich mal durchrütteln möchte. Ohnehin sind die Figuren vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen und entwickeln sich – insbesondere Emma – im Laufe des Romanes weiter. Meine heimlichen Favoriten sind Burke und Victoria, beim etwas zu perfekten Matt MacKenzie hätte ich mir allerdings ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht.

Anna Fischers Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen. Er transportiert die Gefühle zum Leser und sorgt dafür, dass man in die Geschichte gezogen wird. Gerade in den Dialogen findet sich dann auch die ein oder andere humorvolle Situation, die die Handlung auflockert. Erfrischend fand ich auch, dass mit Emma eine Protagonistin für den Roman gewählt wurde, die das dreißigste Lebensjahr bereits überschritten hat, die fest im Beruf verankert ist und über einiges an Lebenserfahrung verfügt.

Auch die Schwerpunktsetzung hat mich überrascht. Im Gegensatz zu dem immer stärker werdenden Trend in New-Adult- und Liebesromanen, wurden hier der komplette Fokus auf die Gefühle der Protagonisten gelegt und erotische Szenen lediglich vage angedeutet und komplett ausgeblendet – was mir ausnehmend gut gefallen und ideal in die Geschichte gepasst hat.

Die Buchgestaltung ist insgesamt gelungen. Lektorat und Korrektorat haben überzeugend gearbeitet, lediglich der Satz hat minimale Schwächen, die aber auch eher dem persönlichen Geschmack geschuldet sind. Das Cover ist hübsch, ich hätte mir aber etwas mehr Kreativität, etwas mehr Bezug zum Inhalt gewünscht.

Mein Fazit? „Herz in Reparatur“ ist ein überwiegend gelungener Liebesroman, der durch das malerische Setting und tolle Charaktere begeistert. Ein idealer Begleiter für den Urlaub oder für die Weihnachtszeit mit Feel-Good-Garantie – für Liebesromanleser bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Ilka Sommer: „Der Weg zu mir: Wolfsbruder“

In den letzten Tagen habe ich „Der Weg zu mir: Wolfsbruder“ von Ilka Sommer gelesen. Das Buch ist 2018 im Selfpublishing erschienen, die mir vorliegende Ausgabe entstammt der ersten Auflage. Vielen Dank an dieser Stelle der Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Eine Genreeinordnung ist jedoch gar nicht einfach. Auch wenn der Roman auf der Coverrückseite als „gesellschaftskritischer Roman“ betitelt wird, würde ich ihn doch eher als esoterisch-spirituellen Roman mit fantastischen Einflüssen sehen.

51GTKclXKFLNach einer kurzen Begegnung auf der Jagd mit einem Wolf gerät Jans Leben völlig aus den Fugen. Seine Arbeit als Banker, seine Beziehung, seine Freundschaften – alles steht auf dem Prüfstand. Bis er für sich den mystischen Weg der Tierkommunikation entdeckt, und damit auch den Weg zu sich selbst. Auf der Suche nach dem Krafttier und seiner neuen Bestimmung wird er von der Tierkommunikatorin Miriam unterstützt. Schritt für Schritt legt Jan dabei seine Ängste ab und erlebt Unglaubliches.

„Der Weg zu mir: Wolfsbruder“ ist mal ein ganz anderes Buch – ich habe bislang nicht allzuviel vergleichbares gelesen und bin in dem Genre nicht zuhause. Und so ganz schlau geworden, bin ich aus dem Roman auch nicht, da die Grenzen zwischen Traum und Geschehen, zwischen Realität und Fiktion in den ganzen Erlebnissen verschwimmen.

