[Buchgedanken] Miřenka Čechová: „Tote Schwäne tanzen nicht“

Vor kurzem habe ich auch „Tote Schwäne tanzen nicht“ von Miřenka Čechová gelesen. Das Buch ist 2025 im Anthea Verlag veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2020 bei Nakladatelstvi Paseka s. r. o. unter dem Titel „Baletky“. Der Roman ist als Gegenwartsliteratur einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Tschechischen zeichnet Julia Miesenböck verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ballerinen haben zwei Gesichter. Eines, das für das Publikum bestimmt ist. Und das andere, das niemand zu Gesicht bekommen soll – mit einem verblassenden Lächeln, das sich hinter den Kulissen zu einer Grimasse verzieht, gezeichnet von Erschöpfung und Schmerz, keuchend nach Luft. Wenn man diese Gesichter filmen würde, könnte man meinen, es handelt sich um eine erschreckende Enzyklopädie des menschlichen Leidens. Wie in einem militärischen Ausbildungscamp werden sie darauf trainiert, vor dem Publikum zu strahlen – so auch die Erzählerin dieser Geschichte. Sie ist noch keine vierzehn Jahre alt und schon Expertin für Abführmittel und Erbrechen, um das Gewicht zu halten. Der Traum, eine Primaballerina zu werden, verwandelt sich zunehmend in einen Albtraum. In den düsteren Ecken des Prager Nachtlebens der späten 1990er-Jahre sucht sie Ablenkung und flüchtet sich in die verführerische Welt von Partys, Drogen und ersten sexuellen Erfahrungen.

„Tote Schwäne tanzen nicht“ ist ein lose auf privaten Erlebnissen und Tagebucheinträgen basierendes Porträt der tschechischen Ballettszene um die Jahrtausendwende von der Tänzerin und Choreografin Miřenka Čechová. Da das Buch nicht streng biografisch anmutet – und jegliche Information und Einordnung dazu fehlt, in welchen Punkten die Erinnerung verlassen und ausgeschmückt wurde, habe ich es als Roman der Gegenwartsliteratur zugeordnet – mit einem einordnenden Nachwort oder einer Klarstellung hätte man das Buch durchaus auch als biografisch/anekdotische Erzählung werten können.

So oder so beschreibt das Werk in losen Anekdoten und Tagebucheinträgen das Aufwachsen der jugendlichen Protagonistin in Prag, wo sie eine Ballettakademie besucht und fernab ihrer Familie in Internaten, Gastfamilien und später einer eigenen Wohnung lebt. Zwar stellt sich durch die fragmentarische Darstellung nie ein wirklicher roter Faden oder Lesefluss ein, insgesamt bleibt das Porträt der Jugend aber durchaus spannend, abwechslungsreich und aufregend, wenn auch sicherlich etwas einseitig und nicht verallgemeinernd.

Denn die Ballettausbildung wird – trotz der durchlebten Träume und kleinerer Erfolgsmomente – durchaus kritisch und schonungslos dargestellt – vom diktatorischen Zwang der Schulleitung bis hin zu sexuellen Übergriffen, dem dauerhaften Hungern und der totalen Selbstaufgabe, dem fehlenden Selbstbewusstsein, dem Abtauchen in die Drogen- und Nachtclubszene, in der ein Mindestalter von 18 Jahren auch nur eine Scheinvoraussetzung ist. Sicherlich ist dies kein Einzelschicksal – wie ja auch die angedeuteten „Karrieren“ der Mitschüler:innen andeuten. In dieser dargestellten Allgemeingültigkeit ist dies aber, zumindest über das tschechische Ballett hinaus gesehen, so sicherlich auch nicht richtig.

Das Buch lässt nämlich etwas die Freude am Tanz vermissen, die Erfolgserlebnisse, das Zusammenwirken eines unterstützenden Umfelds mit einer pädagogisch wertvollen, ganzheitlichen und nicht gesundheitsschädigenden . Ausbildung, die es sicherlich auch gibt und die – vermutlich – sich in den letzten Jahrzehnten auch stärker ausgebreitet hat – allen hier präsentierten Horrorszenarien zum Trotz sicherlich auch in den osteuropäischen Raum. Und so verbleibt das Buch – so informativ und spannend, so aufrüttelnd und ehrlich – ein Mahnmal, wie man es nicht machen sollte, wie man weder dem wundervollen Ballett noch der Jugend gerecht wird.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind einige Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich, wenn man auch die Tagebucheinträge noch etwas mutiger hätte setzen können. Das Buch ist mit farbigen Coverinnenseiten und einer weiteren Illustration versehen, das Covermotiv setzt sich auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt für ein einheitliches Gesamtbild. Insgesamt ist der Buchumschlag aber eher eintönig und kein Eyecatcher, das Covermotiv sehr verwachsen und die Coverrückseite etwas textlastig und überfrachtet. Zuletzt merkt man der Übersetzung auch die Herkunft der Übersetzerin aus Österreich an, finden sich im Text doch vereinzelt dialektspezifische Begriffe wieder.

