[FBM2021] Tag 1 – Ein Tag, ganz im Zeichen von Fanliebe und Hochkultur (Teil 2)

Nachdem ich im ersten Teil des Tagesberichts über die besuchten Veranstaltungen geschrieben habe, ist es jetzt endlich soweit, und ich kann Euch meinen Moment der Messe präsentieren – mit Leia Holtwick. Als Liebhaber von Jugendbüchern und als Fan von Pferdefilmen war ich 2018 auf der Buchmesse hin und weg von der Präsentation der Neuverfilmung der „Immenhof“-Reihe – und konsequenterweise 2019 dann auch bei „Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers“ im Kino. Als in diesem Jahr dann endlich verkündet wurde, dass 2022 der neue Teil, „Das Große Versprechen“ in den Kinos erscheinen wird – und wieder eine Trailerpräsentation auf der Buchmesse angekündigt worden ist, war für mich direkt klar, zu welchem Stand es mich ziehen wird. Und obwohl Leia es auf Instagram mitgeteilt hat, hätte ich es nie gedacht, dass ich sie dort treffe – ganz nahbar, persönlich und supernett hat sie Autogramme gegeben, Fotos gemacht und erzählt, wie gespannt sie auf den Film ist. Mein absoluter Fanboy-Moment der Messe – der Besuch hat sich bereits jetzt mehr als gelohnt.

Welchen Kinostar würdet Ihr gern mal treffen? Kennt Ihr die neuen Immenhof-Filme? Falls nicht, lasse ich mal einige Impressionen da =).

[Buchgedanken] Lisabeth Posthuma: „Baby & Solo“

In der letzten Zeit habe ich „Baby & Solo“ von Lisabeth Posthuma, übersetzt von Sophie Zeitz, gelesen. Das Buch ist 2021 in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG erschienen und als Jugendbuch einzuordnen, die Originalausgabe erschien 2021 unter gleichem Titel bei Candlewick Press. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Teilzeitjob in einer Videothek verspricht endlich den Neubeginn, den Joel so lange herbeigesehnt hat. Nach jahrelanger Therapie will er die Vergangenheit hinter sich lassen. Seine neue Stelle scheint perfekt dafür: Dort darf er sich sogar einen anderen Namen geben – „Solo“, wie aus seinem Lieblingsfilm Star Wars. Endlich ein unbeschriebenes Blatt sein. Er punktet bei den Kollegen mit Ratschlägen, die er sich von Motivationspostern borgt, und freundet sich mit der schlagfertigen Nicole alias „Baby“ an, die seine Filmliebe teilt. Doch zu einer Freundschaft gehört auch Offenheit, und Nicole ahnt, dass Joel etwas verschweigt. Er muss sich entscheiden: Gibt er mehr von sich preis – oder setzt er ihre Freundschaft aufs Spiel?

„Baby & Solo“ wird vom Verlag als ein Buch für Fans von Benedict Wells und John Green beworben. Und auch wenn der Vergleich – zumindest noch – vielleicht etwas vermessen ist, haben John Greens Jugendbücher doch eine ganze Generation geprägt, ist Lisabeth Posthuma mit „Baby & Solo“ ein kleines Meisterwerk gelungen, das sich wunderbar liest, mit tollen, zitierwürdigen Stellen gespickt ist und zum Nachdenken anregt – definitiv eines meiner Jahreshighlights (trotz der noch vorhandenen Luft nach oben).

Bereits das Setting überzeugt hier auf ganzer Linie. Amerikanisches Kleinstadtflair, eine angestaubte Videothek, ein Tanktop-Diner – die Autorin lässt das Kopfkino sofort anlaufen und nimmt den Leser – auch durch die Beschreibung liebevoller Details – auf eine Reise mit, die von wundervollen Bildern nur so strotzt.

