[Buchgedanken] Marcel Huwyler: „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ (Violetta Morgenstern 7)

Vor kurzem habe ich auch „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ von Marcel Huwyler gelesen. Das Buch ist 2025 bei GRAFIT in der Emons Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin im Namen des Staates, hat ein neues Privatleben: Sie wohnt als Patchwork-Oma mit ihrem Kollegen Miguel Schlunegger und dessen Zwillingstöchtern zusammen. Zum Glück rettet sie ein neuer Auftrag vom Killerministerium „Tell“ aus dem Familien-Chaos. Violetta und Miguel sollen einen Archäologen eliminieren. Der hat in Ägypten einen rätselhaften Fund gemacht, der die Geschichtsschreibung verändern könnte. Doch als die beiden zur Tat schreiten wollen, kommt ihnen ein Unbekannter zuvor …

„Violetta Morgenstern und die Offenbarung“ ist mein erster Roman der bisher siebenteiligen Reihe um die pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin Violetta Morgenstern – und es wird sicherlich nicht mein letzter bleiben. Dabei lässt sich das Buch gut als Standalone lesen, die Reihe sich jedoch gar nicht so einfach kategorisieren, zeigt sie doch parodistische Ansätze, ist eine Mischung aus Agententhriller und in einem Handlungsstrang sogar fast Cosy Crime. Ich habe es der Einfachheit halber daher bei der auf dem Cover festgehaltenen generalisierten Eingruppierung als Kriminalroman belassen.

Die Handlung ist unglaublich humorvoll, spannend und kurzweilig – ein wahrer Pageturner und Jahreshighlight. Dabei gelingt es Marcel Huwyler ernste Themen und absurde Situationen und Konstellationen aneinanderzureihen, sodass man sich als Leser:in zu jeder Zeit gut unterhalten fühlt. Auch das Ende vermag zu überzeugen, wenn es auch etwas schnell und hastig kommt – ein paar mehr Seiten zum Schluss hätten der Story sicherlich nicht geschadet. So oder so verbleibt aber viel Potential für noch viele weitere Morgenstern-Geschichten – ich denke, ich spreche für alle, wenn wir uns hier noch mehr wünschen.

Denn auch das Setting brilliert. So entführt Marcel Huwyler die Leser:innen nicht nur geografisch in die Schweiz, sondern vor allem auch sprachlich und kulturell – Dialekt, kreative Wortschöpfungen und ganz viel schweizerisches Lebensgefühl inklusive. Dabei vermengt der Autor zudem gekonnt die Thriller-/Krimihandlung mit parodistischen Elementen, die auf jeder Seite einen unglaublichen Humor durchscheinen lassen. Gleichsam werden dennoch auch wichtige Themen angesprochen wie Einsamkeit im Alter, die Situation von Alleinerziehenden und die Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei glänzen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ida, Frida und Werner Gottlieb, aber auch Violetta Morgenstern brilliert in ihrer Rolle als pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin, lediglich Miguel überzeugt mich nicht vollends – aber ggf. können die anderen Bände hier das Bild abrunden. Marcel Huwylers Schreibstil ist hingegen – wie bereits angedeutet – unglaublich humorvoll und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist solide, das Buch insgesamt eher schmucklos. Das Covermotiv und die Coverrückseite werden jeweils zum Buchrücken hin krass unterbrochen, der Buchumschlag insgesamt ist farblich durchaus ansprechend aber kein Eyecatcher. Das Covermotiv bietet zumindest abstrakte Anklänge zur Buchreihe, wenn auch nicht zur konkreten Handlung des Bandes, passt sich insgesamt aber gut in das Gesamtgefüge der Reihe ein und sorgt für Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ ist ein fast perfekter, parodistischer Kriminalroman, der vor allem mit seinem unglaublichen Humor und viel Lokalkolorit überzeugen kann. Für Leser:innen des Genres – auch als Neueinstieg in die Reihe – bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ (Das vergessene Museum 1)

Bevor ich mit den Messeberichten fortsetze, möchte ich Euch heute erst einmal das Buch vorstellen, das ich während der Messe beendet habe. „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist der neue Roman von Andreas Suchanek. Das Buch ist 2025 in der dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG erschienen und als Urban Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Liam hat es nicht leicht. Aufgewachsen in eher ärmlichen Verhältnissen, hält er sich in London als Fahrradkurier über Wasser. Als er ein Paket zu einem Privatmuseum liefert, wird er dort Zeuge eines Überfalls. Er kann nichts mehr für den sterbenden Kurator tun, doch dieser überträgt ihm ein Symbol aus schwarzer Tinte auf seine Haut – und macht ihn somit zum neuen Siegelwahrer des Museums. Liam wird in die Welt eines international agierenden Museumsnetzwerks katapultiert, welches magische Artefakte sicher verwahrt – denn mit diesen lassen sich gefährliche Kräfte kanalisieren. Doch die Museen werden von einem gefährlichen Gegner bedroht und schnell wird klar: Liams eigene Vergangenheit ist eng mit den Geschehnissen verknüpft.

„Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist der Auftaktband der neuen Urban-Fantasy-Reihe von Andreas Suchanek und mein erstes Buch des Autors. Vom Verlag wird es für Fans von Ben Aaronovitch beworben, was sicherlich noch zu große Fußstapfen sind – aber wer weiß: kleinere Parallelen sind zumindest da. Das Buch ist dabei als klassische Urban Fantasy einzuordnen, zeigt darüber hinaus aber auch kleinere Elemente eines Detektivromans – und ist aufgrund der Zeitsprünge und Artefakte zuweilen sogar ganz leicht historisch angehaucht.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und wartet durchaus mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei gelingt es dem Autor, insbesondere zu Beginn den Leser direkt in die Handlung zu ziehen, nicht zuletzt durch die humorvollen Szenen. Leider endet der Roman mit einem relativ starken Cliffhanger, der es fast nicht ermöglicht, das Buch als Standalone zu lesen und auch das Magiekonzept überzeugt noch nicht völlig- hier können aber die nächsten Bände noch nachliefern.

Denn das Setting ist sonst wirklich brillant. So entführt der Autor die Leser:innen nach London, Berlin und Paris, erschafft gut getarnte Museen und nimmt den Leser durch die Artefakte auch mit auf eine Reise durch Kunst, Mythologie und Wissenschaft – hier hätte ich mir fast noch mehr Nerdwissen gewünscht. Dabei klingen am Rande durchaus auch mal gesellschaftlich relevante Themen und Probleme an – der Fokus liegt aber klar auf der phantastischen Quest der Held:innen.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Shakespeare, Ava und Harry, während Liam nicht immer nachvollziehbar handelt und Julia noch zu geheimnisvoll verbleibt. Andreas Suchaneks Schreibstil ist humorvoll und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, die Kapitelüberschriften nur milde spoilernd. Der Buchumschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist genretypisch und kein klassischer Eyecatcher, die Farbgebung des Buches insgesamt jedoch sehr gelungen und ansehnlich. Schön ist zudem, dass auch Coverrückseite und Buchrücken mit kleinen Details aufwarten, die Anspielungen auf die Handlung enthalten.

Mein Fazit? „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist ein Auftaktband, der Lust auf mehr macht und die Leser:innen in eine wirklich tolle Welt entführt, leider jedoch mit einem Cliffhanger endet. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Hu Zhouzhuo: „Vollmond über tausend Flüssen“

In der letzten Zeit habe ich auch „Vollmond über tausend Flüssen“ von Hu Zhouzhuo gelesen. Das Buch ist 2025 bei Chinabooks veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem (transkribierten) Titel „Yue Man Qian Jiang“. Das Buch ist dabei als Manhua einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Eva Lüdi Kong verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Ming-Kaiser Chongzhen, dessen Geburtsname Zhu Youjian ist, gilt in China als eine kontroverse Figur: Als moralisch aufrechter, jedoch glücklos agierender Monarch wird ihm Mitleid zuteil. Dafür, dass er es nicht schaffte, sein Land vor dem Untergang zu retten, wird er hingegen scharf kritisiert. Vor allem erinnert man sich aber an ihn als den Kaiser, der durch seinen Freitod seinem Land einen letzten Dienst zu erweisen versuchte. Tut ihm die Nachwelt Unrecht? Vielleicht wurde Chongzhen einfach nur zur falschen Zeit und am falschen Ort geboren? Wäre er wohl ein besserer Dichter und Literat gewesen als ein Kaiser?

„Vollmond über tausend Flüssen“ ist ein Manhua, der in sieben Episoden das Leben des letzten Kaisers der Ming-Dynastie beleuchtet. Dabei wird der Ansatz gewählt, den Kaiser durch den Einfluss, den er auf das Leben der jeweils im Kapitel zentralen Personen hatte, zu beschreiben – sei es ein Eunuch, eine Hofdame, ein Graf oder ein Palastdichter, um nur einige zu nennen. Ein interessanter Ansatz, der durchaus mit traditioneller Geschichtsschreibung bricht und intime, persönliche Einblicke ermöglicht.

Sowohl Texte als auch Zeichnungen entstammen dabei der Feder von Hu Zhouzhuo und sind von einer durchgängigen, melancholischen Stimmung getragen, konzentrieren sie sich doch im Wesentlichen auf die letzten Tage der Ming-Dynastie und den Untergang des Reiches, der viele in den Tod getrieben hat, unter anderem ja auch den Kaiser. Dabei wird dieser in den einzelnen Episoden eher glorifiziert, kritische Elemente werden nur am Rande angesprochen, durch den persönlichen Blick auf das Leben des Kaisers aus den Augen seiner Untertanen jedoch eher verschwiegen.

