[Buchgedanken] Gustaf Skördeman: „Wagner“ (Sara Nowak 3)

Vor kurzem habe ich „Wagner“ von Gustaf Skördeman gelesen. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem gleichen Titel im Bokförlaget Polaris veröffentlicht. Der Roman ist als Spionagethriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen gelingt es Doppelagentin Agneta Broman, einen russischen Oligarchen in London zu ermorden. Zur gleichen Zeit wird in Stockholm der frühere Außenminister von einem bekannten Firmenchef enthauptet. Dieser unfassbar brutale Mord wird gefilmt – und das Video der Polizei zugespielt. Kommissarin Sara Nowak übernimmt die Ermittlungen und ahnt zu dem Zeitpunkt noch nichts von dessen internationaler Dimension. Als weitere hochrangige Personen sich gegenseitig umbringen, taucht eine erste Spur auf. Sie führt zu einer Ölförderfirma und einem russischen Oligarchen. Bald erkennt Sara, dass sie sich mit ihren Ermittlungen jemanden zum tödlichen Feind macht …

„Wagner“ ist nach „Geiger“ und „Faust“ der abschließende Teil der Bestsellertrilogie von Gustaf Skördeman um die Polizistin Sara Nowak und internationale Spionagenetzwerke aus dem kalten Krieg. Dabei setzt die Handlung zeitnah nach dem Ende des zweiten Bandes ein. Aufgrund der vielen Querverbindungen zu den früheren Büchern ist es jedoch sehr ratsam, diese bereits gelesen zu haben, da einige Handlungsstränge sich durch alle Bücher ziehen.

Die Handlung ist – erneut – hochspannend und kurzweilig. Gustaf Skördeman mischt dabei ein buntes Konglomerat aus internationalem Spionagethriller, Politthriller und Terrorismus, aus familiären Konflikten, Rache, jugendlichem Aktivismus und Fanatismus zu einem fesselnden Pageturner, der lediglich am Ende etwas schwächelt und leider etwas zu offen endet, sodass man als Leser nach mehr verlangt – etwas unbefriedigend für das komplette Ende einer mehrbändigen Handlung.

Das Setting ist gelungen, aber bereits bekannt aus den letzten Büchern, auch wenn der Autor den Leser auch aus Stockholm heraus nach Berlin, Leipzig, Eisenach und in den arabischen Raum führt – immerhin etwas Abwechslung. Mittlerweile irritiert aber – nach drei Bänden – die weiterhin konsequente Bezeichnung aller Straßennamen bei Autofahrten – dieses Mal sogar in Berlin. Für nicht-schwedische Leser sind die Namen aus Stockholm dabei weiterhin schwierig, auch wenn man sich im Laufe der Zeit etwas daran gewöhnt hat.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei wurden die bekannten Figuren teils konsequent weiterentwickelt, insbesondere Ebba zeigt sich hier stark verbessert und als Leserliebling in diesem Teil. Neben ihr können aber auch Sara und Koslow brillieren. Gustaf Skördemans Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, temporeich und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchdeckel ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelmotiv zieht sich gut über den kompletten Umschlag und bildet ein tolles Gesamtbild. Dabei wird das Design durch eine tolle typographische Gestaltung des Titels und den Farbschnitt abgerundet, insgesamt entsteht so auch ein guter, einheitlicher Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Wagner“ ist ein im Wesentlichen gelungener Abschluss der Trilogie, der zwar zum Ende hin etwas schwächelt, dennoch weiterhin hochspannend ist und mit tollen Charakteren glänzt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren – und nicht als Standalone.

[Buchgedanken] Malin Persson Giolito: „Mit zitternden Händen“

Vor kurzem habe ich „Mit zitternden Händen“ von Malin Persson Giolito gelesen. Der Roman ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2022 unter dem Originaltitel „I dina händer“ bei Wahlström & Widstrand veröffentlicht. Das Buch ist hierbei als Kriminalroman einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Billy und Dogge sind seit Kindesbeinen eng befreundet. Dass sie aus sehr unterschiedlichen Eltern­häusern kommen, hat sie nie gestört. Während Dogge meist von seinen wohlhabenden Eltern allein gelassen wurde, ist Billy, aus einer Einwandererfamilie stammend, umgeben von einer Bastion der Liebe aufgewachsen. Als kriminelle Banden Billys Wohnviertel mehr und mehr beherrschen, werden sowohl Dogge als auch Billy rekrutiert. Allzu gerne schließen sich die beiden an – angelockt durch schnelles Geld und leichten Zugang zu Drogen. Doch dann will Billy mit Hilfe seiner Mutter aussteigen …

„Mit zitternden Händen“ ist der neue Roman der Autorin, die mit „Im Traum kannst du nicht lügen“ einen Welterfolg landete, der auch von Netflix unter dem Titel „Quicksand“ verfilmt wurde. Und so ist es keine Überraschung, dass auch „Mit zitternden Händen“ für den Streaminggiganten als Serie adaptiert wird. Dabei ist der Roman zwar als Kriminalroman bezeichnet, er zeigt aber auch Aspekte eines (Jugend-) Thrillers – die Übergänge sind hier ohnehin fließend – und ist im allerweitesten Sinne auch Gegenwartsliteratur, ist der Roman doch durchaus auch ein teils gesellschaftskritisches Porträt verschiedener Milieus der schwedischen Gesellschaft und der organisierten Kriminalität.