Die Handlung ist spannend, aufrüttelnd und abwechslungsreich, zwar teils vorhersehbar, aber nicht weniger wichtig. Lisabeth Posthuma beschränkt sich dabei nicht auf einen großen Problem-/Themenkreis, sondern baut geschickt mehrere ein, ohne aber das Buch zu sehr zum Schicksalsroman abdriften zu lassen. Zwar gibt es in der Mitte einige Längen – und die Figuren handeln nicht zwingend nachvollziehbar, dies fällt aber bei der unglaublichen Wucht der Geschichte kaum ins Gewicht. Gut gelöst ist zudem, dass am Buchende auf Kontakt- und Beratungsstellen für Betroffene hingewiesen wird – eine viel sinnvollere Lösung als eine Triggerwarnung zu Beginn, auf die hier auch verzichtet wird.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene ZIele und Motive. Insbesondere Joel/Solo und Jessica/Scarlet stechen hier heraus und überzeugen. Lisabeth Posthumas Schreibstil ist dabei einfühlsam, lässt sich leicht und flüssig lesen, strotzt dennoch aber vor Gefühlen – toll übersetzt von Sophie Zeitz, die auch bereits John Greens Romane ins Deutsche übersetzte. Gut gelungen sind hierbei auch die Passagen, in denen sich Joel direkt an den Leser wendet.

Auch die Buchgestaltung reiht sich in den tollen Gesamteindruck ein. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist relativ schlicht, aber dennoch schön – insbesondere die Coverrückseite gefällt mir besonders, während am Titelbild vielleicht noch das ein oder andere Detail hätte hinzugefügt werden können. Auch das Buch unter dem Umschlag ist etwas blass, farbige Coverinnenseiten oder das ein oder andere Detail hätten hier für einen noch hochwertigeren Eindruck gesorgt.

Mein Fazit? „Baby & Solo“ ist ein fantastisches Jugendbuch mit tollen Charakteren, einem wundervollen Setting und einer wichtigen, berührenden Handlung. Trotz minimaler Schwächen ein definitives Jahreshighlight und daher bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag angegebenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Yassin Musharbash: „Russische Botschaften“

In der letzten Zeit habe ich den Roman „Russische Botschaften“ des Investigativjournalisten Yassin Musharbash gelesen. Das Buch ist 2021 bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht worden und als Politthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über eine Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mitten in Berlin-Neukölln stürzt vor den Augen von Investigativjournalistin Merle Schwalb ein Mann von einem Balkon. Wer ist der geheimnisvolle Tote? Ihre Recherchen führen ins Milieu krimineller Clans, zur Polizei und zum Verfassungsschutz. Doch dann erkennt sie: Der Mann war russischer Agent – mit einer gefährlichen Mission. Und die hatte mehr mit ihr und ihrem Job zu tun, als ihr lieb sein kann.

„Russische Botschaften“ ist ein hochinteressantes Buch, eine Mischung aus Politthriller und Spionageroman; eine Ode an den Investigativjournalismus, in der sehr ausgewogen nicht nur die Sonnen- sondern auch die Schattenseiten des Berufes beleuchtet werden.

Dabei ist die Handlung spannend, teils rasant – aber immer gut nachvollziehbar und erklärt. Yassin Musharbash mischt aktuelle Themen und Ereignisse mit Fiktion und erschafft so eine komplexe Geschichte, die den Leser – auch dank des gelungenen Settings – sofort in ihren Bann zieht. Leider ist das Ende jedoch sehr offen gestaltet, sodass für den Leser kein zufriedenstellender Abschluss der Handlung erreicht wird. Passt zum Thema – ist aber frustrierend.

Yassin Musharbashs Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen. Trotz der hochpolitischen Themen verzichtet er nicht auf humorvolle Szenen – und sorgt teils sogar für Situationskomik. Feinfühlig behandelt er auch schwierige Sujets, und wird zu keiner Zeit zu belehrend – insgesamt eine Geschichte, die sich überraschend angenehm und schnell las. Lediglich die Dialoge geschehen teils zu rasant, wird doch in einigen gänzlich auf Ein-/Ausleitungsverben verzichtet – allerdings sehr inkonsequent, ein Muster oder sinnvolles Schema ist hier nicht zu entdecken.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Maja, Josefine, Nick und Mick, während Merle doch etwas im Hintergrund bleibt – trotz gelegentlich eingestreuter, aber nicht wirklich relevanter Einblicke in ihre Vergangenheit, zum Beispiel von einem Antifa-Workshop.

