[Buchgedanken] Olivia Monti: „Das Haus“

Vor kurzem habe ich „Das Haus“ von Olivia Monti gelesen, mein zweites Buch der Autorin nach dem unter ihrem Klarnamen geschriebenen Roman „Der Regisseur„. „Das Haus“ wurde 2020 im Selfpublishing veröffentlicht und ist als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle erneut an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Das Haus ist ein Gebäude voller winziger Mietwohnungen. Mit dem Tod des Medizinstudenten Enis Al Agha nimmt das Unheil seinen Lauf. Einer um den anderen Mieter wird tot aufgefunden oder verschwindet spurlos. Die pensionierte Schneiderin Frau Rauhaar ist sich sicher, es gibt einen einzigen Mörder und der wohnt im Haus. Die Parapsychologin Nadja Knoll ist anderer Meinung: Das Haus sei womöglich ein Unglückshaus, ein verfluchter Ort, das Haus selbst sei sozusagen schuld an den grausigen Geschehnissen. Niemand erkennt ein klares Muster hinter den horrenden Fällen. Die Polizei ist ratlos. Bis sie rein zufällig auf eine bedeutende Spur stößt. Viel zu spät …

„Das Haus“ ist – wie oben in der Genreeinteilung erwähnt – ein Kriminalroman. Darüber hinaus ist es aber ein Kammerspiel nach dem Vorbild von Agatha Christie, eine Mikrostudie der Gesellschaft – und eine parapsychologische Abhandlung.

Insgesamt hat der Roman Stärken und Schwächen – und lässt mich etwas ratlos zurück. Während es der Autorin gut gelingt, aktuelle geesellschaftliche Themen wie die Flüchtlingsaufnahme oder auch die Gefahr der Altersarmut und Vereinsamung gut in die Handlung zu integrieren, so geraten die Exkurse zum Gedächtnis von Gegenständen – so interessant sie grundsätzlich auch sind – teils zu lang und hemmen den Fluss, insbesondere, wenn seitens der Protagonistin nicht nur eigene Gedanken, sondern ausführlich die Erkenntnisse anderer Wissenschaftler vorgestellt werden. Aufgrund der Kürze des Buches kommen – bei einem so prägnanten Thema – dann auch die Täterpsychologie etwas kurz und das Ende sehr rasant.

Abgesehen von der etwas unglücklichen Schwerpunktsetzung ist die Handlung spannend – und der Autorin gelingt es, mit unerwarteten Wendungen den Leser immer mal wieder auf eine falsche Fährte zu führen. Die einzelnen Personen sind unterschiedlich und bilden im Haus einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Dabei sind die Charaktere durchaus dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Insbesondere die Rauhaar als Hobbyermittlerin, Voyeurin und allwissende Nachbarin überzeugt hier und balanciert gekonnt auf dem Drahtseil zwischen Sympathie und Abneigung.

Die Buchgestaltung ist einfach, aber solide. Sehr ungewohnt und verwirrend ist allerdings, dass die Kapitel – obwohl nur elf – mitten auf der Seite beginnen und so kaum eine erkennbare Struktur besteht. Das Cover ist – wie auch der restliche Buchumschlag – sehr eintönig, passt aber zum Genre. Jedoch fehlt der Bezug zur Geschichte.

Mein Fazit: „Das Haus“ ist ein durchaus spannender Kriminalroman mit überzeugenden Protagonisten und einer tollen Prämisse. Mit weniger parapsychologischen Einschüben und einem stärkeren Fokus auf die zwischenmenschlichen Interaktionen wäre das Potential der Geschichte noch besser umgesetzt worden – für Leser des Genres aber dennoch zu empfehlen.

[Buchgedanken] Nika S. Daveron: „Fine Line – Create Your Character“ (Fine Line 1)

In der letzten Zeit habe ich „Fine Line – Create Your Character“ von Nika S. Daveron gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Das Buch ist in der mir vorliegenden Ausgabe 2019 im Selfpublishing erschienen, die Erstausgabe wurde 2015 veröffentlicht. „Fine Line – Create Your Character“ ist als Fantasy-Roman einzuordnen, kann aber auch mit Thriller-Elementen aufwarten.

41tLeXKYJxLElayne ist ganz besessen von dem Spiel Fine Line, einem eigentlich typischen Onlinespiel. Doch bald stellt sie fest, dass an Fine Line eigentlich gar nichts normal ist, nachdem sie der Gilde Xanadu beitritt. Denn die Gilde hat durch eine spezielle Technologie die Möglichkeit, in den Körper ihrer Avatare einzutauchen. Anfangs gefällt Elayne dieses phänomenale Spielgefühl, doch schon bald entbrennt ein Kampf um Leben und Tod, als jemand versucht, diese Technologie zu stehlen.

