[Buchgedanken] Mark Sullivan: „Das letzte grüne Tal“

In der letzten Zeit habe ich die historische Familiensaga „Das letzte grüne Tal“ von Mark Sullivan gelesen. Das Buch ist 2021 bei Tinte & Feder, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien ebenfalls 2021 unter dem Titel „The Last Green Valley“ bei Lake Union Publishing, Seattle. Die Übersetzung durch Peter Groth wurde durch Amazon Crossing ermöglicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die vermittelnde Agentur Buchcontact für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Ukraine, März 1944: Es ist tiefer Winter, als Adeline und Emil Martel mit ihren beiden kleinen Söhnen vor der Roten Armee fliehen müssen. Als Deutsche sind sie in ihrer Heimat nicht mehr sicher und es bleibt ihnen nichts Anderes übrig, als sich auf den beschwerlichen Weg gen Westen zu begeben. Der aber wird von den Nazis kontrolliert. Emil, der als Soldat Gräueltaten der SS miterlebte, muss weiter um die Sicherheit seiner Familie fürchten. Besonders, als Adeline einer Jüdin bei der Flucht hilft und sie alle in Gefahr bringt. Doch Emil und Adeline, geleitet von ihrem Glauben aneinander, gehen ihren Weg gemeinsam – immer weiter Richtung Westen.

„Das letzte grüne Tal“ reiht sich nahtlos in die vielen Familiensagen ein, die in den letzten Jahren über deutsche Familien zur Zeit des zweiten Weltkrieges geschrieben wurden. Und so bekannt mittlerweile auch die grundsätzliche Thematik der Vertreibung und Flucht, der Arbeitslager und Kriegsereignisse ist, so wichtig ist doch jede einzelne Geschichte – ist sie doch Zeugnis und Chronik einer Familie. So berührte es mich besonders, im Nachhinein im Internet nicht nur den Grabstein von Emil und Adeline, sondern auch die Historie der Firma und die zukünftigen Generationen zu finden. So wird Geschichte erlebbar und in der Realität verankert.

Die Handlung ist dabei – wenn auch genrebedingt durchaus vorhersehbar – spannend und abwechslungsreich, sie ist teils brutal und beschönigt nicht. So ist „Das letzte grüne Tal“ daher auch kein Buch für zwischendurch, kein Buch um abzuschalten, sondern fordert den Leser emotional und verlangt seine volle Aufmerksamkeit. Dabei sind die Ereignisse teils etwas zu pathetisch geschildert, Mark Sullivan wird jedoch nie zu belehrend.

Das Setting kann dabei auf ganzer Linie überzeugen. Egal ob das Deutschland der Nachkriegszeit, das Gefangenenlager in Poltrawa oder das besetzte Polen in den letzten Kriegswirren – um nur einige der Handlungsorte zu nennen – der Autor beschreibt anschaulich, lebensnah und erschreckend real, lässt das Kopfkino beim Leser sofort anspringen und fesselt ihn so ans Buch.

Die einzelnen Charaktere sind insgesamt – sicherlich auch aufgrund der historischen Vorbilder – plastisch und vielschichtig ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Hierbei glänzen neben Adeline insbesondere auch Nebenfiguren wie Esther, Malia oder das Ehepaar Schmidt, aber auch einige Antagonisten wie Iwanow können überzeugen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist schön, aber auch etwas austauschbar. Vorwort und Nachwort runden das Buch gut ab, allerdings hätte ich mich noch über eine Karte gefreut, die den Treck abbildet, um die Entfernungen noch greifbarer zu machen. Auch ein Stammbaum der Familie Martel hätte den Leser visuell noch besser abholen können.

Mein Fazit? „Das letzte grüne Tal“ ist eine aufwühlende historische Familiensaga, die vor allem durch ein tolles Setting und eine erschreckend anschauliche, spannende Handlung besticht. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16.

[Buchgedanken] Valerie Korte: „Liebe treibt die schönsten Blüten“

Ich unterbreche kurz die Messeberichterstattung für eine Buchbesprechung, quasi frisch aus Leipzig. Vor einiger Zeit habe ich „Liebe treibt die schönsten Blüten“ von Valerie Korte gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre Liebesroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kann man Liebe säen, wo sie nicht von selbst wächst? Das fragt sich Gartenbauerin Svea, als sie ausgerechnet im Rückenkurs den Landschaftsarchitekten Lars trifft. Nach 45 Minuten Faszienlockerung ist ihr klar: der und kein anderer. Von seiner Seite allerdings: null Interesse. Die Partnerübung mit dem Igelball endet im Desaster, und auch die wissenschaftlich geprüften Flirt-Tipps von Sveas Freundin Elisabeth zeigen keine Wirkung. Oder? Als Lars bei der Stadt Köln die Neugestaltung eines Platzes ausschreibt und Svea sich mit ihrer Firma bewirbt, kommt Bewegung in die Sache …

