[Buchgedanken] Marcel Huwyler: „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ (Violetta Morgenstern 7)

Vor kurzem habe ich auch „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ von Marcel Huwyler gelesen. Das Buch ist 2025 bei GRAFIT in der Emons Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin im Namen des Staates, hat ein neues Privatleben: Sie wohnt als Patchwork-Oma mit ihrem Kollegen Miguel Schlunegger und dessen Zwillingstöchtern zusammen. Zum Glück rettet sie ein neuer Auftrag vom Killerministerium „Tell“ aus dem Familien-Chaos. Violetta und Miguel sollen einen Archäologen eliminieren. Der hat in Ägypten einen rätselhaften Fund gemacht, der die Geschichtsschreibung verändern könnte. Doch als die beiden zur Tat schreiten wollen, kommt ihnen ein Unbekannter zuvor …

„Violetta Morgenstern und die Offenbarung“ ist mein erster Roman der bisher siebenteiligen Reihe um die pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin Violetta Morgenstern – und es wird sicherlich nicht mein letzter bleiben. Dabei lässt sich das Buch gut als Standalone lesen, die Reihe sich jedoch gar nicht so einfach kategorisieren, zeigt sie doch parodistische Ansätze, ist eine Mischung aus Agententhriller und in einem Handlungsstrang sogar fast Cosy Crime. Ich habe es der Einfachheit halber daher bei der auf dem Cover festgehaltenen generalisierten Eingruppierung als Kriminalroman belassen.

Die Handlung ist unglaublich humorvoll, spannend und kurzweilig – ein wahrer Pageturner und Jahreshighlight. Dabei gelingt es Marcel Huwyler ernste Themen und absurde Situationen und Konstellationen aneinanderzureihen, sodass man sich als Leser:in zu jeder Zeit gut unterhalten fühlt. Auch das Ende vermag zu überzeugen, wenn es auch etwas schnell und hastig kommt – ein paar mehr Seiten zum Schluss hätten der Story sicherlich nicht geschadet. So oder so verbleibt aber viel Potential für noch viele weitere Morgenstern-Geschichten – ich denke, ich spreche für alle, wenn wir uns hier noch mehr wünschen.

Denn auch das Setting brilliert. So entführt Marcel Huwyler die Leser:innen nicht nur geografisch in die Schweiz, sondern vor allem auch sprachlich und kulturell – Dialekt, kreative Wortschöpfungen und ganz viel schweizerisches Lebensgefühl inklusive. Dabei vermengt der Autor zudem gekonnt die Thriller-/Krimihandlung mit parodistischen Elementen, die auf jeder Seite einen unglaublichen Humor durchscheinen lassen. Gleichsam werden dennoch auch wichtige Themen angesprochen wie Einsamkeit im Alter, die Situation von Alleinerziehenden und die Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei glänzen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ida, Frida und Werner Gottlieb, aber auch Violetta Morgenstern brilliert in ihrer Rolle als pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin, lediglich Miguel überzeugt mich nicht vollends – aber ggf. können die anderen Bände hier das Bild abrunden. Marcel Huwylers Schreibstil ist hingegen – wie bereits angedeutet – unglaublich humorvoll und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist solide, das Buch insgesamt eher schmucklos. Das Covermotiv und die Coverrückseite werden jeweils zum Buchrücken hin krass unterbrochen, der Buchumschlag insgesamt ist farblich durchaus ansprechend aber kein Eyecatcher. Das Covermotiv bietet zumindest abstrakte Anklänge zur Buchreihe, wenn auch nicht zur konkreten Handlung des Bandes, passt sich insgesamt aber gut in das Gesamtgefüge der Reihe ein und sorgt für Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ ist ein fast perfekter, parodistischer Kriminalroman, der vor allem mit seinem unglaublichen Humor und viel Lokalkolorit überzeugen kann. Für Leser:innen des Genres – auch als Neueinstieg in die Reihe – bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Anja Janotta: „Krawall im Klassenzimmer – Hitzefrei für alle!“ (Krawall im Klassenzimmer 1)

Vor kurzem habe ich auch „Krawall im Klassenzimmer – Hitzefrei für alle!“ von Anja Janotta gelesen. Das Buch ist 2025 bei Gulliver in der Verlagsgruppe Beltz erschienen und als illustriertes Kinderbuch einzuordnen – für die Illustrationen zeichnet Julia Weinmann verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kurz vor den Sommerferien, die ganze Schule schwitzt. Und Fritzi ist stinksauer: Gerade hat ihre 5d ein Turnier gegen die 5a verloren. Diese Streber können was erleben! Fritzi legt mit einem fiesen Streich los. Nils und seine Freunde aus der 5a nehmen die Herausforderung an. Bald steht die Schule kopf und keiner ist mehr vor dem nächsten Streich sicher! Beim Streiche-Wettstreit zwischen den Klassen bleibt kein Auge trocken! Witzig, rasant und mittendrin im Schulalltag.