„Fine Line – Create Your Character“ ist der Auftakt zu einer Buchreihe um das Computerspiel „Fine Line“ und greift das klassische Motiv auf, dass Menschen mit ihren Avataren verschmelzen, wenn auch auf eher ungewohnte Weise über einen technischen Ansatz. Da es diesem – zumindest noch – an Plausibilität fehlt, ist „Fine Line“ als Fantasyroman und nicht als Science Fiction einzuordnen. Dies kann sich aber durchaus im Verlauf der Reihe noch drehen.

Die Handlung ist spannend und durch den Wechsel zwischen realer und fiktiver Welt abwechslungsreich. Zudem gelingt es Nika S. Daveron auch, durch unvorhergesehene Wendungen immer mal wieder an der Spannungsschraube zu drehen. Zwar bietet der Roman – wie üblich in einer Reihe – leider am Ende einen Cliffhanger, dieser ist erfrischenderweise aber sehr mild ausgeprägt. Dennoch kann der Roman nicht wirklich als Standalone gelesen werden, da zum Ende hin kaum Handlungsstränge ausreichend aufgelöst sind.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut und flüssig lesen, ist vor allem authentisch an der Gamer-Szene orientiert, was für einen durchschnittlichen Leser allerdings auch erstmal eine Umstellung sein kann. Da jedoch Elayne auch erst in die Szene hineinwächst, werden Begriffe wie TeamSpeak und Tank geduldig erklärt, sodass der Leser mit ihr zusammen die Gamingwelt kennenlernen kann – was auch dadurch erleichtert wird, dass man aufgrund der Ich-Perspektive von Elayne sich gut mit ihr identifizieren kann.

Das Setting überzeugt im Wesentlichen, die einzelnen Welten im Spiel hätten allerdings noch bildgewaltiger beschrieben werden können, um den Leser noch mehr mit auf die Reise zu nehmen, um das Kopfkino zu erleichtern. Lobend erwähnen möchte ich zudem die Lösung, die die Autorin im Bereich der Triggerwarnung gewählt hat. Zwar bin ich weiterhin der Überzeugung, dass man in den meisten Fällen auf sie verzichten kann und vielmehr Hilfsangebote für Betroffene in den Mittelpunkt stellen sollte, aber mit einem Hinweis, dass man für mögliche Triggerwarnungen Kontakt mit der Autorin vorab aufnehmen soll, kann ich mich ebenfalls anfreunden.

Da relativ viele Charaktere in dem Roman angelegt und eingeführt werden, ist es nachvollziehbar, dass die Entwicklung der einzelnen Charaktere noch etwas im Hintergrund bleibt. Dies ist für eine Reihe aber nicht unüblich, und daher hoffe ich, dass in den nächsten Bänden die Motive, Stärken und Schwächen der vielen Charaktere noch stärker herausgearbeitet werden. Dass sich gerade Elayne hier teils auch unlogisch und nicht nachvollziehbar verhält, liegt nunmal auch an der Krankheit (über die man sicher in den Triggerwarnungen informiert worden wäre).

Die Buchgestaltung hat hingegen leichte Schwächen zu bieten. So sind dem Lektorat und Korrektorat kleinere Fehler durchgerutscht, die sich aber noch im Rahmen halten und den Lesefluss nicht beeinträchtigen. Der Buchsatz verzichtet leider auf die automatische Silbentrennung am Zeilenende, sodass ein uneinheitliches Zeilenbild entsteht. Das Cover passt gut zur Geschichte und bietet ein durchaus ansprechendes Titelbild. Farblich ist es jedoch eher unauffällig und relativ einfach gedruckt. Insgesamt ergibt es aber mit dem zweiten Teil ein einheitliches Reihenbild.

Mein Fazit: „Fine Line – Create Your Character“ ist ein im Wesentlichen gelungener Auftakt in die phantastische Buchreihe über das Computerspiel „Fine Line“. Der Roman punktet im Wesentlichen mit einer spannenden Handlung und einer authentischen Sprache, kleinere Schwächen in der Logik, Charakterentwicklung und Buchgestaltung fallen dagegen nicht so sehr ins Gewicht. Für Liebhaber des Genres oder von Rollenspielen bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kenzie H. Taft: „Bis nächsten Monat, Prinzessin – Band 2“

