In der letzten Zeit habe ich „Eine Räuberballade“ von Annegret Held gelesen, den abschließenden Teil ihrer „Westerwald-Chronik“. Das Buch ist 2020 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Der Westerwald im ausgehenden 18. Jahrhundert: ein armer Flecken Land, wo ein jeder sein Päckchen zu tragen hat. Auch im Dörfchen Scholmerbach kämpfen die Menschen ums Überleben. Den frommen Bauern Wilhelm hat es besonders hart getroffen: die Frau seit Jahren bettlägerig, der Sohn rotzfrech und stinkfaul. Als dieser Nichtsnutz sich auch noch einer der brutalen Räuberbanden anschließt, die marodierend durch die Lande ziehen, steht ganz Scholmerbach kopf. Jeder versucht auf seine ganz eigene Weise, den Dorffrieden zu retten – mal mehr, mal weniger erfolgreich.
Die größte Besonderheit des Buches ist, dass die Dialoge in Mundart verfasst sind. Dies gibt dem Roman einerseits Authentizität, andererseits erschwert es auch das Lesen für Leser, die damit nicht vertraut sind – und sorgt für einen mühsamen Einstieg ins Buch, der auch durch einen unnötigen Perspektivwechsel am Anfang weiterhin verkompliziert wird.
Wenn man sich dann jedoch auf das Buch eingelassen – und mit der Mundart vertraut gemacht – hat, belohnt die Autorin einen mit einer humorvollen, spannenden Geschichte über die Bewohner Scholmerbachs. So folgt man Hannes und Gertraud, Wilhelm und Liesel durchs Leben – deren Handlungsstränge sie von Scholmerbach in die weite Welt hinaus tragen, nur um sie dann zum Schluss wieder zusammenzubringen.
Auch das Setting vermag auf ganzer Linie zu begeistern, spürt man doch die Liebe der Autorin zum Detail, zur Geografie, Geschichte und zu den Eigenarten des Westerwaldes – insbesondere der Handlungsstrang von Gertraud überzeugt hier vollends.
Die Charaktere entwickeln sich im Verlauf der Handlung weiter, sind dreidimensional angelegt und haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive – und sind doch vor allem geprägt durch Gottvertrauen, Schicksalsergebenheit, Heimatliebe und Familienbande. Insbesondere die Zerrissenheit von Wilhelm, der Kampf zwischen Glauben und Liebe, ist der Autorin gut gelungen.
Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, der Umschlag bzw. das Cover ist schlicht, aber edel – und farblich interessant.
Mein Fazit? „Eine Räuberballade“ ist ein gelungener, historischer Heimatroman über die Bewohner von Scholmerbach, der mit einem wunderschönen Setting und einer spannenden und witzigen Handlung punkten kann, aber aufgrund der Dialekte in Mundart teils sehr schwer zu lesen ist. Für Leser, die sich darauf einlassen können, bedenkenlos zu empfehlen.



Ende des 8. Jahrhunderts in Nordjütland: Als Zeichen der Freundschaft zwischen Dorsteinn und Limgard wird die Jarlstochter Turid in die alte Heimat ihrer Mutter gesandt. Nur widerwillig verzichtet sie dort auf ihre gewohnten Freiheiten. Im Dorf zu bleiben und zu weben, während die Männer auf Raubzug ziehen, widerspricht gänzlich dem Leben, das sie vom Hof ihres Vaters kennt. Dennoch zögert sie, als sich ihr die Gelegenheit zur Rückkehr nach Hause bietet: Längst hält sie mehr in Limgard, als sie sich eingestehen möchte. Ausgerechnet die Limgarder Rorik und Svein, die einander näher stehen als Brüder, verlieben sich in Turid. Aus Gefährten werden Konkurrenten. Bis ihr gemeinsamer Freund Hakon sie zu einem anderen Abenteuer lockt. Angespornt durch Gerüchte über eine Insel voller Reichtümer, brechen die drei Männer an Bord der in die Jahre gekommenen Meereswolf zu einer Víking auf. Ihr Ziel: England – und ein Platz in den Liedern der Skalden. Doch die Unternehmung soll anders verlaufen, als erhofft …
In „Tage des Sturms“ begleitet man zwei deutschstämmige Familien auf ihrem Schicksalsweg durch die Gebiete der Sowjetunion. In den 30er Jahren wütet das Regime mit Enteignungen und Verhaftungen in den wohlhabenden Dörfern auf der Krim. Nachdem sich Wilhelm Scholz weigert, seinen letzten Grundbesitz an den Staat zu überschreiben, wird er mit seiner Frau und den Kindern mitten in der Nacht von Bewaffneten aus dem Haus gezerrt. Zu Baumfällarbeiten eingeteilt, kämpft die Familie inmitten von Krankheit, Kälte und Hunger ums Überleben. Samuel Pfeiffer entgeht einem ähnlichen Schicksal nur durch seine rechtzeitige Flucht. Doch als deutscher Lehrer wird er immer wieder verfolgt und denunziert. Und so beginnt für ihn und seine Familie eine Odyssee von der Krim bis nach Baku.
Als sein Vater verbrannt wird, beschließt Tyll ein Leben in der Fremde zu suchen und brennt mit Nele durch. Im Laufe seines Lebens trifft er nicht nur den legendären Winterkönig, sondern auch andere zeitgeschichtliche Personen, nimmt am 30-Jährigen Krieg teil und wird selbst zur Sagengestalt.
Im zweiten Band der Reihe begleitet man die Geschicke von Louise Herbst (ehemals von Konsigny) und ihrer Familie in den Wirren des Nachkriegsdeutschlands von 1945 bis ins Jahr 2000. Eingebettet in eine Rahmenhandlung, in der Charly die Tagebücher ihrer verstorbenen Großmutter Louise liest, erlebt man die historischen Ereignisse hautnah mit der Familie. Sei es die Teilung Deutschlands, der beispiellose Terror der RAF oder die Wiedervereinigung – selbst im beschaulichen München ist die Familie Herbst davon direkt betroffen. Doch öffnen Louises Tagebücher ihrer Enkelin endlich die Augen? Gelingt es Charly, sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen?