[Buchgedanken] Hera Lind: „Um jeden Preis“

In der letzten Zeit habe ich auch „Um jeden Preis“ von Hera Lind gelesen. Der Roman ist 2025 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG veröffentlicht worden und als (historische) Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

1944 beginnt für die 16-jährige Lydia ein Alptraum, der nicht enden will: Als die Rote Armee auf ihr kleines Dorf bei Odessa in der Ukraine vorrückt, flieht die Familie. Sie schaffen es sogar bis nach Deutschland, doch sie werden zurückgeholt. Mit Mutter und vier Geschwistern wird Lydia bei minus 50 Grad nach Sibirien verschleppt. Zwölf unbarmherzige Jahre lang kämpft sie in einem Gulag ums Überleben und wird Mutter von acht Kindern, von denen sechs überleben. Als man sie endlich aus dem Lager entlässt, ist der eiserne Vorhang dicht. Weitere zwölf Jahre irrt sie mit den Kindern durch die Sowjetunion, immer nur ein Ziel von Augen: um jeden Preis mit ihnen nach Westdeutschland gelangen, auch wenn sie da noch nie war. Denn Deutschland ist ihre Heimat!

„Um jeden Preis“ ist mein erster Roman von Hera Lind – und er lässt sich nicht so einfach einem Genre zuordnen. Beworben als Tatsachenroman, hat das Buch klare biografische Aspekte, beruht die Geschichte doch auf einer wahren Begebenheit. Da aber nicht ganz klar ist, wo hier die Trennlinie zwischen Realität und Fiktion verläuft und wie zuverlässig Erinnerungen an traumatische Erlebnisse sind, habe ich es der Einfachheit halber bei der Eingruppierung als (historische) Familiensaga belassen, wobei die Kategorisierung als Romanbiografie genauso vertretbar gewesen wäre.

In dem Roman begleitet man die Mitglieder der Familie Groß (später größtenteils Judt) in den Jahren von 1927 bis 2021, wobei die Zeit bis 1944 größtenteils ausgespart wird und auch die späten Jahrzehnte größtenteils gerafft werden – hier hätte das ein oder andere Kapitel jeweils noch gut getan, auch wenn man den Roman dann wohl auf zwei Bände hätte strecken müssen. Erzählt wird die Geschichte dabei überwiegend in einer Ich-Perspektive aus Sicht von Lydia, wobei irritierenderweise später weitere Ich-Perspektiven eingestreut werden. Und auch wenn dies im Nachwort durchaus begründet wird, reißen diese Perspektiven doch etwas aus dem Lesefluss und stören die Stringenz, endet damit doch auch die streng chronologische Erzählung der Ereignisse.

Weiterführende Aussagen zur Handlung und zu den Personen verbieten sich aufgrund des starken biografischen Charakters des Romans, auf den Einstieg, der die Entstehungsgeschichte des Romans dargestellt hat, hätte ich jedoch verzichten können – mir hätte das im Nachwort gereicht. Viel lieber wäre ich direkt in Lydias Geschichte eingetaucht, die man noch mit einem Stammbaum oder vielleicht einer Karte, die die unglaublichen Wege der Familie illustriert, hätte versehen können.

Abgesehen davon bietet das Buch anhand des persönlichen Schicksals der Familie einen guten Überblick über die Geschichte der Russlanddeutschen, über die Vertreibung, die Willkür und Grausamkeiten, denen die Kriegsvertriebenen ausgesetzt waren und illustriert an kleinen Beispielen aber auch die Momente der Menschlichkeit, die manchmal den Unterschied zwischen Tod und Leben ausmachen konnten – viel zu sehr ist das teils in Vergessenheit geraten.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist konservativ und fehlerfrei. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Titelmotiv setzt sich gut über den Buchrücken und die Coverrückseite hinweg, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das sich von der Gestaltung auch in die Reihe der anderen Tatsachenromane von Hera Lind integriert. Insgesamt ist mir das Covermotiv aber etwas zu beliebig, auch wenn es natürlich Anklänge zur Handlung zeigt – ein Eyecatcher sieht dann doch anders aus.