Dennoch bin ich froh darüber, es gelesen zu haben – man nimmt aus der Lektüre etwas mit. Und sei es nur, dass man sich selbst auch mit dem Gedanken an Tierkommunikation auseinandersetzt und etwas darüber lernt. Dabei ist es aus meiner Sicht sogar durchaus wahrscheinlich, dass man in gewissen Grenzen mit Tieren kommunizieren kann – allerdings von Angesicht zu Angesicht. Dass man über Bilder Kontakt zu Tieren aufnehmen kann, die man nie gesehen hat und die sich weit entfernt aufhalten, überzeugt mich weiterhin nicht – und auch der Sprachgebrauch der Tiere, insbesondere von Penelope, hat mich sehr irritiert.

Bei „Der Weg zu mir: Wolfsbruder“ handelt es sich – wie bereits oben erwähnt – aus meiner Sicht auch nicht um einen gesellschaftskritischen Roman – schließlich finden in der Gesellschaft alle ihren Platz – und werden mit einem zauberhaften Happy-End belohnt (auch wenn ich mich der Lektorin da anschließe: ein Liebes-Happy-End hat mir ebenfalls gefehlt). Es ist aber ein Buch, das die Entschleunigung propagiert, die Liebe zur und das Leben in Einklang mit der Natur. Es ist ein Buch, das Toleranz einfordert und die Rückbesinnung auf ein harmonisches, selbstbestimmtes Leben im Gegensatz zum allgegenwärtigen „Höher, Schneller, Weiter“.

Die Handlung ist zwar insgesamt – dem Genre geschuldet – vorhersehbar, die Figuren sind aber interessant gestaltet, gerade von Mike bin ich völlig überzeugt. Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut und flüssig lesen, insbesondere die Beschreibungen gefallen mir sehr gut und hätten noch mehr und dichter sein können. Zudem hätte ich es spannend gefunden, diese Persönlichkeitsentwicklung, diese Erfahrungen in dem doch sehr auf den Hauptcharakter zentrierten Buch aus dessen persönlicher Ich-Erzählperspektive geschildert zu bekommen. Dies hätte vielleicht für eine noch stärkere Bindung und Identifikation der Leser mit dem Protagonisten gesorgt.

Die Buchgestaltung ist – im Großen und Ganzen – gelungen, und in jedem Fall überdurchschnittlich für ein Selfpublishing-Werk. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, die noch vorhandenen Fehler halten sich in einem absolut akzeptablem Rahmen und stören nicht den Lesefluss. Das Cover ist schön anzusehen – hier hätte es aber durchaus auch noch Raum für mehr Kreativität gegeben. Gleichsam finde ich auch den Buchsatz etwas uninspiriert und sehr nüchtern.

Mein Fazit? Auch wenn ich nicht vom Konzept der Tierkommunikation überzeugt bin, ist „Der Weg zu mir: Wolfsbruder“ ein interessantes Buch für alle, die mal über den Tellerrand hinausschauen wollen. Ob man ihn nun spirituell oder fantastisch, esoterisch oder philosophisch nennt, der Roman nimmt einen mit auf eine Reise in die Welt der Wölfe und lässt einen über das Leben und die Gesellschaft nachdenken.

Doppelte Buchpost

In der letzten Zeit erreichte mich erneut doppelte Buchpost, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Dabei könnten die Bücher unterschiedlicher nicht sein. Mit „Herz in Reparatur“, das neu von Montlake Romance übernommen und heute veröffentlicht wurde, legt Anna Fischer einen romantisch-frechen Liebesroman mit Herz, Seele und Humor vor. Dagegen erwartet einen bei „Der Weg zu mir – Wolfsbruder“ von Ilka Sommer ein gesellschaftskritischer, spiritueller Roman über Tierkommunikation und die Entschleunigung des Lebens, die Rückbesinnung auf die Natur. Vielen Dank an beide Autorinnen, und an Montlake Romance, für den Versand der Rezensionsexemplare. Die dazugehörenden Buchbesprechungen sollten noch diese, respektive nächste Woche folgen – ich bin schon ganz gespannt!