Die Buchgestaltung ist größtenteils gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Die simple, aber farblich ansprechende, Covergestaltung zieht sich einheitlich über den kompletten Buchumschlag, der zudem mit Klappen versehen ist. Bei einer so hochwertigen Produktion hätte ich jedoch auch farbige Coverinnenseiten erwartet, die das schöne Gesamtbild abgerundet hätten.

Mein Fazit? „Russische Botschaften“ ist ein interessanter Politthriller, der durch eine spannende Handlung und ein tolles Setting punktet, aber leider ein unbefriedigendes Ende bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Mel Wallis de Vries: „Himmel oder Hölle?“

Vor kurzem habe ich „Himmel oder Hölle?“ von Mel Wallis de Vries gelesen. Das Buch ist 2021 im ONE Verlag in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2013 unter dem TItel „Wreed“ bei Uitgeverij de Fontein. Der Roman ist als Jugendhriller einzuordnen – vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares über die Bloggerjury.

Danielle lernt im Skiurlaub mit ihren Freundinnen den gut aussehenden Dante kennen. Der Student spielt ihrer Meinung nach in einer ganz anderen Liga, und dennoch scheint er sich für sie zu interessieren. Zurück in Amsterdam kann Danielle ihr Glück kaum fassen, als ihr Dante zufällig wieder über den Weg läuft. Doch gerade als die beiden sich näherkommen, entdeckt sie Dantes dunkles Geheimnis: Seine letzte Freundin Florine wurde ermordet, und ausgerechnet Dante war der Hauptverdächtige. Kann Danielle ihm wirklich vertrauen?

„Himmel oder Hölle?“ ist ein Jugendthriller ab 14, der unter anderem die Themen Stalking und toxische Beziehungen in den Mittelpunkt rückt – um (spoilerfrei) nur einige der Problemkreise zu nennen, auf die das Buch auch mit einer Triggerwarnung reagiert, die sich allerdings – ebenfalls spoilerfrei – erst am Buchende befindet und auf die anfangs nur hingewiesen wird. Gewünscht hätte ich mir in dem Zusammenhang jedoch, dass dann im Rahmen der Triggerwarnung auch Hilfsangebote, Kontaktadressen für Betroffene verlinkt bzw. benannt werden.

Die Handlung ist spannend, kurzweilig und abwechslungsreich, dabei teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen versehen. Insgesamt bleibt sie jedoch etwas an der Oberfläche, durch das insgesamt sehr kurze Buch und die Zweiteilung in das aktuelle und vergangene Geschehen bleibt kaum Zeit und Platz, um den Leser intensiv mit den Figuren vertraut zu machen. So hätte ich mir viel mehr von Madelief – der absoluten Sympathieträgerin – oder auch von Robin gewünscht.

Durch die Fokussierung auf die – wie auch immer geartete – Beziehung zwischen Danielle und Dante werden die Charaktere darüber hinaus auch nur oberflächlich entwickelt, die Probleme zwischen Dany und ihren Eltern hätten zum Beispiel noch präsenter eingebaut werden können, um gerade auch ihre Entwicklung für den Leser nachvollziehbarer zu gestalten. Dennoch gelingt es Mel Wallis de Vries, durch die Wahl der Erzählperspektiven – zwei Ich-Perspektiven – den Leser nah an die handelnden Figuren zu bringen, ihre Stimmung aufzufangen, sodass man trotzdem das Buch nicht aus der Hand legen möchte.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, ist relativ einfach und wird von kurzen Sätzen dominiert – voller Tempo aber mit wenig Abwechslung. Die Dialoge sind altersgerecht und authentisch, sodass das Kopfkino gut anspringt, insbesondere am Beginn des Buches während des Skiurlaubes von Danielle und ihren Freundinnen.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen gut gearbeitet, wenn auch Kleinigkeiten, insbesondere im Satz, durchgerutscht sind – oder ich verstehe die Mittel einfach nicht. Das Cover ist gelungen, vermittelt gut die Grundstimmung und zieht sich farblich über den gesamten, sehr ansehnlichen Buchumschlag.

