[Buchgedanken] Sarah Kempfle: „Mord im Rotstiftmilieu“ (Klein/Bähr 2)

Vor kurzem habe ich auch „Mord im Rotstiftmilieu“ von Sarah Kempfle gelesen. Der Roman ist 2024 bei Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ein Gasleck beschert dem jungen Englischlehrer Wonneberg einen ziemlich spektakulären Tod. Doch damit nicht genug: An seiner Schule herrscht durch sein plötzliches Ableben Personalmangel in einem wichtigen Prüfungsfach. Isa Klein ist zunächst mäßig begeistert von der Aussicht, Wonneberg zu vertreten. Erst als sie hört, sein Tod sei vielleicht kein Unfall gewesen, sondern eiskalter Mord, sieht sie ihre Chance gekommen, erneut tatkräftig zu ermitteln. Kommissar Bähr, offiziell mit der Aufgabe betreut, den verdächtigen Tod an der Schule aufzuklären, sieht ihre „Assistenz“ gar nicht gern. Denn er weiß nur zu gut, welch magische Anziehungskraft Isa auf Fettnäpfchen, brenzlige Situationen und natürlich Mörder ausübt …

„Mord im Rotstiftmilieu“ ist der zweite Band der Krimireihe um die Lehrerin Isa Klein und Kommissar Götz Bähr – und lässt sich gar nicht so einfach einem Untergenre zuordnen. Als Provinzkrimi beworben, kommt mir das Lokalkolorit doch etwas kurz, sodass man durchaus auch Argumente fände, hier über Cosy Crime nachzudenken. Schlussendlich habe ich es aber bei der Eingruppierung als Regionalkrimi belassen, denn über die Reihe hinweg sollte das Lokale doch durchaus zentral für die Handlung sein. Der Roman lässt sich hierbei durchaus als Standalone lesen – mir fehlt auch der Vorgänger „Übung macht den Mörder“, empfehlen würde ich es aber nicht, da viele Anspielungen zum ersten Band vorhanden sind und sich die Chemie zwischen den Protagonist:innen kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Handlung ist – deshalb auch der leichte Genrezweifel oben – sehr cosy, sehr spannungsarm im Hinblick auf akute Gefahren bzw. Spannungsspitzen, sie konzentriert sich vielmehr auf die Konflikte der Personen untereinander – und den verzweifelten Versuch von Isas Mutter, sie zu verkuppeln. Auch hat der Roman kleinere Längen, verliert dabei aber nie den Humor und den Charme, der den Leser dennoch an die Seiten fesselt. Dies wird durch das doch sehr ungleiche Ermittlerduo unterstützt, die Kombination aus Lehrerin und Kommissar ist erfrischend anders – auch wenn Isas Methoden teils krass übers Ziel hinausschießen und sie so erheblich an Sympathie einbüßt.

Das Setting ist – naturgemäß – gelungen, etwas anderes würde bei einem Regionalkrimi auch irritieren. So entführt Sarah Kempfle die Leser ins Ländle (neu: The Länd) – nach Grimmingen und Reutlingen. Auch wenn der Lokalkolorit fast etwas kurz kommt, wird über Isas Vater doch noch etwas Dialekt eingestreut und insgesamt kommt der Flair der Region doch noch rüber. Auch das schulische Setting wird gut beschrieben – wenn es auch im Einzelnen vielleicht etwas überzeichnet ist – insbesondere um die Gegensätze zwischen den Schulen zu verdeutlichen.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren vor allem Alfons (ja, ein Hund :)), Esma und Isas Vater, während Isa – wie oben angesprochen – durch ihr Verhalten viele Sympathiepunkte verspielt, die sie sich vorher als interessanter Charakter erarbeitet hat. Sarah Kempfles Schreibstil ist humorvoll und passend, lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist schlicht, aber fehlerfrei. Der Umschlag ergibt durch die fließenden Übergänge zwischen Cover, Buchrücken und Coverrückseite ein schönes Gesamtbild – lediglich das zusätzliche Aufgreifen des Covermotivs auf dem Buchrücken stört hier etwas die Harmonie. Insgesamt ist das Covermotiv gut gestaltet, aber kein wirklicher Eyecatcher und lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen. Dafür fügt es sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen einheitlichen Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Mord im Rotstiftmilieu“ ist eine gelungene Fortsetzung der Regionalkrimis um Isa Klein und Götz Bähr, die vor allem mit Humor und einer cosy Handlung punkten kann und Lust auf weitere Bände macht, aber auch kleinere Längen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Tanja Huthmacher: „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ (Zeit der Schwestern 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ von Tanja Huthmacher gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Es ist Sommer am Bodensee, und die Kirschen leuchten in rotem Glanz. Als Alleinerziehende hat Romy mit zwei lebhaften Kindern und ihrem Job als Caterin eigentlich genug um die Ohren. Doch sie will unbedingt an einem Backwettbewerb teilnehmen, der ein beachtliches Preisgeld und attraktive Perspektiven für ihre berufliche Zukunft verheißt. Auch wenn sie ihre geliebten Schwestern Carolin und Veronika mit Rat und Tat an ihrer Seite weiß, will Romy dieses neue Projekt allein meistern. Als eine kleine Panne eine ganze Kette an Missverständnissen nach sich zieht, wird Romy bewusst, dass sie eine weitreichende Entscheidung nicht länger aufschieben darf …

„Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ ist nach „Zeit der Schwestern – Apfelblütentage“ der zweite Roman der „Zeit der Schwestern“-Trilogie bzw. der Reihe um die Bodensee-Schwestern. Auch wenn sich weiterhin gute Argumente dafür finden, das Buch als Liebesroman einzuordnen, würde ich bei der Kategorisierung als Familiensaga verbleiben, sind die drei Teile doch durch die starken Familienbande untereinander geprägt. Zudem setzen die Folgebände – trotz der Fokussierung auf eine andere Hauptperson – die Geschichten der anderen Familienmitglieder nahtlos fort. Dabei kann man den Roman durchaus als Standalone lesen, aufgrund der nahtlosen Anknüpfung an den ersten Band würde ich aber dessen Lektüre vorab empfehlen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils vorhersehbar. Um etwas Vielfalt hineinzubringen erweitert Tanja Huthmacher das – für diesen Band – charakteristische Love Triangle um eine weitere Ebene und stellt der Protagonistin kurzfristig sogar drei potentielle Partner zur Seite. Dabei gelingt es ihr, zumindest kurzzeitig die Leser:innen an dem eigentlich eingeschlagenen Weg zweifeln zu lassen. Allerdings gerät das Buch dafür außerhalb des Haupthandlungsstrangs etwas ins Schwimmen. Während der Vorgängerband hier noch durch externe Konflikte befeuert wurde, legen sich diese nunmehr und es herrscht – etwas eintönig – mehr oder weniger eitel Sonnenschein, wohin man auch blickt.

Das Setting bleibt naturgemäß gleich und somit brillant. Auch dieses Mal entführt Tanja Huthmacher – wie sollte es anders sein – die Leser:innen an den Bodensee, in die malerische Stadt Konstanz, nach Überlingen und – natürlich – aufs Wasser und auf die Mainau. Da man alle Handlungsorte kennt, gibt es wenig Überraschungen, dafür baut die Autorin durch den Filmdreh weitere Themen mit ein wie den Umgang mit Kindern am Set. Thematisch wird sicherlich der dritte Band hier am spannendsten, ist doch ein noch vertiefterer Einblick in Weinbau und Önologie zu erwarten.

Die einzelnen Figuren sind weiterhin vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei entwickeln sie sich (größtenteils) kontinuierlich weiter. Bereits im ersten Band stark, wird Rosalie endgültig zum Scene Stealer und besitzt Lieblingscharakterpotential, aber auch Romy und Marie überzeugen. Tanja Huthmachers Schreibstil lässt sich dabei weiterhin flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, ein dreiseitiger Farbschnitt rundet das hochwertige Gesamtprodukt ab. Das Cover passt sich gut in die Reihe ein, ist allerdings kein Eyecatcher und wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen.

Mein Fazit? „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ ist eine gelungene Fortsetzung der Familiensaga mit abwechslungsreicher Handlung, die in den Nebensträngen aber etwas mehr Komplikationen hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres weiterhin bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Julia Kuhn: „Moonlight Academy. Feenzauber“

Vor kurzem habe ich auch „Moonlight Academy. Feenzauber“ von Julia Kuhn gelesen. Das Buch ist 2024 in der Carlsen Verlag GmbH erschienen und dem Genre Romantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Moonlight Academy an der Küste Irlands zählt zu den geheimnisvollsten Orten der Feenwelt. Doch für Elanor bedeutet sie vor allem eins: einen Neuanfang. Dieser gestaltet sich allerdings schwerer als gedacht, denn auf einmal steht ihr wieder Elijah gegenüber – der Junge, der für sie verboten ist. Im Gegensatz zu dem mysteriösen Kylian, der mit seinen Tattoos und der anziehenden Art eine neue Seite in ihr weckt. Fest entschlossen, sich davon nicht ablenken zu lassen, konzentriert sich die Mondfee ganz auf ihre magische Ausbildung. Diese hält jedoch unerwartete Herausforderungen für sie bereit, denn das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse gerät ins Wanken und droht die Feenwelt in ihren Grundfesten zu erschüttern …