In der letzten Zeit habe ich den zweiten Band von „Bis nächsten Monat, Prinzessin“ von Kenzie H. Taft gelesen. Das Buch ist 2020 im Selfpublishing veröffentlicht worden und dem Genre Dark Romance zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares, die Besprechung des ersten Bandes findet Ihr *hier*.

~~~ Achtung: Die folgende Besprechung enthält Spoiler zum Vorgängerband! ~~~

51LXsOw7z3LNachdem sie erfahren hat, dass Chris verheiratet ist, trennt sich Johanna von ihm. Da sie in der gleichen Firma arbeiten, ist der weitere Kontakt jedoch unvermeidlich, daran ändert selbst ein dreimonatiger beruflicher Trip nach China nichts. Und so, Stück für Stück, erliegt Johanna wieder dem Charme des verheirateten Abteilungsleiters. Im Teufelskreis zwischen Liebe und Hass, Glück und Verzweiflung, droht Johanna, sich selbst zu verlieren. Bis sie eine folgenschwere Entscheidung trifft …

Der zweite Band knüpft nahtlos und unmittelbar an die Handlung des Vorgängerbandes an und bietet erneut eine explosive und gefühlvolle Mischung, versetzt mit deftiger Sprache und expliziten Liebesszenen. Durch die gewählte Erzählperspektiv, die Ich-Perspektive aus der Sicht von Johanna, erlebt man als Leser hautnah die Wut und Verzweiflung, die Abhängigkeit, die schockiert, ängstigt und bestürzt – sodass ich mir erneut weiterführende Informationen zu toxischen Beziehungen gewünscht hätte.

Das Setting ist in diesem Band etwas reduzierter, viel mehr spielt sich in den Wohnungen und auf der Arbeit der Protagonisten ab. Dies führt aber nicht zu einem Abfall an Spannung, sondern verdichtet diese. Mit der Einführung von Elena als zusätzlichem Akteur wird zudem weiteres Konfliktpotential geschaffen, auch wenn Johannas Verhalten in diesem Fall nicht dazu beiträgt, sie zur Sympathieträgerin zu machen. Ohnehin ist ihr Verhalten nur teils nachvollziehbar, teils abstrus und teils hochgradig schockierend – die schon oben erwähnten zusätzlichen Informationen zum Krankheitsbild hätten hier dafür gesorgt, dass man sie besser verstehen kann.

Das Ende, das viel zu schnell kommt, läuft mir zu glatt. Hier wird einiges an Potential verschenkt, und der letzte Absatz lässt mich etwas ratlos zurück – soll das wirklich die Message sein, mit der das Buch endet? Mehr möchte ich hier nicht verraten, ohne zu spoilern – nur soviel, dass hier viel, viel mehr möglich gewesen wäre – und dass auch der Bogen zum Prolog des ersten Bandes nicht hinreichend geschlossen wird.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen vergleichbar mit dem Vorgänger. Lektorat und Korrektorat sind – sofern durchgeführt – etwas besser geglückt, da weniger durchgerutscht ist, der Buchsatz ist, mit Ausnahme des Kapitelbeginns auf ungeraden Seiten erneut durchwachsen und dem unauffälligen Cover fehlt etwas der Bezug zur Handlung. Hier hätte etwas mehr Mut (und die Beauftragung eines Coverdesigners) schon einen gravierenden Unterschied machen können.

Mein Fazit? „Bis nächsten Monat, Prinzessin – Band 2“ ist spannend, hochexplosiv und gefühlvoll und schließt die Handlung um Johanna und Chris ab – allerdings mit einer etwas fragwürdigen Message. Leichte Schwächen in der Buchgestaltung sind vorhanden, dennoch kann das Buch Liebhabern des Genres empfohlen werden – allerdings erneut nicht unter 18 Jahren.

[Buchgedanken] Viktoria Bolle: „Die Brücke nach Hause“

In den letzten Tagen habe ich „Die Brücke nach Hause“ von Viktoria Bolle gelesen. Das Buch ist 2015 im Selfpublishing erschienen und am ehesten dem Genre historischer Roman zuzuordnen, auch wenn die Grundhandlung auf wahren Begebenheiten basiert. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

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Die Verhältnisse, in denen Johann lebt, sind bedrückend. Er kämpft täglich mit Hunger, Not und Elend, erlebt die Zwangskollektivierung, die Deportation nach Kasachstan, Jahre harter Zwangsarbeit in der Trudarmee und die Gefangenschaft im Sträflingslager. Ein strenges Regime unter der Herrschaft Stalins martert ihn fast zu Tode. Sein Vater, dem er nur ein einziges Mal im Leben begegnet, ist ein NKWD-Offizier, der 1937 der Säuberung zum Opfer fällt und erschossen wird. Seine Mutter stammt aus sehr ärmlichen Verhältnissen und hat es schwer, den Jungen zu ernähren. Von Anfang an hat Johann geringe Überlebenschancen, doch er schafft es, trotz der vielen Strapazen am Leben zu bleiben und seine Geschichte zu erzählen.