Mein Fazit? „Tote Schwäne tanzen nicht“ ist ein unzweifelhaft interessantes Porträt des Aufwachsens in der Ballettszene, das in Teilen aber überzeichnet erscheint und sehr einseitig die Schattenseiten herausstellt. Für Liebhaber des Tanzes – und für Leser:innen ab 16 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Limerick Love. Break the Rules“ (Limerick Love 1)

Vor kurzem habe ich auch „Limerick Love. Break the Rules“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2025 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Historical Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die rebellische Lady Vivienne FitzGerald, genannt Viv, langweilt sich tödlich auf Limerick Castle, wo sie nicht mehr tun darf, als den Tag mit Sticken und Singen zu vertrödeln. Als Viv dann auch noch erfährt, dass sie in wenigen Wochen heiraten soll – den ebenso besitzergreifenden wie hochnäsigen Sir Liam – trifft sie eine verzweifelte Entscheidung: Wenigstens einmal im Leben will sie tun, wonach ihr Herz sich sehnt! Verkleidet als Junge schließt Viv sich dem Hurling-Team an. Trotz einiger Rückschläge beim Training entdeckt sie nicht nur ihre Begabung für den leidenschaftlichen Sport. Da ist auch ein verbotenes Kribbeln in ihrem Bauch, jedes Mal, wenn sie mit dem besten Hurling-Spieler Ruairí zusammen ist. Doch Ruairí und sie kommen aus verschiedenen Welten und ihre Familien spaltet eine Vergangenheit, die alles zerstören könnte …

„Limerick Love. Break the Rules“ ist der Auftaktband in die historische Sports Romance-Dilogie von Kristin MacIver, von der ich bislang auch die Celtic-Dreams-Trilogie kenne. Angesiedelt ist die Geschichte im Irland des 15. Jahrhunderts und wird aus der Ich-Perspektive von Viv erzählt. Dabei lässt sich die Geschichte relativ leicht kategorisieren, ist kein klassischer historischer Roman, auch kein historischer Liebesroman, sondern Historical Romance – mit allem, was das Genre so mit sich bringt, zum Beispiel spicy Szenen und eine Happy-End-Garantie. Darüber hinaus hätte man es auch noch als „Historical Sports Romance“ bezeichnen können, ich habe es aber bei der etwas allgemeinen Kategorisierung belassen, um das Genre nicht zu eng zu fassen.

Die Handlung ist spannend, kurzweilig und mit der ein oder anderen überraschenden Wendung versehen. Dabei mischt Kristin MacIver in altbekannter (und bewährter) Manier aus der Celtic Dreams Reihe eine freiheitsliebende Protagonistin mit einer spannenden Leidenschaft (hier das Hurling) und einer undenkbaren Liebesgeschichte zu einer wirklich toll lesbaren Geschichte, die viel Spaß macht und vor allem am Ende überzeugt – auch wenn das Konzept nicht allzu innovativ ist. Hierbei ist durchaus toll recherchiert worden – auch wenn sicherlich nicht alles historisch korrekt ist und sich sogar die ein oder andere moderne popkulturelle Anspielung findet.

Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Irland in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nach Limerick, in eine Stadt voller Konflikte zwischen den englischen Besatzern und der irischen Bevölkerung. Dabei werden vor allem die gesellschaftlichen Unterschiede in aller Deutlichkeit herausgearbeitet – und der Fokus auf Hurling als historischer Sportart gelegt (prägend für die Reihe, in Band 2 wird sich dann einem anderen historischen Sport gewidmet). Gern hätte ich mir noch zur Unterstützung des Settings eine Karte gewünscht – aber die großflächige Illustration in den Coverinnenseiten ist natürlich auch wunderschön anzusehen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Sláine (als heimlicher Leser:innenliebling – und wundervollerweise die Protagonistin des Folgebandes), Martha und Hugh, während sich Sir Liam und Darragh etwas eindimensional verbleiben und Viv nicht immer nachvollziehbar handelt. Toll ist zudem, welche Wandlung Adeline hinlegt und sich ebenfalls zu einer Favoritin entwickelt. Kristin MacIvers Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – die Waage ist hier sicherlich zugunsten der Lesbarkeit in Abwägung zur historischen Authentizität gekippt.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, die Geschichte wird mit einer vorangestellten wundervollen Playlist abgerundet. der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Cover und gleich gestaltete Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, insgesamt sehen sie aber toll aus und bilden hoffentlich mit dem Folgeband ein tolles, einheitliches Reihenbild mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Limerick Love. Break the Rules“ ist eine wundervolle Historical Romance mit spannender Handlung, interessanten Themen und nur minimalen Schwächen, die hier kaum ins Gewicht fallen und Lust auf Band zwei machen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem genreüblichen Lesealter von 16 Jahren.