Die Zeichnungen sind dabei durchaus emotional – und teils überraschend, ein wilder Stilmix. In den actionreichen Szenen sind die einzelnen Illustrationen jedoch etwas verwaschen und es ist gelegentlich schwer, ihnen zu folgen. Am stärksten ist das Zusammenspiel zwischen Zeichnungen und Text, wenn sich einzelne Gedichte über mehrere Seiten ziehen, und die Poesie durch die Bilder noch verstärkt wird.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind kleinere Fehler durchgerutscht, der Buchsatz setzt Text und Zeichnungen zu einem tollen Gesamtprodukt. Der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen versehen, das Buch unter dem Umschlag ebenfalls sehr anschaulich. Auch das Cover kann durchaus überzeugen, zudem lagen dem Buch vier illustrierte Postkarten bei.

Mein Fazit? „Vollmond über tausend Flüssen“ ist ein Manhua, der einen spannenden Ansatz in der Geschichtserzählung verfolgt und durch seine Poesie brilliert, der aber auch etwas einseitig ist und dem man teils schwer folgen kann. Für Leser:innen mit Interesse an der chinesischen Geschichte dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14.

[Buchgedanken] Christian Mitzenmacher: „Knallkrebse“

Vor kurzem habe ich auch „Knallkrebse“ von Christian Mitzenmacher gelesen. Das Buch ist 2025 in der Frankfurter Verlagsanstalt GmbH veröffentlicht worden und als Gegenwartsliteratur einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Tom und Farid spielen Tischtennis, fahren Skateboard, baden in der Isar: Sie sind Freunde. Am Anfang ihrer Freundschaft stand eine Patenschaft, die der Physikdoktorand Tom für den sechzehnjährigen aus Quetta geflüchteten Farid übernommen hatte. Zusammen mit Laura, Toms Freundin, bilden sie ein ungewöhnliches Dreiergespann – bis Farid einen riskanten Entschluss fasst. Inmitten der sich überschlagenden Ereignisse drängen sich Tom Fragen auf: nach Lauras angeblicher Loyalität, seinen eigenen Intentionen und Zielen und nicht zuletzt nach Farids Erlebnissen auf der Flucht, über die er beharrlich schweigt.

„Knallkrebse“ ist der Debütroman des Mathematikers Christian Mitzenmacher, der sich zwar durchaus sehr klar der Gegenwartsliteratur zuordnen lässt, dabei aber viele Anklänge an andere Genres zeigt. So enthält der Roman Elemente von Coming of Age oder eines Entwicklungsromans, ist durchaus politisch und kann auch als Schicksalsroman verstanden werden. Da aber keines der Genres sich hier klar durchsetzt, habe ich es bei der Zuordnung zur Gegenwartsliteratur belassen.

Die Handlung ist hierbei durchaus abwechslungsreich und unterhaltsam, wird aber teils achronologisch erzählt und hat auch kleinere Längen. Dabei gelingt es dem Autor nicht nur, die durchaus schwierigen Themen mit viel Humor zu unterfüttern und tolle Szenen zu schaffen, sondern auch das ganze mit etwas bayrischem Lokalkolorit zu versehen – das Lebensgefühl der Münchner zieht sich hier durch jede Seite. Allerdings kann das Ende nicht überzeugen, bleibt sehr offen, vage und ist auch nicht wirklich nachvollziehbar.

Das Setting kann hierbei auf ganzer Linie begeistern. So entführt der Autor die Leser:innen nach München, nimmt sie mit aufs Oktoberfest und mitten hinein in das Leben junger Leute in der pulsierenden Stadt. Darüber hinaus geht es nach Frankreich, an die Atlantikküste und nach Paris, nach Spanien und – zumindest gedanklich – auf die schwere Flucht aus Afghanistan bis nach Deutschland. Zudem mischt Christian Mitzenmacher psychische Erkrankungen in die Geschichte mit ein – hier hätte man gegebenenfalls im Nachwort noch auf Hilfsangebote für Betroffene hinweisen können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Laura und Yev, während Farid und Tom teils nicht nachvollziehbar handeln und Sofie super interessant, aber nicht greifbar verbleibt. Christian Mitzenmachers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei und beginnt zumindest die großen Sinnabschnitte richtigerweise auf ungeraden Seiten – lediglich die rein kursiven Kapitel irritieren hier vom Schriftbild. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das unter dem Umschlag befindliche Buch mit farbigen Coverinnenseiten, auch wenn es sonst eher eintönig und schlicht ist. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Coverrückseite und Buchrücken fort und hat durchaus Anklänge zur Handlung, ist farbintensiv, aber kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Knallkrebse“ ist ein gelungenes Debüt, das vor allem durch den humorvollen Erzählstil und das fabelhafte Setting glänzt, aber auch kleinere Längen und ein etwas schwächeres Ende hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Claudia Romes: „Zeit der Pfingstrosen“

In den letzten Tagen habe ich auch „Zeit der Pfingstrosen“ von Claudia Romes gelesen. Das Buch ist 2025 als Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nach einer unglücklichen Ehe wagt Katy einen Neuanfang in der Blumenstadt Aberdeen. Sie betreut den demenzkranken Jeff, den es immer wieder in den kleinen Blumenladen am Meer zieht. Zusammen mit seinem Neffen Aiden hilft ihm Katy hier, inmitten der Blüten, seinen Erinnerungen nachzuspüren. Dabei stoßen sie nicht nur auf eine tragische Liebesgeschichte, sondern entdecken auch ihre Gefühle füreinander. Gibt es eine Chance für diese unerwartete Liebe, und kann sich Jeff mit seiner Vergangenheit aussöhnen, bevor es zu spät ist? 

„Zeit der Pfingstrosen“ ist nach „Beethovens Geliebte mein zweiter Roman von Claudia Romes. Dabei lässt sich der Roman gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. Während der Untertitel „Eine Liebe in Schottland“ einen Liebesroman suggeriert und auch der Klappentext durchaus den Fokus darauf legt, kann man das Buch auch gut als Familiensaga eingruppieren, wird doch auch die Geschichte einer Familie über einen Zeitraum von knapp 80 Jahren beleuchtet. Da diese Kategorisierung auch unter anderem auf Verkaufsportalen übernommen worden ist, habe ich mich schlussendlich ebenfalls dazu entschieden – auch die Einordnung als Schicksalsroman wäre darüber hinaus jedoch denkbar gewesen.

Die Handlung ist dabei durchaus abwechslungsreich, hat aber auch vereinzelt Längen. Erzählt wird sie in zwei Zeitebenen, einer mehr oder weniger gegenwärtigen 2016/2017 und einer vergangenen, die die Jahre von 1939 bis 1969 abdeckt. Aufgrund der kleineren Längen erscheint das Ende als krasser Gegenpart dazu etwas überhastet – und kann auch nicht vollends überzeugen, hätte man aus meiner Sicht doch gut auf den Epilog verzichten können. Alles in allem vermag die Handlung aber dennoch gut zu unterhalten und kann trotz der schweren Themen eine Wohlfühlatmosphäre schaffen.

Das Setting kann hingegen auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Aberdeen an die raue schottische Küste, sondern auch mitten hinein in die Gräuel des Zweiten Weltkrieges beim Stellungskampf in Frankreich und – immer und immer wieder – ans und aufs Meer. Zudem verwebt Claudia Romes wichtige Themen wie Demenz, häusliche Pflege, Peer Pressure und toxische Beziehungen mit der gegenwärtigen Lovestory und sorgt so für ein hochaktuelles und interessantes Gesamtpaket – insbesondere im gegenwärtigen Handlungsstrang.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. So überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Brad, Mabel und Penny, während Katy teils nicht nachvollziehbar handelt und Aiden etwas zu perfekt geraten ist – die ein oder andere dunkle Seite hätte ihn noch glaubhafter und greifbarer gemacht. Claudia Romes‘ Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist schön anzusehen. Der Umschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und fühlt sich dadurch haptisch toll an. Das Covermotiv setzt sich auf Buchrücken und Coverrückseite nahtlos fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, auch wenn es sicherlich kreativere Lösungen gegeben hätte, als das Covermotiv auf der Coverrückseite einfach spiegelverkehrt abzubilden. Insgesamt ist das Covermotiv dabei durchaus ansehnlich und genretypisch, aber auch etwas beliebig und austauschbar.

Mein Fazit? „Zeit der Pfingstrosen“ ist eine Familiensaga, die vor allem mit ihrem tollen Setting punktet und atmosphärisch starke Lesestunden bietet, dabei aber auch kleinere Längen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Antje Leser: „Lost in the Wild“

Und auch dieses Buch habe ich vor kurzem gelesen. „Lost in the Wild“ von Antje Leser ist 2025 bei Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH erschienen und als Survivalthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Endlich Abi! Mit einem Trip in die Berge wollt ihr das feiern. Doch schon am ersten Tag geratet ihr in einen Bergrutsch. Einer von euch verletzt sich schwer. Ohne Ausrüstung und ohne Kontakt zur Außenwelt kämpft ihr ums Überleben. Als ihr auf Prepper beim Survivaltraining trefft, scheint plötzlich Rettung in Sicht. Ihr denkt, das Schlimmste sei vorbei, aber ist es das wirklich?

„Lost in the Wild“ ist mein erster Roman der Kinder- und Jugendbuchautorin Antje Leser. Und während die Vita der Autorin – und auch der genretypische Verlag – hier eine klare Kategorisierung des Buches suggerieren, lässt es sich gar nicht so leicht einordnen. Denn der Survivalthriller balanciert auf der Grenze zwischen Jugendbuch und Werken für – zumindest – junge Erwachsene. Um mich hier nicht genau festzulegen, habe ich es bei der allgemeinen Kategorisierung als Survivalthriller belassen, von der Altersempfehlung des Verlags (ab 14 Jahren) sollte aber definitiv nicht nach unten abgewichen werden.

Denn die Handlung ist nicht nur spannend und abwechslungsreich, sondern auch schonungslos brutal – die Content-Warnung kann hier durchaus ernst genommen werden. Dabei kommt die Handlung relativ langsam in Schwung – auch die sehr häufigen Perspektivwechsel irritieren hier und sorgen für Startschwierigkeiten. Und auch das Ende vermag nicht vollends zu überzeugen, dazwischen entspannt sich aber ein durchaus rasanter und intensiver Thriller, der für einiges entschädigt.

Das Setting ist – größtenteils – gelungen. So nimmt die Autorin die Leser:innen mit auf eine einsame Bergwanderung – und in ein eskalierendes und teils abstruses Survivalseminar. Und wenn auch kleinere Fragen bezüglich des Berges, der Ortschaften etc. offen bleiben, ist es vor allem die schiere Fülle an sonstigen Themen, die mit in den Roman gepackt werden und diesen etwas überfrachten – von dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine bis hin zur Corona-Pandemie, der Ahrtal-Flutkatastrophe, Veganismus, Klimawandel, Queerfeindlichkeit, Reichsbürgertum – und das ist sicherlich keine abschließende Aufzählung. Eine stärkere Konzentration auf einige handlungstreibende Motive wäre hier sicherlich förderlich gewesen.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der Vielzahl an Personen einige nicht vollends ausgearbeitet sind. Hierbei überzeugen insbesondere Fabio, Daria und Sascha, während Timo, Ilona und Ragnar nicht immer nachvollziehbar handeln. Antje Lesers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, teils wirkt die gelegentlich eingestreute Jugendsprache aber etwas gezwungen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen, aber eintönigen, Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist genretypisch und setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, die Typografie des Titels ist allerdings gewöhnungsbedürftig, genau wie der Klappentext, der die Leser direkt anspricht und zum Teil der Handlung macht – etwas, das das Buch allerdings nicht fortsetzt.

Mein Fazit? „Lost in the Wild“ ist ein durchaus spannender und abwechslungsreicher Survivalthriller, der allerdings etwas überlastet ist und durchaus kleinere Schwächen aufweist, dennoch aber viel Spaß macht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – allerdings definitiv nicht unter der Alterseinschätzung des Verlags von mindestens 14 Jahren.

[Buchgedanken] Iny Lorentz: „Ein verhängnisvolles Testament“

In der letzten Zeit habe ich auch „Ein verhängnisvolles Testament“ von Iny Lorentz gelesen. Das Buch ist 2025 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Südwesten Deutschlands, 1590. Elisabeth von Thannberg ist eben erst Witwe geworden, da droht der jungen Frau und ihren Töchtern auch noch der Verlust ihres ganzen Besitzes. Der Kurfürst von Trier pocht auf die Einhaltung eines alten Vertrages. Als Elisabeths Cousine Anna Aufzeichnungen in einem Kloster findet, flammt Hoffnung auf. Kann sie das Schicksal abwenden und den Kurfürsten und seine gierigen Begleiter in die Schranken weisen? Anna steht ein harter Kampf bevor, um Elisabeth die Heimat und ihr eigenes Glück zu retten.

„Ein verhängnisvolles Testament“ ist nicht mein erstes Buch des Autorenehepaars Iny Lorentz (Iny Klocke und Elmar Wohlrath), aber das erste, das ich hier rezensiere. Es handelt sich um einen Einzelband, der grundsätzlich Fortsetzungen oder weitere Geschichten um die Protagonist:innen nicht ausschließt. Dabei lässt sich das Buch – wie eigentlich alles von Iny Lorentz – klassisch als historischer Roman einordnen. Auch wenn sich durchaus Argumente für die Klassifizierung als historischer Liebesroman finden lassen, würde ich es dennoch bei der generellen Eingruppierung als historischer Roman belassen.

Denn die Handlung bildet neben der vorhandenen Liebesgeschichte fast noch einen historischen Krimi ab, wird doch unentwegt ermittelt, intrigiert und – ja – es kommt auch zu Überfällen und Gewalt; also alles, was die Vergangenheit so üblicherweise zu bieten hatte. Dabei spielt der Roman überraschenderweise nicht im Mittelalter, sondern in der Renaissance am Ende des 16. Jahrhunderts. Insbesondere in der zweiten Hälfte des Romans gibt es kleinere Längen – und auch das Ende vermag nicht vollends zu überzeugen. Abgesehen davon ist die Handlung aber durchaus spannend und kurzweilig – sieht man mal von Annas eingestreuten Spottversen ab, auf die man gut und gern hätte verzichten können (zumindest in der Häufigkeit).

Das Setting ist gelungen. So entführen die Autoren ihre Leser:innen in den deutschen Südwesten, ins Grenzgebiet zwischen den Erzbistümern Trier und Köln und nehmen sie mit auf kleinere und mittlere Adelsgüter, ins berühmte Kloster Maria Laach und auf die ein oder andere Reise. Insbesondere vom Kloster hätte ich mir hier vielleicht noch etwas stärkere Beschreibungen gewünscht, alles in allem ist das Setting aber sehr greifbar. Eine profunde Recherche lässt sich dennoch erahnen – bei der Sprache ist die Abwägung zwischen historischer Authentizität und Lesbarkeit sicherlich zu letzterem gekippt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Mathilde oder Philippa, während Anna und Hans teils nicht nachvollziehbar handeln und die Entwicklung von Elisabeth im letzten Drittel unglaubhaft erscheint. Iny Lorentz‘ Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, hätte aber – wie oben bereits angedeutet – teils durchaus mehr ausschmücken können.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind doch einiges durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich und rundet die Geschichte durch eine hintangestellte Dramatis Personae ab, die ich viel lieber vorn gesehen hätte. Auch hätte ich mir eine Karte gewünscht. Der Umschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt sowie mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, sodass ein edles Gesamtprodukt entstanden ist. Das Covermotiv wird auf dem Buchrücken nahtlos fortgesetzt, der leichte Bruch zur Coverrückseite irritiert dann jedoch. Insgesamt ist das Covermotiv, der Umschlag generell, sehr hübsch und durchaus ein Eyecatcher – und zeigt auch leichte Anklänge zur Handlung. Mir persönlich erscheint die Darstellung jedoch historisch für die Zeit – und die Geschichte – nicht ganz stimmig. Auch irritiert der Titel etwas, geht es doch zu keiner Zeit um ein „Testament“, sondern um einen geschlossenen Vertrag.

Mein Fazit? „Ein verhängnisvolles Testament“ ist ein kurzweiliger, abwechslungsreicher historischer Roman mit tollem Setting und bewährten Stärken, der zum Ende hin jedoch etwas abbaut und daher die Brillanz anderer Bücher von Iny Lorentz nicht erreicht. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Suza Summer: „Heute alles und morgen vielleicht“

In den letzten Tagen habe ich auch „Heute alles und morgen vielleicht“ von Suza Summer gelesen. Das Buch ist 2025 im Kampenwand Verlag erschienen und als Schicksalsroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

„Das Leben ist zu kurz für irgendwann“ ist das Motto der extrovertierten Camille. Bezaubernd aussehend und erfolgreich, genießt sie ihr Dasein in der Upperclass. Das einzige männliche Wesen, dem sie treu ergeben ist, heißt Charles und ist eine französische Bulldogge. Das Schicksal findet immer seinen Weg und so ahnt die selbstbewusste Immobilienmaklerin nicht, dass ihre Tage gezählt sind. Niemand kennt die Geheimnisse ihrer Patienten so gut, wie die bescheidene Krankenschwester Sanna. Doch während die junge Frau ihre Kranken einfühlsam begleitet, steckt sie selbst in einer Lebenskrise. Beide Schicksale verknüpfen sich, als Sanna das lukrative Angebot erhält, die sterbenskranke Camille und deren Mann Aiden, in ein Chalet, in den Schweizer Alpen zu begleiten. Dass Sanna auf einmal zarte Gefühle für Aiden hegt, versucht sie zu ignorieren. Doch unvermutet pocht auch sein Herz schneller, wenn er in ihre Nähe kommt.

„Heute alles und morgen vielleicht“ ist mein erster Roman der Autorin. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. Denn obwohl als Liebesgeschichte beworben, als Liebesroman teils auf Verkaufsplattformen eingruppiert, sind hier die vielen Liebesgeschichten doch eher Randwerk der Handlung, geht es doch zentral darum, wie alle Personen mit dem handlungstreibenden Schicksalsschlag umgehen. Daher würde ich das Buch sehr klassisch als Schicksalsroman einordnen.

Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Sanna erzählt, unterstützt von einer personalen Erzählperspektive von Camille. Dabei ist die Handlung durchaus abwechslungsreich und wartet mit interessanten Wendungen auf, wenn sie natürlich teils auch vorhersehbar ist – das haben Schicksalsromane ohnehin meistens an sich. Hierbei baut die Autorin in den doch sehr kurzen Roman fast zu viele Themen noch mit ein, diskutieren wir doch neben Liebe, Freundschaft und Tod auch über Mobbing, toxisches Kolleg:innenverhalten, falsche Selbstdarstellungen in Social Media, zerrüttete Familien und Adoptionen – um nur einige der Themen zu nennen.

Das Setting hingegen ist traumhaft – aber wie sollte es bei einem abgeschiedenen Chalet in den Schweizer Alpen auch anders sein? So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Aachen, sondern auch nach Albinen, ein verschlafenes Örtchen im Kanton Wallis mit lokalem Bergsteigerladen, Chor und – natürlich – breitem Dialekt für ein gewisses Lokalkolorit. Gern hätte man hier noch etwas mehr in die Tiefe gehen, noch etwas mehr den individuellen Charakter des Ortes herausstellen können.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Frida, Kaja und Alex, während Sanna teils nicht nachvollziehbar handelt und übergriffig wird. Gern hätte ich auch gesehen, dass sie sich gegen ihre Kündigung gewehrt hätte. Suza Summers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Dinge durchgerutscht, der Buchsatz hat ebenfalls irritierende Aspekte. Das Covermotiv setzt sich hingegen nahtlos auf Coverrückseite und Buchrücken fort und sorgt so für ein tolles Gesamtbild, ist auch generell gut anzusehen, wenn auch kein klassischer Eyecatcher. Auch irritiert der aufgedruckte „Sticker“, und die Coverrückseite ist leicht überfrachtet.

Mein Fazit? „Heute alles und morgen vielleicht“ ist ein durchaus ergreifender Schicksalsroman mit nur kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Persephone Haasis: „Marmeladensommer“

In den letzten Tagen habe ich auch „Marmeladensommer“ von Persephone Haasis gelesen. Das Buch ist 2025 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Glitzernd liegt der Bodensee vor ihr. Nur mit einem alten Foto von einem Obsthof ist Emmi, die in Frankfurt ein Catering-Unternehmen führt, hierhergekommen, um ihren Vater zu finden. Sie nimmt ein Zimmer in einer kleinen Pension am See, die einem netten älteren Ehepaar gehört. Auch wenn deren Sohn Oliver, der im Ort eine Segelschule betreibt, anfangs wenig angetan ist von der wasserscheuen Großstädterin, hilft er Emmi bei ihrer Suche. Tatsächlich finden sie ihren Vater, dessen idyllischer Bio-Obsthof leider wirtschaftlich vor dem Aus steht. Emmi will unbedingt helfen und beginnt aus dem Obst nach ihren Rezepten Marmeladen zu kochen. Besonders dem smarten Hotelbesitzer Tim gefallen die Marmeladen – und die hübsche Marmeladenköchin. Und so steht Emmi nun nicht nur mit jeder Menge Obst in der kleinen Küche der Pension, sondern auch zwischen zwei Männern …

„Marmeladensommer“ ist mein erster Werk der Autorin Persephone Haasis unter diesem Namen, nachdem ich sie bereits als Teil des Autorinnenquartetts Hannah Conrad kennenlernen durfte. Der Roman wird dabei als Wohlfühlroman beworben, auf Verkaufsportalen unter anderem als Gegenwartsliteratur gelistet. Meines Erachtens ist das Buch aber klar als Liebesroman zu kategorisieren, durchaus auch als Feel-Good-Liebesroman, wenn man den Wohlfühlfaktor wirklich in den Vordergrund stellen möchte.

Denn die Handlung ist sommerlich, was das Buch durchweg zur perfekten Urlaubslektüre macht. Persephone Haasis mischt familiäre Probleme (auf allen Seiten) mit einer spritzigen Liebesgeschichte und tollen Rezepten zu einer zu jeder Zeit prickelnden Mischung, die das Happy-End nie in Zweifel geraten lässt. Leicht enttäuscht bin ich lediglich von dem stark angeteaserten, aber viel zu flach gehaltenem Love Triangle – hier stand der Auserwählte doch schon direkt zu Beginn fest, wird die Geschichte doch aus zwei personalen Erzählperspektiven erzählt, sieht man mal vom Prolog und Epilog ab, die eine dritte Perspektive bekommen – auf die man auch gut hätte verzichten können.

Das Setting ist natürlich malerisch. So entführt die Autorin die Leser:innen an den Bodensee – und nimmt quasi alles mit, was die Region so zu bieten hat, von malerischen Pensionen, Luxushotels, Segeltörns und biodynamischen Bauernhöfen. Zusammen mit den Marmeladen, die in die Handlung eingeflochten sind, manchmal aber etwas zu früh leicht spoilern, wird hier eine perfekte Stimmung erzeugt, um sich wegzuträumen – ich wäre jetzt ebenfalls gern am Bodensee, vermutlich aber lieber in Tims Hotel als in Kathrins Pension.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. So können insbesondere Benno, Leika und Lea als wichtige Nebencharaktere glänzen, während vor allem Emmi oftmals nicht nachvollziehbar handelt. Persephone Haasis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide. Das Covermotiv setzt sich nahtlos über Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das die Stimmung des Romans gut auffängt, etwas mehr Anklang aber zur Handlung hätte haben können.