Mein Fazit? „Um jeden Preis“ ist eine Familiensaga nach einer wahren Begebenheit, die mit aufrüttelnden und berührenden Schicksalen punktet und dabei nur kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

Große Geschichten im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich auch diese beiden Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Um jeden Preis“ ist dabei der neue Roman der Bestsellerautorin Hera Lind (Knaur Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur Gmbh & Co. KG) über ein berührendes Familienschicksal nach einer wahren Begebenheit, während „Golden State of Mind“ von Sophie Mauve (Selfpublishing) die Leser:innen mit in die schillernde Filmwelt nimmt und eine atypische Hollywood-Lovestory erzählt. Ich bin auf beide Geschichten bereits unglaublich gesepannt!

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?

[Buchgedanken] Christine Grän / Marianne von Waldenfels: „Das Fräulein muss sterben“ (Clara Frings 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Das Fräulein muss sterben“ von dem Autorinnen-Duo Christine Grän und Marianne von Waldenfels gelesen. Der Roman ist 2024 im Droemer Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bonn, 1972: In ihrem Penthouse feiert die niederländische Journalistin Nelie Hendriks, dass Willy Brandt das Misstrauensvotum überstanden hat. Zu ihrer illustren Gästeschar gehören neben einigen Damen der Nacht vor allem Spione und Politiker. Hat einer von ihnen die Finger im Spiel, als Nelie in den Tod stürzt? Kommissarin Clara Frings darf untergeordnet ermitteln, stößt in der Männerwelt der kleinen Hauptstadt am Rhein jedoch schnell an ihre Grenzen. Clara macht Fehler und muss dafür bezahlen. Die Emanzipation der Frauen hat gerade erst begonnen, und das gesellschaftliche Leben wird bestimmt vom Paragraph 218, Studentenprotesten, RAF-Bomben und Radikalenerlass. Erst am Tag von Willy Brandts Rücktritt wird Clara endlich Antworten finden …

„Das Fräulein muss sterben“ ist der erste Band in der historischen Kriminalromanreihe um – mittlerweile – Polizeihauptkommissarin Clara Frings, die in der Bonner Republik als eine der ersten Frauen in der Kriminalpolizei ermittelt – eine Buchidee, die auch die Reihe „Die Kriminalistinnen“ bereits aufgegriffen hat. Dabei deckt der Roman den Zeitraum von April 1972 bis Oktober 1974 ab. Aufgrund der starken Fokussierung auf die politischen Ereignisse hätte man den Roman auch als (historischen) Polit- oder Spionagethriller einordnen können. Ich hab es dennoch bei der – auch auf dem Cover abgedruckten – Eingruppierung als (historischen) Kriminalroman belassen, da ein Kriminalfall den Rahmen für die Darstellung der politischen Affären bildet.

Die Handlung ist generell durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei gelingt es den Autorinnen ein hochbrisantes Gesamtkonstrukt aus politischen und gesellschaftlichen Themen in Verbindung mit der Polizeiarbeit zu stricken, das allerdings in der Schwerpunktsetzung manchmal doch etwas scheitert. Auch hat die Handlung zuweilen doch kleinere Längen – und wird zum Ende hin durch die vielen und immer größer werdenden Zeitsprünge auch etwas fragmentarisch.

Das Setting hingegen kann auf ganzer Linie überzeugen, entführen die Autorinnen doch die Leser:innen in die Bonner Republik, in eine Zeit, geprägt von RAF-Terror und dem Kalten Krieg. Und auch wenn hier teils etwas zu holzhammerartig Kritik an den damaligen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen geübt und sehr einseitig geschildert wird, ist es doch wichtig, dass mit dem Roman auch Themen wie Emanzipation und die damalige Diskriminierung queerer Beziehungen in den Fokus gerückt wird – nur so erkennt man, wie weit wir doch heute eigentlich als Gesellschaft schon sind.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei können insbesondere Elisabeth und Fritz von Eschweg als wichtige Nebencharaktere punkten, während Clara teils nicht nachvollziehbar handelt und – etwas enttäuschend – als Polizistin ihre Pflichten mehrfach gröblichst verletzt. Der Schreibstil der Autorinnen lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – auch merkt man keinen Bruch, sollten die Autorinnen hier kapitelweise vorgegangen sein.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich aber unauffällig. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, die Geschichte wird durch eine ungewöhnliche Dramatis Personae und einen Abriss der historischen Ereignisse abgerundet. Cover, Buchrücken und Coverrückseite sind sehr einheitlich aber gleichsam sehr anschaulich gestaltet – hoffentlich zieht sich das Design durch die Reihe. Auch die Typografie auf dem Cover begeistert, das Covermotiv hingegen ist eher belanglos und austauschbar, hier fehlt mir der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Das Fräulein muss sterben“ ist ein spannender Auftakt in die Reihe um Clara Frings, der vor allem mit seinem Setting und einem explosiven Gesamtpaket glänzt, dabei aber auch kleinere Schwächen und Längen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Noch mehr Geschichte | Buchpost im Doppelpack