Mein Fazit? „Himmel oder Hölle?“ ist ein gelungener Jugendthriller mit spannender Handlung, den man kaum aus der Hand legen kann, der aber auch etwas an der Oberfläche verbleibt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 14.

[Buchgedanken] Manuela Schörghofer: „Das Spiel der Ketzerin“

Vor kurzem habe ich „Das Spiel der Ketzerin“ von Manuela Schörghofer gelesen, mein dritter Roman der Autorin nach „Die Klosterbraut“ und „Die Sündenbraut„. Das Buch ist 2021 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Rheinland im 13. Jahrhundert: Als ihr Vater in Ungnade fällt, entgeht die Grafentochter Alida von Erkenwald nur knapp einem Mordanschlag und muss vor ihrem Widersacher fliehen. Sie versteckt sich bei Salomon ben Isaak, einem Juden aus Coellen, der sie zu ihrem Schutz als seine Tochter ausgibt und ihr verspricht, ihr bei der Rettung ihres Vaters zu helfen. Gemeinsam machen sie sich auf die Reise, doch ihre Verfolger sind ihr auf der Spur. Als Alida verbotene Gefühle für ihren Feind entwickelt, weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann …

„Das Spiel der Ketzerin“ entführt den Leser erneut ins deutsche Mittelalter, in eine Zeit voller Intrigen, Machtspiele und persönlicher Fehden, von denen der Roman einige enthält. Eingebettet in den historischen Konflikt zwischen Friedrich II. und Heinrich VII. erzählt die Autorin die Geschichte der fiktiven Adelsfamilie von Erkenwald und lässt den Leser mit den Figuren die politischen und religiösen Konflikte der Zeit entdecken.

Dabei brilliert der Roman vor allem durch sein gelungenes Setting – und eine sehr authentische Sprache, die von einer gewissenhaften Recherche zeugt. Auch wenn der Leser durch die vorangestellten Dramatis Personae, Orts- und Flussbezeichnungen, Glossar und Erklärung der historischen Begebenheiten fast etwas erschlagen wird (vielleicht hätte man die letzteren beiden ans Ende stellen können), ist es doch allemal besser, als ihn gänzlich allein zu lassen.

Die Handlung der Geschichte ist spannend und kurzweilig, wenn auch in Teilen etwas vorhersehbar, was dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tut, da es Manuela Schörghofer gelingt, immer mal wieder auch durch eine unerwartete Wendung die Erwartungen des Lesers zu durchbrechen. Zudem wird die Schwerpunktsetzung eingehalten, die Liebesgeschichte gut ausbalanciert, sodass hier gerade – nicht wie teils beworben – kein historischer Liebesroman vorliegt sondern ein historischer Roman.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem auch die Nebencharaktere wie Miriam und Dankwart, aber auch Konrad als Antagonist macht eine gute Figur, wenn auch seine Motivation lange unklar bleibt – ggf. hätte man die Ereignisse zwischen ihm und dem Grafen von Erkenwald als Prolog der Handlung voranstellen können.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, wenn man von der Informationsflut am Anfang absieht. Das Covermotiv zieht sich über den gesamten Buchumschlag, ist wunderschön anzusehen (bislang das beste der Autorin), leicht geprägt auf dem Titelbild und Buchrücken und wartet mit farbigen, informativen Coverinnenseiten auf.

