[Buchgedanken] Katherine Paterson: „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“

Vor kurzem habe ich auch „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ von Katherine Paterson gelesen. Das Buch ist 2025 in der NordSüd Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde ebenfalls 2025 unter dem Titel „Jella Lepman and Her Library of Dreams“ bei Handprint Books veröffentlicht. Das Buch ist als illustrierte Biografie einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak, für die Illustrationen Sally Deng verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kriegsende 1945. Deutschland liegt in Schutt und Asche. In dieses Land kehrt eine Frau zurück aus dem Exil und findet ihre Lebensaufgabe. Jella Lepman möchte am Aufbau einer besseren, friedlicheren Welt für Kinder mitwirken. Sie sammelt Tausende Kinderbücher und legt damit den Grundstein für die Internationale Jugendbuchbibliothek in München.

„Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ ist ein biografisches Sachbuch über Jella Lepman, das – passenderweise – von der Preisträgerin der Jella Lepman Medal 2018, Katherine Paterson, verfasst wurde, die auch mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis prämiert wurde. Empfohlen wird das Buch für Leser:innen ab 10 Jahren, tendentiell würde ich es eher (eigenständigen) Leser:innen ab zwölf ans Herz legen, begleitet kann man das Buch natürlich früher lesen.

Denn das Buch begleitet Jella von Kindheit an auch durch die schwierigen Zeiten des ersten und zweiten Weltkriegs, wobei der Schwerpunkt naturgemäß auf ihrem Einsatz für das amerikanische Militär nach 1945 in Deutschland liegt. Dennoch kann vor allem die erste Hälfte des Buches, die Vorgeschichte und die erste Phase in Deutschland, stärker begeistern, berührt mehr als der zweite Teil, der sich mehr um die Verwaltung der bereits geschaffenen Kinderbuchausstellung sowie die Überführung in die Internationale Jugendbibliothek dreht.

Vor allem aber kann das Buch durch die gelungene visuelle Ausstattung glänzen. Sally Dengs Illustrationen sind zwar teils sehr verwaschen, das passt aber durchaus zur Stimmung des Buches – und sie ergänzen sich wundervoll mit eingestreuten Fotografien aus der Zeit, die gleichzeitig Inspirationsquelle und Zeitzeugnis sind. So unterstützen diese nicht nur die Handlung, sondern treiben sie fast noch voran und sorgen dafür, dass man die Zeit und die Handlung noch besser greifen und nachspüren kann.

Die Buchgestaltung ist größtenteils ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind leider einige Kleinigkeitein durchgerutscht, die bei der Textmenge das Lesevergnügen doch leicht beeinträchtigen, der Buchsatz setzt dahingegen Text und Bilder zu einem tollen Gesamtkonstrukt. Der Buchumschlag ist mit farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv und die Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin krass unterbrochen, sind sonst aber wirklich toll gestaltet und zeigen nicht nur Anklänge an Jellas Leben, sondern auch an berühmte Kinderbücher – wirklich ein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ ist eine illustrierte Biografie für Leser:innen ab zwölf Jahren, die vor allem durch ihre Illustrationen und eingestreuten Fotos glänzt, in der zweiten Hälfte aber etwas verliert. Für interessierte Leser:innen und Kinderbuchliebhaber:innen daher bedenkenlos zu empfehlen.

Von kleinen und großen Helden | Lovelybooks-Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist dabei das Debüt von Mirjam Raymond (Fischer Sauerländer, S. Fischer Verlage) mit Illustrationen von Maja Bohn, während „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ das neue illustrierte Kinderbuch von Katherine Paterson (NordSüd Verlag) ist – für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak verantwortlich, die Illustrationen stammen aus der Feder von Sally Deng. Beide Bücher erzählen dabei die fiktiven oder realen Geschichten von Held:innen, die das Leben eines oder ganz vieler Menschen ändern. Ich bin auf die Bücher schon sehr gespannt und freue mich schon darauf, in die Geschichten einzutauchen.

Mögt Ihr Illustrationen in oder zu Büchern?

