[Buchgedanken] Caitlyn Young: „Breaking Through“

Vor einiger Zeit habe ich „Breaking Through“ von Caitlyn Young gelesen. Das Buch ist 2022 im Verlag Elysion Books erschienen und als lesbischer Liebesroman | Girl on Girl Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die sechsundzwanzigjährige Celeste Myers steht am Anfang ihrer Karriere als Journalistin in Chicago. Die Anwaltskanzlei ihrer wohlhabenden Eltern soll eines Tages ihr älterer Bruder Milo, mit dem Celeste seit der Pubertät auf Kriegsfuß steht, übernehmen. Als Celeste einen Artikel zu Überfällen in Stadtwohnungen junger Männer schreiben soll, bei denen stets ein Kussmundabdruck auf dem Badezimmerspiegel hinterlassen wird, lernt sie die einunddreißigjährige, dunkelhäutige Jamila Smith kennen, die aus sehr einfachen Verhältnissen stammt. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut und tauschen Anekdoten über ihre desillusionierenden Männergeschichten aus. Die Freundschaft der ungleichen Frauen gewinnt immer mehr an Tiefe und unerwarteter Intimität. Als Celestes Bruder Milo den Verdacht äußert, dass Jamila in die Überfälle verwickeln sein könnte, ist Celeste empört und muss sich für eine Seite entscheiden.

„Breaking Through“ ist bereits schwierig einem Genre zuzuordnen. Auch wenn klar ist, dass Protagonistin und Love-Interest weiblich sind, wir also einen „queeren“ Roman haben, bleibt die genaue Einordnung schwierig. So sind Celeste und – insbesondere – Jamila leicht zu alt für eine New-Adult-Romance, auch kommen Thrillerelemente vor. Der Einfachheit halber habe ich es daher mal bei einem lesbischen Liebesroman gelassen.

Denn die Handlung mischt zwar – teils durchaus gekonnt – zwischen Thriller und Romance, da der Thrillerhandlungsstrang leider jedoch bei der Auflösung gänzlich vernachlässigt wird, zeigt sich der wahre Schwerpunkt spätestens hier. Abgesehen davon ist die Handlung durchaus abwechslungsreich, gerade zu Beginn kommt sie aber etwas schwer ins Rollen.

Dies liegt auch daran, dass die Geschichte aus drei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt wird – eine absolut ungewöhnliche Kombination, an die ich mich auch die ganze Zeit nicht so recht gewöhnen konnte. Eine Ich-Perspektive außerhalb der Love-Interests – darauf hätte man verzichten können, auch wenn Milo sicherlich der spannendste der drei Protagonisten ist, der auch die größte Wandlung durchlebt.

Milo brilliert hier mit seinen Zweifeln und Unsicherheiten, mit seiner Liebe zu Freunden und Familie, mit seiner Entwicklung insgesamt, während Celeste und Jamila etwas blass bleiben. Auch Setting und Schreibstil überzeugen – letzterer lässt sich gut und flüssig lesen.

Die Buchgestaltung ist … allerhöchstens noch als durchwachsen anzusehen. Der Buchsatz ist hier noch am Überzeugendsten – wenn auch nicht fehlerfrei -, während Lektorat und Korrektorat teils gravierende Fehler durchgerutscht sind wie Namensverwechslungen – das darf in einem fertigen Produkt nicht in dieser Häufigkeit geschehen. Das Covermotiv ist – noch – in Ordnung und setzt sich immerhin in der Kapitelgestaltung fort, der Buchumschlag darüber hinaus ist genreuntypisch puristisch und einfallslos – insbesondere im Vergleich zum Preis ist hier ein deutliches Missverhältnis zu sehen.

Mein Fazit? „Breaking Through“ ist ein lesbischer Liebesroman, der durch eine abwechslungsreiche Handlung punkten kann, aber auch Teile der Handlung in der Auflösung gänzlich ignoriert und eklatante Schwächen in der Buchgestaltung besitzt. Für Liebhaber queerer Romane mit weiblichen Protagonisten, die darüber hinwegsehen können, dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 17 Jahren.