„Die Brücke nach Hause“ erzählt die Geschichte einer deutschen Familie im Zeitraum von 1925 bis 2006, von den Anfängen als Wolgadeutsche bis hin zu Krieg, Vertreibung und der schlussendlichen Rückkehr nach Deutschland. Es ist ein Roman über ein dunkles, viel zu selten beleuchtetes Kapitel der Geschichte, inspiriert von dem eigenen familiären Hintergrund der Autorin, die selbst noch in Kustanaj geboren ist.

Dabei punktet der Roman vor allem dank eines brillanten und detailgetreuen Settings und einer großen, historischen Authentizität, die sich vor allem auch in kleinen Details zeigt. Die Recherche und die Kenntnisse der Autorin über die Epoche waren stets fühlbar und wurden in aller Regel geschickt ins Werk eingebaut, nur selten fühlte man sich belehrt.

Aufgrund des Prologes und der episodenhaften Erzählung wird jedoch viel Spannung vorweggenommen. So ist der Ausgang der Geschichte von vornherein klar, wichtige Elemente werden nur kurz angerissen, während andere Abschnitte Längen aufweisen. Durch die Erzählung von Johann, ähnlich eines stark gerafften Tagebuches, fehlt es den Figuren an Tiefe – und hier ist auch die, beim historischen Setting sehr gelobte, Beschreibungsdichte schädlich. Mittels „Show, don’t tell“ hätte der Leser viel mehr in die Handlung eintauchen, viel besser Bindung zu Johann und den anderen Charakteren aufnehmen können. Um ingesamt die Handlung runder zu gestalten, hätten sicherlich 50-100 zusätzliche Seiten nicht geschadet.

Leider weist die Buchgestaltung einige Schwächen auf. Sofern ein Lektorat und/oder Korrektorat durchgeführt worden sein sollte, besteht Nachholbedarf, da viel zu viel durchgerutscht ist. Gleiches gilt für den Buchsatz. Mangels Silbentrennung am Zeilenende sind die Wortabstände sehr unterschiedlich, hinter (fälschlich verwendeten) Apostrophen befindet sich ein größerer Abstand. Irritierend ist auch der dauerhaft in Kopfzeilen festgehaltene Titel des Buches. Das Grundmotiv des Covers ist schön, leidet aber etwas unter der Druckqualität. Zudem setzt sich auch der Buchtitel nicht wirklich vom Cover ab.

Mein Fazit? „Die Brücke nach Hause“ ist ein historischer Roman, der etwas Licht in ein viel zu selten beleuchtetes Kapitel der deutsch-russischen Geschichte bringt und vor allem mit einem tollen Setting und historischer Authentizität punkten kann. Trotz leichterer Schwächen im Erzählstil und Mängeln in der Buchgestaltung für Liebhaber historischer Romane noch zu empfehlen.

 

[Buchgedanken] Kenzie H. Taft: „Bis nächsten Monat, Prinzessin – Band 1“

In den letzten Tagen habe ich den ersten Band der Dilogie „Bis nächsten Monat, Prinzessin“ von Kenzie H. Taft gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Der Roman ist 2020 im Selfpublishing veröffentlicht worden und wohl am ehesten dem Genre Dark Romance zuzuordnen.

51m6C2YqaUL._SX311_BO1204203200_Johanna lernt den deutlich älteren Chris bei einer Firmenfeier kennen. Zunächst ist sie von ihm alles andere als angetan, doch mit der Zeit bauen sie eine lockere Freundschaft voll zweideutiger Scherze auf und verbringen viel Zeit miteinander. Aus der kollegialen Bekanntschaft entwickelt sich ein prickelndes, leidenschaftliches Verhältnis. Johanna verliebt sich schließlich in Chris, der in vielerlei Hinsicht sehr erfahren ist und ihr aufzeigt, wie man das Leben in vollen Zügen genießen kann. Ein- bis zweimal im Monat hat sie ihn für sich allein und lebt nur für diese Zeit mit ihm. Doch warum will Chris partout keine Beziehung mit Johanna? Als sie den Grund erfährt, warum er sie immer wieder auf den nächsten Monat vertröstet, bricht Johanna zusammen.

„Bis nächsten Monat Prinzessin – Band 1“ ist ein solider Auftakt in eine Buchreihe, der den Leser nicht kalt lässt. Aufgrund der gewählten Erzählperspektive, der Erzählung in Ich-Perspektive aus der Sicht von Johanna, ist man nah an der Protagonistin und leidet, lacht und liebt mit ihr zusammen. Dabei gelingt es der Autorin, das Gefühlschaos, den Spagat zwischen Verzweiflung und Liebe greifbar und für den Leser spürbar zu machen.

Genrebedingt wartet das Buch mit teils deftiger Sprache, expliziten Sexszenen und Abhängigkeitsverhältnissen bis hin zu vergewaltigungsähnlichen Szenen auf, insgesamt aber noch so dosiert, dass der Roman knapp an der Grenze zwischen Romance und Erotik balanciert und diese nicht einreißt. Das durch die emotionale Abhängigkeit hervorgerufene, teils irrationale Verhalten der Protagonistin wird glaubhaft und eindringlich geschildert. An diesem Punkt hätte ich mir aber durchaus auch einige Punkte gewünscht. Einer Triggerwarnung bedarf es m.E.n. nicht, aber am Ende, gern auch in der Danksagung, hätte man auf weiterführende Informationen und Hilfsangebote zu diesem Problemkreis verweisen können.