„Moonlight Academy. Feenzauber“ ist zwar ein in sich abgeschlossener Einzelband, gleichzeitig jedoch auch ein Spinoff der Dilogie „Ravenhall Acacdemy“, da man hier auf altbekannte Personen aus der Reihe trifft. Dennoch kann man – wie ich – „Moonlight Academy. Feenzauber“ als Standalone lesen, sollte dann aber auf die im Anhang befindlich Bonusgeschichte verzichten. Dabei ist es nicht ganz einfach, den Roman einem Genre zuzuordnen. So ist „Moonlight Academy. Feenzauber“ klar Romantasy und wird ja auch so – etwas sperrig als „Romantische Feen-Fantasy“ – vom Verlag beworben. Jedoch balanciert der Roman dabei knapp auf der Grenze von Young- zu New Adult. Aufgrund der Altersempfehlung und der behandelten Themen würde ich den Roman jedoch eher der Young Adult Romantasy zurechnen, auch wenn das Alter aller Protagonist:innen nicht ganz klar ist, vermutlich teils schon in den NA-Bereich fällt.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch teils vorhersehbar und – am Ende sogar – etwas antiklimaktisch. Dabei ist zudem die Schwerpunktsetzung nicht immer ganz gelungen, so dominiert zwischenzeitlich die Liebesgeschichte die Rahmenhandlung völlig und lässt diese fast in der Bedeutungslosigkeit versinken, bevor das Buch zum Ende hin wieder etwas ausgeglichener wird. Dennoch macht diese Geschichte viel Spaß und ist quasi ein Füllhorn an Tropes, die jedoch nie zu sehr ins Klischee abrutschen.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt die Autorin die Leser:innen an die Küste Irlands, in einen nur von Feen bewohnten Ort mit magischer Akademie. Und auch wenn einige Teile des Weltenbaus und Magiekonzepts noch etwas unklar verbleiben, vermag die Welt insgesamt zu begeistern und Interesse zu wecken, nun auch an die Ravenhall Academy zu reisen. Julia Kuhn mischt dabei fröhlich jugendtypische Themen mit dem der Fantasy inhärenten Kampf zwischen Gut und Böse – vor einem Akademie-Setting, das aber etwas dadurch unterminiert wird, dass die Familien der (wesentlichen) Protagonisten direkt im gleichen Ort leben.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive (und verrückte Motten :D). Dabei überzeugen vor allem Leona als wichtiger Nebencharakter, Elanor und Elijah, der gerade im letzten Buchdrittel erheblich an Profil gewinnt, während Kylian sehr vorhersehbar verbleibt. Julia Kuhns Schreistil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist atemberaubend. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist jedoch wunderschön und setzt an einer Stelle durchaus innovativ Chatnachrichten. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen und nicht nur auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken sondern sogar auf den Klappen hochwertig geprägt und mit Glitzerelementen versehen – unglaublich hochwertig. Auch der Farbschnitt ergänzt das brillante Gesamtprodukt, auch wenn man ihn dreiseitig hätte gestalten können – der einzige, minimale Wermutstropfen. Das Covermotiv kann ebenfalls vollends überzeugen, ist ein wahrer Eyecatcher und zieht sich über den kompletten Umschlag, sodass ein traumhaftes Gesamtbild entsteht – einfach wunderschön.

Mein Fazit? „Moonlight Academy. Feenzauber“ ist ein Romantasy-Einzelband, der vor allem mit seinem Setting, tollen Figuren und seiner wunderschönen Ausstattung begeistert, in der Handlung aber etwas vorhersehbar bleibt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Nadine Schojer: „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ (Telefonistinnen 1)

Vor kurzem habe ich auch „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ von Nadine Schojer gelesen. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Köln, 1948. Der Wiederaufbau ist in vollem Gange. Es sind vor allem die Frauen, die für sich und ihre Familien in der zerstörten Stadt ein neues Leben aufbauen. Als Telefonistinnen sorgen Gisela, Hannelore und Julia in einer großen Versicherung für die richtigen Verbindungen zwischen innen und außen. Jede hat ihre eigene Geschichte, für jede von ihnen ist die Arbeit lebenswichtig, jede hat Geheimnisse. Auch Charlotte, die neue Kollegin, die auftritt, als gehörte ihr das Unternehmen. Während die junge Republik entsteht und in den Bars wieder getanzt wird, gehen die Frauen gemeinsam Schritt für Schritt voran in eine neue Welt, die von Umbrüchen, Sehnsüchten und Träumen geprägt ist …

„Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ ist der Auftaktband in Nadine Schojers Buchreihe über vier Telefonistinnen in der Nachkriegszeit – wobei eigentlich auch Erna, die Rezeptionistin, zu der (erweiterten) Clique gehört. Zwar handelt es sich hier bei den Protagonistinnen nicht um eine Familie im eigentlichen Sinne (vielmehr haben alle selbst Probleme mit ihrer jeweiligen „richtigen“ Familie), ich habe das Buch aufgrund der starken freundschaftlichen Bindungen untereinander in Einklang mit der Eingruppierung auf Verkaufsportalen dennoch als (historische) Familiensaga kategorisiert. Eine Zuordnung zum Genre historischer Roman wäre jedoch genauso denkbar gewesen wie im Übrigen auch die zu anderen Genres.