Die Handlung ist hierbei hochspannend und kurzweilig – und immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen versehen. Dabei wird sie in zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt. So wechseln sich Abschnitte der aktuellen Handlung mit Blicken in die Vergangenheit von Billy und Dogge ab. So wichtig und gleichberechtigt beide Zeitabschnitte sind, hätte ich mir hier jedoch gewünscht, dass die einzelnen Passagen länger, die Wechsel daher etwas reduzierter sind, da es durch die nun doch sehr häufigen Wechsel der Handlung etwas an Stringenz fehlt.

Das Setting brilliert auf ganzer Linie. So zeigt Malin Persson Giolito die Gegensätze der schwedischen Gesellschaft am Beispiel zweier benachbarter Vororte, beschreibt anschaulich den Klammergriff der organisierten Kriminalität in strukturschwachen Regionen und Gesellschaftsschichten – mit einer bestürzenden und beklemmenden Perspektive für die Jugend. Und auch bei der Polizeiarbeit werden hier interessante Aspekte näher beleuchtet, sei es das Thema Opferschutz oder auch Strafmündigkeit und Jugendkriminalität.

Die Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Nadja, Leila und Tusane, während Dogge in manchen Situationen etwas blass verbleibt – und auch Farid nicht immer nachvollziehbar handelt. Malin Persson Giolitos Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, atmosphärisch unglaublich stark und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls größtenteils glänzen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet und nur Kleinigkeiten übersehen, der Buchsatz ist solide. Der Buchumschlag ist genretypisch gestaltet, das Cover ansehnlich, die Coverrückseite jedoch ein wahrer Eyecatcher – sehr innovativ gestaltet. Das unter dem Umschlag befindliche Buch ist hingegen eher schlicht.

Mein Fazit? „Mit zitternden Händen“ ist ein atmosphärisch unglaublich starker Kriminalroman, der vor allem mit seinem tollen Setting und einer hochspannenden Handlung punktet, durch die ständigen Wechsel der Erzählzeit aber etwas an Stringenz verliert. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Gustaf Skördeman: „Faust“ (Sara Nowak 2)

Vor kurzem habe ich „Faust“ von Gustaf Skördeman gelesen, den zweiten Band um Kommissarin Sara Nowak. Das Buch ist 2022 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2021 unter gleichem Titel im Bokförlaget Polaris veröffentlicht. Das Buch ist dem Genre Thriller zuzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Nachdem Sara Nowak das Netzwerk der Stasi-Mitarbeiter in Schweden auffliegen ließ und einen Bombenschlag in Deutschland verhindert hat, werden die Ereignisse von den schwedischen Geheimdiensten unter den Teppich gekehrt. Sara will sich an das Schweigegebot halten, doch dann wird ein Ex-Spion ermordet, der sie wenige Tage zuvor vergeblich um Rückruf gebeten hatte. Obwohl sie an ihrer neuen Stelle in der Kriminalpolizei bereits genug mit einer Mordserie in der Unterwelt zu tun hat, lässt ihr schlechtes Gewissen sie erneut in der Spionagewelt herumstochern. Dabei scheint sie einen Agenten namens Faust mit einer Vergangenheit in der RAF gegen sich aufzubringen …

„Faust“ setzt die Ereignisse von Geiger relativ nahtlos fort, kann aber grundsätzlich als Standalone gelesen werden, auch wenn ich dies nicht empfehlen würde. Zwar werden die relevanten Querverbindungen größtenteils erklärt, man spoilert sich aber zum einen für den Vorgängerband und nimmt sich andererseits noch viel mehr Details, die hier aufgegriffen werden.

Die Handlung ist dabei – wie im Vorgänger – hochspannend und abwechslungsreich. Gustaf Skördeman webt dabei Elemente des Menschenhandels, von Clankriminalität, religiösem Fanatismus und von sexueller Gewalt in den Spionagethriller mit ein und schafft so einen hochkomplexen Roman, dessen Handlungsstränge trotzdem gut zusammenlaufen. Leider endet der Roman nach Abschluss der Kernhandlung mit einem Cliffhanger, der gänzlich unnötig ist und etwas den Charakter als Standalone zerstört.