„Liebe treibt die schönsten Blüten“ ist ein klassischer Liebesroman, und daher eine gelungene Abwechslung zu den vielen Romance-Titeln in letzter Zeit. So steht die Protagonisten mitten im Leben und kommt aus einer jahrelangen Beziehung. Passend dazu sind auch die Konflikte im Buch andere – und älter. Berufliche Umwälzungen, Schicksalsschläge, Konfrontationen mit früheren Partnern: Svea und Elisabeth werden der prallen Realität des Lebens ausgesetzt. Dabei gelingt es der Autorin jedoch gut, die positive Grundstimmung des Buches dauerhaft beizubehalten, die Probleme nie zu schwer, zu belastend werden zu lassen, um den Leser nicht das Gefühl zu geben, in einer ausweglosen Situation festzustecken. Und so bleibt das Buch auch ein toller Feel-Good-Roman, ein perfekter Begleiter für den Alltag.

Das Setting überzeugt dabei mit viel Lokalkolorit – authentisch und bildhaft beschrieben. Karneval, Kölsch, Kneipen, tolerante und rheinische Frohnaturen. Da ich Anfang August eine Woche Urlaub in der Stadt mache – vielleicht gelingt es mir ja, den ein oder anderen Schauplatz aus dem Buch aufzusuchen. Sollte ich das schaffen, erfahrt Ihr hier natürlich alles darüber.

Dabei gelingt es der Autorin im Wesentlichen, eine spannende und abwechslungsreiche Handlung zwischen die Buchdeckel zu pressen, wenn auch das Ende relativ schnell und etwas zu abrupt kommt. Hier hätte man durchaus etwas mehr Raum lassen, etwas entschleunigen können. Die dafür notwendigen Seiten hätte man zur Not bei Elisabeths Handlungsstrang einsparen können, der zwar interessant, teils aber zu präsent war und teils das Gefühl erweckte, hier ihre diverse Lebensweise etwas zu stark in den Mittelpunkt rücken zu wollen. Gleiches gilt für die teils zu ausführlichen, etwas zu belehrenden Ausführungen zu naturnaher Gartengestaltung und zu Umweltschutzaspekten – so wichtig es auch ist, dass Svea sich dafür einsetzt. Etwas dezenter eingesetzt, hätten die einzelnen Szenen wie die Guerillaaktion auch mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Valerie Kortes Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino direkt anspringen. Dennoch hätte ich mir an einigen Stellen noch mehr Beschreibungen, noch mehr Eindrücke von Svea gewünscht – mit der man sich aufgrund der – perfekt gewählten – Ich-Perspektive allerdings sehr gut identifizieren kann. Die Charaktere sind insgesamt vielschichtig angelegt, haben eigene Stärken und Schwächen, Motive und Ziele. Dabei glänzen vor allem die Nebencharaktere wie Carla und Dieter.

Die Buchgestaltung überzeugt im Großen und Ganzen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, auch der Buchsatz ist im Wesentlichen gelungen – wenn sich mir auch die den Kapiteln vorangestellten Auszüge aus Brehms Tierleben nicht wirklich erklären. Zudem hätte ich mich gefreut, wenn sich die Playlist vorn im Buch wiedergefunden hätte – und nicht erst ganz am Schluss. Das Cover ist schön anzusehen und kann mit tollen, farbigen Coverinnenseiten aufwarten. Allerdings hätte ich mir einen etwas stärkeren Bezug zum Inhalt gewünscht – und der Lobgesang/blurb auf der Coverrückseite irritiert dann doch – bezieht er sich ja auf das Vorgängerbuch.

Mein Fazit: „Liebe treibt die schönsten Blüten“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Liebesroman mit einem tollen Setting und vielschichtigen Protagonisten. Kleinere Schwächen in der Handlung stören dabei das Lesevergnügen kaum. Für Leser von Liebesromanen bedenkenlos zu empfehlen – auch für solche knapp unter der vom Verlag ausgesprochenen Altersempfehlung von ab 16 Jahren.

[Buchgedanken] Christiane Dieckerhoff: „Verfehlt: Ein Spreewald-Krimi“ (Spreewald 2)

Vor einigen Tagen habe ich im Rahmen einer Leserunde „Verfehlt: Ein Spreewald-Krimi“ von Christiane Dieckerhoff gelesen. Das Buch ist 2021 in der Aufbau Verlag GmbH und Co. KG erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin, den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Tod auf dem Spreewaldfest. Kommissarin Klaudia Wagner und ihr Team sind auf dem Spreewaldfest darauf eingestellt, Betrunkene aus dem Verkehr zu ziehen und Streitigkeiten zu schlichten, doch dann fällt der Schützenkönig ermordet ins Hafenbecken. Während die Rettungskräfte noch damit beschäftigt sind, die Leiche zu bergen, verfehlt ein Wurfmesser den alten Schiebschick, Klaudias väterlichen Freund. Es gibt sogar eine Beschreibung des Täters: eine Gestalt in einem Gurkenkostüm. Als Klaudia Wagner mit ihrem Freund reden will, findet sie ihn mit einem Messer im Rücken lebensgefährlich verletzt. Ganz Lübbenau ist in Aufruhr. Ist das der Beginn einer Mordserie?