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich jeweils als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Fernwehland“ von Kati Naumann (HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH) nimmt die Leser dabei auf die „Astoria“ mit, auf eine Reise durch die letzten Jahrzehnte der deutschen Geschichte, während „Das Fräulein muss sterben“ von Christine Grän und Marianne von Waldenfels (Droemer Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG) ein historischer Krimi ist, der zur Zeit der Bonner Republik spielt – und den Auftaktband der Reihe um die Kommissarin Clara Frings darstellt.

Welche Epoche der deutschen Geschichte würde Euch auch noch interessieren?

[Buchgedanken] Markus Heitz: „Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ (Albae 6)

In der letzten Zeit habe ich auch „Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ von Markus Heitz gelesen. Das Buch ist 2024 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als High Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

In den Ruinen des untergegangenen Dsôn Khamateion will Künstler Amânoras die toten Albae heimlich mit Denkmälern ehren und deren rastlose Geister beruhigen. Als Zwerge ihn entdecken, steht plötzlich nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel. Bald muss er entscheiden: Was ist der Preis für Kunst? In Brandenwall leben Albae, die uralten Traditionen folgen, heimlich unter den Menschen und hegen eigene Pläne zur Zukunft des Geborgenen Landes. Als ein Zwerg aufkreuzt, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Dunkelelben aufzuspüren, müssen die Häuser der Albae gemeinsam eine Lösung finden. Doch sie sind in ihre Machtspiele verstrickt, und mittendrin steckt die junge Albin Sajùtoria. Gegen ihren Willen. Was vermag sie auszurichten? Dann gibt es noch den intriganten Elb Telìnâs, der seine eigenen Ziele verfolgt. Er scheint genau zu wissen, wie er das Erbe der Albae lenken kann. Aber dann laufen die Dinge überraschend aus dem Ruder. Wie kann er sich retten?

„Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ ist der sechste Band der Reihe um die kunstsinnigen und tödlichen Albae aus der Feder von Markus Heitz, der in der gleichen Welt auch die Reihe über die Zwerge, Erzfeinde der Albae, geschrieben hat – und man fühlt sich sehr schnell wieder in der gewohnten Welt zuhause. Dabei ist der Roman, bzw. die ganze Reihe (beide sogar) dem Genre High Fantasy zuzuordnen, bewegen wir uns doch in einer eigens kreierten Welt mit umfassendem Weltenbau und Magiekonzept, auch wenn sich aufgrund der Charakterzüge der Albae auch die teils auf Verkaufsplattformen getroffene Einordnung als Dark Fantasy vertreten lassen könnte.

Die Handlung ist hochspannend und abwechslungsreich und kann auch mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung überraschen. Dabei ist sie jedoch sehr fragmentarisch, die drei einzelnen Geschichten stehen kaum in Zusammenhang, insbesondere der erste Haupthandlungsstrang spielt für die fortschreitende Erzählung quasi keine Rolle mehr – ich hoffe, er wird in einem späteren Buch gegebenenfalls wieder aufgegriffen, sodass insgesamt leider relativ viele offene Enden verbleiben, die gleichermaßen aber genug Potential auch für Folgebände bieten.