Frohe Weihnachten

Liebe Leserinnen und Leser, heute bleibt mir nicht mehr viel übrig, als Euch allen frohe Weihnachten zu wünschen. Ich hoffe, Ihr könnt alle ein paar besinnliche Tage im Kreis Eurer Liebsten verbringen und wünsche Euch daher vor allem Ruhe, Gelassenheit und Geborgenheit – und das ein oder andere Buch unterm Weihnachtsbaum :).

Zwar ist das Jahr noch nicht ganz zu Ende, ich möchte aber dennoch auch die Gelegenheit nutzen, mich für ein tolles 2025 voller spannender Geschichten, toller Treffen mit neuen und alten Bekannten und mit vielen weiteren, schönen Momenten zu bedanken.

Wie verbringt Ihr den heutigen Heiligabend?

[Buchgedanken] Bastian Kresser: „Verformung“

In den letzten Tagen habe ich auch „Verformung“ von Bastian Kresser gelesen. Das Buch ist 2025 im Braumüller Verlag (Braumüller GmbH) veröffentlicht worden und als Gegenwartsliteratur einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Berliner Manager Marc Steiner belegt nach einem Burnout einen Messerschmiedekurs im Spreewald beim verschlossenen, zugleich charismatischen Niels Bergmann. Dort lernt er nicht nur das Schmieden, sondern auch Niels’ Reich kennen – eine Welt nach eigenen Regeln. Zwischen den beiden entsteht eine unerwartete Freundschaft, und bald wird Marc Teil dieses abgeschotteten Kosmos – mit meterhohem Zaun, Bunker und rätselhaften Besuchern. Als Marc die Journalistin Nina kennenlernt und ihr Niels vorstellt, wird sie jedoch sofort misstrauisch: Mit diesem Mann stimmt etwas nicht. Sie beginnt zu recherchieren – die vermeintliche Idylle kippt und plötzlich steht alles auf dem Spiel.

„Verformung“ ist nach „Als mir die Welt gehörte“ mein zweiter Roman von Bastian Kresser, die beide im Braumüller Verlag erschienen sind und ähnliche Konzepte verfolgen. Dabei lässt sich dieser Roman nicht so einfach kategorisieren, zeigt durchaus Anklänge eines Thrillers, ist gleichzeitig aber auch ein Entwicklungsroman. Aufgrund der starken Konzentration auf gesellschaftlich relevante Fragen habe ich das Buch jedoch als Roman der Gegenwartsliteratur eingeordnet.

Die Handlung ist hierbei durchaus spannend und abwechslungsreich, hat teilweise aber kleinere Längen. Hierbei ist es gelungen und erschreckend zugleich, wie nachvollziehbar der Autor Marcs Weg in die Radikalisierung beschrieben hat, wie leicht von außen betrachtet die Manipulation durch Niels vonstatten geht, wie man sich teilweise selbst ertappt, trotz aller Rationalität einzelne Argumente nicht gänzlich von der Hand weisen zu können – das macht sicherlich auch den Erfolg von Extremisten momentan aus. Zugleich mischt Bastian Kresser auch Themen wie psychische Erkrankungen in den Roman mit ein und sorgt für ein großes Potpourri an Fragestellungen und Handlungssträngen.

Dabei kann vor allem das Setting brillieren. So entführt der Autor die Leser:innen in den Gegensatz zwischen dem pulsierenden Berlin und dem ausgestorbenen Schwarzwald, nimmt sie mit in einen autarken Hof, dessen Besitzer auf der Grenze zwischen Prepper und Reichsbürger balanciert, in eine Gedankenwelt, die so weit entfernt ist, dass man sie schwerlich greifen kann, in eine Kurzeinführung in die Messerschmiedekunst. Zusätzlich wird durch Nina das Setting noch erweitert, bringt sie doch die Welt des Investigativjournalismus in die Geschichte hinein – ein Handlungsstrang, der das ganze Drama nochmal potenziert.