„Verfehlt“ ist nach „Vermisst“ der zweite Teil der Spreewald-Krimi-Reihe von Christiane Dieckerhoff um die sympathische Ermittlerin Klaudia Wagner. Trotz einiger Anspielungen auf den ersten Band ist dabei „Verfehlt“ durchaus als Standalone lesbar, ohne dass die einzelnen Figuren und Entwicklungen nicht nachvollzogen werden können, wobei ich natürlich, wenn man die Wahl hat, empfehlen würde, mit dem ersten Band einzusteigen.

Dabei überzeugt der Roman vor allem durch ein gelungenes und authentisches Setting mit viel Lokalkolorit. Als gebürtiger Brandenburger – wenn auch nicht aus dem Spreewald – fühlte ich mich sofort im Buch heimisch. Zudem verhehlt die Autorin auch die Probleme ländlicher bzw. kleinstädtischer Regionen nicht, seien es Integrationsmängel in den letzten Jahrzehnten, wenig durchlässige Gesellschaften oder auch die Diskrepanz zwischen Stadt und Land.

Auch die Handlung vermag im Großen und Ganzen zu überzeugen, wenn man auch aufgrund der Vielzahl an Figuren einen relativ schweren Einstieg in die Geschichte hat. Nach einigen Seiten wird man dann jedoch mit einer spannenden Handlung belohnt, die leider in der Mitte einige Längen hat und in einem eher unnötigen Cliffhanger endet. Abgesehen davon gelingt es der Autorin jedoch, mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung beim Leser für Spannung zu sorgen.

Christiane Dieckerhoffs Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen. Auch die Protagonisten sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem die Nebencharaktere um Demel, Meinert und Jones, während Klaudias Überfordertheit zwar durchaus nachvollziehbar ist, dennoch beim Lesen manchmal nervt.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sehr sauber gearbeitet. Das Cover vermittelt gut die Grundstimmung des Romanes, wobei sich das Titelbild über den gesamten Buchumschlag zieht und einen tollen Gesamteindruck erweckt. Lediglich die vorangestellte Dramatis Personae ist – inhaltlich – zu ausführlich und gibt dem Leser bereits Bilder der handelnden Personen vor, die er so nicht selbst entdecken kann.

Mein Fazit: „Verfehlt: Ein Spreewald-Krimi“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Regionalkrimi, der vor allem mit einem tollen Setting und einem locker-leichten Schreibstil glänzt, aber auch kleinere Schwächen in der Handlung aufweist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Clara Louise: „Golden: Vom Funkeln des Lebens“

In den letzten Tagen habe ich „Golden: Vom Funkeln des Lebens“ von Clara Louise – Lyrikerin und Social-Media-Star – gelesen. Das Buch ist 2021 in der Loud Media and Awareness GmbH erschienen und balanciert auf der Grenze zwischen Lyrik und Ratgeber. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die vermittelnde Agentur Buchcontact für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

„Golden“ ist eine Sammlung von Gedichten und kurzen Texten, von Illustrationen und Gedanken der Autorin, wobei sie ihren abschließenden Gedanken zu jedem Handlungsblock auch noch eine Übung hinzufügt, mit der der Leser zu sich finden, sich vervollkommnen und den Weg in ein „goldenes Leben“ erkennen soll. Dabei möchte ich voranstellen, dass ich die Übungen nicht durchgeführt habe, und daher auch nicht die Qualität des Buches als Lebensratgeber beurteile, sondern im Folgenden vor allem auf die literarischen Aspekte eingehe – schließlich ist das Buch ja auch als Lyrikband beworben und bei den Verkaufsportalen eingruppiert.

Lyrik – gerade moderne – darf und kann vieles, und so können auch die Texte in „Golden“ noch gerade so als Lyrik durchgehen, auch wenn sie sich lesen, als wären es mehr oder weniger kurze, fortlaufende Prosatexte, die der Einfachheit halber in Versform gepackt worden sind, frei, ohne erkennbare Formen und gänzlich reimfrei.

Abgesehen von der – mir etwas fehlenden Form – sind die Gedichte inhaltlich genau das, was sie versprechen, sind emotional, aufmunternd, aufbauend und mahnend. Sie zeichnen Bilder und Lebensentwürfe und regen – teils etwas zu belehrend – zum Nachdenken an. Mein Favorit ist hierbei „Illusion oder Wahrheit“, nicht nur, weil es noch am ehesten einem kurzen Poetry Slam gleicht, sondern auch inhaltlich abwechslungsreich ist und mit wirklich tollen Passagen glänzt.