Die Handlung ist abwechslungsreich, läuft relativ stringent an und konzentriert sich auf den Handlungsstrang um Gisela, aber auch über Hanni erfährt man relativ viel, während Julia und Charlotte – letztere ein heimlicher Leserliebling von mir – erst im Laufe der Geschichte dazustoßen und daher ihre Handlungsstränge noch etwas stiefmütterlich ausgebaut sind. Auch das Ende überzeugt größtenteils. So endet der Roman nicht – wie befürchtet – in einem krassen Cliffhanger, sondern ist halbwegs abgeschlossen, lässt jedoch ausreichend Anknüpfungspunkte und Potentiale für die Folgebände, sodass man ihn auch – zumindest in Bezug auf Gisela – als Standalone lesen könnte.

Das Setting ist wenig überraschend, aber erwartbar gut. So entführt die Autorin die Leser:innen ins Köln der Nachkriegszeit, in eine von den Bombardierungen gezeichnete Stadt, die sich gerade erholt und von dem ersten zarten Aufschwung, von Besatzungstruppen und von der Suche nach den Heimkehrern geprägt ist. Nadine Schojer gelingt es dabei, das Flair der Zeit gut einzufangen – und über gelegentlich eingestreute Dialoge und Begriffe in Mundart auch den Charakter der Stadt und ihrer Bewohner zu verkörpern.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – aufgrund der Vielzahl an (wichtigen) Protagonist:innen muss die Entwicklung in den Folgebänden aber noch konsequent weitergehen, damit hier ein rundes Bild entsteht. Bislang überzeugen insbesondere Charlie/Charlotte (trotz des kurzen Auftritts), Hanni und Erna, während insbesondere Julia noch ausbaufähig bleibt und auch Anton und Gisela nicht immer nachvollziehbar handeln. Nadine Schojers Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anspringen und ist im Wesentlichen historisch authentisch, wenn auch der Fokus wohl eher auf der Lesbarkeit gelegen hat.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht entscheidend schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv wird zum Buchrücken hin jedoch jäh unterbrochen. Insgesamt ist der Umschlag eher eintönig und das Covermotiv m.E. nicht in Gänze stimmig. So zeigt es zwar vier Frauen, es fehlt jedoch etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ ist ein gelungener Auftakt in die Reihe, der vor allem mit seinem tollen Setting und einer abwechslungsreichen Handlung punkten kann. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Phantastische Neuzugänge | Doppelter Buchkauf

Und auch diese beiden wundervollen Bücher zogen vor kurzem bei mir ein. „Chaos Witches – Die falsche Auserwählte“ ist hierbei das neue (und unglaublich wunderschöne) Buch von Caroline Brinkmann aus dem dtv Verlag, während „Dark Sigils – Wen das Schicksal betrügt“ bereits der dritte Band der gleichnamigen Reihe von Anna Benning aus dem Fischer Kinder- und Jugendbuchverlag, S. Fischer Verlage ist. Beide Bücher sind dabei der Jugendfantasy zuzuordnen und für ganz ähnliche Altersgruppen vorgesehen. So wird Caris Buch für Leser:innen ab 13 Jahren empfohlen, Annas Buch für Leser:innen ab 14. So oder so: Wenn die Inhalte auch nur annähernd mit dem tollen Design mithalten können, stehen mir in beiden Fällen hier bezaubernde Lesestunden ins Haus. Zudem freue ich mich, hoffentlich beide Autorinnen auch in Leipzig treffen zu können, um mir die wunderschönen Bücher auch noch signieren zu lassen.

Welchen Fantasyroman habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] Stefanie Schuhen: „Die rastlosen Geister des Salon Nocturne“

Vor kurzem habe ich auch „Die rastlosen Geister des Salon Nocturne“ von Stefanie Schuhen gelesen. Das Buch ist 2023 bei Piper Wundervoll in der Piper Verlag GmbH erschienen und dem Genre Urban Fantasy zuzuordnen. Auch diesen Roman habe ich im Rahmen der Tätigkeit als Lesejuror für den Phantastikpreis SERAPH 2024 gelesen. Die folgende Besprechung spiegelt hierbei lediglich einen individuellen Leseeindruck wider, sodass keine Rückschlüsse auf die Gesamtentscheidung der Jury getroffen werden können – vielen Dank an dieser Stelle für die Bereitstellung des digitalen Leseexemplars.