Das Setting ist schön, allerdings etwas austauschbar. Die Wohnung, die Umgebung – all das wird toll beschrieben, von der Waldwanderung bis hin zu den kleinen idyllischen Dörfern – hier hätte man durch das Einstreuen von konkreten Ortsnamen (sofern ich sie nicht überlesen habe) noch mehr Authentizität erzeugen und dem Leser ein noch klareres Bild vermitteln können.

Die Handlung ist spannend, ein wahres Auf und Ab, eine Gefühlsachterbahn, die in einem allerdings moderaten Cliffhanger kulminiert, für den sich die Autorin nicht hätte entschuldigen müssen – das geht deutlich schlimmer. Allerdings erschließt sich mir der Sinn des Prologes (noch) nicht so recht. Es kann sein, dass sich das mit Teil 2 jedoch noch ändert.

Die Buchgestaltung ist hingegen insgesamt durchwachsen. Während das Korrektorat noch solide ist, hat das Lektorat – sofern durchgeführt – einige Schwächen, die leicht ausgemerzt hätten werden können. Auch der Buchsatz überzeugt nur teilweise. Positiv ist zu erwähnen, dass jedes Kapitel, jeder Monat, auf einer ungeraden Buchseite anfängt. Dahingegen ist durch den Verzicht auf die Silbentrennung am Zeilenende das Satzbild sehr unregelmäßig. Zudem ist auch – dafür kann die Autorin allerdings wohl eher nichts – die Druckqualität nicht sehr hoch. Das Cover ist unauffällig – hier wäre mit mehr Bezug zur Handlung noch deutlich mehr rauszuholen gewesen.

Mein Fazit? „Bis nächsten Monat Prinzessin – Band 1“ ist ein im Wesentlichen gelungener Einstieg in eine Dark-Romance-Dilogie, die den Leser schockt, aber auch mitreißt – schonungslos und brutal, aber auch sehr gefühlvoll. Für Leser des Genres – trotz Schwächen in der Buchgestaltung – bedenkenlos zu empfehlen, allerdings erst ab 18 Jahren.

[Buchgedanken] Olivia Kleinknecht: „Der Regisseur“

In der letzten Zeit habe ich „Der Regisseur“ von Olivia Kleinknecht gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Das Buch ist in der vorliegenden Ausgabe 2019 im Selfpublishing erschienen und am ehesten dem Genre Thriller zuzurechnen.

41wuxnSsFnLDer Regisseur Vittorio Angelotti ist ein Machtmensch, der ohne Skrupel manipuliert und erpresst. Gerade das übt auf andere einen morbiden Reiz aus. Liegt im Leiden nicht die wahre Lust? Er inszeniert sein Leben wie seine Filme. Ihn interessiert nur eins: sein erotisches Vergnügen, die Suche nach dem ultimativen Glückskick. Doch dann überschreitet Angelotti bei seinem »Spiel« die Grenze zum Verbrechen und gerät in eine Mordintrige. Hält er wirklich noch alle Fäden in der Hand? Oder ist er vom Handelnden längst zum Spielball geworden?

„Der Regisseur“ ist ein etwas anderes Buch. Szenisch aufgebaut, verzichtet es auf die Einteilung in Kapitel oder andere konventionelle Sinnabschnitte, und reiht dahingegen kurze, fragmentarische Szenen/Schnitte aneinander – wie einzelne Cuts im Film. Dadurch wird die Handlung sehr schnelllebig, es fällt aber aufgrund den raschen Sprüngen auch nicht ganz einfach, den einzelnen Charakterern immer zu folgen.

Die Handlung ist morbide, ekelhaft und verstörend – und passt daher gut ins Gesamtbild. Die vielen einzelnen Handlungsstränge werden schlussendlich gut zusammengeführt und aufgelöst, der Spannungsbogen durchaus die größte Zeit gehalten. Etwas ermüdend sind lediglich die leicht zu lang geratenen, eingestreuten Szenen aus Angelottis „Il Papa“.

Die einzelnen Charaktere zeigen verschiedenste Facetten, entwickeln sich aber nur am Rande weiter. Etwas schade fand ich dabei, dass Mia, eine der faszinierendsten Personen, nur so wenig Auftrittszeit bekam. Dahingegen überzeugt das Setting auf ganzer Linie und zeigt Rom sowohl von seinen schönen, als auch von seinen schlechten Seiten.

Die Buchgestaltung kann mit der durchaus überzeugenden Handlung nicht ganz mithalten. Während das Cover noch gelungen ist und gut die Stimmung des Buches aufgreift, sind Lektorat, Korrektorat und Buchsatz doch einige Schnitzer unterlaufen. Die Fehlerquote hält sich dabei noch in einem tolerablen Rahmen und beeinträchtigt den Lesefluss nicht wesentlich, die teils unterschiedlichen Zeilenabstände irritieren jedoch.

Mein Fazit? „Der Regisseur“ ist ein im Großen und Ganzen guter und verstörender Thriller, der vor allem durch sein Setting und seine spannende Handlung überzeugt, aber auch leichte Schwächen in der Verarbeitung aufweist. Für Liebhaber des Genres dennoch zu empfehlen, allerdings nicht unter 18 Jahren.