Die einzelnen Figuren sind hierbei vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugt insbesondere Nina, der nicht so ganz heimliche Star des Romans, während Marc teils nicht nachvollziehbar handelt und Niels weit entfernt davon ist, irgendwelche Sympathien bei den Leser:innen zu wecken. Bastian Kresser Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind leider einige Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, das unter dem Umschlag befindliche Hardcover eher schlicht. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und erzeugt so ein tolles Gesamtbild, bietet durchaus Anklänge an die Handlung, ist insgesamt aber kein Eyecatcher – auch dank der wenig überzeugenden Typografie. Auch hätte man im Anhang durchaus auf Hilfs- und Hinweisangebote zu Fragen der Radikalisierung, aber auch zu Burnout und psychischen Problemen verweisen können.

Mein Fazit? „Verformung“ ist ein Roman der Gegenwartsliteratur, der vor allem Dank seines brillanten Settings und einer tollen Protagonistin glänzt, dabei aber auch kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Fabian Navarro: „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ (Miez Marple 3)

Vor kurzem habe ich auch „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ von Fabian Navarro gelesen. Das Buch ist 2025 unter dem Label HaymonKrimi in der Haymon Verlag Ges.m.b.H. erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Katzendetektivin Miez Marple checkt im Tierhotel Bellagio ein! Und findet sich damit in der wohl luxuriösesten Unterkunft am Rand der Großstadt wieder. Eigentlich wollte sie ein paar Tage einen ruhigen Wollball schieben – aber nix da! Mit dem Tod einer Schnurrhaar-Diva kommen Geheimnisse ans Licht wie Mäuse aus ihren Löchern. Und der Mörder oder die Mörderin scheint direkt aus der Gemeinschaft der top gestylten und mit Gourmetleckereien vollgefressenen Haustiere zu kommen. Oder etwa doch aus dem tiefen, dunklen Wald nebenan?

„Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ ist der dritte Teil der Buchreihe um die flauschige Detektivin Miez Marple, deren ersten beiden Bände noch bei Goldmann erschienen sind. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist ein tierischer Kriminalroman, der durchaus in Teilen auch cosy (oder wie vom Verlag benannt cuddly) ist. Gleichsam ist er auch in bester Agatha-Christie-Manier größtenteils ein Kammerspiel, ist der Kreis der Personen und der Handlungsort doch stark begrenzt. Der Einfachheit halber habe ich es dennoch bei der groben Einordnung als Kriminalroman belassen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch zwischenzeitlich mit kleineren Längen versehen. Dabei lässt sich das Buch, das aus Miez Marples personaler Erzählperspektive erzählt wird, gut als Standalone lesen, wenn auch die Lektüre der vorherigen Bände insbesondere Miez Marples Beziehung zu einigen anderen Charakteren sicherlich noch vertieft beleuchtet hätte. Etwas schade ist auch, dass der Epilog bereits den nächsten Fall anteasert – ein klarerer Schnitt hätte hier für ein noch runderes Leseerlebnis gesorgt.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen größtenteils in eine luxuriöse Tierpension, in der – unüblich – alle möglichen Tiere zusammenleben. Dabei ist die tierische Welt gespickt mit Anspielungen an die Welt der Menschen – egal ob Sprichwörter, Fernsehprogramme oder Kryptowährungen. Und auch wenn das ganze manchmal sogar etwas zu weit geht, macht das doch einen Großteil des Charmes des Buches aus und sorgt für humorvolle Momente. Hierbei gelingt es Fabian Navarro, in den Krimi durchaus auch kleine, gesellschaftskritische bzw. gesellschaftlich relevante Themen und Aspekte unterzubringen.