„Krawall im Klassenzimmer – Hitzefrei für alle!“ ist der erste Band der neuen Reihe „Krawall im Klassenzimmer“ von Anja Janotta, die als Teil von „READy“ niederschwellig Begeisterung fürs Lesen wecken soll. Empfohlen wird das Buch vom Verlag für Leser:innen ab 10 Jahren und balanciert damit gerade auf der Grenze zwischen Kinder- und Jugendbuch. Aufgrund der doch sehr einfachen Sprache und Thematik würde ich es jedoch noch als Kinderbuch einordnen, auch, weil man das Buch meines Erachtens als aufgeweckte Leser:in vielleicht auch ein Jahr früher lesen kann.

Die Handlung ist durchaus altersgerecht und kurzweilig, lediglich kurz vor dem Finale, als das Buch durchatmet, gibt es kleinere Längen. Mehr oder weniger verfolgt man kapitelweise abwechselnd aus den Perspektiven von Fritzi und Nils die Aktionen der einzelnen Klassen – zwischengeschaltet ist jeweils (sehr gelungen) ein Social-Media-Post einer Art Schülerzeitung („Das Blaue Auge“), wodurch eine weitere Ebene geschaffen, ein objektiver Blick auf die Geschehnisse ermöglicht wird, was im besten Sinne an „Gossip Girl“ oder „Lady Whistledown“ aus „Bridgerton“ erinnert – nur halt kindgerecht.

Unterstützt wird die Handlung dabei von den tollen Illustrationen von Julia Weinmann, die vereinzelt eingestreut sind und die Geschichte toll visualisieren. Teils sind diese natürlich etwas überspitzt, um den Charakteren auch die Eigenschaften direkt mitzugeben, was vor allem auf dem Cover sehr deutlich wird, sie machen dennoch viel Spaß und wirken toll mit dem Text zusammen. Gleichsam sind auch die Streiche ab und an etwas weitgehend, etwas drastisch und gesundheitsgefährdend, was aber eher an dem Fehlverhalten des Aufsichtspersonals liegt als an den Schüler:innen, denen man hier wirklich nichts unterstellen sollte.

Die einzelnen Figuren haben durchaus eigene Ziele und Motive, sind aufgrund der Kürze des Buches und der Vielzahl der handelnden Personen aber noch etwas eindimensional, insbesondere bei den Antagonist:innen Frau Strewisch und Herr Novak. Überzeugen können hingegen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Schirin, Lila und Titus – insgesamt kann hier aber im Folgeband das Profil von allen durchaus noch geschärft werden. Anja Janottas Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, ist altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anspringen, gerade im Zusammenspiel mit den Illustrationen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht schmälern, der Buchsatz setzt Text und Bild zu einem ordentlichen Gesamtprodukt, auch wenn man die Beiträge des „Blauen Auges“ vielleicht etwas innovativer hätte abbilden können. Das Cover, der Buchumschlag generell, ist genretypisch, das Covermotiv bietet zudem Anklänge an die Handlung und ist farblich sehr auffällig. Abzuwarten bleibt, ob mit dem Folgeband ein einheitliches Erscheinungsbild der Reihe mit Wiedererkennungswert geschaffen werden kann.

Mein Fazit? „Krawall im Klassenzimmer – Hitzefrei für alle!“ ist ein vielversprechender Auftakt in die Kinderbuchreihe von Anja Janotta, der vor allem durch die kurzweilige und interessante Handlung glänzt, an kleineren Punkten aber auch noch Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen ab zehn Jahren bedenkenlos zu empfehlen, bei aufgeweckten Kindern vielleicht auch ein Jahr früher.

[Buchgedanken] Julia Dippel: „Velvet Falls, but the Gods forgot to die“ (Velvet-Dilogie 1)

In den letzten Tagen – auch während der Buchmesse – habe ich „Velvet Falls, but the Gods forgot to die“ von Julia Dippel gelesen. Das Buch ist 2025 bei Loomlight in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH erschienen und als New Adult Romantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als die Sterne fielen, kehrte die Magie in unsere Welt zurück und mit ihr neue Götter. Seit diesem Tag träumte Velvet von der Aufnahme in einen Hexenzirkel, aber Schicksal und Verrat zwangen ihr einen anderen Weg auf: den einer Dämonenreiterin. Doch dämonische Kräfte sind unberechenbar, und als sie Velvet eines Tages mit Visionen einer brennenden Zukunft fluten, entdeckt sie, dass ein magisches Virus die unsterblichen Götter auszulöschen droht. Um es aufzuhalten, soll sie das Blut der sieben göttlichen Söhne beschaffen. Ein schier unmögliches Unterfangen – würde Velvet nicht zufällig einen der Göttersöhne kennen: Kash, alias Kashmere Sinclair, alias ihr Ex und der Grund für all ihre zerstörten Träume. Ihn um Hilfe zu bitten, reißt nicht nur alte Wunden auf, sondern stürzt Velvet in einen erbitterten Kampf um ihr Herz und die Rettung der Welt.