Die Bäckerin Jackie ist seit vielen Jahren durch einen Zauber an ihr Haus in Paris gefesselt, nur mithilfe der streunenden Katzen kann sie es manchmal verlassen. In dem dazugehörenden Café Salon Nocturne finden Mitglieder der magischen Gemeinschaft Hilfe und Zuflucht, und so hat sich Jackie mit ihrem Schicksal arrangiert. Doch dann wird sie von der Magiebehörde zur Mitarbeit angefordert, denn jemand experimentiert mit gefährlichen Bindungsritualen – mit fatalen Folgen. Ausgerechnet mit Gabriel Rivera soll sie zusammenarbeiten, jenem Mann, dessen Name Jackie schon so lange verfolgt …

„Die rastlosen Geister des Salon Nocturne“ ist der Debütroman von Stefanie Schuhen und als „Bestes Debüt“ für den SERAPH 2024 nominiert. Der Titel ist dabei leicht irreführend, geht es im Roman doch nur am Rande um die rastlosen Geister, sondern vielmehr um einen Fall von Magiemissbrauch. Und so ist auch das Genre nicht leicht zu bestimmen, zeigt der Roman doch Ansätze eines Romantasy-Titels – Folgeromane könnten den Fokus hier in diese Richtung weiter verschieben. Gleichsam liegt jedoch auch ein phantastischer Kriminalroman vor, haben wir doch sogar ein Ermittlerduo aus Jackie und Gabriel (jeweils mit Anhang). Da ich nicht weiß, ob überhaupt Fortsetzungen geplant sind und, wenn ja, in welche Richtung diese gehen, habe ich es vorliegend bei der relativ breiten Kategorisierung als Urban Fantasy belassen.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, zugleich aber gerade zu Beginn auch sehr cosy, ist der Handlungsort doch für die Kapitel aus Jackies Sicht mehr oder weniger auf den Salon Nocturne festgelegt. Kleines Manko ist hierbei das – trotz abgeschlossenem Fall – relativ offene Ende, das nach Fortsetzungen schreit. Auch verbleibt die Handlung – die dennoch viel Spaß macht – etwas an der Oberfläche, ist insgesamt relativ komplikationslos, was aber auch verständlich ist, wenn man sich die Mühe ansieht, die hier in die Einführung der magischen Gemeinschaft gesteckt wird.

Das Setting vermag nämlich auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt die Autorin den Leser ins Paris der Jetztzeit und lässt den Charme der Stadt dabei spürbar werden. Aufgepeppt durch eine Prise Magie und einen durchaus überzeugenden Weltenbau bzw. ein gelungenes Magiekonzept, träumt man sich gern an diesen Ort – wenn auch nicht ins Zwischenreich. Gleichsam bleibt aber auch noch genug Potential für etwaige Folgebände, das Konzept weiterzuentwickeln und zu verfeinern.

Auch die einzelnen Figuren können glänzen, sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Jackie auch Nebenfiguren wie Fatou und Roland – und ich würde mich freuen, irgendwann vielleicht auch mehr über Florence zu erfahren. Stefanie Schuhens Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Da ich ein digitales Exemplar gelesen habe, lassen sich keine Aussagen zur Ausstattung der Printausgabe sondern lediglich zum Lektorat, Korrektorat und – bedingt – zum Buchsatz treffen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, die durchgerutschten Kleinigkeiten schmälern das Lesevergnügen nicht. Gleiches gilt für den Buchsatz, der ebenfalls unauffällig ist.

Mein Fazit? „Die rastlosen Geister des Salon Nocturne“ ist ein durchweg gelungenes Debüt, das für Urban Fantasy zwar relativ cosy daherkommt, dennoch mit tollem Setting und spannenden Charakteren brilliert und Raum für Folgebände bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – aus meiner Sicht durchaus schon ab etwa 14 Jahren, und nicht erst ab 16 wie vom Verlag empfohlen.

[Buchgedanken] Margrit Cantieni: „1941. Liebe in herzlosen Zeiten“

Vor kurzem habe ich auch „1941. Liebe in herzlosen Zeiten“ von Margrit Cantieni gelesen. Das Buch ist 2023 in der Emons Verlag GmbH erschienen und als historischer Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Sommer 1941. Tausende polnische Soldaten werden auf der Flucht vor der deutschen Wehrmacht in der Schweiz interniert und von den Einheimischen als Helden gefeiert. Doch bald schon kippt die Stimmung, und die zuvor willkommenen Flüchtlinge werden zur vermeintlichen Bedrohung. So auch Marek, der im Arbeitslager auf die junge Sofia trifft. Es ist Liebe auf den ersten Blick, aber je länger der Krieg dauert, desto unerwünschter wird ihre Beziehung. Schaffen sie es, sich den Regeln der Gesellschaft zu widersetzen und ihr gemeinsames Glück zu finden?