[Buchgedanken] Emily Bold: „UNSTERBLICH mein“ (The Curse 1)

Vor kurzem habe ich „UNSTERBLICH mein“, den ersten Band der Neuauflage von Emily Bolds „The Curse“-Reihe gelesen. Das Buch ist in der vorliegenden Ausgabe 2019 bei Planet! in der Thienemann-Esslinger GmbH erschienen und mein Exemplar entstammt bereits der zweiten Auflage (Glückwunsch!). Die Erstveröffentlichung erfolgte 2011 im Selfpublishing. Das Buch ist dem Genre Young-Adult Romantasy zuzurechnen.

51iiBRSCUmL._SX336_BO1204203200_Um ihre Geografie-Kenntnisse aufzubessern, verbringt Samantha ihre Ferien in Schottland. Kaum bei ihrer Gastfamilie angekommen, wird sie von den Sagen und Mythen des Landes in den Bann gezogen. Genau wie von dem geheimnisvollen Payton, der ein düsteres Geheimnis zu verbergen scheint. Payton ist über zweihundert Jahre alt, für immer gefangen im Körper eines Neunzehnjährigen und dazu verflucht, keine Emotionen zu empfinden – bis er Sam begegnet, die ihn endlich wieder etwas fühlen lässt. Doch mit jedem Schritt in Paytons Richtung rückt Sam einer grausamen Wahrheit näher, die in den Wirren der Zeit versteckt ist.

„UNSTERBLICH mein“ ist ein überaus gelungener Auftakt in die Geschichte um Sam und Payton. Eingebettet in das unglaublich schöne Setting der schottischen Highlands, behandelt das Buch in zwei Zeitebenen die großen Fragen des Lebens: Liebe und Tod, Treue und Verrat. Auch wenn die Handlung dabei teils vorhersehbar bleibt, wird der Spannungsbogen die ganze Zeit gehalten und der Leser so ans Buch gefesselt – auch durch die gelungene Wahl der Haupterzählperspektive, der ich-Perspektive von Sam, mit der man sich auf diese Weise gut identifizieren kann. Sofern die Autorin doch mal in eine andere Perspektive wechselt, werden diese in personaler Form erzählt.

Im Großen und Ganzen sind die Charaktere vielschichtig, dreidimensional angelegt und haben eigene Stärken und Schwächen, wenn sie sich teils auch irrational verhalten oder etwas schwer von Begriff sind :). Insbesondere Sam, entwickelt sich hier im Laufe des Buches weiter, und ich würde mich freuen, in den Nachfolgebänden vielleicht mehr über Ashley und Sean zu erfahren.

Emily Bolds Schreibstil ist flüssig, leicht lesbar, bildhaft und sehr einfühlsam, und bringt einem die Welt von Schottland nahe. Bereits mit der ersten Seite beginnt das Kopfkino zu laufen und zieht den Leser in die Handlung. Diese endet übrigens mit einem vernünftigen Abschluss – und nicht, wie derzeit in Mode, mit einem brutalen Cliffhanger. Danke daür! 🙂 So oder so lässt der Roman genug Raum und offene Fragen für die Nachfolgebände, die ich bereits kaum erwarten kann.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, und das Cover ist wunderschön anzusehen, hochwertig geprägt und mit ausklappbaren, ebenfalls geprägten Klappen versehen. Einziger Wermutstropfen: bei einer solch liebevollen und detaillierten Gestaltung hätte ich mir farbige Coverinnenseiten gewünscht, diese fehlen leider. Ein gälisches Wörterbuch und eine Dramatis Personae am Ende runden das dennoch fantastische Gesamtpaket ab.

Mein Fazit: „UNSTERBLICH mein“ ist ein überzeugender Young-Adult Romantasy Roman, der vor allem mit seinem tollen Setting und einer spannenden Handlung punkten kann, aber nicht ganz an die brillante „Silberschwingen“-Dilogie (Teil 1, Teil 2) heranreicht. Dennoch bin ich sehr auf die Nachfolgebände gespannt, und kann das Buch bedenkenlos jedem Leser des Genres ans Herz legen. Die vom Verlag vorgeschlagene Altersempfehlung würde ich allerdings minimal korrigieren und das Buch ab einem Alter von 13/14 empfehlen.

[Buchgedanken] Erya Veger: „Die vier ewigen Reiche: Verschwörung“ (Reiche 1)

In der letzten Zeit habe ich den Debütroman von Erya Veger gelesen, den ersten Teil der Reihe „Die vier ewigen Reiche“ mit dem Titel „Verschwörung“. Das Buch ist 2019 im Selfpublishing erschienen und dem Genre High-Fantasy zuzuordnen.

51q2BuViZILUm nicht länger im Schatten seines Bruders, dem Kronprinzen des Königreichs Alanien, zu stehen, flieht der neunjährige Kylan aus dem Königspalast. Während er von seiner Familie für tot geglaubt wird, nimmt ihn ein geheimnisvoller Fremder als Schüler auf. Durch ihn lernt Kylan zu kämpfen und mehr über die Götter, die die Menschen Nozuwaris einst befreiten. Als er von dem Geheimnis einer uralten Magie erfährt, die alles zu zerstören droht, muss Kylan entscheiden, ob er seinem Schicksal folgen wird, um die Reiche zu beschützen …