„Velvet Falls, but the Gods forgot to die“ ist der Auftaktband in die „Velvet“-Dilogie von Julia Dippel für Loomlight, mein erstes Buch der Autorin (also abgesehen von SuB-Werken). Das Buch lässt sich dabei klar als New Adult Romantasy einordnen, aufgrund des Settings könnte man es aber auch als Urban Fantasy kategorisieren. Empfohlen wird der Roman seitens des Verlags für Leser:innen ab 16 Jahren, aufgrund der sehr spicy Szenen sollte das definitiv auch die Untergrenze darstellen.

Die Handlung ist kurzweilig, actionreich, spannend und sehr spicy, auch wenn sich die Anzahl der Sexszenen durchaus genretypisch in Grenzen hält. Dabei verbleiben diese zudem – im Rahmen – geschmackvoll und nicht zu explizit, sodass man an der Alterseinschätzung festhalten kann. Zum Ende hin wird das Buch etwas hektisch, etwas verworren – und endet in einem Cliffhanger, der es leider nicht ermöglicht, das Buch als Standalone zu lesen. Bis dahin ist es jedoch ein absoluter Pageturner, ein wirklich unglaubliches Leseerlebnis, ein Highlight der letzten Zeit.

Denn auch das Setting ist atemberaubend. So entführt Julia Dippel die Leser:innen nach New Orleans und in die Götterstadt Imperion, nimmt sie mit auf eine Reise quer durch die ganze Welt, zum Beispiel nach Hongkong und in die Nähe von Moskau. Schillernde Partys und High Society wechseln sich hier mit hochgerüsteten Kämpfen ab, Magie und Technologie gehen einher und erschaffen eine Welt, die man gern sehen, fühlen und spüren würde und die – trotz aller Fantasie – nicht auf solche Profanitäten wie Pizza-Lieferdienste verzichtet.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – die immer noch nicht alle aufgedeckt sind. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Monty, Eddie, Cole und Joanne, während Kash nicht wirklich nachvollziehbar handelt. Julia Dippels Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist insbesondere im ersten Teil auch sehr humorvoll und zieht die Leser:innen in die Handlung.

Die Buchgestaltung ist traumhaft. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist wunderschön und setzt nicht nur Chatnachrichten innovativ, sondern überzeugt vor allem durch hübsche Kapitelanfänge. Der Umschlag ist mit Goldfolie veredelt und mit Klappen versehen, das unter dem Umschlag befindliche Buch wunderschön und mit farbigen Coverinnenseiten ausgestattet. Dabei kann das Cover des unter dem Umschlag befindlichen Buches fast noch mehr brillieren als das auch hübsche, eigentliche Cover, das vor allem durch die Farbgestaltung punktet.

Mein Fazit? „Velvet Falls, but the Gods forgot to die“ ist ein wundervoller Auftakt in die Reihe mit tollem Setting, atemberaubender Spannung, knisternder Erotik und nur minimalen Schwächen, die den Lesegenuss nicht im Ansatz schmälern. Für Leser:innen des Genres ab dem vorgeschlagenen Alter von 16+ bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ (Das vergessene Museum 1)

Bevor ich mit den Messeberichten fortsetze, möchte ich Euch heute erst einmal das Buch vorstellen, das ich während der Messe beendet habe. „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist der neue Roman von Andreas Suchanek. Das Buch ist 2025 in der dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG erschienen und als Urban Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Liam hat es nicht leicht. Aufgewachsen in eher ärmlichen Verhältnissen, hält er sich in London als Fahrradkurier über Wasser. Als er ein Paket zu einem Privatmuseum liefert, wird er dort Zeuge eines Überfalls. Er kann nichts mehr für den sterbenden Kurator tun, doch dieser überträgt ihm ein Symbol aus schwarzer Tinte auf seine Haut – und macht ihn somit zum neuen Siegelwahrer des Museums. Liam wird in die Welt eines international agierenden Museumsnetzwerks katapultiert, welches magische Artefakte sicher verwahrt – denn mit diesen lassen sich gefährliche Kräfte kanalisieren. Doch die Museen werden von einem gefährlichen Gegner bedroht und schnell wird klar: Liams eigene Vergangenheit ist eng mit den Geschehnissen verknüpft.

„Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist der Auftaktband der neuen Urban-Fantasy-Reihe von Andreas Suchanek und mein erstes Buch des Autors. Vom Verlag wird es für Fans von Ben Aaronovitch beworben, was sicherlich noch zu große Fußstapfen sind – aber wer weiß: kleinere Parallelen sind zumindest da. Das Buch ist dabei als klassische Urban Fantasy einzuordnen, zeigt darüber hinaus aber auch kleinere Elemente eines Detektivromans – und ist aufgrund der Zeitsprünge und Artefakte zuweilen sogar ganz leicht historisch angehaucht.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und wartet durchaus mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei gelingt es dem Autor, insbesondere zu Beginn den Leser direkt in die Handlung zu ziehen, nicht zuletzt durch die humorvollen Szenen. Leider endet der Roman mit einem relativ starken Cliffhanger, der es fast nicht ermöglicht, das Buch als Standalone zu lesen und auch das Magiekonzept überzeugt noch nicht völlig- hier können aber die nächsten Bände noch nachliefern.

Denn das Setting ist sonst wirklich brillant. So entführt der Autor die Leser:innen nach London, Berlin und Paris, erschafft gut getarnte Museen und nimmt den Leser durch die Artefakte auch mit auf eine Reise durch Kunst, Mythologie und Wissenschaft – hier hätte ich mir fast noch mehr Nerdwissen gewünscht. Dabei klingen am Rande durchaus auch mal gesellschaftlich relevante Themen und Probleme an – der Fokus liegt aber klar auf der phantastischen Quest der Held:innen.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Shakespeare, Ava und Harry, während Liam nicht immer nachvollziehbar handelt und Julia noch zu geheimnisvoll verbleibt. Andreas Suchaneks Schreibstil ist humorvoll und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, die Kapitelüberschriften nur milde spoilernd. Der Buchumschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist genretypisch und kein klassischer Eyecatcher, die Farbgebung des Buches insgesamt jedoch sehr gelungen und ansehnlich. Schön ist zudem, dass auch Coverrückseite und Buchrücken mit kleinen Details aufwarten, die Anspielungen auf die Handlung enthalten.

Mein Fazit? „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist ein Auftaktband, der Lust auf mehr macht und die Leser:innen in eine wirklich tolle Welt entführt, leider jedoch mit einem Cliffhanger endet. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Charlotte von Feyerabend: „Liebesrausch: Anaïs Nin und Henry Miller in Paris“

Vor kurzem habe ich auch „Liebesrausch: Anaïs Nin und Henry Miller in Paris“ von Charlotte von Feyerabend gelesen. Das Buch ist 2025 im Droemer Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Romanbiografie einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars nach Rezensionsangebot durch die Autorin.

Paris, 1931. Als Anaïs Nin den zwölf Jahre älteren Henry Miller trifft, wird ein Feuer entfacht: Beide inspirieren sich nicht nur literarisch, zwischen ihnen brennt auch eine ungezügelte Leidenschaft. Das Leben mit allen Sinnen zu fassen, alle Schranken zu sprengen und dafür die perfekten Worte zu finden, das streben beide an – koste, was es wolle. Sie tanzen auf den rauschendsten Festen und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Doch während sich Henry voll und ganz den Exzessen hingibt, führt Anaïs auch eine konventionelle Ehe mit Hugo, der sie über alles liebt und finanziell für sie und ihre Künstlerfreunde sorgt. Den emotionalen Spagat zwischen Hemmungslosigkeit und Konventionen kann Anaïs nur in ihren berühmt-berüchtigten Tagebüchern verarbeiten: Gehören Erotik und Sinnlichkeit in den Mittelpunkt des Lebens? Und darf man dafür die Menschen belügen, die einen lieben?

„Liebesrausch: Anaïs Nin und Henry Miller in Paris“ ist nach „Seid nett aufeinander“ meine zweite Romanbiografie von Charlotte von Feyerabend, die sich um Frauen der Geschichte dreht – in beiden Romanen jeweils um prägnante Figuren des 20. Jahrhunderts. In „Liebesrausch“ steht aber nicht nur Anaïs Nin im Mittelpunkt, sondern auch Henry Miller, sodass wir keine klassische Romanbiografie, sondern fast sogar einen historischen Liebesroman haben – was auch die beiden Erzählperspektiven verdeutlichen. Da allerdings nur Anaïs eine Ich-Perspektive erhalten hat – Henrys Sicht wird aus personaler Perspektive erzählt – kann man Anaïs schon als Hauptfigur des Buches sehen.

Die Geschichte begleitet Anaïs und Henry im Wesentlichen in der Zeit von 1931 bis 1936 – kleine Rückblenden in Anaïs‘ Vergangenheit ausgenommen. Leider wird das Buch zum Ende hin etwas hastig, endet relativ plötzlich und unerwartet. Dabei spielt die Handlung vor allem in Paris, auch bei Abwesenheiten einer der Protagonisten verbleibt die Perspektive oftmals bei der in Paris verbliebenen Person. Dadurch gelingt es Charlotte von Feyerabend, den Fokus auf die Künstler:innen-Szene im Paris der 1930er Jahre zu legen, eine Szene, die insbesondere bei Autor:innen so fernab vom heutigen Berufsbild ist, dass das teils abstrus anmutet.

Generell ist das Leben von Anaïs und Henry geprägt von toxischen Beziehungen – auch die Affäre untereinander ist hier keine Ausnahme. Wie man im Nachwort erfährt, wird Anaïs Zeit ihres Lebens nicht aus diesem Schema ausbrechen können. Genau wie Henry Miller geht Charlotte von Feyerabend schonungslos mit der Sprache um, passt sich der Zeit und den handelnden Personen an – insgesamt zeugt das Buch nicht nur hier von einer gelungenen Recherche. So verbleibt das Buch spannend und abwechslungsreich und macht nicht nur Lust auf die Zeit, sondern vor allem auch darauf, vielleicht mal etwas von Anaïs oder Henry zu lesen.

Die Buchgestaltung ist überzeugend. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, die Geschichte wird durch ein Quellenverzeichnis, diverse Anmerkungen und ein Nachwort abgerundet. Das Covermotiv passt zur Handlung und ist durchaus ansehnlich und genretypisch, insbesondere die Farbkombination überzeugt. Leider wird es zum Buchrücken hin krass unterbrochen – und die Coverrückseite wirkt durch den langen Klappentext auch etwas überladen.

Mein Fazit? „Liebesrausch: Anaïs Nin und Henry Miller in Paris“ ist eine in weiten Teilen überzeugende Romanbiografie über zwei faszinierende Persönlichkeiten im Paris der 1930er, die vor allem durch das Setting, durch gelungene Recherche und die damit verbundene schonungslose Sprache punkten kann und dabei nur kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Katherine Paterson: „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“

Vor kurzem habe ich auch „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ von Katherine Paterson gelesen. Das Buch ist 2025 in der NordSüd Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde ebenfalls 2025 unter dem Titel „Jella Lepman and Her Library of Dreams“ bei Handprint Books veröffentlicht. Das Buch ist als illustrierte Biografie einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak, für die Illustrationen Sally Deng verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kriegsende 1945. Deutschland liegt in Schutt und Asche. In dieses Land kehrt eine Frau zurück aus dem Exil und findet ihre Lebensaufgabe. Jella Lepman möchte am Aufbau einer besseren, friedlicheren Welt für Kinder mitwirken. Sie sammelt Tausende Kinderbücher und legt damit den Grundstein für die Internationale Jugendbuchbibliothek in München.

„Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ ist ein biografisches Sachbuch über Jella Lepman, das – passenderweise – von der Preisträgerin der Jella Lepman Medal 2018, Katherine Paterson, verfasst wurde, die auch mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis prämiert wurde. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 10 Jahren, tendentiell würde ich es eher (eigenständigen) Leser:innen ab zwölf ans Herz legen, begleitet kann man das Buch natürlich früher lesen.

Denn das Buch begleitet Jella von Kindheit an auch durch die schwierigen Zeiten des ersten und zweiten Weltkriegs, wobei der Schwerpunkt naturgemäß auf ihrem Einsatz für das amerikanische Militär nach 1945 in Deutschland liegt. Dennoch kann vor allem die erste Hälfte des Buches, die Vorgeschichte und die erste Phase in Deutschland, stärker begeistern, berührt mehr als der zweite Teil, der sich mehr um die Verwaltung der bereits geschaffenen Kinderbuchausstellung sowie die Überführung in die Internationale Jugendbibliothek dreht.

Vor allem aber kann das Buch durch die gelungene visuelle Ausstattung glänzen. Sally Dengs Illustrationen sind zwar teils sehr verwaschen, das passt aber durchaus zur Stimmung des Buches – und sie ergänzen sich wundervoll mit eingestreuten Fotografien aus der Zeit, die gleichzeitig Inspirationsquelle und Zeitzeugnis sind. So unterstützen diese nicht nur die Handlung, sondern treiben sie fast noch voran und sorgen dafür, dass man die Zeit und die Handlung noch besser greifen und nachspüren kann.

Die Buchgestaltung ist größtenteils ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind leider einige Kleinigkeitein durchgerutscht, die bei der Textmenge das Lesevergnügen doch leicht beeinträchtigen, der Buchsatz setzt dahingegen Text und Bilder zu einem tollen Gesamtkonstrukt. Der Buchumschlag ist mit farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv und die Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin krass unterbrochen, sind sonst aber wirklich toll gestaltet und zeigen nicht nur Anklänge an Jellas Leben, sondern auch an berühmte Kinderbücher – wirklich ein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ ist eine illustrierte Biografie für Leser:innen ab zwölf Jahren, die vor allem durch ihre Illustrationen und eingestreuten Fotos glänzt, in der zweiten Hälfte aber etwas verliert. Für interessierte Leser:innen und Kinderbuchliebhaber:innen daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sabrina Qunaj: „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ (Hearts & Horses 1)

Vor kurzem habe ich auch „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ von Sabrina Qunaj gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mia liebt Pferde über alles, besonders den Lusitano ihrer Mutter. Als er verkauft wird, schwört Mia, ihn eines Tages zurückzuholen. Aber als sie den Wallach tatsächlich wiedertrifft, ist er völlig verändert und lässt niemanden mehr an sich heran – mit Ausnahme eines Jungen namens Arvid. Auch Mia fühlt sich zunehmend zu Arvid hingezogen und kann die Schmetterlinge in ihrem Bauch bald nicht mehr verleugnen. Doch dann erfährt sie, dass Arvid kein gewöhnlicher Junge ist! Diese Erkenntnis verändert alles, und die märchenhafte Zeit auf dem Pferdehof droht jäh zu enden …

„Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist der erste Band der gleichnamigen Buchreihe, die – entgegen der etwas einseitigen Bewerbung durch den Verlag – hoffentlich nicht nur Mädchenherzen höher schlagen lässt. Empfohlen wird das Buch dabei ab 10, tendentiell würde ich die Altersgrenze minimal höher legen und das Buch Leser:innen ab zwölf Jahren ans Herz legen, ein Alter, das auch näher an den Protagonist:innen ist. Der Roman ist übrigens mein drittes Buch von Sabrina nach „Der Ritter der Könige“ und „Ein Gefühl wie warmer Sommerregen“ (letzteres als Ella Simon). Das Buch könnte man zudem verschiedenen Genres zuordnen – als Pferderoman, als Teen-Romance, als Rockstar-Romance etc. Der Einfachheit halber habe ich mich aufgrund des bunten Themenmixes aber für die Einordnung als Jugendbuch entschieden.

Die Handlung ist abwechslungsreich, spannend und altersgerecht. Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen, personalen Erzählperspektiven erzählt, man begleitet Mia (13) und Arvid (14), die Love Interests (das kurzzeitig aufgebaute Love Triangle mit Mark kann man hier vernachlässigen). Das Buch mischt dabei jugendtypische Themen wie erste Liebe und familiäre Konflikte mit einer klassischen Rockstar-Romance und ganz viel Pferden – Ostwind-Vibes inklusive.

Dabei kann vor allem das Setting brillieren. So entführt Sabrina Qunaj die Leser:innen nach Norddeutschland, in eine Gegend zwischen Strand, verwaisten Leuchttürmen und Pferdehöfen. Vor allem der fiktive Showpferdehof Hansen berührt hier mit der tollen Einstellung zur Arbeit und zum Umgang mit den Pferden – wirklich schön. Und auch Arvids Rockstar-Leben wird anschaulich beschrieben, gern hätte ich mir hier noch mehr Einblicke in den Songwriting-Prozess und insbesondere abgedruckte Songtexte gewünscht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – sollten in potentiellen Folgebänden die gleichen Charaktere wieder auftreten, könnten diese hier aber noch schärfer herausgearbeitet werden. Denn bislang überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Hanna und Karo, während Mia nicht immer nachvollziehbar handelt. Sabrina Qunajs Schreibstil ist altersgerecht, lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf dem Buchrücken und der Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Insgesamt ist das Covermotiv farblich eher unauffällig und genretypisch, ich hätte mir hier noch etwas mehr Anklang an die Handlung gewünscht. Alles in allem ist es aber durchaus ansehnlich, wenn auch kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist ein toller Start in die Reihe, der vor allem durch den Themenmix und mit seiner tollen Einstellung zur Pferdearbeit punktet. Für Leser:innen – nicht nur für Mädchen – ab etwa zwölf Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Marco Wanda: „Dass es uns überhaupt gegeben hat“

In den letzten Tagen habe ich auch „Dass es uns überhaupt gegeben hat“ von Marco Wanda gelesen. Das Buch ist 2025 in der Paul Zsolnay Verlag Ges. m. b. H. veröffentlicht worden und als autobiografischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

On the road mit Marco Wanda! Der Bandleader und Songwriter von „Wanda“ hat ein Buch geschrieben. Er erzählt die Geschichte eines Erfolgs und verschweigt nicht den Preis, den man dafür zahlt, er erzählt von Wien und den Menschen, die diese Stadt ausmachen, von einer Künstlergeneration, die „zum lebenden Kult“ geworden ist. Ein bestechend ehrliches Buch über einen, der mehr erreicht hat, als er sich jemals vorstellen konnte – und der überlebt hat.

„Dass es uns überhaupt gegeben hat“ ist das Debüt von Marco Wanda, dem Frontmann der bekannten und hochdekorierten österreichischen Band Wanda. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist mehr oder weniger ein bunter Genremix, der als literarisches Selbstporträt beschrieben wird. Teils wird es auch im Feuilleton als Coming of Age oder literarischer Roadtrip bezeichnet – ich habe es der Einfachheit halber beim autobiografischen Roman belassen.