Mein Fazit? „Das Spiel der Ketzerin“ ist ein gelungener historischer Roman, der vor allem durch sein tolles Setting und eine authentische Sprache punktet – wahrscheinlich das bislang beste Buch der Autorin, in jedem Fall aber das schönste. Für Liebhaber des Genres bedingungslos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Clara Louise: „Golden: Vom Funkeln des Lebens“

In den letzten Tagen habe ich „Golden: Vom Funkeln des Lebens“ von Clara Louise – Lyrikerin und Social-Media-Star – gelesen. Das Buch ist 2021 in der Loud Media and Awareness GmbH erschienen und balanciert auf der Grenze zwischen Lyrik und Ratgeber. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die vermittelnde Agentur Buchcontact für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

„Golden“ ist eine Sammlung von Gedichten und kurzen Texten, von Illustrationen und Gedanken der Autorin, wobei sie ihren abschließenden Gedanken zu jedem Handlungsblock auch noch eine Übung hinzufügt, mit der der Leser zu sich finden, sich vervollkommnen und den Weg in ein „goldenes Leben“ erkennen soll. Dabei möchte ich voranstellen, dass ich die Übungen nicht durchgeführt habe, und daher auch nicht die Qualität des Buches als Lebensratgeber beurteile, sondern im Folgenden vor allem auf die literarischen Aspekte eingehe – schließlich ist das Buch ja auch als Lyrikband beworben und bei den Verkaufsportalen eingruppiert.

Lyrik – gerade moderne – darf und kann vieles, und so können auch die Texte in „Golden“ noch gerade so als Lyrik durchgehen, auch wenn sie sich lesen, als wären es mehr oder weniger kurze, fortlaufende Prosatexte, die der Einfachheit halber in Versform gepackt worden sind, frei, ohne erkennbare Formen und gänzlich reimfrei.

Abgesehen von der – mir etwas fehlenden Form – sind die Gedichte inhaltlich genau das, was sie versprechen, sind emotional, aufmunternd, aufbauend und mahnend. Sie zeichnen Bilder und Lebensentwürfe und regen – teils etwas zu belehrend – zum Nachdenken an. Mein Favorit ist hierbei „Illusion oder Wahrheit“, nicht nur, weil es noch am ehesten einem kurzen Poetry Slam gleicht, sondern auch inhaltlich abwechslungsreich ist und mit wirklich tollen Passagen glänzt.

Bei der Buchgestaltung haben sich kleinere Schwächen eingeschlichen. Während der Buchsatz noch solide gearbeitet hat, sind dem Lektorat/Korrektorat kleinere Sachen durchgerutscht, die zwar den Lesefluss nicht hemmen, bei der geringen Menge an Text natürlich aber trotzdem auffallen. Das Cover ist – über den gesamten Buchumschlag – hochwertig bedruckt, insgesamt aber auch relativ eintönig. Kleine, gestalterische, Lichtblicke werden jedoch durch die gelegentlich eingestreuten, süßen Illustrationen der Autorin gesetzt.

Mein Fazit: „Golden: Vom Funkeln des Lichts“ ist ein lyrischer Lebensratgeber, der mit emotionalen, lebensbejahenden Texten punktet, teils aber etwas zu belehrend und mit kleineren Schwächen in der Buchgestaltung daherkommt. Für die zahlreichen Fans der Autorin und für Menschen auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebnes bedenkenlos zu empfehlen – aber eher nichts für Leser, die ausschließlich nach guten Gedichten suchen.

[Buchgedanken] John Garth: „Die Erfindung von Mittelerde. Was Tolkien zu Mordor, Bruchtal und Hobbingen inspirierte“

In der letzten Zeit habe ich das Sachbuch „Die Erfindung von Mittelerde. Was Tolkien zu Mordor, Bruchtal und Hobbingen inspirierte“ von John Garth gelesen. Das Buch ist 2021 bei wbg THEISS erschienen, die Originalausgabe erschien 2020 unter dem Titel „The Worlds of J.R.R. Tolkien. The Places That Inspired Midle-Earth“ bei Frances Lincoln, Quarto Publishing. Vielen Dank an dieser Stelle an wbg und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Was sind die realen Vorbilder für die Schauplätze von Tolkiens Romanen? Inspiration fand der Schriftsteller in den Landschaften, Bergen und Wäldern Großbritanniens, aber auch in seiner südafrikanischen Heimat und auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs. Gestützt auf sein profundes Wissen über Leben und Werk Tolkiens identifiziert der mehrfach preisgekrönte Autor John Garth die Orte, die dem Schöpfer von Mittelerde als Anregung für das Auenland, Bruchtal oder die Höhlen von Helms Klamm dienten.

