[Buchgedanken] Petr Hanel: „Du weißt nen Scheiß über Sterne“

In der letzten Zeit habe ich auch „Du weißt nen Scheiß über Sterne“ von Petr Hanel gelesen. Das Buch ist 2026 im Anthea Verlag erschienen, die Originalausgabe wurde 2024 unter dem Titel „O hvězdách víš hovno“ bei Host veröffentlicht. Der Roman ist dabei als Coming of Age einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Tschechischen zeichnet Hana Hadas verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Marky ist 17 und komplett delulu wegen seines Crushs. Problem: Abgefeiert werden die Gym-Bros, nicht die Typen mit weirdem Musikgeschmack. Während zu Hause nur noch über Schulden geredet wird und Freundschaften langsam zerbrechen, scrollt Marky durch TikTok und bekommt erklärt, wie man ein Alpha wird. Keine Gefühle. Keine Schwäche. Nur Grind. Vom NPC zum Sigma – klingt erstmal nach Lösung. Zwischen Catfish, Gaslighting, erster Liebe und wachsender Wut verliert Marky immer mehr den Kontakt zu sich selbst. Er muss entscheiden, ob Härte ihn wirklich rettet.

„Du weißt nen Scheiß über Sterne“ ist der vielgefeierte und prämierte Debütroman von Petr Hanel. Dabei lässt sich das Buch klar als Jugendroman einordnen, ist Entwicklungsroman und – wie oben angegeben – Coming of Age zugleich. Empfohlen wird das Buch hierbei für Leser:innen ab zwölf Jahren, aufgrund der großen Diskrepanz zum Alter der Protagonist:innen und den doch teils sehr düsteren Passagen würde ich das Buch allerdings eher Leser:innen ab 14 Jahren ans Herz legen.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, hält konsequent auf Markys Leben in all seinen Facetten, erzählt aus seiner Ich-Perspektive. Anfangs ist sie dabei gelegentlich etwas wirr, zwischenzeitlich eingestreute, kurze Abschnitte aus anderen, personalen Erzählperspektiven erscheinen zumindest in Teilen unnötig. Hierbei lebt die Handlung allerdings auch durch die Verknüpfung mit Songtexten auf, zieht sich doch eine – sogar verlinkte – Playlist durchs Buch und stärkt die Atmosphäre, illustriert somit die Gefühlslage der Protagonist:innen.

Vor allem aber das Setting kann brillieren. So entführt der Autor die Leser:innen in die Welt tschechischer Oberstufenschüler – jugendtypische Probleme wie verzerrte Realitätsbilder durch Social Media, Peer Pressure, Drogenkonsum, zerrüttete Familien und unerwiderte Gefühle inklusive. Dabei gelingt es dem Autor, insbesondere die Gefahren der Anonymität des Internets deutlich zu machen und zeigt auf erschütternde Weise, vor welchen Herausforderungen junge Menschen heute stehen. Gern hätten hier im Anhang auch Hilfsangebote aufgeführt werden können.

Dabei sind die einzelnen Figuren im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Val brillieren hier vor allem wichtige Nebencharaktere wie Evzen und Klara, während Markys Entwicklung manchmal nicht ganz nachvollziehbar verbleibt und man – trotz aller Sympathie – viele seiner Fehler eigentlich nicht verzeihen will. Petr Hanels Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen, ist altersgerecht, manchmal etwas zu gewollt jugendlich, und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind doch einige Fehler durchgerutscht, die sich noch gerade so im Rahmen halten, der Buchsatz ist gelungen und setzt die Chats durchaus gut, auch wenn da sicherlich noch mehr gegangen wäre. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, generell aber auch sehr eintönig und kein Eyecatcher, auch wenn das Covermotiv einen Bezug zum Buchtitel herstellt.

Mein Fazit? „Du weißt nen Scheiß über Sterne“ ist ein Jugendbuch, das unglaublich wichtige Themen anspricht und mit seinem Setting brilliert, gerade aber zu Anfang auch etwas wirr daherkommt und eher durch Nebencharaktere punktet als durch den Hauptprotagonisten. Für Leser:innen ab etwa 14 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

Jugendbücher im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Bevor es ab morgen wieder einige Buchbesprechungen gibt, habe ich auch heute noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Du weißt nen Scheiß über Sterne“ ist dabei ein Coming-of-Age-Roman von Petr Hanel (Anthea Verlag), während „Der Anfang“ von Oskar Källner (illustriert von Karl Johnsson) der Auftaktband in die neu aufgelegte Jugendbuchreihe „Erben des Imperiums“ bei Atrium Kinderbuch ist, die Text- und Comicelemente mischt. Empfohlen werden die Bücher für Leser:innen ab 12, respektive ab 10 Jahren. Zwei sicherlich innovative Titel – ich bin auf beide schon gleichermaßen gespannt!

Lest Ihr gern Jugendbücher?