Das Setting ist hingegen brillant. So entführt Markus Heitz die Leser:innen erneut in das Geborgene Land, in die Ruinen der alten Albae-Stadt, nach Brandenwall und an der Seite von Telinas kreuz und quer durch fast alle Reiche. Dabei überzeugt der immens aufwendige (und mittlerweile ja durch unzählige Bücher verfeinerte) Weltenbau, der auch durch wunderschöne Karten in den Coverinnenseiten und ein Glossar unterstützt wird. Auch das Magiekonzept ist gelungen, man merkt einfach, wie viel Arbeit und Liebe in dieser Welt steckt.

Die einzelnen Figuren sind durchaus vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren insbesondere Saju, Varai und Elawuen, man ertappt sich als Leser:in sogar kurzzeitig dabei, Sympathien für sie zu entwickeln, obwohl das eigentlich nicht möglich sein dürfte, bei den abgrundtief bösen Wesenszügen der Albae. Markus Heitz Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – anfänglich kleinere Stolperer aufgrund der teils ungewohnten Namen nehmen mit fortlaufender Zeit rapide ab.

Auch die Buchgestaltung kann glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen ordentlich gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv fungiert hier als wahrer Eyecatcher, der auf dem Buchrücken auch nochmal aufgegriffen wird, und sich zudem gut in die Reihe einpasst und so für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt.

Mein Fazit? „Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ ist eine gelungene Fortsetzung, die vor allem mit der Spannung, tollen Charakteren und dem atemberaubenden Setting brilliert, dabei aber etwas fragmentarisch und offen verbleibt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Der Mut der Lady Leaf“ (Celtic Dreams 3)

Vor kurzem habe ich auch „Der Mut der Lady Leaf“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2024 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Schottland 1487: Leaf MacKay vertraut sich selbst und sonst niemandem. Nun soll ausgerechnet sie ihren erbitterten Feind Lennox heiraten, um die jahrelange Fehde mit Clan Ross zu beenden. Der drohende Verlust ihrer Unabhängigkeit treibt sie immer stärker in die Nähe des düsteren Schmieds Grey, der ihr im Kampf gegen Lennox zur Seite steht. Und dann ist da noch Leafs bester Freund und Adoptivbruder Artair, der nicht nur mit seiner unbekannten Herkunft, sondern vor allem mit seinen Gefühlen für Leaf ringt. Doch die Wunden der Vergangenheit sind tief, und Leaf muss eine Entscheidung treffen: Glaubt sie an die wahre Liebe? Oder nur an sich selbst? Hin und her gerissen zwischen ihrem Bedürfnis nach Schutz und ihrer Sehnsucht nach Liebe droht sie alles zu verlieren.

„Der Mut der Lady Leaf“ ist der dritte Band der Celtic-Dreams-Reihe, von der ich bislang den ersten Teil „Der Traum der Lady Flower“ gelesen habe. Während ersteres für mich noch klarer ein historischer Liebesroman war, verschiebt sich in diesem Buch das Genre stärker zur Historical Romance – und so wird das Buch vom Verlag auch als Kombination von beidem als „historischer New-Adult-Liebesroman“ beworben, da uns durchaus einige pikante Sexszenen erwarten. Zur Harmonisierung mit den restlichen Büchern der Reihe habe ich es dennoch hier auch bei der Eingruppierung als historischer Liebesroman belassen – kleinere Argumente fänden sich auch für eine historische Familiensaga oder generell für einen historischen Roman. Das Buch lässt sich zudem gut als Standalone lesen (mir fehlen ja auch die Ereignisse des zweiten Bandes), insgesamt würde ich aber aufgrund der Kontinuität der Geschehnisse und der Hintergrundgeschichten der Figuren dafür plädieren, alle Bände in der vorgegebenen Reihenfolge zu lesen, um das Lesevergnügen vollends auszuschöpfen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen versehen. Gerade im ersten Drittel hat das Buch jedoch auch kleinere Längen – und auch das Ende vermochte mich nicht vollends zu überzeugen und war etwas antiklimaktisch. Insgesamt fokussiert sich die Handlung viel deutlicher als im ersten Band auf das Love Triangle, hier konnten die Stärken des ersten Bandes nicht so umgesetzt werden. Gut gefallen hat mir jedoch, dass mit fortschreitender Handlung auch Artair eine Hintergrundgeschichte verpasst bekam.