„Die vier ewigen Reiche: Verschwörung“ beeindruckt als Debütroman durch einen überraschend ausgefeilten und gelungenen Weltenbau. Das Magiekonzept und die Geschichte der Reiche sind überzeugend ausgearbeitet und werden dem Leser zusammen mit Kylan nach und nach beigebracht. Hier liegt auch eine Stärke des Romanes. So ist keine große Einführung vorhanden, kein unnötiger Infodump, sondern der Leser kann an der Seite des jungen Protagonisten nach und nach mehr über die Welt und die Götter lernen und wird so nicht anfangs von Informationen erschlagen. Unterstützt wird der Weltenbau durch eine Karte und ein Glossar am Ende, aufgrund der verschiedenen und vielfältigsten Handlungsstränge hätte ich mir auch eine Personenliste gewünscht, kann aber nachvollziehen, warum es schwer gewesen wäre, diese spoilerfrei voranzustellen.

Die Handlung ist spannend und der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten, teils finde ich aber die Zeitsprünge etwas zu krass und hätte mir gewünscht, hier etwas sanfter aufgefangen zu werden. Insgesamt betrachtet gelingt es der Autorin jedoch ausnehmend gut, den einzelnen Handlungssträngen viel Platz einzuräumen, diese miteinander zu verknüpfen und sie teils sogar schon abzuschließen, sodass nicht zu viele offene Fragen in den nächsten Teil verlagert werden. Hier gefällt mir besonderes, dass – natürlich – ein mehr oder minder offenes Ende vorliegt, der Band aber vernünftig zu einem Ende gebracht wurde und man nicht durch einen krassen Cliffhanger getriggert wird – rein theoretisch könnte er auch als Standalone gelesen werden.

Die Personen sind alle vielschichtig, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei entwickeln sie sich kontinuierlich weiter, insbesondere auch in den Nebenfiguren. Der einzige, kleine Wermutstropfen für mich ist, dass ich Kylan gern minimal älter gesehen hätte. Natülich spielt das Buch in einer eigenen Welt, mit eigenen Gesetzen und Gepflogenheiten, aber neun Jahre fand ich für den Handlungsstart doch etwas irritierend früh.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Satz, Lektorat und Korrektorat sind ordentlich durchgeführt worden, auch das Cover (Wolkenart) ist gelungen, ich hätte mir aber nach dem Lesen noch etwas stärkere Anknüpfungspunkte zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Die vier ewigen Reiche: Verschwörung“ ist ein gelungener High-Fantasy-Roman, der vor allem durch den sehr guten Weltenbau und eine spannende Handlung punktet und Lust auf die Nachfolgebände macht. Für Fans des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Heike Ribguth: „Love me TwentyFourSeven“

In der letzten Zeit habe ich „Love me TwentyFourSeven“ von Heike Ribguth gelesen. Das Buch ist 2018 bei Twentysix im Selfpublishing erschienen, dem Genre Romance zuzurechnen und der Nachfolger von „Ein Cowboy zum Küssen“. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin, die mir das Buch im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2019 in einer Goodie-Bag für Blogger schenkte.

51DHF0kGcJL._SX327_BO1204203200_Niemals würde Michelle ihre Heimatstadt Berlin gegen irgendeinen anderen Ort auf der ganzen Welt eintauschen. Auch nicht für einen superheißen Typen mit wunderschönen blauen Augen aus Texas. Blöd nur, dass Dan, dieser unglaublich attraktive Mann, mit dem sie schon tagelang geskypt hat, ihren absoluten Vorstellungen von einem Traummann entspricht.  Doch dann bezeichnet er sie bei einem Treffen  als Schlampe und katapultiert sich damit für IMMER und EWIG ins Aus. Was kann Michelle denn dafür, dass Rico, ihre alte Flamme, ganz unerwartet vor ihrer Haustür steht und so tut, als ob sie ein heißes Date am Start hätten?  Shit Happens. Wenn die Hochzeit ihrer besten Freundin Nina in Somerville, Texas, nicht wäre, hätte sie Dan mit Sicherheit schnell vergessen.

„Love me TwentyFourSeven“ setzt die Handlung von „Ein Cowboy zum Küssen“ nahtlos fort, kann aber auch unabhängig vom ersten Band gelesen werden. Man trifft altbekannte Charaktere wieder, lernt neue kennen und reist erneut ins malerische und wundervolle Setting von Texas. Traumhafte und wunderschöne Orte – ein Buch zum Wegträumen – oder auch der ideale Begleiter für den Sommerurlaub. Dabei gelingt es Heike Ribguth dieses Mal, den Schwerpunkt des Buches nicht zu sehr auf die Erotik zu legen, sondern viel mehr die Liebesgeschichte im Fokus zu behalten.