[Buchgedanken] Miřenka Čechová: „Tote Schwäne tanzen nicht“

Vor kurzem habe ich auch „Tote Schwäne tanzen nicht“ von Miřenka Čechová gelesen. Das Buch ist 2025 im Anthea Verlag veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2020 bei Nakladatelstvi Paseka s. r. o. unter dem Titel „Baletky“. Der Roman ist als Gegenwartsliteratur einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Tschechischen zeichnet Julia Miesenböck verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ballerinen haben zwei Gesichter. Eines, das für das Publikum bestimmt ist. Und das andere, das niemand zu Gesicht bekommen soll – mit einem verblassenden Lächeln, das sich hinter den Kulissen zu einer Grimasse verzieht, gezeichnet von Erschöpfung und Schmerz, keuchend nach Luft. Wenn man diese Gesichter filmen würde, könnte man meinen, es handelt sich um eine erschreckende Enzyklopädie des menschlichen Leidens. Wie in einem militärischen Ausbildungscamp werden sie darauf trainiert, vor dem Publikum zu strahlen – so auch die Erzählerin dieser Geschichte. Sie ist noch keine vierzehn Jahre alt und schon Expertin für Abführmittel und Erbrechen, um das Gewicht zu halten. Der Traum, eine Primaballerina zu werden, verwandelt sich zunehmend in einen Albtraum. In den düsteren Ecken des Prager Nachtlebens der späten 1990er-Jahre sucht sie Ablenkung und flüchtet sich in die verführerische Welt von Partys, Drogen und ersten sexuellen Erfahrungen.

„Tote Schwäne tanzen nicht“ ist ein lose auf privaten Erlebnissen und Tagebucheinträgen basierendes Porträt der tschechischen Ballettszene um die Jahrtausendwende von der Tänzerin und Choreografin Miřenka Čechová. Da das Buch nicht streng biografisch anmutet – und jegliche Information und Einordnung dazu fehlt, in welchen Punkten die Erinnerung verlassen und ausgeschmückt wurde, habe ich es als Roman der Gegenwartsliteratur zugeordnet – mit einem einordnenden Nachwort oder einer Klarstellung hätte man das Buch durchaus auch als biografisch/anekdotische Erzählung werten können.

So oder so beschreibt das Werk in losen Anekdoten und Tagebucheinträgen das Aufwachsen der jugendlichen Protagonistin in Prag, wo sie eine Ballettakademie besucht und fernab ihrer Familie in Internaten, Gastfamilien und später einer eigenen Wohnung lebt. Zwar stellt sich durch die fragmentarische Darstellung nie ein wirklicher roter Faden oder Lesefluss ein, insgesamt bleibt das Porträt der Jugend aber durchaus spannend, abwechslungsreich und aufregend, wenn auch sicherlich etwas einseitig und nicht verallgemeinernd.

Denn die Ballettausbildung wird – trotz der durchlebten Träume und kleinerer Erfolgsmomente – durchaus kritisch und schonungslos dargestellt – vom diktatorischen Zwang der Schulleitung bis hin zu sexuellen Übergriffen, dem dauerhaften Hungern und der totalen Selbstaufgabe, dem fehlenden Selbstbewusstsein, dem Abtauchen in die Drogen- und Nachtclubszene, in der ein Mindestalter von 18 Jahren auch nur eine Scheinvoraussetzung ist. Sicherlich ist dies kein Einzelschicksal – wie ja auch die angedeuteten „Karrieren“ der Mitschüler:innen andeuten. In dieser dargestellten Allgemeingültigkeit ist dies aber, zumindest über das tschechische Ballett hinaus gesehen, so sicherlich auch nicht richtig.

Das Buch lässt nämlich etwas die Freude am Tanz vermissen, die Erfolgserlebnisse, das Zusammenwirken eines unterstützenden Umfelds mit einer pädagogisch wertvollen, ganzheitlichen und nicht gesundheitsschädigenden . Ausbildung, die es sicherlich auch gibt und die – vermutlich – sich in den letzten Jahrzehnten auch stärker ausgebreitet hat – allen hier präsentierten Horrorszenarien zum Trotz sicherlich auch in den osteuropäischen Raum. Und so verbleibt das Buch – so informativ und spannend, so aufrüttelnd und ehrlich – ein Mahnmal, wie man es nicht machen sollte, wie man weder dem wundervollen Ballett noch der Jugend gerecht wird.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind einige Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich, wenn man auch die Tagebucheinträge noch etwas mutiger hätte setzen können. Das Buch ist mit farbigen Coverinnenseiten und einer weiteren Illustration versehen, das Covermotiv setzt sich auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt für ein einheitliches Gesamtbild. Insgesamt ist der Buchumschlag aber eher eintönig und kein Eyecatcher, das Covermotiv sehr verwachsen und die Coverrückseite etwas textlastig und überfrachtet. Zuletzt merkt man der Übersetzung auch die Herkunft der Übersetzerin aus Österreich an, finden sich im Text doch vereinzelt dialektspezifische Begriffe wieder.

Mein Fazit? „Tote Schwäne tanzen nicht“ ist ein unzweifelhaft interessantes Porträt des Aufwachsens in der Ballettszene, das in Teilen aber überzeichnet erscheint und sehr einseitig die Schattenseiten herausstellt. Für Liebhaber des Tanzes – und für Leser:innen ab 16 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.