Das Setting ist weiterhin brillant. So entführt die Autorin die Leser:innen – wenig überraschend – erneut ins Schottland am Ende des 15. Jahrhunderts, mitten hinein in eine blutige Fehde, die das Clansystem der damaligen Zeit mehr als verdeutlicht. Dabei spielen in diesem Band dynastische Politik, Ränkespiele und familiäre Verflechtungen eine noch stärkere Rolle, während der historische Hintergrund mehr zur wirklichen Kulisse verkommt – was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugt Leaf – meine Lieblingsschwester aus dem ersten Band – weiterhin, aber auch Lennox und Skye, von der ich gern noch mehr lesen würde, können brillieren, lediglich Gregor verbleibt etwas eindimensional. Kristin MacIvers Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, stellt Lesbarkeit im Zweifel über historische Authentizität und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Auch die Buchgestaltung kann größtenteils glänzen. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber nicht schmälern, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist mit Klappen und toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv ist ein Eyecatcher, dem leider etwas der Bezug zur Handlung fehlt – und leider wird das Cover auch wieder zum Buchrücken hin krass unterbrochen. Insgesamt passt sich das Buch aber gut ins einheitliche Erscheinungsbild der Reihe ein.

Mein Fazit? „Der Mut der Lady Leaf“ ist eine größtenteils gelungene Fortsetzung der Reihe um die MacKay-Schwestern, die vor allem mit tollen Charakteren und einem brillanten Setting punkten kann, aber auch kleinere Schwächen in der Handlung hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Superstars im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Die heutigen Buchneuzugänge stammen von echten Superstars der Szene und erreichten mich als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Am Himmel die Flüsse“ ist hierbei das neue Buch von Elif Shafak (Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG), einer der bedeutendsten Schriftstellerinnen weltweit, während Markus Heitz – der deutsche Meister der Phantastik – mit „Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ den sechsten Band der im Knaur Verlag (Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG) erscheinenden Reihe um die legendären Albae vorlegt. Ich bin schon ganz auf die – sehr unterschiedlichen – Bücher gespannt und freue mich gleichermaßen darauf, in die Geschichten einzutauchen.

Welchen Klassiker sollte man aus Eurer Sicht gelesen haben?

Fortsetzungen im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Und auch diese beiden Reihenfortsetzungen erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. „Der Mut der Lady Leaf“ von Kristin MacIver (Verlagsgruppe Droemer Knaur) ist der dritte Band der „Celtic Dreams“-Reihe und greift die Geschichte meiner Lieblingsschwester Leaf MacKay auf, während „Jungs braucht echt keiner! … und trotzdem klopft das blöde Herz“ von Patricia Schröder (Karibu Verlag) die Story um Hannah, Elias und das Schrankreisen aus „Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ fortsetzt. Ich bin schon ganz gespannt darauf, welches Buch mich schneller wieder in die Handlung zieht! Vielen Dank auch noch an das beiligende, signierte Exlibris und die Charakterkarten zu Kristins Buch – und an Patricia Schröder, dass sie das Buch direkt signiert hat.

Auf die Fortsetzung welcher Buchreihe wartet Ihr sehnsüchtig?

[Buchgedanken] Charlotte von Feyerabend: „Seid nett aufeinander“

Vor kurzem habe ich auch „Seid nett aufeinander“ von Charlotte von Feyerabend gelesen. Das Buch ist 2024 im Droemer Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Romanbiografie einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

 Schon als Kind träumt Beate vom Fliegen – und lernt von ihrem Vater, dass sie alles erreichen kann, wenn sie es nur wirklich will. Mit achtzehn macht sie ihren Pilotenschein und trifft ihre große Liebe. Doch die Idylle währt nur kurz, denn ihr Mann, ebenfalls Pilot, wird im 2. Weltkrieg abgeschossen. Im Deutschland der Nachkriegszeit steht Beate Uhse mit ihrem kleinen Sohn ohne alles da und muss als Handelsreisende durch das ganze Land tingeln, um zu überleben. Dabei wird sie auf die Sorgen der Frauen aufmerksam, die in dieser elenden Zeit nicht schwanger werden wollen. Als Tochter einer der ersten Ärztinnen Deutschlands beschließt Beate, ihnen zu helfen. Für ein paar Pfennige verkauft sie eine Aufklärungsschrift, die sie bald mit Artikeln für die „Ehehygiene“ ergänzt. Denn Beate Uhse hat einen Traum: Jede Frau soll das Recht auf einen Orgasmus haben!