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[Buchgedanken] Halo Summer: „Froschröschen – Das wahre Märchen“

In den letzten Tagen habe ich „Froschröschen – Das wahre Märchen“ von Halo Summer gelesen. Das Buch ist 2018 im Selfpublishing erschienen, zuerst über Create Space, in der mir vorliegenden zweiten Auflage dann bei BoD. Es ist dem Genre Märchenadaption zuzurechnen, und mein zweites Buch der Autorin nach dem Storyteller-Award-Siegertitel „Aschenkindel – Das wahre Märchen„, einem meiner Jahreshighlights 2016.

51ZkMfRwMkL._SX311_BO1204203200_Rosalie von Rosalee lebt isoliert und streng behütet im Schloss ihrer Eltern, fern von allen spitzen Gegenständen, die die vefluchte Prinzessin noch vor ihrem 17. Geburtstag mit dem ganzen Schloss in einen hundertjährigen Schlaf versetzen sollen. Als eines Tages ein Frosch in ihr einsames Gefängnis einbricht, stürzt sich Rosalie in ein Abenteuer, das ihr Leben auf den Kopf stellt. Denn das kleine, grüne und harmlose Tier ist niemand geringeres, als Pendrazaphier, der Bruder der Fee, die Rosalie verflucht hat. Selbst mit einem Bann belegt, versucht der dunkle Prinz alles, um gegen seine Schwester zu bestehen. Doch als die Tage bis zu Rosalies Geburtstag immer schneller verstreichen, beginnt für beide ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit.

„Froschröschen – Das wahre Märchen“ ist – wie nicht anders zu erwarten – ein würdiger Nachfolger von „Aschenkindel“ und begeistert mich erneut. Als moderne Märchenadaption ist der Roman frech und ungezwungen – und mischt aus den zugrundeliegenden Stoffen eine spannende und unverbrauchte Geschichte. Besser hätte ich mir die Rückkehr nach Amuylett kaum ausmalen können.

Humorvoll und spannend zugleich gelingt es Halo Summer, den Leser an die Seiten zu fesseln. Neben dem malerischen Setting, ist dies vor allen den tollen Charakteren zu verdanken. Dabei überzeugen nicht nur Rosalee als starke, weibliche Hauptfigur, sondern auch die Nebencharaktere – allen voran die humoristischen Sidekicks. Egal ob Humbolg, Kristyan, Bambi oder Isolde – sie alle werden von der Autorin mit eigenen Stärken, Schwächen, Zielen und Motiven versorgt. Durch das doch sehr begrenzte Setting wird der Roman jedoch keinesfalls überfrachtet, sondern ist in sich stimmig.

Halo Summers Schreibstil ist dabei frisch, frech und ausdrucksstark. Die Dialoge sprühen vor Wortwitz, der Spannungsbogen wird dauerhaft gehalten. Durch die zusätzlichen gefühlvollen Szenen wird der Leser auf allen Ebenen unterhalten – ein gelungener Spagat der Autorin zwischen Humor, Spannung und Liebe.

Einziger Kritikpunkt aus meiner Sicht ist die etwas komprimierte Zusammenfassung längerer Zeiträume. Hier hätte durchaus, auch im Sinne eines noch stärkeren Weltenbaus, noch Potential für ein oder zwei weitere Kapitel bestanden – aber im Zweifel ist es für Autoren kein schlechtes Zeichen, wenn man noch mehr und immer mehr aus ihrer Welt lesen will.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Dem Satz, Lektorat und Korrektorat sind kleinere Fehler durchgerutscht, die sich aber noch im akzeptablem Rahmen halten. Auch das Cover überzeugt, reicht aus meiner Sicht allerdings nicht an das Ausnahmecover von „Aschenkindel“ heran. Ebenfalls wurde aus meiner Sicht die Chance vertan, für ein einheitliches Gesamtbild zu sorgen – zwar sind die Bücher Einzelbände, als Märchen aus der gemeinsamen Welt hätte man jedoch für einen höheren Wiedererkennungswert sorgen können.