Das Setting ist naturgemäß gelungen, entführt den Leser in ein Stockholm zwischen Clanstrukturen und High Society – unglaublich vielfältig, auch wenn einzelne Aspekte wie die rechtliche Situation am Freihafen beim ersten Lesen etwas unlogisch erscheinen. Gustaf Skördemans Schreibstil ist dabei leicht und flüssig lesbar.

DIe einzelnen Charaktere entwickeln sich im Verlauf des Romanes weiter, auch wenn die Entwicklung von Sara und Martin etwas erschreckend daherkommt. Am stärksten überzeugen mich in diesem Band hingegen Ebba, Nadja und Thörnell.

DIe Buchgestaltung ist auf ganzer Linie gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist atmosphärisch, sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert, fügt sich gut in die Reihe ein und zieht sich über den gesamten Buchumschlag, sodass ein einheitlicher Gesamteindruck entsteht, wenn auch etwas der Bezug zur Handlung fehlt. Zudem ist das Cover auf dem Titel, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt und das Buch mit farbigen Coverinnenseiten und einem farbigen Buchschnitt versehen.

Mein Fazit? „Faust“ ist eine gelungene Fortsetzung der Spionagethriller, die vor allem durch die spannende Handlung und die teils krasse Charakterentwicklung brilliert, es aber gerade mit dem Cliffhanger am Ende auch etwas übertreibt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von mindestens 16 Jahren.

[Buchgedanken] Gustaf Skördeman: „Geiger“ (Sara Nowak 1)

Vor kurzem habe ich „Geiger“ von Gustaf Skördeman gelesen, den ersten Band um Kommissarin Sara Nowak. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem gleichen Titel bei Bokförlaget Polaris veröffentlicht. Der Roman ist dabei als Thriller / Agententhriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Thorsten Alms verantwortlich.

Das Festnetz-Telefon klingelt, als sie am Fenster steht und ihren Enkelkindern zum Abschied winkt. Agneta hebt den Hörer ab. „Geiger“, sagt jemand und legt auf. Agneta weiß, was das bedeutet. Sie geht zu dem Versteck, entnimmt eine Waffe mit Schalldämpfer und tritt an ihren Mann heran, der im Wohnzimmer sitzt und Musik hört. Sie setzt den Lauf an seine Schläfe – und drückt ab. Als Kommissarin Sara Nowak von diesem kaltblütigen Mord hört, ist sie alarmiert. Sie kennt die Familie seit ihrer Kindheit …

„Geiger“ ist eine Mischung aus Thriller und Schwedenkrimi, Agenten- und Spionageroman. Dabei ist „Geiger“ der Beginn einer Trilogie um die Kommissarin Sara Nowak, der zweite Band „Faust“ ist ebenfalls bereits erschienen und wird in Kürze hier auch vorgestellt, da er mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfgung gestellt worden ist.

Die Handlung in „Geiger“ ist dabei hochspannend und abwechslungsreich, eskaliert immer mehr und zieht Kreise bis in die hohe Weltpolitik, was dem ganzen etwas Glaubhaftigkeit nimmt, die Spannung aber nicht mindert. Hierbei werden neben der Spionage auch Themen wie Kindesmissbrauch, Einwanderung, familiäre Konflikte oder Prostitution behandelt, wobei der Handlungsstrang hinsichtlich der Prostitution aufgrund des in Schweden angewandten Nordischen Modells für hiesige Leser sehr ungewohnt anmutet. Leider endet das Buch für mich zudem ein, zwei Kapitel zu früh, da doch einige Punkte nicht aufgeklärt und so mutmaßlich in die Folgebände verlagert werden.

Das Setting begeistert durch die dargestellten Gegensätze zwischen High-Society und Rotlichtmilieu, zwischen ideologischem Fanatismus und fanatischem Ehrgeiz, zwischen Wahrheitssuche und Vergangenheitsbewältigung. Dabei ist Gustaf Skördemans Schreibstil trotz der schweren Themen leicht und flüssig lesbar.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei begeistern neben Sara vor allem Breuer und Agneta, während Saras Partner David noch sehr blass bleibt, wird für ihn doch ein großer, innerer Konflikt angelegt, der aber nichts zur Handlung beiträgt – eventuell wird ja auch darauf in einem der Folgebände noch zurückgegriffen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist atmosphärisch, das Titelmotiv zieht sich dabei über den gesamten Buchumschlag. Dabei ist das Buch mit einem farbigen Buchschnitt und einer leichten Prägung auf Titel, Buchrücken und Coverrückseite hochwertig ausgestattet und bietet zusammen mit Band zwei einen guten Gesamteindruck der Reihe mit hohem Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Geiger“ ist ein sehr gutes Romandebüt, ein hochspannender Thriller, der mit einem tollen Setting und einer abwechslungsreichen Handlung glänzen kann, dabei aber auch etwas eskaliert und minimal zu früh endet. Für Liebhaber des Genres in jedem Fall bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.