„Die Erfindung von Mittelerde“ ist ein Sachbuch, das sich mit möglichen Inspirationsansätzen für Tolkiens Welten, nicht nur aus dem „Herr der Ringe“ oder dem „Hobbit“, sondern auch mit seinen früheren Werken befasst. Dabei stellt der Autor allerdings auch klar, dass es durchaus verschiedene Ansätze zu einzelnen Inspirationsquellen gibt, kann doch nicht in jedem Fall Tolkiens Grundlage gesichert festgestellt werden. Dadurch wird „Die Erfindung von Mittelerde“ eine Sammlung von Indizien und Querverweisen, eine Mischung aus gesicherten und (plausibel) angenommenen Fakten.

Dargestellt wird die Sammlung in 11 thematischen Kapiteln, die aufgrund der Zeitsprünge munter vor und zurück verweisen, im groben aber schon so angeordnet worden sind, dass Tolkiens Schaffenswerk vom frühen Legendarium bis zum Kampf um Mordor nachvollzogen werden kann. Dabei wird jedem Leser bewusst, wie komplex und vielschichtig, aber auch wie im Wandel begriffen Tolkiens Werk war, das auch von aufgegebenen Ideen, Umbenennungen und späteren Korrekturen und Anpassungen geprägt war.

Die Faszination des Autors für das Werk Tolkiens und dessen Leben wird dabei mit jeder Seite deutlich – man kann sich ihr nur schwerlich entziehen. Doch auch wenn man unglaublich viel lernt und immer auf neue Ansätze und Erklärungen stößt und Fakten entdeckt, fällt es zuweilen doch schwer, dem Autor zu folgen. Zumindest geht es mir so, der zwar mit Tolkiens wichtigsten Werken vertraut ist, darüber hinaus aber wenig von ihm gelesen hat. Persönlich hätte ich mir auch mehr Informationen zum literarischen Weltenbau gewünscht – dies hätte auch das Verständnis erhöhen können. So erklärt der Autor zwar die jeweiligen (gedanklichen) Ursprünge der Elfen, von Sauron und Saruman, den Orks oder Hobbits, Informationen zu der glaubhaften Erstellung eines Gleichgewischts zwischen diesen, zu Magiekonzepten oder zur Schaffung plausibler Zeitlinien sind aber rar gesät.

Nichtsdestotrotz bleibt „Die Erschaffung von Mittelerde“ ein faszinierendes Kompendium, ist es doch gleichzeitig Ideensammlung und Nachschlagewerk, liefert Informationen über die Zeit Tolkiens und besticht durch unglaublich viele und tolle Abbildungen, seien es Illustrationen, teils von Tolkien selbst, oder auch zeitgenössische Fotografien oder Karten. Dabei ist das Verhältnis von Text und Bild ausgewogen, die Sprache an und für sich verständlich.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind kleinere Fehler durchgerutscht, die sich aber noch im Rahmen halten, der Buchsatz ist sauber und wirklich gelungen. Das Cover ist wunderschön, der Buchrücken eher unscheinbar und die Druckqualität bestechend.

Mein Fazit? „Die Erfindung von Mittelerde“ ist ein informatives und ungemein spannendes Nachschlagewerk für Tolkien- und Mittelerde-Fans, das vor allem durch die schiere Informationsmenge und bestechende Abbildungen glänzt. Aufgrund der vielen Details und des hohen Anspruchs nichts für Tolkien-Anfänger – aber Liebhaber werden es zu schätzen wissen!