Die einzelnen Figuren haben eigene Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, sind teils aber etwas eindimensional gestaltet. Hierbei überzeugen insbesondere noch wichtige Nebencharaktere wie Meredith, Florian und Gina, während Cookie und insbesondere Gabriel eher eindimensional verbleiben und Miez Marple nicht immer nachvollziehbar handelt. Fabian Navarros Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen, toll gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken leider jeweils krass unterbrochen. Generell ist die Farbgebung des Umschlags sehr ansehnlich und das Covermotiv ein Eyecatcher, das Design weicht jedoch von den früheren Bänden der Reihe ab und bricht so etwas den Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ ist ein im Wesentlichen gelungener, tierischer Kriminalroman, der vor allem mit seinem Setting und Wortwitz überzeugt, aber auch kleinere Längen und Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres – und insbesondere für Katzenfreunde – bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Volker Gerling: „Die Todesfalle“ (Skalla & Krampe 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Die Todesfalle“ von Volker Gerling, einem der Pseudonyme des Autors Volker Schulz gelesen. Das Buch ist 2025 bei SAGA Egmont, Egmont Verlagsgesellschaften mbH erschienen und als Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Investigativjournalistin Rachel Skalla arbeitet an einem Artikel über illegale Medikamententests, als sie Mark Kreutzer kennenlernt. Mark kann ihr die richtigen Türen für die Story öffnen. Um sich dafür bei ihm zu bedanken, will Rachel Mark dabei helfen, einen mysteriösen Fall aufzuklären, der ihn bis heute belastet. Marks Vater sitzt im Gefängnis. Er soll auf grausame Weise eine Prostituierte ermordet haben, beteuert aber bis heute seine Unschuld. Bei ihren Recherchen entdeckt Rachel sieben weitere Fälle, die dem von Marks Vater gleichen. Alle vermeintlichen Täter waren betrunken und wachten neben ermordeten Prostituierten in einem Hotelzimmer auf. Nur ein Zufall? Oder handelt es sich um das Werk eines raffinierten Serienmörders? Mit Hilfe des Hamburger Fallanalytikers Daniel Krampe begeben Rachel und Mark sich auf die Suche nach der Wahrheit – und geraten dabei selbst ins Visier des gnadenlosen Killers!

„Die Todesfalle“ ist nach „Redemptio: Sie wissen alles“ mein zweites Buch des Autors und der erste Band um die Investigativjournalistin Rachel Skalla und den Fallanalytiker Daniel Krampe, der bereits in Volker Gerlings vorheriger Trilogie zusammen mit Kommissarin Laura Graf Fälle löste. Dennoch kann man das Buch gut ohne Vorwissen als Standalone lesen, wenn auch die vorherigen Romane einem die Figur von Daniel sicherlich noch näher gebracht hätten. Zudem balanciert das Buch auf der Grenze zwischen Krimi und Thriller, der Einfachheit halber habe ich es bei der vom Verlag getroffenen Einordnung als Thriller belassen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, auch wenn antiklimaktisch der Täter schon früh für alle aufgedeckt und präsentiert wird. Dennoch gelingt es dem Buch, die Leser:innen durch das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Täter und Ermittelnden nicht zu verlieren. Kleinere Schwächen verbleiben jedoch bei der teils implausiblen Polizei- und Justizarbeit und auch bei dem Handlungsstrang über die illegalen Medikamententests, der sang- und klanglos vernachlässigt und nicht wieder aufgegriffen wird.

Das Setting ist ebenfalls gelungen, aber austauschbar, entführt uns der Autor doch in eine schnelllebige Welt zwischen JVA, Luxushotels, abgeschiedenen Blockhütten, nimmt uns mit in die USA, nach Kanada und Indien. Dabei mischt der Autor in die Krimi-/Thrillerhandlung weitere, gesellschaftlich relevante Themen wie dysfunktionale Familien, illegale Medikametentests und Justizirrtümer mit ein, verbleibt hier aber jeweils sehr an der Oberfläche, was insbesondere bei den Medikamententests sehr ärgerlich ist, sind diese doch so prominent im Klappentext erwähnt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Rachel und Johannes, während Mark nicht immer nachvollziehbar handelt und Daniel aufgrund der fehlenden Vorgeschichte wenig greifbar erscheint. Volker Gerlings Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, wenn auch die Kapitellänge etwas zu kurz ist und die personalen Erzählperspektiven daher ständig wechseln.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich und unauffällig. Das Covermotiv ist genretypisch, bietet aber wenig Anklänge zur Handlung und ist – zusammen mit dem gesamten Buchumschlag – eher unauffällig. Abzuwarten bleibt, ob der Roman mit den Folgebänden für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert sorgt.

Mein Fazit? „Die Todesfalle“ ist ein spannender Thriller, der ungewöhnliche Wege geht und vor allem aufgrund der Interaktionen zwischen Täter und Ermittelnden brilliert, dabei aber auch kleinere Schwächen und Logikfehler aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Anika Mehlis: „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“

Vor kurzem habe ich auch „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“ von Dr. Anika Mehlis gelesen. Das Buch ist 2025 in der Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG erschienen und als anekdotisches Sachbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nur im Raumanzug darf Anika Mehlis das Habitat verlassen. Vor ihr erhebt sich ein Vulkan. Doch sie ist nicht auf dem Mars, sondern auf der Erde. Als Analog-Astronautin testet sie in der Wüste Israels und in den Bergen Armeniens Technologien für zukünftige Missionen. Sie lebt unter extremen Bedingungen und erfährt hautnah, was es braucht, um auf dem roten Planeten zu bestehen: mentale Stärke, Teamgeist und Vertrauen. Denn am Ende geht es nicht darum, den Mars zu besiedeln – sondern darum, besser zu verstehen, was es bedeutet, Mensch zu sein.