[Buchgedanken] Roddy Doyle: „Paddy Clarke Ha Ha Ha“

In der letzten Zeit habe ich auch „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ von Roddy Doyle gelesen. Der Roman ist 2024 im GOYA Verlag in der Jumbo Neue Medien & Verlag GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde unter gleichem Titel 1993 bei Secker & Warburg veröffentlicht. Der Roman ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Irland, 1968. Paddy Clarke ist zehn Jahre alt und tut das, was so ziemlich alle Zehnjährigen tun: Er langweilt sich in der Schule, zieht mit einen Freunden durch die Straßen, ärgert seinen kleinen Bruder und treibt Unfug. Er liebt den Geruch seiner Wärmflasche und am liebsten liest er mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke. Doch Paddys Welt beginnt sich zu verändern. Die Felder, auf denen er gestern noch herumgestreift ist, werden bebaut, Barrytown bekommt neue Straßen und vergrößert sich. Gleichzeitig wird Paddys Reich immer kleiner und die Stimmung zu Hause immer angespannter. Je mehr Paddy von der Welt mitbekommt, desto weniger versteht er.

„Paddy Clarke Ha Ha Ha“ ist der „neue“ Roman von Roddy Doyle – allerdings nur als neuübersetzte Version. Denn – wie oben bereits erwähnt – stammt die Originalausgabe bereits aus dem Jahr 1993 und wurde damals mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Im Kontext dessen ist der Roman als Gegenwartsliteratur einzuordnen – wenn er heute neu herauskäme, könnte man ihn fast als historischen Roman eingruppieren, schildert er doch die Realität der späten 1960er Jahre in Irland, eine Zeit, die 1993 allerdings noch fast präsent war und gerade eine Generation zurücklag.

Die Handlung ist dabei durchaus abwechslungsreich und spannend, allerdings auch antiklimaktisch und ohne erkennbaren roten Faden. So wird episodenhaft und nicht zwingend chronologisch aus der Sicht des zehnjährigen Paddy als Ich-Erzähler nicht mehr und nicht weniger als der Alltag der damaligen Zeit dargestellt, eine Zeit mit klaren Rollenbildern, die geprägt war von Gewalt – in den Familien, auf den Straßen, in den Schulen – und von klaren Hierarchien und einem einfachen, aber ehrlichen Leben.

Das Setting kann hier brillieren. So entführt Roddy Doyle die Leser:innen nach Barrytown, in einen fiktiven Vorort Dublins, in dem bereits andere Romane Doyles und deren filmische Adaptionen spielen. Dabei gelingt es dem Autor, ein beeindruckendes, eindringliches Porträt der damaligen Zeit und Gesellschaft zu erschaffen, mit all ihren Problemen aber auch dem ganz eigenen Charme und der – im Vergleich zur heutigen Moderne – doch Einfachheit der Lebensentwürfe und Tagesabläufe.

Die einzelnen Figuren sind dabei teils doch sehr schematisch dargestellt, werden sie doch aus der Sicht von Paddy beleuchtet – einem Zehnjährigen, der zwar teils älter erscheint, dennoch aber einen kindlichen Blick auf die Welt hat. Robby Doyles Schreibstil ist dabei sehr gewöhnungsbedürftig, insbesondere die Dialoge können mich nicht überzeugen – und auch der fehlende rote Faden sorgt für ein doch eher anstrengendes Leseabenteuer.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind doch einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist unauffällig – Sinnabschnitte hätten dem Buch jedoch gut getan. Das Covermotiv ist wirklich gelungen, ein Glossar irischer Begriffe und Ausdrücke wird der Geschichte vorangestellt. Leider wird das Cover zum Buchrücken krass unterbrochen, dieser und die Coverrückseite sind eher unauffällig und schlicht.

Mein Fazit? „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ ist ein interessantes Porträt der irischen Gesellschaft aus Sicht eines Zehnjährigen, das mit seinem Setting brilliert, aber sehr ungewöhnlich und ohne roten Faden erzählt wird. Für Leser:innen des Genres und sprachlich eigenwilliger Texte durchaus zu empfehlen, ab einem Lesealter, das deutlich über dem der Protagonisten liegt.

Kinder an die Macht | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. „Die coolste Klasse des Planeten“ von Anja Janotta aus dem Gulliver Verlag (Beltz & Gelberg) ist dabei ein von Ulla Mersmeyer illustriertes, super lesbares Kinderbuch über eine Schulband, während „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ von Roddy Doyle (Goya Verlag, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH) die Geschichte des zehnjährigen Paddy im Irland der späten 60er Jahre erzählt. Zudem handelt es sich bei dem Roman um die von Alexandra Rak neu übersetzte Fassung des bereits 1993 erschienenen und mit dem Booker Prize ausgezeichneten Werkes. Bücher für und über Kinder – ich bin schon ganz gespannt auf die unterschiedlichen Ansätze.

Welches Kinderbuch hat Euch geprägt?