[Buchgedanken] Tuomas Oskari: „Im Sturm der Macht“ (Leo Koski 2)

Vor kurzem habe ich auch „Im Sturm der Macht“ von Tuomas Oskari gelesen. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2022 unter dem Titel „Miekka“ und dem Klarnamen „Tuomas Niskakangas“ bei Otava. Das Buch ist als Politthriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Finnischen zeichnet Anke Michler-Janhunen verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Helsinki 2028: Bei einem Staatsempfang wird die finnische Ministerpräsidentin von einem Scharfschützen aus dem Hinterhalt erschossen. Die politische Lage im Land hatte sich schon zuvor zugespitzt, als die Regierung Flüchtlinge auf einer stillgelegten Kreuzfahrtfähre interniert hatte. In dieser dramatischen Lage kehrt Leo Koski, der Ex-Ministerpräsident, nach Helsinki zurück, zunächst nur als Spielball mächtiger Männer. Doch bald erkennt er, dass ein Staatsstreich geplant ist. Und den muss er mit allen Mitteln verhindern!

„Im Sturm der Macht“ ist der zweite Thriller um den Protagonisten Leo Koski. Dabei kann der Roman gut als Standalone gelesen werden, auch wenn es sich natürlich empfiehlt, den Vorgänger „Tage voller Zorn“ zu kennen, da die Entwicklungen aufeinander aufbauen und viele bekannte Charaktere vorkommen. Hierbei ist das Buch erneut als Politthriller einzuordnen, auch wenn natürlich auch die generelle, auf dem Cover vorgenommene, Eingruppierung als „Thriller“ möglich gewesen wäre – oder eine solche als Justizthriller, spielt doch zumindest ein Gerichtsverfahren eine zentrale Rolle im Roman.

Die Handlung ist – wie im Vorgänger – unglaublich spannend, abwechslungs- und temporeich. Zwar dauert es etwas, bis sich die verschiedenen Handlungsstränge verknüpfen und es werden immer neue aufgenommen, es gelingt Tuomas Oskari dennoch, nie Langeweile entstehen zu lassen, keine Längen zu produzieren. Dabei vermengt der Autor gekonnt wieder wichtige gesellschaftspolitische Themen wie Migrationspolitik mit einem Politthriller, dessen Ende niemanden kalt lassen wird.

Das Setting ist ebenfalls bestechend, wenn auch nicht ganz so brillant wie im ersten Band, der direkt in die geheimen Schaltzentralen der finnischen Politik führte. Aber auch in diesem Buch nimmt der Autor den Leser wieder mit nach Helsinki – unter anderem auf ein Kreuzfahrtschiff, das zum Transitzentrum für Flüchtlinge umfunktioniert wurde – ein fast prophetischer Ausblick auf die aktuellen Entwicklungen. Interessant ist dieses Mal auch die internationale Komponente – und der gut gewählte Ansatz, beide extremistischen, politischen Strömungen als radikal, manipulativ und verbrecherisch herauszuarbeiten.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen sowohl Leo als auch Sara als Protagonisten des Romans (selten!), sowie wichtige Nebencharaktere wie Amelia. Tuomas Oskaris Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist erneut brillant, der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt so für ein schönes Gesamtbild, das auch durch die tolle Farbgebung verstärkt wird, die im Buchschnitt wiederaufgegriffen wird. Auch passt sich das Buch gut in das Gesamtbild der Reihe ein und sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Im Sturm der Macht“ ist eine brillante Fortsetzung, die vor allem mit Spannung und tollen Charakteren glänzt. Eine der besten Thrillerreihen der letzten Jahre – für Leser des Genres ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

Zweite Bände im Doppelpack | Bloggerjury-Buchpost

Vor kurzem durften auch diese beiden Reihenfortsetzungen als Rezensionsexemplare über die Bloggerjury von Bastei Lübbe bei mir einziehen – vielen Dank dafür <3. „Im Sturm der Macht“ von Tuomas Oskari (Lübbe) ist dabei der zweite Band der finnischen Politthriller-Reihe um Leo Koski, während „A Night of Shadows and Betrayals“ von Anne Pätzold (LYX Verlag), der zweite Teil der A-Night-Of-Reihe, die Liebesgeschichte von Winnie und Jo fortsetzt.