Bei der Buchgestaltung haben sich kleinere Schwächen eingeschlichen. Während der Buchsatz noch solide gearbeitet hat, sind dem Lektorat/Korrektorat kleinere Sachen durchgerutscht, die zwar den Lesefluss nicht hemmen, bei der geringen Menge an Text natürlich aber trotzdem auffallen. Das Cover ist – über den gesamten Buchumschlag – hochwertig bedruckt, insgesamt aber auch relativ eintönig. Kleine, gestalterische, Lichtblicke werden jedoch durch die gelegentlich eingestreuten, süßen Illustrationen der Autorin gesetzt.

Mein Fazit: „Golden: Vom Funkeln des Lichts“ ist ein lyrischer Lebensratgeber, der mit emotionalen, lebensbejahenden Texten punktet, teils aber etwas zu belehrend und mit kleineren Schwächen in der Buchgestaltung daherkommt. Für die zahlreichen Fans der Autorin und für Menschen auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebnes bedenkenlos zu empfehlen – aber eher nichts für Leser, die ausschließlich nach guten Gedichten suchen.

[Buchgedanken] Olli Jalonen: „Die Himmelskugel

In der letzten Zeit habe ich den historischen Roman „Die Himmelskugel“ von Olli Jalonen in der Übersetzung von Stefan Moster gelesen. Das Buch ist 2021 im mareverlag veröffentlicht worden, die finnische Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel „Taivaanpallo“ bei Otava Publishing Company Ltd. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Mitten im Atlantik, auf der Insel St. Helena, träumt der achtjährige Angus einen großen Traum: Er will in die Fußstapfen des Sternenforschers Edmond Halley treten und dessen Gehilfe im fernen London werden. Angus übt für seine Laufbahn als Wissenschaftler, indem er tagsüber Vögel zählt und nachts die Position der Sterne markiert, wie Halley es ihm bei seinem Besuch auf der Insel beigebracht hat. Als es unter dem tyrannischen Gouverneur zu Unruhen kommt, rückt die Erfüllung von Angus‘ Traum unverhofft näher: Mit einem geheimen Brief wird er als blinder Passagier an Bord eines Schiffes geschickt, um in England die Hilfe des geschätzten Herrn Halley zu erbitten…

„Die Himmelskugel“ ist – trotz des Rückblicks auf vergangene Zeiten – ein visionärer Roman; ein Buch über die Aufklärung und frühe Wissenschaft, über Treue, Loyalität und Hoffnung, und wurde mit dem „Finlandia-Preis“ ausgezeichnet. Dabei wird das Geschehen ausschließlich aus Sicht des Protagonisten Angus erzählt, im Fließtext gibt er erzählend Gedanken, Gefühle und Gespräche wieder.

Diese ungewöhnliche Form, der Mangel an Struktur, das gänzliche Fehlen richtiger Dialoge machen hierbei einerseits den Reiz des Buches aus, erfährt man doch alles gefiltert aus der Sicht eines anfangs noch sehr jungen Kindes, sorgen andererseits aber auch dafür, dass insbesondere der Einstieg ins Buch durchaus schwer fällt, ist es doch ganz anders, als man es als Leser gewohnt ist. Wenn man sich aber darauf einlässt, erfährt man eine faszinierende Welt, wächst und lernt mit Angus mit, erkundet und bereist faszinierende Orte.

Und auch wenn mich das Ende etwas ratlos zurücklässt und die Geschichte etwas langsam in Gang kommt, ist die Handlung doch größtenteils spannend und voller neuer Entwicklungen und Erkenntnisse, versucht man doch, mit Angus die Zusammenhänge überhaupt erst zu verstehen, wobei vieles im Dunklen bleibt, weil es das Bewusstsein des Kindes sprengt, ihm gänzlich unbekannt und fremd ist.

Das Buch brilliert nicht zuletzt durch sein wunderbares Setting, die Gegenüberstellung von London und St. Helena, von Wissenschaft und Religion und verschiedensten Gesellschaftsschichten und porträtiert so das Leben am Ende des 17. Jahrhunderts in einer Welt, die für nahezu alle Menschen sehr überschaubar ist, sieht man von Visionären wie Edmond Halley ab.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls stimmig und passt sich der Erzählweise von Olli Jalonen an. Das Cover spiegelt den Inhalt wieder, zieht sich leider jedoch nicht über den gesamten Buchumschlag und wird am Buchrücken unterbrochen, bevor sich das Bild auf der Coverrückseite fortsetzt. Das Buch unter dem Umschlag ist schlicht, bietet aber immerhin farbige Coverinnenseiten, die das Titelbild aufgreifen.

Mein Fazit: „Die Himmelskugel“ ist ein literarisch wertvoller historischer Roman, der mit einem brillanten Setting und einer ausgeklügelten Erzählweise punktet – wenn man sich darauf einlässt. Für Liebhaber anspruchsvoller Literatur bedenkenlos zu empfehlen – kein Buch für zwischendurch!