„1941. Liebe in herzlosen Zeiten“ ist mein erstes Buch der schweizerischen Autorin Margrit Cantieni – und diese Herkunft merkt man dem Buch auch an, das schweizerische Lektorat hat hier sicherlich auch dazu beigetragen. Denn das Buch ist gespickt mit schweizerischen Begriffen, auch außerhalb von Dialogen, und ignoriert teils die gängige deutsche Rechtschreibung, was bei mir als Leser durchaus für Irritationen sorgt.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und kurzweilig, allerdings auch etwas spannungsarm – was bei einem Buch, das größtenteils zur Zeit des zweiten Weltkriegs spielt, doch etwas verwundert. Teils gravierende Zeitsprünge und ein sehr antiklimaktisches Ende sorgen für ein doch sehr angenehmes aber auch etwas eintöniges Leseerlebnis. Dabei werden neben der Liebesgeschichte jedoch spannende historische Fakten über die Schweiz zu dieser Zeit vermittelt, die gerade hier doch eher unbekannt sind.

Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin den Leser nach Graubünden zur Zeit des zweiten Weltkrieges, insbesondere in das kleine Dorf Rodels, das seit 2015 keine eigene Gemeinde mehr ist, im Buch aber deutlich größer vorkommt als die weniger als 200 Einwohner, die das Dorf wohl zu dieser Zeit hatte – die Internierten nicht mitgezählt. Dabei gelingt es der Autorin gut, die damalige Stimmung und die Spannungen innerhalb der Gesellschaft einzufangen – und atmosphärisch für den Leser greifbar zu machen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem (wichtige) Nebenfiguren wie Leonora und der Lehrer Lorenz, während gerade Marek teils nicht wirklich nachvollziehbar handelt. Margrit Cantienis Schreibstil lässt sich dabei, trotz der Authentizität, leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls solide. Lektorat und Korrektorat haben – im Wesentlichen – sauber gearbeitet, der Buchsatz ist simpel, aber fehlerfrei, auch wenn ich mir eine Karte von Graubünden zur Unterstützung noch gut hätte vorstellen können. Das Covermotiv ist etwas beliebig, aber schön anzusehen – und zieht sich toll über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht.

Mein Fazit? „1941. Liebe in herzlosen Zeiten“ ist ein unterhaltsamer historischer Liebesroman, der eher unbekannte Aspekte des zweiten Weltkrieges in den Mittelpunkt rückt, dabei teils aber etwas ereignisarm daherkommt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Lisa Brenk: „Triumph der himmelblauen Nacht“

Vor kurzem habe ich auch „Triumph der himmelblauen Nacht“ gelesen. Das Buch ist 2023 im Diederichs Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Erzählung einzuordnen. Die Illustrationen stammen übrigens auch aus der Feder von Lisa Brenk. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eifersüchtig bewacht Arkas Nachtfell den größten Schatz der Bären: das Gleißen, das wundersame Licht, das seit Anbeginn der Zeit im alten Gehölz liegt. Kurz vor den ersten Winterstürmen taucht unerwartet eine fremde Bärin auf, Mika. Als sie ihm erzählt, sein Gleißen sei vom Himmel gefallen und müsse dorthin zurückgebracht werden, lacht er sie aus und jagt sie fort. Doch kaum beginnt die Winterruhe, bemerkt er, dass das Gleißen gestohlen wurde. Alleine begibt er sich auf die Suche nach Mika. Diese ist bereits auf dem Weg in den hohen Norden, dorthin wo die weißen Bären wohnen und der Himmel mit dem Ozean verschmilzt. Wo Lichter über dem Himmel tanzen und die Sternbilder geschmiedet werden. Auf der Reise durch die verschneiten Wälder, durch eine finstere Eishöhle und über das gefrorene Meer begegnet Arkas viele wundersame Wesen, die alle eins gemeinsam haben: Sie bringen Arkas sich selbst näher und dem Gleißen, das sein ganz eigenes Geheimnis hat.

„Triumph der himmelblauen Nacht“ ist ein sehr spezielles Buch, ein Hardcover mit farbigen Illustrationen, das sich in keine Genreschublade pressen lässt. Beworben als zauberhafte und verträumte Erzählung [über die Suche nach dem, was uns im Innersten ausmacht], könnte man den Roman fast auch als Märchen, als Fabel ansehen. Theoretisch möglich wäre auch die Eingruppierung als fantastischer Roman, aber ich habe der Einfachheit halber die Kategorisierung als Erzählung übernommen.

Die Handlung ist überraschend und abwechslungsreich, wird zum Ende hin aber doch teils vorhersehbar – und ist, übertrieben gesagt – gänzlich nachrangig, lebt der Roman doch von seiner tollen, bildhaft-blumigen und malerischen Sprache voller zauberhafter Worte – ein wahrer Traum. Zugleich vermittelt der Roman auch eine starke, wichtige Botschaft, die transformativ natürlich einem Gleichnis ähnlich auf das Leben der Menschen übertragen werden kann.

Das Setting kann ebenfalls überzeugen. So nimmt Lisa Brenk den Leser mit auf eine Reise durch die verschiedensten natürlichen Gefilde, in die Tier- und Pflanzenwelt, durchwoben von Mythen und Geheimnissen. Dabei verzaubert die Autorin durch versteckte Bedeutungen und Easter Eggs – so spricht die Wisperschlange in Elfchen, was mich immer noch begeistert.