In „Wo die Zukunft der Raumfahrt begint“ beschreibt Dr. Anika Mehlis ihr Leben „als Analog-Astronautin zwischen Erde und Mars“, wie der Untertitel besagt. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist zugleich Sachbuch als auch biografisches Werk, sodass ich es schlussendlich als anekdotisches Sachbuch eingeordnet habe, wird doch die Tätigkeit als Analog-Astronautin anhand der persönlichen Erfahrungen der Autorin dargestellt und mit Fotos von ihren Missionen verssehen.

So begleitet man (die spätere Dr.) Anika Mehlis nicht nur durch den mühsamen und mehrstufigen Auswahlprozess zur Analog-Astronautin, sondern auch durch die beiden Missionen in Israel und Armenien – ein Unterschied wie Tag und Nacht. Dabei lernt man durchaus auch einige persönliche Informationen über die Autorin und ganz viel Neues über die unscheinbaren Held:innen der Raumfahrt – wobei sie ja gar nicht so unsichtbar sind, wenn ich mir den beschriebenen Medienrummel um die Missionen so durchlese.

So spannend das alles auch ist – so ermüdend ist es manchmal, das Buch mit den ganzen Abkürzungen zu lesen, die den Lesefluss doch etwas beeinträchtigen, auch wenn sich der Sinn dahinter natürlich erschließt. Auch hätte ich mir an einigen Stellen noch stärkere Ausführungen gewünscht – sowohl bei den Auswirkungen der Mission auf die Autorin als auch generell über die Probleme der Besiedlung des Mars. Toll ist hingegen auch, dass die einzelnen Abschnitte mit inspirierenden Zitaten von Pionierinnen aus Wissenschaft, Forschung und Kultur beginnen, eine Rolle, die ja nun auch die Autorin innehat.

Auch die restliche Buchgestaltung vermag zu überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben solide gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover leicht geprägt und mit Klappen und farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Covermotiv und Coverrückseite werden jeweils zum Buchrücken hin krass unterbrochen, bieten aber mit den offiziellen Missionsfotos natürlich tolle Eyecatcher, die auch mit dem Inhalt in Verbindung stehen.

Mein Fazit? „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“ ist ein zuweilen persönliches, aber immer informatives Buch über Analog-Astronaut:innen, das dieses eher unterbelichtete Kapitel der Raumfahrt in den Fokus rückt, dabei aber teils noch andere Schwerpunkte hätte setzen können. Für thematisch interessierte Leser:innen bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Annette Mierswa: „Der Scherbenpalast“

In der letzten Zeit habe ich auch „Der Scherbenpalast“ von Annette Mierswa gelesen. Das Buch ist 2025 im Verlag Freies Geistesleben (Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH) veröffentlicht worden und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Lou ist wütend, sehr wütend, denn die Familie zieht von Hamburg nach Mannheim. Doch where the hell is Mannheim? Ohnmächtig taumelt Lou in ein neues Leben, ohne ihre beste Freundin Nel und ohne Damian, mit dem so viel möglich schien … Also provoziert und wütet sie, bis sich Dinge ereignen, die ihre Sicht verändern – und sie vor allem merkt, dass sie selbst für ihr Glück verantwortlich ist.

„Der Scherbenpalast“ ist mein erster Roman der hochdekorierten und produktiven Kinder- und Jugendbuchautorin Annette Mierswa. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 14 Jahren, eine Alterseinschätzung, die ich im Wesentlichen teilen kann. Daher lässt sich der Roman auch problemlos als Jugendbuch einordnen – darüber hinaus ließen sich auch Argumente für die Eingruppierung als Coming of Age finden oder, wenn man Lous Argumentation zu Beginn des Romans folgt, für eine solche als Schicksalsroman.

Denn die Handlung wird von dem als dramatisch empfundenen Umzug nach Mannheim dominiert, der Lou, aus deren Sicht die Geschichte in einer Ich-Perspektive erzählt wird, aus ihrem altbekannten Leben reißt. Dabei ist die Handlung durchaus kurzweilig und interessant, jedoch ohne größere Spannungsspitzen. Zudem kommt das Ende etwas abrupt, hier hätte man noch die ein oder andere Seite hinzufügen können. Zugleich bleibt das Ende, zumindest in einigen Punkten, sehr offen gestaltet, was Möglichkeiten für eine Fortsetzung lässt, für die Leser:innen jedoch durchaus Frustrationspotential bereithält.