[Buchgedanken] Ulla Mothes: „Geteilte Träume“

In der letzten Zeit habe ich „Geteilte Träume“ von Ulla Mothes gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag zur Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Berlin, 1992: Erst als junge Frau erfährt Ingke, dass sie als Säugling zu DDR-Zeiten adoptiert wurde. Wer sind ihre wahren Eltern? Warum haben sie sie einst weggegeben? Und was bedeutet das für ihr Leben heute? Sie macht sich auf die Suche und stößt auf die Geschichte ihrer Herkunftsfamilie, die nach einem gescheiterten Fluchtversuch ihre Tochter verlor. Auf einmal hat die junge Frau zwei Familien, die um sie ringen: Ihre leibliche Mutter, die irgendwann von der BRD freigekauft wurde und bisher nichts über Ingkes Verbleib weiß. Und ihre vermeintlichen Eltern, bei denen sie behütet und geliebt aufgewachsen ist. Doch muss sie sich tatsächlich entscheiden?

„Geteilte Träume“ ist keine leichte Kost. Es ist vielmehr eine Familiensaga, die auch vor den dunkleren Kapiteln der deutschen Teilung nicht zurückschreckt, dabei aber nie den Fokus auf die Familie verliert. Informativ, aber nie belehrend, zeigt Ulla Mothes durch ihre Figuren anschaulich, wie nah Zerrissenheit und Verbundenheit zusammenhängen, und dass man durchaus auch differenziert zum totalitären System der DDR stehen konnte – in einer Grauzone zwischen totaler Ablehnung und fanatischer Zustimmung.

Dabei erkundet die Protagonistin Ingke die Vegangenheit ihrer Familien durch Erzählungen, durch geschickt eingestreute Rückblenden, und erlebt so die Geschichte mehrererer Generationen, während die eigentliche Handlung sich nur über etwa zwei Monate erstreckt. Und so kraftvoll und atmosphärisch die Rückblicke sind, so emotional und beklemmend die Ereignisse geschildert werden, so überzeichnet wirkt – zumindest im Vergleich – die Handlung in der Gegenwart, die von multiplen Schicksalsschlägen und Katastrophen, von jahrzehntealten Zerwürfnissen und mühsam gehüteten Geheimnissen geprägt ist, die alle mir nichts dir nichts mit einem Federstrich bereinigt werden können – etwas konstruiert.

Dahingegen überzeugt das vergangene Setting vollends und zeigt anschaulich und authentisch den damaligen Alltag, gut und verständlich recherchiert und von der Autorin in einem leicht und flüssig lesbaren Schreibstil dargestellt, sodass der Leser direkt mitgenommen wird. Dabei begeistert vor allem Marens Episode vollends und sorgt für emotionale Höhepunkte.

Insgesamt sind die einzelnen Protagonisten vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Während Ingke aufgrund ihres Alters hier noch etwas blass bleibt, teils nicht nachvollziehbar handelt, sind es daher vor allem die Nebenfiguren, die das Buch tragen. Besonders gefallen haben mir hier Maren, Otto, Emma und Bernhard.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und nur minimale Kleinigkeiten durchrutschen lassen. Das Cover ist hochwertig geprägt und verfügt über wunderschöne ausklappbare, farbige Coverinnenseiten. Das Titelbild, das sich in den Coverinnenseiten spiegelt wird leider durch den Buchrücken unterbrochen und zieht sich somit nicht über den gesamten Umschlag. Zudem wirken die auf dem Titel abgebildeten Menschen wie Fremdkörper, deplatziert – ohne diese hätte das Cover noch besser ausgesehen.

Mein Fazit? „Geteilte Träume“ ist eine berührende und aufwühlende Familiensaga, die vor allem durch wunderbar recherchierte und beklemmend erzählte Rückblenden punktet, in der gegenwärtigen Handlung aber kleinere Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Familiensagen und Fans der deutsch-deutschen Geschichte bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Anne Prettin: „Die vier Gezeiten“

Vor kurzem habe ich „Die vier Gezeiten“ von Anne Prettin gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen und dem Genre Familiensaga zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Die Kießlings gehören zu Juist wie die Gezeiten. Als Patriarch Eduard das Bundesverdienstkreuz erhält, kommen sie alle zusammen: Eduards Frau Adda, die drei Töchter, sowie Großmutter Johanne. Doch in die Generalprobe platzt Helen aus Neuseeland, die behauptet, mit der Sippe verwandt zu sein. Und tatsächlich: Sie ist Adda wie aus dem Gesicht geschnitten. Gemeinsam gehen sie dem Rätsel ihrer Herkunft nach. Denn Adda ahnt: Der Schlüssel zur Wahrheit liegt im familieneigenen Hotel de Tiden, dort, wo vor 75 Jahren alles begann.