[Buchgedanken] Alisha Rai: „Wenn deine Hand mich hält“ (Forbidden Hearts 2)

In der letzten Zeit habe ich „Wenn deine Hand mich hält“ von Alisha Rai gelesen, den zweiten Teil der „Forbidden Hearts“-Reihe. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen, die Originalausgabe wurde 2017 unter dem Titel „Wrong to Need You“ bei Avon Books, einem Imprint von HarperCollins Publishers veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Vor zehn Jahren wurde Jackson Kane eines Verbrechens bezichtigt, das er nicht begangen hatte. Nun ist er zurück: älter, weiser und reicher. Und er trifft auf die Frau, die er nie aufgehört hat zu lieben, selbst als sie seinen Bruder heiratete. Auch Sadia fühlt sich zu ihm hingezogen. Allerdings wehrt sie sich mit aller Macht gegen die Gefühle, die ihr geheimnisvoller Ex-Schwager in ihr weckt. Eine gemeinsame Zukunft ist eigentlich unmöglich, aber die gegenseitige Anziehung ist übermächtig. Sadia und Jackson müssen entscheiden: Sind sie stark genug, sich der Vergangenheit zu stellen?

Ungeachtet der Reihe kann „Wenn deine Hand mich hält“ als Standalone gelesen werden – auch mir fehlt der erste Teil, was dem Verständnis der Handlung keinen allzugroßen Abbruch tut, da die dort geschilderte Beziehung von Nicholas und Livvy zwar vorkommt, allerdings nur am Rande auftaucht. Jedoch fiel es mir schwer, die komplizierten Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse immer präsent zu haben – ich hätte mir hier einen Stammbaum der Familien gewünscht. Sicherlich wäre mir dies bei einer mehrbändigen Beschäftigung mit den Figuren leichter gefallen.

Eine Genrezuordnung habe ich – wie vielleicht dem ein oder anderen aufgefallen ist – oben unterlassen, denn „Wenn deine Hand mich hält“ balanciert auf der Grenze zwischen Liebesroman und Erotik, die Protagonisten sind leicht zu alt für New Adult, die Beziehung trotz erotischer Dominanz nicht dunkel genug für Dark Romance, sodass wohl ein erotischer Liebesroman vorliegt, der im erstern Teil mehr Liebes-, im zweitel Teil mehr Erotikroman ist.

Das Setting brilliert erwartbar auf ganzer Linie. Amerikanisches Kleinstadtflair trifft auf familiäre Intrigen, High Society trifft auf gesellschaftliche Aussteiger, sexuelle Selbstbstimmung auf Panikattacken und Minderwertigkeitskomplexe – Alisha Rai nimmt den Leser auf eine Reise mit, die quer durch die Gesellschaft tief ins Innere der einzelnen Protagonisten führt – hochspannend und hochemotional.

Die Handlung überzeugt im Wesentlichen, ist spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar. Die eingebauten erotischen Szenen dominieren zwar im zweiten Teil, unterstützen jedoch die Handlung, sind emotional und gut geschrieben, ohne ins pornografische abzugleiten. Dabei gelingt es Alisha Rai, die Anziehung zwischen den Protagonisten greifbar, das Knistern durch die Buchseiten spürbar zu machen. Meine Lieblingsszene? Die hocherotische Situation vor der Bar auf den Seiten 226-233.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem die Nebencharaktere wie Jia, John und Kareem, dessen kindliche Freude und Unbedarftheit alle begeistert. Alisha Rais Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen.

Die Buchgestaltung glänzt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön gestaltet – ein wahrer Eyecatcher. Eine hochwertige Prägung auf Titel, Buchrücken und der Coverrückseite sowie Klappen und tolle, farbige Coverinnenseiten runden den wunderbaren Gesamteindruck ab.

Mein Fazit? „Wenn deine Hand mich hält“ ist ein erotischer Liebesroman, der durch sein wundervolles Setting und starke Gefühle punkten kann, wenn auch die Handlung teils vorhersehbar ist und die familiären Verwicklungen teils verwirrend sind. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 17 Jahren.