Denn in dem Buch beschreibt Marco Wanda seine frühen Jahre, die Entstehungsgeschichte der Band, deren Hoch- und Problemphasen. Zugute halten muss man ihm hier, dass die Erzählung schonungslos ist, nichts verschweigt – lediglich das Privatleben wird nahezu vollkommen ausgeklammert. So bietet das Buch einen interessanten Einblick in die österreichische Underground-Szene und deckt dabei im Wesentlichen die Jahre von 2010 bis etwa 2023 ab.

Doch so spannend und kurzweilig das teils auch ist, so erschreckend ist es auch. Gefühlt besteht das Buch im Wesentlichen aus Alkohol – und Drogenexzessen, blinder Zerstörungswut und selbstzerstörerischem Verhalten. Die ungleich spannende Entstehungsgeschichte einiger Songs gerät dabei etwas in den Hintergrund. Lediglich zum Ende hin wird hier etwas reflektiert, nachdem den Großteil des Buches eher verharmlosend über die Exzesse berichtet wurde, die auch nicht durch den kometenhaften Aufstieg der Band entschuldigt werden können.

Am spannendsten wird das Buch, wenn Marco Wanda von seinen wenigen Reisen fernab der Band berichtet, von seiner Zeit in Kairo oder in Paris, wenn auch – in den letzten Reisen – hier teils ein problematisches Verhältnis zu Geld und zu Kellner:innen durchscheint, deren freundschaftliche Zuneigung er sich über großzügige Trinkgelder erkauft. So oder so – eine Welt, die so fernab der Realität normaler Menschen ist, dass man sich schwerlich damit identifizieren kann.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich, hätte aber durchaus Kapitel zu Seitenbeginn und nicht teils mitten auf den Seiten starten können. Der Buchumschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt, das unter dem Umschlag befindliche Buch eher schlicht. Das Cover“motiv“ setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitlicher Gesamteindruck entsteht, ist farblich ansprechend, aber ohne großen Bezug zur Handlung und kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Dass es uns überhaupt gegeben hat“ ist ein spannender und interessanter Einblick in die Künstlerseele von Marco Wanda, der leider sehr destruktiv daherkommt und wenig Sympathien weckt. Für musikinteressierte Leser:innen dennoch zu empfehlen – nicht unter einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Mirjam Raymond: „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“

Vor kurzem habe ich auch „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ von Mirjam Raymond gelesen. Das Buch ist 2025 in der Fischer Sauerländer GmbH erschienen und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Maja Bohn verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der zwölfjährige Johnny hat eine große Klappe und steckt ständig in der Klemme. Als Amin, ein Junge aus seiner Klasse, plötzlich verschwindet, wittert Johnny seine Chance: Er will beweisen, dass er der würdige Anführer seiner Schulhofbande ist. Großspurig verspricht er, den Fall zu lösen. Doch dann findet er Amins Tagebuch und schnell wird klar, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Amin lebt in einer Unterkunft für Geflüchtete. Und er schwebt in großer Gefahr. Johnny nimmt all seinen Mut zusammen und macht sich auf die Suche nach Amin. 

„Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist der Debütroman von Mirjam Raymond, der unter anderem durch ein Stipendium der Akademie für Kindermedien gefördert wurde. Empfohlen wird der Roman für Leser:innen ab 10 Jahren, aufgrund des Alters des Protagonisten (12 Jahre) ist dies vermutlich gerade die Grenze. Generell balanciert der Roman auf dem schmalen Grat zwischen Kinder- und Jugendbuch, da ich ihn aber eher für Leser:innen ab 11, 12 Jahren empfehlen würde, habe ich ihn schlussendlich als Jugendbuch eingeordnet.

Die Handlung ist grundsätzlich altersgerecht und mischt dabei jugendtypische Probleme wie Freundschaft und familiäre und schulische Konflikte mit großen gesellschaftlichen Themen wie Migration und Ausländerfeindlichkeit. Dabei gelingt es Mirjam Raymond, die Themen jugendgerecht aufzuarbeiten. Zudem brilliert der Roman in dem abgedruckten Tagebuch von Amin, das nicht nur mit persischen Textpassagen aufwartet, sondern auch mit wundervollen Illustrationen von Maja Bohn, die die Handlung perfekt abrunden.

Das Setting ist gelungen. So entführt Mirjam Raymond die Leser:innen in eine süddeutsche Großstadt, nimmt sie mit auf eine Zugreise nach Düsseldorf und gedanklich in die Kriege und Krisen der Welt. Dabei erkundet man die Welt aus Sicht von Johnny, der im Roman als Ich-Erzähler fungiert und – etwas irritierend – teils die Leser direkt anspricht und in reißerischen Zeitungsschlagzeilen denkt.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ava, Sympathieträgerin und heimlicher Star des Romans, und Niko, während Johnny, selbst für sein Alter, teils nicht nachvollziehbar handelt, immerhin zum Ende hin aber einige seiner Handlungen reflektiert. Mirjam Raymonds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils sogar fast zu jugendlich.