Sehen die Bücher nicht einfach unglaublich aus?

[LBM2023] Tag 1 – Von Bäumen, Bots und Badezimmern

Gestern öffnete endlich einmal wieder die Leipziger Buchmesse ihre Pforten – ganz offiziell und in den Messehallen, was bereits am ersten Tag zu einem großen Besucherandrang führte. Und auch mein Programm hatte es in sich: mit dem WACKER und FREUNDE Verlag, Stephan Ludwig, Sebastian Pufpaff, Tuomas Oskari (Tuomas Niskakangas), Maja Lunde und Lisa Pauline Wagner.

Den Anfang machte Kerstin Wacker, die für den WACKER und FREUNDE Verlag aus dem zusammen mit Henrik Hitzbleck verfassten Buch „Das Mädchen in unserem Badezimmer“ las. Trotz der frühen Zeit war die Lesung stark besucht – nicht zuletzt auch dank der Schulklassen, die das durchaus lehrreiche Buch über Jugendobdachlosigkeit in Berlin sicherlich auch interessiert besprochen haben oder noch besprechen werden. Nachdem ich mir das Buch signieren ließ, schaute ich auch schnell noch bei der Signierstunde von Stephan Ludwig zu „Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller“ vorbei.

Den restlichen Vormittag verbrachte ich damit, durch die Hallen zu schlendern, bevor dann als absolutes Highlight Sebastian Pufpaff auf der Bühne auftrat. Das mitgebrachte Buch, „Pufpaff mit drei F“, hat er dabei gar nicht selbst geschrieben, sondern von ChatGPT verfassen lassen – und trotzdem bin ich unglaublich glücklich, ein signiertes Exemplar ergattert haben zu können. Denn die Veranstaltung war unglaublich – eine der humorvollsten, die ich je auf den ganzen, unzähligen Messen erlebt habe.

Im Anschluss ging es für mich zu einer Lesung des Nordischen Forums. Moderiert von Anke Michler-Janhunen, die das Buch aus dem Finnischen übersetzt hat und auch aus der deutschen Ausgabe las, stellte Tuomas Oskari (Tuomas Niskakangas) den Thriller „Tage voller Zorn“ vor, eines meiner Buchhighlights aus dem Jahr 2022, das mich restlos überzeugte (genau wie übrigens auch die Buchvorstellung von Tuomas).

Am Nachmittag erkundete ich noch die weiteren Hallen und stöberte auch in der Mangahalle, in der ich sehr viel Geld hätte ausgeben können, mich aber vorerst darauf beschränkte, Künstler etwas zu unterstützen. Danach dann das zweite Highlight des Tages – ein internationaler Headliner. Für Arte nahm auf der ARD-Bühne Maja Lunde Platz, die ihr neuestes Buch „Ein Traum von einem Baum“, den Abschluss des weltweit erfolgreichen Klimaquartetts, im Gepäck hatte. Passenderweise hat ARTE gerade eine Dokumentation über Maja gedreht, die natürlich auch angepriesen wurde, schnell aber in Vergessenheit geriet, als Maja über Verantwortung, Einfluss und ihre Bücher sprach – unglaublich sympathisch.

Das Ende des Tages läutete – als gemütlicher Ausklang – am gleichen Ort Lisa Pauline Wagner ein, die den Auftakt der täglichen ARTE Poetry-Slam Reihe machte. Die Theaterregisseurin und Berlin-Brandenburg-Meisterin im Poetry Slam trug jeweils einen „Text über dich“, einen „Text über mich“ und einen „Text über Andere“ vor, als Vorbereitung für das Buch, das sie gerade schreibt. Ein gelungener Abschluss und vielleicht nicht der letzte Slam, den ich mir auf der Messe gönne.

In wenigen Stunden geht’s bereits weiter – mein Highlight am Freitag? Ben Aaronovitch.