Zu den Figuren kann man eher wenig sagen, ohne zu spoilern. Gern hätte ich aber noch mehr von Lika erfahren, die einen tollen, ersten Eindruck macht. Lisa Brenks Schreibstil hingegen ist – wie oben schon erwähnt – das wahre Highlight des Romans und begeistert nachhaltig. Egal auf welcher Seite man das Buch aufschlägt, wird man von alten und wunderschönen Worten, von Neuschöpfungen und lautmalerischen Ausdrücken begrüßt.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Text wird von Lisa Brenks wundervollen, aquarellartigen Illustrationen zauberhaft ergänzt, die sich auch im Stil auf dem Cover und der Coverrückseite wiederfinden. So schön das Cover auch anmutet, auch in der Farblichkeit, ist es doch relativ unscheinbar, und wird durch den Buchrücken krass unterbrochen. Gleichsam ist auch das unter dem Umschlag befindliche Buch relativ schlicht.

Mein Fazit? „Triumph der himmelblauen Nacht“ ist ein sprachlich brillantes Buch mit wichtiger Botschaft, einer aber auch teils vorhersehbaren und etwas abstrusen Handlung. Für alle Leser bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Heike Abidi: „Hör auf dein Herz, auch wenn es stolpert“

Vor kurzem habe ich auch „Hör auf dein Herz, auch wenn es stolpert“ von Heike Abidi gelesen. Das Buch ist 2023 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über ein Rezensionsangebot auf Instagram.

Eine Agentur fürs Zuhören! Diese Idee hat Floriane, 50, nachdem sie innerhalb von 24 Stunden aus ihrem gemütlichen Leben gestoßen wurde. Zuerst hat ihr Ehemann sie wegen einer Dreißigjährigen verlassen, und dann wurde ihr auch noch der Job gekündigt. Erstmal hat Floriane keine Ahnung, was sie nun tun soll. Doch dann besinnt sie sich auf ihr größtes Talent, das Zuhören. Schon bald nach der Gründung ihrer Agentur bemerkt sie überrascht, wie viele Menschen dringend jemanden zum Reden brauchen. Als sie sich auf einmal zwischen zwei Männern entscheiden muss, stellt sie fest, dass das Zuhören auch ihr gutgetan hat. Können die Lebensgeschichten anderer Floriane helfen, ihren Weg zu finden?

„Hör auf dein Herz, auch wenn es stolpert“ ist ein klassischer Liebesroman, der, für das Genre ungewohnt, Protagonistinnen jenseits der 50 oder zumindest um die 50 in den Mittelpunkt stellt – mal erfrischend anders, nicht immer über die erste große, sondern eine spätere Liebe zu lesen. Auch eröffnet dies die Möglichkeit, aufgrund der Lebenserfahrung den Charakteren ganz andere Steine in den Weg zu legen, andere Probleme im Hintergrund hervortreten zu lassen – wovon der Roman aber eher wenig Gebrauch macht, hier bleibt die Geschichte etwas seicht und konfliktarm.

Die Handlung generell ist durchaus abwechslungsreich und kurzweilig, genrebedingt natürlich aber auch zumindest teils vorhersehbar – insgesamt eher ein Feel-Good-Liebesroman als einer, der an der Grenze zum Schicksalsroman kratzt. Kleinere Logikfehler tun der guten Stimmung hier eher keinen Abbruch. Allerdings kann das Ende nur bedingt überzeugen, wartet mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf, hat aber auch leichte Schwächen.

Das Setting ist etwas beliebig und austauschbar, so könnte der Roman in jeder mittelgroßen bis großen Stadt im Einzugsgebiet eines Flughafens spielen – eine stärkere lokale Fokussierung hätte hier noch eine weitere Nuance hinzufügen können. Für die Handlung ist das Setting allerdings auch nicht wirklich wichtig, ist in diesem Buch eher Beiwerk als Handlungstreiber, da es doch sehr zentral auf die Beziehung der Protagonisten untereinander ankommt.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Rena, Ilse und Alfred als wichtige Nebencharaktere, während Floriane nicht immer nachvollziehbar handelt und einige der kleineren Nebencharaktere etwas überzeichnet sind. Heike Abidis Schreibstil lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen, ist humorvoll und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben solide gearbeitet, insbesondere der Satz punktet dadurch, die Chatnachrichten etwas innovativer einzubauen, auch wenn hier sicherlich noch lange nicht das Optimum erreicht ist. Der Umschlag ist auf Cover und Buchrücken hochwertig geprägt, das florale, ansehnliche Titelbild zieht sich gut auch über den Buchrücken und die Coverrückseite, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht. Zudem ist der Umschlag mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, die allerdings nicht so recht zum Design passen und eher eintönig sind. Etwas mehr Vielfalt hier und eine Prägung auch auf der Coverrücksite hätten so für ein noch runderes Gesamtprodukt gesorgt.