Das Setting ist im Wesentlichen gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in die Quadratestadt Mannheim, in eine Stadt zwischen renommiertem Nationaltheater, wunderschönem Barockschloss und – ja – der Eisdiele, in der das Spaghettieis erfunden wurde. Dennoch vermisse ich hier, da der Ortswechsel ja handlungstreibend ist, noch mehr Lokalkolorit, noch mehr Mannheimer Spezialitäten, genauere Beschreibungen – und stärkere Dialekte. Annette Mierswa mischt dabei ein Potpourri an jugendtypischen Problemen und Themen zu einem sehr dichtem Gefühlschaos für Lou und garniert dies mit einem Plädoyer für den Einsatz gegen den Klimawandel, auch wenn die hier beschriebenen Methoden durchaus auch kritisch betrachtet werden können oder sogar sollen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nebencharaktere wie Romy und Nel, von denen ich jeweils gern mehr lesen würde. Dahingegen handelt Lou oftmals nicht nachvollziehbar, und Tikey verbleibt etwas eindimensional, könnte sich aber, wenn seine Handlung weitererzählt wird, durchaus noch entwickeln. Anette Mierswas Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind hierbei nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite werden leider zum Buchrücken krass unterbrochen, was einen Bruch in der Farbgestaltung mit sich zieht. Zudem zeigt das Covermotiv zwar Anklänge an die Handlung, ist aber etwas zu sehr stilisiert und farblich sehr eigen. Gleichsam irritiert auch die Typografie des Titels.

Mein Fazit? „Der Scherbenpalast“ ist ein Jugendbuch für Leser:innen ab 14 Jahren, das vor allem mit seinem Setting und einer durchaus ungewöhnlichen Handlung punkten kann, dabei aber auch kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter.

[Buchgedanken] Tatjana Kruse: „Mumien morden mittwochs nie“

Vor kurzem habe ich auch „Mumien morden mittwochs nie“ von Tatjana Kruse gelesen. Das Buch ist 2025 unter dem Label Haymonkrimi in der Haymon Verlag Ges.m.b.H. veröffentlicht worden und als humoristischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Polly kann es nicht fassen! Der wohl wichtigste Augenblick in ihrer bisherigen Karriere entpuppt sich als absolute Katastrophe. Der Museumsdirektor hat die Ausstellung mit verloren geglaubten Artefakten aus der siebten Dynastie zu einer Entertainmentveranstaltung gemacht. Und zu allem Überfluss muss Polly sich auch noch wahnwitzige Theorien zu einem angeblichen Fluch der Mumie anhören. Als allerdings ein Museumsangestellter nach dem anderen spektakulär zu Tode kommt, muss sich plötzlich auch Polly fragen, ob hier etwas Paranormales im Gange ist …

„Mumien morden mittwochs nie“ ist mein erster Roman der Autorin Tatjana Kruse, die als Markenzeichen Krimis mit Komödien verknüpft. Daher wird das Buch auf dem Cover auch konsequenterweise vom Verlag als Krimödie betitelt, in der Genrezuordnung habe ich es dennoch bei einem humoristischen Kriminalroman belassen, wobei das Buch im besten Stile an Kammerspiele von Agatha Christie erinnert – nur viel schwarzhumoriger. Zugleich bietet der Roman – als Standalone angelegt – viel Potential für Folgebände.

Denn die Handlung kann vor allem dank der abstrusen Szenen glänzen. Auch wenn es anfangs hierbei noch kleinere Längen gibt, entwickelt sich der Roman spätestens in der zweiten Hälfte zum absoluten Pageturner, ist hierbei abwechslungsreich, spannend und kurzweilig. Und auch das Ende vermag zu überraschen – lediglich auf den nachgeschobenen Epilog hätte man meines Erachtens verzichten können. Gleichsam ist die Handlung durchaus schonungslos brutal – auch wenn der Großteil der Gewalt nicht live miterlebt wird.