Mein Fazit? „Froschröschen – Das wahre Märchen“ ist eine gänzlich überzeugende Märchenadaption, die vor allem durch tolle Charaktere und eine humorvolle und spannende Handlung begeistert. Auch wenn es nicht ganz an das noch brilliantere „Aschenkindel“ heranreicht, ist Halo Summer ein erneuter Platz in meinen Jahreshighlights wohl kaum zu nehmen. Sicherlich nicht mein letztes Buch der Autorin.

 

[Buchgedanken] J. Vellguth: „Zauberhaftes Aschenputtel“

In der letzten Zeit habe ich „Zauberhaftes Aschenputtel“ von J. Vellguth gelesen. Das Buch ist 2015 im Selfpublishing erschienen und als Märchenadaption einzuordnen. Es ist mein bisher drittes Buch der Autorin (ein weiteres wartet schon auf dem SuB), ihr Roman „Das Päckchen“ schaffte es sogar auf den dritten Rang meiner Lesehighlights 2017.

51q1DwVkW2L._SX326_BO1204203200_Seit frühester Kindheit träumen Anna und ihre Mutter davon, dass das Mädchen einst den Prinzen heiraten wird. Doch als ihre Mutter stirbt, und sich ihr Vater eine neue Frau mit zwei Töchtern wählt, wird Annas Leben zum Albtraum. Nur der geheimnisvolle Wald hinter dem Haus erlaubt es ihr, den Schikanen und Boshaftigkeiten der neuen Familie für einige Augenblicke zu entfliehen und neuen Lebensmut zu schöpfen. Dort trifft sie nicht nur auf Feen, sondern auch auf Leo. Obwohl der Jäger nicht standesgemäß ist, verfällt sie ihm von Treffen zu Treffen immer mehr. Bis schließlich eine Balleinladung die Familie erreicht – und Anna endlich die Möglichkeit sieht, den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen.

„Zauberhaftes Aschenputtel“ ist eine sehr klassisch gehaltene Märchenadaption, die nah am ursprünglichen Geschehen bleibt. Daher bleiben auch große Überraschungen aus – die Handlung ist und bleibt (dem Genre geschuldet) leicht vorhersehbar. Dennoch gelingt es der Autorin, den Leser an den Text zu fesseln, und ihn für einige, kostbare Momente aus der Realität in die Welt der Märchen zu entführen. Dabei vermag vor allem das Setting zu begeistern – sei es der geheimnisvolle Wald, das zauberhafte Schloss oder die malerischen Kleider.

Was mich persönlich etwas stört, sind die Perspektivwechsel und Sprünge innerhalb der Kapitel. Zwar kann ich die Intention dahinter verstehen, dennoch sorgen sie aus meiner Sicht für Unruhe und stören den Lesefluss. Trotzdem gelingt es J. Vellguth, dem Leser eine Bindung zu Anna zu vermitteln – obwohl man weiß, was geschehen wird, freut man sich und leidet mit ihr.

J. Vellguths Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, die Gefühle und Zerrissenheit der Protagonistin werden gut transportiert. Auch die Charaktere sind überzeugend entwickelt, besitzen jeweils eigene Motive, Stärken und Schwächen. Insbesondere Bernadette hat mich als Nebencharakter hier überzeugt.

Das Cover ist wunderschön, ich hätte mir lediglich gewünscht, dass das zentrale Motiv etwas größer ist, damit es noch besser zur Geltung kommt. Lektorat und Korrektorat sind – sofern durchgeführt – einige, kleinere Fehler durchgerutscht, die sich aber noch auf eine akzeptablem Niveau bewegen, sodass das Lesevergnügen nicht geschmälert wird. Der Buchsatz ist grundsätzlich gelungen, allerdings unterbrechen die vielen Sprünge das Bild und sorgen für einen unheitlichen Gesamteindruck.

Mein Fazit? „Zauberhaftes Aschenputtel“ ist eine gelungene Märchenadaption, die den Leser aus der Realität entführt. Kleinere Schwächen und fehlende Überraschungen vermögen dabei nicht, den guten Gesamteindruck zu schmälern. Für Märchenfans bedenkenlos zu empfehlen.