Mein Fazit? „Hör auf dein Herz, auch wenn es stolpert“ ist ein im Wesentlichen gelungener Feel-Good-Liebesroman, der vor allem durch starke Nebencharaktere und tolle Ideen punktet, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – auch schon leicht vor dem vom Verlag angegebenen Lesealter (16+), nämlich ab etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Mairghread Scott: „Sea Serpent’s Heir – Das Vermächtnis der Seeschlange 1: Die Piratentochter“ (Sea Serpent’s Heir 1)

Vor kurzem habe ich auch „Sea Serpent’s Heir – Das Vermächtnis der Seeschlange 1: Die Piratentochter“ von Mairghread Scott gelesen. Das Buch ist 2023 bei CROCU, im Cross-Cult Verlag erschienen und als Graphic Novel einzuordnen, die Originalausgabe wurde 2022 bei Image Comics, Inc. veröffentlicht. Die Zeichnungen stammen aus der Feder von Pablo Tunica, für die Übersetzung zeichnet Frank Neubauer verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Für Aella ist das Leben auf der Insel Kinamen der Inbegriff von unendlicher Langeweile. Sie träumt von großen Abenteuern jenseits des Horizonts, während sie ihre Tage mit Fischen und einem wachsamen Blick auf ihre Tanten verbringt. All das soll sich jedoch ändern, als ein uraltes Übel in ihr erwacht: Xir, jene Schlange, die um ein Haar die Welt zerstört hätte. Es kommt noch schlimmer! Eine fanatische religiöse Organisation hat auf Kinamen Einzug gehalten, um Xir ein für alle Mal zu vernichten … Als Aella sich gezwungen sieht, um ihr Leben zu kämpfen, merkt sie schnell, dass ihre ganze Welt überhaupt nicht so ist, wie es stets den Anschein machte. Auch ihre Tanten wissen mehr, als sie zugeben mögen – und was genau will die berüchtigte Piratenkönigin überhaupt von Aella?

„Sea Serpent’s Heir – Das Vermächtnis der Seeschlange 1: Die Piratentochter“ ist der Auftakt in die gleichnamige Graphic Novel Reihe aus der Feder der bekannten Comic- und Zeichentrickfilmautorin Mairghread Scott. Neben Pablo Tunica als Zeichner ist auch Ariana Maher als Lettererin an dem Projekt beteiligt. Während „Die Piratentochter“ dabei auf Verkaufsplattformen teils als Comic eingeordnet wird, habe ich es als Graphic Novel klassifiziert, da ich dies stimmiger finde – die Gattungsgrenzen sind hier aber ohnehin fließend.

Die Handlung ist spannend und kurzweilig, am Anfang aber auch leicht verworren und unübersichtlich. Dabei wird die Geschichte durch die tollen Zeichnungen nicht nur abgebildet, sondern unterstützt und ergänzt – die unglaublich detailverliebten Bilder tragen hier im Wesentlichen zu der Tiefe der Handlung bei, die eine Mischung aus Fantasy-, Piraten- und Coming-of-Age Geschichte ist mit ersten Anklängen für eine romantische Storyline. Letztere ist allerdings in diesem Band noch nicht wirklich entwickelt.

Das Setting ist stimmig, aber vom Weltenbau noch nicht vollends ausgereift. So entführt die Autorin den Leser in ein nicht näher bestimmtes Reich / eine nicht näher bestimmte Welt mit Inseln, in der die Kirche des ersten Lichts als Dämonenjägerin aktiv ist. Leider fehlen hier noch diverse Hintergrundinformationen zur Weltenentwicklung oder zum Magiekonzept – die nächsten Teile können dies aber sukzessive nachholen und ein überzeugendes Gesamtbild präsentieren.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen noch schematisch gezeichnet, etwas eindimensional angelegt. Aella als Protagonistin kann hier trotzdem, gerade auch mit ihrer Zerrissenheit, überzeugen, während vor allem Oren als Antagonist etwas farblos verbleibt. Mairghread Scotts Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen und harmoniert gut mit der Bildsprache von Pablo Tunica.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben gut gearbeitet, das Lettering ist ausgezeichnet. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken leicht geprägt, die Handlung wird mit einer nachgestellten Karte abgerundet. Das Covermotiv ist unglaublich detailverliebt und ein wahrer Eyecatcher – wirklich toll gestaltet. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Cover über die Reihe hinweg entwickeln und ob ein einheitlicher Gesamteindruck entsteht.

Mein Fazit? „Sea Serpent’s Heir: Das Vermächtnis der Seeschlange 1: Die Piratentochter“ ist ein solider Auftakt in die Reihe, der vor allem durch seine detailverliebten Zeichnungen glänzt, am Anfang allerdings etwas unübersichtlich ist. Für Leser von Graphic Novels bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.