Die Handlung des Romanes ist genrebedingt teils vorhersehbar – auch wenn die Autorin sich bemüht, mit vielen unerwarteten Wendungen den Leser immer mal wieder in die Irre zu führen. Gefühlvoll und witzig: Wie schon im ersten Buch der Autorin wird der Leser von einem frischen und authentischen Schreibstil überrascht, der gelegentlich allerdings etwas übers Ziel hinausschießt. Gleiches gilt für die Protagonisten, die sich teilweise etwas irrational verhalten, sich insgesamt aber im Laufe der Handlung weiterentwickeln und Stärken und Schwächen zeigen.

Die Buchgestaltung zeigt sich zum Vorgängerband leicht verbessert. So ist der Buchsatz sehr gelungen, und auch das Cover überzeugt im Wesentlichen, auch wenn die Anordnung des Klappentextes auf der Coverrückseite etwas eigenwillig ist. Lediglich das Lektorat hat – sofern durchgeführt – einige Schwächen, die sich aber in einem Rahmen halten, der das Lesevergnügen nicht herabsetzt.

Mein Fazit? „Love me TwentyFourSeven“ ist klassische Texas Romance und überzeugt im Wesentlichen durch das brillante Setting und die frische und unverbrauchte Erzählsprache der Autorin. Leichte Schwächen im Lektorat vermögen dabei das Lesevergnügen nicht zu schmälern. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – empfohlenes Lesealter etwa ab 17 Jahren.

[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Bacchus‘ Vermächtnis“

In der letzten Zeit habe ich „Bacchus‘ Vermächtnis“ von Veronika Lackerbauer gelesen – mein drittes Buch der Autorin. Der Roman ist 2018 im Selfpublishing bei BoD erschienen und dem Genre Schicksalsroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

51JUBTWGkoL._SX311_BO1204203200_„Wenn sie dir sagen würden, dass du jetzt noch einen Monat zu leben hast. Was würdest du tun? Einfach so weitermachen wie bisher?“ Gaby ist schwer krebskrank und die Ärzte geben ihr wenig Hoffnung. Eine neuartige Chemotherapie soll ihre letzte Hoffnung sein, doch Gaby ist erschöpft. Sie folgt der Einladung ihrer Freundin Susanne, sich bei ihr an der Mosel zu erholen. Dort beginnt für Gaby eine Reise, die sie erst zu den schönsten Weinanbaugebieten Europas führt und am Ende zu sich selbst.

„Bacchus‘ Vermächtnis“ ist mehr als ein Roman, ist Reiseführer und Weinatlas, prädestiniert dazu, den Leser bei Reisen auf Gabys Spuren zu begleiten. Es ist ein Buch über Genuss und letzte Chancen, über gutes Essen, Trinken und ganz viele Sehenswürdigkeiten. Es zeigt die Vergänglichkeit des Lebens und appelliert daran, auch das eigene Glück zu sehen.

Das Setting ist zauberhaft – Gabys Reise führt durch wunderschöne, malerische Regionen und Städte. Fast ist es mir technisch etwas zu ausführlich dargestellt – auf einige Straßennamen und Details, auf penibel dargestellte Wege und enzyklopädische Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten hätte man durchaus verzichten können, um den Flair, den Gesamteindruck noch etwas besser wirken lassen zu können. Dafür bietet der Roman eindringliche, berührende und humorvolle Szenen, und ist durchaus spannend, auch wenn Genre und Prämisse des Buches das Ende durchaus vorwegnehmen.

Die Charaktere sind plastisch und vielschichtig, haben Stärken und Schwächen und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Antrieb der Charakterentwicklung ist das – einem Schicksalsroman inhärente – tragische Ereignis, mit dem alle anders umgehen, das die Charaktere auf verschiedenste Weisen prägt. Dabei gelingt es der Autorin, niemals zu moralisch, zu belehrend zu wirken, sondern sie wahrt die Balance zur Unterhaltung.

Die Buchgestaltung ist im großen und ganzen gelungen – Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ausnehmend gut, wenn auch die Kapiteleinteilung etwas eigenwillig.. Das Cover passt gut zur Geschichte und spiegelt die Sehnsucht der Protagonisten wieder. Gut gefällt mir auch, dass das Grundbild sich nahtlos über den kompletten Buchumschlag zieht, wenn auch der Klappentext auf der Coverrückseite etwas gedrängt scheint. Das einzige Manko ist die etwas gewöhnungsbedürftige Darstellung der verschiedenen Mundarten und Sprachen. So wird auf allen Stationen von den Personen im dort vorherrschenden Dialekt gesprochen, die bayerischen Protagonisten sprechen aber perfektes Hochdeutsch – ich hätte gut und gern darauf verzichten können. Ganz vereinzelt sind im Erzähltext zudem mundartliche Begriffe durchgerutscht.

Mein Fazit? „Bacchus‘ Vermächtnis“ ist ein spannender, berührender und einfühlsamer Schicksalsroman, der den Leser mit auf eine Reise durch Europas Weinanbaugebiete nimmt. Der Roman besticht durch tolle Protagonisten und ein wunderschönes Setting, das leichte Schwächen mehr als vergessen lässt. Für Leser abseits der Genreliteratur bedenkenlos zu empfehlen.