[Buchgedanken] Martin Sollert: „Vergiftete Erlösung“

Vor kurzem habe ich auch „Vergiftete Erlösung“ von Martin Sollert gelesen. Der Roman ist 2024 im Selfpublishing veröffentlicht worden und als dystopische Science-Fiction einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Birgt ein rätselhaftes Grab die letzte Hoffnung der Menschheit in sich? Der wegen Verbrechen gegen den Staat Amazonica verurteilte Geheimdienstmitarbeiter Dan verbüßt seine Strafe in einem Arbeitslager an der Nordseeküste. Wegen der unmenschlichen Haftbedingungen versucht er zu fliehen. Dabei erlebt er den Absturz der Zivilisation in die finale Katastrophe. Eng mit Dans Leben ist das Schicksal der jungen Frau Eyelea verwoben. Eyelea wächst im Out, einer gesetzlosen Region an der Grenze zu Amazonica, als irrtümlich blindes Mädchen auf. Sie wird von verstörenden Träumen heimgesucht. Nach ihrer Verschleppung aus dem Out gerät sie in einen Sog unglaublicher Geschehnisse, in deren Verlauf sie einzigartige Fähigkeiten an sich selbst entdeckt. Kann sie dadurch zur Retterin der Menschheit werden?

„Vergiftete Erlösung“ ist mein erster Roman von Martin Sollert und einer der seltenen Romane im Selfpublishing, die ich lese. Dabei lässt sich der Roman nicht ganz einfach einem Genre zuordnen. So ist er als dystopisch einzuordnen, zeigt Elemente eines (Polit-)Thrillers, gehört definitiv zur Science Fiction und lässt sich auch als Abenteuerroman kategorisieren. Ich habe das Buch schlussendlich als dystopische Science-Fiction eingeordnet, da ein doch starker Fokus auf dem Setting und der technologischen Komponente lag.

Die Handlung ist durchaus innovativ und abwechslungsreich, in der zweiten Hälfte aber auch mit einigen Längen versehen und nicht in allen Punkten logisch. Dabei überzeugt der Handlungsstrang von Dan stärker als der von Eyelea (sofern man hier von einem zweiten Handlungsstrang sprechen kann, ist es doch eigentlich nur eine Aufnahme, die Dan in seinem hört). Zudem werden hier in aller Brutalität Folter, fanatische Kriegsverbrechen und Hinrichtungen dargestellt, sodass selbst ich an den Punkt gekommen bin, dass man hier auf (idealerweise nachgestellte) Content Notes hätte hinweisen können oder sogar sollen.

Das Setting überzeugt im Großen und Ganzen. So entführt der Autor die Leser:innen unter anderem in ein futuristisches, ehemaliges Deutschland, das – wie anscheinend generell die industrialisierte Welt – nunmehr aus Einflussgebieten bzw. neugegründeten Staaten, unter anderem von großen Firmen beherrscht, besteht. Dabei hätte ich mir noch weitere Informationen zum Weltenbau gewünscht, gern auch eine Karte, um die Entwicklung von der jetzigen Welt bis hin zu dieser Situation nachvollziehen zu können.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei ist der Kreis an handelnden Personen stark beschränkt, außer Eyelea und Dan treten nur sporadisch wichtige Nebenrollen auf wie Arthur oder Generalleutnant Schröder – oder auch die KI Thor, die – interessanterweise – am stärksten überzeugt. Martin Sollerts Schreibstil lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ausbaufähig. Lektorat/Korrektorat sind (so durchgeführt) durchaus Fehler durchgerutscht, die sich aber noch im Rahmen halten, der Buchsatz zeigt erhebliche Schwächen. Das Covermotiv ist durchaus ansprechend und ein Eyecatcher, von der Auflösung und dem Zuschnitt aber nicht überzeugend – und auch die Typografie ist nicht ideal, lässt sich der Titel doch nicht richtig lesen.

Mein Fazit? „Vergiftete Erlösung“ ist dystopische Science Fiction, die durchaus innovativ und abwechslungsreich ist, aber auch kleinere Schwächen, insbesondere auch bei der Buchgestaltung, bietet. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – definitiv jedoch nicht unter einem Lesealter von 16, eher sogar ab 18 Jahren.

Science Fiction im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

In der letzten Zeit erreichten mich auch diese beiden Romane als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. „Vergiftete Erlösung“ von Martin Sollert (erschienen im Selfpublishing) ist dabei ein dystopischer Science Fiction Roman mit apokalyptischem Setting, „Bea & Nyx – Der Baum zwischen den Zeiten“ von Kate Gordon und Rebecca Lim (Edition Michael Fischer GmbH) ein Jugendbuch, das ebenfalls in einer dystopischen Zukunft spielt. Ich bin schon ganz auf die verschiedenen Ansätze der Gestaltung der Zukunft gespannt.

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