In den letzten Tagen habe ich auch „Brennendes Watt“ von Fynn Jacob (Christian Kuhn) gelesen. Der Roman ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Iska van Loon, erfahrene Beamtin der Nationale Politie, und der ehrgeizige Kriminalhauptkommissar Marten Jaspari stehen vor einem brisanten Fall. Luuk Raand, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die das LNG-Terminal bei Eemshaven schützt, wird tot am Strand von Borkum angespült. Eine Spur führt zu radikalen Umweltschützern, die Missstände bei der Erdgasverarbeitung aufdecken wollen, eine andere in das undurchsichtige private Umfeld des Opfers. Als schließlich im Hamburger Hafen der Kapitän eines Containerschiffes verschwindet, erreicht der Fall ungeahnte Dimensionen. Iska und Marten müssen alles riskieren, um zu verhindern, dass an der Nordsee ein flammendes Inferno ausbricht …
„Brennendes Watt“ ist der dritte Teil der Krimireihe um das internationale Ermittlerduo Marten Jaspari und Iska van Loon, der von Christian Kuhn unter dem Pseudonym Fynn Jacob veröffentlicht wurde. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen, werden doch wichtige Stationen in der Vergangenheit der Protagonist:innen wieder aufgegriffen und erläutert. Die Genrezuordnung ist jedoch nicht so einfach, wie der Aufdruck „Kriminalroman“ auf dem Cover vermuten lässt. Denn phasenweise mutet das Buch mehr wie ein Thriller an, ließe sich sogar den Untergenres Agententhriller oder Spionagethriller zuordnen. Der Einfachheit halber habe ich es aber bei der Kategorisierung des Verlags belassen, auch um den Sinnzusammenhang der Reihe beizubehalten.
Die Handlung ist hochspannend, kurzweilig und hält gelegentlich auch eine unerwartete Wendung parat, auch wenn sie durchaus das ein oder andere Rollenklischee bedient. Zudem ist sie teils etwas überfrachtet, da die Protagonist:innen noch mit persönlichen Dramen belastet werden – den ein oder anderen Nebenhandlungsstrang hätte man für die Klarheit und Stringenz durchaus auch weglassen können. Auch das Ende bleibt relativ offen – sowohl, was die Identität der Täter:innen als auch was die Zukunft von Jaspari/van Loon betrifft. Ich bin daher mal gespannt, ob die Reihe hiermit beendet ist oder, falls nicht, wie die Folgebände die Handlung wieder aufgreifen.
Das Setting kann naturgemäß glänzen. So nimmt der Autor die Leser:innen mit auf eine Reise durch einen Großteil des deutsch-niederländischen Nordseeraums und greift dabei gesellschaftlich relevante Themen wie Umweltschutz, den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit verbundene Energieunsicherheit sowie den teils fließenden Übergang zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und militantem Aktivismus auf. Erzählt wird dieses bunte Potpourri in multiplen personalen Erzählperspektiven, die teils nacheinander parallel stattfindende Ereignisse wiedergeben, was die Stringenz der Handlung etwas bricht.
Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Karin und Banisch, aber auch die beiden Protagonist:innen können mit Abstrichen durchaus überzeugen – sicherlich wäre das Bild hier nochmal etwas anders, wenn ich die Charakterentwicklung über die komplette Reihe hinweg mitbekommen hätte. Fynn Jacobs Schreibstil lässt sich darüber hinaus flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, die Gesamtgestaltung passt sich gut in die Reihe ein. Das Covermotiv ist dennoch eher austauschbar und beliebig und wird zum Buchrücken hin unterbrochen, der – genau wie die Coverrückseite – zudem eher eintönig und schlicht daherkommt.
Mein Fazit? „Brennendes Watt“ ist ein spannender und hochaktueller Kriminalroman mit tollem Setting, aber auch mit kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.