Die Buchgestaltung glänzt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist wirklich überzeugend mit den eingestreuten Tagebucheinträgen und Illustrationen. Der Buchumschlag wartet mit schön gestalteten Coverinnenseiten auf, das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken hin krass abgegrenzt. Insgesamt ist das Covermotiv durchaus gelungen und zeigt starke Ansätze zur Handlung, die Typographie des Covers überzeugt ebenfalls.

Mein Fazit? „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist ein gelungenes Debüt von Mirjam Raymond, das vor allem mit der tollen Gestaltung, den Illustrationen und einer altersgerechten Aufarbeitung des Themas Migration punktet, dabei aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab etwa 11, 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Joanna Glen: „Weil es nicht anders sein kann“

In der letzten Zeit habe ich auch „Weil es nicht anders sein kann“ von Joanna Glen gelesen. Das Buch ist 2025 im Arche Literatur Verlag, einem Imprint der Atrium Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2024 unter dem Titel „Maybe, Perhaps, Possibly“ bei Borough Press veröffentlicht. Der Roman ist als Gegenwartsliteratur einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Eva Kemper verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Sol und Addie fühlen sich in der Natur wohler als unter Menschen. Doch als die beiden sich auf der windgepeitschten Insel Rokesby vor der Küste Englands zum ersten Mal begegnen, scheint mitten im Sturm alles stillzustehen. Sofort spüren sie, dass sie füreinander geschaffen sind, und wagen eine zaghafte Annäherung. Doch sie haben nicht mit der Wucht gerechnet, mit der die Vergangenheit über sie hereinbricht, und müssen hart dafür kämpfen, zusammen sein zu können – nicht nur gegen äußere Umstände, sondern manchmal auch gegen sich selbst. Woran sie sich festhalten, ist der Pakt, den sie schließen: Sie wollen wie zwei Papageientaucher sein. Denn auch wenn die Vögel einen großen Teil des Jahres getrennt von ihrem Partner leben, bleiben sie einander treu und finden doch immer wieder zueinander.

„Weil es nicht anders sein kann“ ist mein erster Roman von Joanna Glen, von Eva Kemper übersetzte Titel habe ich aber schon öfters gelesen. Das Buch ist dabei relativ deutlich als Gegenwartsliteratur einzuordnen, auch wenn natürlich (wie auch auf Verkaufsplattformen durchaus vorgenommen) eine Einordnung als Liebesroman denkbar erscheint. Dennoch ist aus meiner Sicht die Liebesgeschichte zwar Zentrum der Handlung, aber sie geht deutlich darüber hinaus, ist das Buch doch auch ein Entwicklungsroman für beide Protagonist:innen, in gewissem Sinne sogar Coming of Age.

Die Handlung wird aus zwei personalen Erzählperspektiven der Protagonist:innen erzählt – und ist durch die teilweise Gleichzeitigkeit der Ereignisse dabei gelegentlich etwas entschleunigt. Insgesamt ist sie sehr poetisch, sehr zart, sehr ereignislos, was aber nicht wirklich stört, sind die Protagonist:innen hier doch vielmehr durch innere Stolpersteine am Fortkommen gehindert, als dass ihnen das Leben Steine in den Weg legt. Lediglich das Ende vermag hierbei nicht in Gänze zu überzeugen.

Das Setting ist traumhaft. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Rokesby und Ora, sondern auch nach Mallorca, nach Tromso, in die Broads und nach Fair Isle. Dabei erkundet man mit den Figuren zusammen die Orte, spürt der Natur nach, lernt Tier- und Pflanzenwelt kennen und erlebt die Verbundenheit mit den Schauplätzen. Joanna Glen mischt in die zarte Liebesgeschichte – zwischen den Protagonist:innen untereinander und mit der Natur – auch Themen wie Glauben, Mobbing, Sozialphobie und Unsicherheiten mit ein und erzeugt so ein tolles, spannendes Gesamtkonstrukt.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen neben Addie, die als Hauptcharaker brilliert, auch (wichtige) Nebencharaktere wie Tiffany, Barry und Barbara, während Sol nicht immer nachvollziehbar handelt, und ich zu ihm auch kaum eine Bindung aufbauen konnte, ganz im Gegensatz zu Addie. Joanna Glens Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Hardcover ist eher schmucklos und ohne jedwede Sonderausstattung. Das Covermotiv setzt sich jedoch nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und erzeugt so ein tolles und einheitliches Gesamtbild, das auch farblich überzeugt, aber gleichzeitig auch etwas austauschbar verbleibt und stärkere Bezüge zur Handlung vermissen lässt.

Mein Fazit? „Weil es nicht anders sein kann“ ist ein unglaublich poetischer Roman, der mit einem tollen Setting und einer brillanten Protagonistin punktet, gleichzeitig aber auch leichtere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.