 

[Buchgedanken] Janna Ruth: „Im Bann der zertanzten Schuhe“

Vor einiger Zeit habe ich Janna Ruths „Im Bann der zertanzten Schuhe“ gelesen. Der Roman ist 2017 im Selfpublishing im Rahmen des Autorenkollektivs „Märchenspinnerei“ erschienen und ist als Märchenadaption einzuordnen. Auf der Leipziger Buchmesse 2018 wurde der Roman mit dem Seraph als „Bester Independent-Titel“ ausgezeichnet.

51qcib4gkblSeit der Rückkehr aus dem Krieg leidet Jonas an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Als er ziellos durch die Straßen irrt, trifft er einen alten Mann, der ihm von den Wundern im Nachtclub DeModie erzählt. Geschützt durch den Mantel des Mannes, betritt Jonas den unscheinbaren Club und wird sofort in den Bann der Musik, und der bezaubernden Sophie gezogen, die von allen beobachtet über die Tanzfläche schwebt. Umso überraschter ist Jonas, als er am nächsten Tag feststellt, dass Sophie die Tochter seines neuen Arbeitgebers ist. Und so begleitet er die hübsche Tänzerin Nacht für Nacht zum Club, nur um sie dort in die Hände ihres Prinzen zu geben. Bis Jonas eines Tages das Geheimnis des DeModie entdeckt …

„Im Bann der zertanzten Schuhe“ ist mehr als eine klassische Märchenadaption. Mit der Thematisierung von Kriegstraumata heimkehrender Soldaten, mit der Beschreibung einer Posttraumatischen Belastungsstörung wagt sich die Autorin an ernste Themen, die in der Gesellschaft leider zu wenig Platz bekommen. Janna Ruth gelingt es dabei, trotz der ernsten Themen ihren Schwerpunkt nicht zu verlieren. Der krasse Gegensatz zwischen dem Horror des Krieges und der Leichtigkeit des Tanzens, verkörpert in den Protagonisten Sophie und Jonas, funktioniert bestechend und trägt das Buch.

Zwar ist die Handlung teils vorhersehbar, der Spannungsbogen wird jedoch die ganze Zeit gehalten. Vor allem glänzt der Roman jedoch durch die tollen Protagonisten Jonas und Sophie. Auch wenn Jonas mit seinen Traumata kämpft, ist es doch Sophie, die sich am stärksten entwickelt, die stärkste Wandlung durchmacht. Alle Charaktere sind dabei dreidimensional angelegt, besitzen Stärken und Schwächen. Dabei hätte das Kernstück des Romanes, der Tanz, noch stärker ausgelegt werden können. Auch wenn es die Handlung nicht vorangebracht hätte, hätte ich mir noch detailliertere Beschreibungen der Tanzszenen und -Figuren gewünscht. Eine gewollte Entschleunigung, um als Leser im Tanz zu schwelgen.

Die Buchgestaltung kann jedoch nicht gänzlich mit dem tollen Inhalt mithalten. Zwar ist das Cover wunderschön und ein toller Eyecatcher, beim Lektorat/Korrektorat und Buchsatz finden sich allerdings leichte Schwächen. Gerade zum Ende hin häufen sich doch vermehrt Fehler, die sich noch im Rahmen halten, aber bei einer gründlichen Prüfung gefunden hätten werden müssen. Letztendlich wird dadurch der Lesefluss nicht gemindert, schade ist es aber dennoch.