Mein Fazit? „Marmeladensommer“ ist ein perfekter Urlaubsbegleiter, ein Feel-Good-Liebesroman mit tollem Setting, interessanten Rezepten und nur kleineren Schwächen in der Handlung. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Alexandra Kui: „Was hast du nur getan?“

Vor kurzem habe ich auch „Was hast du nur getan?“ von Alexandra Kui gelesen. Das Buch ist 2025 als cbt Taschenbuch im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Arthur Otto Falkenberg ist tot. Tot liegt er auf dem Schulhof unter einer Decke, damit man das Blut nicht sieht. Während die Polizei von einem Selbstmord ausgeht, werden Cassidy und ihre Clique von der Schulleiterin gebeten, sich um die anderen Schüler zu kümmern und die Ohren offen zu halten, um einen Skandal an ihrer Schule zu vermeiden. Doch bald häufen sich die Hinweise, dass mehr hinter Arthurs Tod steckt. Wie passen Drogenkäufe in das Image des Musterschülers? Wie viele Tränen der Schüler sind eigentlich Freudentränen? Während Cassidy selbst die Ermittlungen aufnimmt, geraten sie und ihre Clique ins Visier der Polizei. Denn eine von ihnen kannte den Toten besser, als sie zugibt.

„Was hast du nur getan?“ ist mein erster Roman der Krimi- und Thrillerautorin Alexandra Kui. Dabei lässt sich der Roman relativ leicht einem Genre zuordnen. Während das Buch teils als Schulthriller beworben wird – wohl ein noch tieferes Subgenre – würde ich das Buch als Jugendthriller einordnen. Zudem zeigt das Buch ganz leichte Elemente eines Entwicklungsromans und von Coming of Age, da die Protagonist:innen doch starke Wandlungen durchleben. Der Fokus liegt jedoch klar auf der Krimi- bzw. Thrillerhandlung, sodass jegliche andere Kategorisierung aus meiner Sicht ausgeschlossen sein sollte.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich – und altersgerecht, wird der Roman doch seitens des Verlags für Leser:innen ab 14 Jahren empfohlen, ein relativ hohes (Mindest-)Alter für einen Jugendthriller. Und so spart der Roman auch nicht an körperlicher und psychischer Gewalt sowie einer Vielzahl an dysfunktionalen Beziehungen – sowohl zwischen Gleichaltrigen als auch innerhalb der Familien. Allerdings kann das Ende dann doch nicht ganz mithalten, löst zwar den Todesfall auf, lässt aber sonst vieles vermissen und wirft neue Fragen und Probleme auf, sodass ein leicht schaler Beigeschmack verbleibt.

Das Setting ist naturgemäß gelungen, aber austauschbar. So entführt uns die Autorin in ein urbanes norddeutsches Idyll, in eine Stadt mit Villenviertel, Schule, Freibad, Skaterpark und Tennisplätzen in der Nähe von Hamburg – die Geschichte hätte aber genau so gut an nahezu jedem anderen Ort funktioniert. Zentraler Ort des Geschehens ist hier die (ebenfalls sehr dysfunktionale) Schule. Jugendtypische Probleme wie Freundschaft, erste Liebe, Mobbing, Statusdenken, Cliquenbildung und familiäre Vernachlässigung werden hier mit der Thrillerhandlung zu einem Gesamtkonstrukt verflochten, das doch etwas überladen ist – und da sind die beiläufig eingestreuten Themen wie Fluchterfahrung, aufenthaltsrechtliche Probleme, Drogenkonsum und latenter Rassismus noch gar nicht mit eingerechnet.

Die einzelnen Figuren sind teils doch sehr schematisch angelegt, und handeln – vor allem, was die erwachsenen Charaktere betrifft – gelegentlich sehr abstrus und wenig nachvollziehbar. Frau Sturm, Herr Nowak, Monas Vater und Nadja sorgen für permanentes Kopfschütteln, lediglich einige der „jüngeren“ Protagonist:innen können hier punkten – vor allem Leo und Mona überzeugen. Alexandra Kuis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, ist altersgerecht, aber nicht aufdringlich jugendsprachlich, und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und startet die größeren Sinnabschnitte auf ungeraden Seiten. Der Buchumschlag ist genretypisch gestaltet, das Covermotiv setzt sich mit den Blutspritzern nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Das Covermotiv ist jedoch austauschbar und eher belanglos, es fehlt hier der konkrete Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Was hast du nur getan?“ ist ein solider Jugendthriller, der vor allem mit seiner Spannung und Kurzweil punktet, aber auch in den Charakteren und zum Ende hin etwas schwächelt. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgegebenen Alter von 14 Jahren dennoch zu empfehlen.