[Buchgedanken] Ella Zeiss: „Wie Gräser im Wind: Tage des Sturms“ (Band 1)

Als letztes Buch des Jahres möchte ich heute „Wie Gräser im Wind: Tage des Sturms“ vorstellen. Das Buch ist von Elvira Zeißler unter dem Pseudonym Ella Zeiss im Selfpublishing veröffentlicht worden und als historischer Roman / Familiensaga einzuordnen. Mit dem Roman gewann die Autorin 2018 den Kindle Storyteller Award – vielen Dank an dieser Stelle auch an Kindle Direct Publishing / Amazon Media für die Bereitstellung eines Leseexemplars auf der Frankfurter Buchmesse.

51BVUnGWpDL._SX322_BO1204203200_In „Tage des Sturms“ begleitet man zwei deutschstämmige Familien auf ihrem Schicksalsweg durch die Gebiete der Sowjetunion. In den 30er Jahren wütet das Regime mit Enteignungen und Verhaftungen in den wohlhabenden Dörfern auf der Krim. Nachdem sich Wilhelm Scholz weigert, seinen letzten Grundbesitz an den Staat zu überschreiben, wird er mit seiner Frau und den Kindern mitten in der Nacht von Bewaffneten aus dem Haus gezerrt. Zu Baumfällarbeiten eingeteilt, kämpft die Familie inmitten von Krankheit, Kälte und Hunger ums Überleben. Samuel Pfeiffer entgeht einem ähnlichen Schicksal nur durch seine rechtzeitige Flucht. Doch als deutscher Lehrer wird er immer wieder verfolgt und denunziert. Und so beginnt für ihn und seine Familie eine Odyssee von der Krim bis nach Baku.

„Wie Gräser im Wind: Tage des Sturms“ ist ein würdiger Gewinner des Storyteller Awards und ganz anders als die Siegertitel der letzten Jahre. Der Roman beleuchtet ein bislang eher vernachlässigtes Kapitel der europäischen Geschichte und bringt dieses auf anschauliche und eindringliche Weise an den Leser. Der Roman wirkt umso authentischer und beklemmender, als dass er auf wahren Begebenheiten, auf der Familiengeschichte der Großeltern der Autorin basieren soll.

Durch die Dopplung der Geschichte, durch die Beschreibung der Erlebnisse zweier Familien (die im Folgeband dann wohl verbunden werden), ist der Roman etwas sprunghaft, handelt von vielen Personen. Auch wenn dieser Wechsel nicht immer ganz einfach fällt, wenn eine stärkere Trennung vielleicht sinnvoller gewesen wäre, gelingt es der Autorin doch, den Leser an beide Familien zu binden, ihn mit allen Protagonisten leiden und mitfühlen zu lassen. Dabei nimmt sich die Autorin zurück und lässt die Handlungen wirken, lässt die Angst, Sorge und Verzweiflung der Protagonisten durch die Zeilen auf den Leser übergreifen. Niemals belehrend nimmt Ella Zeiss den Leser an die Hand und führt ihn durch die Geschichte, hinein in die aufziehenden Gewitterwolken, die über ganz Europa hängen und ihre Schatten bereits auf die Handlung werfen.

Dabei wird die Spannung dauerhaft gehalten, lässt den Leser kaum durchatmen und die ganze Zeit Schlimmes fürchten. Auch wenn das Buch bereits sehr bildhaft gehalten ist, hätte ich mir teils noch detailliertere Beschreibungen, teils noch stärkere Bilder gewünscht, um die krassen Gegensätze noch intensiver für den Leser spürbar zu machen, um das beklemmende Setting noch realer in den Köpfen zum Leben zu erwecken.

Die Buchgestaltung ist sehr überzeugend, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet. Der ordentliche Buchsatz ist von der Storyteller-X-Award-Gewinnerin Corinna Rindlisbacher, das ausdrucksstarke Cover von der erfolgreichen Selfpublisherin Laura Newman – geballte Kompetenz!

Mein Fazit? „Wie Gräser im Wind: Tage des Sturms“ ist ein überzeugender historischer Roman, der vor allem durch seine eindringliche und ausdrucksstarke Schilderung der historischen Ereignisse überzeugt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen!

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