„Die vier Gezeiten“ ist eine packende, mitreißende Geschichte, ein Buch über die Kraft der Liebe, über Geheimnisse, Verrat und Schuld. Und es ist ein Buch über Freundschaft, über Zusammenhalt und Verzeihung – ein Epos über das Innerste einer Familie. Dabei kommt der symbolträchtigen „Vier“ eine zentrale Rolle in der Geschichte zu. Vier Generationen, vier Töchter – vier Gezeiten.

Das Buch spielt im Wesentlichen auf drei Zeitebenen: der „Gegenwart“ im Jahr 2008, der Jugend Johannes um 1934 und der Jugend Addas um 1956/57. Allerdings wird über Tagebucheinträge, die ich um Spoiler zu vermeiden nicht weiter klassifizieren möchte, „überraschenderweise“ eine vierte Zeitebene eingebaut. Durch den ständigen Wechsel zwischen den Ebenen ist die Handlung sehr sprunghaft und unstet, greift aber im Wesentlichen gut ineinander, auch wenn man sich bisweilen etwas orientieren und die Namen sortieren muss.

Insgesamt packt die Handlung den Leser durchaus und sorgt dafür, dass er mit den Figuren mitfiebert, mitlacht und -trauert. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sich Autorin und Geschichte in der Mitte des Buches etwas verlieren, bevor das Ende rasant, unerwartet plötzlich – und vor allem viel zu kurz und verdichtet daherkommt. Hier hätten einige Seiten mehr, etwas Entschleunigung durchaus gut getan – und zur Not hätten sie früher eingespart werden können.

Abgesehen davon gibt es allerdings wenig zu bemängeln. So ist die Kulisse, das Setting des idyllischen Juist über Generationen hinweg, bezaubernd, und die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen dreidimensional und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Und auch wenn einige Entwicklungen vorhersehbar sind, einige Geheimnisse sich bereits vorausahnen lassen, so überrascht die Autorin doch den Leser zusammen mit den Figuren immer mal wieder auch mit unerwarteten Wendungen. Dabei lässt sich Anne Prettins Schreibstil wunderbar und flüssig lesen, er ist gefühlvoll und humorvoll und sorgt dafür, dass beim Leser das Kopfkino sofort anspringt.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls überwiegend. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist farblich toll und leicht geprägt, das Titelbild allerdings etwas belanglos, hier hätte etwas mehr Bezug zum Inhalt aus meiner Sicht nicht geschadet.

Mein Fazit? „Die vier Gezeiten“ ist eine gelungene Familiensaga, ein Roman über kleine und große Geheimnisse, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende Handlung glänzt, in der Mitte aber kleinere Längen hat. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] John Garth: „Die Erfindung von Mittelerde. Was Tolkien zu Mordor, Bruchtal und Hobbingen inspirierte“

In der letzten Zeit habe ich das Sachbuch „Die Erfindung von Mittelerde. Was Tolkien zu Mordor, Bruchtal und Hobbingen inspirierte“ von John Garth gelesen. Das Buch ist 2021 bei wbg THEISS erschienen, die Originalausgabe erschien 2020 unter dem Titel „The Worlds of J.R.R. Tolkien. The Places That Inspired Midle-Earth“ bei Frances Lincoln, Quarto Publishing. Vielen Dank an dieser Stelle an wbg und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Was sind die realen Vorbilder für die Schauplätze von Tolkiens Romanen? Inspiration fand der Schriftsteller in den Landschaften, Bergen und Wäldern Großbritanniens, aber auch in seiner südafrikanischen Heimat und auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs. Gestützt auf sein profundes Wissen über Leben und Werk Tolkiens identifiziert der mehrfach preisgekrönte Autor John Garth die Orte, die dem Schöpfer von Mittelerde als Anregung für das Auenland, Bruchtal oder die Höhlen von Helms Klamm dienten.

„Die Erfindung von Mittelerde“ ist ein Sachbuch, das sich mit möglichen Inspirationsansätzen für Tolkiens Welten, nicht nur aus dem „Herr der Ringe“ oder dem „Hobbit“, sondern auch mit seinen früheren Werken befasst. Dabei stellt der Autor allerdings auch klar, dass es durchaus verschiedene Ansätze zu einzelnen Inspirationsquellen gibt, kann doch nicht in jedem Fall Tolkiens Grundlage gesichert festgestellt werden. Dadurch wird „Die Erfindung von Mittelerde“ eine Sammlung von Indizien und Querverweisen, eine Mischung aus gesicherten und (plausibel) angenommenen Fakten.

Dargestellt wird die Sammlung in 11 thematischen Kapiteln, die aufgrund der Zeitsprünge munter vor und zurück verweisen, im groben aber schon so angeordnet worden sind, dass Tolkiens Schaffenswerk vom frühen Legendarium bis zum Kampf um Mordor nachvollzogen werden kann. Dabei wird jedem Leser bewusst, wie komplex und vielschichtig, aber auch wie im Wandel begriffen Tolkiens Werk war, das auch von aufgegebenen Ideen, Umbenennungen und späteren Korrekturen und Anpassungen geprägt war.

Die Faszination des Autors für das Werk Tolkiens und dessen Leben wird dabei mit jeder Seite deutlich – man kann sich ihr nur schwerlich entziehen. Doch auch wenn man unglaublich viel lernt und immer auf neue Ansätze und Erklärungen stößt und Fakten entdeckt, fällt es zuweilen doch schwer, dem Autor zu folgen. Zumindest geht es mir so, der zwar mit Tolkiens wichtigsten Werken vertraut ist, darüber hinaus aber wenig von ihm gelesen hat. Persönlich hätte ich mir auch mehr Informationen zum literarischen Weltenbau gewünscht – dies hätte auch das Verständnis erhöhen können. So erklärt der Autor zwar die jeweiligen (gedanklichen) Ursprünge der Elfen, von Sauron und Saruman, den Orks oder Hobbits, Informationen zu der glaubhaften Erstellung eines Gleichgewischts zwischen diesen, zu Magiekonzepten oder zur Schaffung plausibler Zeitlinien sind aber rar gesät.

Nichtsdestotrotz bleibt „Die Erschaffung von Mittelerde“ ein faszinierendes Kompendium, ist es doch gleichzeitig Ideensammlung und Nachschlagewerk, liefert Informationen über die Zeit Tolkiens und besticht durch unglaublich viele und tolle Abbildungen, seien es Illustrationen, teils von Tolkien selbst, oder auch zeitgenössische Fotografien oder Karten. Dabei ist das Verhältnis von Text und Bild ausgewogen, die Sprache an und für sich verständlich.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind kleinere Fehler durchgerutscht, die sich aber noch im Rahmen halten, der Buchsatz ist sauber und wirklich gelungen. Das Cover ist wunderschön, der Buchrücken eher unscheinbar und die Druckqualität bestechend.

Mein Fazit? „Die Erfindung von Mittelerde“ ist ein informatives und ungemein spannendes Nachschlagewerk für Tolkien- und Mittelerde-Fans, das vor allem durch die schiere Informationsmenge und bestechende Abbildungen glänzt. Aufgrund der vielen Details und des hohen Anspruchs nichts für Tolkien-Anfänger – aber Liebhaber werden es zu schätzen wissen!

[Buchgedanken] Rena Rosenthal: „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ (Hofgärtnerinnen 1)

In der letzten Zeit habe ich im Rahmen einer Leserunde „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“, den ersten Band der Hofgärtnerinnen-Saga von Rena Rosenthal gelesen. Das Buch ist 2021 im Penguin Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als historischer Roman beziehungsweise als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Oldenburg, 1891. Als Gärtnerin in der Natur zu arbeiten und die schönsten Blumen dieser Welt zu züchten, davon träumt Marleene schon ihr ganzes Leben. Doch ihr Wunsch scheint unerreichbar, denn eine Gärtnerlehre ist allein Männern vorbehalten. Aber Marleene gibt nicht auf: Kurzerhand schneidet sie sich die Haare ab und verkleidet sich als Junge – und bekommt eine Anstellung in der angesehenen Hofgärtnerei. Marleene ist überglücklich! Doch die anderen Arbeiter machen ihr den Einstieg alles andere als leicht, und es wird zunehmend komplizierter, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Als sie dann auch noch die beiden charmanten Söhne der Hofgärtnerei kennenlernt, werden ihre Gefühle vollends durcheinandergewirbelt. Marleene muss sich entscheiden – folgt sie ihrem Traum oder ihrem Herzen …

Mit „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ legt Rena Rosenthal einen gelungenen Auftakt in die Reihe um die Hofgärtnerinnen vor. Dabei ist der Roman nicht nur Familiensaga, sondern auch ein Spiegelbild der damaligen gesellschaftlichen Entwicklungen, porträtiert er doch, ohne allzu belehrend zu werden, den beginnenden Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und die Rolle der Frau sowie die zarte Auflehnung gegen die immer noch herrschende Unterdrückung.

Dabei begeistert der Roman vor allem durch sein tolles Setting. Das Oldenburg im jungen Kaiserreich, die Hofgärtnerei, die Reise nach Holland – Rena Rosenthal beschreibt anschaulich und zeittypisch die Handlungsorte des Romanes. Die historischen Ungenauigkeiten, auf die die Autorin im Nachwort hinweist, halten sich dabei noch im akzeptablen Rahmen.

Die Handlung ist an und für sich spannend und abwechslungsreich und bietet immer mal wieder ungewohnte Wendungen, die teils aber etwas konstruiert anmuten. Leider werden zum Ende hin aber nur ein Bruchteil der Handlungsstränge aufgelöst, was natürlich viel Potential für die Folgeteile verspricht, allerdings auch dafür sorgt, dass „Frühlingsträume“ nicht als Standalone gelesen werden kann.