[Buchgedanken] Odine Raven: „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“

Vor kurzem habe ich im Rahmen einer Leserunde „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ von Odine Raven gelesen. Das Buch ist 2021 in der Green Eyes Books GbR erschienen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin, den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Vicky ist angehende Archäologin und gerade von einer Ausgrabung an einer Kreuzfahrerfestung in Israel nach Hause zurückgekehrt. Plötzlich geschehen an ihrem Institut seltsame Dinge, und dann taucht auch noch der rätselhafte Leonhard auf und behauptet, er sei ein leibhaftiger Tempelritter! Sie kann sich seiner mysteriösen Art nicht entziehen und verliebt sich unweigerlich in ihn. Doch er hat einen Auftrag zu erfüllen!

„Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ lässt sich schwierig in ein Genrekorsett pressen, daher habe ich die Zuordnung auch – dem aufmerksamen Leser mag es aufgefallen sein – oben unterlassen. Denn der Roman wird vom Verlag auf dem Cover als „Urban Fantasy“ beworben, was ganz technisch stimmen mag, ist aus meiner Sicht aber doch mehr der Romantasy zuzuordnen, da im Mittelpunkt der Handlung klar die Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten steht. So taucht der eigentliche, im Klappentext geteaserte, Auftrag des Ritters erst zum Ende hin auf, und wird relativ komplikationslos, teils unlogisch und schnell abgearbeitet – mir fehlt es hier an Stolpersteinen, an – gerade für Urban Fantasy wichtigen – Handlungselementen, die den Erfolg der Mission infrage stellen.

Die Liebesgeschichte überzeugt jedoch im Wesentlichen, wenn auch die Protagonistin Vicky sich dezent übergriffig verhält (einem Mann würde man dieses Verhalten sicherlich nicht durchgehen lassen). Darüber hinaus sind die Gefühle gut dargestellt, insbesondere Leonhards Zerrissenheit, die ihn charmanterweise immer mal wieder ins interessante Mittelhochdeutsch abgleiten lässt, wird für den Leser gut spürbar.

Angenehm aufgefallen ist auch, dass die Schauplätze in Heidelberg authentisch ausgesucht und recherchiert worden sind. Als Heidelberger erkennt man die Orte wieder, kann die Bewegungen der Protagonisten in der Stadt somit gut nachvollziehen, egal ob Marstall, Jesuitenkirche oder archäologisches Institut. Auch das jeweilige Setting im Odenwald, in Israel und in Rom überzeugt, wenn auch die Reisen dorthin etwas unlogisch verlaufen.

Odine Ravens Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen. Die lateinischen und mittelhochdeutscchen Passagen sind gut eingebaut, lediglich die Darstellung des Dialekts des Abbé und die teils sehr flapsige Umgangssprache fallen hier etwas ab.

Die Buchgestaltung zeigt hingegen einige Schwächen. Zwar sind dem Lektorat/Korrektorat generell nur vereinzelt Dinge durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten, aber es ist ein absolutes No-Go, dass sich auf S. 122 eine markierte Textstelle befindet. Wie so etwas eine finale Kontrolle überstehen kann, ist mir absolut schleierhaft. Auch der Buchsatz vermag im Ergebnis nicht zu überzeugen. Mangels Siltentrennung am Zeilenende entsteht ein sehr uneinheitliches Schriftbild, das in dem auch für die letzten Zeilen eines jeden Kapitels genutzten Blocksatz gipfelt, der teils nur 2 Wörter auf die komplette Zeile erstreckt. Positiv anzumerken ist jedoch, dass das Coverbild Bezug zur Handlung nimmt, Augenfarbe des Mannes und Frisur der Frau mit den im Buch beschriebenen Protagonisten übereinstimmen.

Mein Fazit: „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ ist ein Fantasy-Roman, der vor allem durch eine tolle Liebesgeschichte punktet, in der restlichen Handlung und der Buchgestaltung aber auch einige Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Romantasy daher zu empfehlen.