Auch das Setting kann brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in ein futuristisch-entworfenes Design-Museum, das an das Guggenheim-Museum in Bilbao erinnert – und trotz des kammerspielartigen Settings, bei dem das Gebäude nicht verlassen wird, daher dennoch viele verschiedenen Schauplätze bietet. Dabei gelingt es Tatjana Kruse, nicht nur den Krimi mit archäologischem und geschichtlichem Wissen zu bereichern, sondern am Rande auch Themen wie Stigmatisierung, Beutekunst, Hochstapelei und noch viele weitere in den Roman mit einzubinden.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugt neben Polly vor allem der absolute Leser:innen-Liebling Daphne, von der ich gern weitere Geschichten lesen würde, während Timothee etwas blass und eindimensional verbleibt. Tatjana Kruses Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist humorvoll und wortgewaltig.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist solide und wartet mit interessanten Kapiteleinleitungen auf. Der Umschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv wird irritierenderweise nur partiell zum Buchrücken hin unterbrochen, ist sonst farblich zwar auffällig, insgesamt aber eher eintönig und kein klassischer Eyecatcher. Allerdings kann die Typografie überzeugen.

Mein Fazit? „Mumien morden mittwochs nie“ ist ein unglaublich abstruser, schwarzhumoriger Kriminalroman, der mit seinem tollen Setting, starken Protagonist:innen und vor allem mit dem genretypischen Humor punkten kann. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Davide Morosinotto: „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“

Vor kurzem habe ich auch „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ von Davide Morosinotto gelesen. Das Buch ist 2025 bei Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH veröffentlicht worden, eine italienische Originalausgabe war nicht auffindbar. Das Buch ist dabei als historischer Jugendkrimi einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Dr. Cornelia Panzacchi verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nürnberg 1829. Greta hastet durch dunkle Gassen. Sie muss Kaspar Hauser treffen, den mysteriösen Fremden, der allen ein großes Rätsel aufgibt. Wurde er als Kind tatsächlich viele Jahre lang in einem Keller gefangen gehalten, wie er behauptet? Gemeinsam mit ihrem Vater, dem berühmten Meisterdetektiv Dr. Grimaldi, stößt Greta auf ein immer größeres Dickicht aus Täuschungen und Geheimnissen …

„Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ ist mein erstes Buch des hochdekorierten Kinder- und Jugendbuchautoren Davide Morosinotto. Bei dem Buch handelt es sich nach derzeitigen Kenntnissen um einen Einzelband, auch wenn hier durchaus Potential für eine ganze Reihe bestünde. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist zuvorderst ein Jugendroman, der ein historisches Setting besitzt. Zugleich ist es aber auch ein Detektivroman, ein Krimi und ein bisschen auch Märchen und Volkssage, ist das Phänomen Kaspar Hauser doch ein mittlerweile Jahrhunderte altes Mysterium.

Die Handlung ist abwechslungsreich, kurzweilig und spannend und wird aus der Sicht der 14-jährigen Greta Grimaldi erzählt, die mit ihrem Vater die Drohungen gegen Kaspar Hauser untersucht. Das Ende ist hierbei leicht antiklimaktisch, ein Epilog führt jedoch nochmal zu einem Twist, der die Geschichte abrundet. Insgesamt ist die Handlung durchaus altersgerecht, wenn auch eher ab einem Lesealter ähnlich zu Gretas und nicht bereits ab elf Jahren, wie teils empfohlen.

Das Setting kann auf ganzer Linie glänzen. So entführt der Autor die Leser:innen ins Nürnberg des 19. Jahrhunderts, mitten hinein in eines der größten Rätsel der deutschen Geschichte. Dabei verknüpft Davide Morosinotto das Mysterium Kaspar Hauser mit jugendlichem Coming of Age, spinnt den Kriminalfall weiter und verzahnt diesen sogar mit einer zarten Liebesgeschichte. Unterstützt wird die Erzählung hier von brillanten Illustrationen aus der Feder von formlabor, die großflächig eingebunden sind und das Lesevergnügen nochmals maßgeblich steigern.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben der titelgebenden Greta vor allem die Darstellung von Kaspar Hauser und Dr. Grimaldi, während Martha und Oskar teils nicht nachvollziehbar handeln. Davide Morosinottos Schreibstil ist dabei altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, gerade auch gemeinsam mit den Illustrationen von formlabor.

Die Buchgestaltung brilliert ebenfalls. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ein tolles Zusammenspiel zwischen Text und Bild. Der Buchumschlag ist mit gold-glänzenden Elementen und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, insgesamt durchaus ein Eyecatcher. Das Cover ist dabei durchaus genretypisch, farblich toll gestaltet und weist Anklänge an die Handlung auf. Unterstützt wird die Handlung hierbei noch durch die tollen Karten von Nürnberg in den Coverinnenseiten, gegebenenfalls hätte man am Ende noch einen Zeitstrahl einfügen können.

Mein Fazit? „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ ist ein faszinierendes Jugendbuch über Kaspar Hauser, das vor allem mit seinem Setting und einer spannenden Protagonistin brilliert und dabei nur kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.