Die einzelnen Figuren sind größtenteils vielschichtig angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere auch die Nebencharaktere wie Bruno, Frieda oder Rosalie, über die ich gern in den Folgebänden noch mehr erfahren wollen würde.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und der gesamte Buchumschlag ist hochwertig (auch auf den Klappen!) geprägt, wunderschön anzuschauen und mit tollen farbigen Coverinnenseiten versehen. Das traumhafte Titelbild ist ein wahrer Eyecatcher, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung abgeht, ist Marleene doch ein sehr junges Mädchen mit hellblonden Haaren. Zudem ist im Nachgang zur Geschichte der informative Part mit 25 Seiten meines Erachtens nach etwas zu lang geraten. Zumindest die Fliederfakten und -rezepte hätte man sicherlich auslagern können.

Mein Fazit? „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ ist ein gelungener Auftakt in die Buchreihe um die Hofgärtnerinnen, der vor allem durch ein wunderschönes Setting und tolle Charaktere besticht. Kleinere Schwächen in der Handlung sind dabei zu verschmerzen – ich freue mich schon sehr auf Teil 2. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Odine Raven: „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“

Vor kurzem habe ich im Rahmen einer Leserunde „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ von Odine Raven gelesen. Das Buch ist 2021 in der Green Eyes Books GbR erschienen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin, den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Vicky ist angehende Archäologin und gerade von einer Ausgrabung an einer Kreuzfahrerfestung in Israel nach Hause zurückgekehrt. Plötzlich geschehen an ihrem Institut seltsame Dinge, und dann taucht auch noch der rätselhafte Leonhard auf und behauptet, er sei ein leibhaftiger Tempelritter! Sie kann sich seiner mysteriösen Art nicht entziehen und verliebt sich unweigerlich in ihn. Doch er hat einen Auftrag zu erfüllen!

„Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ lässt sich schwierig in ein Genrekorsett pressen, daher habe ich die Zuordnung auch – dem aufmerksamen Leser mag es aufgefallen sein – oben unterlassen. Denn der Roman wird vom Verlag auf dem Cover als „Urban Fantasy“ beworben, was ganz technisch stimmen mag, ist aus meiner Sicht aber doch mehr der Romantasy zuzuordnen, da im Mittelpunkt der Handlung klar die Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten steht. So taucht der eigentliche, im Klappentext geteaserte, Auftrag des Ritters erst zum Ende hin auf, und wird relativ komplikationslos, teils unlogisch und schnell abgearbeitet – mir fehlt es hier an Stolpersteinen, an – gerade für Urban Fantasy wichtigen – Handlungselementen, die den Erfolg der Mission infrage stellen.

Die Liebesgeschichte überzeugt jedoch im Wesentlichen, wenn auch die Protagonistin Vicky sich dezent übergriffig verhält (einem Mann würde man dieses Verhalten sicherlich nicht durchgehen lassen). Darüber hinaus sind die Gefühle gut dargestellt, insbesondere Leonhards Zerrissenheit, die ihn charmanterweise immer mal wieder ins interessante Mittelhochdeutsch abgleiten lässt, wird für den Leser gut spürbar.

Angenehm aufgefallen ist auch, dass die Schauplätze in Heidelberg authentisch ausgesucht und recherchiert worden sind. Als Heidelberger erkennt man die Orte wieder, kann die Bewegungen der Protagonisten in der Stadt somit gut nachvollziehen, egal ob Marstall, Jesuitenkirche oder archäologisches Institut. Auch das jeweilige Setting im Odenwald, in Israel und in Rom überzeugt, wenn auch die Reisen dorthin etwas unlogisch verlaufen.

Odine Ravens Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen. Die lateinischen und mittelhochdeutscchen Passagen sind gut eingebaut, lediglich die Darstellung des Dialekts des Abbé und die teils sehr flapsige Umgangssprache fallen hier etwas ab.

Die Buchgestaltung zeigt hingegen einige Schwächen. Zwar sind dem Lektorat/Korrektorat generell nur vereinzelt Dinge durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten, aber es ist ein absolutes No-Go, dass sich auf S. 122 eine markierte Textstelle befindet. Wie so etwas eine finale Kontrolle überstehen kann, ist mir absolut schleierhaft. Auch der Buchsatz vermag im Ergebnis nicht zu überzeugen. Mangels Siltentrennung am Zeilenende entsteht ein sehr uneinheitliches Schriftbild, das in dem auch für die letzten Zeilen eines jeden Kapitels genutzten Blocksatz gipfelt, der teils nur 2 Wörter auf die komplette Zeile erstreckt. Positiv anzumerken ist jedoch, dass das Coverbild Bezug zur Handlung nimmt, Augenfarbe des Mannes und Frisur der Frau mit den im Buch beschriebenen Protagonisten übereinstimmen.

Mein Fazit: „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ ist ein Fantasy-Roman, der vor allem durch eine tolle Liebesgeschichte punktet, in der restlichen Handlung und der Buchgestaltung aber auch einige Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Romantasy daher zu empfehlen.