„Seid nett aufeinander“ ist eine Romanbiografie über das abenteuerliche Leben von Beate Uhse – oder zumindest über den ersten Teil davon bis ins Jahr 1972, was ich durchaus schade finde – gerade die letzten Jahre hätten hier durchaus noch einmal für etwas Abwechslung gesorgt. Garniert wird die Geschichte mit (etwas zu umfangreichen) Zusatzinformationen; also mit Fußnoten, Literaturtipps, einem Dialektglossar, Rezepten, einer Danksagung, einer Einordnung der Autorin und der Bewerbung weiterer Romane von ihr – im Vergleich zur Länge der Geschichte schlicht etwas überdimensioniert.

Die Handlung ist generell spannend und abwechslungsreich, beleuchtet bekannte und unbekannte Episoden aus Beates Leben, wobei ich mir teils an einigen Stellen eine andere Schwerpunktsetzung gewünscht hätte. Dabei spart der Roman auch schwierige Episoden nicht aus und erzählt erfrischenderweise sehr stringent und chronologisch, sodass man zu jeder Zeit dem roten Faden folgen kann. Die einzelnen Kapitel werden hierbei mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten eingeleitet, um das Flair des folgenden Abschnitts zu charakterisieren – noch spannender hätte ich mir zum Beispiel Bilder oder Textdokumente von oder über Beate als historische Zeitzeugen vorstellen können.

Das Setting ist – naturgemäß – gelungen, entspricht es doch bei biografischen Romanen genau der realen Welt. Dabei entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Flensburg, sondern auch nach Rangsdorf, in Beates ostpreußische Heimat, oder auch nach Juist an die Schule am Meer. Dadurch werden nebenbei noch spannende Themen wie z.B. die Reformpädagogik angerissen – was durch die Verlagerung von Zusatzinformationen auf die Fußnoten dennoch gut lesbar verbleibt und somit nicht allzu sehr ins Sachbuchhafte abrutscht.

Viel zu den Figuren zu sagen, verbietet sich eigentlich bei biografischen Romanen. Daher nur so viel, dass ich Hanna durchaus ins Herz geschlossen habe und gern noch mehr über sie erfahren hätte – auch Elfriede hat ein tolles Standing im Buch. Und auch Beate überzeugt – natürlich -, auch wenn durch die letzten, hier ausgesparten Jahre noch ein runderes Bild hätte geschaffen werden können. Charlotte von Feyerabends Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, hält dabei gut die Waage zwischen Lesbarkeit und historischer und sprachlicher Authentizität.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben solide gearbeitet, der Buchdeckel ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, wobei die Klappen farblich krass zur sonstigen Gestaltung des Buches kontrastieren. Das Covermotiv ist sehr stilisiert und lässt jedoch eher auf eine Liebeskomödie als auf einen autobiografischen Roman schließen – insgesamt ist der gesamte Umschlag eher schlicht gehalten und kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Seid nett aufeinander“ ist eine Romanbiografie, die gleichsam spannend und informativ ist und dabei gut unterhält – lediglich die Schwerpunktsetzung und der Verzicht auf die letzten Jahre trüben hier das Gesamtbild leicht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.

Von realen und fiktiven Frauen | Doppelte Buchpost

In der letzten Zeit erreichten mich auch diese beiden Rezensionsexemplare, die jeweils starke Protagonistinnen in den Mittelpunkt rücken. „Seid nett aufeinander“ von Charlotte von Feyerabend (Droemer Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG) kam dabei im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ von Tanja Huthmacher (Lübbe Verlag, Bastei Lübbe AG) über die verlagseigene Bloggerjury – vielen Dank jeweils dafür. Während sich in Charlottes Buch alles um das aufregende Leben von Beate Uhse dreht, ist Tanjas Buch der zweite Band einer Trilogie um drei Schwestern am Bodensee. Frauenpower ist also in jedem Fall garantiert!

Welche weibliche Protagonistin hat Euch zuletzt so richtig überzeugen können?