[Buchgedanken] Tuomas Oskari: „Tage voller Zorn“

Vor kurzem habe ich „Tage voller Zorn“ von Tuomas Oskari gelesen. Das Buch ist 2022 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel „Roihu“ und dem (originalen) Autorennamen Tuomas Niskakangas bei Otava. Das Buch ist als Politthriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Finnischen zeichnet Anke Michler-Janhunen verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Helsinki 2027. Leo Koski, der junge Ministerpräsident Finnlands, ist charismatisch. Was niemand weiß: Er ist nur die Marionette einer Gilde reicher Männer. Sie sind es, die bestimmen. Die Spaltung der Gesellschaft und die zunehmende Armut in weiten Teilen der Bevölkerung sind ihnen egal. Doch als sich eine junge Frau am Vorabend einer großen Massenkundgebung aus Protest selbst anzündet, gerät das Machtgefüge ins Wanken. Die Frau hatte zuvor Briefe verschickt, um das Land aufzurütteln. In dieser aufgeheizten politischen Lage wendet sich der Ministerpräsident das erste Mal von seinen Geldgebern ab. Aber auf wen kann er noch zählen? Auf seinen Ziehvater und reichsten Mann Finnlands Pontus Ebeling? Auf die Führungsfigur der Linken, Emma Erola? Koski hat nur 24 Stunden, um sein Land vor einer Katastrophe und unzähligen Toten zu bewahren. Der Countdown beginnt …

„Tage voller Zorn“ ist ein Politthriller, dessen Handlung sich im Wesentlichen auf das kleine Finnland beschränkt, der aber globale Auswirkungen suggeriert. Dabei mischt Tuomas Oskari durchaus gesellschaftskritische Themen mit ein, räumt der Kapitalismuskritik viel Raum ein und macht sozialistische Grundmodelle zur Triebfeder der Veränderung – ein mutiger, radikaler Schritt – nicht nur im Buch.

Dabei ist die Handlung rasant, spannend und kurzweilig. Tuomas Oskari überrascht den Leser immer wieder mit unerwarteten Wendungen, treibt die Spannung auf die Spitze, verschiebt Loyalitäten und lässt immer neue Koalitionen entstehen – bis hin zu einem Ende mit Schrecken – oder einem Schrecken ohne Ende? Hierbei erschafft der Autor – erschreckend – ein durchaus denkbares Zukunftsszenario, nimmt den Leser mit auf eine nervenaufreibende, emotionale Achterbahnfahrt – ungeachtet dessen, wo man sich selbst im politischen Spektrum verortet.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So führt der Autor den Leser durch das Machtzentrum der finnischen Hauptstadt – geschichtliche und architektonische Exkurse in gebotener Kürze inklusive. Dabei ist Tuomas Oskaris Schreibstil leicht und flüssig zu lesen und lässt das epische Kopfkino direkt anlaufen.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – die teils für den Leser auch lange im Unklaren bleiben. Hierbei begeistern vor allem Leo und Emma und sorgen damit dafür, dass „Tage voller Zorn“ eines der wenigen Bücher ist, in dem mehrere Hauptprotagonisten gleichermaßen überzeugen. Daneben vermögen aber auch wichtige Nebenfiguren wie Vilma und Virve zu begeistern.

Die Buchgestaltung ist gleichermaßen gelungen. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen, der Buchsatz ist passend schlicht. Das Cover ist hochwertig geprägt, der komplette Buchumschlag relativ wenig bebildert, aber aufgrund des Farbkonzepts ein absoluter Eyecatcher – noch mehr in Verbindung mit dem farbigen Buchschnitt, der die Coverfarben aufgreift und zu einem Gesamtkunstwerk verwebt. In den farbigen Coverinnenseiten finden sich zudem eine Karte von Helsinki und eine Biografie des Autors – sehr edel.

Mein Fazit? „Tage voller Zorn “ ist ein Politthriller, der auf ganzer Linie begeistert – ein spätes, aber absolutes Highlight des Bücherjahres 2022. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

Hardcoverliebe | Doppelte Buchpost mit Farbschnitt

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden tollen Bücher mit einem jeweils wunderschönen Farbschnitt. „Tage voller Zorn“ von Tuomas Oskari (Bastei Lübbe) kam dabei als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury zu mir, während mich „Schattengold – Ach, wie gut, dass niemand weiß“ von Christian Handel (Piper Verlag) als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de erreichte – vielen Dank dafür jeweils!

Bevorzugt Ihr Hardcover oder Taschenbücher?