Mein Fazit? „Im Bann der zertanzten Schuhe“ ist eine tolle Märchenadaption und der Beweis dafür, dass Selfpublishing-Bücher nicht schlecht sein müssen. Kleinere Fehler in der Buchgestaltung werden durch die überzeugende Geschichte mehr als ausgeglichen. Für Genreleser, die sich auch ernsteren Themen nicht verschließen, bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] J. Vellguth: „Auf der Suche nach Glück in New York City“

Endlich ist es soweit, die nächste Messe des Jahres steht an. Doch bevor es für mich ab Samstag zu (meiner dritten) LoveLetter-Convention in Berlin geht, möchte ich die Zeit nutzen, Euch bis dahin noch zwei oder drei neue Rezensionen von Büchern teilnehmender Autorinnen vorzustellen. Den Anfang macht heut vormittag J. Vellguth mit: „Auf der Suche nach Glück in New York City“. Der Roman ist 2017 im Selfpublishing erschienen und dem Genre Liebesroman zuzuordnen.

51iqa6acf7l-_sx326_bo1204203200_Als Holly zu einem Bewerbungsgespräch bei Coleman and Sons eingeladen wird, wird ihr größter Traum wahr. Endlich bekommt sie eine Chance auf einen Job, der sie nicht nur erfüllt, sondern es ihr auch ermöglicht, vom Gehalt ihre Eltern zu unterstützen und sie zu besuchen. Mit ihrem exzellenten Studienabschluss sollte es eigentlich kein Problem sein, diese Arbeit zu ergattern. Wäre da nur nicht der junge Firmenspross, der absolut kein Interesse an einer neuen Assistentin hat.

„Auf der Suche nach Glück in New York City“ ist trotz des sperrigen Titels (der mir erst beim Lesen des Impressums wirklich ins Auge gefallen ist) eine frische und leichte Liebesgeschichte, die trotz des winterlichen Themas gut in meinen Lesefrühling gepasst hat. J. Vellguth – von der ich bereits den Roman „Das Päckchen“ gelesen habe, eines meiner Lesehighlights 2017 – gelingt es erneut, ein absolutes Wohlfühlbuch zu schreiben. Teils etwas vorhersehbar, erfindet „Auf der Suche nach Glück in New York City“ das Rad nicht neu, beschreibt es aber doch auf höchst amüsante und gefühlvolle Weise.

J. Vellguths spritziger und frischer Schreibstil haucht den einzelnen Figuren Leben ein und erschafft dreidimensionale, plastische Charaktere, mit denen man sich gut identifizieren kann und die sich im Laufe der Zeit auch beständig weiterentwickeln – inbesondere Rick. Zwar wäre ein Bruch der Genderstereotypen, ein Rollentausch der beiden Protagonisten innovativer gewesen, dennoch erfüllt die Geschichte jeden Anspruch an einen gelungenen Liebesroman. Durch das malerische Setting des winterlichen New Yorks und durch das Setzen kleiner, zauberhafter Details wie die Geschichte um den Pub-Besitzer, schafft die Autorin eine harmonische Stimmung, die selbst die Rückschläge der Protagonisten nicht wirklich zerstören kann. Ein Buch, mit dem man perfekt dem Alltag entfliehen kann, das aber nicht ganz an die Brillianz von „Das Päckchen“ heranreicht.

Kleinere Schwächen sehe ich bei der Buchgestaltung. Zwar ist der Buchsatz grundsätzlich ganz ordentlich gelungen und auch das Korrektorat hat gut gearbeitet, der Klappentext ist jedoch viel zu lang. Auch beim Cover bin ich etwas zwiegespalten. Einerseits gefallen mir der Ruindumdruck des Motivs über den gesamten Buchumschlag und die gedeckten Farben, andererseits bin ich von dem zentralen Motiv nicht ganz überzeugt. Menschliche Silhouetten vor den Silhouetten einer Stadt.

Mein Fazit? „Auf der Suche nach Glück in New York City“ ist ein gelungener Liebesroman, perfektes Wohlfühlkino in Buchform. Kleinere Schwächen in der Bucherstellung und eine etwas vorhersehbare Handlung werden durch das traumhafte Setting, tolle Charaktere und die zauberhafte Atmosphäre mehr als ausgeglichen. Für Liebsromanleser bedenkenlos zu empfehlen.